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22.7.1893 Zweites Blatt
 
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1893

Samstag den 22. Juli

Zweites Blatt.

M. 170

Gießener Anzeiger

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haft zu machen.

Flick und Flock"

Flock" zu fragen, ob dasSilber" nicht ebenso gut Jasmin oder Narzisse, dasKupfer" nicht Goldlack, dasEisen" Tollkirsche bedeuten könne?!!

Das ist ein Funkeln, ein Glühen und Blühen, daß Einem die Augen übergehen, und wenn dann gar vollends die Topase als Gnomenkönigs Tochter (Frl. Bayz) einen Tanz aufführt, dessen Anmuth mit dem Leuchten der Edel­steine wetteifert, Hal das unterirdische Fest seinen Höhepunkt erreicht und wir streben mit Flick und Flock anderen Scenen zu. Nach einem gemüthlich-humoristischenSchiffbruch (3. Bild), der auch kein zu starkes orchestrales Unwetter erregt, befinden wir unsAuf dem Meeresgrund (4. Bild). Die oceanische Welt wird außer den bekannten mythologischen Erscheinungen der Amphitrite, der Tritonen, Najaden und Nereiden, denen ihre Natur schon das volle Anrecht auf ein Balletcostüm gibt, belebt durch den Polizei- commissärSägefisch", den ReporterTintenfisch", der mit Recht die große Seeschlange der oberirdischen Zeitungen als Originaleigenthum beansprucht und mit Flick und Flock Jnter- wiews nach berühmten Mustern anstellt, und vor Allem durch den Electrotechniker Zitteraal, der die Liebenswürdigkeit hat, Flick und Flock und mit diesen das Publikum in Augen- communication mit Wien, Nordcap, Peking, Chicago, Parts, Frankfurt a. M. zu setzen. Nationaltänze mischen sich in diese Städteerscheinungen, welchen der Deco- rationsmaler Prof. Brückner in Koburg Naturwirklichkeit verliehen hat. An einen Yankeetanz, der zu dem Bilde der Chicagoer Weltausstellung gehört, schließt sich eineSerpentine' von Frl. Bayz, die zu den Novitäten im Balletgenre zu rechnen ist. In allen Regenbogenfarben zeigt sich die gractöse Gestalt der Tänzerin, die ein loses griechisches Gewand trägt, und das Bestrickende an den Schlangenwindungen dieses Tanzes ist eben, daß alle wechselnde Beleuchtung von den Bewegungen der Serpentine, nicht etwa von Beleuchtungs­apparaten hinter den Coulissen auszugehen scheint.

Wer sind die Hauptpersonen in dem Taglioni'schen Ballet mit seinen acht Bildern und sechs Erscheinungen? Flick und Flock bedeuten nur Randglossen den eigentlichen Text aber liefern: der Decorateur, der Maschinenmeister, der Ballet- meister, der Beleuchtungsinspector, die Costümschneider, die Solo- und Chortänzerinnen und auch die Menge der Figu­rantinnen. Wie viele Choristen, Balleteleven und Statisten die Frankfurter Oper ins Feld schicken kann, wenn es einmal gilt, bewies der SchlußactAmor" von Manzotti.

Die Mühewaltungen des Oberregisseurs Herrn Kreidig werden sich durch .eine Anzahl von Wiederholungen belohnt finden.

das Bild des Verstorbenen- am Rahmen springt eine ver­borgene Feder auf, eine breite Oeffnung wird sichtbar, durch welche die beiden Bursche, durch Zaubergewalt entführt, ver- schwinden, um ihre Abenteuerfahrt nach dem Glück anzutreten. Zunächst bringt sie diese in die Wundergrotte (2. Bild), die ihren Namen mit Fug und Recht trägt, denn ein Märchen u M4lv aus Tausend und eine Nacht ist es, was uns in dieser

Hofballet darin Aehnlichkeit, daß es eine Vereinigung von I Gnomenwelt entgegentritt. Solche Pracht muß das Auge Musik, Tanz und recitirter Dichtung gibt, eine Vereinigung des Cbamisso'schen Abdallah geschaut haben, als ihm: der nicht im Stile des Dramatikers, sondern in dem deS Phan- Derwisch die Wunder des Erdinnern erschloß. Das prächtig tasten. Von einerIdee", auch von einerHandlung" im funkelnde Gestein, die schimmernden Erze gehen in dem Ballet eigentlichen Sinne ist inFlick und Flock" nicht die Rede- gewiffermaßen ins Reich der Vegetation über, insofern als sie das Libretto hält den Vergleich mitExcelsior" und anderen durch einen Flor junger blühender Madchengestalttn repra- Producten der Neuzeit nicht aus. Aber gewährt dem sentirt werden.Und keiner weiß im grünen Mai, was Beschauer in vollem Umfange das, was geeignet ist, nicht nur Rose und was Mädchen sei", heißt es m einem Vers der dem Gesichtssinn im Allgemeinen bunt durcheinander geschüttete Weber'schenEuryanthe". Mit einer kleinen Abänderung Nahrung zu bieten, sondern jene Unterhaltung, die bereits | fühlte man sich versucht bei der Wundergrotte inFlick un

. 1 ein feiner entwickeltes, auf malerische Wirkungen geschultes

#euilUton> I Sehvermögen voraussetzt.

Schon das erste Bild, oder sagen wir die erste Scene,

frhrntprhrirf welche in einem holländischen Zimmer spielt, hat die feine,

Frsnksuner alJfainDnq. künstlerisch berechnete Stimmung eines tableau vivant. In

(Ortginalbericht für derGießener Anzeiger".) I Brüssel oder Antwerpen muß man gewesen sein, um diese

(Nachdruck verboten.) schweren eichenen Möbel, den breiten Porcellanofen, das riesige Flick und Flock". Himmelbett, die an den Wänden herlaufenden Borden, kurz

Dr, M. Ferien kennt das Frankfurter Bühneninstitut diese ganze niederländische Einrichtung in ihrer Stilechthett riaentlich nur in sehr bedingtem Sinne. Die ersten Kräfte würdigen zu können.

sind allerdings fort, aber die Arbeit steht nicht still. Die Adolf Sroltze hat in fernet te?thd)en

14 Tage, da das Opernhaus geschloffen war, find dazu benutzt des alten Ballets mit Geschick den Versuch gewagt, den beiden worden, das BalletFlick und Flock" vorzubereiten, das Helden Flick und Flock ein sogenanntes Handlungsgerust zu in der Pracht seiner Neuaufführung fast alles bisher auf bauen. Die zwei jungen Bursche kommen als Freunde und

dl-Iem G-bi-t Dagewiekene in Schalten stellt. Gratulanten in das Haus der Wittwe d- Straaten, die

In die Zeit des sranzösischen Ballet de cour wähnte gerade ihren 70. Geburtstag I->-rt- Unter den Glu i- man sich zurückversetzt, wo glaubwürdigen Nachrichten zufolge wünschenden befindet sich auch in höchst eigener P-rson de die Kosten eines ballet comique äe la reine auf 5 Millionen Bürgermeister vom Bett, der seinem Namensvetter in Francs geschätzt wurden. Laborde in seinemEssay" spricht Lortzings OperCzaar und Zimmermann sehr ahnl ch^schaut sogar von 1200000 Thalern (mehr als 6 Millionen von Er richtet seine begehrlichen Aeuglein auf die jugendliche

unserem Gelde). Nichte der alten Frau, Nella, die ihn mit einem richtigen

Eine solche unsinnige Verschwendung, wie sich das Frank- Korb heimsendet. Drob regelrechte Entrüstung und Rache reich der Könige leisten konnte, ist natürlich für unsere Wirth- der hohen beleidigten Obrigkeit Die Wittwe ist dem Bürger- schaftlichen Verhältnisse, die denn doch eine gesündere Basis meister noch 500 Gulden schuldig, sie kann nicht zahlen u haben, zum Glück ausgeschloffen. Aber, ich glaube, daß wenn wird mit Execution bedroht- die beiden Freunde wollenl Rath man die ästhetischen Eindrücke, die Menge der Licht- und schaffen- der eine ist inzwischen über ein weibliches Portratt, Farbeneffecte, die uns eine Vorstellung vonFlick und Flock" daS im Zimmer hängt, dermaßen in Entzücken gerathen, daß zusührt, in Zahlenwerthe übersetzt, es einem naiven Menschen- er dem Bilde eine feurige Liebeserklärung widmet und dann finde vor den Augen gerade so flimmern würde wie beim I sehr enttäuscht ist, als man ihm sagt, daß es die..Großmutter Anblick deS glänzenden, in Lichtfluthen gebadeten Finales, mit vor 50 Jahren darstelle. Flick und Flock wollen sich erinnern, welchem derTriumph des Amor" abschließt. daß der alte v. d. Straaten einen Schatz besessen und ver-

AnFlick und Flock", das seiner Zeit ein Parade- | graben habe. Bei der Nachforschung gerathen sie auch an siück der Berliner Königlichen Oper war, hat sich eine Gene- ' ration erfreut, die von Zukunftsmusik L la Wagner und italienischem Verismus ä la Mascagni und Leoncavallo noch nichts wußte, und eS bedarf schon ganz besonderer Mittel und Kräfte, um das Opus dem Publikum von heute schmack-

Bekanntmachung,

die Wahl der Beisitzer für das Gewerbegericht der Stadt Gießen betreffend.

Für das demnächst in Wirksamkeit tretende Gewerbegericht sind 24 Bei- sitzer auf die Dauer von drei Jahren zu wählen und zwar die eine Hälfte aus der Zahl der wählbaren Arbeitgeber von den wahlberechtigten Arbeit­gebern und die andere Hälfte aus der Zahl der wählbaren Arbeiter von den wahlberechtigten Arbeitern.

Zum Beisitzer eines Gewerbegerichis kann nur berufen werden, wer das dreißigste Lebensjahr vollendet, in dem der Wahl vorangegangenen Jahr für sich oder feine Familie Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln nicht empfangen oder die empfangene Unterstützung erstattet hat und in dem Bezirk des Gewerbegerichts feit mindestens zwei Jahren wohnt oder beschäftigt ist. Personen, welche zum Amt eines Schöffen unfähig sind, können nicht berufen werden.

Die Wahl findet Freitag, 28. Juli 1893, von Mittags 12 Uhr bis Abends 6 Uhr im Sitzungssaale des Bürger- meiftereigebäudes statt.

Die wahlberechtigten Arbeitgeber und Arbeiter werden daher em- geladen, in der angegebenen Abstimmungszeit sich persönlich einzufinden und ihre Stimmen abzugeben.

Gießen, 17. Juli 1893.

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Bekanntmachung.

Damit die zum weiteren Ausbau der Stadt-Fernshrecheinrich- tuna in Gießen erforderlichen Vorbereitungsarbeiten rechtzeitig m An­griff genommen werden können, werden diejenigen Personen, welche ihre Wohnungen bezw. Geschäftsräume rc. im Laufe dieses Jahres mit ber vorbezeichneten Stadt-Fernsprecheinrichtung verbinden lassen wollen, ersucht, ihre Anmeldungen recht bald, spätestens bis zum1. August d. I. an das Kaiserliche Postamt in Gießen einzusenden. Nur für die bis zu diesem Zeitpunkt eingegangenen Anmeldungen kann die Herstellung der Anschlüsse für den zweiten Bauabschnitt des laufenden Jahres m Aussicht gestellt werden. Verspätet angemeldete Anschlüsse können erst im I. Bau­abschnitt des nächsten Jahres zur Ausfühmng gelangen.

Darmstadt, den 3. Juli 1893.

Der Kaiserliche Oberpostdirector.

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