Schrecken, bah nur oben und unten je ein Rubelschein sich befand, während die Mitte mit werthlosem Löschpapier au»« gefüllt war. Sofort kehrten sie nach Warschau zurück und nahmen die Hülfe der Polizei in Anspruch, doch diese warf die Fremden ins Gefängniß. Als man sie schließlich sreige- lasien hatte, begaben sie sich schleunigst nach Hause und waren sehr froh, als sic die russische Grenze hinter sich hatten. In Kattowitz machten sie Anzeige bei den Gerichtsbehörden, und diesen gelang e8, in OrtelSburg in Wesipreußen einen auf den Namen u. Gorski reisenden Herrn festzunehmen.
• Bon einer brutalen Soldatenmißhandlnog berichtet die „Wests. Rundschau" auS Wesel: Ein Soldat hatte sich, dem genannten Blatte zufolge, bei der Rückkehr auS den Baracken zu FriedrichSfeld in die Garnison erkältet, er fühlte sich am anderen Tage unwohl. Als er sich an den Ofen gesetzt hatte, weil ihn fror, kam plötzlich der Stnben-Unter- osfizier und stürzte ihm mit den Worten: „WaS will der Lümmel hinter dem Ofen?" einen Eimer eiskalten Wassers über den Kops. Nach diesem Sturzbad ist der Soldat erkrankt und bald darauf im Lazareth gestorben. Die Leiche wurde von den tiefbetrübten Eltern nach der Heirnath gebracht- die Transportkosten von 130 Mk. brachten die Bewohner des Kirchspiels auf. — Die Nummern der „Wests. Rundschau", welche die Berichte über diesen Fall enthalten, sind dem commandirendcn General v. Löö zugeschickt worden.
* Humor im Reichstage. In der letzten Sitzung erklärte der Abg. Meyer-Halle, daß eine Zwischenbemerkung des Abg. Kropatschek, als er sich seinem Platze genähert habe, von der Nachwelt (Heiterkeit) mißverstanden werden könne. Er solle die Hände über die Rede deö Herrn Kropatschek gerungen haben. Das sei aber nicht richtig, er habe nur eine Prise genommen. (Stürmische Heiterkeit.)
* Al» ein Lotterie - Snriosum, daS wohl als einzig in seiner Art gelten dürfte, wird aus Königsberg i. Pr. mit« gctheilt, daß der daselbst jetzt als Rentier lebende Herr Tb. seit nahezu 59 Jahren ein LooS der preußischen Lotterie spiele, dessen Nummer noch nicht ein einziges Mal gezogen worben ist. ES ist dies die Nummer 55187. Der 74 Jahre alte Herr Th. hat das LooS als Angebinde zu seiner Confir- mation erhalten, und dasselbe seit jener Zeit unverdrossen weitergespielt, obwohl darauf, wie gesagt, noch nicht der ge- ringfte Gewinn gefallen ist. Man weiß nicht, waS man hier mehr bewundern soll: die Hartnäckigkeit, mit welcher die Nummer den Fingern deö „ziehenden Waisenknaben" entschüpft, oder die Ausdauer, mit welcher Herr Th. immer wieder die Einsätze für daS merkwürdige LooS erneuert.
* AuS der ReligiouSstunde. In einer Berliner Gemeinde' schule sollte ein kleines Mädchen den Untergang von Sodom und Gomorrha und den Auszug Lots, welchen der Lehrer in der vorhergehenden Stunde dnrchgenommen hatte, erzählen. ES hatte alles ganz gut behalten, als es aber an den Auszug
LotS auS der Stadt kam, sagte es: „Gott befahl ihnen, schnell zu gehen und sagte zu Frau Lot, sie solle nicht stehen bleiben und sich nicht — alle Schaufen st er an- sehen!"
Verkehr, Land- rind volkswirthschaft.
V. «Dom westlichen stznße de» Vogelsberg«», 17. December. 3n den nuchtbaren Niederungen des Vogelsberges, Horloff, Nidda, 'Nidder und deS SemenstußchenS wird dteZuckerrübe mit großem Erfolge culttoirt Die Zuckerrübe, die Zwtebel und das Obst haben diese« Jahr den kleinen Bauer an vielm Orten unserer Provinz auS der Kalamität herauügeriffen. Sie wiesen in Sir. 290, erstes Blatt Ihrer Zeitung darauf hin, daß der oberbessische Bauer in Bezug auf richtige Benutzung deS Wasser» noch Bedeutende« leisten könne. Gestatten Sie, daß biet kurz angedeutet werden dürfe, welche großen Erfolge jeder Bauer durch tiefgründige Bearbeitung seine» Grund und Boden« erzielen kann. Zuvörderst sei oorautz- g.schickt, daß die Velden oberhessischen Rübenzuckerfabriken zu Stockheim und Friedberg ihre Nübencamvagnen gegen die Mitte de» Monat» Januar beendigen werdenMDa« heiße, sonnige Jahr 1893 producirte viel Zucker, waS sich bei ver 1894er Dividende sehr deutlich auSdrücken wird. Die Ernte der Rüben geschah bei gutem Wetter, e« gab also nur wenige (ca. 9 bi» 16 pG-t.) Schmutzprocente. Die Stockheimer Fabrik legte eine Rübenschnitzel - Trockenmaschine an. Die getrockneten Schnitzel halten sich monatelang und sind bei dem Futtermangel ungemein zweckmäßig. Durch die Rübenculiur wird der Ackerboden tiefgründig bearbeitet, sehr unkrautrein und fein zerkleinert, also sehr erlragüfähig. Wa» zeigte sich nun in den beißen Monaten? DaS ist die Hauptfrage für unseren oder- hessilchen Bauer, der sich nicht von seinen alten Dingen loSmachen kann. Jeder Bauer bemerkte, daß alle landwirthschaftlichen Kultur- gewächse: Halmgetreibe, Knollen» und Rübengewächse, Klee und Gemüsearten auf den tiefgründig und intensiv gebauten Grund- stücken viel schönerstanden, alS aus dem mangelhaft cultivirten. Man bemerkte, daß diesen Gewächsen die Hitze und Trockenheit viel wenigerMchadete, alS denjenigen auf| oberflächlich gebauten Aeckern, denn der tiefgründige Boden hält die Feuchtigkeit bester, die Pflanzen- murzelu breiten sich größer und stärker auS und ernähren die Pflanzen viel besser. Die Körner und Früchte, die Knollen und Halme aus den intensiv gebauten Grundstücken waren viel schöner, mthliclcher, saftiger, wohlschmeckender alS diejenigen aus flachgründig gebauten Grundstücken. Der Ertrag auS den letzteren war mitunter nur bald so groß alö aus den nach neuer Methode gezogenen Früchten. Ein sender sprach ost mit Leuten über die deutlichen Unterschiede. Sie konnten die Ausfälle nicht leugnen. Da, wo der Boden sehr flach- gründtg ist und die Steine nahe an der Oberfläche liegen, ist natürlich nicht viel zu wollen. Wo die» aber nicht der Fall, sollte der Bauer keinen Augenblick mit der Tiescultur zögern. Durch die neuen Handelsverträge wird daS Getreide immer billiger. Der Bauer bleibt also nur dann lebensfähig, wenn er seinem Boden mindestens 50 bis 100 Procent mehr abnimmt, al« seither. Daß die« möglich ist, hat daS Mißjahr 1893 so deutlich bewiesen, wie man e« nur wünschen rann. Hie und da taucht die Frage auf. Wird aber dadurch der Boden nicht erschöpft? Gerade daS Gegentheil tritt ein. Durch die Tiescultur werden neue Bodentheile au« der liefe emporaeboben und nutzbar gemacht. Durch die intensivere Bearbeitung wird der Boden garer, thätiger, leistungsfähiger; die Nahrungsstoffe und Dungmittel werden besser auSgenützt, also die ErtragSsähigkeii deS Boden« In jeder Beziehung gesteigert. ES folgt hierauv, daß die tiefgründige Bearbeitung ebenso wichtig ist, wie die bessere AuSnützung des Vogelsberger Wasser- und Wiesenretchthums. Wir brauchen
un» also nicht vor dem Su»lande iu fürchten, wenn wir nur unsere körperlichen und geistigen Kräfte richtig gebrauchen wollen.
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Bekanntmachung.
Nachdem uns auch in diesem Jahre wieder ein Betrag zur Verfügung gestellt worden ist, um eine Anzahl armer scrophulöscr Kinder im nächsten Sommer in der Kinder-Heilanstalt in Bad- Nauheim unterdringen zu können, werden alle diejenigen Bewohner des Sparkastendezirks Gießen, welche solche kranke Kinder haben und nicht selbst in der Lage sind, die Kosten bestreiten zu können, aufgefordert, sich bei ihrem Pfarramt oder der Bürgermeisterei baldigst zu melden. Bei der Anmeldung ist ein ärztliche» Attest vorzulegen, in welchem die Noth- wendigkeit einer Badekur bescheinigt sein muß. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Kindern, welche bereit« auf Kosten der Sparkasse eine Badekur durchgemacht haben, die Kosten für eine weitere Kur bewilligt werden können. Die Pfarrämter und Bürgermeistereien ersuchen wir, uns die einlaufenden Meldungen mit den ärztlichen Attesten und einer Bescheinigung über die Bedürftigkeit der betr. Eltern bi« längsten« Vnde Januar k. I. zusenden zu wollen. 10284
Gießen, am 13. December 1893.
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