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21.5.1893 Erstes Blatt
 
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WolffS telegriphifche« Correfpondenz-Bureau.

München, 19. Mai. Der Führer der nationalliberalen Partei in Bayern, Abgeordneter Bankdirector v. Schauß, ist heute Vormittag gestorben.

Depeschen de4 Bureau .Herold".

Berlin, 19. Mat. Professor Virchow äußerte sich in der am Mittwoch stattgehabten Sitzung der Berliner rnedi- cinischen Gesellschaft: eine neue Cholera-Epidemie sei in diesem Jahre nicht als wahrscheinlich anzunehmen.

Berlin, 19. Mai. DieVossische Zeitung" meldet aus Muskau, daß auf kaiserlichen Beseh! die diesjährigen Herb st manöver unter der Theilnahme des Kaisers bei Görlitz stattfinden.

München, 19. Mai. Heute früh verstarb hier der Göttinger Universitätsprofessor Dr. von ttluckhohn nach kurzem Krankenlager im Alter von 61 Jahren.

Wien, 19. Mai. Ein Wolkenbruch richtete bet Jglan große Verwüstungen an; der Verkehr auf der Nord­westbahn war eine Zeitlang unterbrochen. Nach dem Unweter trat starker Schneefall ein.

Prag, 19. Mai. Die hiesigen Studenten, die czechischen sowohl als auch die deutschen, erklärten sich mit ihren Innsbrucker Commilitonen solidarisch und richteten eine Petition an die Delegationen, in der sie um Schutz der akademischen Rechte bitten.

Paris, 19. Mai. Charles de Lesseps ist schwer erkrankt und mußte in das Gcsängnißhospital gebracht werden.

Brüssel, 19. Mai. Entgegen anderen Meldungen ver­lautet bestimmt, die Uebergabe der goldenen Rose an die Königin von Belgien wird in etwa vierzehn Tagen erfolgen. Dieselbe werde am nächsten Sonntag in der PeterS- kirche vom Papste feierlich eingesegnet und an dem Tage in Brüffel eintreffen, an welchem vor 50 Jahren der Papst zum Nuntius in Brüssel ernannt worden war.

Kopenhagen, 19. Mai. Vom 7. bis 13. Mai kamen hier 88 Jnfluenzafälle vor.

Madrid, 19. Mai. DerLiberal" kündigt den für Spanien günstigen Abschluß eines deutsch »spanischen Handelsvertrages an, welcher Montag unterzeichnet werden solle. Deutschland erhält Zollermäßigungen für 154 Einfuhrartikel. Der Handel zwischen Deutschland und den spanischen Colonien wird durch eine besondere Ueber- etnkunft geregelt.

London, 20. Mai. Gegen den Eisenbahnzug, in welchem Gladstone von London nach Chester fuhr, wurde ein schwerer Stein mit großer Heftigkeit geschleu­dert. Derselbe zertrümmerte die Fenster der benachbarten Coupes, ohne weiteren Schaden anzurichten.

Localer uttfc provinzieller.

Gießen, 20. Mai 1893.

♦♦ Sitzung Großh. Handelskammer vom 17. Mai 1893. Anwesend waren die Herren Koch, Scheel, Gail, He'chelheim, Homberger, Katz, Klingspor, Kraatz, Wortmann. Es wird beschlossen, an die Königliche Eisenbahn-Direction Hannover eine Eingabe zu richten mit dem Anträge, die neuerdings auf dem hiesigen Bahnhofe eingesührte Absperrung des Perrons wieder aufheben zu wollen. Die Einführung der Absperrung hatte außer den allgemeinen Belästigungen auch die Folge gehabt, daß der auf dem Perron befindliche Brief­kasten mit abgesperrt und nur noch gegen Entrichtung von zehn Pfennig benutzbar war. Es wurde deßhalb alsbald ein Antrag auf Abstellung dieses Mißstandes durch Anbringung eines zweiten Briefkastens bei dem Kaiserlichen Postamte hler- selbst eingereicht. Dieses theilte daraufhin der Kammer mit, daß von ihm die Anbringung des gewünschten zweiten Brief­kastens bei der Kaiserlichen Oberpostdirection in Darmstadt beantragt worden sei. Hierzu sei bemerkt, daß es als be­dauerlich bezeichnet werden muß, daß nicht zwei Behörden

118. Erstes Blatt Sonntag den 21. Mai

1893

Der chiehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener AamirienölLtier «erden dem Anzeiger «Schentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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Alle Annoncen-Burcaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher Tbeil.

Bekanntmachung.

betreffend Maul- und Klauenseuche zu Grünberg.

Nachdem die Maul» und Klauenseuche in 5 Gehöften der Stadt Grünberg ausgebrochen ist, haben wir die Sperre der Gemarkung Grünberg verfügt.

Gießen, den 20. Mai 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___________________p. Gagern.___________________

Bekanntmachung.

betreffend den Ausbruch der Maul- nnd Klauenseuche zu Grünberg.

Mit Rücksicht auf das Auftreten der Maul» und Klauen­seuche zu Grünberg muß die Abhaltung des auf Dienstag, 23. Mai d. I. dorthin anberaumten Viehmarktes untersagt werden.

Gießen, den 19. Mai 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 19. Mai 1893.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

cm die «rotzh. Bürgermeistereien bei Kreise-.

Wir beauftragen Sie, vorstehende Bekanntmachung als­bald zur Kenntniß der Interessenten zu bringen. Diejenigen von Ihnen, aus deren Gemeinden ein stärkerer Besuch des Marktes zu erwarten wäre, wollen, sofern gegenwärtigeVer- fiigung rechtzeitig an Sie gelangt, noch Samstag, 20. l. Mts. ortsübliche Bekanntmachung erlassen.

p. Gagern.

Bekanntmachung,

betr. Obstbauperein.

Herr Obstbautechniker Metz von Friedberg wird die nachstehend perzeichneten Orte des Kreises Gießen an den beigemerkten Tagen zum Zweck der Abhaltung von Ver­sammlungen und pon Uebungen in den Baumstücken be­suchen. Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des Obstbaues werden zu zahlreichem Besuch eingeladen.

Gießen, 19. Mai 1893.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen.

Nebel, Amtmann.

24. Mai Willingen,

25. Mai Nonnenroth,

26. Mai Röthges,

27. Mai Münster,

28. Mai Ettingshausen,

29. Mai Ober-Bessingen,

30. Mai Nieder - Beffingen,

31. Mai Steinbach,

1. Juni Garbenteich.

Gefunden: 1 Körbchen, 1 Schürze, 1 Kindermantel, 1 Wagenkapsel, 1 Schild, 1 Decke, 2 Paar Handschuhe, 1 Quantum Seife, 1 Sonnenschirm, 1 Taschenuhr in der Neustadt.

Gießen, den 20. Mai 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Mnst und heute.

Pfingsten und Frühling sind Geschwister. Wenn Feld und Wald grünt und die Lerchen jubiliren, dann stimmt die christliche Gemeinde unter Orgelschall und Posaunenklang den Pfingstchoral an :O heiliger Geist, kehr bei uns ein!" Der 118. Psalm ruft uns zu:Schmücket das Fest mit Maien bis an die Hörner des AllarS!" Da schmücken sich Kirchen und Altäre, Haus und Werkstätte mit frischem Grün, und wer sonst unter der Last des Daseins seufzt, am Pfingsttage kann er das lustige Birkenreis nicht missen. Neuer Früh­ling, neues Leben!

Ein wunderherrlicher Geburtstag ist der erste Pfingsttag gewesen, der Geburtstag der Christengemeinde, der Kirche. In ungeahnter Weise ging das Wort des Sohnes Gottes in Erfüllung:Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Todten stehen auf und den Armen wird das Evangelium ge­predigt." Ein schlichter Fischer war der erste Pfingstprediger, Petrus, der Felsenmann, der einst von Jesu die Verheißung vernommen:Ich will euch zu Menschenfischern machen." Seine Predigt, keine kunstreiche, keine geistreiche, keine ge­lehrte, sondern eine Verkündigung der großen Thaten Gottes, erfüllt von der Kraft des heiligen Geistes, wie von einem Menschen noch keine gehalten war. Sie ging den Hörern lmrch's Herz. Was sollen wir thtm? fragten sie.Thuet

Buße und lasset euch taufen auf den Namen Jesu Christi * zur Vergebung der Sünden!" Dreitausend ließen sich taufen. Das war die erste Pfingstgemeinde.

Viel Denkwürdiges von ihr berichtet die Apostelgeschichte: sie blieben beständig in der Apostel Lehre und im Gebet, sie hielten miteinander die Gemeinschaft brüderlicher Liebe, sie opferten freudig ihre Habe, um sie mit den Armen zu theilen, inmitten einer von Elend und Friedlosigkeit versunkenen Welt, welch ein Schöpfungstag! Fast zwei Jahrtausende sind seitdem vergangen, und wie viel Dunkles auch in ihnen sich birgt, das Beste und Edelste, was seitdem in den Völ­kern, auch in unserem deutschen Volke, von Gottesleben sich entfaltet hat, ist eine goldene Frucht jenes ersten Pfingsttages. Wenn wir ihn heute aufs Neue feiern, so mahnt er zur Prüfung, ob wir nicht mit daran verschuldet sind, daß dieser Pfingstgeist unter uns erkaltet, und von ihm oft nichts An­deres geblieben ist, als eine aus ferner Vergangenheit zu uns herüberklingende, kaum mehr verstandene Sage. Das wäre ein Pfingsten für unsere Kirche, wenn sie in neuem Glauben sich sammelte um der Apostel Lehre, wenn das Gebet wieder würde ihr Athemholeu, wenn die Macht der Bruderliebe wieder die Getrennten vereinte, wenn sie ihren Glauben und ihr Bekenntniß durch Opfer für die Armen und Nothleidenden wieder als Wahrheit bewährten! Jeder sollte heute damit neu beginnen. Das wäre eine Gott wohl­gefällige Pfingstfeier.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Mai. Die Rede, welche Kaiser Wil­helm in Görlitz nach der Enthüllung des Denkmales weiland Kaiser Wilhelms I. an festlicher Tafel gehalten hat, mahnt in ihren Kernpunkten birect an die so ernste politische Lage in unserem deutschen Vaterlandes. Der kaiserliche Herr erinnerte daran, wie nothwcndig es sei, das für die Zukunft sicher zu stellen, was des neuen Reiches unvergeßlicher erster Kaiser einst geschaffen. Darum bedürfe, führte der erlauchte Redner weiter aus, die deutsche Wehrkraft einer erheblichen Verstärkung und zur Bewilligung der Mittel für letztere fei der Appell an die Nation ergangen. Mit Entschiedenheit betonte er dann, daß hinter dieser wichtigen Frage alle anderen Fragen und Rücksichten für den Augenblick zurück- stehen müßten, aber zugleich hob der Kaiser auch hervor, wie unerläßlich zur Lösung der die Lebensexistenz Deutschlands bedingenden Militärfrage die vollkommene Einigkeit der Nation sei. Darum klang der Schlußtheil der kaiserlichen Ansprache in einem warmen Appell an die Nation aus, das sie in ihren verschiedenen Gliedern sonst Trennende bis zur Lösung jener Aufgabe bei Seite zu setzen, und unter Hinweis auf die große Zeit vor 22 Jahren forderte der Kaiser die deutschen Stämme auf, sich zur Erhaltung der Freiheit des Vaterlandes und seiner Zukunft fest um ihre Fürsten zu fchaaren. Alsdann trank der Monarch auf das Wohl der Lausitz und der Stadt Görlitz. Nach dem Festmahle hielt der Kaiser Eercle, um 5 Uhr Nachmittags (Donnerstags) reifte er nach Muskau weiter, wo die Ankunft um 6 Uhr 10 Minuten erfolgte. Auf dem Bahnhofe wurde Se. Majestät von dem Grafen Hermann von Arnim und von Bismarck-Bohlen empfangen, worauf die Fahrt zum Schlosse vor sich ging.

Der Gör litzer Feier hatten auch Prinz Friedrich Leopold von Preußen, der Reichskanzler Graf Caprivi, Ministerpräsident Graf Eulenburg, Kriegsminister v. Kalten- born-Stachau, Staatssecretär v. Bötticher und Cultusminister Dr. Bosse beigewohnt.

Innerhalb des Centrums scheint sich eine Schwen­kung zu Gunsten einer Verständigung mit der Regierung wegen der Militärvorlage vorzubereiten. Hierauf deuten wenigstens eine ganze Reihe von Vorgängen, die mit der Wahlbewegung zusammenhängen, im Lager der Centrums­partei hin; aus ihnen erhellt, daß in der Centrumswähler- schaft weit mehr Elemente, die zu einer solchen Verständigung neigen, vorhanden sein müssen, als dies nach der oppositionellen Haltung des weitaus größten Theiles der Centrumsfraction gegenüber dem Kompromiß Huene anzunehmen war. Vielleicht darf man den Umstand, daß der officielle Wahlaufruf der Centrumspartei immer noch nicht erschienen ist, diesem Ein­lenken wenigstens eines Theiles der Centrumswählerschaft in der Militärfrage mit zuschreiben.

Zu der vielbesprochenen Affaire Herbe tte- B aum b ach hat jetzt Oberbürgermeister Baumbach selbst das Wort genommen. Er veröffentlicht eine Erklärung, in welcher es heißt, seine (Baumbachs) bekannten Aeußerungen in einer Berliner Wahlversammlung bezögen sich darauf, daß er im verflossenen Winter dem Botschafter Herbette einmal begegnet sei. Dieser habe auf seine Bemerkung in Betreff einer französisch-russischen Allianz erwidert, er glaube nicht, daß

man von einer Allianz zwischen Frankreich und Rußland sprechen könne. Herr Dr. Baumbach scheint aber diese sehr wohlfeile Aeußerung des genannten Diplomaten in der That für baare Münze genommen zu Haden!

Mehrere Abendblätter veröffentlichen einen von Pro­fessor Mommsen, Dr. von Bunsen, Justizrath Makower und anderen bekannten Mitgliedern der liberalen Partei unter­zeichneten Wahlaufruf, welcher zu der Wahl von Mit­gliedern derfreisinnigen Vereinigung" auffordert, die im Reichstage ein befriedigendes Abkommen über die Militär­vorlage anstreben werde.