Ausgabe 
25.6.1893 Zweites Blatt
 
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Hairau, 23. Juni. Stroh (Lons.) ist mit schwacher Majorität gewählt. Wenige noch fehlende Ortschaften können am Resultat nichts mehr ändern.

Solingen, 23. Juni. Gewählt Schumacher (Soc.) mit 11,764 Stimmen gegen Römer (Nl.), auf den 8138 Stimmen fielen.

Gberfeld, 23. Juni. Der socialdemokratische Candidat Harm ist mit 22,630 Stimmen gewählt. Dahm (Cartell- antisemit erhielt 20,189 Stimmen.

Leipzig, 23. Juni. In der Stichwahlwahl im Wahl­kreise Leipzig - Stadt wurde Profeffor Hasse (Cartell) mit 16,242 Stimmen gewählt. Auf Pinkau (Soc.) fielen 14,224 Stimmen.

Offenburg i. B., 23. Juni. In der Stichwahl siegte Reichert (Centr.) mit 9292 Stimmen gegen Schauenburg (Nl.), der 8364 Stimmen erhielt. Die Socialdemokraten gaben den Ausschlag.

Lübeck, 22. Juni. Bei der heute stattgehabten Reichs­tags-Stichwahl erhielt Dr. Görtz (freis. Vereinigung) 8023, Schwartz (Soc.) 7869 Stimmen. Ersterer ist somit ge­wählt.

Cocalt» unb Lrovinzieller.

Gießen, 24. Juni 1893.

** Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 8. Mai dem Schullehrer Nicolaus Heil zu Biebesheim daS Silberne Kreuz, an demselben Tage dem Schullehrer Johann Reitz Iller t zu Leeheim das Silberne Kreuz, am 11. Mai dem Oberlehrer Friedrich L e i t h ä u s e r zu Butzbach das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Groß- müthigen, am 12. Juni dem Schullehrer Friedrich O u t r i n zu Harheim das Silberne Kreuz, an dem­selben Tage dem Oberlehrer Scherer zu Castel das Sil­berne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Groß- müthigen zu verleihen.

** Kirchliche Dieustuachrichten. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 10. Juni dem Pfarrverwalter Adam Beckenh au b zu Groß-Gerau die zweite lutherische Pfarrstelle zu Groß-Umstadt zu über­tragen.

* Tyroler Coucerle. Heute, Samstag Abend, findet in Steins Garten" Concert der Tyroler Sänger-Gesellschaft Gebrüder Auer aus Salzburg statt, desgleichen morgen und Montag imLenz'schen Felsenkeller". Ueber die Lei­stungen der Gesellschaft schreibt dieHessische Post" in Easiel: Gestern Abend fand Concert der Throler Concert- und Quartettsänger Gebrüder Auer in beiden Sälen des Arbeiter- Fortbildungsvereins statt und war dasselbe so zahlreich be­sucht, daß bereits um 8 Uhr kein Platz mehr zu haben war. Die Leistungen der Gesellschaft sind aber auch thatsächlich vorzüglich. Das reichhaltige Programm wurde mit großem Beifall belohnt, ganz besonders das humoristische Quintett von HeydenDer Dorfschulmeister", sowie der Schuhplattler­tanz fanden allseitig reichste Anerkennung. Da die Concerte sich so großer Beliebtheit erfreuen, hat sich der Besitzer des Etablissements entschloffen, Herrn Auer mit seiner Gesellschaft noch auf einige Tage zu engagieren und können wir einen Besuch der Concerte nur empfehlen." (S. Ins.)

** Rudersport. Die vorjährige sieggewohnte Junior- Mannschaft der Gießener Ruder-Gesellschaft sowie die beiden Skuller starten am 24. und 25. d. M. zum ersten Male in dieser Saison auf der Mainzer Regatta gegen den Mainzer Ruder-Verein und den Höchster Ruder-Club. Die Mainzer Mannschaften sind auch in diesem Jahre wieder unter Leitung eines englischen Berufs-Ruderers ausgebildet worden, doch läßt der Eifer und die Ausdauer, mit denen unsere Gießener Mannschaften seither geübt haben, trotzdem auf Erfolg hoffen. Die diesjährige Gießener Junior- Mannschaft wird am 1. und 2. Juli auf der Frankfurter Regatta ihre Leistungsfähigkeit zum ersten Male zu erproben haben und zwar in dem Rennen um den Staatspreis, welcher von nicht weniger als zehn Vereinen bestritten werden wird. Der schöne Fortgang, welchen auch die Junior-Mannschaft

Ausbreitung der schon zu Tage getretenen Schäden zu be­gegnen. So wird beispielsweise die hiesige Ackerbauschule auf Sonntag den 2. Juli ihre ehemaligen Schüller aus der Provinz Starkenburg versammeln und dort eine Besprechung der Futternothlage veranlaffen. Einigermaßen Ersatz, aber allerdings nur sehr geringen, werden unsere Landleute durch die Obsternte dieses Jahres gewinnen, denn diese dürste voraussichtlich ganz außerordentlich reichhaltig ausfallen.

Aus dem Sportsleben in der Residenz wäre für heute vor Allem der ersten diesjährigen Besteigung derDarm­städter Hütte" im Moosthale zu gedenken, die Herr Hof­musiker Dern, ein tüchtiger Hochtourist, vor wenig Tagen ausgeführt hat. Die hiesige SectionDarmstadt" des Alpenvereins wird in diesem Sommer übrigens durch eines ihrer Mitglieder, Herrn Privatdocenten Dr. Greim, eine ge- naue Feststellung der Höhenlage derDarmstädter Hütte" vornehmen laffen, seither ist das nämlich nur in unzureichendem Maße gelungen. Dann bliebe noch ein wichtiges Ereigniß aus dem Kunstverein zu erwähnen, das auch weitere Kreise intercssiren dürfte. Der hiesige Kunstverein ist in den großen Münchener Kunstverein eingetreten, nimmt also in Zukunft an den Verloosungen dieses Vereines Theil und ist außerdem ta der Lage, seinen Besuchern zukünftig wirklich ganz erlesene Gemäldesammlungen und Werke erster Meister in seiner Ausstellungshalle zugänglich zu machen. Eine neue Collection dieser Bilder ist bereits bet uns eingetroffen und schon in allernächster Zeit soll dieselbe durch zahlreiche Nachsendungen ergänzt und vervollständigt werden. Jeder Freund der Kunst wird diesen neuesten glücklichen Umschwung freudigst willkommen heißen. z.

bisher im Rennboote schon erzielte und der erfreuliche Eifer, mit dem dieselbe sich noch zu vervollkommnen strebt, berech­tigen zu der Hoffnung, daß sie ihren ersten Start in Frank­furt ehrenvoll bestehen wird.

** Ehrenmttgliedschaft Ehrenpreis. Dem Stifter des imposanten Achterpreises, welchen die Gießener Ruder- Gesellschaft gegen die Offenbacher Ruder-Gesellschaft auf der vorjährigen Regatta im spannendsten Bord an Bordrennen gewann, Herrn BergwerkSdirector S. Pascoe, ist in An­erkennung seiner Verdienste um die Förderung des Ruder­sports, sowie seiner thatkräftigen Unterstützung der Gießener Ruder-Gesellschaft seitens der letzteren die Ehrenmitglied­schaft zuerkannt und eine entsprechende Urkunde überreicht worden. Dem hiesigen Schützenverein wird zum demnächst stattfindenden Schützenfeste ein Ehrenpreis der Gießener Ruder-Gesellschaft gestiftet werden als Zeichen der fteundschaftlichen Beziehungen der beiden Vereine zu einander und als Ausdruck der dankbaren Anerkennung für die Sym­pathien, welche der Schützenverein stets der Ruder-Gesellschaft hat zu Theil werden laffen.

** Das diesjährige Somwerfest de8 Fechtverbands Gießen wird heute auf derPulvermühle" abgehalten und verspricht alle vorhergegangenen zu übertreffen. Für kleine und große Kinder ist außer Carouffel noch Schaukel, Schießbude :c. vor­handen und wird es an Vergnügen nicht fehlen. Hoffen wir, daß auch die Einnahmen sich entsprechend gestalten und etwas für die Waisenhaussache erübrigt wird.

** Eingefangen. Der von der Außenarbeit gestern ent­wichene Gefangene erfreute sich nicht lange der Freiheit. Die von dem Schutzmann Weiß und der hiesigen Gendarmerie sofort eingeleitete energische Verfolgung war von Erfolg. Es gelang dem berittenen Gendarm Schwarz von hier in Ver­bindung mit dem Fußgendarm Riebel, den Entwischten in einem Gasthause zu Lich, wo er sich. beim Schnaps gütlich thun wollte, zu verhaften. Schwarz lieferte ihn schon in der Mittagszeit wieder hier ein.

** Warnung. Trotz Absperrung der Abbruch stelle am alten Hofgerichtsgebäude am Brandplatz wird dieser Ort täglich von einer größeren Anzahl Kinder zum Tummelplatz benützt. Dadurch ereignete sich gestern ein Un­fall, indem ein Kind rücklings über die Mauer in den Stadt« bach fiel und sich nicht unerheblich verletzte.

* Ertrunken. Ein hier beschäftigter, aus Hochfeld stammender junger Schlosser ist gestern Nachmittag am Heßlar, vermuthlich beim Baden, in der Lahn ertrunken.

** Tobte Fische. Gestern Morgen schwamm eine große Anzahl Fi schleich en auf der Lahn, welche sich von oberhalb der Throm'schen Fabrik bis weit in den Heßlar hinein ver­breiteten. Ob Vergiftung oder ein Frevel vorliegt, wird die eingeleitete Untersuchung ergeben.

** Vorsichtsmaßregeln beim Baden dürften jetzt, wo Jung und Alt in den kühlen Fluthen Erquickung und Erfrischung sucht, sicherlich erwähnenswerth sein. 1) Hauptregel ist: Gehe, wenn Du nicht schwimmen kannst, in kein zu tiefes oder reißendes Wasser. 2) Vermeide es, bevor Du abgekühlt bist, in das Waffer zu gehen. Ein Schlaganfall, der Deinem Leben mit einem Male ein Ende machen kann, ist unter solchen Umständen schon sehr häufig vorgekommen. 3) Bist Du abgekühlt, so springe mit einem Mal und zwar kopfüber in das Wasser. Zu große Zimperlichkeit in der Annässung des Körpers zieht Rheumatismus nach sich. 4) Bleibe nicht allzulang im Waffer, höchstens 15 bis 20 Minuten, längerer Aufenthalt in demselben ist dem Körper direct schädlich. 5) nicht zu viel, ehe Du zum Baden gehst; die Wirkung des Waffers ruft bei einem gefüllten Magen Krampfanfälle hervor. 6) Kommst Du in die schwierige Lage, im tiefen Wasser von einem Krampfanfall überrascht zu werden, ver­liere nicht den Kopf. Lege Dich ruhig auf den Rücken und rufe, ohne viel Bewegung zu machen, um Hilfe. Nur auf diese Weise kannst Du gerettet werden. Geistesgegenwart ist hier das hauptsächlichste Hilfsmittel. 7) Vermeide es stets, in Wasser zu baden, wo Schlamm, Schlinggewächse, eine freie Bewegung verhindern. Selbst dem besten Schwimmer sind sie schon verhängnißvoll geworden. 8) Bade nie in zu kaltem Waffer. 12 Grad Reaumur ist das Medrigste, was ein Mensch mit normaler Gesundheit vertragen kann.

Der Getreidemarkt. Die Hoffnungen der Landwirth- schäft auf eine größere Regenperiode haben sich nicht erfüllt, vielmehr wird aus den meisten Gegenden unseres Vaterlandes über intensive Trockenheit geklagt. Diese Berichte verfehlen begreiflicher Weise ihren Eindruck auf den Getreidemarkt nicht, auf welchem sich allenthalben eine feste Stimmung bei im Allgemeinen anziehenden Preisen kundgiebt. Dies kann namentlich vom Hafer gelten, der auf den allermeisten Plätzen bei erheblichen Umsätzen consequent gestiegen ist. Roggen folgte der Preiserhöhung vielfach nur zögernd, da Waare auf den Markt drückte. Weizen zeigte überwiegend ebenfalls eine festere Tendenz, obwohl die Berichte vom amerikanischen Markt nicht sonderlich anregend lauteten. Preisnotirungen an der Berliner Productenbörse: Weizen per 1000 Kilogramm von 152168 Mk., Roggen von 142149 Mk., Hafer von 160180 Mk., Gerste von 123170 Mk.

-n-. Was ist ju thun? Wie auS dem Annoncentheil dieses Blattes ersichtlich, findet nächsten Donnerstag den 29. Juni auf Station Mücke eine von den Herren Lehrer Dern und LandwirthschaftSlehrer L e i t h i g e r einberufene Versammlung statt, in der, angesichts der herrschenden Futter- noth über obige Frage berathen werden soll. Ja, waS ist zu thun? um die Landwtrlhschaft nicht auf Jahre hinaus erwerbS- und leistungsunfähig werden zu laffen. Was ist zu thun, um einer verhängnißvollen Calamität vorzubeugen? Die Versammlung, zu der auch an dieser Stelle noch einmal cingeladen sei, wird folgende Fragen einer eingehenden Be- sprechung zu unterziehen haben: I. Ist möglich, eine ge­steigerte Futterproduction durch Anpflanzung geeigneter Gc

wüchse für den Herbst zu erzielen? 2. Wie kann der Gefahr eines maffenweisen HinschlachtenS deS Zuchtviehes vorgebeugt werden? 3. Wie können Staat und Gemeinde, gemeinnützige Institute rc. dem Landwirthe zur Ueberwindung dieser Futternoth behilflich sein? 4. WaS hat der Einzelne zu thun, um den erstrebten Erfolg zu sichern? So schwierig auch erscheint, hier durchgreifende Maßnahmen zu finden, dürfte gemeinsames, planmäßiges Handeln nicht ohne Erfolg fein. Hoffen wir, daß die Versammlung zu bestimmten durchführbaren Beschlüffen gelange; hoffen wir aber auch, daß die Betheiligung eine rege sei, nicht nur aus den zunächst intereffierenden Streifen, nein, daß auch Männer aus anderen Berufskreisen, denen daS Wohl und Wehe unseres Bauernstandes am Herzen liegt, zum Mitarbeiten sich bereit finden.

Vo« Vogelsberg, 23. Juni. Die Fleis chp r eis e für daS Rindvieh sind gegenwärttg auf eine Stufe herabgegangen, die unserer jetzigen Generation unvergeßlich bleiben wird. Man bezahtt für das Pfund gutes Rind- und Ochsenfleisch (junge Stiere) 25 Pfennig. Und trotz diesem Spottpreis werden die Landwirthe ihr selbst geschlachtetes Vieh nur mit Bitten los, da eben den Landleuten jede Einnahmequelle mangelt. Noch erheblich tiefer sind die Verkaufspreise für das Vieh selber; nur Vs und ,/4 ihres sonstigen normalen WertheS wird erreicht. Kälber verkauft man zu 68 Mark, die im vorigen Jahr noch 4050 Mark galten. Man befindet sich eben in der Heuernte, sie verdient aber diesen Namen nicht; denn sie besteht in einem bloßen Sammeln der nicht verttockneten Grashalmen. Im oberen Vogelsberg ist allerdings der GraswuchS ungleich bester, aber zu den dortigen Heugrasversteigerungen kommen so viele Kaufliebhaber herzu, daß auch dort der Gentner Heu sich auf der Wiese auf 1015 Mark stellt. Fleißig eilen die Landleute in die Wälder, um Laub und RupfgraS zu holen und muß gesagt werden, daß hierdurch immerhin die Noth bemerkens- werth gelindert wird. DaS Vieh frißt eben selbst daS Laub unter Stroh geschnitten recht gern. Uebel sind aber die Gemeinden daran, die nicht in der Nähe von Waldungen liegen, ihnen fehlt diese Aushilfe. Da der Vogelsberg, ähnlich wie die Rhön, zum größten Theil von der Viehzucht lebt, so ist eben hier die Noth durch den Futtermangel um so größer, je länger er währt. Die Trockenheit läßt auch wenigen Strohertrag erhoffen, da das Futterstroh, welches Hafer, Gerste und Weizen liefern, durch den schlechten Stand dieser Getreidearten ebenfalls sehr schlecht ausfallen wird. Ueberhaupt zeigen sich auch sonst die üblen Folgen der Dürre. Das Obst die Obstbäume hingen sehr voll fällt massenweise entkräftet zu Boden; die Kartoffeln stehen ungemein lückenhaft, da viele nicht aufzugehen vermochten; das Korn wird auf ohnehin ttocknen Aeckrrn zur verfrühten Reife gebracht. In vielen Gemeinden herrscht Wastermangel, ja in manchen Orten muß der Eimer Brunnenwasser bezahlt werden. In anderen Gemeinden ist daS Begießen der Garten-" pflanzen verboten, weil daS vorhandene Waffer zur Tränke des Viehes nöthig ist. Durch dieses Verbot werden aber die Gartenpflanzen dem Verderben preisgegeben. Zu dieser Trockenheit gesellt sich noch daS massenweise Vorkommen von Erdflöhen und Blattläusen, welche den gesetzten Ackerpflanzen den Garaus machen. Morgen ist Johanni; eine alte Wetter­regel sagt von diesem Tag, daß sich mit ihm die Witterung ändere. Den Anschein hat es schon; möge sich diese letzte Hoffnung nicht trügerisch erweisen.

V. Schotten, 22. Juni. In Rücksicht auf die im Ber- einSgebiet herrschende Nothlage hat sich der Vorstand deS Vogelsberger Höhenclub veranlaßt gesehen, baß auf Sonntag den 2. Juli festgesetzte HoherodSkopffest auSfallen zu lassen. Es schließt dies allerdings nicht aus, daß sich an diesem Tage, einer lieb gewordenen Gepflogenheit folgend, Mitglieder und Freunde deS Clubs im Clubhause in gemüth- licher Geselligkeit vereinigen.

§ Crainfeld, 22. Juni. Heute brach in hiesiger Ge­markung (District Steinerwäldchen) ein Waldbrand auS, welcher, Dank der sofort herbeigeholten Hülfe, bald gelöscht werden konnte.

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Frankfurt a. M., 23. Juni. Gestern Abend eröffnete unter größtem Beifall das italienische Künstlerpaar Signora Bellincioni und Signor Stagno ein Gastspiel in MascagnisCavalleria rusticana. DaS gut besetzte HauS rief das Künstlerpaar wiederholt bei offener Scene und am Schluß des Stückes.

* Esten a. d. R., 22. Juni. Das Schwurgericht Der- urtheilte den Metzger Uebelgünn wegen Raubmordes zum Tode.

* Siegen, 21. Juni. Bei dem großen Brand in Müsen sind im Ganzen 55 Gebäude eingeäschert worden. Von der Kirche stehen nur noch die UmfaffungSmauern. Der Brand hat zum großen Theil arme Bergleute betroffen, von denen oft mehrere Familien in einem Hanse wohnten. Die Noth ist groß.

Metz, 22. Juni. Im Festsaale bei Kemp wurde gestern der 20. deutsche Gastwirthetag eröffnet. Don auswärtigen Mitgliedern sind 150 erschienen. NamenS der Regierung be­grüßte der OberregierungSrath Frhr. v. Cramer die Ver­sammlung mit herzlicher Ansprache. Die Lerathungen dauern mehrere Tage. AlS nächster Versammlungsort wurde Han­nover gewählt. Die hiesigen VereinSgenoffen bieten ihren Gästen in geselliger Hinsicht Concerte, Commers, Fefttheater und Ausflüge nach den östlichen und westlichen Schlachtfeldern.

* Heidelberg, 20. Juni. Bereute Selbstmordversuche. In dem benachbarten Schlierbach trug sich ein Lieb eS- drama zu. Ein junges Liebespaar, besten Berheirathung sich Schwierigkeiten entgegenstellten, suchte seinem Leben burch Erschießen ein Enbe zu machen. Da bie abgefeuerten Kugeln nur leichte Verletzungen verursachten, wollten sie ihr Vorhaben burch Erhängen ausführen. Als baS Mäbchen aber die Schlinge um den HalS fühlte, kehrte bie Lebenslust roieber