Ausgabe 
27.4.1893 Erstes Blatt
 
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1893

Donnerstag den 27. April

Aintr- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Hratisbeitage: Hießmer Kamilimötätter

und als Korb'

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Feuilleton

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Die WeltLNsstrUung in Chicago.

Der Weltverkehr und seine Mittel.

Mehr als irgend einem anderen der vielen Factoren, die bei der raschen Besiedelung und Nutzbarmachung des Landes maßgebend waren, hat Amerika es seinen vortrefflichen Verkehrsmitteln zu danken, daß es während der letzten fünfzig Jahre so riesige Fortschritte gemacht hat. Es war daher nur recht, daß man bei dieser Weltausstellung für daS Ver- kehrSwesen ein eigenes Departement schuf und den in seinen Bereich fallenden Ausstellungsobjecten einen Palast baute, der an Schönheit und räumlicher Ausdehnung nur wenigen der anderen offiziellen Gebäude nachsteht. Das Hauptgebäude mißt 960x250 Fuß, an welches sich nach Westen zu ein riesiger, ungefähr 9 Acres bedeckender Anbau schließt. Letzterer ist hauptsächlich sür die größeren Locomotiven und andere größere Fahrzeuge bestimmt, die in dem Hauptbau zu viel Raum einnehmen und die geplante Symmetrie etwas stören würden. Als schönste Zierde des Verkehrspalastes muß sein Portal bezeichnet werden, das ebensowohl durch seine Größe wie durch seine künstlerischen farbenprächtigen Verzierungen auffällt. Das große Dach deS Gebäude- soll den Besuchern als Promenade dienen, d. t. nur solchen, die für dieses Pri­vilegium 10 Cents zu bezahlen wünschen. Im Ganzen be­decken die beiden Gebäude einen Flächenraum von 20 Acres, was durchaus nicht zu viel ist, zieht man in Betracht, daß ganze Eisenbahnzüge und ungefähr 60 oder 70 Locomotiven verschiedener Gattung zur Ausstellung kommen werden. Dem Departement unterstehen auch mehrere Pavillons größerer Firmen, die zur Errichtung derselben außerhalb des Trans, portgebäudes besondere Erlaubniß erhalten haben, weil sie besonders viel Geld auf die Ausstellung ihrer Erzeugnisse, b-zw. Verkehrsmittel verwendet haben, wie die Pennsylvania- Bahn, das Vanderbilt-System der Eisenbahnen, die White Star Dampfschifffahrts - Gesellschaft und das Gebäude des Kanonenkönigs Krupp. Die Kanonen und andere Kriegs­

bahn nach Wien begeben, wohl als nicht zutreffend erachtet werden. .

Die definitive Entscheidung über die Militär- Vorlage rückt endlich doch heran. Am Montag hat die Militärcommission den umfangreichen Bericht ihres Referenten, des CentrumSadgeordneten Gröber, erörtert. Der Bericht, welcher dem Plenum die Ablehnung der Vorlage anempfiehlt, wurde von der Commission nach Vornahme einiger Streichungen, Kürzungen u. s. w. im Ganzen gutgeheißen. Durch Erheben von den Sitzen drückte die Commission dem Abgeordneten Gröber ihren Dank für seine ebenso mühevolle wie vortreff­liche Berichterstattung aus.

Herr v. Bennigsen weilte am Sonntag anläßlich der Generalversammlung der deutschen Shakespeare-Gesell­schaft in Weimar. Der nationalliberale Führer empfing bei dieser Gelegenheit eine Deputation seiner Weimar'schen Parteigenoffen. Er betonte derselben gegenüber, er habe die Hoffnung auf eine Verständigung mit der Regierung über die Militärvorlage noch nicht aufgegeben, da die Re­gierung an ihren Forderungen 15,000 Mann nachlassen wolle. Freilich meinte aber Herr v. Bennigsen dann, nach Lage der Verhältniffe sei selbst für die so modificirte Regierungsvorlage auf keine Mehrheit zu hoffen.

geschützt, welche Krupp fabrizirt, tragen zwar mchtS zur Hebung des Verkehrs bei, dienen auch nicht als Verkehrs­mittel, man mußte aber diese und andere Waffengattungen in das Departement einschließen, da Kanonen zur Bewaffnung eines Kriegsschiffes gehören und man die Schiffskanonen von den Landkanonen nicht gut trennen konnte.

WaS alles in diesem Departement dem Publikum ge­zeigt werden soll, ersehen wir wieder am besten aus der Gruppirung der Ausstellungsobjecte. In Gruppe 80 lernen wir alles kennen, was zum Bau und Betriebe der Eisen­bahnen gehört. Da wird auch nicht das Geringste fehlen, was zur Ausstattung einer Eisenbahn nothwendig ist, von dem kleinsten Nagel bis zur Locomotive. Fast alle größeren Eisenbahnen des Landes und viele des Auslandes werden durch Ausstellungsobjecte vertreten sein. Die Canadische Pacific-Bahn hat bereits einen ganzen Eisenbahnzug hier, und zwar einen nach der Art der Züge, die für die Durchquerung des ganzen Kontinents gebraucht werden. Die Wagen sind vollständig neu, aus Mahagoniholz hergestellt und sämmtlich durch Electricität beleuchtet. Diesem Zuge gegenüber wird der Zug der Loudon- und Northwestern Bahn stehen, wodurch mau gute Gelegenheit erhält, Vergleiche zwischen amerikanischen und englischen Reisemethoden anzustellen. Die Baltimore-und Ohio-Eisenbahn-Gesellschast hat mit einem Kostenaufwand von 50,000 Doll, einExhibit" Herstellen laffen, in welchem die Entwickelung des Eisenbahnwesens von seinen Anfängen bis zu seiner jetzigen Vollkommenheit zur Anschauung gebracht werden soll. In ähnlicher Weise will die Newyorker Eentral- bahn einige AusstellungSobjecte vorführen, u. A. auch eine vollständige Nachbildung des ersten Zuges, der im Jahre 1848 die Strecke von Newyork bis Troy zurücklegte und von der LocomotiveMohawk" gezogen wurde. Im amerikanischen Departement werden allein 50 Locomotiven sein, worunter einige, die aus der allerersten Periode des Bahnbetriebes stammen, und zwei Riesenlocomotiven, von denen die eine, in den Baldwin Works gebaut, 195,000, die andere, in den Brooks Works gebaut, ungefähr 180,000 Pfund wiegt. Von Europa kommen neun Locomotiven und mindestens doppelt so viele Bahnwagen, was sehr hoch anzuschlagen ist in an-

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Rebadian, IpebttUa und Druderei:

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Deutscher Reich.

Berlin, 25. April, lieber den Inhalt der einstündigen zeugenlosen Unterredung, welche Kaiser Wilhelm mit Papst Leo XIII. bei seinem sonntägigen Besuche im Vatican gepflogen, gehen bereits allerlei Mittheilungen durch die TageSpreffe. Dieselben stellen sich indessen als bloße Muthmaßungen dar, da eben kein Dritter bei der vertraulichen Besprechung zwischen Kaiser und Papst zugegen war, man kann also die hierüber circulirenden Gerüchte einstweilen auf sich beruhen lassen. Uebrigens trug der Verkehr des Papstes mit dem Kaiser und der Kaiserin den Charakter großer Herzlichkeit, wie sämmtlichc Berichte über den Besuch der Majestäten im Vatican bekunden.

_ Staatssekretär v. Marschall und Minister des Aeußern Brin haben, wie eine osficiöse Meldung aus Rom besagt, u. A. wiederholte Besprechungen mit ein­ander über die bisherigen Wirkungen des deutsch-italienischen Handelsvertrages gehabt. Es soll hierbei auch die Frage einer Prüfung unterzogen worden sein, ob nicht im gegen­seitigen Interesse beider Vertragsländer weitere Erleichterungen zuzugestehen seien.

Am Hofe von Karlsruhe sieht man dem Besuche deS Kaiserpaares am 2. Mai gelegentlich dessen Rück­reise entgegen; das erlauchte Paar gedenkt zwei Tage in der badischen Hauptstadt zu verweilen. Demnach kann die Blättermeldung, die kaiserlichen Majestäten würden sich auf der Heimreise von Luzern aus unter Benutzung der Arlberg-

Amtlicher Theil

Ausschreiben

halt der nachstehend bezeichneten Personen, März l. I. in Lang-Göns aufgehalten haben macher im Lande umherziehen:

1) Katharina Weiß aus Maar,

2) Karl Ulrich aus Stockheim, 3) Ludwig Klein aus Vetzberg.

Dieselben sollen als Zeugen vernommen Gießen, den 22. April 1893.

Großherzogliche Staatsanwaltschaft.

Schilling- Tr.

id) KlucknMk.

achmittags 6 Uhr ßeifammlung ladt 61.

cstandes.

iunb Entlastung des Rechners.

betracht des Umstandes, daß europäische Bahnwagenfabriken nicht mit den hiesigen concurriren und auf keinen Absatz in Amerika rechnen können. Lediglich dem Ansporne der ver­schiedenen Regierungen und dem liebenswürdigen Entgegen­kommen der amerikanischen Eisenbahngesellschaften, die fiir solche AusstellungSobjecte nicht nur kostenfreie Fahrt gewahrt haben, sondern auch zur Herstellung mancher derselben bei- steuerten, ist es zu danken, daß die Betheiligung in dieser Branche vom Auslande eine große und gute ist, denn fast alle Hauptbahnen Europas werden sich, wenn nicht durch daS wirkliche Betriebsmaterial, so doch durch Modelle, Photo- graphieen und Abbildungen aller Art betheiligen. Das deutsche Eisenbahnamt schickt zwei Locomotiven und alle Arten von Eisenbahnwagen hierher, um das deutsche Bahnsystem zu ver­anschaulichen- auch zwei, zu Kriegszeiten von der Gesellschaft zum Rothen Kreuz gebrauchte Lazarethwagen. Die Ver­kuppelung von Wagen, Legen von Geleisen, daS Signalisiren von Zügen, die verschiedenen Heizungs- und Beleuchtungs­systeme, die Verwaltung einer Bahn, das Alles und vieles Andere aus dem Bereiche des Bahnwesens soll praktisch zur Anschauung gebracht werden, so daß der Besucher ein voll­ständig übersichtliches Bild über diesen so wichtigen Zweig des menschlichen Verkehrssystems erhält. In Gruppe 81 sehen wir Kabel-, Pferde-, Hoch-, Untergrund- und electrische Bahnen und in Gruppe 82 Schiffsbahnen u. s. w.

Noch interessanter als Gruppe 80 wird Gruppe 85 sein, die alles umfaßt, was zum Bereiche der Schifffahrt gehört. Wie dort die Eisenbahngesellschaften, so haben hier die Schiff­fahrtsgesellschaften nm die Wette sich bemüht, mannigfaltige und reichhaltige AusstellungSobjecte zur Stelle zu haben. Der Norddeutsche Lloyd wird Modelle von sechs seiner bestell Dampfer zeigen und in seinem Pavillon eine Karte der Welt haben, auf welcher täglich durch Miniaturschiffe der jeweilige Aufenthalt eines jeden Schiffes angegeben werden soll, und zwar nicht bloß derjenigen Schiffe, die zwischen Bremen und Newyork fahren, sondern die aller Routen des Lloyd, also auf der nach Italien, Brasilien, Ostindien, China und Australien. Die französische Linie, deren Dampfer zwischen Havre und Newyork fahren, will elf verschiedene Dioramas

m. 98 Erstes Blatt

Mr bitten um Auskunft über den derzeitigen Ausent« " ' die sich Ende

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Kichmer Anzeiger

Keneral-Mzeiger.

die Preffe bestochen worden sei, namenllid) bie 8ftret$i^e_ Berliner Presse seien indirect bestochen worden. Durch daS Unter­bleiben der Versteuerung und deS Stempelns der rumÄrtschen Ge­sellschaft sei der Steuerkasse ein großer Verlust eutstandm. Die schlimmste Gründung sei aber die Bahn,H>urn°ver-Al mbekm, eia Werk Bennigsens und AdickeS' gewesm. ES f- nicht leine Absicht, Personen anzugreifen, sondern dm Staat zu schützen. Auf einen Zwischenruf Rickerts, Ahlwardt sei ein Lügner entgegnet dieser, Rickert erhalte von der Judenfchutztruppe jährlich 12 000 Mark.

Finanzminister Miquel geht auf die lMndörten B schuldig- ungen AblwardiS nicht in seinem eigenen, sondern im Interesse der öffentlichen Moral ein. Er gibt eine Darstellung der 'un'finifcben Eisenbahngründung. Redner erklärt, der spürbare Widnspruch zwischen meiner Behauptung, daß ich nie G^chäste gemacht und meiner Reicbnung ergibt sich daraus, daß ich im Auftragedm Acltonäre aehandelt habe. Trotzdem ich bei der D^ontogesellschaft die Stelle des Syndikus innehatte, bin ich bereit, für alle ©emfte zu meiner Zeit die Verantwortung zu übernehmen -Meißner habe nicht bloß Acten zugcklebt, sondern auch solche gestoben, wasi «in eigenthümliches Licht aus ihn werfe. Heute, wo ich Staatsbeamter bin, werde ich Jeden zur Verantwortung ziehen, der mit solchen Ver- leumdungm auftritt. (Beifall.)

Staatssecretär v. Maltzahn constatirt, daß Ahlwardt die trüberen Behauptungen betreffend Abmachungen zwischen der me- iierunß und den Börfmjuden über dm Jnvalidenfonds zurück-

Finanzminister Miquel: Ein im Jahre ^91 bestrafter Revolverjournalist Grunwald habe der DiScon oaefMchaft stc^r angeboten, nachdem dieselben durchgesehen und zurückge^esen worden, seien sie später von Ahlwardt angekauft worden. Diese Herren, welche von einem großen Betrüge an dem deutschm Volle fabeln, betrachten den Antisemitismus nur als Fahne.

Aba. Bennigsen (natl.) versichert, niemals irgendwelchen Gründergewinn aus feiner Stellung im EornilS der Bahn Hannover- Altenbeken gezogen zu haben. (Bravo.)

Abg. Richter (bfr.) weist Ahlwardts Behauptung zurück, daß er vergewaltigt werde und bestätigt, daß Bennigsens Lhätigkeit bei der Bahn Hannover-Alimbeken tadellos gewesm sei. fRtbner betont, die rumänische Eiienbabnangelegenheit sei eine prioate sei es auch keine öffentliche Angelegenheit, wenn die Discontogesell- schäft einige Procent mehr Zinsen genommen habe. Er beantrogt, in die Commission zu sehen, ob die Acten Anderes als das heute von Ahlwardt vorgebrachte enthaltm. Die Commission habe die Aufgabe, Ahlwardt ein- für allemal abzuthun.

Rickert (bfr.) spricht sich ähnlich aus: Ahlwardts Behauptung, er sei von der Judenschutztruppe bezahlt, sei eine gewissenlose infame ^Arwitz (bfr.) widerlegt die auf ihn bezüglichen Bemerkungen Ahlwardts^ ar Hf bc^roctt sich, daß trotz feiner Bitte vor dm Be- rathungen der Commission Mitgliedern des HauseS Einblick in die Sielen gewährt worden sei. Er polemistrt «egm Richter und sagt, er wisse nicht, wieviel Geld Bennigsen von StrouSberg erhallen habe. Jedenfalls führe die Altenbekener Bahn mit einem Umweg

DersHeher Reichstag.

82. Sitzung. Dienstag, 25. April 1898.

Die Tribünen sind Überfüllt, baS Haus ist schwach besucht.

Der Präsident bemerkt, Ahlwardt das Wort ertheilmd, .ein Eingehen auf den Inhalt der Selen sei unzulässig.

Abg. Richter (bfr.) wünscht keine Beschränkung bes LanbeS roe3<ngbg. Ahlwardt (Ant.) erklärt unter Hinweis auf den steno­graphischen Bericht bet früheren Sitzung, er werde beweism, wie nicht nur bei dem Jnvalidenfonds, sondern auch bei andern Gelegenheiten heimliche Verhandlungen stattgefunden hatten. Der Seniorenconvent habe ihn damals vergewaltigt. Deshalb und weil Richter, der über ihn Lügen verbreitet, Mitglied des Conventes sei, verlange er die Einsetzung einer Commission von 21 Mitgliedern.

Der Präsident ertheilt ihm dm Ordnungsruf.

Ahlwardt fortfahrend: Das deutsche Voll sei burtb bie Discontogefellschast in Gemeinschaft mit Bleichröber unb Miquel um 400 Millionen betrogen roorben. Die Acten rühren her von einem gewiffm Meißner, ber sie gesammelt habe, auS Haß gegen Bleichröber unb Hansemanns Pslegesohn. Die DiScontogesellfchast unb Bleichröber haben auch mit Staatsgelbern Wucher ge rieben. Er besitze ein Schriftstück, worauf Miquel selbst bunderttausmb THaler gezeichnet habe bei ben rumänischen Bahnen. Die Machen­schaften bei ber rumänischen Bahn seien nur möglich gewesen, weil

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9. April, Abends 8 W- des Cafe Leibi valtnng n WMM nag* °«"

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