Ausgabe 
21.2.1893
 
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Anrts- und Anzeigeblutt für den Kreis Gieren.

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Agenden Lag 'rscheinmden Nummer bi« vor«. 10 Uhr. J ^UUlUlCUVlUUCt. I Anzeige» für den ^«ießener Anzeiger- entgegen.

Amtlicher Theil.

Gießen, am 16. Februar 1893.

Betr.: Notirung des Handels mit Schlachtvieh nach Lebend­gewicht.

Das Grohherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Soweit Sie unserer Verfügung vom 23. v. M. (Kreis* blatt 23) noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an baldige Erledigung.

_____________________v. Gagern.__

Bekanntmachung,

betreffend den Oberhessischen Obstbauverein.

Freitag den 24. Februar d. I., Nachmittags 2 Uhr, findet auf Lonys Bierkeller zu Gießen eine Generalversammlung des Vereinsbezirks Gießen mit folgender Tagesordnung statt:

1. Was kann Seitens der Gemeinden zur Förderung des Obstbaues geschehen? Referent: Herr Landwirthschafts- lehrer Dr. von Peter zu Friedberg;

2. Unter welchen Verhältniffen gewährleistet der Obstbau die höchste Rentabilität? Referent: Vorsteher der pomo- logischen Gärten Herr C. Reichelt zu Friedberg;

3. Ist die Theilung des Vereinsbezirks Gießen in Sec- tionen wünschenswerth? Aufgeben der Sectionen?

Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des Obstbaues lade ich zu dieser Versammlung freundlichst ein, besonders ergeht diese Einladung an die Herren Bürger­meister des Kreises Gießen.

Gießen, den 14. Februar 1893.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberheff. Obstbauvereins.

x Rebel, Amtmann.

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Deutsches Reich.

Berlin, 18. Februar. Abermals hat Kaiser Wilhelm der Insel Helgoland einen Besuch abgestattet und hiermit erneut sein Interesse für dieses berühmte Eiland bekundet.

Feuilleton.

Eine Wette.

Fastnachts-Erzählung von S. tom Haoe.

(Schluß.)

Wie reizend* Sie scherzen," meinte Lemberg.

Ist gar kein Scherz, schöner Tscherkesse, leider nicht, Du kannst 's nur halt noch nit verstehen, na, macht nix, später wirst mirs schon glauben," sagte die Tyrolertn mit einem leichten Seufzer, denn der kleinen Kokette, in der der Leser wohl schon der Gräfin Waldhofs Zofe erkannt haben wird, gefiel der schöne Graf viel besser als ihr ehrsamer, ält­licher Schustergemahl.

Sie spielte darum auch ihre, erst nur aus Liebe zu ihrer Herrin übernommene Rolle selbst con amore, so daß Graf Lemberg entzückt war und sich schließlich, da Liebe und Cham­pagner über seine Ehescheu gesiegt, sogar hinreißen ließ, seiner vermeintlichen Gräfin Herz und Hand anzutragen.

Das hatte Frau Jeanette denn doch nicht erwartet, sie wußte im ersten Augenblick nicht, was thun, faßte sich indeß schnell und bat sich Bedenkzeit aus.

Diese kühle Aufnahme des großen Opfers seiner Frei­heit wirkte doch etwas ernüchternd auf Lembergs liebeglühende Stimmung, doch sagte er sich bald, das große Glück habe Ada betäubt, und die kluge Jeannette, seine Verstimmung so­fort bemerkend, verdoppelte nun ihre Liebenswürdigkeit und ließ sich sogar ohne Einwendungen bald darauf in das vom Rittmeister bestellte reservirte Zimmer zum Souper führen.

Nun nehmen Sie aber die Maske ab, theure Ada," bat er,hier sind wir ja allein und ungestört."

Scheint nicht," sagte aber Jeannette, die sich zwar nicht sträubte, als der Graf den Arm sogar um ihre Taille legte, die aber ruhig ihre Maske behielt, denn in diesem Augenblicke traten zwei Dominos ein, die ihnen, wie sie be­merkte, schon seit einiger Zeit gefolgt waren.

Dies Zimmer ist für mich reservirt," fuhr Lemberg ärgerlich die Masken an,ich muß bitten, es zu verlaffen und"

das unter seiner Regierung dem deutschen Mutterlande wieder gewonnen worden ist. Der Kaiser war in Begleitung des Prinzen Heinrich von Preußen an Bord des Panzercolosses König Wilhelm" Freitag früh von Wilhelmshaven aus in See gegangen und nach einer von schönem Wetter begünstigten schnellen Ueberfahrt auf Helgoland eingetroffen, wo ihm von der Bevölkerung ein begeisterter Empfang bereitet wurde. Der Monarch verweilte einige Stunden auf der Insel, worauf er mit seinem erlauchten Bruder die Rückfahrt nach Wilhelmshaven antrat und daselbst Nachmittags 5 Uhr wieder anlangte; Abends besuchte der Kaiser das Casino. Am Samstag Vormittag begab sich der Kaiser von Wilhelmshaven nach Oldenburg und stattete hier dem Großherzoglichen Hofe einen mehrstündigen Besuch ab- Abends trafer wieder in Berlin ein.

Die ablehnenden Beschlüsse der Militär- Commission des Reichstages in Sachen der zweijährigen Dienstzeit werden auf keiner Seite als maßgebend für das weitere Schicksal der Militärvorlage betrachtet. Vielmehr überwiegt die Meinung, es würden sich, wenn nicht im Laufe der zweiten Commissionsberathung, so doch im Plenum ernst­liche Verständigungsversuche geltend machen.

In der am 16. d. Mts. abgehaltenen Wochen- Plenarsitzung des Bundesrathes wurden einige kleinere Sachen erledigt und mehrere Vorlagen den zuständigen Ausschüssen zur Vorberathung überwiesen.

Herr v. Köller, der langjährige und hochverdiente Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses, feierte am Freitag unter allgemeinster Theilnahme seinen 70. Geburtstag. Das Abgeordnetenhaus pausirte deshalb am genannten Tage.

Exccllenz will heirathen! Reichskanzler Gras Caprivi beabsichtigt, demDeutschen Adelsblatte" zufolge, eine Gattin heimzuführen. Die Auserkorene des Kanzlers soll eine junge anmuthige Wittwe, Frau Oberst v. Lehmann, sein. Die Proclamirung der Verlobung wird schon nächster Tage erwartet.

Die Ersatzwahl zum Reichstage im Wahl­kreise Pr.-Stargar d-Berent hat die Wahl des pylnischen Candidaten v. Kalkstein zum Abgeordneten ergeben. Die Polen haben also dieses Mandat behauptet. Eine weitere Reichstagsersatzwahl findet an diesem Montag statt, im Kreise Ltegnitz-Goldberg, woselbst namentlich die Antisemiten schon seit Wochen eine äußerst rührige Agitation entfaltet

haben. Bekanntlich ist dieser Wahlkreis bis jetzt freisinnig vertreten gewesen.

Berlin, 18. Februar. Die Versammlung des Bundes der Landwirthe auf Tivoli ist von Tausenden aus allen Theilen Deutschlands besucht. Im Saale sind über 4000 Personen anwesend - die Fenster wurden geöffnet, um den außerhalb des Saales stehenden Taufenden das Hören zu ermöglichen. Die Stimmung ist sehr lebhaft. Gegen halb 3 Uhr wurde die Versammlung durch Herrn v. Plötz m't einer Ansprache eröffnet, die mit einem Hoch auf den Kaiser und die verbündeten Fürsten schloß- gleichzeitig wurde ein Be­grüßungstelegramm an den Kaiser beschloffen. Zum Vor­sitzenden wurde Plötz gewählt.

Berlin, 18. Februar. Die heute dem im Tivolisaale versammelten Bund der Landwirthe vorgeschlagene Resolution besagt, die Grundlagen, worauf die Stärke des Vaterlandes beruht, seien unversehrt zu erhalten- die Land­wirthe seien zu jedem Opfer für eine starke Militärmacht, die den Frieden erhalte, bereit. Die dauernde, sicherste Grundlage der Macht und Größe des Vaterlandes sei aber das Gedeihen der Landwirthschaft. Handelsverträge er­schütterten diese Grundlage derart, daß die Existenzfähigkeit der Landwirthschaft gefährdet werde - die drohende Gewährung weiterer Einfuhrvergünstigungen sei eine unerträgliche Schädi­gung. Der Reichstag wird gebeten, weiteren Zollherab­fetzungen die Zustimmung zu versagen und auf Förderung der landwirthschaftlichen Ausfuhr Bedacht zu nehmen.

Berlin, 18. Februar. Dem Gesundheitsamt wird vom 17. bis 18. Februar aus Altona ein Todesfall an Cholera gemeldet. Bei einer am 5. Februar erkrankten Person wurde nachträglich Cholera festgestellt.

Hamburg, 18. Februar. Die Hamburg-Afrika* Nische Dampfschiffs ah rts-Gesellschaft richtet eine dritte Linie über das Cap der guten Hoffnung bis nach Port Natal als Endpunkt ein.

Ausland.

Wien, 18. Februar. Die internationale Cholera- Conferenz tritt erst im Anfang März in Dresden zusammen. Das österreichische auswärtige Amt wird durch Freiherrn v. Hangelmüller, die österreichische Regierung durch Hofrath Kussy, den Referenten des Sanitätswesens, vertreten sein.

Pardon, lieber Graf, wenn wir stören, aber wir kommen nur"

Wegen der Wette," fügte, der andere Domino hinzu, während beide sich demaskirten.

Lemberg, Berg und Hagen in ihnen erkennend, unter­brach sie ungeduldig mit den Worten:Davon später, wenn ich bitten darf, meine Herren. Sie werden begreifen," fügte er mit einem Blick auf Jeannette hinzu, die sich wie Schutz suchend, säst zärtlich an ihn lehnte.

Vollkommen," erwiderte Berg, der die Verlegenheit des Grafen ordentlich genoß,wir wollen auch nicht lange stören, nur müssen Sie noch die neueste Verlobung hören: Herr von Saldern hat sich nämlich mit der Gräfin Waldhof ver­lobt, wir kommen soeben von einem Feste bei der Braut, wo die Verlobung gefeiert wurde."

Das ist unmöglich, das kann nicht sein," rief der Ritt­meister außer sich,denn Gräfin Waldhof ist hier und ich habe ihr soeben Herz und Hand angetragen. So nehmen Sie doch endlich die Maske ab, theure Ada, und sagen Sie, daß Sie einwilligen, meine geliebte Braut zu sein!"

Ruhig nahm Jeanette ihre Maske ab und brach das darauf folgende, plötzliche, fast beängstigende Schweigen, indem sie freundlich sagte:

Den ehrenden Heirathsantrag des Herrn Grafen kann

i leider nit annehmen, da ich zu meinem herzlichen Bedauern schon einen Mann hab. Aber wie mi dös freut, daß mei Gräfin sich verlobt hat! Da muß i noch gleich heut Nacht gehen und ihr Glück wünschen, Jetzt sag i aber dem Herrn Grafen noch meinen schönsten Dank für die feine Bewirthung und das andere gütige Anerbieten, ja, hält i nur nit schon einen Mann, es ist wahrhaftig zu schad!."

Stumm vor Schreck hatte der Rittmeister dagestanden, endlich rief er:

Aber in des Teufels Namen, wer sind Sie denn eigent­lich und wie konnten Sie es wagen, sich für die Gräfin Wald­hof auszugeben?"

Da lachte Jeanette ein wenig, dann aber sagte sie mit einem Versuch, gekränkt auszusehen:

Aber, Herr Graf, dös hob i ja gar nit than, der Herr

Graf selber haben mich immer theure Ada genannt, i dagegen hab oft versichert, daß ich ka Gräfin bin, sondern nur a Ver­käuferin, und daß i nit Ada, sondern Jeanette hoiß, und das ist mei Nam, i war Zofe bei der Frau Gräfin Waldhof, jetzt bin i leider mit dem Schuster Joseph Sedlmayr ver- heirathet, sonst hätt i nur zu gern den Herrn Grafen ge­nommen. Und nun nix für ungut, Herr Graf, und gebens

uns wenigstens die Ehr Ihrer Kundschaft, die ganze Maskenball­geschichte bleibt dann unter uus, auch der Sepp brauchts nit

zu wissen, für den ist das zu hoch, der verstehts doch nit,

aber feine Stiefel macht er, das muß man ihm lassen. Hier hat der Herr Graf unsere Adreß," damit nahm sie aus ihrem Körbchen eine Geschäftskarte mit I. Sedlmayr, Herren­schuhmacher, L.straße 9, und empfahl sich mit einem zärtlich 1 bedauernden Blick auf Lemberg, der Joseph Sedlmayr nicht gefallen haben würde.

Als sie gegangen, starrte Lemberg noch immer auf die krampfhaft in der Hand gehaltene Adreßkarte. Endlich be­merkte er die redlichen, aber vergeblichen Versuche der beiden Offiziere, ernst zu bleiben, und rief:

So lachen Sie doch nur, meine Herren, geniren Sie sich nicht! Donnerwetter, habe ich mich btamirt! Wenn ich nur wüßte, wer mir diesen nichtswürdigen Streich gespielt hat, denn außer uns vier Herren hat doch Niemand um die Wette gewußt."

Und unser Schweigen war Ehrensache und bleibts," erwiderte Lieutenant Berg ruhig.Aber zufällig," fuhr er lächelnd fort,kann ich Ihnen doch die gewünschte Aus­kunft geben."

Nun erzählte er, was ihm Fräulein von Richthofen mitgetheilt.

Mir," fügte Lieutenant von Hagen hinzu,hat die reizende junge Dame auch noch Glück wünschen lassen zu der gewonnenen Wette."

Wahrhaftig," rief der Rittmeister wüthend,daran i dachte ich noch gar nicht in meinem Aerger über diese ! furchtbare Blamage, daß ich mit der Wette auch noch meinen ! Olaf verloren!"