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Die am Sonnlag in Frankreich vollzogenen Neu­wahlen zur Depulirtenkammer liegen nunmehr in ihren Ergebnissen fast vollständig vor- es fehlen nur noch die abschließenden Ziffern aus drei Wahlkreisen. Es sind gewählt 315 Republikaner, 30 socialiftische Radicale und Socialisten, 13 Ralliirte (zur Republik bekehrte Monarchisten), 56 Bonapartisten und Royalisten- daneben machen sich 164 Stichwahlen erforderlich. Dieses Wahlergebniß bedeutet seinem hervorragendsten Zuge nach eine weitere schwere Niederlage der monarchistischen Parteien in Frankreich, denn von 164 parlamentarischen Mandaten, die sie zusammen be­saßen, haben sie jetzt kaum ein Drittel im erstell Wahlgange behauptet, und daß die Stichwahlen den Monarchisten noch einen ansehnlichen Stimmenzuwachs in der neuen Kammer erhalten sollten, ist völlig ausgeschloffen. Anscheinend haben die verschiedenen Gruppen der gemäßigten Republikaner die besten Geschäfte bei den Wahlen gemacht, so daß nun endlich vielleicht eine gemäßigt-republikanische Mehrheit in der fran­zösischen Kammer zu Stande kommt.

Der so lange von sich reden machende Gegen­besuch eines russischen Geschwaders in Frankreich soll nun zur Wirklichkeit werden, da für den 15. September die An­kunft einer russischen Flottenabtheilung es sind die Schiffe, welche Rußland anläßlich der Columbusfeier nach Newyork entsandt hatte in dem westfranzösischen KriegShafen Brest angekündigt worden ist.

.Gießener Anzeiger" entgegen.

Sachsen-Coburg-Gotha am Dienstag Abend 118/< Uhr verschieden ist. Bor wenigen Wochen war der greise Fürst, als er den von ihm ins Leben gerufenen Musteraufführungen am Theater von Gotha beigewohnt hatte, bei der Rückkehr nach Schloß Reinhardsbrunn von einem Schlaganfall betroffen worden, dessen Folgen die kräftige Constitution des Herzogs anfänglich zu überwinden schien, denen indessen der edle Monarch nach längerem Leiden und tagelangem Ringen mit dem Tode nunmehr doch erlegen ist. Das Hinscheiden dieses echt deutsch gesinnten Fürsten hat weit über die Grenzen seines Landes hinaus im ganzen übrigen Deutschland schmerzliche Bewegung und Theilnahme hervor- gerusen, die sich aus den nationalen Bestrebungen hinlänglich erklärt, die der nun verewigte Monarch von Beginn seiner Regierungsthätigkeit an verfolgte. Schon in jungen Jahren ist Herzog Ernst ein überzeugter Vorkämpfer für die nationale Einigung Deutschlands gewesen, dieses hehre Ziel hielt er sich auch in reiferen Jahren stetig vor Augen, bis ihm dann 1871 die Genugthuung wurde, dasselbe durch die Gründung des neuen ruhmvollen deutschen Kaiserreiches erreicht zu sehen und seitdem hat Herzog Ernst bis zu seinem Lebensende allzeit treu zu Kaiser und Reich gestanden. Tief beklagt darum das ganze deutsche Volk den Heimgang dieses trefflichen Fürsten, während er außerdem in seinem eigenen Volke durch die segensreichen Früchte seiner fast fünfzigjährigen Regierung, durch sein wahrhaft landeöväterliches Walten und durch die ihn in so ungewöhnlichem Maße auszeichnenden Eigenschaften des Geistes und Herzens ein unauslöschliches Andenken hinter­läßt. Was den äußerlichen Lebensgang des ver­blichenen Monarchen anbelangt, so seien an dieser Stelle die folgenden hauptsächlichsten Daten hieraus wiedergegeben. Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg Gotha wurde am 21. Juni 1818 zu Coburg als der erste Sohn des Herzogs Anton Karl Ludwig aus dessen später wieder getrennten Ehe mit Prinzessin Luise von Sachsen-Gotha geboren. Am 3. Mai 1842 vermählte er sich mit Prinzessin Alexandrine von Baden, geboren am 6.'December 1820, und folgte seinem Vater am 29. Januar 1844 in der Regierung der Herzogtümer Coburg und Gotha nach. Die stürmischen Jahre 1848 und 1849 sanden in den beiden Herzogtümern nur einen schwachen Widerhall, da Herzog Ernst die Gemüther durch rechtzeitige Zugeständnisse zu beruhigen wußte und überdies den beiden Herzogthümern eine gemeinsame Versassung gab. Thalkräftigen Anteil nahm der jugendliche Fürst an dem Kriege gegen Dänemark im Jahre 1849. Er führte in demselben den Oberbefehl über das thüringische (Kontingent und trug wesent­lich zu dem glänzenden deutschen Waffenerfolge von Eckern­förde am 5. April 1849 bei. Im Inneren beschritt Herzog Ernst immer entschiedener die Bahn zeitgemäßer Reformen in allen Derwaltungszweigen, nach Außen, speciell was die allgemein deutschen Fragen anbelangt, theilte er den preußi­schen Standpunkt. Immer aber behielt er dabei die Einigung Deutschlands im Auge und wirkte Herzog Ernst für die Er­reichung dieses Zieles durch eine ganze Reihe von Schritten. Eine fast beispiellose Popularität in ganz Deutschland errang sich der Herzog durch seine persönliche Theilnahme an den deutschen Schützen- und Turnerfesten der sechziger Jahre und durch die eifrige Begünstigung der politischen Bestrebungen dieser Vereinigungen, von welch letzteren man damals die Herbeiführung der deutschen Einheit mit erwartete. Mit großer Hingabe widmete sich Herzog Ernst 1864 der Sache Schleswig-Holsteins und befürwortete er warm die Rechte des Erbprinzen von Augustenburg gegenüber Preußen, was lhn aber nicht hinderte, sich im deutschen Kriege von 1866 offen auf. die preußische Seite zu stellen und das coburg gothaische Truppencontingent sofort zu den Preußen stoßen zu lasten. Den Krieg gegen Frankreich 1870/71 machte Herzog Ernst im Gefolge König Wilhelms mit. Der Heimgegangene Fürst zeichnete sich auch durch hohen Kunstsinn und estrige Förderung von Kunst und Wissenschaft aus, namentlich der Musik und der dramatischen Kunst. Er war selbst ein hervor- ragender Musiker und Componist, als welcher er eine Reihe melodiöser Opern verfaßt hat. Den gedachten Zwecken opferte Herzog Ernst auch namhafte Summen aus seinem Vermögen, während er sich sonst in seinem Privatleben großer Einfachheit befleißigte. Da die Ehe des Herzogs mit Herzogin Alexandrine kinderlos geblieben ist, io besitzt sein englischer Anverwandter, der Herzog von Edinburg, zweiter Sohn der Königin Victoria, das nächste Anrecht auf den erledigten Thron von Coburg-Gotha. Derselbe hat denn auch bereits seinen Regierungsantritt angezeigt.

Die preußischen Bischöfe waren am Dienstag und Mittwoch zu Fulda zu ihren herkömmlichen alljährlichen Berathungen wiederum versammelt- denselben wohnte auch der Bischof von Mainz bei. Den Vorsitz in der Dersamm-

Deutsches Reich.

Berlin, 23. August. Aus Schloß Reinhardsbrunn bei Gotha kommt die allerdings nicht mehr überraschende ^.rauerkunde, daß daselbst der Herzog Ernst II. von

lang sühne der Erzbischof von Köln, die Ergebniste der Conserenz werden noch geheim gehalten. Zn Sp eher tagte um die nämliche Zeit die sechste Generalversammlung des Evangelischen Bundes.

Der Antisemitismus. Dieses Thema beschreibt dieNordd. Allg. Ztg." in ihrer Abendausgabe vom Montag, anknüpfend an den vor Kurzem von Herrn Geheimrath Virchow gebrauchten Ausspruch:Bis jetzt hat man noch keine Pro- sestur des Antisemitismus gefordert." Wir entnehmen dem Artikel Folgendes:Das Thema des Antisemitismus in der socialpolitischen Bedeutung des Wortes unb in dieser allein kommt ihm der Werth eines substantiellen Begriffs zu fordert allerdings aufs dringendste eine Prosestur, d. h. eine unbefangene unb sachkunbige, im Geiste ber Wissenschaft burch- geführte Untersuchung. Schließt boch dieses Thema zwei Fragen in sich, welche in allen (Kulturländern, hier in dieser, dort in jener Form eine Antwort heischen unb welche unter den großen Fragen ber Weltöconomik leicht die beiden wich­tigsten sein dürsten. Ist es wahr, daß der Staat überhaupt, nicht bloß der von capitalistischen Anschauungen und^Jnteressen übermäßig beherrschte, macht- unb wehrlos ist gegenüber dem fortschreitenben Proceß einer Zerreibung des MittelstanbeS, welche vom Liberalismus mit kleinlauter Ängstlichkeit, vom Socialismus mit höhnischer Schabensreube übereinstimmend als eine unaufhaltsame Nothwendigkeit der wirthschastlichen Evolution bezeichnet wird? Dies die erste Frage. Die zweite schreibt jetzt immer häufiger ein blutiges Memento in die Blätter der Tagesgeschichte. Sie müßte ihre theoretische Ausklärung finden in einem Werke, welchesbie wirthschast- liche Concurrenz der Fremden ober nicht vollstänbig national Assimilirten in ben Culturländern, bereit sociale unb politische Folgen" zum Vorwurf nähme. Nur in dieser Weise erfaßt, wird der Gegenstand sich in jenen großen, von allen Heber* Wucherungen durch Zufälligkeiten befreiten Zügen darstellen, die ihn der wissenschaftlichen Bearbeitung erst zugänglich machen. Die Ermordung italienischer Arbeiter in Südfrank­reich , die Vertreibung der Chinesen in den Hnionstaaten Nordamerikas und aus den australischen Colonien sind Er­scheinungen, welche mit dem Antisemitismus verwandt und boch auch wieder, besonders hinsichtlich der practischen Folge­rungen, von ihm wesentlich verschieden sind. Die internatio­nale Socialdemokratie wittert in dem besonders in Frankreich unb Norb - Amerika sich täglich schärfer accentuirenben Knownothingthum" der Arbeiterbevölkerung ihren gefähr­lichsten Gegner. In Zürich sind die Franzosen, die jetzt zum ersten Male die passive Seite der Verbrüderung kennen lernen, auf dem (Kongreß kaum hörbar geworden. Es ist Hundert gegen Eins zu wetten, daß sie in drei Jahren ganz weg­bleiben. Je mehr der Staat von possitivem Werth für die Erwerbenden wird, desto eifersüchtiger wird dieser auf Nationalisirung der Arbeit" bedacht sein. Probleme, um- fassend und wichtig genug, um die volle Energie des nnffan« schaftlichen Denkens herauszufordern!

Wieseck, den 23. August 1893.

Das Grotzh. evangelische Decanat Gießen

an die evangelischen Pfarrämter des Decanats.

Von heute ab habe ich einen achttägigen Urlaub erhalten. Eilende Sachen werden in dieser Zeit von meinem Stell- Vertreter erledigt.

Wahl.

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Innabmt von Antigen zu der SiachmmagL für den 2 (^HCßCltCt «n

folgenden Tag erscheinenden 9himmer biß Sonn. 10 Uhr. | 0 c? < ______________________________________

Bekanntmachung, betr. die Herbstübungcn der Großh. (25.) Division; hier die Flurschäden.

Im Laufe dieses Monats werden auf einem noch aus­zuwählenden Gelände bei Gießen die Hebungen der Infanterie- Regimenter Nr. 115 und 116 (verstärkt durch das Jäger- Bataillon 11) ihren Anfang nehmen und es wird sodann die 49. Infanterie - Brigade dis zum 10. September auf dem betr. Felde exerciren. Sodann finden in der Zeit vom 11. bis 15. September die Brigade - Manöver der verstärkten 49. und 50. Infanterie - Brigaden in dem Dreieck Lich WetzlarButzbach und in dem Bezirk ButzbachHsingen FriedbergHungenMünzenberg und im Anschluß hieran die Divisions Manöver in dem Landstrich HungenGießen WetzlarButzbach statt.

Zur thunlichsten Vermeidung von Flurschäden in Folge der Hebungen ergeht hierdurch an die Grundbesitzer die Auf­forderung, ihre Grundstücke noch vor Beginn der Exercitien bezw. Manöver, soweit dies überhaupt möglich ist, abzuernten und diejenigen Grundstücke, welche während der Hebungen noch mit Früchten bestanden sind, sowie die vor­zugsweise zu schonenden Ländereien, wozu in diesem Jahre besonders die mit Futterpflanzen bestellten gehören, durch Anbiingen von etwa zwei Meter hohen Stäben mit Strohwischen schon von Weitem erkenntlich zu machen.

Zur rechtzeitigen Wahrung ihrer Interessen machen wir die Kreisangehörigen noch auf folgende gesetzliche Bestimmun­gen aufmerksam:

1) Grundstücke. deren Benutzung bei Truppenübungen gänzlich ausgeschloffen ist (Gärten, Parkanlagen, Holz­schonungen, Pflanzgärten 2c.) müssen, insofern deren Eigenschaft als solche nicht ohne Weiteres erkennbar ist, an den Enden durch hochstehende Tafeln mit Auf­schrift bemerklich gemacht werden.

2) Beschädigungen, welche nicht durch die Truppenübungen, sondern auf andere Weise, besonders dadurch entstanden sind, daß die Betheiligten das rechtzeitige Abernten Unterlasten haben, begründen keinen Anspruch auf Ver­gütung.

3) Arbeiten und Aufwendungen, von welchen die Jnter- estenten gewußt haben, daß sie durch die Truppen­übungen ber nächsten Tage zerstört werden mußten, begründen einen Anspruch auf Schadloshaltung gleich­falls nicht.

Gießen, den 16. August 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

Gießen, den 16. August 1893.

Betr.: Wie oben.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen <1* die «rstzh. Bürgermeistereien de- »reise-.

Soweit Ihre Gemarkungen nach vorstehender Bekannt­machung und der Ihnen mit unserem Ausschreiben vom 11. d. M. (Kreisblatt Nr. 190) mitgetheilten Unterkunfts- liste voraussichtlich von den diesjährigen Truppenübungen berührt werden, wollen Sie diese Bekanntmachung alsbald und sodann mit Zwischenräumen von 8 Tagen zweimal auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen.

Zugleich beauftragen wir Sie, Ihren Polizeibebiensteten und Feldschützen ganz besonders die Heberwachung des Publikums auf den Hebungsfeldern und bei den Biwaks zur Pflicht zu machen, damit Flurbeschädigungen durch dasselbe möglichst vermieden werden. Durch Zuschauer verursachte Schäden werden aus der Militärkaste bekanntlich nicht ersetzt.

I. V.: Dr. Melior.