Ausgabe 
20.8.1893 Erstes Blatt
 
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189?

Sonntag den 20. August

Zlintr- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Hratisbeitage: Gießener Kamitienbkätter

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thätlg für das Theater, indem es Ihm gelang, mehrere damals noch ganz unbekannte Bühnentalente, wie Hermann Winkel- |

BierleliLhnger A»sn«eme,1,ffret-, 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post btjog» 2 Mark 50 W

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Heute will ich Ihren freundlichen Lesern von einem Ereigniß berichten, das zwar nicht in Darmstadt selbst statt- gefunden hat, das jedoch mit unserer Residenz in innigstem Eonnexe steht. Es ist die« die Enthüllung des Pasquö- Denkmals in dem nahen Ausflugsorte Alsbach a. d. Berg­straße. Gerade für Darmstadt, meine ich, hat diese Feier besonderes Interesse, denn durch sie wird der überaus großen Zahl der -hiesigen Freunde und Verehrer des Entschlafenen sein theuereS Bild von Neuem vor die Seele gestellt, sein theureS Andenken von Neuem im Geiste ausgefrischt. In allen Schichten der Bevölkerung, besonders aber in Künstler- und Literatenkreisen war Ernst Pasquö ein äußerst beliebter und gern gesehener Gast und wie weit ihn auch die Stürme des Lebens in der Welt umherwarsen, sein geliebtes Darm­stadt hatte er nie vergessen, denn dreimal sehen wir ihn während seiner Laufbahn als Sänger und später als Schrift­steller wieder hierher zurückkehren, um dann hier auch sein Leben zu beschließen. Ernst Heinrich Anton Pasque, ein geborener Kölner, machte seine Studien im Gesang und Spiel zuerst in seiner Vaterstadt, dann in Paris. An beiden Orten pflegte er regen Verkehr mit dem munteren, lebensfrohen Künstlervolke, so vor Allem mit seinem Landsmann, dem Operettencomponisten Jaques Offenbach, ferner mit Adolf Adam, Spontinl u. a. Die Erinnerung an jenes fröhliche, ungebundene Treiben seiner Jugendzeit begeisterte den Dichter später zu seinem Werke:In Paris, heitere Geschichten auS

Alle Annnncen-vurcaux de- In- und »u»lanbe« nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

9lt. 195 Erstes Matt

Feuilleton.

Wochenbriefe aus der Residenz.

(Originalbericht für denGießener Anzeiger".) Darmstadt, 18. August 1893.

Darmstädter Dichter. Vorbereitungen für die Winter- Saison. Jubiläum de8 Bicycle-Clubs.

Meßmer Anzeiger

Kemral-Wnzeiger.

pottttsche Wochenschau.

Hießen, den 19. August 1893.

Je näher der Termin der neuen Rekrutenaushcbung rückt, umsomehr steigert sich naturgemäß das Interesse weiter Kreise an den practischen Folgen der neuen Militär- Vorlage. Mit der einfachen Mehremstellung von 54000 Mann ist die Angelegenheit eben nicht wie man Anfangs vielfach im Publikum angenommen hat vomg erledigt. Vor Allem interessirt weite Kresse die Frage, was denn aus denjenigen Mannschaften werden wird, die der Ersatzreserve überwiesen sind und vielleicht ,chon ernt Hebung absolvlrt haben. Diese Frage sührt zu der weiteren: welche Gestalt wird denn die Ersatzreserve überhaupt an­nehmen ? Bekanntlich sind seither 80 bts 90 000 Mann der Ersatzreserve überwiesen worden, und zwar erstens dte Heber- ziidliaen mit hoher Looönummer, zweiten« die wegen h-lu«. licher Verhältnisse im Frieden vom Dienst Befreiten, dritten« die bedingt Tauglichen und endlich die zeitig Dienstuntaug­lichen Soweit mehr al« 90000 mann au« diesen Sategonett vorhanden waren, wurden sie sogleich dem Landsturm ersten Ausaebote« zngecheilt. Diese Verhältnisse andern sich nun- mehr von Grund aus. Bon den seither der Ers°tzr-s-rv- zusallenden 90000 Mann werden 54000, vornehmlich au» den Klassen der Uederzähligen und bedingt Tauglichen, sür di- Linie audgehoben. E« bleiben somit der Er °hr-s-r°- 9630000 Mann. Sie würde also unter diesen Umstanden nicht im Stande fein, ihrer Bestimmung gemäß nach Verfluß von sieben Jahren den erforderlichen Ersatz von 500 000 Mann für den Kriegsfall zu stellen. Der Ausfall muß demnach

den Lehrjahren eines Sängers", worin er in ganz köstlicher Weise seine damaligen Erlebnisse schildert. Heberhaupt spielt der größte Theil seiner Romane und Erzählungen eben In Künstlerkreisen, denen er immer neue interessante Setten und anregende Stoffe abzugewinnen wußte. Bon Paris aus begab sich der jugendliche Sänger nach Mainz, wo er im Jahre 1844 zum ersten Male die Bühne betrat. Ein mehrjähriges Engagement an unserer Hofbühne war die Folge dieses ersten glücklichen Auftretens. Schon in dieser Zeit war der Sanger zugleich als Dichter eifrig thätig- zwei größere dramatische Opernscenen, die uns auS jenen Tagen erhalten sind, legen ein beredtes Zeugniß hierfür ab. Nach einigen Jahren unstaten Wanderns von einer großen Bühne zur anderen kehrte Pasqus 1847 wieder nach Darmstadt zurück, wo er denn auch, geringe Unterbrechungen abgerechnet, bis 1855 als Opernsänger ver­blieb. Im Sommer letzteren Jahres übernahm er dann dte Leitung der deutschen Oper in Amsterdam, wirkte von 1856 an drei Jahre in Weimar als Opernregisseur gleichzeitig mit Franz Liszt als Capellmeister und Franz Dingelstedt und kehrte 1859 abermals an unser Hoftheater zurück. Leider war es ihm jetzt nicht mehr vergönnt, als Sänger die Bretter, die die Welt bedeuten", zu betreten, seine Stimme hatte nämlich durch die immense Arbeit, die er begangen und der er mir eisernem Fleiße und riesiger Geduld lange Zett hindurch während jeder freien Stunde in dem Großh. Haus- und Staatsarchiv in dem Studium theilweise Jahrhunderte alter bestaubter Acten und Correspondenzen oblag, erheblich gelitten, sodaß er im besten Mannesalter seine seitherige Laufbahn, die ihm so viele Triumpfe und Erfolge eingebracht hatte, verlassen mußte. Er widmete sich deshalb ganz dem Schrtft- stellerberuf und übernahm die artistische Leitung unserer Hof­bühne. Im Jahre 1874 wurde er auf sein Nachsuchen pensionirr, doch war er auch in späteren Jahren noch mehrfach

Der ttc|rxrr erscheint täglich, .Wit Lusnabmk bei Montags.

Di' Gießener ^«eirU*6ritter T'-rrm Nm Anzeiger Mtbdr ' t dreimal gelegt.

mann, die Sängerin Czerwenkn u. a. anfzufinden und für unsere Hofbühne zu gewinnen. Seme ausgezeichnete Geschichte des Theaters und der Musik am Hofe zu Darmstadt von 1559 bis 1710, e<n Werk überGoethes Theaterleitung in Weimar», -in- Frankfurter Musik- und Theat-rg-schicht- ent. stammen jenen Zeiten. Ferner -ine zahlreiche Anzahl van Operntexten, di- von Kreutzer, David, Lassen u. a. compomtt wurden, verdanken wir der sruchtbaren Schaffen«sreud>gkeit de» nun seit Jahresfrist Entschias-n-n.

In den letzten Jahren seines Lebens hatte sich Ernst PaSquö in dem benachbarten Alsbach an der Bergstraße, auf einem reizenden Fleckchen Erde, ein idyllisches TuSkulum ge- schaffen, das ganz nach dem Geschmacke seines Besitzers aus- qestattet, eine Fülle von interessanten Andenken an zahlreiche Sterne, die einst am Kunsthimmel glänzten, in seinem Innern barg. Von dort aus erfreute er seine Darmstädter Verehrer und Freunde noch kurz vor seinem Tode durch eine Bearbeitung von WebersSilvana" und MangoldsDer getreue Eckart . Dort in seinem herrlichen buen retiro schloß der auch sonst als trefflicher, edler Mensch allgemein hochverehrte und geschätzte Dichter am 20. März vorigen Jahres die Augen zum ewigen Schlummer. Unb dort haben auch seine zahlreichen Verehrer und besonders die dem Heimgegangenen dankbare Gemeinde Alsbach, ein Denkmal errichtet, das den kommenden Ge­schlechtern erzählen soll von dem begeisterten Sanger der Bergstraße, aus deren Vergangenheit er in Lied und Wort so manche herrliche Sage erzählt hat.

Doch zurück nach Darmstadt. Dort ist es momentan noch recht ruhig im gesellschaftlichen Leben. Allerdings hier und da regt -« sich schon so ganz tm Stillen zu den Bor. b-reitungen sllr di- kornm-nde Lonc-rl- und Th-at-rsalson. Schon erlassen di- einzelnen Vereine ihr- "pp°lleandie Mitglieder betreffs der Veranstaltungen irn kommenden Herbst und Winter. Indessen wird imHosthealer fleißig gearbeitet, denn schon am 1. September öffnen sich die Pforten unsere»

Unnahmr von Anzrigkn zu her Nachmittags für den felgtnbtn Tag rrfchemrndrn Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Amtlicher Theil.

Gießen, den 18. August 1893.

S e t r.: Die Herbstübungen der Großh. (25.) Division; hier die Abschätzung der Flurschäden.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gieße«

an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 16. d. M. (Kreisblatt Nr. 193) und die Bestimmungen im Reichsgesetzblatt Nr. 35 von 1887 S. 446 zu § 14 beauf­tragen wir Sie, die Grundbesitzer alsbald, nachdem dte Hebungen innerhalb Ihrer Gemarkung beendet sind, durch ortsübliche Bekanntmachung zur Anmeldung ihrer Flurschaden aufzufordern. JU fertigenden Zusammenstellung der

angemeldeten Schäden ist das vorgeschriebene Formular zu verwenden, welches als Beilage E zur Instruction in dem vorgenannten Reichsgesetzblatt S. 481 abgedruckt ist. Die da­selbst gegebenen Anmerkungen Nr. 1-4 sind genau zu beachten.

Das Formular wird Ihnen auf Anstehen durch uns übersandt werden. Sie wollen dasselbe, so­bald Schadensanmeldungen bei Ihnen erfolgen, unter Angabe der ungefähren Zahl der beschä- bigten Grundstücke schleunigst von uns erbitten. In dem Formular sind die erfolgenden Anmeldungen nach Flur und Nummer geordnet durch Ausfüllen der Spalten 15 mit Tinte einzutragen, während die Spalten 69 mit Bleistift auszufüllen sind. Die Spalte 6 a, Forderung des Beschädigten, ist nur auszufüllen und zwar mit Tinte, wenn der Beschädigte thatsächlich einen bestimmten Anspruch erhebt. Bei Ausfüllung der Spalte 7 empfiehlt sich Angabe des Verlustes von Körnern, Heu, Kar­toffeln 2c. in Gentnern. Die Spalten 7 und 8 sind so aus- zufüllen, daß die Entschädigungsbeträge im Wege der Be­rechnung genau ermittelt werden können.

Unmittelbar nach eingetretener Beschädigung haben die Betheiligten Ihre Entscheidung darüber anzurufen, ob und inwieweit die Aberntung der beschädigten Felder einzutreten hat. Letztere ist anzuordnen, insoweit beim Verbleiben der Früchte auf dem Felde ein höherer, als der durch die Truppen verursachte Schaden entstehen würde, namentlich also bei Früchten, welche dem Verderben ausgesetzt sind. Wird die Aberntung demgemäß vor dem Eintreffen der Abschätzungs­commission angeordnet, so haben Sie sofort unter Zuziehung zweier, her Abschätzungen dieser Art kundigen, unparteiischen Personen den Stand der beschädigten und abzuerntenden

Felder, das Quantum (Fuder u. s. w.) und die Qualität der übrig gebliebenen Früchte und deren etwaige wettere Ver- wendbarkeit (z. B. als Viehfutter) und den sich hiernach er- gebenden Umfang des Schadens festzustellen. Es ist hierüber ein kurzes Protokoll aufzunehmen und der Nachweisung bei­zuschließen, in welcher das Ergebniß der Abschätzung mit be­sonderer Erwähnung Ihrer Verfügung wegen des Aberntens in Spalte 10 einzutragen ist. Zur Abschätzung sind die Beschädigten zu laden.

Für ihre Thätigkeit in Flurschadenangelegenheiten be­ziehen die Großh. Bürgermeister keine Vergütung. Die Thett- nahme bei der Abschätzung gehört zu Ihren Pflichtgeschaften.

Indem wir noch auf unser Ausschreiben vom 24. Marz d. I. (Kreisblatt Nr. 73) verweisen, wonach die bei Ihnen zur Anmeldung kommenden Schäden in dem Formular em utragen sind, ohne daß Sie die Feldgeschworenen wie früher zur vorläufigen Abschätzung heran­ziehen, beauftragen wir Sie, die nach Maßgabe der vor­stehenden Bestimmungen ausgefüllten Nachweisungen thunlichst bald und spätestens bis zum 27. September d. I an uns einzufenden. , ,

Sollte bis dahin die Zusammenstellung noch nicht be* endet sein, so ist uns jedenfalls anzuzeigen, daß Flurschäden zur Anmeldung gekommen sind.

I. V.: Dr. Melior.________________

Bekanntmachung,

betreffend Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft für die Gemarkung Inheiden und einen Theil der Fluren III und IV der Gemarkung Feldheim.

Nachdem Großh. Ministerium d. I. und d. I. durch Verfügung vom 10. August 1893 zu Nr. M.J. 22974 dem Statut der rubricirten Wassergenossenschaft d« Genehmigung ertheilt hat, wird in Gemäßheit des Art. 38 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 nachstehender Auszug aus demselben unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntmß gebracht, daß das Statut mit feiner Verkündigung in Kraft tritt.

1., Name der Genossenschaft: Wassergenossenschaft Inheiden.

2., Sitz derselben: Inheiden.

3., Gegenstand des Unternehmens: Ent- und bezw. Be­wässerung der Fluren IVI der Gemarkung Inheiden und III-IV der Gemarkung Feldheim. m t

4., Die von der Genossenschaft ausgehenden Bekannt­machungen werden unter der BezeichnungWassergenossenschaft Inheiden" im Kreisblatt für den Kreis Gießen bekannt gc* macht und vom Vorsteher unterzeichnet.

Gleichzeitig wird Tagsahrt zur Wahl des

Genossenschaft^- Vorstandes aus Samstag den 2. September 1S93, Vormittags 9 Uhr, in das Gemeindehaus zu Inheiden anberaumt und zu derselben die Generalversammlung der Genossenschaftsmitglieder hierdurch einberufen.

Gießen, den 16. August 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.__

Gesunden: 1 Siegelring, 1 Zwicker, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Bierzipsel, 2 Tasch-nm-ff-r, 3 *1«* 2 Taschentücher, 1 Badehaube, 1 Hut, 1 Packet mit Inhalt, 1 Kinderschuh, 1 Hundehalsband, 1 Kette und 1 Dachdecker- Hammer.

Zugelaufen: 1 Hahn.

Gießen, den 19. August 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.