Ausgabe 
23.4.1893 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

aUhf5j-^848

^ÄTZ

lttfttUttT~A-__37/2

öta*z «Ä »ittLte»imt. oirb für mi[ ßuttti ^Ufl! °b n Lohn m/olÄ ^Et Näheres W N Wort

Wen« toirt w,2\.9e"d|L Ru, e' ^lche die besten ^eua- sollen sich melden, t ^k»°st in der d. Bl. [3791 J] Ein «indtmätzchmtagMr »----Neuenweg 39.

gesucht. Mjmaiit Deutscher Satser, öehrmädchm günAgen BedinMgen sür mein geschast gesucht. [M !ühv, Mn- und Kunsthmdlnng. ^MMTFMslichsLeschzjl. laschen und Puhen. HarnmstrchS. Ss Ate Münzen, Porieka, und rtlbergegtteüände, alte Mttte, vücher«. tauft

Louis Rothenberger, ________Neuenweg L_______ n bleibt mein

i Donnerstag schlossen.

ph Herz.

,i/t Uhr bei Kamerad Grün

immlw

Scheibens der Stadt Güßen, £ von im Diese nem- (rieuten,

Mrband.

A»rU. Adcnd-»W

A,WwlMö'

Mich l" erscheinen.

*^5äS*

OWS ^"L, ?s$ss^-

1893

Sonntag den 23. April

«rste« Blatt

Nr. 95

ÄebatHen, laxbfcUe trab Drucker«:

5<n*r«*c 61.

8krtt(|äbrt|<r XiOÄeewtxtijitrt» i 2 Mark 20 Pfg. m» vringerlohu. Durch die Post bepja» 2 Mark 50 PI,.

Der tW*a*x M|Ht<r e^cheiut täglich, ®* LuAnahmr bei MoUtLWs.

Wt Gießener

V«Btrie«»ra(t,*

<oaWn dem Anzeiger ^»chellich dreimal Ltigritgl

Gießener Anzeiger

Hmerat-Mnzeiger.

Amts- und Anzeigcblatt für den ICrei» Gießen.

Hratisöeitage: Gießener Kamikienblätter

I. Fortdauernde Ausgaben

B. Kosten der Verwaltung der Kaiserlichen Marine.

des Reichsheeres.

Amtlicher Theil

A. Kosten der Verwaltung

1883/84.

478710

1. Admiralität

1.

2.

See-

270705

3.

643977

601628

59060

12.

9752175

8.

Was kostet unser Militär?

14.

9. Wie oben

482123

1058581

oben

Wie

12.

121271

14756586

17. Artillerie. . 1927985

4439040

355822

19.

324970

. 163465

453620

Verschiedene Ausgaben

20.

75000

Summa 26587067

Summa 48252639

Differenz der beiden Etats: 109846620

924076

201090

219105

176370 27750

40182

eee Anzeige, zu der AachmiNag« ftr b*

|e4gtnbm Dag erscheinenden Nummer Ml Dar». 10 Nßa.

2625174

5680900

1515757

81315

861248

96897

1145566

908776

782584

1751190

183657

270625

31950

105800

704410

4.

5.

6.

1086972

2392011

1937666

120029503

93316886

24341499

42442651

766218

7446028

7227559

6487168

906276

28828175

834866

2764005

9123630

3280185

8473786

2564842

154770

2422972

692741

967812

1628421

1585812

98016672

78222455

22382948

33484262

384286

6003020

Lootsen-, Seezeichen- und Brieftaubenwesen, sowie Küstenwackteinrichtungen

10. Wie

11. Wie

oben oben

5406094

4812978

880733

12741360

565993

2732245

7293661

33300

925820

509000

513346

308000

JL

1904650

265423

1727921

639072

681607

2521098

Martnecabtnet und Ober­kommando RetchS-Martne-Amt

Seewarle u. Observatorien

Amt .

3. Deutsche < warte .

4. Wie oben

5. Wie oben

6. Seelsorge

Kriegsministerium Milttärkassenwesen MUttär Intendanturen Militär-Geistlichkeit

thetle

Betrieb der Flotte .

Leuchtseuer- wesen .

20. Verschiedene Ausgaben

Krankenpflege Wie oben

Ingenieur- und Ptoniercorps Geldoerpflegung der Truppen

Gefunden: 2 kleine Ringe, 1 silbernes Damenuhr- gehang, 1 Portemonnaie, 1 Geldbeutel, 1 Handschuh, 1 Kragen, 1 Stickerei, 1 Taschenmesser, 1 Gummiball, 1 Peitsche, 1 Maßstab und 1 Griffelkasten.

Zugelaufen: 1 grauer Mopshund.

Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.

Gießen, den 22. April 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Alle A»»«»ce»-Gurta»x de, 3*» unb Auslaude« nehm« A,zeige, ftr de» .Gießener Anzeiger" entgrge».

4. Stations-Intendanturen .

5. Rechtspflege .

6. Seelsorge und Garnison­

majore ......

8. Adjutantur - Osficiere und Officiere in besonderen Stellungen

9. Generalstab und Landesvermessungswesen

Die Vertreter des deutschen Volks haben sich in den nächsten Tagen mit der Lösung einer Frage zu beschäftigen, die seit Wochen schon die Gemüther in Spannung hält: mit der Mlitärvorlage. Ganz Deutschland schaut nach der Reichs- Hauptstadt und harrt erwartungsvoll der Entwickelung der Dinge. Nachdem der Reichskanzler das Wort gesprochen, entweder Alle« oder Nichts, hat sich die Presse wie die Volks« Vertretung in zwei Lager gespalten: hie pro hic contra; der Weg zu einem befriedigenden Ausgleich scheint benommen. Nur um zwei Fragen dreht es sich noch:Die geforderte Vermehrung der deutschen Heeresmacht ist unbedingt noth- wendig". Diese Ansicht hat gewichtige Stimmen von Autori­täten für sich.Die geforderte Vermehrung hält nicht gleichen Schritt mit der volkswirchschaftlichen Entwicklung Deutsch, landö und droht schließlich den Ruin herbeizuführen". Dies ist die Kehrseite der Medaille. Letztere Ansicht dürfte vor allen Dingen in der breiten Masse des deutschen Volkes am meisten Anklang gefunden haben, und auch so hat es wenigstens jetzt noch den Anschein bei der Mehrzahl der Reichstagsabgeordneten.

Unter diesen Umständen dürfte es von Interesse sein, den Lesern desGießener Anzeiger" durch statistische An. gaben vor Augen zu führen, welche Summen für dieses Jahr im Reichshaushalts«Etat für das Militär ausgeworfen find. Zugleich bietet der zum Vergleichen beigesetzte Etat vor 10 Jahren einen Ausblick auf die Entwicklung des Militär- I wesens für die Zukunft.

1893/94.

JL 2456640 314489 2231624 778818 728559 2827416

10.

11

Militär-Justizverwaltung

Höhere Truppenbesehlshaber

7. Gouverneure, Kommandanten und Platz-

12.

13.

14.

9.

10.

11.

1.

2.

3.

12. Naturalve, pflegung .

13. Bekleidung und Ausrüstung der Truppen GarntsonverwaltungS» und Serviswesen

13. Sanitätswesen

14. Reise-, Marsch- u. Fracht» kosten .

15. Bildungswesen

16. Instandhaltung derFlotto- und der Werftanlagen . .

17. Waffenwesen und Befestig- unaen.......

18. Kassen- und Rechnungs­wesen .......

15. Unterricht . 121271

16. Werstbetrieb 10193683

2. Hydrographisches 144370

7. Milttärperso- nal . 5628357

Voranschlag für das Etatsjahr 1893/94.

JL

Voranschlag für das Etatsjahr ----- 1883/84.

Staturalverpflegung. Bekleidung Garntsonverwaltongs- und Servtswesen .

Wohnungsgeldzuschuß

8. Jndieusthal- tungd. Schiffe

u. Fahrzeuge 2777000

---- . 2099560

18. Torpedo­wesen . . 373703

19. Lootsen-, Be- tonnungs- u.

15. Garntsonbauwesen ....

16. Militärmedictnalwesen ....

17. Verwaltung der Tratndepots und In­standhaltung der Feldgeräthe .

18. Verpflegung der Ersatz und Reserve- mannschasten rc.....

19. Ankauf der Remontepserde .

20. Verwaltung der Remontedepots .

21. Reisekosten und Tagegelder, Vorspann- und Transportkosten

22. Militär-Erziehungs- und Bllduogswesen

23. Mtlitär-Gesängnißweseu

24. Artillerie- und Waffenwesen

25. T-chnische Institute der Artillerie

26. Bau und Unterhaltung der Festungen

27. Wohnungsgeldzuschüffe

28. Unterstützungen für actioe Militärs und Beamte, für welche an anderen Stel­len Unterstühungsfonds nicht auSge- worfen find.....

29. Zuschuß zur Mtlttärwittwenkasse

30. Verschiedene AuSgaben

Differenz der beiden Etats: 21665572 JL

Mithin beträgt der Voranschlag über die fortdauernden Aus­gaben für die Verwaltung des ReichsheereS und der Verwaltung \ der Kaiserlichen Marine pro 1883/84: 366438851 ** i pro 1893/94 : 476285471

Schulwesen

7. Geldoerpflegung ter Marine- . 10681427

Summe*) 378518164 296835914

Hierzu kommen von der Militärverwaltung

von Bayern ..... 49514668 43015870 Sa. Sriun. 428032832 339851784

Differenz der beiden Etats: 88181048.

*) Obige Summen oertheilen sich folgendermaßen aus die ein- zilnen Staaten:

Im Etatsjahr 1893/94 Im Etatsjahr 1883/84

Preußen rc. 331955952 JL. 261302915 JL

Sachsen 28948129 21200937

Württemberg 17614083 14332062

Feuilleton.

Der kritische Tag.

Eine Examensgeschichte von Edgar Reinhold.

(3. Fortsetzung.)

Anton-Feller .wurde es bet dieser Eröffnung schwarz vor den Augen. Das Examen war sicherlich zum Teufel, denn nun konnte er noch stundenlang hier sitzen. Doch ermannte er sich zu einem letzten Anlauf:

Wäre es nicht doch möglich, Herr Lieutenant, mich wenigstens zu beurlauben, daß ich noch zur Prüfung gehen kann? Ich gebe mein Ehrenwort, daß ich sofort nach Schluß derselben mich hier wieder stelle."

Aber Sie kommen ja nun doch zu spät."

Ich will wenigstens alles versuchen, um zu retten, was noch zu retten ist."

Der Lieutenant schwankte.

Wenn Sie wenigstens eine gütige Legitimation hätten! Oder wissen Sie Jemanden, der Sie recognosciren kann?"

Das war eine Idee! Ganz in der Nähe wohnte sein Leibfuchs. Mochten die Commilitonen nun auch erfahren, daß er hier war und in welcher Lage, wenn er nur von hier fort­käme. Schleunigst gab er die Adresse seines getreuen Bier­sohnes an und ein Schutzmann wurde abgesandt, den ersehnten Befreier zu holen. Der Bote kehrte allein zurück.

Der Herr kann nicht kommen," berichtete er,er hat den Kopf verbunden und liegt im Bett, aber er sagte, der Mann, der sich hier Rechtscandidat Anton Feller nenne, müsse ein ganz gefährlicher Schwindler sein, denn Herr Feller sei gar nicht hier, der sei zu Hause bei seinen Eltern, er habe erst heute einen Brief von ihm erhalten. Hier ist der Brief."

Der Lieutenant, zuerst förmlich bestürzt über diese un­erwartete Auskunft, maß den völlig gebrochen dastehenden Can- didaten mit strengem Blick.

Sie sehen, diese Art der Legitimation ist Ihnen auch nicht geglückt," sagte er, und als Anton eine Erklärung ab­geben wollte, herrschte er ihm zu:Schweigen Sie! Ich

habe mit Ihnen weiter nichts zu reden." Dann wandte er sich an den Wachtmeister:Behalten Sie den Mann hier und visitiren Sie ihn. Erweist er sich renitent, so sperren Sie ihn in die Arrestzelle. Der Herr Criminalcommissarius wird dann das Weitere veranlassen."

Nach diesen Worten verließ er säbelklirrend die Stube.

Anton Feller, da er kein menschliches Mittel unversucht gelassen, ein teuflisches aber, wie dem Ferdinand in Kabale und Liebe, ihm nicht einfiel, ließ alles über sich ergehen, nicht mit stiller Resignation, aber mit zerknirschter Wuth, die ihren Höhepunkt erreichte, als bei der Leibesvisitation die verborgenen Schätze aus seinen verschiedenen Taschen ans Tageslicht ge­fördert und auf dem Bureautisch ausgebreitet wurden. Dann ließ er sich grollend in einer Ecke auf einem Holzschemel nieder, der ihm zur Verfügung gestellt worden war, und über- dachte seine Lage.

Mit der Thatsache der nichtabsolvirten Prüfung hatte er sich abgefunden. Hier beugte er sich stillschweigend unter die vis major des Schicksals. WaS ihn aber wurmte, war, daß er für einen ganz gewöhnlichen Schurken gehalten wurde, daß man ihm nicht glauben wollte. Und wer war schuld daran? Das Armband, das vertrackte Armband! Nein, die Besitzerin desselben, Fräulein Hedwig Lange, deren Name, kunstvoll durch die Jagdfiguren geschlungen, so daß er erst für einen Wissenden erkennbar wurde, auf dem malten Silberreif prangte. Der Lieutenant hatte es ihm gezeigt, als er den bescheidenen Einwand gewagt hatte, daß auf der Erde noch mehr derartige Meisterwerke der Gold­schmiedekunst existiren könnten. Er haßte dieses Mädchen, die allerdings gänzlich unschuldige Ursache seines Mißgeschicks, er haßte es, wie er den Vater gefürchtet hatte, er verwünschte die ganze Familie. Dann fiel ihm ein, daß der erste Theil seines Kartenorakels, gewaltiger Schreck und großer Aerger, so wundervoll in Erfüllung gegangen war. Warum sollte nun nicht auch die Verlobung eintreffen?

Er lachte voll Ingrimm:Vielleicht erscheint hier so eine kleine Ladendiebin, in die ich mich Hals über Kopf ver­lieben werde. Möglich ist ja alles."

Gegen ein Uhr wurde Anton Feller mitgetheilt, daß der Criminalcommissarius seine sofortige Vorführung im Präsidialgebäude angeordnet habe und daß man ihn per Droschke durch einen Schutzmann dorthin spediren werde. Statt zum Examen als verdächtiges Individuum zum Ver­hör! Welch prächtiger Stoff für eine Bierzeitung, wenn die Geschichte nur nicht gerade ihm passiert wäre!--

Gegen ein Uhr war es auch, als in dem stillen Prü­fungszimmer des Oberlandesgerichts der Herr Vorsitzende den fünf erschienenen Prüflingen mittheilte, daß sie sämmtlich nicht genügt hätten. Von dreien waren schon die schrift­lichen Arbeiten höchst mangelhaft gewesen, die anderen zwei hatten im mündlichen Examen gar nichts gewußt. Nieder­geschlagen und gedrückt entfernten sich die fünf Leidens­gefährten von der Stätte ihrer Niederlage, im Stillen den sechsten Collegen beneidend, daß er schlauerweisegekniffen", während die Herren Examinatoren, ob des traurigen Resul­tates auch nicht gerade erbaut, sich gleichfalls zum Heimgang rüsteten.

In der allerübelften Stimmung befand sich der Ge- heimerath Lange. Es kam auch alles zusammen, um dem alten Herrn die Laune gründlich zu verderben. Das Ge­ringste war noch die Einbuße, die er an seinen Silber- vorräthen erlitten hatte- das ärgerte ihn weniger als die Unwissenheit der heute so unglücklich geprüften Jünger der Rechtswissenschaft. Er war ein gründlicher Mann, der an seiner Wissenschaft Freude empfand, und konnte die Ge­dankenlosigkeit und den Leichtsinn der jungen Herren nicht fassen, mit dem dieselben ihr Studium betrieben haben mußten. Geheimerath Lange stand mit Unrecht in dem Rufe^ eines gefährlichen Examinators; er fühlte allerdings scharf auf ben Zahn, war aber mild und nachsichtig, wo er nur irgend welche Spuren ernster Arbeit entdeckte. Gesellschaftlich, nament­lich im Verkehr mit seinen Zuhörern, war er von jener feinen Jovialität, die den deutschen Professor auszeichnet.

(Fortsetzung folgt.)