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Samstag den 26. August
Nr. 200
Amts- «nd rlnzeigeblatt für den Ureis Gieren
Gratisbeilage: Gießener Jamilienbtätier.
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«nnahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bi« Sonn. 10 Uhr.
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Oßcheuer Auzeiger «scheint täglich, eÜ Au«nat>me deS Montag«.
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Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau.
großen Gefrieranstalren der Festungen Metz und Straßburg gefüllt werden sollen, haben nach der „Magdeb. Ztg. nicht die erwartete Ausdehnung angenommen, da die höchsten Preise, die nach der ertheilten Instruction angelegt werden dürfen, hinter den von den Händlern gebotenen Preisen vielfach zurückblieben. Es darf — so fügt der Correspondent des genannten Blattes hinzu — dies wohl als ein Beweis angesehen werden, daß der Nothstand unter den reichsländischen Landwirthen übertrieben dargestellt worden ist. — Diel näher liegt doch die Annahme, daß die militärischen Ankäufe infolge deS schwer- fälligen Jnstanzenzuges zu spät kommen, nachdem inzwischen ein großer Theil des Viehbestandes schon verlaust ist und der eingetretene Regen die Hoffnung der Landwirthe wieder belebte. Allerdings macht sich neuerdings eine abermalige Trockenperiode fühlbar.
Friedrichroda, 24. August. Heute Mittag 12^2 Uhr wurde im Erdsaale des Schlosses Reinhardsbrunn, wo die Leiche des Herzogs aufgebahrt ist, eine Familien' andacht abgehalten, woran die anwesenden Herrschaften, die Mitglieder des herzoglichen Staatsministeriums, die Präsidenten des gemeinschaftlichen Landtages und das fürstliche Gefolge theilnahmen. Nach der Andacht, die der Ober-Hof- predtger Kretschmar leitete, wurde in Anwesenheit des Hausministers und des Chefs des herzoglichen HofamtS und Hof- marfchallamts der Sarg geschlossen.
Friedrichroda, 23. August. Herzog Alfred wird morgen nach Coburg abreisen, um an den Vorbereitungen für die
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betten.
heute das Denkmal des Großherzogs Friedrich Franz IL enthüllt. Anwesend waren der Kaiser, der Großherzog von Mecklenburg nebst Familie, der Prinzregent von Braunschweig, Großfürst Wladimir nebst Familie, die Herzöge Paul und Johann Albrecht von Mecklenburg, sowie viele andere Fürstlichkeiten. Der Kaiser kehrte Nachmittags nach Potsdam zurück.
Danzig, 24. August. Der „Danziger Zeitung" zufolge hat der Landwirthschaftsminifter die Erlaubniß zur Einfuhr von Heu und Stroh auö Rußland telegraphisch blS
die feindliche Linie schleichen und Beobachtungen machen wolle. — „Die Sache sieht viel schwieriger aus als sie ist," meinte Seine Excellenz, als ich etwas verlegen dreinschaute. „Noch heutzutage flüchten von allen Seiten Bewohner der Umgegend nach Metz hinein; schließen Sie sich dieser Strömung an."
„Das Hineinkommen dürfte auch nicht allzu schwer sein, Excellenz," antwortete ich, „wohl aber das Wieder- herausgelangen."
„Was das Letztere anbetrifft, so ward nur Ihre Findigkeit und Geistesgegenwart gerühmt. Ich gestehe indessen zu, daß zur Erfüllung einer derartigen ebenso schwierigen wie hochwichtigen Sendung ein ganz besonders hoher Grad von Muth und Opferwilligkeit gehört- ich dürfte Ihnen die Ablehnung nicht verargen, müßte Ihnen aber andererseits die Annahme sehr hoch anrechnen."
Das wirkte. Eine Stunde später wanderte ich, in den blauen Kittel des französischen Bauern gekleidet, Holzschuhe den Füßen, einen Quersack über der Schulter, durch ein Wäldchen, dessen dichtes Unterholz mir möglich gemacht hatte, mich ungesehen durch die feindlichen Vorposten zu schleichen.
An den Wald stieß ein Kartoffelacker, auf demselben fand ich einen alten Korb, den ich, einer zufälligen Eingebung folgend, über den Arm hing. Er schien mir die Wirkung meiner Maskerade zu erhöhen; nicht die mindeste Ahnung regte sich in mir, daß das elende löcherige und windschiefe Ding mein Lebensretter werden sollte.
Anderthalb Tage lang durchstreifte ich in meiner Eigenschaft als Kundschafter die Umgegend von Metz, mancherlei Bemerkungen und Beobachtungen sammelnd, welche man im deutschen Hauptquartier füglich würde verwerthen können, und so gelangte ich zu dem Flüßchen Seille, welches bei Metz in die Mosel mündet. Mich dürstete gerade- ich begab mich ans Ufer, welches mit dichtem Gebüsch besetzt war, trank und
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Der Lebensretter.
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machte dann, um meinem Gedächtniß zu Hilfe zu kommen, in meinem Taschenbüchlein einige Nonzen.
„Espion!" donnerte eine rauhe Stimme und eine starke Faust faßte mich kräftig- im Genick. Ein riesiger Corpora! von den Gardegrenadieren des dritten Napoleon hatte mich bemerkt und überrascht. Einige seiner Kameraden kamen hinzu und schleppten mich unter energischen Rippenstößen nach dem in der Nähe befindlichen Zeltlager des Bataillons.
Der Commandant, dem ich vorgeführt ward, unterhielt sich mit einigen ihn besuchenden Metzer Bürgern- einer der letzteren erkannte meine Wenigkeit nur zu gut wieder und so wäre denn ein Leugnen durchaus überflüssig gewesen. Ich biß die Zähne zusammen und machte mich auf den Tod gefaßt. Kurzen Prozeß stellten sie auch nur an, die Herren Franzosen: der etwas vom Absynth benebelte Major wollte mich sofort hängen lassen und erst als ich mit Hinweis darauf, daß ich ein OsfizierSdienstthuender sei, um die weit anständigere TodeSart des Erschießens ersuchte, stutzte er.
„Da müssen wir unS doch vielleicht noch erst- den Luxus eines Kriegsgerichts gestatten," murrte er, „schade, ich hätte meinen verehrten Gästen gern ein ihnen neues Schauspiel gezeigt/
Ein anderer Offizier meinte, es sei vielleicht rathsam, mich erst dem Marschall vorzuführen- dies gab der Major zu. Er ertheilte Befehl, einen Rapport aufzusetzen. B S dieser fertig r geschrieben sein würde, sollte ein leeres altes Spritzenhaus mein Gefängniß sein. Dort hinein sperrte man mich. Neben der Thüre stand ein Grenadier, der vor meinen Augen seinen Chassepot scharf lud, als Schildwache. Der Mann konnte durch ein niedriges Fenster meinen Kerker übersehen und that dies auch von Zeit zu Zeit- als ich aber auf der Erde liegend zu schlafen schien, blickte er seltener nach mir.
Beisetzungsfeierlichkeiten theilzunehmen.
Speyer, 24. August. Die Grundsteinlegung der zur Erinnerung an die Speyerer Protestation zu erbauenden Gedächtnißkirche fand heute Mittag unter Betheiligung der gesammten Bevölkerung Speyers und mehrerer tausend Fremder statt. Die kirchliche Weiberede hielt Stadtpfarrer Hoffmann von Speyer. Festansprachen hielten außerdem Hofprediger Rogge»Potsdam und Stadtpfarrer Traab« Stuttgart.
Schwerin, 24. August. Bei herrlichem Wetter wurde
Alle Amroucen-Bureaux bt« In- und Auslände« nehmen Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Eichener Anzeiger
Generat-Mzeiger.
(Nachdruck derboten.)
Wir lagen vor Metz. Nach den blutigen Kämpfen 14., 16. und 18. August 1870 war Marschall Bazaine seiner HeereSmacht in die noch jungfräuliche Moselfestung geworfen worden und unser Truppentheil gehörte zu den- jenigen deutschen Streitkräften, welchen die Aufgabe zufallen sollte, die „armee du Rhin“ mit eisernen Armen zu umklammern, bis ihr die Luft ausging.
An Schnelligkeit ließ die Vornahme der Umzingelung nichts zu wünschen übrig- noch waren die Gefallenen von St. Privat nicht sämmtlich dem Schooß der Erde übergeben, als sich schon von allen Seiten der Ring von Verschanzungen, Verhauen und sonstigen befestigten Stellungen bildete, welche dem Feinde jeden Ausweg abruschneiden bestimmt waren.
Auch diejenige Compagnie, in welcher ich als wohlbestallter Viceseldwebcl meine Pflichten gegen das Vaterland erfüllte, hackte, schaufelte und grub gerade wacker, als der Regimentsadjutant in flottem Galopp auf mich zugesprengt kam und mir den Befehl überbrachte, sofort vor dem Führer unseres Armeecorps zu erscheinen. Derselbe eröffnete mir nach einigen einleitenden Fragen, welche die Thatsache fest- stellten, daß ich früher als kaufmännischer Correspondent in Metz jahrelang Stellung gehabt habe, die Umgegend genau kenne und die Landessprache perfect spreche wie ein geborener Franzose, die Aussicht, mir einen ganz besonderen Verdienst um die Sache Deutschlands erwerben zu können. Es wäre schätzbar, wenn ich mich unter irgend einer Civilkleidung durch
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Amtlicher Theil.
Gießen, den 23. August 1893.
Betr.: Die Wahlen zum XXIV. Landtag.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grosth. Bürgermeistereien der zum IV.,
V., VII. und XII. Wahlbezirk gehörenden Gemeinden.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 18. d. M. (Kreisblatt Nr. 196) machen wir Sie darauf aufmerksam, daß, wenn während der OffenlegungSfrift der Wählerlisten vom 11. bis 13. September d. I. etwaige Einwendungen gegen die Richtigkeit dieser Listen vorgebracht worden fern sollten, die Wahl - Commission über dieselben zu entscheiden und die Listen hiernach sofort zu ergänzen oder zu berich- tui.en hat. . m ,,c
Sollte gegen die Entscheidung der Wahl - Commission Necurs erhoben werden, so sind die Reclamationen mit den Wahlacten sofort und spätestens bis zum 18. Sep tcmber d. I. an uns einzusenden. Die Wahlmanner- wahlen müssen
Montag den 25 September 3; oorgenommen werden. Die Wahlacten sind alsbald an die betreffenden Wahl-Commissäre abzusenden.
Wird bei der Aufnahme des Wahlprotokolls cm befon- derer Protocollführer zugezogen, fo mutz derselbe nach § 37 der Anleitung zur Vornahme der Wahlen der Wahlmanner vorher zu dieser Handlung von uns verpflichtet und daß bi.es geschehen, in den Wahlacten beurkundet werden. Sie wollen uns daher eoent. die betr. Namen bezeichnen und dre £tute zur Verpflichtung auf einen der nächsten Amtsiage hierher vorladen.
I. V.: vr. Melior.
Deutsche- Reich.
Jagdschloß Wolssgarteu, 24. August. Seine Königliche Höhest der Großherzog haben seit einigen Tagen gegen Abend mehrere Stunden im Freien zugebracht. Nachdem der feste Schienenverband abgenommen worden war, konnten Seine Königliche Hoheit auf einem Tragstuhl nach dem Hof getragen und dort herumgefahren werden. Der Zustand des Knie- gelenkes ist in stetig fortschreitender Besserung begriffen.
Darmstadt, 23. August. Wegen des Ablebens Seiner Hoheit des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg- Gotha ist auf Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer bis einschließlich den 12. September l. I. angeordnet worden.
Aus ElsaßLothringen, 21. August. Die von der Militärverwaltung angeordneten Diehankäufe, durch welche die
zum 21. September verlängert.
Wien, 24. August. Aus Lemberg wird gemeldet: Die Cholera nimmt in den Bezirken Delatyn, Nadworna und Kolomea zu- die Berichte von dort melden von grauen-- haftem Schmutz auf den öffentlichen Plätzen und der Fruchtlosigkeit der ärztlichen Warnungen. .
Gaeta, 24. August. An Bord der „Savoia" fand gestern ein Diner statt - Theil nahmen daran der König, Prinz Heinrich von Preußen, der Prinz von Neapel und der Herzog von Genua. Der König dankte dem Prinzen Heinrich herzlich für feine Teilnahme an ben Manövern und toastete auf die Gesundheit des Prinzen Heinrich, auf das Gedeihen und den Ruhm Deutschlands, sowie auf das Heer und die Marine Deutschlands. Die Musik spielte die deutsche und die italienische Hymne. Prinz Heinrich erwiderte mit einem Lobspruche auf die italienische Flotte. Das Material derselben sei vorzüglich, die Offiziere und Mannschaften .............. sie würden ihre Pflicht thun, wenn i. der König sie rufen sollte. Das Hoch des Prinzen Heinrich i auf den König wurde von den Anwesenden enthusiastisch ausgenommen. Als die „Savoja" um Mitternacht nach Spezzia in See ging, brachte die Bevölkerung stürmische Hoch-
rufe aus.
Aigues-Mortes, 24. August. Gestern Abend wurden fünf weitere Verhaftungen vorgenommen.
Petersburg, 24. August. An der Cholera sind in Moskau vom 15. bis 18. August 171 Personen erkrankt und 74 gestorben, in Petersburg ist vom 19. bis 20. August eine verdächtige Erkrankung vorgekommen- im Gouvernement Lomsha sind vom 13. bis 19. August 52 Personen erkrankt und 22 gestorben, in Orel vom, 6. bis 12. August 647 erkrankt und 213 gestorben, in Podolien vom 30. Juli bis 12. August 1178 erkrankt und 423 gestorben und im Dongebiet vom 15. bis 19. August 498 erkrankt upd 202 gestorben, ___
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 24. August. Die „Nordd. Attg. Ztg." bringt einen Leitartikel über die beabsichtigten Steuerprojecte- sie betont, die große Abneigung der Bevölkerung gegen das stärkere Heranziehen deS Tabaks zur Deckung der Bedürfnisse
Gotha, 24. August. Der gemeinschaftliche Landtag tritt morgen zusammen. — Professor Kugel-Gotha nahm die Todtenmaske des Herzogs ab. — Gestern Mittag erschien auch Gustav Freytag am Sarge des Herzogs.
Gotha, 24. August. Don sämmtlichen deutschen und zahlreichen ausländischen Fürsten, vielen hochstehenden Per- sönlichkeiten, auch vom Reichskanzler, sind bereits gestern herz- । lich gehaltene Beileidstelegramme eingetroffen. Die l ... _rp.
im hiesigen Schlosse aufliegenden Listen sind mit zahlreichen ; xntenißent und tüchtig Unterschriften hebcitt. der König sie rufen sc


