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Nr. 71

Freitag den 24. März

<893

Der Ok-e«er Auzeiger rrschnnl täglich, edt Auinahmk bei Montags.

Die Gießener Wamtkioßktlter »erben brat Anzeiger »Gchentlich breimal beijelegt.

Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger.

BieNeljährlger >6»e*e*exi$»trt» t 2 Mark 90 PI,.* Brutgerle^a.

Durch die Post bqa,ai 2 Mark 50 Pfg.

Rebaction, ®n>ebtme unb Druderet:

X.fUr.p Mr.l

Fernsprecher 5L

Zlints- unb Anzeigeblutt für ben Kreis (Siefeem

Amtlicher Theil

Ich hielt Sie für eine

Annahme von Anzeigen zu ber Nachmittags für ben felgenbm Ta, erfcheinenben Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Waffensendungen sind an die Adresse: Aichmeister Baumann, Gießen, zu richten.

Gießen, den 22. März 1893.

Großherzogliches Aichamt Gießen.

Der Vorstand:

Reuting.

Sprache zu vervollkommnen."

(Fortsetzung folgt.)

Deutscher Reichstag.

73. Sitzung. Mittwoch, 22. Marz 1893.

(Vorläufiger Bericht.)

Anwesend sind der Reichskanzler Graf Caprivi, Finanz- mtnister Miquel, die Staatssecretäre v. Mar sch alt und d. Maltzahn.

von denen sich die Menschen gewöhnlich unterhalten, wenn sie sich zum ersten Male sehen.

Ah, Sie kneipen also auch noch Natur?" rief da Plötz, lich ein jovial aussehender älterer Herr dem jungen Manne zu, und erstaunt blickte seine Begleiterin auf, denn er ant­wortete auf die deutsche Anrede im reinsten Deutsch:Ja, der Abend ist so wunderschön, daß es unverantwortlich wäre, sich schon in die dumpfe Sabine zu begraben."

Ja, namentlich wenn man hier oben so angenehme Gesellschaft haben kann," meinte der alte Herr im Weiter­gehen mit einem verständnißvollen Blick auf das junge

Neueste Nachrichten»

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 22. März. Der Cardinal Fürstbischof Kopp wurde Mittags vom Kaiser in feierlicher Audienz empfangen. Durch eine königliche Gala' Equipage wurde der Cardinal aus demHotel Royal" abgeholt und ebenso dorthin zurück- gesührt.

Berlin, 22. März. Etwa fünftausend Schneider haben

Deutsches Reich.

Metz, 22. März. Wegen des heutigen Geburtstages weiland Kaisers Wilhelm I. wurden von den hiesigen Regimentern und einer größeren Anzahl Vereine viele pracht­volle Kränze an den Stufen des Katser-Wilhelm-Denkmals niedergelegt.

Ausland.

Inmitten der in Frankreich durch den plötzlichen Tod Jules Ferrys hervorgerufenen Erregung hat am DienStag der Panama-Bestechungs-Prozeß gegen Carl v. Lesseps, Blondin, Baihaut, Fontane u. s. w. seinen Abschluß gefunden. An genanntem Tage wurde vom Gerichtshöfe das Urtheil ge­sprochen- daffelbe lautet gegen Leffeps auf ein Jahr, gegen Blondin auf zwei Jahre und gegen den ehemaligen Bauten- minister Baihaut auf fünf Jahre Gefängniß. Baihaut wurde überdies zu Verlust der Ehrenrechte und zu 750,000 Francs Geldstrafe verurtheilt, außerdem erkannte der Gerichtshof gegen alle Drei auf Zahlung eines Schadenersatzes, dessen Höhe der Staat festsetzt, an die klagenden Civilparteien und zur Zahlung einer Summe von 375,000 Francs an den Liquidator Monchicourt. Die sechs übrigen Angeklagten sprach der Gerichtshof infolge des aufNichtschuldig" lautenden Wahrspruches der Geschworenen frei. Man mag diesen richterlichen Spruch als gerecht betrachten, dennoch wird er die öffentliche Meinung Frankreichs schwerlich ganz befriedigen, weiß man doch hinlänglich, daß noch andere Leute, als die jetzt Verurteilten, vor die gerichtlichen Schranken gehört hätten.

Bekanntmachung.

Nach dem mit dem sl. April d. I. in Kraft tretenden Neichsgesetz vom 19. Mai 1891, betreffend die Prüfung der Läufe und Verschlüffe der Handfeuerwaffen, dürfen der­artige Waffen nur dann feilgehalten oder in den Verkehr gebracht werden, wenn ihre Läuse und Verschlüffe nach den Vorschriften dieses Gesetzes in amtlichen Prüfungsanstalten geprüft und mit Prüfungszeichen versehen sind.

Für die z. Zt. vorräthigen oder in Gebrauch befindlichen Handfeuerwaffen findet diese Vorschrift keine Anwendung, wenn diese Waffen mit dem Vorrathszeichen versehen sind und außerdem an denselben keine Veränderung des Kalibers oder Verschlusses vorgenommen wird.

Es liegt deshalb im Interesse aller Besitzer von Hand­feuerwaffen, solche noch vor dem 1. April d. I. mit dem Vorrathszeichen versehen zu lassen.

Die Anbringung des Vorrathszeichens erfolgt frei von Gebühren und Kosten, jedoch werden etwaige Ausgaben für Fracht, Porto, sowie sonstige Ausgaben für Transport und Verpackungsmaterial bei Einsendung von Waffen von den Antragstellern bei Rücksendung der Waffen durch Postnach­nahme zurückerhoben.

An allen Wochentagen bis zum 1. April d. I. wird von 8 bis 12 Uhr Morgens und von 2 bis 6 Uhr Nach­mittags die Stempelung von Handfeuerwaffen im Aichlocal in Gießen auf Antrag durch den Aichmeister Baumann vorgenommen.

Steckbrief.

Schliestner, Georg, Sohn des Jakob Schließner von Lechgestern, 20 Jahre alt, Taglöhner, welcher durch Urtheil der Strafkammer Großh. Landgerichts dahier vom 28/30. Juli 1891 wegen Körperverletzung in eine Gefängnißstrafe von vier Monaten verurtheilt worden ist, hat sich der Ver­büßung dieser Strafe durch die Flucht entzogen.

Man ersucht um Fahndung, Festnahme und Nachricht hierher.

Gießen, den 16. März 1893.

Großherzogliche Staatsanwaltschaft.

Schilling - Tr.

Mädchen.

Diese aber lachte laut und herzlich auf.

Nein, das finde ich aber zu köstlich!" rief sie aus, unterhalten wir uns da mit einem wahren Feuereifer auf Englisch und sind doch beide ein paar ganz gute Deutsche! Es ist zu komisch! Hätten Sie dem Herrn nicht deutsch ge­antwortet, an Ihrem Englisch hätte ich nimmermehr Ihre Landsmannschaft erkannt."

Ebensowenig ich die Ihre.

ganz richtige Engländerin. Und nun sind Sie gar nicht genuine. Aber wo haben Sie denn Ihr ausgezeichnetes Englisch gelernt?"

O, ich bin mehrere Jahre in England gewesen und habe sehr viel Umgang mit Engländern gehabt, daher mag es wohl kommen, daß ich die Sprache leidlich spreche."

Sie sind mehrere Jahre in England gewesen? Wie ist das möglich? Sie sind ja noch so jung, mein Fräulein !"

O, ich bin nicht so jung, wie ich aussehe- außerdem kann ich Ihnen ganz einfach erklären, wie die Sache sich verhalt. Ich habe einen älteren Bruder, der in England verheirathet ist, und nachdem ich die Schule verlassen, brachte ich längere Zeit bei ihm zu, um mich in der englischen

Zunächst werden NechnungSsachen erledigt. Hierauf wird die EtatSberathung fortgesetzte

Beim JnvaltdenfondS ergreift auf Anregung Richters Aba. Ahl warbt daS Wort und erklärt, er könne nur wenige Actenstücke vorlegen, welche ohne eine Verbindung mit den übrigen fehlenden unverständlich seien. Der Rest sei sofort nicht zu beschaffen.

Auf Antrag des Abg. Graf Ballestrem (Etr.) tritt ber Seniorenconvent unter dem Vorsitz des Präsidenten v. Levetzow sofort^usammen.^^ z^^stücke und der Vernehmung Ahlwardt»

wird die Sitzung aus eine Stunde auSgesetzt.

Die Sitzung wird um 3 Uhr 15 Mtn. wieder ausgenommen.

Abg. Gras Ballestrem (Ctr.) und die Vertrauensmänner, unter dem Vorfihe v. Levetzows, haben die von Ahlwardt dei- gebrachten Documente geprüft und davon eingehende Kenntnttz ge- nommm. In dem Urtheil stimmen die Herren überein, daß Ahl- wardt der Aufforderung, einzelne Actenstücke zu bezeichnen, welche geeignet seien, feine gestrigen Angaben zu bestätigen, nicht nachzu- kommen im Stande war. , . .

Abg. Ahlwardt erklärte, die vorgelegten Actenstücke seien allein nicht geeignet, die gestern gemachten Angaben zu bestätigen, erst mit den andern noch herbeizuschaffenden Actenstücken werde die« m50li®toGommiffion hat beschlossen zu erklären, daß Ahlwardt» Actenstücke durchaus nichts enthalten, was die BLauptungen dchelbur unterstütze oder was frühere und gegenwärtige Mitglieder deS Reichs­tags, der Retchsregterung oder der deutschen Landesregierungen zum Mindesten belaste. Wenn Jemand, insbesondere ein Reichstags- mitglied, solche Beschuldigungen vorbringe, könne er die» nur thun, wenn die Beweismittel sofort auf den Tisch deS Hauses ntedergelegt WUr Abg. Ahlwardt (mit Zischen empfangen) versucht eine Recht­fertigung seines Verhaltens und erachtet die Möglichkeit einer ferneren Beweisführung für abgeschnitten.

Abg Richter (bfr.) bestätigt die Ausführungen BallestremS über das Commissions-Ergebnitz. .

Die Abgg. v. Manteuffel (cons.) und Lieber (Ctr.) ver- urtheilen das Verfahren AhlwardtS. Letzterer erklärt, er würde in der Characterisirung dieses Verfahrens einen Ordnungsruf rtskiren, wenn ibm Ablwardt fovtel werth wäre.

Abg. Ahlwardt greift mehrfach in die Debatte zu seiner Ver- thetdiAnVrDebatte betheiligen sich Rickert (bfr.), Brömel (bfr.), Stöcker (cons.), Zimmermann (Ctr.), Liebermann von Sonnenberg (Antisemit).

Feuilleton.

Eine Reisebekanntschaft.

Novelle von Fred. Vincent.

(Nachdruck verboten.)

Blissingen!" Der Kölner Schnellzug war eben ein­gefahren und ein Strom von Passagieren ergoß sich nach dem bereitliegenden Dampfer, der sie hinüber nach der Küste Albions bringen sollte. In dem Salon der ersten Klasse drängte sich alles nach einem kleinen Schalter am äußersten Ende desselben, wo gegen Vorzeigen des Billets die Nummern für die Sabinen ausgetheilt wurden. Etwas abseits von dem Gedränge stand ein junges Mädchen, in einen einfachen grauen Reisemantel gehüllt, und schaute mit fast ängstlichen Augen auf die Menschenwogen um sie her. Sie schien allein zu sein, denn ein männlicher Begleiter hätte ihr wohl das Handgepäck abgenommen, das sie noch immer unschlüssig festhielt.

Da trat ein Herr, der sie schon seit einiger Zeit beob­achtet hatte, auf sie zu und höflich den Hut ziehend, fragte er in englischer Sprache:Erlauben Sie, mein Fräulein, daß ich Ihre Nummer für Sie besorge?"

Die junge Dame schaute zu ihm auf, als wisse sie nicht recht, ob sie das Anerbieten als Höflichkeit oder Impertinenz aufnehmen sollte - doch nach einem Blick in seine treuherzigen braunen Augen antwortete sie ebenfalls auf englisch:

Wenn ich bitten darf, mein Herr," und reichte ihm ihr Billet hin.

Der Herr wußte sich gewandt durch das Gedränge hindurchzuwinden und erschien bald mit der versprochenen Nummer in der Hand.Ich hoffe, es ist eine gute Cabine," sprach er, ihr Billet und Nummer reichend.Erlauben Sie, mein Fräulein, daß ich sie Ihnen aufsuchen helfe und Ihr Gepäck trage?"

Diesmal zögerte sie nicht. Mit einem freundlichen: Ich danke sehr," übergab sie ihm Plaid und Schachteln und I tberließ sich seiner Führung.

1 3b 7» < r Jb 7 Z CS- ZZlfFZZ^ßrxZfZZI Alle Annoncen-Bureaux bei In. unb luilanbei nehm« Hransoeiiage: Hlehener Aamillenol.aR.ler. I Anzeigen für benGießener «nze.ger- entgegen.

Bald war die Cabine gefunden und nachdem das Gepäck auf die betreffende Coje niedergelegt worden, stiegen die beiden wieder in den Salon hinauf.Und nun, mein Fräu- lein," fragte der freundliche Begleiter der jungen Dame, darf ich Ihnen vielleicht etwas zu essen besorgen?"

Essen? Ich werde nichts essen, ich fürchte mich zu sehr vor der Seekrankheit," entgegnete sie rasch.

Sie fürchten sich davor? Sind Sie denn schon öfters auf der See gewesen und kennen diese angenehme Em­pfindung ?"

Gewiß- schon mehrere Male. Und stets hat mich das abscheuliche Hebel vom ersten bis zum letzten Moment ge­quält, so daß ich mir fest vorgenommen habe, ganz gewiß nichts mehr an Bord eines Schiffes zu essen."

Aber daS ist ganz verkehrt, liebes Fräulein. Sie müssen essen, um der bösen Krankheit zu entgehen, außerdem sind die Schiffe dieser Linie so gut und die See so ruhig, daß Sie ganz gewiß nicht krank werden. Kommen Sie, ver­lassen Sie sich auf meinen Rath und nehmen Sie ein kleines Souper mit mir ein."

Das junge Mädchen hatte schon so viel Vertrauen zu ihrem liebenswürdigen Begleiter gefaßt, daß sie ihm an den Tisch folgte und ganz gegen ihren vorher gefaßten Entschluß sich das Abendessen schmecken ließ.

Und nun, mein Fräulein, wollen Sie sich schon in Ihre Cabine zurückziehen oder darf ich Sie noch ein wenig auf das Deck begleiten? Es ist erst elf Uhr, wenn wir also noch eine halbe Stunde spazieren gehen, können Sie noch immer lange genug schlafen, denn vor sechs Uhr kommen wir doch nicht drüben an, trotzdem derPrinz Hendrik" das beste Schiff dieser Linie ist."

Ich bin ganz bereit, noch ein wenig frische Luft zu genießen, und da ich nun doch einmal angefangen, mich Ihrer Leitung anzuvertrauen, so will ich es auch ganz thun."

So gingen sie denn hinauf und promenirten auf dem Deck und unterhielten sich von der See, von dem Wetter, von dem Mond und den Sternen und^von allen den Dingen,