v- Leipziger, Bauermeister, Graf Holstein, Graf Knüphausen, Graf v. Roon, v. Hammerstein, Hauffe-Dahlen, Frege.
„ r 18 Reich-Partei.
Holtz, Graf Arnim, Graf Bismarck, Leuschner, Scherre, Frhr. v. Stumm, v. Herder, Frhr. v Gültlingm, Frhr. v. Hepl, Nauck, Baumbach, Zorn v. Bulach, Höffel.
15 Ratioiralltberale.
Hofang, v. Benda, Plackc-Aken, Feddersen, Kruse, v. Bennigsen, Hofmann, Boltz, Bürkltn, o. Marqaardsen, EhrenSberger, Bayerlein, Bantleon, Friedberg, Rtekebof-Böhmer.
_ r 71 Centrum.
Krebs, Hartmann, Nadbyl, Wolny, Stephan, Metzner, Szmula, Letocha, Conrad, Frank (für M.), Klose, Citronowski, o. Scbalscha, Horn, o. Strombeck, Zimmermann, o. Heeremann, Beckmann, Watten- oorf, Hesse, Fusangel, Lieber, Müller, Lmgen, Spahn, Lingens, de Witt, Marcour, Fritzen (zweimal), v. Kehler, Bachem, Weidenfeld, Bender, Wellstein, Braubach, Broekmann, Dieben, Rintelen, Roeren, Prinz Arenberg (für M.), Bock, Mooren, Graf Hompesch, Hitze, Bumiller, Beuerle, Aichbichler, Lchemeter, Mayer, Sigl, v. Lama, Lerzer, Wenzel, Schädler, Haus, Deuringer, Wildeager, Zott, Reindl, Schöpf-Pfaffenhausen, Schmid, Wengert, Gröber, .Braun, Rembold, Hug, Lender (für M.), v. Buol, Graf Galen, Haas, Rudolphi.
0 Urei finnige BoUspartei.
m 4 Süddeutsche »olk-partei.
Payer, Haußmann, Hartmann, Pflüger.
2 Ureifinnige Bereinigung.
Barth, Freese.
24 Soeialdemokrate«.
Singer, Liebknecht, Tutzauer, Schönlank, Legien, Frohme, v. Vollmar, Grillenberger, Geyer, Schmidt, Schippel, Auer, Stolle, Seifert, Hofmann, Blos, Reißhaus, Bock, Förster, Wurm, Bebel, Dietz, Metzger, Bueb.
0 Welfen.
10 Polen.
v. Polczynski, v. Kalckstein, Wolszlegier, v. Kwtlecki, Kubicki, v. Dziemdowski, o. Jagdzcwski, Fürst Radziwill, v. KoscielSki, Prinz Czartoryski.
8 Antisemiten.
Ahlwardt, Liebermann v. Sonnenberg, Gräfe.
m 2 Bayrische Bauernbündler.
Bachmeier, Lutz.
_ 6 elsüsfische Protefiler.
Winterer, Guerber, Simonis, Colbus, Neumann, Küchly.
6 Wilde.
Prinz Carolath, Thomsen, Gescher, Pöhlmann, Bostetter, Prinz U. o. Hohenlohe.
1 DLne.
Johannsen.
Cteafe* utt6 peovinzseller.
Gieße», 19. Juni 1893.
** Bon der Universität. Zu der wie herkömmlich am 1. Juli begangenen Stiftungsfeier der Universität werden die Studierenden vom derzeitigen Rector, Herrn Prof. Jörs, auf Dienstag, den 20. d. M., 12J/2 Uhr Mittags, in der kleinen Aula zur Besprechung eingeladen. Die Cor- porationsstudenten entsenden je einen Vertreter, die nicht einer Corporation zugehörigen Studenten drei gewählte Vertreter. Zwecks dieser Wahl findet heute Abend in Steins Garten um 9 Uhr eine Besprechung statt.
** Coucert Verein. In einer früheren Notiz hatten wir bereits der, am kommenden Mittwoch um 5 Uhr in der Stadtkirche stattfindenden Aufführung von Bruchs Glocke gedacht. Wir wollen heute, als Ergänzung dieses Berichtes, einige, über die mitwirkenden Solisten uns zugegangene Urtheile unseren Lesern unterbreiten. Heber Herrn Müller aus Frankfurt und Herrn Zar ne ckow-Bcrlin haben wir wohl nicht nöthig, empfehlende Worte zu bringen, beide Herren werden von unseren Lesern und uns als treffliche Oratoriensänger schon lange geschätzt. Von den Künstlerinnen, die hier noch weniger bekannt sein dürften, nennen wir zuerst Fräulein Strauß- Kurzwelly aus Leipzig- Dr. Oscar Paul, der bekannte Kritiker und Musikprofessor, bezeichnet die Dame als ausgezeichnete Concert - Sängerin, ein Unheil, dem sich die Preßstimmen aus Leipzig, Magdeburg, Chemnitz, Dresden und anderen Städten voll und ganz anschließen. Gelegentlich einer Aufführung des Requiem von Brahms lesen wir in der Reichenberger Zeitung: Zu besonderem Glanze aber wurde die Aufführung erhoben durch die treffliche Besetzung der Solo-Partien. Als Sterne erster Größe leuchteten allen Uebrigen voran Fräulein Clara Strauß-Kurzwelly, Concert« sängerin auS Leipzig und der herzoglich sächsische Kammersänger Herr Edmund Glömme, jetzt in Dresden. Erstgenannte Dame entfaltete eine Pracht der Stimmmittel, welche einhelliges Entzücken hervorrief und an weltlichem Orte wohl rauschenden Beifall entfesselt hätte. Der Vortrag dieser Künstlerin war gleich vornehm, fein durchdacht, als warm zum Herzen sprechend. Wie lichtvoll erhob sich ihr Gesang „Ja komm, Herr Jesu komm!" über die düsteren Tonfluthen des Bach'schen Chores: „ES ist der alte Bund, Mensch, du mußt sterben?" Und der fünfte Chorsatz des „Deutschen Requiem" scheint sich erst in seiner ganzen verklärten Schönheit zu erschließen, wenn das Sopran-Solo darin so glockenrein, innig und in solcher Tonsülle erklingt, wie wir es von Fräulein Strauß-Kurzwelly hörten. Auchvon Fräulein Kathinka Schäfer aus Frankfurt haben wir nur Rühmliches vernommen, Herr Dr. Bernhard Scholz empfiehlt die treffliche Sängerin, die ihre Studien in dem bekannten Hoch 'schen Konservatorium mit größtem Erfolge absolvirte, auf das Wärmste- einem solchen Urtheil, von so competenter Seite darf man unbedingt gläubig vertrauen. Die Mitwirkung so bewährter Kräfte läßt eine künstlerische Aufführung der Glocke von Bruch mit voller Bestimmtheit Voraussagen und dürfte ein Besuch der Kirche am Mittwoch und zur Hauptprobe am DienStag sehr lohnend sein.
Die Gießener freiwillige Feuerwehr feierte am vergangenen SamStag ihr 3 8. Stistungsfest im Saale des CafS Leib. Die Feier wurde eröffnet durch einige Concert- stücke, hierauf folgten Ansprachen seitens deS 1. Hauptmannes Herrn Grün, des Herrn Oberbürgermeisters Gnaulh, welcher im Namen des Stadtvorstandes erschienen war, des Herrn Provinzialdirectors Freiherrn vonGagern und von mehreren hiesigen und auswärtigen Kameraden. Der Glanzpunkt deS Abends war ein lebendes Bild, welches von mehreren Feuerwehrleuten dargestellt wurde und unter den zahlreich Anwesenden allgemeinen Beifall fand. ES folgten
dann noch Eoncert, Gesang und Unterhaltung. Zuletzt reihte sich noch ein gemüthliches Tänzchen an, au* welches die anwesenden Damen schon lange mit Ungeduld gewartet batten. Wir aber wünschen der Gießeoer freiw. Feuerwehr ein stetiges Wachsen und Gedeihen zum Wohle und zur Sicherheit unserer Stadt.
** Am 17. d. Mts. war in Darmstadt der LandeSaus- schuß der landwirthschafUiche» Vereine — auch Herr Meinert in Conradsdorf nahm an der Sitzung theil — versammelt, um Stellung zu nehmen zu dem Nothstand der Landwirth- schaft, wie er durch die abnorme Witterung dieses Jahres hervorgerufen ist. An dieser Sitzung betheiligten sich als Vertreter der Großh. Regierung der Staatsminister Excellenz Finger, die Herren Geheimrath Jaup, Oeconomierath Müller, der Regierungsrath Nover. Nach Klarstellung der Nothlage und der hierdurch hervorgerufenen Bedürfnisse wurden folgende Maßnahmen einstimmig als erforderlich bezeichnet: 1. Um dem augenblicklichen Bedürfniß an Streu und Futter nach Möglichgkeit Genüge zu leisten, muß der Landwirthschaft so viel Laubstreu und junges Grün der Aeste (zum Füttern) zur Verfügung gestellt werden, als irgend nur angängig. Die Aufmachung des Laubes soll, um Unkosten zu vermeiden, durch die Kaufenden selbst gestattet werden. 2) Nutzung des im Walde wachsenden Grases soll in diesem Jahre lediglich zu Viehfutter den darum Ansuchenden und möglichst noch zu billigeren Preisen als seither freigegeben werden. 3) Auf Veranlassung der Großh. Regierung wird Torsstreu bezogen und aus zu errichtenden Lagern an Landwirthe zum Selbstkostenpreis unter Stundung des Geldbetrags auf mehrere Jahre hinaus verabfolgt werden. 4) Die Ausbeutung der im Großherzogthum befindlichen Torfläger (Ried, Wetterau, Vogelsberg) ist nach dem einzuholenden Gutachten Sachverständiger umgehend in Angriff zu nehmen. Das zu gewinnende Material ist den Landwirthen Hessens zu den Gestehungskosten möglichst ohne Berechnung von Bahntransport- spesen zu überweisen. 5) Weichhölzer sind aus den fiScalischen Waldungen zwecks Anlagen von Lagerpritschen für das Vieh zu Tarifpreisen event. billiger zu verabfolgen. 6) Kraftfuttermittel und Preßheu werden nach Anmeldung des Beoarfs seitens der einzelnen Gemeinden durch Vermittlung des Verbands der Consumvereine, seitens des Staates beschafft und den Einzelnen ebenfalls gegen Stundung der Beträge für mehrere Jahre zum Selbstkostenpreis verabfolgt.
Die Herren Regierungsvertreter äußerten ihr volles Ein- verständniß mit den gestellten Forderungen. Es wird zur Beschaffung der nöthigen Mittel (die sich auf Millionen belaufen dürften) der bereits verabschiedete Landtag nochmals ! zusammenberufen werden. Das Commando der Großh. Division ist bereits seitens des Ministeriums verständigt, daß eine Fouragelieferung während der diesjährigen Manöver auf dem Lande von diesem nicht zu fordern ist. Es soll weiterhin in maßgebender Stelle in Berlin befürwortet werden, daß angesichts des herrschenden Nothstandes von Abhaltung der Manöver in diesem Jahre überhaupt abgesehen werde. — Dies die Thatsache, wie solche sich aus dem Vorgehen deS Landes-Ausschusses der Landw. Vereine und dem Entgegenkommen der Großh. Staatsregierung ergeben. — Gut, daß diese Staatsregierung noch zur Stelle und nicht — wie nach ' anderem Vorschlag — zur Ausstellung nach Chicago verschickt war.
** 3« beu sämmtlicheu hessischen Wahlkreisen, mit Ausnahme von Worms-Heppenheim, wo Freiherr v. H e y l mit großartiger Majorität gesiegt hat, haben Stichwahlen stattzufinden und zwar in dem Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach: zwischen dem Nationalliberalen Professor Dr. Backhaus und dem Antisemiten Zimmermann; in dem Wahlkreis Gieße n-G r ü n b e r g: zwischen dem Natialliberalen Meinert und dem Antisemiten Köhler- im Wahlkreise Friedberg- Büdingen: zwischen dem Nationalliberalen Grafen O r i o l a unddemAntis. Bähr. Im den beiden erstbezeichneten Wahlkreisenhat der nationalliberale Candidat bedeutenden Vorsprung, im Kreise Gießen-Grünberg hat dagegen bis jetzt der Antisemit die Majorität. Im Wahlkreis Offenbach-Dieburg und Darmstadt-Groß-Gerau stehen die nationalliberalen Candidaten Kreisrath Haas und Dr. Osann in Stichwahl mit den Socialdemokraten Ulrich und Cramer, während im Wahlkreis BenSheim-Erbach der nationalliberale Scipio mit dem Antisemiten H i r s ch e l in die Stichwahl kommt. In allen diesen Wahlkreisen stehen die Wahlaussichten für die nationalliberalen Candidaten nicht ungünstig. Im Wahlkreis Offenbach-Dieburg liegt die Entscheidung in den Händen des Centrums. Das Gleiche gilt von dem Wahlkreis Alzey-Bingen, wo der freisinnige Träger mit dem nationallibcralen Avenarius in Stichwahl kommt. Im Wahlkreis Mainz-Oppenheim wird voraussichtlich der SocialdemokratJö st gegen den nationalliberalen Braun wiedergewählt worden.
** Verhaftet wurde ein Fremder, welcher gestern Nachmittag in seiner Trunkenheit in verschiedene Häuser der Frankfurterstraße eindrang, um feinen Rausch auszuschlafen ebenso- ein obdachloser Kellner und ein Frauenzimmer.
H. Heuchelheim (Kreis Büdingen), 18. Juni. In An- betracht her Zerfahrenheit und Zerrissenheit unter den Wählern ist es eine angenehme Pflicht, Beispiele von einträchtigem Sinne hervorheben zu können, wie es in der heutigen Nr. 141, erstes Blatt des „Gießener Anzeigers" v. 18. er. aus Ermenrod geschehen ist. Auch in unserer Gemeinde ist ein solcher Fall vorgekommen, denn alle 48 Abstimmende wählten Meinert. Dieser Beweis von Eintracht wiegt aber um so schwerer, weil es noch gar nicht so lange her ist, daß die Bürgerschaft wegen der Bürgermeisterwahl scharf gespalten war. Bei der ReichStagswahl verschwand jeder Bürgerzwist, Mann für Mann votine für Meinen. Dadurch hat die Einigkeit unter den Einwohnern auch für die Zukunft gewonnen und aller Hader unter den beiden Parteien ist geschwunden.
tst. Rieder Weisel, 19. Juni. Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr brach in der He user'schen Hofraithe Feuer aus, das
sich bei der herrschenden Trockenheit und dem Wassermangel' so rasch ausbreitete, daß binnen wenigen Stunden einige zwanzig Wohnhäuser, Scheunen und Stallungen in Flammen standen, selbst die Kirche war angebrannt, konnte aber doch uoch gerettet werden. In welcher Anzahl Vieh mitberbrannt ist, konnte bis jetzt nicht festgestellt werden. — Als lobend muß die rasche Hilfe erwähnt werden, die von Gambach, Griedel, den Butzbacher Dragonern u. f. w. in reichstem Maße geleistet wurde. Gegen 10 Uhr Abends war die ge- fammte Löschmannschaft noch in voller Thätigkeit.
△ Mainz, 18. Juni. Das Wahlcomits der hiesigen Centrum spart ei hat für die Stichwahl Wahlenthaltung beschlossen und eine diesbezügliche Erklärung an die Wähler erlassen. Es war dieser Beschluß bei der Haltung, die die Führer der hiesigen CentrumSpartei gegenüber den Social- bemofraten und den Nationalliberalen während dem ganzen Wahlkampf eingenommen haben, vorauSzusehen. Seitens des Ausschusses der demokratischen Partei dagegen ist beschlossen worden, den demokratischen Wählern zu empfehlen, für den socialdemokraten Candidat Jöst zu stimmen, wodurch dessen Wahl außer allem Zweifel ist. — Der Rheinreifeverkehr ist in diesem Jahr so wenig belebt, wie noch selten. Trotzdem wir uns in der Hauptsaison befinden, zeigen die Rhein- dumpfer sowohl bei den Berg- wie bei den Tahlfahtten eine bedenkliche Leere. Die gleiche Erscheinung tritt in den kleineren Badeorten zu Tag, wo die Hoteliers vergeblich auf Fremde warten. Die Engländer fehlen dieses Jahr bis jetzt ganz und scheint die Ausstellung in Chicago Biele nach dorten gezogen zu haben.__
Das Nadfahrfest des Gießener Radfahr- Vereins.
Es ist begreiflich, daß das Interesse des Publikums in höherem Maße sich derjenigen Art gesellschaftlichen Lebens zuwendet, die am meisten in die Oeffentlichkeit tritt. Obwohl der Radfahrverein während der verhältnißmäßig kurzen Zeit feines Bestehens auch ab und zu sich öffentlich zeigte, so war er doch in Folge Mangels einer Rennbahn verhindert, der Sammelpunkt derjenigen Radfahrer zu werden, die besonders den sportlichen Theil des Radfahrens pflegen. Nachdem es dem hiesigen Radfahrverein gelang, eine eigene Rennbahn anzulegen, mußte dies für ihn wie alle Radler bedeutungsvolle Ereigniß gefeiert werden. Und so fei denn hiermit gleich von Anfang an dargelegt, daß die Feier in allen ihren Theilen schön verlief. Eingeleitet wurde sie am Samstag durch einen Commers in Steins Garten. Der Verein konnte dort nicht nur eine große Anzahl auswärtiger Sportsgenossen, sondern auch die Vereinsvertreter derjenigen hiesigen Vereine begrüßen, die, wenn auch nach anderen Richtungen hin, theils dem Sport huldigen, theils gemeinnützige Zwecke verfolgen. Der Commers wurde durch den Vorsitzenden des hiesigen Radfahr- vereins, Herrn Huhn mit einer Bewillkommnungsrede an die Erschienenen eröffnet. Herr Huhn bemerkte dann weiter, daß eS dem im Jahre 1885 begründeten Verein erst nach unermüdlicher Thätigkeit gelungen sei, in Besitz einer Rennbahn zu kommen. Gießen stehe aber nunmehr mit ah der Spitze derjenigen Städte, wo der Radsport gepflegt werden könne. Die Unterstützung der Behörden (besonders des StadtvorstandeS) durch Ueberlaffung des Platzes, des Herrn RegirncntScommandeurS durch Ueberlaffung des in der Jetztzeit so nöthigen Wasser» bei Anlage der Bahn, des Herrn CornmercienrathS Heyligen- städt durch Stellung einer Walze u. s. w. hätten eö ermög- licht, daß die Bahn so rasch wie möglich fertig gestellt werden konnte. Der Radlersport datire aus dem Anfang der 70er Jahre und habe sich so verbreitet, daß der deutsche Radler- bund jetzt 18,000 Mitglieder zähle. Herr Huhn wieS bann auf bie Wirkung bes Rabfahrens für bie menschliche Gesund» heit hin, hob aber besonders bie praktische Seite deS Radfahrens hervor, die sich im öffentlichen und gewerblichen Leben wie auch in der Armee in hohem Maße zeige. Besonders in Bezug auf die Verwendung in der Armee fei der Radfahrsport berufen, birect dem Wohle des Vaterlandes zu dienen. Herr Huhn schloß, daran anknüpfend, mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Kgl. Hoheit den Großherzog. Der Commers nahm hierauf einen würdigen Verlauf, er wurde verschönt durch die Reden der Herren Meyer (Rriegertierein), Brück (Schützenverein), Meyer (Bicycleclub), Sann (Radfahrverein), Wagner (Männergesangverein* Liederkranz), Dr. Pitz (Mäyjierturnverein), Walter (Bauer'scher Gesangverein), Herbert (Turnverein), Haubach (Männergesangverein Liederkranz), wie durch die Leistungen der Militär- capelle. Die von den Gesangvereinen Männergesangverein Liederkranz und Bauer'scher Gesangverein vorgetragenen Gesänge gefielen ganz besonders, was bei der anerkannten Leistungsfähigkeit der genannten Vereine nicht anders zu erwarten war. — Der gestrige Sonntag wurde als Hauptfesttag durch eine Reveille am Morgen eröffnet. Dieser folgten programmgemäß: Abholung der sehr zahlreich erschienenen Gau- und Bezirksgenossen, Frühschoppen und Concert in Stein- Garten, gemeinsames Mittagessen, Corso, Wettfahren, PreiS- vertheilung, Concert und allgemeine Volksbelustigung aus dem Festplatze. Besonders war eS der Nachmittags von der Gartenstraße aus sich in Bewegung setzende Corso, welcher eine große Menge Schaulustiger von hier und auswärts herbeigelockt hatte. Einige Hundert Radler bildeten, von drei Musikcorps begleitet, den Zug, der auf seinem langen Wege durch die Ludwigstraße, Bleichstraße, SelterSweg, Neustadt, Nordanlage, Wallthorstraße, Schulstraße, Neuenbäue, Grün- bergerstraße den Radlern Gelegenheit gab, die Zeichen der Sympathie des Publicums, die besonders in den zahlreich von schöner Hand gespendeten duftenden Blumensträußchen zum Ausdruck gebracht wurde, entgegenzunehmen. Nachdem der Festzug auf dem Festplatze angekommen, harrte der Radler ernste Arbeit, denn daS vorgemerkte Wettfahren begann sofort. Da ein Radwettfahren hier eben in Folge Mangels einer Bahn noch nicht gesehen worden, so war es begreiflich, daß der Zudrang zum Festplatze ein ganz gewaltiger wurde und daß trotz der sengenden Sonnenstrahlen daS Publicum aus-
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