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1893
Mittwoch den 22. Februar
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Anrts- und Anzeigeblutt ffir den Kreis Gieren.
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der Stadt!
♦* Dem unter dem besonderen Schutze des Großherzogs Hessen stehenden Kunstverein Darmstadt wurde zu Gunsten Bausands des Darmstädter Kunstvereinshauses eine große
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GtttzeHer «Miciget rrschrint täglich, »tt Ausnahme bei Montag«.
Bekanntmachung,
betreffend Schafräude zu Stangenrod.
Nachdem unter der Herde des Schäfers Heinrich Jost II. zu Stangenrod, welche wegen Räudeoerdachts bis jetzt unter polizeilicher Beobachtung stand, die Räude festgestellt worden ist, haben wir die Sperre der Gemarkung Stangenrod verfügt. Gestaltet ist die Ausfuhr von Schafen nur zur fofor- Ligen Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal besonders einzuholenden Erlaubniß.
Gießen, den 18. Februar 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Lotterie von 150000 Loosen ä 1 Mark bewilligt. Der deutsche Kaiser hat die Lotterie bereits für mehrere preußische Pro» vinzen genehmigt; der Großherzog von Baden hat gleichfalls die Lotterie zugelassen. Weitere Concessionen stehen noch aus. Die Hauptgewinne sind 20000, 10000 und 5000 Mark in Gold.
** Nach einer Verfügung des Großherzoglichen Ministeriums ist die Einfuhr von Rindvieh aus Oesterreich Ungarn, soweit sie aus einzelnen Gebietstheilen wegen der Lungenseuche nicht gänzlich untersagt ist, bis auf Weiteres darauf beschränkt worden, daß die Thiere von der Grenze aus in öffentliche, veterinär-polizeilich überwachte Schlachthäuser zur alsbaldigen Schlachtung zu überführen sind.
*♦ Aus luftiger Höhe in's nasse Grab fiel heute Morgen das zum Lüften an's Fenster gebrachte gesammte Bettzeug einer „An der Bach" in der Sonnenstraße wohnenden Familie. Und die sich inzwischen angesammelten Zuschauer „sah'n mit staunenden Blicken, wie die Beute den Wellen entrissen"-
** Eier Abschlag. Die Hausfrauen werden gewiß die Nachricht mit Freuden entgegennehmen, daß ein bedeutender Eierabschlag für die allernächste Zeit bevorsteht. Wie von unterrichteter Seite mitgetheilt wird, sind bereits große Eiersendungen aus Italien unterwegs. Uebrigens wird auch unser Landhuhn bei dem gegenwärtigen milderen Wetter seine Eier- production wieder aufnehmen. Ein kleiner Abschlag der Eierpreise ist schon erfolgt.
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J^ae*mtHtsFt«to i 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn.
Durch bie Post bezog« 2 Mark 50 PI«
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Neueste Nachrichten»
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Rostock, 20. Februar. Senator Brunnengräber, langjähriger Vorsitzender des deutschen Apothckcrvercins, ist gestorben.
Rom, 20. Februar. Anläßlich des Papstjubiläums waren die Peterskirche und andere Kirchen, sowie katholische Etabliffements illuminirt. Die Straßen waren sehr belebt. Bei Rampolla fand ein Diner statt, zu welchem die mit der Beglückwünschung 1>es Papstes beauftragten Botschafter und außerordentlichen Gesandten geladen waren. Rechts von Rampolla saß der französische Botschafter, links General Coe; gegenüber saß Cardinal Morenni, dieser hatte zur Rechten den Patriarchen Graf Azarian. Unter den Gästen befanden sich Graf Balleftrem und der französische Deputirte Graf Mun. — Der König, der seinen gewöhnlichen Spaziergang machte, wurde lebhaft begrüßt.
Rom, 20. Februar. Der Papst erhielt gestern ein Glückwunschtelegramm des Czaren. Iswolsky wird außerdem ein Handschreiben des Czaren und ein Geschenk überreichen. Glückwunschtelegramme gingen ferner ein von dem russischen Minister des Innern, dem Fürsten von Montenegro und dem Schweizer Bundesrath.
Petersburg, 20. Februar. Das Departement der Reichs- Oeconomie stimmte dem Projecte des Finanzmintsters zu, wonach von allen Rubel-Postsendungen von und nach Rußland eine Steuer von einem Kopeken für 100 Rubel erhoben wird, um die Höhe der Circulation des Creditrubels von und nach Rußland festzustellen. Reisende müffen an der Grenze ihren Besitz in boaren Rubelnoten declariren. Einzelne Personen dürfen 500, einzelne Familien 1000 Rubel steuerfrei mitsühren. Im Falle der Nichtanzeige eines übersteigenden Betrages tritt Confiscation ein.
Alle Lnnoncen-Bureaux bei Ja- imb lullanbt« nehm« Anzeigen für btn .Gießener «»»ei,er- entgegen.
Z. Zur Feier des goldenen Bischofsjubiläums Sr. Heiligkeit des Papstes Leo XIII. sand am vergangenen Sonntag im großen Saale von Steins Garten eine nach mehreren Hunderten zählende Festversammlung statt. Eröffnet wurde dieselbe durch eine Ansprache des Herrn Pfarrer Bayer, der den Anwesenden in herzlicher Weise seinen Dank aussprach, daß sie seiner Einladung in so großer Anzahl- Folge geleistet hätten. Hierauf ergriff Herr Caplan Hattemer das Wort, um die Festrede zu halten. In schwungvollen und beredten Worten feierte er die Päpste und insbesondere den jetzt regierenden als die rührigen Ausbreiter der christlichen Cultur, als die eifrigen Förderer der Wissenschaften und Künste und endlich als die tapferen Vertheidiger der Freiheit der Völker. Der Redner schloß seine durch öftere Beifallsrufe unterbrochenen trefflichen Ausführungen mit einer Mahnung an das katholische Volk, daß es mit Vertrauen und treuer Liebe zu seinem greisen Kirchenfürstekf Hinblicken möge, der hochgeachtet und geehrt selbst bei den Nichtkatholiken dastehe, wie es ja nicht zum wenigsten das Beispiel unseres Kaisers beweise. Lange andauernder, stürmischer Applaus lohnte die von warmer Begeisterung getragenen Worte des Redners, woran sich der von Herrn Pfarrer Bayer auf Se. Heiligkeit ausgebrachte Toast reihte, in den die Versammlung enthusiastisch einstimmte. Aus den folgenden Nummern des reichhaltigen Programms seien an dieser Stelle nur noch die beiden scenischen Prologe erwähnt^, die sich vor der in einem Haine von Blumen unter einem Baldachin thronenden Papstbüste abspielten. Der erste Der» sinnbildlichte in geschmackvoller Weise die Huldigung der Wissenschaft und der Gewerbe, der zweite zeigte die Vertreter, der fünf Welttheile, in prächtigen Costümen, ihre Glückwünsche darbringend. Im weiteren Verlaufe wechselten rechr tüchtig einstudierte Chorlieder mit allgemeinen Gesängen, die die Theilnehmer bis gegen Mitternacht in zwangloser Weise fröhlich beisammen hielten. Die ganze Veranstaltung zeigte, daß in unserer Stadt das Verhäitniß der Katholiken zu den Nichtkatholiken ein sehr einträchtiges und friedliches ist, denn in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saale wurden viele Andersgläubige bemerkt, welche mit ihren katholischen Mitbürgern in heiterster Weise verkehrten. Möge dies friedliche Verhältniß weiter bestehen und blühen zum Wohle des Einzelnen
Depefchen des Bureau „Herold".
Berlin, 20. Februar. Am 24. März findet bei dem Staatsminister v. Bötticher ein Herrendiner statt, welchem der Kaiser beiwohnt. Der Reichskanzler, die Minister und Mitglieder des Bundesraths und Reichstags sind eingeladen.
Berlin, 20. Februar. In der Militärcommission des Reichstags sind neue umfangreiche Unteranträge der Abgeordneten Buhl und Stumm zum Anträge Richter ein- gegangen.
Berlin, 20. Februar. Die Commission des Reichstags zur Borberathung des Gesetzes über die Abzahlungs- Geschäfte nahm den Rest des Gesetzes an, nachdem die freisinnigen Anträge abgelehnt worden waren.
Berlin, 20. Februar. Der deutsche Bauernbund hielt heute Vormittag seine achte Generalversammlung ab. Der Vorsitzende v. Plötz erklärte, der Bauernbund sei bereit, seine Auflösung auszusprechen und dem „Bunde der Land- wirthe" beizutreten, wenn im letzteren den Mitgliedern die wirthschastlichen Dortheile wie im „Bauernbunde" gewährt
Rr. 45 Erstes Blatt
Bekanntmachung, betreffend Gesuch der „Germania", HagelversicherungSgesell- schäft zu Berlin, um Ertheilung der Erlaubniß zum Geschäfts' betrieb im Großherzogthum Hessen.
ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz der „Germania", Hagelversicherungsgesellschaft zu Berlin, die Erlaubniß zum Geschäftsbetrieb im Großherzogthum Hessen unter den üblichen Bedingungen auf Widerruf ertheilt hat.
Gießen, den 20. Februar 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Localer unb provinzieller.
Gießen, 21. Februar 1893.
*♦ Behufs Bildung der Spruchliste für die am 6. März 1893 beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts wurden die Namen folgender Hauptgeschworenen aus der Jahresliste für 1893 gezogen: 1. Pfannstiel, Karl, Gemeinderechner in Ulrichstein. 2. Schwarz, Georg, Kaufmann in Echzell. 3. Heß, Heinrich, Beigeordneter in Münster. 4. Deweil, Jakob III., in Rendel. 5. Huth, Heinrich V., Landwirth in Gettenau. 6. Dieffenbach, Heinrich I., Landwirth in Berstadt. 7. Klingel- höfer, Oswald, Gutspachter auf Hof-Graß. 8. Zimmermann, Hermann Philipp, Bäcker in Lich. 9. Schmidt, Friedrich, Fätber in Hungen. 10. Güngerich, Christian, Pachter auf Hof-Albach bei Lich. 11. Brückmann, Georg Ludwig, Pachter in Steinfurth. 12. Pfannmüller, Hermann, Kaufmann in Lauterbach. 13. Sandmann, Friedrich, in Lauterbach. 14. Schaub, Balthasar Christian, in Büdesheim. 15. Moscherosch, Konrad Jakob, Landwirth in Ossenheim. 16. Dörner, Jakob, tn Ockstadt. 17. Stolz, Philipp Heinrich, in Laubach.
würden. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, I wonach vom Abschluß des russischen Handelsvertrages, bei | welchem die Landwirthschaft von Neuem bluten müsse, abzusehen sei. Bundesrath und Reichstag werden sehr dringend gebeten, ihre Zustimmung zum Abschluß zu versagen.
Berlin, 20. Februar. Der Antisemitenführer Paasch wurde gestern durch einen Commissär der politischen Polizei verhaftet. Angeblich hat er das Staatsministerium beleidigt.
Berlin, 20. Februar. Die heutige Sitzung der Mili- tärcommission wurde auf morgen vertagt, weil Freiherr v. Stumm plötzlich erkrankt ist.
Berlin, 21. Februar. Die „Kreuzztg." meldet aus Liegnitz: Eine Stichwahl zwischen dem Antisemiten Heriwig und dem Freisinnigen Jungfer erscheint gesichert.
Berlin, 21. Februar. In einem längeren Artikel warnt die „Nordd. Allg. Ztg." vor den Privat- und außerpreußischen Lotterien und drückt den Wunsch aus, daß die Staatsregierung die preußische Staatslo tterie in dem erforderlichen Umfange ausdehnen werde, um dem verbotenen Spiel in auswärtigen Lotterien ein Ziel zu setzen.
Breslau, 20. Februar. Bei Ohlau fand ein Deichbruch statt. Die Ohle- und Oderniederung stehen unter Wasser.
Hildburghausen, 20. Februar. Bei dem hier garnisonirenden Jnfanteriebataillon ist eine Ty Ph u s epid emie ausgebrochen. Das Lazareth ist fast vollständig mit Kranken belegt. Mit der Stadt ist der Verkehr gesperrt.
Wien, 20. Februar. In dieser Woche trifft hier eine russische Militärcommission behufs Besichtigung der österreichischen Waffensabrik in Steyr ein. Wahrscheinlich wird letztere kleinkalibrige Magazingewehre für Rußland liefern.
Rom, 20. Februar. Das Jubiläum für den Papst ist ohne Störung verlaufen. Die Feier war eine großartige, der Zudrang ungeheuer. Zwei Bataillone Bersaglieri hielten den Petersplatz bis zur Basilika frei, innerhalb derselben hielten Nobelgarden die Ordnung ausrecht. Der Papst wurde geradezu in enthusiastischer Weise gefeiert, er ertrug die An- strengungcn vortrefflich. Der Kaiser von Oesterreich sandte 100000 Francs in Gold in einem Schmuckkasten, die Kaiserin ein mit Diamanten geschmücktes Hirtenkreuz.
Rom, 20. Februar. Am späten Abend während der Illumination sanden tumultua rische Manifestationen vor den belgischen und irländischen Collegien statt, welche Transparente mit dem Papstporträt und der Inschrift „Hoch der Papst-König" ausgehängt hatten. Die Volksmenge forderte die Entfernung und versuchte die Transparente abzureißen. Starke Polizeicolonnen räumten die Straßen und stellten die Ordnung her.
Paris, 20. Februar. Der Cassationshof fällt am Donnerstag das Unheil über die Berufung der Parlamentsmitglieder, welche vor das Schwurgericht verwiesen worden waren, sodaß der Prozeß am 6. März beginnt. Gegen den Unternehmer Letellier, welcher acht Millionen von der Panamagesellschast erhielt, wurde Untersuchung eingeleitet.
Berlin, 21. Februar. Die Te l egraphenverbindung zwischen Deutschland und Kamerun ist hergestellt. Der Präsident der Afrikanischen Telegraphengesellschaft, Pender, sandte heute dem Staatssecretär Stephan ein Begrüßungstelegramm.
18. Fauerbach, Georg Philipp, Gemeinde-Einnehmer in Ock- . 19. Keil, Georg, Müller in Grünbcrg. 20. Schneider, Engelbert, Beigeordneter in Herbstein. 21. Laux, Konrad, Landwirth in Gambach. 22. Walther, Heinrich IX., Landwirth in Dauernheim. 23. Martini, Karl, in Vilbel. 24. Schultheiß, Philipp III., Landwirth in Echzell. 25. Schneider, Peter II., Landwirth in Ostheim. 26. Kumpf, Wilhelm, Oberförster in Ockstadt. 27. Scheerer, Heinrich, Bürgermeister in Nieder-Breidenbach. 28. Hofmann, Adam IV., Landwirth in Wölfersheim. 29. Loth, Ludwig, Pachter in Nieder Ofleiden. 30. Winter, Jakob Konrad, Landwirth in Nieder-Weisel.
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