Ausgabe 
26.11.1893 Drittes Blatt
 
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Sonntag dm 26. November

189<>

Kr. 279. Drittes Blatt

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.

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Die Gießener Heet«teirau<t »erden ban Anzeiger

Der Anzeige, rrfcheini täglich, eit Ausnehmc bei Montag».

Bemerkungen: Der Ertrag des |£>aferS in Körnern und Stroh war im Durchschnitt (1239 kg Körner pro ha) sehr gering,

Imlnt een Anzeigen zu der Rachmitlag» für den feigenden Lag erscheinenden Nummer li» Bonn. 10 Uhr.

n wird nicht Huw laben recht halb c. . assen: Frl. AinüL^ nlage Zl), (JrauDt^Vu' Hardt (GartenM l Frau Pfarrer t'süm irckssraße 11), ortmann (Mrrwttz 1 bereit, &oben in 6mr

der herbstlich gefärbten Landschaft ein festliches Gepränge, so daß es eine Helle Lust war, ein solch herrliches Vergnügen mitzumachek^, wie es eine Jagd zu Pferde ist.

Die Meute folgte, die Nasen tief auf dem Boden, der vom Schlepper gezogenen Fährte, in animinem Jagdgalopp folgte das Feld.

Dürrend ritt eine irische Stute, welche heute unter ihm die erste Jagd mitmachte und barbarisch ins Zeug ging, er hatte gerade zu halten, daß das feurige aufgeregte Pferd nicht ganz zusammenpackte. So gings durch eine Mulde, in deren Ende die Spitze einer kleinen Waldremise hineinreichte von dort aus sollte es dann im Bogen wieder gegen Neu- städtel zurückgehen- sollte, denn der nächste Augenblick gab der Jagd eine Direction, an die wohl Niemand, am aller­wenigsten aber der Oberst, vorher dachte. Die Meute hatte nämlich gerade die besprochene Waldremise erreicht, als plötz­lich, wie aus dem Boden heraus, direct vor den Nasen der Hunde, ein capitaler Rehbock erschien und, wie um sich zu orientiren, in flüchtigen Sätzen die Terrainwelle hinaufeilte, welche die eine Grenze der Mulde bildete.

Hatte sich die Stute des Oberst bisher kaum halten lassen, so war dies von jetzt ab effectiv unmöglich geworden. Sie scheute, schwenkte erschreckt mit mächttgem Rucke nach rechts dem Bocke nach. Dürrend war es nur mit äußerster Anstrengung möglich, im Sattel zu bleiben, die kläffende Meute, welche noch gezaudert hatte, glaubte jetzt, da auch ein Reiter in die neue Fährte übergegangen war, mit vollem Recht an dem Extravergnügen theilnehmen zu dürfen, schloß sich, den Hundsmann imponirend, ebenfalls an und nun gings ventre ä terre in der Richtung weiter, die der Rehbock an­gab, nämlich nach dem Parke von Schloß Schlackenkamm, der aus ziemlicher Entfernung herübergrüßte auch die Jagd­gesellschaft folgte jetzt natürlich.

Hol's der Teufel, ein Bock!" hatte Rittmeister v. Krampe, der Waidmann, gerufen,was hat denn das Biest hier alleine herumzuspazieren?" und als er, sein Pferd antreibend, näher­gekommen war, setzte er, sich auf dem Sattel vor Lachen

biegend, hinzu:Ich will meiner Lebtage kein gutes Pferd mehr zwischen die Beine nehmen, wenn daS nicht der alte Jacob aus dem Schlackenkammer Park ist das ist der beste Witz, den dieser Major noch je gemacht . . . allons, meine Herren, die Sporen eingesetzt, das Gesicht unseres Regimentschefs müssen wir sehen, wenn er hinter die Be- scheerung kommt!"

Wäre die Entfernung von der erwähnten Terrainwelle bis nach Schlackenkamm nicht gar so groß gewesen, so hätte man den dicken Major sehen müssen, der von seinem Flagg- thurme aus durch einen mächtigen Tubus die' Vorgänge auf besagter Terrainwelle mit der gespanntesten Aufmerksamkeit verfolgte und wie er jetzt seinen Freund Dürrend hinter dem Bocke her wie eine Rakete über die Haide direct auf Schlacken­kamm losschießen und die ganze Jagdgesellschaft folgen sah, ziemlich erblaßte und in größter Eile die Plattform verließ. Den Teufel auch- er hatte es auf eine kleine Neckerei ab­gesehen gehabt und nun lief dieser dumme Rehbock direct wieder heim und diesem Dürrend ging hinterdrein der Gaul durch und brachte ihn ihm direct auf den Hals daS konnte gut werden.'

Im Htnabeilen schrie er mit Stentorstimme nach seinem Haushofmeister und als dieser erschien, befahl er ihm, aus den zu dem verunglückten Diner angekommenen Delicateffen ein Dejeuner zu componiren und im großen Parterresaale die Tafel decken zu lassen . . . vielleicht ist's möglich, die Wuth Dürrends dadurch etwas zu besänftigen, dachte er dabei, denn daß er durchschaut sei, nahm er sofort an . . .in Gottes Namen, frisch drauf, da ist weiter nichts zu machen," pustete er noch vor sich hin und dann batte er die große Freitreppe erreicht, vor der soeben die Stute Dürrends parirte, weil eS hier absolut nicht mehr weiterging, der Bock hatte sich schon vorher mit mächttgem Satze über die Parkeinfrtedigung in Sicherheit gebracht und die Jagdgesellschaft galoppirte so­eben die Allee gegen das Schloß herauf.

ES war momentan ein furchtbares Durcheinander- die Meute heulte an der Parkemzäunung, der soeben angelaugte

Nachrichten über den Laatenstand im Großherzogthum Hessen

um die Mitte des Monats November 1893.

Zulammengestellt bei der Großh. Oberen landwirthschaftlichm Behörde.

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demgemäß zu beantragen, die Vorlage abzulehnen. Außerdem soll eine Massenpetition*) in dem gleichen Sinne in Circulatiou gesetzt und demnächst bet dem Reichstage eingereicht werden (Ersteres ist inzwischen erfolgt). Zur Frage der Reichs­weinsteuer sind der Kammer Eingaben der Handelskammern Würzburg und Frankfurt a. M. zugegangen, welche sich gegen diese Steuer aussprechcn und wird beschlossen, sich derselben unterstützend anzuschließen. In dem kürzlich erschienenen Octoberhefte des deutschen Handelsarchivs Theil II Seite 235 fg. ist ein Bericht des Kaiser!. Consulats iu Prätoria über die wirthschaftliche Lage der Republik Transvaal für das Jahr 1892 veröffentlicht worden, worauf wir Inte­ressenten aufmerksam zu machen nicht unterlassen wollen. lieber die Zollbehandlung der im Transit über Deutschland nach Finnland eingeführten Maaren geht uns eine in der amtlichen Zeitung zu Helsingfors veröffentlichte Bekanntmachung der finnischen Zollbehörde vom 16. Sep­tember 1893 zu. Interessenten wollen von itteser Bekannt­machung auf dem Büreau der Kammer Einsicht nehmen. Desgleichen gehen uns Nachrichten zu über zweifelhafte Firmen in Amerika und Rumänien und wollen sich Interessenten wegen näherer Auskunft gleichfalls an die Kammer wenden. Der Beirath von Sachverständigen, welchen der Herr Reichskanzler den diesseitigen Unterhändlern behufs Abschluß eines deutsch-russischen Handels­vertrages zur Seite gestellt hat, war am 27. und 28. v. Mts. in Berlin versammelt- derselbe hat einen Ausschuß gewählt, welcher in dauernder Verbindung mit den Commissarien der Regierung bleiben soll. Dieser Ausschuß besteht aus je drei Vertretern der Landwirthschast, des Handels und der Industrie. Es sind gewählt worden für die Landwirthschast: die Herren Graf Kanitz-Podangen, Rittmeister von Arnim-Güterberg, Rittergutsbesitzer Reich- Meyken- für den Handel: die Herren Lang-Lübeck, Vorsitzender der Handelskammer, Stadtrath Teschendorfs, Königsberg i. Pr., Ponfick, Frankfurt a. M., für die Industrie: die Herren Commerzienrath M ö l l e r-Brackwede, Commerzienrath Vo g el-Chemnitz, Ober-Bergrath Wachl er- Berlin. Wir ersuchen Diejenigen, welche Wünsche in Bezug auf den russischen Handelsvertrag geltend zu machen haben, uns dieselben bald thunlichst behufs Weitergabe übermitteln zu wollen.

** Herabsetzung der Telephougebuhren. Die schon oft als wünschenswert!) bezeichnete Herabsetzung der Telephon­gebühren von 150 Mark auf 50 Mk. für das JahreSabonne-

*) Den Wortlaut dtefer Petition veröffentlichen wir in nächster Nummer. Red.

Cocales nnd provinzielles.

Gießen. 24. November 1893.

** Sitzung Großh. Handelskammer vom 14. November 1893. Anwesend waren die Herren Koch, Scheel, Heichelheim, Katz, Klingspor, Kraatz, Wortmann. Zu dem Gesetzentwürfe, betr. die Besteuerung des Tabaks beschließt die Kammer, eine eingehend motivirte Eingabe an den Reichstag abgehen zu lassen und in derselben auf die schweren Schädigungen, von welchen gerade unser Bezirk mit seiner ausgedehnten Tabakindustrie bei Annahme des Entwurfs getrbffen werden würde, hinzuweisen und in der Eingabe

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Aus brr Dinrr-Fährte.

Von Th. Müller-Plattenstetner.

(Schluß.)

Die Geschichte, welche der Rittmeister v. Krampe er­zählte, war außerordentlich einfach. Den Husaren, welche auch mir der Meute jagten, war ein Rudel Wild in die Fährte gesprungen, die Hunde hatten die Schleppfährte ver­lassen und waren in vollem Jagen hinter dem Wilde her, ihnen nach preschten die Husaren, eine Gais wurde überritten und mußte wegen Beinbruchs geknickt werden und schließlich waren die Husaren wegen Wildfrevels verklagt und verknurrt worden.

Wie gesagt, der Major war seit Erzählung dieser Ge­schichte wie ausgewechselt- er näherte sich sogar dem Obersten wievhr- den eralter Busenfreund" nannte, und dabei guckte er so schlau in die Welt und hatte so viele Mühe, das fort­während aussteigende Lachen zu bekämpfen, so daß der Ritt­meister v. Krampe zu seinem Tischnachbar, dem Regiments­adjutanten, sagte:Mich soll Dieser ober Jener holen, wenn der von Schlackenkamm nicht aussieht, als ob er unserem »erehrten Chef für all die verdorbenen Frühschoppen eine ikleine Ueberraschung zu bereiten im Begriffe wäre," eine Ansicht, die sich bei beiden noch befestigte, als sich der Major später bei dem Adjutanten, scheinbar ohne besondere Absicht, auf das Genaueste über Zeit, Ort und Wege der bevor­stehenden Schleppjagd erkundigte.

Spät am Abend fuhr v. Schlackenkamm nach Hause, aber Notz der vorgerückten Stunde ließ er noch seinen Förster rufen mnb hatte eine lange Unterredung mit ihm.

*

Der mehrerwähnte SamStag hatte prachtvolles Wetter gebracht- eS war ein Morgen, an dem die Sonne zwar nicht nnehr viel Wärme ausstrahlen konnte, wie dies im October I Dicht anders zu erwarten war, aber ihr Heller Schein gab |

besonders in der Provinz Starkenburg (Minimum im Kreise Erbach mit 500 kg, Maximum im Kreise Dieburg mit 1600 kg, Durchschnitt 1140 kg Körner pro ha). Nur wenig günstigere Zahlen weist die Provinz Rheinhessen auf (Minimum in ben Erhebungsorten Nieder- Olm und Wörrstadt mit 800 kg, Maximum im Erhebungsbezirk Worms mit 1600 kg, Mittel 1170 kg Körner pro ha). In der Provinz Oberhessen werden zwar so geringe Erträge, wie in den beiden anderen Provinzen nicht verzeichnet (Minimum in den Kreisen Gießen und Schotten 1000 kg Körner pro ha), und der Durch­schnitt stellt sich deshalb wohl etwas hoher (1300 kg Körner pro ha); allein das Maximum (Kreis Friedberg mit 1600 kg Körner pro ha) geht über daS in Starkenburg und Reinhessen erzielte nicht hinaus.

Die Kartoffelernte ist außerordentlich verschieden ausgefallen. Die höchsten Erträge verzeichnet die Provinz Oberhessen (Minimum im Kreise Büdingen mit 10000 kg, Maximum im Kreise Alsfeld mit 24 000 kg, Mittel 16 800 kg pro ha). Das Minimum für das Großherzogthum (6000 kg im Bezirk Wöllstein), ferner die größten Schwankungen (bis 20000 kg im Bezirk Bingen) und zugleich der geringste Durchschnitt (12 600 kg) sind in der Provinz Rbeinhessen zu Tage getreten, während die Provinz Starkenburg (mit Schwank­ungen von 8000 kg im Kreis Erbach bis 16000 kg in den Kreisen Bensheim, Dieburg und Offenbach und einem Durchschnitt von 13 300 kg pro ha) in der Mitte steht.

Dasselbe gilt für Wiefen. Wenn die Erntezahlen für Futtergewächse kein so trostloses Bild darbieten, wie im Laufe des Frühjahrs und deS Sammers befürchtet werden mußte, so ist dies lediglich dem Umstande zuzuschreiben, daß infolge der im Herbste eingeiretenen Niederschläge Klee (auch Luzerne) und Wiesen noch gute bis sehr gute Schnitte lieferten. In Gegenden, in welchen der Sandboden vorherrscht (wie in den Kreisen Darmstadt und Offenbach), kamen die Niederschläge zu spät, da die Narbe vielsach bereits aus­gebrannt war. In diesen beiden Erhebungsbezirken ist denn auch das Minimum (Darmstadt bei Wiesen 1000 kg, Offenbach bei Klee und Luzerne 800 kg Heu und Grummet pro ha) zu ver­zeichnen. Den höchsten Ertrag erzielte bei Klee (und Luzerne) der Kreis Groß-Gerau (7000 kg), bei Wiesen der Bezirk Flonheim (7800 kg pro ha).

Der Stand der Wintersaaten ist im Allgemeinen gut bis sehr gut, besonders bei Roggen; der Weizen ist vielfach noch sehr zurück und daher noch schwer zu beurtheilen.

Der junge Klee zeigt die Spuren der Dürre; sein Stand ist, soweit er überhaupt aufgegangen war, gering bis mittelmäßig.

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Erhebungsbezirke.

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Provinz Starkenburg.

L Kreis Bensheim......

15 160 16 40

2 Darmstadt......

1 111-

12 120 20 ||10

c Dieburg......

2 - 2 3.5

16 160 36 |:25

4 Erbach.......

2 2 14

5 8014 20

6 Groß-Gerau.....

--1

12 150 70 55

f Heppenheim.....

-2 i,2 4

12 100 40 32

7 Offenbach......

2 |;2 II-II-

8 160, 8 24

Durchschnitt für Starkenburg

1,8J 1.8 1,4; 13,8

11,4 133|29 29

Provinz Oberhessen.

14 240 20 16

8 Kreis Alsseld.......

2 -24

$ Büdingen......

2 - 2 13

15 100

1fr Friedberg......

3-23

16 180 36 36

11 w Gießen.......

2 - 12 3

10 160 20 17

12 Lauterbach......

2 - 1,5-

220 -

i 13 Scholten......

-IHM-

10 ||110;40 25

Durchschnitt für Oderhessen

2,2,1 111,913.3

13 168:29 24

Provinz Rheinhessen.

14 Landw.Veretnsbezirk Alzey

2 1-1-

- M i1-

1b w Bingen

1.5 - 1 -

12 1200 20 15

IS Flonheim

2 - 2

12 130 48 )j79

17 Ingelheim

2 - 1,53

- 1100 35 40

15 Mainz

--22

12 140 60 48

1$ Nieder-Olm

--1 f-

8 80 14 20

2D Oppenheim

21i , Osthofen

- 1 ,5

1' -

2* Pfeddersheim

2 j- 2 3

14 100,20 16

23 Wöllstein

- 60- j-

24 Wörrstadt

-

8 128 20 18

25 Worms

2 - 2 -

16 12050 55

Durchschnitt für Rheinhessen

1,9 1,5 3 3

11.7||116 33.436,4

Durchschnitt für das Großherzogthum

2 ||1.8,'11,6113,5

12 ||139|3O,529,8