Ausgabe 
23.3.1893 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

n einem Wegübergaag mit der auf der Locomotive destutz lichen Glocke jur Warnung für die Passanten geläutet.

Alle Diejenigen, welche in ben genannten Morgenstunden auf den von der Bahn überschrittenen Straßen und Wegen -u Fuß oder zu Wagen verkehren, werden daher aufgefordert, auf das Läute-Signal zu achten und die Bahn nicht zu über­schreiten, so lange dasselbe ertönt.

Gießen, den 16. März 1893.

Grobherzogliche- Krei-arnt Gießen.

v. Gagern.___________________

Gießen, den 16. März 1893.

Betr.: Einlegung eines Arbeiter-Frühzuges auf der Strecke Großen-BuseckGießen.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen CO die Großh. Bürgermeistereien AlienBuseck, Annerod, Bers. rod, Beueru, Burkhardsfelden, Elimbach, Gießen, Großen Buseck, Harbach, Hattenrod, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Trohe,

Wieseck.

Wir beauftragen Sie, vorstehende Bekanntmachung bis zum 1. April d. I. mehrere Male, jedenfalls aber an den zwei letzten Tagen im Monat März ortsüblich zu publiciren.

v. 'Gagern.

Locales und provinzielles.

Gießen, 22. März 1893.

Der Schauerroman, eine entsittlichende Lectüre für unfer Volk. Einer Einladung des Darmstädter SittilchkeitS- Vereins entsprechend, hielt am 15. dsS. MtS. Herr Pastor Evers aus Berlin im Damensalon deS städtischen Saal­baues in einer unter dem Vorsitze deS Herrn Pfarrers Wagner stattgefundenen Versammlung einen Vortrag über dieses Thema. Der Schauerroman, so führte Redner nach einem Bericht derDarmst. Zig." im Wesentlichen aus, sei gleich einer glitzernden Schlange, die sich vor den Augen der Menschenkinder verberge und im Grase schleichend auf ihr Opfer lauere. Gleich wie der Berkaus des Giftes einer scharfen behördlichen Controle unterliege, so müsse auch gegen daS Gift in den Büchern durch eine scharfe Censur vor­gegangen werden- der § 184 des Strafgesetzbuchs, der von der Verbreitung unsittlicher Literatur handle, sei zu ver- schärfen. Die unsittliche Literatur, die scharf an der Grenze des Erlaubten stehe, wirke schlimmer als die blrect unsittliche. I Die Verfasser der Schauerromane, wie z. B.Der Scharf- | richter von Berlin",Schinderhannes",Der Sträfling", Der Jäger vom Jagdschloß Meherling" u. s. w., gingen in der Regel nur bis an die äußerste Grenze des Erlaubten, um der Möglichkeit der Anwendung des in Rede stehenden Strafgesetzbuchsparagraphen vorzubeugen. Die Colportage- handlungen, die solche unsittliche Waare mit einem Heere von Exporteuren in die Welt schickten, hätten fabelhafte Ein- nahmen- u. a. habe derSchinderhannes" in 100 Lieferungen 2Vi Millionen Mark, derScharfrichter von Berlin" in gleichfalls 100 Lieferungen 3 Millionen Mark den betressenden Verlegern eingebracht. Der in Dresden erschienene Schauer­romanDer Sträfling oder das Walten der göttlichen Gerech­tigkeit" sei in 200,000 Exemplaren verbreitet. Der Redner citirte einige Stellen aus dem ersten Hefte diesesWerkes", in dem allein drei Morde Vorkommen- nach der Lectüre des ersten Heftes habe er auf die der anderen Hefte verzichtet. ES sei anzunehmen, daß in Deutschland und Deutsch-Oester« reich an 20 Millionen Menschen ihre geistige Nahrung nur durch diese unsittliche Literatur empfingen, die gleich einem breiten Giftstrome durch unser Volk ziehe und die Herzen

aber schon lange gehuldigt, und selbst das weibliche Geschlecht verschmäht einen guten Trunk nicht, der Alkohol enthält.

Die Engländer müßten nicht germanischer Abkunft fein, um das Bier vor allen anderen Getränken nicht zu lieben, und es werden denn auch jährlich eine Milliarden Pinten, öleich 125,000,000 Gallonen, des edlen Gerstensaftes dazu gebraucht, den Durst deS Londoner Riesen zu löschen. Eng­lisches Bier ist im allgemeinen schwerer eingebraut, als deutsches, und muß langsam, schluckweise getrunken werden, eS ist also durchaus keinKneipbier". In der Neuzeit hat sich aber daS deutsche und österreichische Bier gerade in Lon­don tüchtig Bahn gebrochen, ein Umstand, zu dem die letzt- jährige Ausstellung in Earls (Sourt und der Ausschank der besten bayerischen Malzgetränke viel beigetragen hat. Heute confumirt die Hauptstadt nicht nur deutsches Bier in größeren Mengen als früher, sondern der Engländer verlangt im All- gemeinen ein dem besten bayerischen, Pilsener und Wiener Bier ähnliches leichteres Getränk. Bierlocale nach deutscher Art oder selbst dem französischenEasö" ähnlich, fehlen in London beinahe gänzlich, und die wenig bestehenden Etablissement- dieser Art werden von Ausländern für solche geholten. Der Engländer trinkt Bier zu Hause meistentheilS vom Faß, welches oftmals vierzehn Tage läuft, daher schließlich kohlensäurearm wird und fade schmeckt, oder er geht zum Destillateur der nachstgelegenen Straßenecke, stehenden FnßeS ein Glasmild and b'tter obee Porter zu sich zu nehmen- daS gemüthliche deutsche Kneipen ist Englands Söhnen also unbekannt.

<?CJn 5* reIalib billig, vorausgesetzt, daß man nicht ölte Jahrgange von Schloßabzügen oder dem ähnliche Pro- ducte trinken will, aber ein Nationalgetränk kann derselbe mcht werden, dazu ist daS Traubenblut immer noch zu theuer, ü^dondon» Lonsum beläuft sich daher nur auf rund 2,000,000 Gallonen. Alle Wein erzeugenden Länder unsere- Planeten senden ihre Erzeugnisse an die erste, reichste Handels- stabt der Welt. Frankreich und Spanien stellen da- Haupt- connngent und Burgunder, Bordeaux, Sherry erwärmen da- Blut vieler Londoner zum luncheon, der im Drange der Geschäfte auch vom reichsten Silykaufmann meist stehend ein- genommen wird, Portugal sendet den berühmten Portwein welchen man selten so unverfälscht trinkt wie in London- Algerien, Tunis, Italien, Griechenland, Ceftemidj-Ungarn

vergifte. In die Srankenfäle und in die Kasernen würden die gleich der Pest wirkenden Bücher ebenfalls eingeschmuggelt und frage eS sich, wie dieser daS Sittlichkeitsgefühl deS deutschen Volkes umergrabenden Verbreitung der Schauer­romane entgegengeiuirtt werden könne. Der Redner glaubt nicht, daß die Gemeinde- und BolkSbibliotheken dies allein vermöchten- hierzu fei die Hilfe des Staates und Aller nöthig, die ein Herz für unfer Volk hätten und nicht wünschten, daß eS sittlich und moralisch zu Grunde gehe- die- fei eine nationale Arbeit, die ihre Dellen fchlagen lasse, so weit die deutsche Zunge klingt. Dem deutschen Volke müsse eine ge­sunde geistige Kost auf billigstem Wege zugeführt werden - zu diesem Behufe sei in Berlin ein Verlag für gute Eolponage- Literatur in- Leben getreten. Die erste Publikation desselben sei die ZeitschriftFeierstunden", die äußerlich ganz in der Weise der schlechten Colportage * Literatur einhergehe, aber natürlich nur Gutes bringe. Ihre Majestät die Kaiserin habe in einem Cabinetschreiben an ihn, den Redner, der dem oben erwähnten Verlage vorsteht, den verderblichen Einfluß, den die Schauerromane auf große Kreise unseres Volkes ge­wonnen haben, tief beklagt und erklärt, daß sie im regen Interesse alle Bestrebungen, eine gesunde DolkSliteratur zu schaffen, begleite.

Für die Verhandlungen der am 23., 24. und 25. Mai in Leipzig tagenden 30. Allgemeinen deutschen Lehrerverfamm- hing sind die nachfolgenden Gegenstände auSgewählt, bezw. angemeldet worden. A. Für die Hauptversammlungen: 1) Staat und Schule in Deutschland am Ausgang deS 19. Jahrhunderts (Berichterstatter: Dr. P. Schramm- München). 2) Die Ausfüllung der großen Lücke zwischen Schulentlassung und Militär-Einstellung mit besonderer Be­rücksichtigung der Fortbildungsschule in ihrer Stellung zur Schule und zum späteren Leben (Schuldirector P ach e, Leipzig- Lindenau). 3) Die Frage der Fachaufficht (Schuldirector Dr. BartelS-Gera). 4) Die Simultanschule warum muß sie die Schule der Zukunft sein? (Schulinspector Scherer-WormS). 5) Die Bedeutung der Volksschule (Schuldirector Dr. Sachse-Leipzig). B. Für die Neben- Versammlungen u. A.: Die ethische Bedeutung der Jugendspiele unter Aufsicht von Spielleitern (Lehrer Berger- Weißenfels). lieber die Stellung des Lehrers in der Gemeinde (Lehrer Liebeskind-Allstebt). EntwickelungSgang und Stand des Arbeitsunterrichts in Deutschland (Rektor Rißmann-Berlin).

Vermifcbtcs.

* Ein studentischer Zug seltener Art passirte vergangene Woche die Straßen von Tübingen. Zwei Musensöhne traten eine Karzerstrafe an, saßen mit Eylinder und Frack in geschlossenem Wagen, es folgten sechs Freunde in Frack und Gänsemarsch, bewaffnet mit Pantoffeln, Stock, Pfeife, umflorter Wurst, Bierflasche, Brodlaid und Zwiebel.

* Ein niedliches Kunstwerk. Bei Besichtigung ' einer Nähnadel-Fabrik in Birmingham durch die Königin Viktoria von England erhielt dieselbe von dem Fabrik-Besitzer eine S ch e e r e zum Geschenk, welche in einem aus einer hohlen Stopfnadel gebildeten Futteral steckte. Diese Scheere war vollkommen scharf geschliffen und gebrauchsfähig.

* Originelle Geschäftsempfehlung. Der ehrsame Schuh- machermeister A. K. in dem Landstädtchen Lunden (Dithmarschen) schreibt in einer Geschäftsempfehlung in der Dithmarscher Zeitung" wörtlich:Die Sohlen sind fest wie eine Panzerplatte, die Züge dehnbar wie eine ReichStogs-

schickcn ihre besten Rebenproducte- Deutschland den goldenen Traubensaft des Rheines und der Mosel- Australien, Cali« fornien, daS Copland herrliche Erzeugnisse der Weincultur. Ein Beweis deS großen Reichthums der Kaiser- und König- stadt liegt darin, daß großartige Mengen französischen Cham- pagners getrunken werden, obgleich dieses Product der Natur und Kunst besonders in erstklassigen Hotels und Restaurationen horrend theuer, bis zu einer Guinee = 21 Mark für die Flasche bezahlt werden muß.

Wir schließen mit den Branntweinen und Liqueuren, welche den 25. Theil des Bierconsums Londons ausmachen, nämlich 5,000,000 Gallonen. Irischer und schottländischer Whisky, ein guter Kornschnaps, Gin Wachholderbeerbranntwein Cognac und Rum sind Lieblinge deS Londoners, und die zu- erst genannten Sorten fehlen beinahe in keinem Haufe, außer in solchen, welche von MäßigkeitSvereinlern bewohnt werden. Damit auch diese ihre Rechnung finden, fügen wir hinzu, daß die hauptstädtischen Wassergesellschaften Londons mit 60 Milli- arden 225 Mill. Gallonen Wasser versorgen, und überlassen dem geschätzten Leser, der unS bis hierher in Geduld gefolgt ist, zu messen, wie viel von dieser colossalen Menge als erquickender Trunk verwandt wird, obgleich eS viele Londoner gibt, welche sich des WafferS innerlich nur bedienen, um Thee, Punsch ober Grog damit zu bereiten.

Noch eine bemerkenSwerthe Thatsache sei unS gestattet, hier anzuführen, umsomehr, als wir alles mitgetheilt haben, was über die Lippen der Londoner geht, und dazu gehört in gewisser Beziehung auch der Tabaksdamps. Welche dichte Wolke würde daraus entstehen, wenn man die 5«/t Millionen Pfund Rauchtabak, die, in Dampf verwandelt, der gigantische Mund von sich gibt, auf einmal verbrennen könnte!

Aus dem vorstehenden geht ober eine unleugbare That- fache hervor: DaSHerz der Welt" kann nicht schlagen, ohne daß die Hauptader, die Themse, immer neue Nahrung in Menge zusührt, und deßholb schon muß England sich die Herrschaft über die Meere erhalten, unter waS für Anstreng­ungen und Kosten eS auch immer geschehen mag. verliert Großbritannien die Suprematie bei Ozean-, fo muß in einem gegebenen Augenblick Lonbon verhungern, baran ist kein Zweifel.

verhonblung, dos Oberleber haltbar wie der lange Heinrich unb habet zieren sie ben Fuß wie die Unschuld do- Gesicht eines KinbeS."

Ei» merkwürdiges Andenken Hin und wieder findet man noch in einer der rheinischen Stäbe Leute, die für die Napoleoniben eine gewisse Vorliebe zu besitzen glauben. So in Frankfurt a. M. ein biederer Rosselenker. Gern be­kennt er seinen Fahrgästen seine heimliche Liebe.Aber wie kommen Sie denn dazu?** fragte ihn eines Tage- ein Insasse seine- Gefährt-,was gehen Sie denn die Napoleonide» an?"O, mein Herr, ich habe sogar ein Andenke« an den großen Kaiser!"So?"Ja, hier!" und er zeigt ein ZehnsouSstückda- stammt von eine« Zwanzigfrankenftück, da- Napoleon einst meinem Großvater geschenkt hat!"

* tin Pittsburger Richter entschied kürzlich, daß jeder Hau-eigenthümer berechtigt ist, einen Sraßenorg elmann, den er oufgeforbert hat, da- Orgelspielen vor seinem Hause zu unterlassen unb der dieser Aufforderung nicht Folge leistet, so lange mft Wasser zu begießen, bi- er sich vom Hause entfernt.

Zweideutiges Zeuguiß. Miß Mathilde:Sie glauben also, Herr Professor, wir können mit so viel Französisch, als wir können, ohne Besorgniß Frankreich besuchen?" Pro­fessor:Sicherlich. Sie können mit Ihrer Schwester sich überall mit größtem Freimuth auf Französisch äußern, ohne sich irgend welche Unannehmlichkeiten zuznziehen."

Verkehr, unfc VolkswirLhjchaft.

Vraciischer Gartenbau. Nicht nur der berufsmäßige Gartner, sondern auch alle Landwtrthe unb viele andere i'tutc treiben Gartenbau: e- werden bei demselben thett- au» alter Gewohnheit, theil- au- Unkenntntß der Verhältnisse aber oft sehr viele Fehler gemacht, weßhalb wir hier einmal die Grundzllge de- practifch« Gartenbaues kennzeichnen möchten. Der Gattendau ist zweifello« intensive Bodencultur ganz besonderer Art, denn man will durch denselben doch gewisse feine Gemüse, edle- Cbfl und Leeren, schöne Blumen u. f. w. liehen. Soll nun ein Boden solche vorzüglich« Producte hervorbringen, so bedarf er einer ganz besonder- gründ­lichen Au-wahl und Behandlung. Wer daher mit den Erträgen seine- Gartenbaue- bisher wenig zufrieden war, der prüfe, ob die Gartenfläche vielleicht zu groß ist unb er mit Bearbeitung und Düng­ung nicht gehörig nachkommen kann. Zn solchem Falle ist der ©arten, zumal wo- den Gemüsebau an betrifft, zu verkleinern. Ist der Gartenboden ungünstig, steil, bergig, so muß auch in dieser Hinsicht durch Auf- oder Abtragen de- Erdreiche- da- !errain ge bessert oder der gründlichen Abhilfe halber ein neuer Garten In besserer Lage angelegt werden. Hcrvorgehoben sei auch noch, daß man uralte Obstgärten, wenn die Bäume nicht mehr recht tragen und der Gra»wuch4 auch nur spärlich ist, am besten in Ackerland oder Wiese (letztere- nur, wenn genug Feuchtigkeit vorhanden ist) umwandelt, denn solche alten Obstgärten sind oft derartig von den Baumwurzeln au-gesog« unb durchzogen, daß auf reiche ernten gar nicht mehr gerechnet werden kann. WaS nun die Behandlung der Gemüsegärten anbetrifft, so müssen dieselben bet der Anlage un­bedingt, je nach der Beschaffenheit deS Boden«, einen halben bi« dreiviertel Meter tief umaearbeilet (rigolt) werden, um den Boden zu beleben, die Feuchtigkeit des Winter- unb Frühjahrs festtuhalten und da« Unkraut w vernichten. Dabei müssen auch Lteine und Wurzeln so gründlich al» möglich au- dem Boden entfernt werden. DaS Rigolen deS Boden- sollte auch alle vier di- fönt Fahre wieder­holt werden, immer am besten im Herbste, und kann man dabei so verfahren, daß man, wenn vor vier oder fünf Fahren der ganze Garten rigolt wurde, von jetzt ab jährlich ungefähr Den vierten theil rigolt. Trotz de- Rigolens muß man im Frühjahre zur Au-saat und Anpflanzung den Gemüsegarten stet» noch ziemlich tief (30 (5 euti» Meter) umgraben, eS darf die» aber nicht geschehen, wenn der Boden sehr naß ist, weil sich bann da» umstochene Erdreich zu festen «lumpen ballt. Währmd der ganzen Zett de» eigentlichen Wach«- thurnS muß zur Erfrischung de» Bodens und zur Bekämpfung bei Unkrauts die sich bildende harte (Erdrinde öfter» locker gehackt werdm. Pflanzm, welche viel Feuchtigkeit oerlangm, müssm üdrigm» stet­reichlich begossen und mit leichter Mistbeeterde bedeckt werdm.

Citerafar und 2tanft.

lieber da- Turnerkreu, bringt da« bekannte Familien, journalDa- Vach für Alle« einige höchst interessante Notizen, die hier mttgethelll werdm mögm. Da« Zurnetfreuj (F.F.F. F.) alS Eregese de- alten WahlsprucheS bet Turner:Frisch, fromm, fröhlich, frei* ist zum internationalen Zurnerfgmbole gewordm; in den autzerbeutschen Ländern hat man ebenfalls überall mit Aus. nähme von Holland einm laichen Turnerfpruch angmommm, der au» vier mit F beginnenden Worten besteht und sich inhaltlich en ben deutschen anlehnt. Zn den verschtedmen Sprach« ist die Be­deutung diese» Zeichen» soigmde: Französisch: Franc, freie, fer, fort! Englisch: Frank, freah, friak, free! Italienisch: Franco, freaco, Hern, forte! Spanisch: Franco, freaco, firme, foorte! Portugiesisch: Franco, froaco, fero, forte! Schwedisch: Friak, from, freidij, fri! Die Holländer haben statt de- auf- und nebmeinander stebmdm viersachm F vier aneinander gestellte V mit der BeZeichnuna: Vroed, rrank, vrij, vroom! Auf dem schwäbischen Zutnfefte zu Heilbronn am 2. und 3. August 1846 wurde biete» Zeichen zuerst zur Än wendung gebracht; von hier au» verbreitete sich die Sitte unb würbe allmältg zum allgemeinen Symbol der deutfchm Zürnet unb fand beim auch im AuSlande Anklang und Verbreitung. Der Spruch selbst jedoch ist schon uralt, «ödecke (Elf Bücher deutscher Dichtung'. Bd. 1, S. 215) führt ihn als ein« Reimspruch de» 16. Jahrhunderts an, welcher da» burschikose 6tubentenleben bet damaligen Zeit, da­mit ben turnerischen Bestrebungen der Neuzeit kaum etwa- zu tbun hat, in» Auge faßt:

-Frisch, frei, fröhlich und frumb Ist der Studenten Reichlumb."

Die schöne Sitte, dem jungen Christen zu seiner Eonsirmaiio» ein Geschenk mit auf den Leben-weg zu geben, wird in unserer Zett, die so sehr auf ben äußeren Schein bebacht ist, nicht immer in der richtigm Weile gepstegt. Oder ist etwa Silber- und Goldschmuck, der nur die Eitelkeit der jungen Herzen befördert, ein entipiechmdes Geschenk bei so ernster unb heiliger Gelegenheit? Viel richtiger ist es, dem jungen Christen ein gute» Buch mtizuaedm, au. welchem er bei dem verwirrenden und verführmden Geräusch de» Tage» den ftften Glauben an eine von Gott gewollte sittliche Settordnung fort unb fort in sich erneuern kann, au« welchem er die für jeden vater land-Uebendm Bürger unerläßliche Kenntnis der großartigen und lehrreichen Vergangenheit Unsere» Botte- schöpf« kann, damit er auf ben vieloerschlungenen und oft recht gefährlichen Pfaden der Gegen­wart sich zurechifinde. Wer einem Consirmandm einm solch« geistigen Schatz von unvergänglichem Werttze schenken will, dem cm» pfcblen wir au» vollster Heberzeugung Prof. Dr. Otto Ra en ne 14 Deutsche Geschichte^ i Verlag von Karl Höckner, Königl. Hot- duchhändter in DreSden-N., in Prachtband 16 Mark), ein ganz eigen artige» Werk, da» nicht nur bei der fachwts'enfchaitlichm Kritik, sondern auch bei dem großen deutschen Schlachtenlenker und vater­land-freunde, dem Feldmarschall Graf« MoUke, die rücktzaillofefie Anerkennung gesund« hat.