Ausgabe 
22.7.1893 Zweites Blatt
 
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bereits von verschiedenen Seiten zur Verfügung oder in Aus­sicht gestellt worden und wird der friedliche Wettkampf um dieselben in Folge der zahlreichen Besetzung der einzelnen Nummern in diesem Jahre nicht nur ein heißer, sondern auch für die Zuschauer ein hochinterest'anter werden. Das Arrange« ment der Regatta wurde verschiedenen AuSschüsien für Bau-, Wirrhschafts-, Finanz- rc. Angelegenheiten übertragen und sind die Arbeiten derselben im vollen Gange. Die Zuschauer- Tribüne wird in diesem Jahre dicht an dem User der Lahn errichtet werden und bietet einen prächtigen Ueberblick fast auf die ganze etwa 2 Kilometer lange Weitfahrtftrecke. Die Capelle unseres Infanterie - RegimentsKaiser Wilhelm" har unter der berühmten Leitung des Herrn Musikdirektors Krause den musikalischen Theil der Regatta übernommen, und so wünschen wir denn der Rudergesellschaft nicht nur die besten Erfolge in sportlicher Beziehung, sondern auch die ge­wohnte starke Betheiligung der hiesigen Bevölkerung, welche bei keinem Feste, besonder- bei einer Regatta nicht fehlen darf. Die großen Sympathien, welche gerade dem Ruder­sporte von allen Seiten entgegengebracht werden, laffen in dieser Hinsicht das Beste hoffen. Frisch auf denn ihr Ruderer zum friedlichen Wettkampf auf unserem idyllischen, wenn auch etwas kleinenLahnstrome" ! Möge am 30. Juli Fortuna euch hold sein!

* Tie Einstellung der Rekruten soll bei der I nfanterie am 3. November, bei der Cavallerie am 3. October statt­finden, die Oeconomie-Handwerker treten am 1. und 2. October ein. Beim preußischen GardecorpS erfolgt die Einstellung von Infanterie und Eavallerie je einen Tag später wie bei den übrigen Ärmeecorps.

* Bei den diesjährigen Herbstübungen sollen nunmehr, wie dieDarmst. Ztg." mitthetlt, infolge der außergewöhn­lichen Ernteverhältniffe, die Regimenter auf den gewöhnlichen UebungSplätzen bei den betreffenden Garnisonen exerciren. DaS Infanterieregiment Nr. 118 exercirt auf dem Schieß- platze bei Griesheim und wird in den Baracken untergebracht. Für das Exerciren der 49. Infanterie-Brigade, Regimenter Nr. 115 und 116, ist ein Geländestück bei Gießen, für die 50. Infanterie-Brigade ein solches bei Mainz vorgesehen.

* Mit Annahme der Militärvorlage rückt nicht nur die Aufbringung der Mittel, sondern auch die Unterbringung der mehr bewilligten Mannschaften in den Garnisonen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Von den außer sonstigen Neuformationen bezw. Verstärkungen von bestimmten Truppenkörpern zu formtrenden 173 Jnfanterie-Halbbataillonen (für jedes Regiment eins) kommt auch eins nach Gießen, wodurch unsere Garnison um rd. 200 Mann, einschließlich der Offiziere und Unteroffiziere, verstärkt wird. Ob diese Mann­schaften, wie dies ja auch früher vor Erbauung der beiden Kasernen an der Grünbergerstraße geschah, in Bürgerquartieren unterzubringen oder ob für dieselben, bevor Kasernenerweiter- ungSbauten vorgenommen werden, Baracken zu errichten sind, ist noch unentschieden. Anderwärts schweben bereits Verhand­lungen zwischen der Militärverwaltung und den Gemeinden. So sind beispielsweise in Dessau für daS neue Halbbataillon des 93. Infanterie - Regiments Wellblechbaracken bis zum 1. October fertig zu stellen. Für Bunzlau hat man keine Kasernen, sondern nur für 600 Mann Massenquartiere verlangt. In Meiningen roiU man gemeinsame Emquaniersräume ein» richten. Die Heeresvermehrung hat übrigens auch einer ganzen Reihe ehemaliger Garnison-Städte Veranlassung gegeben, um Wiederverleihung einer Garnison vorstellig zu werden. Aussicht auf Verwirklichung haben derartige Gesuche wohl in den seltensten Fällen, höchstens könnten kleine Garnisonen nur für den Nothbehelf errichtet werden. Eher wird eine Verminderung der kleinen Garnisonen eintreten, weil die Errichtung größerer Truppenlager (eS sei hierbei nur an das bei Griesheim geplante erinnert) ernstlich in Erwägung ge­zogen ist.

-th. Zur Asseujagd. Der dem Sorger'schen Thier­park (Schöne Aussicht) entsprungene Affe Minka ist glücklich eingefangen. Joko und Minka sitzen nun beide wieder ver­eint in ihrem Käfig und erzählen sich gegenseitig ihre Er­lebnisse aus der goldenen Freiheit, indem sie gar wichtige Grimaffen dabei schneiden. Minka hat in den letzten Stunden seiner Freiheit noch allerhand Unheil angerichtet. Einem Villenbesitzer, dem er durchs offene Fenster seinen Besuch machte, zerschlug er einen werthvollen Spiegel. Im Gast­haus zumRussischen Hof" zertrümmerte er einen Stuhl, außerdem versuchte sich der Affe im Abdecken von Dächern. Herr Sorger hat sich mit den Geschädigten abgefunden und wird wohl mit Recht seufzen:Der theure Affe!"

* * Schuldienst - Nachrichten. Am 17. Juni wurde dem SchulamtSaSpiranten Daniel Müller aus Worms die Lehrerstelle an der kathol. Schule zu Gau-Weinheim, an demselben Tage wurde dem PfarramtScandidaten Conrad Theodor Wiegel aus Rimloö die erste Knabenlehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schotten, am 20.^Juni wurde dem Schullehrer Heinrich Geißler zu Ober-Mumbach die Lehrerstelle an der evangel. Schule zu Nieder-LieberSbach, am 23. Juni wurde dem SchulamtSaSpiranten Wilhelm Müller aus RüffelSheim eine Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Babenhausen II übertragen - am 26. Juni wurde der Schulverwalter an dem Realgymnasium und der Realschule zu Mainz Georg E ck zum Lehrer an dieser An­stalt, unter Belassung in der Kategorie der VolkSschullehrer, ernannt.

* * Erledigte Lehrerstelle. Erledigt ist: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge- menideschule zu Sellnrod mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.

V «ul dem nordöstlichen Bogettderge, 21. Juli. Bekanntlich wurde bei den Wahlagitationen den Anti- semitensührern vorgehalten: Es wären nicht weniger al- 40 000 Mk. Provisionen in gewisse Taschen gewandert. Die Behauptung wurde als Lüge bezeichnet und da-Resultat war:

Die Richtigkeit der Behauptung. Gegenwärtig, wo für die Nachwahl im Wahlbezirke Alsfeld-Lauterbach gewirkt und von beiläufig 12 Antisemitenaposteln in jenem Reichsragswahl- bezirke Stimmung gemacht wird, dürfte ein andere- Stücklein Böckel'scher Wühlpolitik nicht unintereffant sein und zwar Folgende-: Die ZeitungVolk" hielt dem Dr. Böckel vor: Er habe seine Leute in Siegen gegen Stöcker für den Nationalliberalen Dreßler stimmen laffen. Nun schreibt Dr. Böckel in Nr. 621 desReichsherold":Das; ist einfach -Unwahrheit, denn wir haben überhaupt keine Wahlparole auSgegeben." Auf diese Ableugnung hin bringt die ZeitungVolk" in Nr. 158 den Inhalt einer Postkarte, welche Dr. Böckel an seinen Vertrauensmann in Feudingen, Kreis Wittgenstein, geschrieben hat und die ?also lautet: Geehrter Herr! Bitte, senden Sie mir Wahlresultat. Ich ersuche Parteigenoffen, bei der Wahl für Dreßler Mann für Mann zu stimmen. .Deutschen Gruß! Ihr Otto Böckel." Was sagen denn nun unsere biederen Oberheffen zu solcher Wahrheitsliebe? Es ist bereits früher imGießener Anzeiger" darauf hingewiesen worden, wie Böckel gegen unsere Regierung hetzt, die vielleicht das Hervor­ragendste zur Bekämpfung der Futternoth in ganz Deutsch­land gethan und wie er bei der bevorstehenden Landtagswahl das Volk gegen Bürgermeister, Lehrer, Pfarrer und Beamten auswiegelt. Selbst die Socialdemokraten Hetzen nicht in dieser böswilligen Weise, wie es der BöckelianiSmus thut und eS ist damit zugleich der Beweis geliefert, daß diese Hetzpartei den Socialdemokraten Vorspanndienste leistet. Aus den sächsischen Zeitungen ist zu ersehen, daß die Böckel'sche Wühlarbeit in Sachsen noch vicl schamloser, die Verhetzungen des Volkes noch viel gemeiner und rücksichtsloser betrieben werden, als in Heffen. Was die Hetzapostel dort ausgesprochen ohne daß es die antisemitischen Blätter auch nur zu dementiren wagten spottet jeder Beschreibung. Der BöckelianiSmus und der Ahlwardtismus gleichen sich auf ein Haar. Ahlwardt hat den Wählern in Neustettin ver­sprochen: er wolle ihnen den Liter Schnaps zu 25 Pfennigen verschaffen. Daß dies offenbarer Blödsinn ist, sehen die Leute selbst ein, eS macht ihnen aber Spaß, wenn alles ver- schimpfirt und besudelt wird. Das Ziel dieser beiden Leute ist wohl nur das, sich Ansehen und eine persönliche Stellung zu verschaffen, und diesem Zwecke ist jedes Mittel recht: Aus- wühlung der Massen und grobe Unwahrheit in erster Linie. Hoffentlich gehen den Leuten doch noch die Augen auf.

§ Nieder Gemünden, 21. Juli. Von einer sehr bösartigen Krankheit, dem Typhus, wird unsere Gemeinde schwer heimgesucht. Nicht weniger als sieben Personen, meist junge Leute vor dem 20sten Lebensjahre, sind daran erkrankt.

Aus dem Kreise Alsfeld, 21. Juli. Die beste Ernte haben in diesem Jahre unstreitig die Bienenzüchter zu verzeichnen. Trockene Jahrgänge, namentlich solche, in denen reichlich Honigthau fällt, sind stets gute Jahre für die Bienen­zucht. Honigernte und landwirthschaftliche Ernte stehen meist im Gegensatz zu einander, wie auch in diesem abnormen Jahre. Schwärme hat eS allerdings wenig gegeben, was aber nach unserer Erfahrung in der ausgezeichneten Honig­ernte begründet liegt. Wie groß und reichlich das diesjährige Honigergebniß ist, mag auS folgenden Angaben ersichtlich fein. In Hainbach erntete ein dortiger Bienenzüchter von 22 Völkern neun Gentner Honig, in Homberg a. O. schleuderte ein anderer von drei Völkern 125 Pfund Honig.

B. Aus dem Kreise Büdingen, 21. Juli. Heute fangen die sog. Hundstage an und wie das Wetter da beginnt, so soll cs 6 Wochen lang bleiben. Nachdem sich die Gewitter am 18. d. Mts. (Mittwoch) nach und nach ausgetobt hatten, wurde es etwas heller, gestern, am 20. er. (Donnerstag) bekamen wir Sonnenschein und heute zuHundstageanfang" herrscht weiche, mollige Luft, bei etwas verschleiertem Himmel, das rechteWachswetter", wie eS im Buche steht. Wenn wir das 6 Wochen lang so fort behalten sollten, könnten wir uns gratuliren. Eine andere Witterungs- und Bauernregel hat sich aber dieses Jahr, trotz Falb NB! Falb hat im letzten Witterungsberichte gesagt, daß es vom 11. bis 19. Juli Regen und Gewitter gäbe! ganz gut bewährt. Bei uns heißt es nämlich: Bis zu Johanni müssen die Bauern dem Pfarrer um Regen beten helfen, nach Johanni packls der Pfarrer allein. Die Regentage vom 11. bis 19. Juli haben das Schneiden der Gerste verhindert, worauf inzwischen auch die Weizenernte herangekommen ist. Beide Getreidearten zeigen, wie der Roggen, einen wohlgebildeten Stern, schönes, weißes Mehl und großes Gewicht. Die Anzahl der Gebunde läßt zu wünschen übrig, wie dies anno 1893 bei allen Halm­getreidearten erwartet werden muß. AlS Druschresultat bei Roggen ist mitzutheilen, daß wir pro Fuder 60 Garben nahezu 3 Malter Körner aufheben. Sobald als thunlich, soll neues Korn zur Mühle gebracht und vermahlen werden, um festzuftellen, wie sich baß neue Korn verbackt. Da der Kern gründlich gereift, durchgeistigt und getrocknet ist, so bietet die Vermahlung keine Schwierigkeiten. Das Früh­obst: Pflaumen und Frühbirnen, ist durch die feuchtwarme Witterung sehr wohl in feiner Ausbildung und Reife gefördert worden. Langsamer, darum um so sicherer, geht daS Spätobft vorwärts. Trefflich schreiten Klee, GraS, Kartoffeln, Gemüse und alle Futter- und sonstigen Hackfrüchte weiter vorwärts, man sieht die Sachen förmlich wachsen. Wir können daher jetzt sagen, daß die Futternoth als solche wenigstens ge­bannt ist, wenn auch Futtermangel daS ganze Jahr, bis 1894 bestehen bleibt. DaS ist aber schon ein großer Fortschritt. Bleiben unS dieHundstage" mit günstiger Witterung treu, wie prophezeit wird, bann können wir noch ein gutes Stück auß der Verlegenheit heraußkommen und daß Jahr wird schließlich bester als die meisten zu hoffen wagten.

Tarmstadi. 21. Juli. Die beiden Söhne der Familie Rau unternahmen vor einigen Tagen einen Ausflug in die I Schweiz. Mit einem Führer bestiegen sie vorgestern den ' Titlis, wobei der ältere 19jährige Wilhelm Rau abstürzte

und auf der Stelle tobt blieb. Seine Leiche wird nach Mainz übergeführt, um in dem dortigen Familiengrab beigesetzt zu werden.

Mainz. 21. Juli. Capellmeister Kern vom 118. In­fanterie-Regiment wird wahrscheinlich nicht mehr in den Dienst zurückkehren. Als fein Nachfolger ist bereits ein Mitglied der Hochschule für Musik zu Berlin berufen, welches dem­nächst eintreffen wird. (Frkf. Ztg.")

Mainz. 21. Juli. Der bekannte Parlamentarier Dr. Ludwig Bamberger begeht morgen feinen 71. Geburts­tag. Bamberger, der am 22. Juli 1823 hier al- Sohn eines Bankiers geboren, war es, der in den sturmbewegten Jahren 1848/49 die Mainzer wie kein zweiter für die Freiheit be­geisterte und trotz feines damaligen fast jugendlichen Alter- einzig der geistige Führer der politischen Bewegung hier war. Nach Niederwerfung der Revolution begab sich Bamberger nach Pari- und wurde Theilhaber de- bekannten Bankhauses Bischofsheim u. Eie. Kurz vor den Zollparlamentswahlen im Jahre 1868 von Pari- zurückgekehrt, lebt Bamberger feit 25 Jahren in Berlin, wo er sich bekanntlich bi- zur ReichstagSauflöfung hervorragend am politischen Leben be» theiligte. Aus verschiedenen Kreisen hier sind für den morgigen Tag Ovationen für Bamberger geplant. Auf dem hiesigen Markte wurden heute bereit- die ersten reifen Trauben verkauft. Dieselben waren auS einem Garten in dem benachbarten Bodenheim. So frühzeitig sind feit langen Jahren keine inländischen Trauben hier auf den Markt gebracht worden. In dem nahen Boden heim wüthete verflossene Nacht ein große- Schadenfeuer. Eine ausgedehnte Dampfziegelei ist mit mehreren angrenzenden Gebäuden ein Raub der Flammen geworden.

Ms. Kassel, 21. Juli. Ein unglaublich sahr- laffig er Schütze. Ein umfangreicher Strafproceß spielte sich heute vor der hiesigen Strafkammer ab. Der Bürger­meister Albrecht von Karl-Hafen, jetzt Dice-Bürgermeister in Anklam, früher Marineoffizier, war wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt, weil er am 6. Januar Nach­mittags bei Schneefall auf einer Treibjagd im ReinhardS- walde den Treiber Volle- mit feinen zwei Hunden für eine Bache mit zwei Frischlingen ansah und durch zwei Kugel­schüsse schwer verletzte. Albrecht gibt an, er habe geglaubt, der Treiber sei längst vorüber, als er in der Fichtendickung eine lebende Creatur hörte - er habe nicht genau sehen können wegen der Bäume, indessen angenommen, eS sei eine Wildsau. Den Aufschrei nach dem ersten Schüsse habe er für daS Klagen" des Wildes gehalten und deshalb nochmal- rasch geschossen. Der unglückliche Vorfall habe ihn tief niederge­drückt, er fei entsetzt gewesen, sei vor Verzweiflung hin- und her gerannt. Den WarnungSruf des Nebenschützen, Lieute­nant v. Vulter, zwischen dem ersten und zweiten Schuß habe er nicht gehört. Dieser bekundet, daß er (Vulter) ganz deutlich den Ton der Treiber, ebenso daS Anschlägen der Hunde hörte. Die Treiber gingen nämlich leise mit feftge» faßten Hunden durch. Der Treiber Volles, der einzige Sohn eines Bauern, der zum Vergnügen als Treiber mitging, ist zum Krüppel geschossen, er geht an zwei Krücken, kann sich kaum helfen und ist dauernd erwerbsunfähig. Er war auf 20 Schritt an dem Bürgermeister vorbeigekommen, konnte denselben stehen sehen, als der erste Schuß fiel. Er schrie so laut er konnte:Au, au, mein Finger!", woraus der zweite Schuß fiel. Die erste Kugel durchbohrte den rechten Daumen, schlug vor das rechte Bein, prallte aber an einem in der Hosentasche befindlichen Taschenmesser ab. Die zweite Kugel drang in die linke Hüfte ein und sitzt jetzt noch int Bein. Dolles fiel um und brach bei dem Sturze da- rechte Bein noch obendrein. Er hat 19 Wochen krank gelegen. Der Staatsanwalt beantragte nur 100 Mk., der Verletzte beantragte keine Buße, da er auf dem Eivilproceßwege eine Entschädigung von 15,000 Mk. geltend machen will, um sorgenfrei leben zu können. DaS Gericht nahm eine sehr grobe Fahrlässigkeit für erwiesen an und erkannte auf eine Geldstrafe von 500 M k. und Tragung sämmtlicher Kosten.

* Berlin, 21. Juli. Gegen neun Reservisten eine« hiesigen Regiment-, die in einer Schänkwirthschaft socia- 1 istische Lieder sangen, ist auf Anzeige eine- Gen-darmen die militärgerichtliche Untersuchung eingeleitet worden.

Barmen, 21. Juli. Die Strecke Barmen-Tölle- thurm der Barmer Bergbahn, die erste e lectri sche Zahn­radbahn in Deutschland, gebaut von Siemen- u. Hal-ke in Berlin, wurde gestern Nachmittag vollständig befahren. Die Bahn ist 1630 Meter lang, größte Steigung 1 : 5,5. Der Betrieb wird am 1. August eröffnet.

Ein Mangel. Musikrecensent (zu einer jungen Dame, die sich gesanglich probudrt hat):Wissen Sie, mein Fräu- lein, waö noch im Strafgesetzbuch fehlt?" Dame:Nein, Herr Doctor! WaS fehlt denn?" Musikrecensent:Ein Paragraph, derdasunbefugteKletternauf derTon- leiter verbietet."

Ar-srr-s aus den Sfanfcesamt*r<eift<rti

der Stadt »ietzeis.

Bofgtbott.

Juli: 15. Maximilian Moritz Jacob Julius Kurz, Bankier zu Gießen, mit Minna Lutte Carotine Johanna Georgi bterfelbst. 18. Heinrich Karl Muth, Sergeant dahier, mit Margarethe Jost von Rödgen. 19. SaSpar Carl MadeS, Calcutator dahier, mit Karoline Barnmann zu Alsfeld. 19. Joief Gröger, Kutscher dahier, mtfEmilie Josepha Engler dahier. 19. Gottfried Hermann Rhode, Pastor zu Tangermünde, mit Carotine Luise Babette Decker hterseldst. 20. Ludwig Köhler, Agent zu Hungen, mit Katharine Koch hterseldst.

Jnli. 17. Johann Georg Meyer, Kaufmann zu Cassel, mit WUhelmtne Charlotte Meta Christiane DebuS von hier.

eWemt.

Juli: 13. Dem Taalöhner Friedrich Dietrich ein Sohn, Friedrich. 13. Dem Schneider Hermann Philipp Eise eine Tochter.