Ausgabe 
22.11.1893 Erstes Blatt
 
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und Cherbourg melden, das in der letzten Nacht ein heftiges Unwetter daselbst geherrscht har. Mehrere Schiffe, darunter vermurhlich einige englische, sind gestrandet. Die Mannschaften wurden gerettet.

London. 20. November. Dem Reuter'schen Burecku" wird aus Penfanse (Cornwall) von heute gemeldet, daß sechs Meilen von dort ein großer Dampfer, vermuthlich ^The Hampshire", untergegangen sei. Bon der aus 22 Personen bestehenden Mannschaft sei nur einer gerettet worden.

London. 20. November. Bon allen Küsten Englands laufen fortdauernd Nachrichten über Schiffbrüche ein. Mehrere Flotillen von Fischerbooten werden vermißt. Der belgische Postdampfer von Ostende wird seit fünf Stunden von Dover vergeblich erwartet. Die Kohlenpreise fielen heute in London um 5 Shilling die Tonne.

Depeschen be8 BureauHerold".

Berlin, 20. November. Zu dem heutigen Cong re ß der deutschen Tabakarbeirer sind über 200 Delegirte aus allen Theilen Deutschlands erschienen. Den Vorsitz führte Reichmann Bremen. Vor Eintritt in die Tagesordnung ver­liest der Vorsitzende ein Antwortschreiben des Reichskanzler- amteS auf das Ersuchen deS Tabakarbeiter-Verbandes, der Reichskanzler möge zu den Verhandlungen einen Regierungs- commiffar entsenden. In der Antwort heißt es, die Bitte deS Verbandes müsse abgelehnt werden, jedoch sei die Mit- rheilung des Ergebnisses der Verhandlungen erwünscht- ferner wird in dem Antwortschreiben erklärt, daß die Behauptung des Verbandes, der Tabakoerbrauch sei zurückgegangen, nach statistischen Ergebnissen unrichtig sei. Im weiteren Ver­laufe deS Tabakarbeiter-Congresses kam es zu heftigen De­batten gegen die geplante Tabaksabrikatsteuer. Morgen erfolgt die zweite Sitzung.

Berlin. 20. November. ES wurde ein deutsch-eng­lisches Abkommen unterzeichnet, nach welchem das süd­liche Tsedseeufer definitiv an Deutschland übergeht.

Berlin, 20. November. Nach demReichsanzeiger" darf man, da in Hamburg und Altona seit mehreren Tagen kein neuer Cholerafall vorgekommen ist, annehmen, daß die Cholera in diesen Elbhäfen erloschen ist.

Berlin. 20. November. DerReichsanzeiger" meldet, daß heule der Fernsprechverkehr zwischen Berlin und Köln eröffnet worden ist.

Berlin, 20. November. Die Brutto-Einnahmen der Reichspostverwaltung betrugen im October ds. Js. 24,171,805 Mk., gegen denselben Zeitabschnitt des Vorjahres 1,274,292 Mk. mehr. Der reine Ueberschuß betrug im October 4,221,296 Mk., mehr 459,030 Mk. Der reine Ueberschuß für den Zeitraum April bis October betrug 16,898,268 Mk., mehr 3,669,121 Mk.

Kiel, 20. November. Infolge eines heftigen OrkanS an der Küste der Ostsee sind die Straßen am Hafen über­schwemmt. Mehrere Brücken drohen fortzuschwimmen. AuS Rostock und Flensburg werden ebenfalls Stürme und Ueberschwemmungen gemeldet.

Kiel, 20. November. Auf der Petroleumbarkasse der KaiseryachtHohenzollern" sand eine Explosion statt. Die Besatzung sprang über Bord und wurde gerettet.

Paris, 20. November. Ueber einen großen Sturm im Canal wird gemeldet: In den Häfen von Havre und Brest sind des NachtS sechs Schiffe untergegangen; in Dünkerque warf der Sturm ein im September zum Andenken an daS Centenarium der großen Revolution errichtetes Denk­mal um. An verschiedenen Stellen der Küste sind Leichen anö Land gespült worden. In Schifferkreisen herrscht die Ansicht, daß seit fünfzig Jahren kein so heftiger Sturm ge­weht habe.

Paris, 20. November. Aus Föcamp, Havre, Cherbourg and anderen Häfen der Westküste Frankreichs werden mehrere Schiffsunglücke infolge von Sturm gemeldet.

London, 20. November. Man hat ausgerechnet, daß während des hunderttägigen Ko h l e n str i k es die 663,463 ausständigen Bergleute 250 Millionen Franken verloren haben.

London, 20. November. 134 Personen sind infolge des OrkanS hier umgekommen. Nach der Zahl der bisher be­kannt gewordenen SchiffSunsälle dürften hierbei außerdem noch ca. 200 Personen verunglückt sein.

Sofia, 20. November. Fürst Ferdinand spendete 10,000 Francs zur Errichtung eines Nationaldenkmals für den Grasen Hartenau. Der in Wien auf Staatskosten Bulgariens weilende Bildhauer Iwan Perkow ist mit der AuSführnng deS Denkmals betraut worden.

Cocaks und ^provinzielles.

Gießen, 21. November 1893.

** Oeffentliche Sitzung deS KreiSauSfchufleS bei Kreises Gießen am 20. November 1893. 1. RecurS der Elisabethc Lipp Wittwc zu Gießen gegen einen Polizeibeschl Großh. PolizeiamtS daselbst. Durch Verfügung vom 26. Juli d. IS. wurde der Recurrentin das Lagern von Knochen in dem Hofe der Martin Lenz Erben, Schloßgasse 11, Seitens des Großh. PolizeiamtS untersagt. Hiergegen verfolgte Wittwe Lipp Beschwerde mit dem Ansügen, daß sie in fraglichem Hofe keine Knochen und Lumpen lagere, sondern nur Freitags Abends einen kleinen Wagen Lumpen und Knochen in den Hofraum bringe und dort über Nacht stehen lasse, weil ihr die Ablieferung am Freitag Abends nicht mehr möglich fei. DaS Großh. KreiSgesundheitSamt erachtet daö Lagern von Lumpen und Knochen auf offenem Wagen, sei es auch nur während einer Nacht, in dem fraglichen Hofe für gesundheits­schädlich. Der KrciSauSschuß verwarf den erhobenen RecurS und setzte der Wittwe Lipp die Kosten deS Verfahrens, sowie 1 Mark Aversionalbetrag zur Last. 2. DiSciplinarsache gegen den Polizeidiener Stell von Ettingshausen. Wegen einer

Reihe von dienst- und außerdienstlichen Unregelmäßigkeiten hatte Großh. KreiSamr dem Gemeinderath von Ettingshausen angesonnen, den Polizeidiener Keil feines Dienstes zu entlasten. Der Gemeinderath faßte einen, diesem Ansinnen entgegen- stehenden Beschluß, worauf die Sache dem KreiSauSschuste zur Entscheidung vorgelegt wurde. Wegen der vor Kurzem stattgesundenen Dienftwidrigkeiten deS p. Keil wurde Fußgendarm Haas von Laubach als Zeuge vernommen, welcher auch im Allgemeinen über die Handhabung der OrtSpolizei in Ettings­hausen Klage führte. Der Kreisausschuß beschloß die Dienst­entlassung deS Polizeidieners Keil und legte demselben die Kosten deS Verfahrens einschließlich deS Vorverfahren-, sowie einen Aversionalbetrag von 10 Mark auf.

** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag den 23. November 1893, Nachmittags 4 Uhr, sowie nöthigenfalls Freitag den 24. November, Nachmittags 4 Uhr. 1. Vergebung deS Eichenstammholzes aus der Holzernte 1894/95. 2. An­bringung eines Briefkastens im Asterweg 3. Berwilligung von Gratificationen für die städtischen Arbeiter. 4. Be­nennung der Winn'schen Privatstraße auf dem SelterSberg. 5. Herstellungen am alten Rathhause. 6. Herstellung an dem ehemals Bourgeois'schen Haus. 7. Ausbau der Schützen­straße. 8. Den Voranschlag der Vorschule deS Gymnasiums pro 1894/95. 9. Revision der Rechnung der Stadt Gießen pro 1892/93 insbesondere Bemerkung 30, betr.: Verkauf eines Erbbegräbnisses. 55, betr.: Gewährung eines Beitrags an den Kunstverein. 90, betr.: Bestellung deS Thierarztes Dr. Köhler als stellvertretender Fleischbeschauer. 91, betr.: Erhöhung der Gebühren der Trichinenschauer. 10. Gesuch des Georg Löhr zu Gießen um Concession zum WirthschaftS- betrieb in der bisherigen WirthschastZur Traube" in der Kaplansgasse.

* * Auszeichnung. Durch Allerhöchste CabinetSordre vom 18. d. MtS. ist der Premierlieutenant und Regimentsadjutant Hahn des hiesigen Jnfanterie-RegimentS Kaiser Wilhelm außer der Tour zum Hauptmann befördert worden.

* * Aus bet Garnison. Für die Feier deS Allerhöchsten Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit deS Groß- herzogS sind für die hiesige Garnison folgende Anordnungen getroffen worden: Am Freitag den 24. dsS. MtS., Abends 81/« Uhr, findet großer Zapfenstreich, am Samstag den 25., um 6*/2 Uhr Morgens, Wecken statt,- Zapfenstreich upb Wecken nehmen ihren Weg von der neuen Kaserne über die Licherstraße, Grünbergerstraße, Ludwigstraße, Alicestraße nach der Wohnung des Herrn Regiments-CommandeurS Oberst von Rosenberg, Setersweg 67, von da SelterSweg, Kreuz platz, Wallthorstraße, Brandgasse nach der Zeughauskaserne. Am Samstag den 25., Morgens um 7*/2 Uhr, wird durch die Regimentsmusik ein Choral vom Thurm der Stadtkirche geblasen. Um 9*/2 Uhr findet Festgottesdienst in der katho­lischen, um 10 Uhr in der evangelischen Kirche statt. Um 11 >/4 Uhr Wachtparade auf dem Brand, daran anschließend große Parole-Ausgabe. Die Compagnien des Regiments Kaiser Wilhelm halten ihre Festlichkeiten am Abend deß 25. in folgenden Localen ab: Leib-CompagnieCafö Leib", 2.Lenz'scher Felsenkeller", 3.Gasthaus zum Löwen", 4.Schützenhaus", 5. Turnhalle in der Nordanlage, 6.Lahn- stein", 7.Restauration Bramm", 8.LonyS Bierkeller", 9. RestaurationSchiffenberger Thal", 10. u. 11.Steins Garten", 12.Poftkeller", 13.Zum Comet", 14.Zum Kronprinzen".

* * Die Einweihung bet ZohanneSkirche am 30. November und der aus diesem Anlaß bevorstehende Besuch unserer Stadt durch Seine Königliche Hoheit den Großherzog werden sich, so viel bis jetzt feststeht, unter Zugrundelegung des nach­folgenden Programms vollziehen: Am Vorabend, Mitt­woch den 2 9. November: Geläute der Glocken auf den Thürmen der Stadtkirche und der JöhanneSkirche, darauf Blasen eines Chorals vom Thurme der JöhanneSkirche. Donnerstag den 30. November, Morgens 7*/2 Uhr: Glockengeläute und Blasen eineß Chorals vom Thurme der JöhanneSkirche. Vormittags 10 Uhr: Ankunft Sr. Königl. Hoheit des Groß Herzogs Ernst Ludwig. Empfang Höchstdesselben am Bahnhofe durch die Spitzen der Civil- und Militärbehörden, Vorstellung des Offiziercorps auf dem Bahn- steige. Hierauf Fahrt durch die Bahnhofstraße, Liebigstraße, Frankfurterstraße, Seltersweg, MäuSburg, Marktplatz, Kirchen­platz, Lindenplatz zum Absteigequartier imEinhorn". Auf dem Wege bilden die Krieger- und sonstigen Vereine, sowie die Schulkinder Spalier, während die Studentenschaft auf dem Lindenplatz Aufstellung nimmt. Am SelterSthor, vor der dort zu errichtenden Ehrenpforte, wird Seine Königliche Hoheit durch den Stadtvorstand begrüßt. Im HotelEin­horn" erfolgt dann die Aufwartung des Lehrkörpers der Universität. Um 10'/2 Uhr wird der Festzug am Neuen- weger Thor (Südanlage) Aufstellung nehmen, während welcher Zeil die mit Eintrittskarten Versehenen an den drei Portalen der JöhanneSkirche Aufstellung nehmen. Unter dem Geläute aller Glocken auf beiden Kirchthürmen setzt sich der Festzug nach dem Hauptportal der Kirche in Bewegung und erfolgt hierauf die Fahrt Sr. Königl. Hoheit deS Großherzogs nach der JöhanneSkirche Über die Schulftraße, Neuen Bäue und Südanlage. Am Hauptportal der Kirche wird Se. Königl. Hohlit von der Geistlichkeit und dem Kirchenvorstande be­grüßt und ihm der Schlüssel überreicht. Nach Oeffnung der Kirche erfolgt unter EinführungS-Musik der Eintritt. Der hierauf folgende Gottesdienst vollzieht sich in folgender Ord­nung: Gesang deS KirchengesangvereinS. Weihehandlung deS Großh. Superintendenten Prälaten D. Habicht. Orgelspiel und EingangSlied. Liturgie durch Herrn Pfarrer Dingeldey. Hauptlted. Festpredigt durch Herrn Pfarrer Dr. Naumann. Gelang deS Kirchen­gesangvereinS. Gesang der Gemeinde. Gebet durch Herrn Decan Wahl. Segen durch Herrn Prälat D. Habicht. Nach dem Gottesdienst erfolgt die Rückfahrt Sr. Kgl. Hoheit deS Großherzogs nach demEinhorn" über die Goethestraße,

findet um 2Vs Uhr ein Festessen statt. Um 4 Uhr

En

SelterSweg, Kreuzplatz, MäuSburg, Marktplatz und Virchev. platz. Um 1 Vs Uhr findet Diner imEinhorn" statt, 3 Uhr an Empfang von Einzelpersonen, Deputationen e. , daselbst. Während der Zeit von 24 Uhr ist die Besichtig^, der neuen Kirche Jedermann gestattet. InStein- Gan er*

Se. Kgl. Hoheit mittelst Sonderzug nach Darmstadt zurßch die Fahrt nach dem Bahnhöfe geht über die Marktstraße Bahnhofstraße. Um b1/« Uhr Abends findet durch Allgemeine Versammlung in ,,SteinS Garten" die Feier ihrs Abschluß.

" Professor Dr. Kaltenbach t. AuS Halle geht uni Drahtnachricht zu, daß heute daselbst der früher an uni em Universität thätige Professor der Gynäkologie, Dr. Kalte», bad), an einem Herzschlag gestorben ist.

* * Eangerkranz Abenbuaterhaltnng. In unserer gefmyi Nummer sind uns zwei Druckfehler unterlaufen, die der richtigung bedürfen. Auf Zeile 21 von unten ist zu lr<? geschätzte Dilettanten statt geschickte und auf Zeile .. ebenfalls von unten Rolle statt Stelle.

*Z. Neues Theater. Heimath, Schauspiel in 4 Ans von Hermann Sudermanm Wir haben bei der mehnnal:;« Aufführung dieses Stückes zu Anfang des Sommer- tnj die Baar-'fche Gesellschaft den Gang der Handlung deSir.is ausführlich besprochen und auch unseren Standpunkt zu de» selben präcisirt. Daß wir hier ein Meisterwerk von feltcaa poetischer Kraft vor unß haben, baß muß Jeder, mag in« Stellung zu dem Modernen sein, welche sic auch wolle, h» bedingt eingestehen, wenngleich da- Stück auch seine Schwacher hat. Und daß es diese hat, darüber besteht kein Zwei'»:, eigenthümlich nur ist, daß deS Autors größte Stärke uei Schwäche zugleich in diesen vier Acten so offenkundig zu Tap tritt. Die Stärke Sudermanns liegt in der Schärfe, mit 6c er die Charactere zu zeichnen versteht und dieser Gabe hadw wir die fesselnde Schilderung deS deutschen BearntcnlebevS zu verdanken, durch sie, eben durch die scharse Zeichnung der Charactere wird der zweite und vielleicht auch der brt::t Act zu dem Besten, was Sudermann überhaupt geschaffen t-.- und durch dieselbe Gabe des Autor-, respectlve butt he übertriebene Anwendung derselben wird bewirkt, daß uni der letzte Act so unbefriedigt läßt, denn in ihm prallen he Gegensätze der beiden Weltanschauungen zu scharf aufeinander der Dichter arbeitet mit zu großer Genauigkeit unb flieht damit die Möglichkeit auß der Hand, baß Ganze zu einem den Beschauer versöhnenden Abschluß zu bringen. Doch zur Aufführung selbst. Die Hauptrolle de- Stücke-, die der Magda", lag tn Händen deß Frl. Nu scha B utze. Unb diese Künstlerin verstand, auß derselben eine Figur zu gestalten, die den Hörer unbedingt mächtig ergreifen mußte. Die Dame hat sich derartig in die Rolle eingelebt, daß ihre Kunst voll- ständig zur Natur wird, denn nur auf diese Weise ist tf möglich, so vollendet das darzustellen, waß der Dichter gt schaffen hat, ja noch mehr, das nachzufühlen unb uoch.u- cmpfinden, roaß er nur kaum angebeutet hat. Frl. 8ir c war infolgedessen während beß ganzen Abenbs der öegenitanb deß begeisterten Beifalls deß Publikums. Schade nur war, daß sie bei ihrem Partner, Herrn Stoll, ebenfalls ein Ga-i unserer Bühne, so wenig Entgegenkommen im Spiele fand. DemDr. von Keller" deß Herrn Stoll merkt man von dergenial" verlebten Jugend jenes heuchlerischen Streber-: nichts mehr an, er hat auß demselben einen langweiliges, manierirten Philister gemacht, den der Dichter niemals daraus gemacht haben wollte. Eine dritte, allerdingß nur unter- geordnete Rolle, die deß Oberlehrer», war ebenfalls durch eine fremde Kraft, Herrn Hendel, vertreten, jebod) in etrr nur wenig vorteilhaften Weife. Unser Ensemble fand sich im allgemeinen ganz deutlich in die Situation. Ein gewisser Abstand ist ja selbstverständlich in dem Zusammenwirken art einer derartigen Künstlerin, wie Frl. Butze bemerfber, indessen war er nicht so groß, daß es den Zuschauer gestört hätte. Besonders Herr Niemei er (Oberftücutenant) wozre sich so geschickt in das herrliche Spiel der Künstlerin zu finden, daß ihm daß größte Lob dafür gebührt. Auch Herr Reiff (Pfarrer) gab sich alle Mühe und wenn seine Leistung auch nicht an die beß Herrn Niemeier heranreicht, so können wir derselben unsere Anerkennung doch nicht versagen. Tie übrigen Rollen bieten, da sie alle in recht guten Händen lagen, keinen Anlaß zu absprechender Kritik, nur dieFranztßka" deS Frl. Schumann hätten wir gerne in Maike unb 5p t! etwas älter gesehen, als die Dame sie auffaßte. DaS Haus war vollständig besetzt unb ehrte den gefeierten Gast sowohl, rote baß einheimische Ensemble mit mehrfachem Hervorruf nach den einzelnen Acten.

" Unfall. Ueber den in voriger Woche von uns %v meldeten Dammrutsch bei Friedelhausen ist bte Oberh. Ztg." in der Lage Folgendes mittheilen zu können Am Mittwoch Abend wurde daß Bahngeleise in der Aähe der Haltestelle Friedelhausen durch einen Erdrutsch versduttrt. Der Bahnwärter Seitz, der den Vorfall bemerkte unb he dringende Gefahr für den alsbald zu erwartenden Frank'utler Schnellzug erkannte, eilte dem letzteren entgegen. D®* fortwährende Haltesignale brachte er den Zug eine kmde vor der gefährdeten Stelle zum Stehen, stürzte aber batm beim Passieren einer Uebersahrt durch einen Fehltritt ben Bahndamm herunter und erlitt mehrere schwere Verletzungen, darunter einen Rippenbruch. Da der Zug nur tnrd) die Geistesgegenwart diese- Mannes vor emem unübersehbaren Unglück bewahrt blieb, so dürste sich vielleicht mancher Passagier desselben auS Dankbarkeit veranlaßt fühlen, da- Unglück der Bahnwärterfamilie mit einem Scherstein mildern zu helfen.

* Krankentransporte auf den tberhefßsche» Eisenbahnen. Die Großh. Direction hat verfügt, daß der Transport von mit ansteckenden Krankheiten (DiphtherittS, Scharlach, Masern, Ruhr, Flecktyphus, Blattern u. f. w.) behafteten Personen nur in besonderen gedeckten Wagen erfolge. Hierfür ift tk tarifmäßige, dem Satze von 6 Fahrkarten erster Klasse ent-