1893
Freitag den 21. April
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Anrts- und Anzeigeblutt für den T^veis <6iefzen.
Hratisbeikage: chießener Aamikienötätter
Amtlichev Theil
Vogelsberger
Vogelsberger
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Deutscher NeichsLug.
78. Sitzung. Mittwoch, 19. April 1893.
Abg. Fusangel ist anwesend.
Zunächst wird in bk erste Lesung deS Gesetzentwurfs Rtntelen, betr. Abänderung und Ergänzung der Vorschriften der Straf- prozeßordnuna über die Wiederaufnahme des Verfahrens und Entschädigung für unschuldig erlittene Strafen erledigt.
Es folgt die erste Leiung des Antrags Munkel, betr. die im Strafverfahren zulässigm Rechtsmittel in Verbindung mit dem Antrag
Parlamentarisches aus Hessen.
Der Bericht des dritten Ausschusses über die Beschwerde des Gerichtsaccessisten Simon Katzen st ein von Gießen wegen Ausschlusses von der Fortsetzung seinesVor-
v. Gagern.
Eigenthümer: Johs. Deibel VI. in Wieseck, Nasse, 16 Monat alt, braun, genügend.
Eigenthümer: HeinrichMack in Hochelheim, Raffe, V/3 Jahr alt, braun, genügend.
Eigenthümer: Friedrich Heß in Gießen', Raffe, P/2 Jahr alt, braun, genügend.
|iu«|nt wow Lnzrigew ju bet Rachmttt«^ für b« Wwntbew lag ^scheinenden Rümmer Ml vor». 10 llh».
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Nr. 93. Erstes Blatt
8iertrltähr»grt >lewHC*<atiyr»tii < 2 Mark 20 Pfg. mti Brmgerlohn Durch die Post
2 Mark 50 Psg.
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Industrie und Landwirthschaft.
Ein altes Sprichwort sagt: „Hat der Bauer Geld, so hals die ganze Welt!" Und dieses Sprichwort ist in mehr als einer Hinsicht wahr, denn wenn der Landwirth gute Einnahmen erzielt, so wird er sich auch veranlaßt fühlen, eine Menge Ankäufe für das Haus uni) seine Wirthschaft zu machen, er wird also Handel und Industrie in Nahrung setzen und so dazu beitragen, daß eben alle Welt Geld bekommt. Leider hat nun heutzutage der Bauer kein Geld oder er verfügt doch nicht über hinreichende Mittel, um eine Menge wünschenswerther Industrie- und Handelsartikel ankaufen zu können, denn eine schlechte Ernte im Jahre 1892 und eine Getreideüberproduction in den Kornländern der Erde im Jahre 1892, welche einen Preisfall des Getreides um hundert Procent im Gefolge hatte, ferner noch Viehseuchen und theil- weise auch Futtermangel haben zwei Jahre hindurch die Einnahmen der Landwirthe schwer, ja sehr schwer beeinträchtigt. Woher soll nun da Hilfe oder Besserung kommen? So wird mancher Landwirth seufzend fragen. Aber wir vermeiden es hier geflissentlich, zur wünschenswerthen Abhilfe eine Aenderung verschiedener Staatsgesetze zu empfehlen, denn das ist ein enorm schwieriger und vielleicht noch nicht einmal ein lohnender Weg. Wir möchten vielmehr die Landwirthe auf das Gesetz der wirthschaftlichen Wechselwirkung auch nach der anderen Seile hin aufmerksam machen, jeder Stand stützt in wirth- schaftlicher Hinsicht den anderen, der Landwirth den Industriellen, aber auch umgekehrt der Industrielle den Landwirth, und heutzutage, wo in Deutschland fast ebensoviele Menschen infolge der großen Anzahl der Fabrikarbeiter und Fabrikarbeiterinnen von der Industrie als von der Landwirthschaft leben, kann man mit einigem Reckte vielleicht auch sagen: Hat der industrielle Arbeiter Geld, so hat's die ganze Welt. Der Fabrikarbeiter verdiente in den letzten Monaten in den meisten Branchen allerdings auch wenig genug, denn die Industrie lag leider auch schwer darnieder. Aber in den jüngsten Wochen haben sich die Anzeichen außerordentlich gemehrt, daß die Industrie in vielen Zweigen einem neuen Aufschwünge entgegensieht, enorm wird diese Bewegung auch durch dos Vertrauen auf den Frieden und die große Geldflüssigkeit und wieder erweckte Unternehmungslust der Capi- talisten gestützt. Warum soll man da nicht hoffen, daß ein Wiederaufblühcn der Industrie und die gesteigerte Kaufkraft vieler Millionen Arbeiter auch der Landwirthschaft beffere Zeilen bringen wird.
Neueste
Wolffs telegraphische« Correspondenz-Bureau.
Berlin, 19. April. Der „Reichsanzeiger" hört, es [tätige sich, daß das kaiserliche Paar dem Papste
23. April einen Besuch abstatten werde. Der Besuch werde sich in denselben Formen bewegen, die beim ersten Besuche 1888 beobachtet worden seien.
Berlin, 19. April. Der „Reichsanzeiger" schreibt anläßlich der Reise des Kaiserpaares: Die innigen Freundschaftsbeziehungen, welche zwischen den beiden Monarchen und den Häusern Savoyen und Hohenzollern bestehen und eine kräftige Stütze für die gemeinsamen politischen Interessen der beiden verbündeten Staaten bilden, kommen, wie schon so oft und noch zuletzt im vorigen Jahre anläßlich des Potsdamer Besuches der italienischen Majestäten, auch jetzt in der Theil- nahme am Familienjubelfeste des italienischen Königspaares zu überzeugendem Ausdruck. Auch das deutsche Volk nimmt herzlichen Antheil an dem italienischen Familienfest, es sieht in dem Kaiser den erhabenen Dolmetscher für die Gefühle der Verehrung, die es für den Freund Deutschlands, König
Bekanntmachung,
betreffend die Abhaltung öffentlicher Faselschauen.
Bei der am 12. d. M. zu Gießen abgehaltenen öffentlichen Faselschau wurden die nachstehend verzeichneten Bullen für tauglich befunden, als Gemeindezuchtstiere verwendet zu werden.
Gießen, den 18. April 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Balser-Landmann,
taalage 30.
Spahn bezüglich Abänderung und Ergänzungen des GerichtSoer- fassungsgesetzeS und die Strafprozeßordnung.
Träger und Spahn begründen die Anträge.
Heine (Soc.) will das Recht der Berufung bloß den Angeklagten, nicht auch den Staatsanwälten geben.
Abg. Stadthagen (Soc.) spricht noch für die Einführung der
Nachdem Träger den Antrag Munkel zu Gunsten des Antrags Spahn zurückgezogen, wird dieser in der ersten Lesung erledigt.
ES folgt die erste Berathung des Antrags Munkel aus die Entfchädtgungspfltcht des Staates für die Entziehung und Beschränkung der persönlichen Freiheit, sowie für die unrechtmäßig voll- streckte^Strafe. bcfi antraß mU Beziehung auf die vom Staats- secretär Hanauer in den Vorjahren abgegebenen Erklärungen zurucr; eine diesbezügliche Vorlage gehe dem Hause zu.
Staatssecretär Hanauer bestreitet, eine bestimmte Zusage gemacht zu haben. . _
Äbg. Stadthagen (Soc.) nimmt den vom Abg. Trager zurückgezogenen Antrag wieder auf; dieser wird in erster Lesung erledt^ foigt die erste Berathung deS Gesetzmtwurfs Munkels, betreffend Abänderung für die im Vorverfahren und Verfahren in erster Instanz geltenden Bestimmungen der Strasprozebordnung.
Der Entwurf wird an eine Commission von 14 Mitgliedern
Donnerstag: Gesetzentwurf über Waarevbezeichnung, Wucher- gesctz und Seuchengtsetz.
Ausland.
— In der bedenklichen Arbeiterkrifis in Belgien ist ein plötzlicher Umschwung zum Besseren eingetreten. Die Arbeiterführer haben die strikenden Arbeiter in einem Manifest zur Einstellung des Strikes aufgefordert und ist das Manifest zur Stunde wahrscheinlich schon in Wirksamkeit getreten. Bestimmend für dieses Einlenken der belgischen Arbeiterführer gerade im Moment, wo von dem gewaltthütigen Strike nur noch ein Schritt bis zum Ausbruche einer wirklichen Arbeiterrevolution zu sein schien, war die in der Deputirtenkammer am Dienstag mit großer Mehrheit erfolgte Annahme des Antrages Dyssen, betreffend die Einführung des sogenannten Mehrstimmensystems bei den allgemeinen Wahlen. Hiermit kommt die Volksvertretung den Forderungen der Arbeiterpartei in Betreff des allgemeinen und gleichen Stimmrechts wenigstens in etwas entgegen, aber freilich haben die Arbeiterführer in ihrem Manifest bereits erklärt, mit diesem Zugeständniß sei das belgische Volk noch nicht zufrieden. Dasselbe werde vielmehr erst dann ruhig sein, wenn es das allgemeine Stimmrecht in vollem Umfange erlangt haben werde.
— In Serbien ist die Lage nach dem Staatsstreiche des jugendlichen Königs Alexander fortdauernd eine ruhige. Zwar wird ein Manifest der Liberalen angekündigt, welches einen Protest gegen die als unconstitutionell bezeichnete Einsetzung des radicalffortschrittlichen Ministeriums Dokic enthalten soll, bei der politischen Ohnmacht des gestürzten liberalen Regimes würde indessen ein solcher Protest wirkungslos verpuffen. Zu dem Reinigungsprozeß des Landes von der liberalen Mißwirthschaft gehört auch die Ankündigung der Auflösung sämmtlicher liberalen Gemeindevertretungen und die Wiedereinsetzung der früheren radicalen Vertretungen.
— Die Gefahr eines allgemeinen Ausstandes der eng- lischen Dockarbeiter scheint beseitigt zu sein. Der Präsident des Handelsamtes, Mundella, hat in den Strike der Dock- arbeiter zu Hüll vermittelnd eingegriffen und sind hiervon gute Früchte zu erwarten. Die Beilegung des Hüller Ausstandes würde natürlich den Ausbruch des geplanten allgemeinen StrikeS der englischen Dockarbeiter hmtanhalten.
Humbert und seine Gemahlin empfindet und die es in dem Wunsche zusammenfaßt: Das hohe Paar möge sich noch lange des Glückes erfreuen, das ihm bisher beschieden war, König Humbert möge noch lange zum Segen seines Volkes an der Seite seiner Gemahlin das schöne Land regieren, die Vorsehung möge die hohen Ziele der Verwirklichung entgegen- führen, die Humbert für das Glück des Volkes und die Erhaltung deS Friedens sich gesteckt hat. Das deutsche Volk begleitet das Kaiserpaar auf der Fahrt nach Rom mit um so dankbareren Gefühlen, als es darin einen erneuten Beweis für die Festigkeit dcs Bandes erblickt, das die beiden Staaten untereinander und zugleich mit Oesterreich-Ungarn verbindet.
Bozen, 19. April. Das deutsche Kaiserpaar ist gegen 8V2 Uhr hier eingetroffen. Die kaiserlichen Sonder- züge wurden wieder vereinigt. Während des halbstündigen Aufenthalts wurde das Kaiserpaar vom Erzherzog Albrecht und der Kronprinzessin-Wittwe Stefanie begrüßt. Die Weiterreise erfolgte um 8 Uhr 50 Min.
Rom, 19. April. Das Wetter ist prächtig, die Stadt sehr belebt. Die Eisenbahnen bringen Tausende von Fremden aus den Provinzen und dem Auslande- die Hotels sind überfüllt. Die möblirten Zimmer sind größtentheils ver- miethet. Die Via Nazionale, die Zugänge zum Quirinal, der Bahnhof prangen im Festschmucke. — Der Vertreter des Königs von Sachsen, General v. Carlowitz, ist eingetroffen.
Rom, 19. April. Die Abendblätter bringen dem deutschen Kaiserpaar den herzlichsten Willkommen. Die „Opinione" hebt hervor, daß die spontane Entschließung des Kaisers dem Besuche eine um so größere Bedeutung und Wichtigkeit gebe. Dank dieser Initiative habe sich das Familienfest zu einem glänzenden Zeugniß des Wohlwollen- Europs gegenüber dem italienischen Königshause und Italien umgestaltet. — Der deutsche Consul wird bei der Ankunft des Kaiserpaares zwölf Mädchen aus der deutschen Kolonie vorstellen, die der Kaiserin Blumen überreichen werden. Die deutsche Colonie wird am Bahnhose nicht anwesend sein, der Kaiser wird aber später eine Deputation von sechs hervorragenden Mitgliedern der Colonie empfangen.
Brussel, 19. April. Eine ministerielle Verfügung untersagt die Einfuhr aller Explosivstoffe nach Belgien. Zur Ueberwachung an den Grenzen werden besondere Maßnahmen getroffen.
Depeschen deS Bureau „Herold*.
Berlin, 19. April. Ahlwardt brachte nach der „Staatsbürgerzeitung" einen dringlichen Antrag ein, worin das Ersuchen an den Reichskanzler gestellt wird, Erhebungen über die Seitens der Discontogesellschaft von der rumänischen Eisenbahnactiengesellschaft erhobenen 12 bis 35pCt. Zinsen für Vorschüsse anzustellen. Ferner woher die 1874 an die rumänische Gesellschaft von der Reichshauptkasse und der Seehandlung entliehenen neun Millionen Thaler genommen wurden ; sodann über die für die nämlichen Darlehen Seitens Bleichröders und der Discontogesellschaft genommenen Provisionen und dem Reiche entzogenen Wechselstempel- weiter über den Erlaß des Actienstempels von einer viertel Million Mark an die rumänische Gesellschaft, endlich über die zur Zeit der Anlage des Jnvalidenfonds bereits bekannte Werth- losigkeit von 302 Millionen ungarantirter zur Anlage verwandter Eisenbahnobligationen, Untersuchung anzustrengen. Dem Anträge fehlt noch die hinreichende Unterstützung.
Berlin, 20. April. Die gestrige Sitzung der medi- cinischen Gesellschaft gestaltete sich zu einer großen Feierlichkeit, nämlich einer Ehrung für den ersten Vorsitzenden Prof. Virchow, welcher von England zurückgekehrt ist.
Berlin, 20. April. Ueber den Verlauf der Handelsvertragsverhandlungen mit Spanien verlautet, die von Spanien gemachten Gegenvorschläge, in Forderungen und Concessionen bestehend, würden gegenwärtig hier von den zuständigen Ressorts geprüft, sobald dies beendigt, würde das Ergebniß dem deutschen Botschafter in Madrid mitgetheilt und von dem Ergebniß der Ausnahme bei der spanischen Regierung hängen alsdann die weiteren Verhandlungen ab.
Budapest, 19. April. Der Landesverein der ungarischen Buchdrucker und Schriftgießer wurde vom Minister des Innern aufgelöst. Der Verein zählte 2375 Mitglieder.
Gießen, den 20. April 1893. Betr.: Ferien zwischen den Schuljahren.
Die
Srotzh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
an die Schulvorstände dcs Kreises.
Wir machen noch einmal besonders darauf aufmerksam, daß nach Bestimmung der höchsten Schulbehörde rubr. Ferien vom 24. bis 30. April zu ertheilen sind.
v. Gagern.
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24] MöblirteS Zimmer zu vermelden.
?7] Ein freundliches mMrteS Zim- in schöner Lage zu vermielhen, ____________Mrsüaße 16, HI, 9] SMblirttiBimmerju ümntdbm
Alicefiraße 23 Mansarde.
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93] «Mite» zimmn-H'
hen-__Marktfiraße 18, »
>91] Freund!, möbl- Zimmn zu ver- ben, FranksMerstraßr 1,2. St. iWMüZtäM^Setben.
741 UioblirtJ Zimmer zu vermielben'
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