1893
Dienstag den 24. October
'-x. 250 Erstes Blatt
BikrkrffLhnger
Zlmts- und Anzeigeblatt für den Itrets Gielzen
Gratisbeilage: Gießener Jamilienölätter
Lnnahmr von Anzeigen zu de» Nachmittag« für den '»sgmden Lag erscheinenden 9himm<r bi« Sorm. 10 Ubr
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einen besonderen Knalleffect erzeugt, als die nordischen Gäste der am Sonntag statrgefundenen feierlichen Beisetzung der Leiche des Marschalls Mac Mahon im Jnvalidendom mit beigewohnt haben. Bernerkenöwerth ist, daß die hochberzige Theilnahrnskundgebung des deutschen Kaisers anläßlich des Ablebens des Marschalls Mac Mahon von den Pariser
Blättern meist sehr sympathisch besprochen wird.
— Das englische Geschwader hat den Hasen von Tarent nach fast euiwöchigem Aufenthalt wieder verlassen, um auch noch andere italienische Häfen zu besuchen. Das Erscheinen des englischen Geschwaders in Tarent veranlage daselbst eine garste Reihe festlicher Veranstaltungen zu Ehren der englischen Gäste, bei denen die Freundschaft zwischen England und Italien in würdigster Weise zum Ausdruck kam.
Bringerlodn.
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Deutsches Reich.
Darmstadt, 21. October. Seine Königliche Hoheit der tzroßherzog empfingen heute u. A. den Landgerichtsrath Hellwig von Gießen.
Berlin, 21. October. Der Handelsvertrag zwischen 'teilt sch land und Rumänien wurde heute unterzeichnet.
Berlin. 21. Ociober. Rach einem amtlichen Bericht ist
•jtj ver Molkereibesitzersfrau Dürrkopf aus dem Berliner Vor- vrl Di'xdorf Cholera asiatica sestgestellt.
Berlin. 21. Octobcr. Eine gestern stattgehabte Volks- vilfimmlung, in der die Vegetarier die Gründung einer icutm naturgemäßen socialen Partei beabsichtigten, ist ergebnlß- (o3 verlaufen, da die Socialdemokraten dagegen protestirten. tesAleichen verlief die Versammlung der freien vegetarischen
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kminigung stürmisch.
Kiel. 21. October. Das soeben bei Anwesenheit einer hichizgedrängten Menschenmenge vom Stapel gelaufene Panzerschiff „8" wurde vom Eontreadmiral Diedrichsen iu| 'Anordnung des Kaisers „Hagen" getauft.
Hamburg. 21. October. Die kürzlich in Umlauf gewesene Pielidung. Fürst Bismarck werde von Friedrichsruh nach karzin übersiedeln, wird von maßgebender Seite mit der Begründung widerlegt, daß Varzin sich für einen Winter- zilfantbalt nicht eigne und laß der Fürst bestimmt ,n Friedrichs- _tui) verweilen werde. Professor Sckweninger ist auf der M'kehr von seiner Reise nach Lugano begriffen und wird am Hvnntag in Friedrichsruh wieder eintreffen.
Nürnberg, 21. October. Der 17. deutsche Frauenta g trurde heute hier im Strauß-Hotel eröffnet. Die Begrüßung Samens der Stadtgemeinde erfolgte Seitens des Bürgermeisters kchich. ES folgten alsdann Vorträge der Leipziger Damen Schmidt und Goldschmidt über „Unsere Aufgaben" bezw. Ausgangspunkt der deutschen Frauenbewegung".
— König Albert von Sachsen beging am Sonntag sein 50jähriges Militärdienstjubiläum in II Geg enwart eines glänzenden Kreises fürstlicher Gäste, der smMtlichen commandirenden Generäle des Reichsheeres u. s.w. lind unter zahlreichen Kundgebungen freudiger Thetlnahme aus weiten Schichten des Sachscnvolkes. Kaiser Wilhelm selbst hatte es sich nicht nehmen lassen, zu dem herrlichen ehventage seines erlauchten Freundes und Verbündeten nach Dresden zn kommen und den ruhmgekrönten sürstlichen Feldherrn, den erfolgreichen Helfer am Werke der deutschen Einigung, dem treuen Waffengenoffen der Kaiser Wilhelm 1. hnb Friedrich, persönlich seine herzlichsten Glückwünsche dar- zubringen. Roch am Spätabend des Sonntag reiste der (Hjjer allerdings wieder nach Berlin zurück, die metsten übrigen Fürstlichkeiten verweilen dagegen noch bis zum iHortag in Dresden, an welchem Tage die Festlichkeiten bet host anläßlich des Jubelfestes des Königs mit dem Eliteball hi Residenzschlosse ihren Abschluß -erhalten. Im ganzen ianbc ist der jüngste Ehrentag des allgeliebten Herrschers lurch entsprechende festliche Veranstaltungen mitgefeiert worden.
Dresden, 21. October. Das „Dresdener Journal' trfahrt, daß der König aus Anlaß seines fünfzigjährigen Nilitärjubiläums einer Anzahl Milit ärg ef ang enen des hisigen Festungsgefängnisses den Rest der Strafe entweder | imz erlassen oder dieselbe erheblich herabgesetzt hat, ferner ich'reiche Gefangene der Landesstrafanstalt Zwickau, die als Pkrsonen des Soldatenstandes zu langen Freiheitsstrafen und ]|| :,r Entfernung aus dem Heere verurthkilt traten, in Freiheit
• ([hcn ließ. Weiter ist denjenigen Militärperso'.ien, die gericht- |:d) wegen entehrender Vergehen mit Freiheitsstrafen bis zu IchS Wochen belegt waren, und endlich allen im Disciplinar- r qe bestraften Militärpersonen die Strafe erlaffen. Personen, hc wegen Mißhandlung Untergebener verurtheilt waren, sind . ton einem Strafnachlaß oder von einer Strafmtnderung aus-
^^Tttsden, 21. October. Der Erzherzog Albrecht von Oesterreich ist nach 7 Uhr Abends hier eingetroffen. Der König, Prinz Johann Georg, der österreichtsche Gesandte, hr Polizeipräsident und der Generaldtrector der Staats- (atmen waren am Bahnhof anwesend. Der König küßte und umarmte den Erzherzog wiederholt. Das zahlreich am Bahnhof aufgestellte Publikum brach in lebhafte Hochrufe aus.
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Att-land.
Wien, 21. October. Die „Abendpost" widmet an der Spitze des Blattes dem erlauchten Verwandten und treuen foeunbe des österreichischen Kaisers, dem Könige von Luchsen, anläßlich des morgigen Militär-Jubiläums ti-tan Rückblick über dessen militärische Laufbahn und hebt hn'vor, die österreichische Armee, welche durch ihren ruhm-
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Dresden, 22. October. Se. Majestät der Kaiser und Ihre Königlichen Hoheiten Prinz Heinrich und Prinz Albrecht von Preußen sind mit Gefolge um 5 Uhr 3v Mm. aus dem Böhmischen Bahnhose eingetroffen und wurden von dem Prinzen Georg empfangen. Se. Majestät der Kalter begab sich hierauf in Begleitung des Prinzen Georg im offenen vierspännigen Galawagen durch die mit Gasbecken unv Candelabern tageshell erleuchteten Straßen, welche festlich geschmückt waren, nach dem Schlosse. In der Pragerstraße bildete das 2. Grenadier - Regiment Spalier. Dte nach Tausenden zählende dichtgedrängte Menschenmenge begrüßte Se. Majestät mit brausenden Hochrufen. Im Schlosse fand die Begrüßung des Königs und der Königin foroie Der fremden Fürstlichkeiten statt. Um 6 Uhr begann die Galatafel. Se. Majestät der Kaiser saß zwischen Sr. Maiestat dem König und Ihrer Majestät der Königin. Allerhöchstihm gegenüber saß der Kriegsminister General Edler v. d. Planitz. Die Tafel war auf das Prachtvollste geschmückt- die Anzahl der Gedecke betrug 340. Rach der Suppe hielt Se. Majestät der Kaiser an Se. Majestät den König eine Ansprache, welche Se Majestät der König beantwortete. Zwei Militär- capellen führten die Tafelmusik aus, Hoftrompeter blieien Fanfaren.
Dresden, 22. October. Um 11^ Uhr nahm der König die Beglückwünschungen seitens der bereits anwesenden Fürstlichkeiten und Specialgesandten fremder Höfe entgegen. Hieran schloß sich der Empfang von Beglückwünschungs-Deputatlonen, an deren Spitze die vom Prinzen Georg geführte Deputation der sächsischen Armee. Prinz Georg überreichte im Auftrage der Armee dem König die goldene Kette zum St. Heinnchs- orden. Die Offiziere, welche dem Dienste des Königs angehört haben und angehören, überreichten eine silberne Truhe mit Photographien und die sächsischen Militärvereine eine Stiftung. Der König verlieh 23 Ehrensäbel an ferne früheren und jetzigen Adjutanten. — Rach Beendigung des Empfanges nahm der König mit den Fürstlichkeiten in den Gemächern der Königin das Frühstück ein. Der Fremden» zufluß ist sehr groß, zahlreiche Extrazüge sind eingetroffen.
Dresden, 22. October. Die sächsischen Militärvereine widmeten eine „Albert»Stiftung" im Betrage von 40 000 Mk., bestimmt zur Erziehung von Söhnen der den Militärvereinen Angehörenden. Zahlreiche Glückwünsche und Adreffen sind eingelaufen.
Dresden, 23. Octoder. Der Kaiser richtete beim gestrigen Empfange im Marmorsaale an den König Albert eine Ansprache, worin er sagte: Nachdem die Vorsehung beschlossen, daß Kaiser Wilhelm, Kaiser Friedrich unb Moltke nicht mehr unter ben Sebenben weilen, sei es ihm überkommen, die Huldigung des Heeres zu des Königs Füßen zu legen, des einzigen großen Heerführers aus der großen Zeit. Der König habe sich den Feldmarschallstab vor dem Feinde erkämpft. Der Kaiser bitte daher den König, den von ihm angebotenen Felbmarschallstab als Symbol ber Hulbigung seinerseits unb Seitens ber Armee anzunehmen. Möge der König uns Allen noch lange erhalten bleiben.
Dresden, 23. October. Auf bie gestrige Ansprache des Kaisers im Marmorsaale sprach König Albert seinen tief» gesühltesten Dank zunächst dafür aus, baß es ihm vergönnt sei, den Kaiser an der Spitze aller Fürsten des deutschen Heeres vor sich zu sehen. Der Stab, den der Kaiser ihm verliehen, solle in feinen Händen fest und sicher fein; sollten wir, was Gott verhüten wolle, nochmals das Schwert für | deutsches Recht und Sicherheit zu ziehen veranlaßt sein, so I werbe er mit dem Stabe in der Hand seine Pflicht erfüllen
chlüssen entgegen.
Nom, 21. October. Morgen findet hier die Eröffnung der Ausstellung von Transportmitteln für im Kriege Verwundete statt; dieselbe ist von 63 Eon- currenten beschickt. Deutschland, O-sterreich, bie Schweiz, Bulgarien, Griechenland sind an der Ausstellung beteiligt.
Paris, 21. October. Nachts nach 1 Uhr, als ein zahlreiches Publikum die Rückkehr der russischen Offiziere auf dem Opernplatze erwartete, schoß ein Mann einen Revolver gegen bie Menge ab. Er wurde von ber Polizei verhaftet und gegen Mißhandlungen durch die Umstehenden geschützt. Er erklärte, er heiße Willer und habe fünf Schüsse abgegeben (Vier hatten versagt), weil man so viel Geld für Feste zu Ehren der Fremden ausgebe, während viele Franzosen im Elende lebten. — Auf dem gestrigen Balle haben bie Offiziere nicht getanzt; sie verweilten nur kurze Zeit, weil eine Orbre des Zaren vorlag, wonach sie vor der Beerdigung Mac Mahons an keiner Festlichkeit sich beteiligen sollen.
Paris, 21. October. Während die Osfiziere des russischen Geschwaders gestern dem Festmahl im Rath Hause beiwohnten, feierten die russischen und französischen Aerzte im Grand-Hotel ein Bankett, welches Seitens des französischen Aerzte-Vereins veranstaltet war. Es wurden gegenseitig sehr- herzliche Toaste gehalten.
Paris, 21. October. Wahrscheinlich wird Avellan mit den russischen Osfizieren in der Nacht auf Mittwoch 1 Uhr 30 Minuten Paris verlassen.
Paris, 21. October. Die Mitglieder des Preßausschusses erfuhren, die Regierung wolle das große Volksbankett auf dem Marsfelde untersagen wegen der socialistisch- revolutionären und chauvinistischen Agitation, von welcher sie Zwischenfälle befürchtet. Eine Delegation, bestehend aus den Directoren des „Matin", „Gaulois", „Journal" und zwei Mitgliedern der Akademie, begab sich zu dem Minister-Präsidenten, der nach langen Unterhandlungen die Genehmigung crtheilte, bas Programm dahin abzuändern, daß das Volksbankett von 3000 Gedecken am Montag, die Galavorstellung in der Oper am Dienstag stattfinden sollen.
Paris, 21. October. Der Ministerraths-Beschluß, wegen der Leichen-Feierlichkeiten Mac Mahons die vom Preßcomite eingerichteten Feste ausfallen zu lassen, erregt unter den Journalisten und fremden Berichterstattern große Unzufriedenheit. Gestern Abend war im Grand-Hotel eine aroße Mehrzahl der Vertreter Pariser Zeitungen versammelt, welche ihre Mißbilligung über das Bestimmen der Regierung, auf dem Marsfelde am Begräbnißtage Mac Mahons die franco-russische Verbrüderung nicht zu feiern, in aufregenden DiScussionen aussprach.
Paris, 21. Octeber. Wie der „Ternps" meldet, hat Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich der Wittwe des Marschalls Mac Mahon den Ausdruck des lebhaften Mitgefühls übersandt.
Monlcrefson, 21. October. Heute M.ttag fand bie Trauerfeier für den verstorbenen Marschall Mac Mahon statt. An dem Leichenzuge nahmen die Civil» und Militärbehörden des Departements, Deputationen der Osfizier- corps sämmilicher Waffengattungen, sowie eine ungemein große Anzahl anderer Personen Theil. Dem Sarge, welcher von Unteroffizieren auf einer Bahre getragen wurde, folgte die zahlreich erschienene Geistlichkeit. E'n Regiment bildete Spalier. Während der Sarg auf die Bahre gesetzt wurde, sprach der Pfarrer von Magenta das letzte Gebet.
— Die Pariser Russenfeste nähern sich ihrem Ende, denn am Dienstag Nacht gedenkt Admiral Avellan mit feinen Offizieren die französische Hauptstadt wieder zu verlaßen, um über Lyon nach Toulon zurückzukehren. Die russischen Gälte dürften vielleicht ebenso froh fein, wie ihre französischen Gast- freunde selber, daß diese fortwährende festliche Aufregung Tur beide Parteien nun endlich aufhört, denn solche Feststrapazen, wie sie ber Russenbesuch in Paris mit sich brachte, ermüden schließlich Geist und Körper der Betheiligten gleichmäßig.
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Wien, 21. October. Bei der anhaltenden Krisis be- chästigt man sich in parlamentarischen Kreisen nur noch mit ber Auslösung beö Reichsrathes. Von verschiedenen Parteien wurden heute die Candidaten für die am Montag 'tattfinoende Wahl aufgestellt. — An dem Ausschuß für die Prager Ausnahme-Verordnung beteiligen sich elf Mitglieder, während gegen dieselbe dreizehn Mitglieder auftreten. Sonach dürfte die Ablehnung der Ausnahme Maßregel sicher sein. Die heutige Sitzung des Ministerrathes oll von besonderer Bedeutung sein; man sieht wichtigen Be-


