großen Wahlerfolge der Socialdemokratie hervor, indessen gibt sich in der Beurtheilung der politischen Tragweite der socialistischen Erfolge theilweise eine augenscheinliche Verkennung der deutschen Verhältnisse kund. Die französischen Blätter thun natürlich, als ob jetzt der Zerfall des Deutschen Reiches herangekommen sei — Phantastereien, welche bei den eigen« thümlichen Anschauungen der meisten französischen Blätter über die deutschen Dinge freilich nicht weiter überraschen können.
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Neueste Nachvtchteu»
Wolff- telegraphische« Correspondenz-Bureau.
Kiel, 19. Juni. Der Kaiser traf um 71/, Uhr ein. Er wurde von Prinz Heinrich empfangen und begrüßte im Schlosse die Prinzessin Heinrich. Dann begab er sich unter Salut der Flotte an Bord des „Hohenzollern". — Der Kaiser ist heute Vormittag 10 Uhr an Bord der Rennyacht „Meteor" in See gegangen.
Friedrichsruh, 19. Juni. An der gestrigen Fahrt der Mecklenburger zum Besuche des Fürsten Bismarck bethei- ligten sich 4000 Personen. Ansprachen an den Fürsten hielten Stichler (Wismar), Hillmann (Güstrow) und Grospitz (Hamburg), letzterer in plattdeutscher Sprache. Bismarck antwortete in einer halbstündigen Rede, worin er sich gegen den Partikularismus und die Fractionspolitik aussprach, und schloß mit einem Hoch auf den Großherzog von Mecklenburg.
Depeschen deS Bureau „Herold*.
Aruswalde, 20. Juni. Ahlwardt hat das Mandat für Friedeberg-Arnswalde abgelehnt, da er in Neustettin bei der Stichwahl auf einen Sitz rechnet. An seiner Stelle soll Hertwig aufgestellt werden.
München, 19. Juni. Fürst Ferdinand von Bulgarien ist gestern hier eingetroffen.
Darmstadt, 20. Juni. Laut soeben veröffentlichtem Edict Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wird ein außerordentlicher Landtag auf Dienstag den 27.Juni einberufen.
Berlin, 20. Juni. Vormittags. Bekannt definitiv 393 W a h l r e s u l t a t e. Gewählt: 49 Conservative, 12 Reichs- partci, 16 Nationalliberale, 3 freisinnige Vereinigung, 80 Centrum, 12 Polen, 3 Antisemiten, 24 Socialdemokraten, kein Welfe, keine freisinnige Volkspartei, 1 Liberaler, 1 Däne, 2 bayerischer Bauernbund, 7 clertcale Elsässer, 4 süddeutsche Volkspartei. Außerdem 179 Stichwahlen. Hieran sind beteiligt: 81 Socialisten, 73 Nationalliberale, 52 Conservative, 32 freisinnige Volkspartei, 31 Centrum, 21 Reichspartei, 16 Antisemiten, 14 freisinnige Vereinigung, 11 Polen, 10 Welsen, 9 süddeutsche Volkspartei, 4 nieder- bayrischer Bauernbund, 2 Bund der Landwirthe, 1 Elsässischer Protestler, 1 clericaler Elsässer.
Berlin, 20. Juni. Vor der heutigen Gerichts-Verhandlung gegen den Antisemiten Paasch wegen Beleidigung des Gesandten Brandt, sowie höherer Beamten des auswärtigen Amtes versuchte Paasch im Untersuchungsgefängniß im Zustande der Exaltation, sich die Pulsadern zu öffnen. Die Verhandlung wurde auf zwei Stunden vertagt. Der Gerichts- physikus wurde mit der Untersuchung Paaschs beauftragt.
CocaU» un6 provinzieller.
Sieben, 22. Juni 1893.
** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag den 22. Juni 1893, Nachmittags 4 Uhr pünktlich: 1. Mittheilungen. 2. Gesuch des Karl Becker um Erlaubniß zur Errichtung eines Gewächshausanbaues. 3. Die Uebernahme der Schanzenstraße durch die Stadt. 4. Untersuchung des Wassers der öffentlichen Brunnen und Anbringung von Sandfiltern. 5. Errichtung einer Desinfectionsanstalt. 6. Instandhaltung der durch Private erworbenen Gräber und größeren Begräbnißplätze. 7. Satzungen der Gießener freiwilligen Feuerwehr. 8. Erhebung des Octrois von Wein und Branntwein.
Z Grundsteinlegung. Samstag den 24. d. M., Nachmittags 5 Uhr, findet die Grundsteinlegung des neu zu erbauenden Corpshauses des Corps Teutonia statt. Abends wird ein Commers abgehalten.
** Hessischer Fechtvereiu „Waifeuschutz". Heute Abend feiert der Hessische Fechtverein „Waisenschutz", Verband Gießen, in dem oberen Locale des Gasthauses „Zum Deutschen Hof" sein erstes Stiftungsfest. Freunde des Vereins sind willkommen.
♦♦ Durch Zufall wurde gestern hier ein Eisenbahn- Unglück verhütet, das schrecklich hätte werden können. Infolge der großen Hitze hatten sich in der Nähe der Unterführung in der Neustadt zwei Schienen so gestreckt, daß sie an ihren Berührungspunkten zum Steigen gebracht wurden. Der um 1 Uhr 30 Min. Mittags hier in der Richtung nach Kassel abgelassene Schnellzug Nr. 55 kam zwar noch über die kritische Stelle hinweg, drückte aber die beiden Schienen vollständig auseinander. Der nächste 15 Minuten später folgende Schnellzug 73 sollte gerade abgelassen werden, als von Streckenarbeitern der Schienenbruch bemerkt wurde. Diese verständigten sofort die Station, sodaß der Zug auf das andere Geleise gesetzt und auf diesem bis Lollar weitergeführl werden konnte, wodurch allerdings eine erhebliche Verspätung entstand. Hatte man den Schienenbruch nicht entdeckt, so wäre der zweite Schnellzug unfehlbar in der Nähe des „Lahnstein" entgleist und die Böschung herabgestürzt. Die Folgen eines solchen Unfalls kann sich Jeder auömalen. Die gebrochenen Schienen wurden sofort durch neue ersetzt, sodaß um 5 Uhr die Strecke wieder frei war.
** Vom Wetter. Gestern Abend gegen 10 Uhr entlud sich über Gießen ein heftiges Gewitter. Leider hielt der im Gefolge desselben eintretende Regen nur kurze Zeit an. Auch ba8 heute Morgen zwischen 4 und 5 Uhr auftretende Gewitter
war von schwachem Regen begleitet. UnS vorliegende Wetterprognosen kündigten für den 19. heiteres Wetter mit Wolken, für den 20. zunehmende Wolken und gewitterhafteS Wetter an. Morgen und übermorgen soll es 'ebenfalls gewitterhaft und windig, sonst vielfach heiter sein, am 23. ziemlich heiter und heiß, am 24. heiter, lieblich, stellenweise regnen.
* * Zur Wahlbeweguug. Unmittelbar nach der F e st- st ellung deS Wahlergebnisses hat dernattonalliberale Wahlausschuß mit neuer Kraft sich an die Arbeit begeben. Am Samstag und Sonntag wurden Versammlungen abgehalten in Ermenrod, Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Groß- Eichen, Grünberg, Merlau, Rieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Geiß-Nidda, Berstadt, Echzell, Gettenau, Gedern und Ranstadt. Allenthalben besteht die Hoffnung, daß es gelingen wird, Diejenigen, die sich der Abstimmung am 15. d. M. enthalten haben, zur Urne zu bringen und daß Alle, denen das Ganze Häher steht, als das Interesse einer einzelnen Partei, mitzu- helfen gesonnen sind, unseren Wahlkreis vor einer antisemitischen Vertretung zu bewahren. Die meisten Versammlungen nahmen einen recht schönen, günstigen Verlauf- nur in Echzell, Gettenau und Berstadt bewiesen die Herren Antisemiten, wie während des ganzen Wahlkampfes schon, daß sie sich vor allen anderen Parteien durch wüste Störung anderer Versammlungen auszuzeichnen suchen. Was während des ganzen Wahlkampfes noch nicht geschehen, blieb den Antisemiten Bingenheims unter Führung der Candidaten Köhler und des Malers Bindewald Vorbehalten. Sie veranstalteten einen solchen Scandal, daß es den nationalliberalen Rednern nicht möglich war, zum Worte zu gelangen. Mögen die Herren Antisemiten nur so weiter arbeiten, es wird sich um so schneller ihr Anhang vermindern und sich in immer weiteren Kreisen die Ueber- zeugung befestigen, daß wir es mit einer demagogischen Bewegung zu thun haben, der mit Entschiedenheit entgegen zu treten Pflicht jedes Mannes ist, der Interesse und ein. Herz I für eine gedeihliche, freiheitliche Weiterentwickelung unseres Volkslebens, der es nicht dulden will, daß von kurzsichtigen Fanatikern auch auf dem Lande der Haß der Aermeren gegen die Besitzenden, gegen die bestehende Staatsordnung planmäßig genährt und groß gezogen werde und unsere Landbevölkerung der ruhigen Mitarbeit in unserem Staatsleben entfremdet und mit wahnsinnigstem Mißtrauen gegen unsere Regierung erfüllt werde.
* * An niederen laudwirthschaftlichen Unterrichtsanstalten befanden sich im Großherzogthum Hessen im Jahre 1891/92 elf, die zusammen von 298 Schülern besucht wurden.
* * Feuer. Während des Festes am Sonntag Nachmittag entstand in einem Garten am Asterweg dadurch Feuer, daß ein an einem Nebengebäude lagernder Haufen dürres Fichtenreisig durch Kinder angezündet worden war. Das Feuer, welches gefährlich hätte werden können, wurde alsbald bemerkt und gelöscht.
* * Unfall. Vorgestern wurde ein hiesiger Mann durch zu schnelles Fahren eines auswärtigen Kutschers um die Ecke Neuen Baue—Weidengasse überfahren und leicht verletzt. Ein Strafmandat dürfte den unvorsichtigen Rosselenker für die Zukunft belehren.
* * Verhaftet. Gestern Abend wurden zwei Frauenzimmer wegen Obdachlosigkeit, Trunkenheit und Ruhestörung verhaftet, desgleichen ein Taubstummer wegen Bettelns bet den Gästen in Wirthschaften.
* * Gestürzt. Ein junger Radfahrer hatte gestern das Unglück, mit dem Rade zu stürzen, wodurch er sich einen Beinbruch zuzog- er wurde in die Klinik verbracht.
Aus Oberheffeu, 17. Juni. Herr Karl Fischer zu Zwiefalten hatte aus seinem Zuchthof 15 Stuck Rindvieh Vogelsberger Rasse auf der soeben stattfindenden Landwirth- schastlichen Ausstellung in München ausgestellt und erhielt dafür acht erste Preise, vier zweite, zwei dritte und einen vierten Preis im Gesammtbetrag von 1585 Mark, ein wirklich glänzendes Resultat. Herr C. Hoffmann zu Hof-Güll hatte 23 Schweine der Yorkshire-Rasse in München aus- gestellt, wofür er drei erste, einen zweiten, zwei dritte Preise und drei Anerkennungen erhielt. Die Geldpreise betragen 320 Mark. H
N. Nidda, 18. Juni. Die Kirschen auf den Staatsstraßen des Baubezirks Nidda sind versteigert worden und sind, da die Gebote das Taxatum überstiegen, sogleich genehmigt worden. Aehnlich erging es mit dem Grase an den Chausseeböschungen. An vielen Plätzen steht nichts, denn es ist Alles ausgebrannt. Da wo die Lage etwas feuchter ist und sich Graswuchs zeigt, wurden hohe Preise erzielt. Futter ist jetzt das meistbegehrteste und gesuchteste Object auf dem Lande. Der Gentner Stroh kostet 5 Mk. und Heu 10 Mk.
-a- Schwalheimerhof b. Echzell, 18. Juni. Ihre Meldung, daß in Geiß-Nidda, welches in unserer Nähe liegt, nächtlicher Weile Angriffe auf fiscalische Wiesen gemacht wurden, hat bei uns ein Seitenstück erhalten, indem einem hiesigen Land- wirthe V. gestern Nacht anderthalb Morgen Weizen, welcher noch ganz grün war, abgemäht und weggefahren wurde. Man weiß, wer die Thäter gewesen sind, will sie aber nicht zur Bestrafung bringen, weil die Handlung aus bitterer Noth geschah. Einsender war dieser Tage dabei, daß für eine Kuh Vogelsberger Rasse, welche seit 5 Monaten trächtig ist und mit 200 Mark in der Vieh- versicherungSkasse steht, 35 Mark geboten wurden. Der Handel wurde schließlich mit 48 Mark zum Abschlüsse gebracht. Welche riesige Capitalien zu Grunde gehen und wie daS BolkSvermögen durch die unerträgliche Dürre geschädigt wird, dafür gibt uns daS angeführte Beispiel einen Anhaltspunkt. Die Leute wehren sich bis zur Verzweiflung gegen den Verkauf der Thiere. Jedes Futterhälmchen wird aufgesucht, daS Kraut und das Unkraut in den Feldern wird gesammelt, seit Jahr- zehnten sah Einsender die Felder nicht so sauber und rein von Unkraut — waS freilich auch zum Thell in der Trocken- fjeit seinen Grund hat — eS wird gespart wo eS angeht, man füttert Laub, schließlich reicht eS aber doch nicht mehr,
das Thier wird immer magerer, zuletzt unverkäuflich, alle Hoffnung auf Regen schwindet und mit ihr die Hoffnung au> ^utterzuwachs und so bleibt nur noch der bittere Schritt, das Thier um einen Spottpreis abzusetzen.
E. Echzell, 19. Juni. Eine kleine Etappe des Anti. ''emitismus in der Wetterau ist unser schöner Marktflecken Echzell. Früher war alles antisemitisch- noch bis 6. Mai l. Js. Als aber der „Reichsherold" seine unqualifi: cirbaren Schimpfereien nach allen Windrichtungen hin jagte, wandten sich viele von den besseren Elementen ab und anderen Richtungen zu. Das FiaSco, welche- die antisemitischen Radaubrüder am 3. Pfingstfeiertage bei uns machten und den Humbug, den die Herren darüber im „Reichsherold" verübten, ha: Ihre Zeitung entsprechend gekennzeichnet. Ueber die gestrigen Versammlungen hier in Echzell, sowie in Gettenau und Bingen, heim wird es wohl auch nicht am erforderlichen „Ulk" fehlen- wir wollen daher den Hergang kurz schildern. Herr RechtSanwal! Dr. Fuhr und Herr Professor B. von Gießen waren als Vertreter der nationalliberalen Partei erschienen und fanden die Herren Köhler-Bettenhausen und Maler Bindewald als Vertreter der Antisemiten vor. Die Reden und Gegenreden der Herren dauerten etwa 3 Stunden, von 3 bis 6 Uhr. Hier und da kamen antisemitische Unruhen zum Vorschein, doch konnte die Versammlung ordnungsmäßig zu Ende gebracht werden. Zorn und Aufregung hatte die Antisemiten ergriffen, als sie sahen, daß ihre Actien um kein Haar weiter gestiegen waren, wie am 3. Pfingstfeiertage. In Gettenau verlief alles in bester Ordnung, etwa eine Stunde wurde hier gesprochen. Inzwischen hatten die Antisemiten noch Mannschaften sür Bingenheim aufgeboten- junge, nicht majorenne Leute bildeten ein Hauptcontingent der Versammlung im Münch'schen Saale, welchen Herr Dr. F. gemietet hatte. Herr Oberförster Lang' eröffnete die Versammlung, aber sogleich entstand Lärm. Man ließ Herrn Dr. F. nicht zum Worte kommen. Herr Köhler-Bettenhausen redete sich so in die Hitze, als er mit Dr. F. verhandelte, daß sich seine Haupt- und Schnurrbarts- haare sträubten. Schließlich ließ Herr Dr. F. darüber ab. stimmen: ob die Versammlung ihn hören wolle ober nicht. Die Abstimmung ergab Nein — und das in dem Saale den der Herr Dr. F. selbst belegt hatte. Die National! liberalen entfernten sich und die Radaubrüder johlten und gröhlten dazu. Mit Widerwillen wird ein solches Treiben von allen besseren Elementen angesehen. Herr Dr. F. erklärte, daß sich die Socialdemokraten in Wieseck besser zu be nehmen wüßten, als die verhetzten antisemitischen Spectakel- macher. Letztere und ihre Führer merken deutlich, daß eS bergab mit ihnen geht und darum suchen sie ihre Schlappen mit Spectakel zu verschleiern.
§ Aus dem Kreise Lauterbach, 18. Juni. Es wurde ferner betreffs der gegenwärtigen F u 11 e r n o t h noch folgendes Schreiben von Großherzoglichem KreiSamt Lauterbach an fämmtliche Bürgermeistereien deS KreifeS erlassen: „Mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Futtermangel ermächtigen wir Sie, von den an der Kreisstraße befindlichen Eschenbäumen nach näherer Angabe des KreiSstraßenmetsterS Laub zu entnehmen und dasselbe nach einer von dem Gemeinderalh festzusetzenden Norm bezw. Taxe an die ortSangehöriaen Vieh- besitzer zu vertheilen."
§ Aus dem Kreise Lauterbach, 18. Juni. In Betreff der gegenwärtig hier herrschenden Futternoth hat daS Frei- herrlich Riedesel'sche Forstamt an GroßherzoglicheS KreiSamt Lauterbach zur weiteren Kenntnißnahme an die Großherzog, lichen Bürgermeistereien des Amtsgerichts-Bezirks Lauterbach und Herbstein folgendes AuSschreiben erlassen: „Auf Ihre Anfrage in dem werthgeschätzten Schreiben vom 6. d. MtS. beehren wir uns ergebenft zu erwidern, daß die Freiherrlich Riedesel'sche Forstverwaltung seither stets bemüht gewesen ist, der herrschenden Streu- und Futternoth durch Abgabe von Gras, Ueberlassung von Wegen und Schneißen und von ganzen Districten zur Behütung mit Rindvieh und von Streu- zeug in reichlicher Menge möglichst und soweit eS der forst- wirthschastliche Zustand zuläßt, abzuhelfen und daß die Absicht besteht, noch ferner die Landwirthschast durch derartige Ab- gaben aus den Freiherrlich Riedesel'schen Waldungen nach Kräften zu unterstützen, (gez. Weidig.)" Dieses Entgegen- kommen gerade in der jetzigen Zeit ist von den Landwirthen in unserem Kreise mit Freuden begrüßt worden und verdient allgemeine Anerkennung.
Laubach, 15. Juni. Gestern Nachmittag fiel ein Mädchen von 7 Jahren auS dem Fenster des dritten Stockwerkes auf den gepflasterten Marktplatz. Glücklicher Weise gelang es noch Herrn Kaufmann Kratz, daS Kind aufzufangen, ehe es den Boden berührte. Hierdurch blieb das Kind vor weiterem Schaden verschont.
A Aus der oberen Wetterau, 19. Juni. Wie in anderen Gegenden so herrscht auch hier durch die anhaltende Dürre Futtermangel im höchsten Grade. Nicht allein die kleineren Landwirthe, denen es durch die Gewährung von GraS auS fiskalischen, wie auS Gemeindewaldungen noch möglich ist, ihre 2 bis 3 Stück Rindvieh zu ernähren, werden betroffen, sondern vielmehr diejenigen Landwirthe, welche einen Viehstand bis 12 und 15 Stück Rindvieh haben, denen ist es keineswegs möglich, dasselbe mit RupsgraS zu ernähren. Diese Landwirthe erleiden colosialen Schaden, müssen daß Vieh um jeden Preis losschlagen und wird dadurch die Steuerkraft aller einigermaßen situirter Landwirthe enorm geschwächt. Ebenso ist eS bei den Gutspächtern hiesiger Gegend. Mancher hat 20 und mehr Pferde und 80 bis 100 Stück Rindvieh zu ernähren und kein Futter. Gewiß keine Kleinigkeit. — Die Heu - Ernte beginnt fast Überall. Dieselbe fällt sehr schlecht auS. Trockene Wiesen braucht man gar nicht zu mähen. Ueberhaupt sind hier alle Ernte- aussichten recht ungünstig. — Gemeinde-HeugraSversteiger- ungen haben noch nicht stattgefunden.
Butzbach, 27. Juni. Ein Lehrerveteran ist wieder dahin- geschieden. ES ist dies der Lehrer i. P. Herr Karl Bernhard zu Gambach, welcher gestern daselbst im hohen Alter von


