Ausgabe 
21.5.1893 Zweites Blatt
 
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Daß man bei Ausstellung diesbezüglicher Regulative die Bedürfnißfrage zuerst zu beobachten hat, bedarf wohl kaum weiterer Ausführung. Alsdann müssen die Betriebsarten, für welche die Bestimmungen eingesührt werden sollen, die Oertlichkeit selbst und verschiedene andere Gesichtspunkte im Voraus erörtert werden. Eines schickt sich eben nicht für alle.

So ist die Ausdehnung der Beschränkung nicht bis zur Mündigkeit, sondern nur bis zum 18. Lebensjahre, nicht un­richtig, da unsere jungen Arbeiter mit diesem Alter nach Lage der Dinge eine gewiße Selbstständigkeit erlangen, die eine solche Fessel nicht mehr erträgt, ohne daß dieselbe auch auf Fleiß und Thatkraft lähmend zurückwirken würde. Ferner ist es jedenfalls unthunlich, die Lohnzahlung an die Eltern oder Vormünder auch dann noch vorzuschreiben, wenn thatsächlich bereits eine vollständige Loslösung des Arbeiters von seiner Familie und Heimath erfolgt ist. UebrigenS würde die Beobachtung der erlassenen Gesetzesbestimmung bei jungen Burschen, die, aus fernen Ländern stammend, andernorts Arbeit gefunden haben, nicht blos Umständlichkeiten für alle Theile Hervorrufen, sondern unbedingt ihren eigentlichen Zweck verfehlen. Daher ist die Bestimmung ausgenommen worden, daß der Wohnort der Eltern nicht über 5 Km. von der Arbeitsstätte des jugendlichen Arbeiters entfernt sein darf, und daß andernfalls die betreffende Bestimmung ohne An­wendung zu bleiben hat.

Endlich ist auch noch damit zu rechnen, daß es gewiffen- lose Eltern gibt, die ihre arbeitenden Kinder ausbeuren, deren Lohn vertrinken oder sonst vergeuden, oder ihnen die nöthigen Mittel zur Fortbildung und unschuldigen Erholung vor­enthalten.

Jedenfalls aber ist es gut, wenn allerwärts diese Frage angeregt und durchgesprochen wird. An der Jugend muß die Erziehung geübt und cs darf nicht gewartet werden, bis die Besserungsanstalten die jungen Leute aufnehmen. Dann ist es meist zu spät. Es ist ein altes, wahres Sprichwort: Was «in Häkchen werden will, krümmt sich bei Zeiten. Nun, es muß eben nur alle Gelegenheit zum Krümmen rechtzeitig ab­geschnitten werden- 90 Prozent lassen sich in solchem Alter schon noch zurechtstutzen.

Wer da glaubt, daß wir zu viel gesagt haben, der sehe sich nur einmal in den Winkelkneipen, Tingeltangelstätten, Bordellen und dergleichen um. Unreife Burschen vergeuden dort in wenigen Stunden ihren sauer verdienten Wocheniohn. Ihnen ist der Werth des Geldes noch nicht bekannt, und es sind daher alle Baarmittel in größerem Umfange jungen Leuten schlechterdings noch nichts nütze. Unbedingt aber erlangen die Eltern durch diese Maßregel ein höchst wichtiges Zuchtmittel.

Hoffen wir demnach, daß sich in Bälde recht viele Ge- meinden oder weitere Eommunalverbände entschließen, für ihre Bezirke die Durchführung des § 119a zu beschließen.

Egon W.'

vermischtes

* Eine Hunde Debatte. In diesen ernsten Zeiten ist es erfreulich, seststellen zu können, daß der Humor denn doch noch nickt vollständig ausgestorben ist. Das hat sich am 9. Mai im preußischen Abgeordneten hause bei der Bera- thung des § 92 der Communalsteuer-Vorlage gezeigt, welcher auch den Kreisen das Recht zur Erhebung von Hundesteuern beilegt. Abg. Haußmann wies darauf hin, daß dieser Para­graph in zweiter Lesung nur mit geringer Mehrheit ange­nommen worden sei, und bat, ihn wieder zu streichen und dann entspann sick folgende Debatte: Dr. Meyer:Auch ich bitte dringend, btefcr Paragraphen zu streichen. Den Hund auf dem Lande mit dem in der Stadt gleichzustellen, wäre eine ganz unberechtigte Nivellirung. Auf dem Lande hat jeder Mensch einen Hund. (Große Heiterkeit und lebhafter Widerspruchrechts, v. Kröchcr:Ich habe keinen!") Wer sind Sie denn? (Große Heiterkeit und Zuruf.) Also Herr v. Krvcher hat keinen. (Stürmische Heiterkeit.) Sie Alle haben wiederholt erlebt, daß Herr v. Kröcher auf einem Standpunkt gestanden hat, der einzig in seiner Art war. (Heiterkeit.) Er steht auch in dieser Beziehung einzig da, daß er als Landbewohner keinen Hund hat. Der Landbewohner, mindestens derjenige, der seine eigene Behausung hat, braucht einen Hund (Widerspruch rechts) als Wächter für sein Besitz- tbum. Der Hund besorgt auf dem Lande auch einen großen Theil von dem, waö in der Stadt die Polizei besorgt, er sorgt für die Sicherheit. (Heiterkeit.) Also auf dem Lande braucht Jedermann einen Hund. In der Stadt braucht Niemand einen Hund. (Lebhaftes Oho!) Nein, meine Herren. (Zuruf: Der Jäger!) In den Straßen der Stadt wird nicht gejagt. (Große Heiterkeit.) Der Jäger kann seinen Hund wo anders halten. Wer Jäger ist, schlägt um, der wird aus dem Stadtbewohner ein Landbewohner. Wer sich in der Stadt einen Hund hält, der thut es, um zu seinem Vergnügen andere Menschen zu chikaniren. (Heiterkeit.) ES ist in der That ein schauerlicher Zustand, daß jeder Hund sich herauSnehmen darf, Denjenigen anzubellen, dessen Nase ihm nicht gefällt. Ich halte eS für einen Act der Nivellirung, der ganz ohne Beispiel ist, den nützlichen und wohlthätigen Hund auf dem Lande mit dem Überflüssigen Kläffer in der Stadt, vor allen Dingen mit dem Affenpinscher, den ich tödtlich hasse, auf eine Stufe zu stellen. ist eine Unge hcuerlichkeit, daß Sic denselben Hund einer Doppelbefleuerung unterwerfen. Ich bitte Sie dringend, diesen Paragraphen, der die schauerlichste Verunzierung dieses Werkes bildet (Heiterkeit), wieder zu streichen/- (Lebhafter Beifall.) v. Schladitz:Der Vorredner kennt die Stadthunde, aber die Landhunde kennt er nicht. Ich möchte ihn einladen, mit mir einen Spazierritt zu machen. (Große Heiterkeit.) Wenn ihm dann von rechts und links die Hunde kläffend entgegenstürzen, wird er jedenfalls innerlich diesem Paragraphen Abbitte leisten (Heiterkeit.) Dr. Meyer:Bei der Aufforderung des Herrn v. Schladitz, mit ihm den bewußten Spaziergang zu machen

(Rufe: Ritt! Heiterkeit^, dachte ich an die Worte im Faust: Mit Euch, Herr Docwr, zu spazieren, ist ehrenvoll und ist Gewinn." Daß wir dabei angebellt werden, ist mir zweifel­los. (Heiterkeit.) Das sind wir ja aber auch beiderseits gewöhnt. (Heiterkeit.) Der Unterschied ist folgender: Wenn mich auf dem Lande ein Hund anbellt, dann sage ich: Dieser Hund thut nur seine Schuldigkeit. (Heiterkeit.) Er fragt mich nach meiner Legitimation. (Heiterkeit.) Ich ziehe als­dann höflich den Hut (Heiterkeit), sage:Mein Name ist Meyer" (Große Heiterkeit) und damit ist die Sache gut. Die Erfahrung habe ich regelmäßig gemacht. (Große Heiter­keit.) Dem städtischen Köter gegenüber sind solche Mittel vergeblich. Eines schickt sich nicht für Alle. WaS auf dem Lande die natürliche Ausstattung jedes Gehöftes ist, ist in der Stadt eine krankhafte Liebhaberei von alten Jungfern beiderlei Geschlechts. (Große Heiterkeit.) Sie thun großes Unrecht, diese beiden Klassen von Lebewesen auf dieselbe Stufe zu stellen. Ich bitte dringend, lehnen Sie den schlechtesten Gedanken, den der College Schlabitz in seiner Rede gehabt hat, ab!" (Heiterkeit.) Der Paragraph wird trotzdem beibehalten.

* Freudig überrascht wurde, wie dieSol. Ztg." be- richtet, ein an der Ziegelstraße wohnender Miether. Derselbe überbrachte wie gewöhnlich dem Hausherrn pünktlich den sälligen Miethzins. Als ihm der Hausherr die Quittung Überreichte, schob er dem Miether das Geld wieder zu und sagte:He haad Ihr ühr Gaild weder, Ihr haad fanf- ontwengdig Johr bei uS gewannt onn oech emmer nett ge° haulen onn pünktlich de Paite bctallt. Ech schenk öch batt Gaild. Wir wollen Höpen, batt wir noch fanfontwendig Johr gesonb benein blieven, bann söllt Ihr batt gange Johr gc- schenkt kriegen." Man kann sich die Freude der Leute denken. Das Vorkommniß selten in unserer materiellen Zeit ehrt Vermiether und Miether.

* Witten, 16. Mai. Vor etwa fünf Monaten verun­glückte beim Schlittschuhlaufen auf der Ruhr die 14jährige Tochter des Pfarrers Göcker in Wetter. Trotz eifrigen Suchens gelang eS damals nicht, die Leiche aufzu- finden. Gestern wurde die Leiche bei der hiesigen großen Schiffbrücke gelandet.

* Berlin, 17. Mai. Eine Anklage wegen Beschimpfung der Kirche wurde gestern gegen den Buchhalter Wilhelm Köster verhandelt. In einem socialdemokratischen Wahlverein bemängelte Köster, daß das Abgeordnetenhaus 10 Millionen Mark zur Erbauung des Domes, diesesVerdummungSinftituls", bewilligt habe. Wegen dieses Ausdrucks erkannte daS Gericht auf einen Monat Gefängniß.

* Weltausstellung in Chicago. Die Weltausstellung in Chicago hat bei vielen Touristen, die bereits Europa und die Länder des Orients gesehen haben, den Wunsch angeregt, neben der Weltausstellung selbst, auch die Vereinigten Staaten etwas näher kennen zu lernen. New Aork mit seinem Welt- Hafen und großartigem Verkehr, das Capitol in Washington, die Niagarafälle, die Felsengebirge, Colorado, der Salzsee, San - Francisco, >das Aosernite-Thal, die Rieselibäume, der Uellowsstone Park u. s. w. sind Punkte, welche auch dem Vielgereisten Neues zu bieten vermögen. Der Norddeutsche Lloyd in Bremen, dessen Dampfer wegen deS sicheren Ver- chrs, des hervorragenden Comforts und der ausgezeichneten Küche hinlänglich wohl bekannt sind, hat neben seiner bereits erschienenen BroschüreLloyds Touren" eine neue heraus­gegeben, welche sich auf Gesellschaftsreisen in Amerika bezieht und mit Carl Stangens Reise-Bureau, Berlin W., Mohren- traße 10, daö durch seine reichen, langjährigen Erfahrungen auf dem Gebiete des Reisens und durch seine allgemein aner­kannte Reellität der Touristenwelt thatiächlich nützlich ist, ein zweckentsprechendes Abkommen getroffen. Hierüber giebt die ncu erschienene Broschüre, die bei allen Agenten des Nord- deutschen Lloyd, sowie in dem oben genannten Reisebureau gratis vcrtheilt wird, Auskunft.

* Ein zwölfjähriger Papiergeldfälscher ist in Wien von der Polizei entdeckt und verhaftet worden. Der Fall kam dieser Tage vor dem Wiener Schwurgericht zur Verhand­lung. Der 12jährige Johann Kern war ein fleißiger braver Junge, der viel Talent zum Zeichnen besitzt, aber die falschen Gulden hat er doch nicht fabricirt. Sein Vater, der 36jährige Schuhmacher Johann Kern, machte sie, und die Mutter vertrieb sie, wobei schließlich auch der Junge mit­wirken mußte. Als die Sache entdeckt wurde, gab die Mutter an, daß ihr Sohn der Fälscher sei, und dieser mußte mit ins Gefängniß wandern, bis sich herausstellte, daß die Aus­sage der Mutter unwahr sei. Bei der Verhandlung hielten Vater und Mutter die Aussage, baß ber Sohn ber Fälscher sei, aufrecht, sie konnten aber bamit gegen ben treuherzigen Jungen nicht aufkommen, und auf eindringliches Ermahnen deö Präsidenten gestand endlich der Vater, daß er selber die Noten gemacht und dem Jungen nur zum AuSgeben ange­halten habe. Der Knabe wurde freigesprochen und der Vater zu sieben, die Mutter zu drei Jahren schweren Kerkers verurtheilt.

* Was auf einem Ozeandampfer verspeist wird. Ein Chicago-Fahrer sendet derKöln. VolkSztg." von Bord deS Hamburger SchnelldampfersFürst Bismarck" unterm 26. v.M. eine Zusammenstellung des Vorraths an Speisen und Ge­tränken, den ein solches Riesenschiff für eine einzige Reise von 6 bis 7 Tagen nach Amerika mitnimmt. Es sind nur die hauptsächlichsten Gegenstände aufgeführt. Darunter befinden sick 20,000 Pfund Ochsenfleisch, 2500 Pfund Kalb­fleisch, 1500 Pfund Hammelfleisch, 1500 Pfund Schweine­fleisch, 6000 Psimd Zunge, Leber u. s. w. Zusammen 26,500 Pfund frisches Fleisch. An Getränken: 1600 Flaschen Roth-, Rhein- und Mosel Wein, 600 Flaschen Champagner, Portwein u. L w., 100 Flaschen Spirituosen, 6000 Flaschen Bier und außerdem 4000 Liter Bier in Fässern. Ferner: 1500 Pfund gesalzener und geräucherter Speck, Fleisch und Wild, 2000 Pfund verschiedene feine, frische Fischsorten, 250 Pfund geräucherter Aal, Lachs, Störfleisch, 3000 Pfund verschiedene Geflügelsonen, 1500 Pfund Schinken, Rauchfleisch,

1000Pfund Wurstsonen, 1000Pfund Säsesorten, 32,000Pfund Mehl und Brod, 4000 Pfund Butter, 4200 Pfund Hülsen- fnlchte, 2000 Pfund getrocknete Früchte, 32,000 Pfund Kartoffeln, 1500 Pfund Kaffee, l00 Pfund Thee, 120 Pfund Chocolade, 2500 Pfund Zucker, 6000 Stück Häringe, 120 Stück Hummer, 12C0 Stück Frankfurter Würstchen, 750 Dosen Gemüse, 50 Fäßchen Sardinen und Anchovis, 100 Dosen Sardinen, 15,000 Stück Sier, 700 Dosen condensine Milch, 1000 Liter frische Milch, 200 GlaS und 400 Dofen ver- schieden« feine Compots. Angefügt sei noch, daß der am 20. v. Mts. von Hamburg abgegangeneFürst BiSmarck", Capitän AlberS, rund 1400 Menschen an Bord hatte, darunter einschließlich Offiziere rund 360 Mann Schiffspersonal. Der Dampfer führte für seine beiden Dreifach Verbund Maschinen von zusammen 16,400 Pferdekräften 240 Eisenbahn-WaggonS Kohlen X 200 Eentner mit sich.

* Ein Schlaukops. Feldwebel:WaS sind Sie, Em- jähriger, in Ihrem Civilverhältniß?" Einjähriger: Mineraloge, Herr Feldwebel?" Feldwebel:Kommen Sie mir nicht wieder mit Ihren verdammten Fremdwörtern! Sagen Sie doch einfach Selterwasserfabrikant".

Literatur und Kwnft.

Die neue Wissenschaft. Wissenschaftliches Testament vom Graf Cäsar Matte». Preis 1 Verlag von siricdrichlPsau in Leipzig. Eine neue Heilmethode! Allopathie und Homöopathie liegen in_ beständigem Kampfe. Vertreter der elfteren stehen mit oidem SRüfijeua ben Verfechtern der letzteren gegenüb<t: tndeß der beständige Fortschritt der Anhänger der letzteren läßt es wohl mit einiger Berechtigung aussprechen, daß der Homöopathie die Zukunst gehört. Wer auch in den schwierigsten Krankheitsfällen viel­leicht langer erfolgloser Behandlung ausgefetzt gewesen und sich nun selbst curtren will, ber kaufe sich das Büchlein und schöpfe au« dem reichen Wissm detz Heilkundigen selbst das für ihn Passende. Tie Schrift ist für die Allgemeinheit bestimmt. Sie erscheint gleichzeitig in acht Sprachen und wird daS hofft der greife Verfasier auch in Deutschland denselben Eisolg erzielen wie in teinem Vaterland. Der billige Preis von 1 ermöglicht die Massenverbreitung.

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Am Reiche des »elftes. Jlluftrtrte Geschichte der Wisien- schäften, anschaulich dargestellt von ft. Faulmann, k. L Professor. Mit 13 Tafeln, 30 Beilagen und 200 Textabbildungen löten, A. Hartlebens Verlag. In 30 Lieferungen A 50 Pfg. Lieferung I bis 4 soeben erschienen. Von diesem beachtenswerthen, vortreffliche» Buche sind bisher vier Lieferungen ausgegeben, welche die irden Künste, die Theologie und den Anfang der Recht4geschichte befl Mittel alter« enthalten. WaS hier geboten wird, ist eine förmliche Ent­wicklungsgeschichte unsere» Geiste», und jeder Gebildete wird mit Interesse der hier gebotenen Fülle von Thatsachen folgen, welche, auS den besten Quellen geschöpft und kritisch gesichtet, in ihrer trappen drastischen Form oft kurzweilig auf den Leser wirken. DU zahlreichen Illustrationen, auS Originalen und diesen gleichkommenden Publica.tionen sorgfältig auSgewählt, sind von culturhrstoirscher Be­deutung. Und doch ist das Buch nicht bloß von hiftorifchem In teresie, denn manche Fragen spielen in die Gegenwart herüber, wie die Entwicklung der katholischen Lehre, die hier obpclto, kurz und übersichtlich geboten wird.

Unter den bedeutenden Dichtern und Schriftstellern ber Gegenwart erfreut sich wohl keiner einer gleich großen Beliebtheft rolc Georg Sbers. Seine trefflichen Romane, die zuerst die Ge­heimnisse De» alten Wunderlandes der Pyramiden dem staunenden Laienpublikum erschlossen, haben ihren Triumphzug durch die ganze cioilifhte Welt gehalten. Um so willkommener wird für alle die zahlreichen Verehrer und Verehrerinnen de« genialen Manne« die in der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinende Au»gade feiner »Gesammelten Werte* fein, oon bei soeben die erste Lieferung ausgegeben wurde. Dieselbe bringt den Anfang des prächtigen historischen Roman«Eine ägyptische König-.'.ochtei", de» ersten Werkes von Georg Eber», daS seinen Ruhm al» Schriftsteller begründete. Wa» den Werken von Eber» die beifpiellofe Verbreitung verschafft, da« liegt in der genialen Verschmelzung der Ergebnisse der strengen Wissenschaft mit der luftigen, immer leichtbeschwingten Dichterphantasie, und nicht zum geringsten auch in der edlen, reinen Form, in der alle seine Werke gehalten sind. Diese Vorzüge geben vor Allen ben Schriften von Georg Eber« die Berechtigung. In der Bücherei eine« jeden deutschen Hause» den Ehrenplatz etngnäumf zu bekommen, und der ungemein billige Preis von 60 Pfennig pro Lieferung ermöglicht 's Jedem, sich diesen herrlichen Schatz zu erwerben. Die erste Lieferung ist in jeder Buchhandlung mr Ansicht zu erhalten.

Aufruf

zur Hilfe für die Brandbefchüdigten zuj Zell bei Alsfeld (Qbcrheffcn).

Ein gewaltiger Brand verwandelte am 5. Mai I. I«. einen großen Theil unserer Gemeinde in einen Schult- und Trümmerhaufen. Richt weniger al» 42 Hosraithen l unge­fähr 130 Gebäude) sind von den Flammen verzehrt worden. Namenlose« Elend ist bei uni eingezogen. Viele Familien sind obdachlos und haben ihr ganze« Eigenthum verloren. Von diesen sind einige gar nicht, viele nur schlecht versichert. Wir bedürfen daher der schleunigsten Hilfe und fordern Ihre Nächstenliebe auf, der armen, so schwer heimgesuchten Ge­meinde Zell freundlichst beistehen zu wollen.

Gaben aller Art, wie Nahrungsmittel, Kleidungsstücke, Wäsche,Hausgeräthe unddergl.,insbesondere auchWeldgabe« werden mit herzlichem Dank von Großhcrzoglicher Bürgermeisterei Zell in Empfang genommen; ebenso ist das unterzeichnet» HilfScomitu zur Empfangnahme von Gaben gerne bereit. Auch die Expedition de«Gießener Anzeiger" bereit, Geldspenden für die Abgebrannten in Empfang zu nehmen und darüber in diesem Blatte zu quittieren.

Zell, 7. Mai 1893.

Da« HilfScomits:

D i p p e l l, Bürgermeister in Zell, Simon, Gastwirth in Zell, Lepper, Landwirth in Zell, Andr. Köhler, Landwtrth in Zell, Konr. Krausmüller, Landwirth in Zell, Konr. Bambey, landwirth in Zell, Bausch, Lehrer in Zell, Carra, Lehrer in Zell, Jäger, Pfarrer zu Billertshausen.

NB. Ihn Weiterverbreitung dieses Aufrufes in anderen Zeitungen wird gebeten.