Ausgabe 
25.6.1893 Zweites Blatt
 
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'nicht bestimmt feststehe. Der Empfangs-Ausschuß konnte über die Fahrpreis-Ermäßigungen und Giltigkeits-Verlänger- nngen der Fahrkarten seitens der Eisenbahn-Verwaltungen be­richten. Die König!. Preuß. Staatsbahnen geben bei gemein­schaftlichem Bezug von mindestens 30 Fahrkarten halbe Fahr­preise- die Main - Neckarbahn bei Vorzeigung der Festkarte freie Rückfahrt auf einfache Fahrkarte vom 29. Juli bis 3. August- die Hess. Ludwigsbahn, die sonst gegen Vereine rc. so sehr liberal ist, hat sich bis jetzt nur zu sehr geringen Vergünstigungen herbeigelassen. Der Turn-Ausschuß hat von Herrn Prof. Müller dahier einen sehr gelungenen Ent­wurf zu einer Ehrentafel anfertigen lassen, deren Ausführung genehmigt wurde.

A Mainz, 22. Juni. Der Verein selbstständiger Ge­werbetreibender hier, dem der größte Theil der Mainzer Kleinmeister angehört, hat in einer gestern stattgehabten Versammlung beschlossen, bei der bevorstehenden Stichwahl für den nationalliberalen Candidaten Amtmann Braun einzutreten. Da die Statuten des aus allen Parteien zu­sammengesetzten Vereines ausdrücklich jede politische Agitation ausschließen, sind in Folge des gestern gefaßten BeschluffeS, der lediglich auf eine, von den nationalliberalen Mitgliedern selbst am meisten verurtheilten Tactlosigkeit des Vorsitzenden zurückzuführen ist, in dem Vereine ernste Mißhelligkeiten entstanden, die möglicher Weise zu dessen Auflösung führen werden. Mit dem kommenden 1. Juli werden hier, wie im ganzen Landkreis Mainz, die Bestimmungen über die Sonntagsruhe wesentliche Veränderungen erleiden- das Friseur- und Barbiergeschäft wird keinerlei Beschränkung mehr unterliegen, deßgleichen werden die Conditoren, Back- waarenhändler und Blumenhändler große Erleichterungen in ihrem Geschäftsbetriebe eingeräumt erhalten. Bei den Tabak- und Cigarrenhändlern findet eine einheitliche Regelung des Geschäftsbetriebs statt und zwar in der Art, daß das j ganze Jahr über die Verkaufsstunden Sonntags von 11 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends festgesetzt sind.

Bingen, 20. Juni. Weinhändler und Handelskammer- Präsident Coblenz von hier und Weinhändler Sturm aus Rüdesheim sind als Mitglieder des internationalen Preis­gerichts nach Chicago berufen worden.

Verbrachtes.

tt Kassel, 22. Juni. Massenhaftes Absterben der Fische. In Folge der in letzter Zeit ungewöhnlichen Trockenheit ist der Wasserstand des Fuldaflusses ein ganz ungewöhnlich niedriger geworden, namentlich unterhalb

der Stadt Kassel nach Bad Wolfsanger und der hannöverschen Grenze zu, tritt dies besonders auffallend in die Erscheinung. Hierdurch ist nun leider ein höchst bedenkliches, geradezu massen- hafteö Absterben der Fische herbeigeführt, welches bei hiesigen Fachmännern der Fisch- und Flschereikunde große Befürchtungen mit Recht hervorruft. An einzelnen seichten Stellen, namentlich da, wo der Fluß Biegungen macht, liegen die tobten Fische centnerweise an den Ufern herum, so daß ordentlich die Lust dadurch verpestet wird. Von sachkundiger Seite wird der Verlust der verendeten Fische auf mindestens 200 Ccntner in einer Zuschrift an die hiesigen Zeitungen abgeschätzt, ja wird sogar die Befürchtung darin ausge­sprochen, daß bis zur hannöverschen Grenze der gesummte Fischbestand vernichtet ist. Thatsache ist, daß Sonntag, Montag und Dienstag einzelne Stellen des Fuldaflusses buchstäblich von tobten Fischen gänzlich bebeckt waren. Der Verlust ist auf Jahre hinaus sicher fühlbar, nicht nur größere Fische, tote Hechte, Aale, Forellen rc., auch Millionen werth- voller Fischbruten sinb vernichtet worden. Schuld trägt auch, daß einzelne Mühlgräben völlig trocken liegen.

* Frankfurt, 19. Juni. Die Straße nach M ör feld en, wo bekanntlich auch Kuhmichel und die Mordgesellen Schreck und Kramm ihre Blutthaten verübten, ist wieder einmal der Schauplatz eines Ueberfalles gewesen, der diesmal glücklicher­weise nicht mit dem Tode der Ueberfallenen, sondern mit der Festnahme des Verbrechers seinen Abschluß fand. Ein junges Mädchen aus Walldorf, die 18jährigc Katharina Becker, hatte sich gestern Vormittag um 10 Uhr mit ihrer jüngeren Schwester aus den Weg von Walldorf nach Mörfelden begeben, als sie plötzlich von einem Menschen angehalten und zu Baden geworfen wurde. Zwar gelang es ihr, sich wieder aufzuraffen, sie wurde aber von dem Menschen mittelst eines Todtschlägers sofort wieder niedergeschlagen. Zwei zufällig in der Nähe arbeitende ältere Männer eilten auf die Hilfe­rufe herbei- deren vereinten Kräften gelang es nach hartem Kampfe, den Unhold zu überwältigen und mit Hülfe der herbeigeeilten Mörfelder Polizei gefesselt nach Walldorf zu bringen.

* Militsch, 21. Juni. Eine furchtbare Feuersbrunst zerstörte in Schlabotschine 13 große Wirthschaften. 80 Personen sind obdachlos, ein Mädchen ist umgekommen, zwei Männer haben schwere Brandwunden erlitten.

* Trier, 21. Juni. Gestern Nachmittag entluden sich über Saar und Mosel mehrere heftige Gewitter, die endlich dem auSgedörrten Erdreich den ersehnten Regen brachten. Ein Blitzstrahl traf einen 55jährigen Mann und ein 18jähriges Mädchen, welche beide auf einer Wiese bei Irsch im Kreise Saarburg arbeiteten, und tödtete sie auf der Stelle.

Posen, 22. Juni. Nach einer Meldung derPosener Zeitung" aus S ch n e i d e m ü h l von heute hat der Brunnenmeister Bayer den Brunnen geschlossen. Derselbe wird von Zeit zu Zeit geöffnet, um Wasser ablaufen zu lassen. Daß Gebiet der Bodensenkungen hat sich nicht erweitert.

Verkehr, £mtö» rind Volkswirthschast.

Die Herstellung von rchaumwein (Champagner) a«g selbstgekeitertem JohanniSbeerweia. Der JoharmlSbeerwein liefert von allen Obst- und Beerenweinen den feinsten Schaumwein (Champagner). Das Herstellungsverfahren ist einfach und von jedem Laten ausführbar. Durch Gährung wird Zucker in Alkohol und Kohlensäure zerlegt, wobei sich Hefenthetle ausscheiben und zu Boden finken. Wenn man nun jungen Wein auf Flaschen zieht, mit Zucker versetzt und eine geringe Quantität Hefe htnzusetzt, so wird innerhalb der Flasche hn nicht zu kühlen Keller eine langsame Gährung statt­finden, ohne daß es der Kohlensäure bei luftdichtem Verschluß möglich ist zu entweichen. Sie wttd vom Weine absorbiert (aufgesogen). Die Hauptsache ist, daß man Flaschen von starkem Glase (am testen Champagner- oder ^elterwasserflaschen) verwendet und einen durch» aus luftdichten Verschluß herstellt. Auch Bierstaschen mit sog. Patent­verschluß find sehr wohl zu benutzen. Das Verfahren ist folgendes: Man zapft klaren Wein aus Flaschen, setzt auf jede Flasche 10 bi6 40 x fein gepulverten Zucker und eine geringe Quantität (Vu !hee- löst'el voll) Weinhefe zu, verkorkt die Flaschen, verbindet die Korke mit Bindfaden und versichert sie mit Draht In Art der Setters- flaschen, verlackt sie und bringt sie in den Keller, wo sie bis zum Gebrauch stehend aufbewahrt werden. Die sich absetzende Hefe bUbtt einen Bodensatz. Beim Transportieren der Flaschen, Entkorken und Einschenken muß man etwa« vorsichtig verfahren, damit man den Wein wenigstens anfangs klar abschenken kann; der unterste Tbeil wird Immer trübe ablaufen. Junge Weine, die völlig klar geworden find, eignen sich zu Schaumwein, der in dieser Weise erzeugt wird, am beften. Mehr abgelagerte vergähren meist schwerer und behalten den Zucker aufgelöst In sich. Der Alkoholgehalt darf nicht zu groß fein; am zweckmäßigsten beträgt er 910 o/o. Die Menge des zuzusetzenden Zuckers richtet sich nach der Süße des Weins. Ist derselbe noch sehr süß, so setzt man pr. Flasche nur 1012 g zu; bei solchen, die fast keinen Zucker mehr enthalten, nimmt man ca. 40 g. Bei kühler Kellertemperatur geht die Gährung in der Flasche nur sehr langsam vor sich. Will man baß Verfahren beschleunigen, so muß man die Flasche anfangs eine Zeit lang in eine Temperatur von ca. 1518° R. bringen. Man stellt sie deshalb am zweckmäßigsten während der (Sommermonate auf den HauSboden. Später müssen sie kühl lagern. Die Zeit der Ausbildung richtet sich nach dem Alter des^Wiines und der Wärme des GährraumeS. Im Mai auf Flaschen Senommene und anfangs warm gelagerte Weine sind meist im Spät- erbst schon trinkbar. Lagern sie von Anfang an im Keller, so ist die Gährung meist nach einem Jahre noch nicht beendet. Wer sich über diesen Gegenstand, sowie über die Obst- und Beerenweinkelteret im Allgemeinen und die deS JohanntsbeerweinS im Besonderen ge neuer informiren will, den verweisen wir auf das bereits in 2. Auf­lage vorliegende Buch:H. Timm, Der IohanniSbeerwein und die übrigen Obst- und Beerenweine." Dasselbe ist bet Eua. Ulmer in Stuttgart (Preis el«g. geb. 3 Mk.) erschienen und kann von jeder Buchhandlung sowie auch dtrect vom Verleger bezogen werdm.

Bekanntmachung.

Die erledigte Stelle eines Kreis Straßenwarts mit dem Sitz in Watzenborn-Steinberg soll bis zum 1. September l. Js. wieder be­setzt werden.

Bewerber haben ihre Meldungen bei Bezirksbauaufseher Rohrer in Gießen bis zum 15. Juli d. Js. ein­zureichen, wobei Alter, Wohnort und seitherige Beschäftigung unter Bei­fügung etwaiger Zeugnisse über frühere Arbeitsleistungen ähnlicher Art anzu­geben sind.

Gießen, den 23. Juni 1893. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen. ________v. Gagern. [5610

Arbeitsdersteigerung.

Mittwoch den 28. l. Mts., Nachmittags 5*/, Uhr sollen in der Gemeinde Mainzlar nachstehende Arbeiten öffentlich in den Accord gegeben werden:

veranschlagt zu Mk. Maurerarbeiten 324.

Schlosserarbeiten 35.

Chaussirarbeiten 210.

Steinlieferung 563.50

Steinsetzen 21.

Gießen, den 20. Juni 1893.

Der Bezirks-Bauaufseher: 54981 Senßfelder.________

Är. Oberhkff. Sisenbahueu.

6540] Die Lieferung von 409 laufenden Meter Weichenschwellen auS Eichenholz für Nebenbahnen soll vergeben werden. Die Bedingungen nebst Verzeichntß der Schwellen find bei unserer Magazins- verwaltung, sowie auf den Stationen Hungen und Nidda einzusehen, Angebote biß zum 30. d. Mts. dahier einzureichen.

Gießen, den 20. Juni 1893.

Großherzogltche Direction.

Hofraithe-Verkauf.

Donnerstag den 29. Juni l. Js., Nachmittags 1 Uhr, soll die Hofraithe des verstorbenen Ger­hard Schön II. dahier im Saale des Ludwig Geißler VII. unter den alsdann bekannt gemacht werden­den Bedingungen versteigert werden.

Staufenberg, den 24. Juni 1893. | Großh. Ortsgericht Staufenberg.

Stephan. [56351

Submission.

Die Lieferung von Weißzeug, Bett­zeug und Krankenkleidern für die neuen Kliniken in Gießen soll auf dem Sub­missionswege vergeben werden.

Die Lieferungs-Bedingungen und Musterstücke sind auf dem Verwaltungs- Bureau genannter Anstalt an den Wochentagen Nachmittags von 3 bis 5 Uhr einzusehen.

Offerten mit der AufschriftLiefe­rung von Weißzeug" sind verschlossen bis zum Dienstag den 11. Juli 1893, Vormittags 11 Uhr, unter Beifügung von Mustern der Stoffe an die Verwaltung der neuen Kliniken einzusenden.

Gießen, den 22. Juni 1893. Großh. Direction der neuen Kliniken. ___________Riegel. [5609

Arbeitsdersteigerung.

Samstag den 1. Juli l. Js., des Nachmittags um 6 Uhr beginnend, sollen nachstehende Arbeiten in dem hiesigen Gemeindehaus öffentlich ver­geben werden: veranschlagt zu

1) Erdarbeiten 84.

2) Nöhrenlieferung 172.78

3) Fuhrlöhne 38.

4) Pflafterarbeiten 552.50

Rödgen, den 22. Juni 1893.

Großh. Bürgermeisterei Rödgen.

_________Jnderthal. [5622

KkUMg-Vkrsteiskrullg.

Montag den 26. Juni

Nachmittags

wird alsbald nach Beendigung der städtischen Gras - Versteigerung im Philosophenwald das Heugras von der in der Gemarkung Wiefeck am Weg nach dem Philosophenwald ge­legenen Karl Jughardt'schen Wiese Fl. XXIH Nr. la, Id, 5, 5a, 21 675 Qm auf der Ursulum meist­bietend versteigert. [5571

F. Hoffmann, Concurs - Verwalter.

Haus-Verkauf. I

Haus mit Laden in der Schloß- gaffe No. 5 ist zu verkaufen oder per sofort zu vermietheu.

Heinrich Arnold II.

Heugras Versteigerung. |

NächstenMontag den26.d.M. > von Morgens 9 Uhr an soll das Heu­gras der Gemeinde Großen-Buseck meistbietend versteigert werden. Der Anfang ist bei der Fußmühle.

Großen-Buseck, 23. Juni 1893. Gr. Bürgermeisterei Großen-Buseck. __Meyer.______[5636 Augiibung dcs Mgdrechls

Versteigerung.

Montag den 26. Juni, Vormittags 9 Vhr, kommt im Hofgerichtsgebäude, Brandplatz, zur Ver­steigerung :

Werk- und Brennholz, größere Parthien, welches sich für Glaser und Schreiner eignet, Treppen, Fenster, Thüren, Ziegel, Platten, Steintritte

U. s. W. 5602

innerhalb der Gemarkung Münch­holzhausen wird Samstag den 1. Juli d. I., Nachmittags 4 Uhr, in meiner Amtsstube Hierselbst öffent­lich ausgeboten werden.

Groß-Rechtenbach, 22. Juni 1893. Der Bürgermeister: ___________Hardt. [5623

Die Heugrasmstkigerung vom 22. und 23. Juni von den Do- manial-Wiesen ist genehmigt und können die Abfuhrscheine bei Großh. Rentamt Gießen vom 28. d. M. an abgeholt werden.

Gießen, den 23. Juni 1893. Großh. Oberförsterei Gießen.

Block. [5618

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