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Nr^48^ Erstes Blatt Samstag den 25. Februar
1893
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Die wirthschaftliche Versorgung Deutschlands.
Die großen handelspolitischen Debatten in den Reichstagssitzungen der vorigen Woche und das gewaltige Aufsehen, welches die Gründung eines neuen großen Bundes der Land- wirthe und die energische Vertretung der landwtrthschaftlichen Interessen durch diesen Bund im ganzen Deutschen Reiche hervorrtefen, beweisen auf das Schlagendste, daß die wirth- schaftlichen Fragen zur» Zeit die brennendsten in Deutschland geworden sind. Damit wollen wir allerdings in keiner Weise den vielfach übertriebenen Nothstandsklagen neue Nahrung geben, sondern wir wollen nur dadurch feftstellen, daß in Deutschland in mehr als einer Hinsicht unerquickliche wirthschaftliche Verhältnisse extstiren und daß nicht nur die Land- wirrhe, sondern auch die Industriellen, Handwerker und Kaufleute, ja, alle Staatsbürger ein großes Interesse daran haben, diese unerfreulichen Zustände, welche sich zumal in der Schmälerung des Verdienstes und der Einnahmen offenbaren, zu beseitigen. Geht man nun den Ursachen der Klagen und den Wünschen nach Abhilfe der Calamitäten in den einzelnen wirthschaftlichen Kreisen auf den Grund, so wird man allerdings manche berechtigte Klage hören, aber dabei auch die mehr als fatale Beobachtung machen, daß die Wünsche auf Abhilfe wirthschaftlicher Uebelstände in der Gesetzgebung niemals einheitlich und ohne die größten Widersprüche formulirt werden können, denn die Mittel, welche zum Beispiel die Landwirthe im Allgemeinen für die Aufbesserung ihrer wirth- schastlichen Lage verlangen, hohe Zölle auf Getreide und Vieh, Ablehnung der Handelsverträge mit auswärtigen Staaten u. s. w. stehen meistens den Interessen der Industrie und des Handels, ja, auch des Handwerks gegenüber, welche Erwerbskreise alle auf billige Rohproducte und billige Lebensmittel angewiesen sind, wenn das Geschäft blühen und der nothwendige Umsatz erzielt werden soll. Umgekehrt würden allerdings auch die schließlich auf vollständige Aufhebung der Zölle hinauslaufenden Wünsche der mit dem Weltmärkte rechnenden Industriellen und Großkaufleute unvereinbar mit den Interessen der von der amerikanischen und russischen Maffenproduction schwer bedrängten deutschen Landwirthschaft sein. — Wie wäre es da solchen sich entgegenstehenden Standpunkten gegenüber, wenn man nach einer tiefer liegenden allgemeinen Ursache suchte, um die wirtschaftlichen Mißstände und Widersprüche aufzuklären? Und wir glauben, daß diese Ursache, welche leider in den wirthschaftspolitischen Kämpfen vielfach übersehen wird, in der Thatsache liegt, daß seit ungefähr zwanzig Jahren die Bevölkerung Deutschlands um zehn Millionen Seelen gewachsen ist, daß jetzt Deutschland 50 Millionen Einwohner zu versorgen hat, während im Jahre 1871 nur 40 Millionen zu ernähren waren. Nun hat sich zweifellos seit dieser Zeit die wirthschaftliche Production Deutschlands auf allen Gebieten vermehrt uud auch die Capitalkrast ist bei den meisten Unternehmern gewachsen, aber viel schwieriger ist auch die wirthschaftliche Versorgung der um 10 Millionen Seelen gestiegenen Bevölkerung geworden , und in kritischen Zeiten, schlechten Ernten und Handelsstockungen muß deßhalb auch leichter eine Erschwerung der wirthschaftlichen Lebensbedingungen eintreten. Schwierig ist es schon an sich, in einer solchen verwickelten Frage Vorschläge auf Abhilfe zu machen, und jetzt, wo ein heftiger Streit der Meinungen darüber entbrannt ist, wird die Aufgabe noch schwerer, aber die Klärung und das ruhigere Ur- theil wird kommen und zwar mit der Notwendigkeit der besseren wirthschaftlichen Versorgung Deutschlands, die bei der stets stark anwachsenden Bevölkerung natnrgesetzlich auf eine noch stärkere Entwickelung des Reiches als Industriestaat hindrängt, wobei, wenn extreme Bestrebungen ausgeschlossen bleiben, auch Landwirthschaft, Handel und Gewerbe zu größerer Blüthc gelangen müssen, weil eine hoch entwickelte Industrie gute Derwcrthung für jede inländische Production und Handelstätigkeit schafft.
Deutsches Reich.
Berlin, 22.Februar. Die Gründung des Bundes der Landwirthe ist ein politisches Ereigmß, von dessen Bedeutung die Betrachtungen zeugen, welche von allen Seiten und Parteien über den Vorgang angestellt worden sind. Offenbar ist das Zustandekommen der genannten Vereinigung, welcher schon jetzt viele Tausende von Landwirthen angehören, nur ein erster Ausfluß der in den londwirthschaftlicheu Kreisen Deutschlands mehr oder weniger herrschenden Unzufriedenheit mit der heutigen Laue der Landwirthschaft. Wenn der Bund erst gehör g orgaui|ht sein wird, dann stchr von ihm zweifel
los ein planmäßiges energisches Vorgehen behufs Ausführung des in der constituirenden Berliner Massenversammlung angenommenen agrarischen Programms zu erwarten. Einigermaßen gespannt darf man alsdann sein, wie sich die ReichS- regierung zu der neuen Agrarpartei, als welche man den Bund der Landwirthe wohl bezeichnen könnte, stellen wird. Hat doch Reichskanzler Graf Caprivi in seiner berühmten Reichstagsrede vom 17. d. M. den Vertretern des Agrarier- thums eine so unverkennbare Absage ertheilt, deren Wucht auch durch die im Allgemeinen sympathisch gehaltene Beur- theilung der neuen Organisation seitens der „Nordd. Allg. Ztg." kaum sonderlich gemildert erscheint. Sollte aber Graf Caprivi an den Zielen seiner Politik, wie er dieselben in der erwähnten Kundgebung andeutete, festhalten, so wäre ein Zusammenstoß zwischen der Regierung und dem Landwirths- Bunde auf handelspolitischem und wirthschaftlichem Gebiete sicherlich unvermeidlich und erstere würde nachher gut thun, die Bedeutung dieses neuentstandenen politischen Factors nicht zu unterschätzen.
Berlin, 23. Februar. Die Wünsche und Klagen der deutschen Landwirthschaft sind nunmehr auch an Allerhöchster Stelle vorgebracht worden. Am Mittwoch Mittag empfing der Kaiser in Gegenwart des Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg und des Ministers für Landwirthschaft, v. Heyden, eine Abordnung der landwtrthschaftlichen Centralvereine der östlichen Provinzen, welche eine Denkschrift über die Nothlage der Landwirthschaft überreichte. Der Monarch empfing die Herren sehr gnädig und versicherte, daß es bei seinen auf das Wohlergehen seines Landes gerichteten unablässigen Bestrebungen auch sein Wunsch und Wille sei, den Sorgen und Schwierigkeiten abzuhelfen, mit denen die Landwirthschaft der Ostprovinzen zu kämpfen habe. Doch betonte er zugleich, daß die Lösung dieser Aufgabe selbst bei voller Hingabe seiner Regierung nicht leicht sei, namentlich hob der Kaiser hervor, wie die Förderung der Landwirthschaft vor Allem von der Sicherung des Friedens abhänge, und ermahnte er darum die Landwirthe, ihrerseits für die Stärkung der deutschen Wehrkraft einzutreten. Weiter erklärte der erlauchte Redner, die von der Abordnung vorgetragenen Wünsche würden von seiner Regierung eingehend geprüft und nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Nochmals versicherte der Kaiser dann, wie sehr ihm das Wohlergehen der Landwirthschaft, dieser Säule des Königthums, am Herzen liege, wobei er an seine vor drei Jahren in Königsberg gehaltene Rede erinnerte. — Diese so wohlwollende Aufnahme der genannten Abordnung und der von ihr vertretenen Wünsche an Allerhöchster Stelle kann in den Kreisen der landwirthschaftlichen Jntereffenten nur mit Genugthuung erfüllen, besonders, da die Aeußerungen des Kaisers den vom Reichskanzler jüngst gegen die Agrarier gerichteten parlamentarischen Vorstoß gewissermassen abschwächen. In dem am Mittwoch in Berlin abgehaltenen Cong resse deutscher Landwirthe ist denn auch des Empfanges dieser Deputation seitens des Kaisers mit Befriedigung gedacht und überhaupt eine recht zuversichtliche Sprache geführt worden. In der Sitzung war auch der Landwirthschaftsminister v. Heyden zugegen, welcher sich beeilte, zu versichern, daß die erfolgte Gründung des Bundes der Landwirthe durchaus seinen Beifall besitze, da er selber schon ost zur Organisation der Landwirthe gerathen habe. Zur Annahme gelangte eine Resolution, durch welche sich der Congreß gegen die in der Branntweinsteuer-Vorlage enthaltene Erhöhung der Verbrauchsabgabe von Spiritus ausspricht. Schließlich wurde der Vorsitzende, Freiherr v. Manteuffel, von der Versammlung ermächtigt, eine Verschmelzung des Congresses deutscher Landwirthe mit der Vereinigung der Steuer- und Wirthschaftsreformer anzubahnen.
Uewcfk Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 23. Februar. Im „Reichsanzeiger" liest man: In dem Bericht über die Ausgrabungen in Troja vom Jahre 1890 hatte Frau Schliemann das Versprechen gegeben, die durch den unerwareeten Tod ihres Mannes unterbrochenen trojanischen Grabungen fortzusetzen und zum Abschluß zu bringen. Dieses Versprechen soll jetzt eingelöst werden: die Ausgrabungen sollen gegen Mitte ,'April beginnen und werden voraussichtlich etwa drei Monate dauern. Ihre Leitung ist von Frau Schliemann dem früheren Mitarbeiter ihres Mannes, Herrn Professor Doerpfeld, ersten Secretär des kaiserlichen archäologischen Instituts in Athen, übertragen, dem noch einige deutsche Mitarbeiter zur Seite stehen werden. Während der Dauer der Ausgrabungen
| sind die Herren gern bereit, allen Denjenigen, welche Troja besuchen, die Ruinen zu erklären und ihnen leim Studium derselben behilflich zu sein. Da über den Zustand der Ruinen und ihre Bedeutung nicht immer richtige Ansichten herrschen, ist es im Interesse der Wahrheit sehr erwünscht, wenn möglichst viele Fachmänner sich zur Reise nach Troja entschließen und die Ruinen selbst untersuchen wollen. Die Zeit dazu ist nicht zu versäumen, weil die Ruinen und Erdschichten wegen ihrer einfachen Bauart und geringen Festigkeit voraussichtlich den zerstörenden Einflüffen der Witterung nicht lange Widerstand leisten werden.
Berlin, 23. Februar. Der BundeSrath stimmte in seiner heutigen Sitzung dem Gesetzentwurf wegen Aende- rung des Unter st ützungs Wohnsitzes zu.
Budapest, 23. Februar. Ein hiesiger Agent kaufte in Wien ein Clavier. Als heute ein zwölfjähriges Kind auf ihm zu spielen begann, explodirte darin verborgenes Dynamit und verletzte das Kind lebensgefährlich. Der Zusammenhang ist bisher unaufgeklärt.
Rom, 23. Februar. Der Papst empfing heute katholische Wallfahrer aus Frankreich, Ungarn, Uruguay und Argentinien. Zuerst wurden 250 ungarische vom Stuhlweißenburger Bischof vorgestellt, welche der Papst lateinisch ermahnte, stets am Glauben St. Stefans festzuhalten und gleich diesem die Rechte der Kirche zu vertheidigen. Der Papst wurde beim Betreten und Verlassen des Consistorial- saales enthusiastisch begrüßt. Er beschränkte sich im Beisein des Arztes, weil er noch etwas erkältet ist, darauf, nur die Führer zu empfangen und ließ sich bei den Wallfahrern deßhalb entschuldigen. Jede Pilgerschaft überreichte Geschenke für den Peterspfennig.
Rom, 23. Februar. Der auf heute angesetzte Empfang des österreichischen Botschafters Revertera wurde wegen andauernder Erkältung des Papstes in letzter Stunde verschoben. _____________
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 23. Februar. In der heutigen Sitzung der Militär.Commission wurden die finanzpolitischen Anträge von Richter, Buhl und Freiherrn v. Stumm berathen. Nach längerer Debatte wurden die Anträge Richter nebst dem Amendement Buhl angenommen, dagegen die Anträge Stumm, soweit sie den Richter'schen entgegenstehen, abgelehnt. Morgen wird die Berathung fortgesetzt.
Berlin, 24. Februar. Die socialdemokratische Reichstags- Fraction brachte einen vollständigen Gesetzentwurf zur Seemanns-Ordnung ein.
Berlin, 23. Februar. Behufs Stellungnahme zum Reichsseuchengesetz wird demnächst ein außerordentllcher deutscher Aerztetag einberufen.
Berlin, 23. Februar. Heute Nachmittag 4 Uhr findet die Freilassung Ahlwardts aus Plötzensee statt. Eine antisemitische Demonstration tst wahrscheinlich.
Budapest, 23. Februar. Gestern überflutheten die Donau und Waag bei Komorn etwa 50,000 Joch Acker.
Paris, 24. Februar. Der Cassationshof verwarf die Recurse der verurtheilten Panama-Administratoren.
Paris, 24. Februar. Die Untersuchungs-Commission in der Panama-Angelegenheit schloß ihre Arbeiten und nimmt den Generalbericht nach den Verhandlungen des Schwurgerichts entgegen.
Marseille, 23. Februar. Im Mittelmeere herrschen anhaltende Stürme. Zwei Torpedoboote sind zusammengestoßen und wurden schwer beschädigt in den Hafen gebracht.
Brüssel, 24. Februar. Der Jnspector der Pariser politischen Polizei, Rossignol, ist in einer geheimen Mission hier eingetroffen.
Rom, 24. Februar. Der Papst erklärte in einer Ansprache der französischen Deputation, die Kirche veobsiättigte nicht die Absorbirung der Civilgewalt, sondern wünsche nur vollständige Freiheit in der Religionsausübung.
Rom, 24. Februar. Der Papst verlieh dem General Los den Christusorden.
Rewyork, 23. Februar. Heftige Schneestürme suchten die gesawmte Umgegend heim. Die Bahnverbindungen sind unterbrochen. Die Schulen wurden geirdlossen. Der Dampfer „Normandie" ist fast in dem ©türme verunglückt und rettete sich nur mit Mühe.
Chicago, 23. Februar. Alle Eisenbahnarbeiter und Beamte der Chicago- und Westindiana Eisenb, dneu legten die Arbeit nieder. Der Verkehr ist vollständig unterbrochen.


