'au.
«täte,.
10442
!„
ai"-Äww jg
Uht.
e:
löw^
ung
Vorstand, rclub
ittag:
kunft l".
r Vorstand.
ia.
iVereiosto . sind bis spätesten» [10426 cr Vorstand. ühauf. erabenb):
18 11 Uhr- — toi w
st der Nlltrttt gefhrttct L-"S iseFT l): 10439
eert
seh'
eines oorzüglichrn ener.
rt.
flalllliorslr. 5.
1043»
der
Nr. 303« Zweites Blatt. Sonntag Le« 24. December
Der «schenk ttglich, ■Hf iMlwe^tnc bei Nontags
Lil Gießener
Serben betn Mngeiget ritzchentlich dreimal v^egt.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Htnzeiger.
1898
Vierteljähriger Jttame mectsrr 2 Mark 90 M. *tt vrmgerloh«. Durch die Post tx^e 2 Mark 50 Wtz.
Vedaction, Tprbtttw und Druckerei:
Fernsprecher bk
Anrts- und Anzeigeblutt fflr den Ttveis Gieren.
■««One »en Un-eigen ju der Nachmittags für den felGenden Lag erscheinenden Nummer bis Verm. 10 Uhr.
-!!'■■ .f.r< r. .'i. « । ■ । - । »■
Hrattsöeitage: Hießener Kamikienökätter.
Alle »nnoncen-vureaux des In. und Luslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgeh».
Die körperliche und geistige Arbeit, im Gleichgewichte.
Ueber dieses Thema schreibt Geheimerath Professor v. Nußbaum in München:
Wenn ich meine Erfahrungen, die ich mir in einer 29jährigen Praxis sammelte, überdenke, so habe ich nur wenig Kranke in die Hände bekommen, welche durch Ueberanstrengung ihrer Knochen und Muskeln krank geworden waren- viele Hunderte sehr ernst Leidende hingegen beobachtete ich, welche durch anhaltende geistige Arbeit sich eine Krankheit zugezogen hatten, und es war oft recht schwer, hier wieder vollständige Genesung zu bringen. Es wurde mir der ganz bestimmte Eindruck, daß deS Menschen Körperbau nicht für den Studier- tisch, sondern für körperliche Arbeit geschaffen ist. Am gesündesten und heitersten sah ich jene bleiben, welche Felder und Gärten bearbeiteten, welche säeten und ernteten und sich den größten Theil des Tages in frischer Luft bewegten. Immer schmeckt solchen Menschen ihre höchst einfache Nahrung, fast nie hört man von Verdauungsstörungen, von Trägheit des Unterleibes, Kopfcongestionen oder gar von nervöser Aufregung. Wie ganz anders findet man das körperliche Befinden bei Beamten, Gelehrten und Künstlern- oft haben diese heißen Kopf und kalte Füße, oft träge Verdauung, un- thätigen Darm. Wenn bereits erwiesen ist, daß durch einen arbeitenden Muskel viel mehr Blut läuft, als durch einen ruhenden, so gilt ganz bestimmt das gleiche beim Gehirn. Wird das Gehirn blutreicher, so kann dies nur auf Kosten anderer Organe geschehen. Je mehr aber dies Centralorgan belastet und je blutarmer die Peripherie wird, desto unbehag« licher ist unser Befinden. Je früher ferner solche Mißver- hältnisse im menschlichen Körper auftreten, je jünger das Individuum ist, desto verderblicher sind die Folgen dieses mangelnden Gleichgewichts. Kommt eS schon beim Kinde zu solchen Mißverhältniffen, so ist der Schaden ein unverkennbarer und bleibender und eine Rückbildung zum gesunden Gleichgewichte nur durch Opfer an Zeit und Geld möglich, die selten gebracht werden können. Soll ich es mit klaren Worten sagen, so muß ich behaupten, daß die ganze Zukunft eines Menschen eine unbehagliche werden kann, wenn sich die angedeuteten Ueberreizungen schon im kindlichen Alter ein- bürgerten. ES ist durch und durch eine fehlerhafte Beobachtung, wenn man glaubt, daß ein neunjähriges Knäbchen in 7—8 Stunden täglich mehr lernt, als in 4—5 Stunden. Ich habe sehr oft das Experiment gemacht und einem Kinde an einem Baconzmorgen, nachdem es gut geschlafen, eine Stunde im Garren herumgelaufen, etwas ausgeruht und etwas
genossen hatte, das in einer Viertelstunde eingelernt, was das arme Kind am Vorabende trotz zehnmaligem Vorlesen nach einer Stunde noch nicht merken konnte, nachdem es während des Tages 7 Stunden gesessen hatte und mit heißem Kopfe, blöden Augen, müde und erschlafft heimgekommen war. Man spricht immer von Ueberbürdung, der eine versteht dieses, der andere jenes darunter. Er meint, die Lehrgegenftände trügen die Schuld, ein anderer glaubt, die Lehrmethode. O nein! Beides ist unschuldig und bringt die Ueberbürdung nicht. Man gehe Abends 9 Uhr in die Familie- dort findet man, was Ueberbürdung ist. Das neunjährige Knäbchen, daS nun in das Bett gehört, sitzt allein am Schreibtisch und hält mit seinen kalten Händchen den heißen Kops, in den es nicht mehr hineinbringt, was es morgen früh 8 Uhr wtffen soll. DaS ist die Ueberbürduug, wenn vom Abend bis zum Morgen Aufgaben gelöst werden müssen, welche vielleicht nur von dem talentvollsten Zehntel der Schüler ohne Beeinträchtigung des absolut nothwendigen Schlafes bezwungen werden können- das heißt das Gehirn ruiniren, nervös machen. Man frage die Väter und Mütter, ob dies nicht Wahrheit ist, ob die armen Kinder nicht bis 9 und 10 Uhr am Schreibtische sitzen, früh 5 Uhr schon wieder aufstehen, weil sie Abends absolut nichts mehr auffaßten. Leider aber wird es dann Morgens zu schnell 8 Uhr, die Ausgabe ist nur halb fertig, die Strafe folgt aus dem Fuß und bringt für heute noch mehr Arbeit. Schon in den letzten Klassen der deutschen Schule, aber vorzüglich in Latein-, Gewerbeschulen, Gymnasien, höheren Töchterschulen und Instituten kann man die erzählten Mißstände überall finden. Kinder gehören nach 9 Uhr in das Bett, und vor 5 Uhr lasse man sie ja nicht aufstehen, sonst ruht ihr Gehirn nicht genügend aus. Ein Bauer, ein Taglöhner reicht bekanntlich leicht mit b Stunden Schlaf - aber wer Kopfarbeit leistet, soll mindestens 7—8 Stunden schlafen, Kinder noch mehr. Ich halte das gegenwärtige Princip, ein Kind den ganzen Tag zu beschäftigen, für ein recht gutes - allein ein großes Theil der Zeit sei der körperlichen Ausbildung gewidmet, wenn möglich in freier Luft. Es war ein guter Anfang, das Turnen obligatorisch zu machen- allein ich möchte die gegenwärtige Dosis dieser herrlichen Arznei eine nahezu homöopathische nennen, die nur wenig nützen dürfte. Ich bin fest überzeugt, daß die Zukunft zehren wird, daß man täglich stundenlang körperliche Uebungen mir geistiger Arbeit wechseln lassen muß, wenn ein Kind gesund bleiben soll. Ich bin ebenso überzeugt, daß das Lernen viel leichter geht, wenn der Körper mehr gekräftigt wird, wenn die geistige Spannung nicht so viele Stunden beträgt, wie jetzt fast in allen Lehranstalten. Mit Ausnahme einzelner
hervorragend talentirter Kinder tritt bei den meisten jetzt scharr Nachmittags, aber fast immer Abends eine stumpfe, müde Hirnfunction ein, womit sie nur sehr wenig mehr fassen, höchstens nach langer Marter mechanisch einlernen, ohne den Sinn zu überdenken. Das ResumH meiner Erfahrung geht also dahin, daß die Zukunst den Körper der Kinder durch Spiele und Arbeiten im Freien zum Lernen vorbereiten und während des Lernens die Ausbildung des Körpers energisch befördern wird, damit die Belastung des Gehirns, welche bei Tausenden zur Ursache ihres unbehaglichen Befindens rotrb, verhindert werde. Trotz dieser Zeitopfer darf man aber keine geringeren Lernergebnisse befürchten. Hingegen wird das Lernen, das jetzt Vielen eine Marter ist, den Meisten Freude machen - und es wird nicht schon in der Kindheit der Grundstein zu der jetzt so sehr überhandnehmenden und unglücklich machenden Nervenerregung gelegt werden. Man haut bekanntlich keinen Baum mit einem Stretche um. Die Einführung des Turnens war der erste glückliche Griff zum Besseren. Man wird nun alsbald die staubigen Turnhallen mit der freien Luft vertauschen und eine eingreifende Aenderung der Schulordnung anstreben müssen, aber ich bin der festen Ueberzeugung, daß man es nie bereuen wird.
* Kattowitz, 20. December. Einem Schwindler sind zwei hiesige Restaurateure anheimgefallen. Wie die „Kaltowitzer Ztg." erzählt, stellte sich der Schwindler als ein sehr wohlhabender Herr v. Gorski hin - er habe zu Hause in Warschau eine junge Tochter, welche er nur an einen Deutschen ver- heiratden wolle, da die Russen ihn mit ihrem Hasse verfolgten. v. Gorski bot nun dem einen der beiden Restaurateure, der ihm, wie er sagte, besonders gefallen habe, kurzerhand seine Tochter zur Frau an. Dem Freunde des Auserkorenen versprach er einige tausend Rubel, wenn die Ehe zu Stande komme. Schließlich lud er beide nach Warschau zum Besuch ein. Beide entsprachen der liebenswürdigen Einladung und wurden äußerst höflich und glänzend empfangen. Nach zwei Tagen brauchte der Gastgeber, v. Gorski, viel preußisches Geld, und der glückliche Bräutigam aus Kattowitz, welcher über seine hübsche und anscheinend sehr reiche Braut entzückt war, beeilte sich, seine Barschaft in Höhe von 3000 Mark anzubieten. Da dies nicht ausreichte, bot der mitgekommene Freund aus Kattowitz ebenfalls 1000 Mark - dafür erhielten sie 100-Rubel-Päckchen, und zwar weit über das Geliehene hinaus. Als jedoch die beiden Kattowitzer auf dem Rückwege einige Rubelpäckchen öffnen wollten, gewahrten sie mit
Kttrilleton.
Wochenbriefe aus der Residenz.
(Originalbericht für den „Gießener Anzeiger".)
Darmstadt, 22. December 1893.
Daß Schlierfee'r Bauerntheater. — Allerlei.
Von dem mit großer Spannung erwarteten Gastspiele des sogenannten „Schliersee'r Bauerntheaters" in Darmstadt versprach ich Ihren Lesern im heutigen Briefe ausführlich zu berichten. Wie schon neulich kurz mitgetheilt, besteht das genannte Dilettanten-Ensemble durchweg aus „echten" oberbayrischen Bauern, Bewohnern des bekannten Touristenplatzes Schliersee oder doch der umliegenden Dörfer. Wie eine hier colportirte erläuternde kleine Schrift über das eigenartige Unternehmen angibt, hat der bayrische Hofschauspieler Konrad Dreher, eh bekannter Komiker, vor zwei Jahren in Schliersee eine kleine Bauernbühne errichtet, auf der während der Sommermonate vor einem zahlreichen Fremden-Publikum die sogenannten Gebirgsstücke Ganghofers, Neuerts, Schmids und wie die bayrischen Dialect-Dramatiker alle heißen mögen, aufgeführt wurden. Die Vorstellungen erregten nun bald in wetteren Kreisen Aufsehen. Bor Allem konnten die verwöhnten Städter die erstaunliche Darstellungskunft der bäuerlichen Dilettanten gar nicht genug bewundern, in der Presse wurde von wahrhaften „Kunstleistungen" der schlichten Bergeskinder gesprochen und der Andrang zu den Vorstellungen wuchs mehr und mehr. Im vergangenen Sommer wurde daS Unternehmen in größerem Umfange fortgesetzt und fand wieder außerordentlichen Beifall, so daß die Schliersee'r sich bald aus ihrer Heimath hinauswagten und Gastsptelausflüge in die nahegelegene Hauptstadt Bayerns, nach München, unternahmen. Auch dort soll ihnen der Erfolg treu geblieben sein und das ermuthigte den Unternehmer, Herrn Dreher, eine .ganze „Tournee" seines Bauern-Ensembles zu veranstalten,
seine Künstler, oder vielmehr seine Dilettanten, denn nur als solche wollen sie ja genommen sein, nach Art der berühmten „Meininger" von Stadt zu Stadt zu führen. In Berlin begann diese Rundreise und von da aus besuchte die Gesellschaft die größeren Städte Norddeutschlands, überall mit Jubel begrüßt und mit reichem Beifall für ihre Leistungen gelohnt. Wir Darmstädter, die wir die Schliersee'r bisher ja nur aus Schilderungen in der auswärtigen Presse kannten, durften uns also auf das eigenartige Gastspiel recht freuen, und so war denn auch das große Hoftheater am vergangenen Sonntag, wo mit Ganghofers „Hercgottsschnitzer" der Anfang gemacht wurde, bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Die Erwartungen, die das Publikum hegte, waren nach dem, was man in den Ankündigungen versprochen hatte, nicht gering, aber sie wurden noch weit übertroffen. Das geschickt gearbeitete, etwas rührselige Volksstück wurde von den Schlier- seer'n ganz prächtig wiedergegeben. Die bäuerlichen Dar- steiler spielten mit solcher Frische, mit so ungekünstelter, echter Gemüthstiefe, sie brachten ihre Jodler und Juchzer so fröhlich und ausgelassen zu Gehör, tanzten ihren Nationaltanz, den „Schuhplattler" so gewandt und frisch, daß der Beifall nach jedem Acte brausend erschallte und das Publikum nicht müde wurde, die mit einem Schlage so beliebt gewordenen Darsteller immer und immer wieder hervorzujubeln. Nicht anders war es am Montag, der die Gebirgsposse „Jägerblut" von Rauchenegger brachte, deren Aufführung Ihr Referent nicht selbst beigewohnt hat, die aber auch mit dem denkbar größten Erfolge ausgenommen worden sein soll. Der Dienstag brachte leider schon den Abschied von den lustigen Gästen. DaS „Lieserl von Schliersee" bildete die letzte Vorstellung. Wiederum jubelte das gefüllte Haus den Darstellern nach jeder Scene zu und zum Schluffe wollten sich die Beifallsstürme fast gar nicht legen, so daß die Darsteller selbst von der im Zuschauer- raum herrschenden Begeisterung ergriffen wurden und von der Bühne aus zum Abschied einen Juchzer und Jodler nach dem anderen erschallen ließen. Wohl selten haben fremde Gäste
eine freundlichere Aufnahme bei unserem mit vollem Rechte „kühl" und „reserviert" genannten Publikum gefunden. Die Schliersee'r danken diesen Erfolg aber auch ganz hervorragenden Leistungen und wir hoffen bestimmt, daß wir sie nicht zum letzten Male bei uns gesehen haben. Sollte die Gesellschaft auch einmal im benachbarten Frankfurt ober gar bei Ihnen in Gießen Einkehr halten, so mögen Ihre Leser nicht versäumen, die Vorstellungen zu besuchen, ein paar frohe Stunden sind ihnen gewiß. Auf Einzelheiten an dieser Stelle einzugchen, ist uns nicht möglich, wir müssen unS mit der in allgemeinen Zügen gehaltenen vorstehenden Schilderung begnügen.
Außer dem Schliersee'r Gastspiel brachte die vergangene Woche an geselligen oder künstlerischen Vergnügungen nicht viel. Die Nähe des Weihnachtsfestes verbietet eben jede größere Veranstaltung dieser Art- sind erst die Feiertage verstrichen, dann wird es auch an Festlichkeiten nicht fehlen. Schon jetzt trifft z. B. der Männerchor „HumanitaS", dessen trefflicher Leistungen in seinen Concerten wir hier schon oft rühmend gedenken konnten, seine Vorbereitungen zu einem großen Stiftungsfest am 30. December. Ein großes Concert soll den Abend einleiten, daran soll sich der Festball schlleßen. Auch der Mozartverein plant für Januar eine größere künstlerische Veranstaltung. Die lustige Faschingszeit wird uns dann die beliebten Carnevalssitzungen im Saalbau bringen und da die beiden großen carnevalistischen Vereinigungen Darmstadts, „Narrhalla" und Carnevals-Gesellschaft über sehr tüchtige humoristische Kräfte in größerer Anzahl verfügen, so darf man sich auf manch frohe und heitere Stunde freuen. Nach Weihnachten mehr davon, vorerst wünschen wir unseren verehrten Lesern von Herzen ein recht fröhliches WeihnachtS- feft und
„Vergnügte Feiertage!" Z.


