Nr. 142 Erstes Blatt. Dienst«« ben 20. Juni
893
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2lmtlid?er Theil
4300
2852
1883
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gültig
5606
2)
3)
4)
ersten Wahlkreise des Großherzogthums von 14 683 abgegebenen Stimmen gefallen sind auf
1) Herrn Philipp Köhler, Landwirth in Bettenhausen
„ Konrad Meinert. Domänenpächter in Kon- radsdorf ..........
„ Carl Orbig, Stadtverordneter in Gießen .
„ Landrichter Dove in Frankfurt am Main .
die französischen Truppen an dem Denkmal in Saint Ail Aufstellung- zu gleicher Zeit erschien der Divisionögenerat Jamont. Um 7 Uhr traf die Deputation von sechs deutschen Offizieren in Paradeuniform ein und begrüßte den General Jamont. Der Unterpräfect übergab darauf im Namen der französischen Regierung den deutschen Offizieren die Gebeine der deutschen Soldaten. Nach einer Ansprache der Feldprediger stellte sich der Zug auf, wobei ein Bataillon ChasieurS mit der Musik escortirte. An der Grenze auf französischem Gebiete hatten französische Husaren und ChasfeurS Aufstellung genommen, auf deutschem Gebiete General v. Häseler mit zahlreichen Offizieren der Garnison Metz und einer Infanterie- Ehrencompagnie. Beim Eintreffen des Generals Jamont schritt General v. Häseler aus denselben zu über die Grenze. Beide Generale saluürten einander. Auf die Einladung deS Generals v. Häseler betrat General Jamont das deutsche Gebiet und schritt die Front der deutschen Ehrencompagnie ab. Unter EScorte deutscher Infanterie setzte der Zug seinen Marsch fort und traf um 9 Uhr bet der neuen Begräbniß- ftätte ein, wo vor dem Denkmal sechs Gräber aufgeworfen waren. Die Feldprediger segneten die Gräber mit einer Predigt ein.
Bekanntmachung,
betreffend die Reichstagswahlen.
Unter Bezugnahme auf die vorstehende Bekanntmachung, -wonach eine engere Wahl für den Reichstag auf Samstag den 24 Juni d. I. festgesetzt ist, wird bezüglich des Wahlgeschäftes bad Folgende zur öffentlichen Kenntnrß gebracht.
Die Abstimmung wird um 10 Uhr Morgens beginnen und um 6 Uhr Abends geschloffen werden.
Auf die engere Wahl kommen nur die Herren Philipp Köhler, Landwirth zu Bettenhausen, und Konrad Meinert, Domänenpächter zu Konradsdorf. Alle auf andere Candidaten fallenden Stimmen find ungültig.
Tie Wahl findet auf denselben Grundlagen und nach denselben Vorschriften statt wie die erste.
Insbesondere bleiben die Wahlbezirke, die Wahllokale und die Wahlvorsteher unverändert. Wir ver- weisen hierbei auf unsere Bekanntmachung vom 29. Mar d. I. (Anzeiger Nr. 125).
Bei der engeren Wahl werden dieselben Wählerlisten angewendet, wie bei der ersten Wahlhandlung. Eine wiederholte Auslegung und Berichtigung derselben findet nicht statt.
Gießen, den 19. Juni 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.________
•5) auf andere Personen.........
Da hiernach eine absolute Stimmenmehrheit auf
Deutscher Reich-
Darmstadt, 17. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute den Assistenzarzt 2. Klaffe Wadsack vom 1. Großh. Jnfanterie.(Leibgarde-)Regiment Nr. 115, den Hofmarschall Sr. Durchlaucht des Fürsten zu Ysenburg-Birstein, Frhrn. v. Oer, den ordentlichen Pro- fessor an der Landesuniversität Gießen Dr. Rehm, den Professor Reichel an der Großh. Technischen Hochschule, den Steuercontroleur KlooS von Babenhausen, eine Deputation | des süddeutschen Gastwirth-Berbandes, bestehend aus dem ( Stadtverordneten Reinemer, Gastwirth Wiener, Restaurateur Haust und dem Schriftführer Lindt- zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Cabinetsrath Römheld, den Hostheater- director Wünzer.
Berlin, 17. Juni. Der Deutsche Bauernbund nahm heute endgiltig den Antrag an, daß der Bund sich auflöse und sein Vermögen an den Bund der Landwirthe abführe.
— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht den Bundesraths- beschluß, daß von der durch Bekanntmachung vom 28. No- vember 1887 verlangten Bescheinigung des Gesundheitszustandes der nach den Nordseehäfen beförderten Wiederkäuer und Schweine von der Verladung fernerhin ab» zusehen ist. „ t
Berlin, 17. Juni. Die Stichwahlen finden tm ganzen Reiche, abgesehen von Bayern, am 24. d. Mts. statt, in Bayern werden sie am 26. Juni vollzogen.
— In Straßburg i. E. fand beim Bekanntwerden des Wahlresultats — Stichwahl zwischen Dr. Petri und Bebel — eine häßliche Demonstration der Socialisten und Protestler statt, welche Hochrufe auf Bebel und Frankreich ausbrachten. Die Polizei verhaftete mehrere Demonstranten. Q
anweiter, 17. Juni. Die Uebergabe der Gebeine deutscher Offiziere und Soldaten vollzog sich in sehr feierlicher Weise. Um 6 Uhr Morgens nahmen
der Candidaten gefallen ist, wird die Vornahme einer engeren Wahl zwischen den Höchstbestimmten Ph. Köhler-Betten- hansen und K. Meinert-Äomadsdorf ans
Samstag den 24. Juni d. I.
mit dem Bemerken festgesetzt, daß bei dieser Wahl alle auf andere Candidaten fallenden Stimmen ungültig sind.
Der Wahlcommiffär:
v. Gagern.
Gießen, den 19. Juni 1893.
Betr.: Die Neichstagswahlen.
Bekanntmachung.
ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß bei der am 15. d. M. vorgenommenen Wahl in dem
Wahlresultate.
BtS SamStaa Abend 8 Uhr ftanben folgende 189 Wahlen fest
81 «orservative.
v Gustedt, Graf Dönhoff, v. d. Groben, Graf Dohna, v. <Stein- Graßnttz, Steppuhn. Graf K-nttz, Mentz, v. Sperber, o. Staudy, ©tdnmtnn, Graf Mirbach, v. Puttkamer, v. WinterfUdt-Mentto, Bohtz, Graf Schwerin, v. Dewitz, v. Gerlach, v. Kleist-Retzow, v. Löfewitz, Graf Carmer, Prinz zu Hohenlohe, v. Holleuffer,
Neueste Nachrt<chteu.
Wolffs telegrephifcheS Sorrefpondenz-Bureau.
Petersburg, 18. Juni. Gestern ist die zwischen Frank- reich und Rußland abgeschloffene Ha nd elSconv en t ion unterzeichnet worden. Die von Rußland zugestande..e -Ö°U' erniedrigung auf Naphtaproducte beträgt die Hälfte des btS- herigen Zolles. Rußland gewährt außer den bekannten Vergünstigungen eine Erniedrigung der Zölle auf musikalische Instrumente, Wollwaaren und Ackerbaugeräthe.
Depeschen de« Bureau .Herold'.
Berlin, 18. Juni. Die Unabhängigen und die Anarchisten, welche bei der Hauptwahl Stimmenthaltung übten, procla- miren für die Stichwahl Stimmenabgabe zu Gunsten der Fractionellen, da diese ebenfalls Kämpfer für das Proletariat seien. ______
Darmstadt, 19. Juni. Die Zweite Ständekammer wird Anfang nächster Woche zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreten, um über die Nothlage in der Land« wirthschast zu berathen.
Berlin, 19. Juni, Vormittags. Bis'jetzt sind 396 Wahl- Resultate bekannt- gewählt sind 213, 183 Stichwahlen- den einzigen noch ausstehenden Wahlkreis vertrat bisher ein Welse- gewühlt 50 Conservative, 1 Bund der Landwirthe, 9 Reichs- Partei, 18 Nationalliberale, 81 Gentrum, 24 Socialdemokraten, 3 Freisinnige Vereinigung, keine freisinnige Volkspartei, 13 Polen, 2 Antisemiten, kein Welfe, 1 Dane, 6 Elsäffer, 4 Süddeutsche Volkspartei, 1 Wilder. An ben Stichwahlen sind beteiligt: 59 Conservative, 9 Bund dec Landwirthe, 10 Reichspartei, 73 Nationalliberale, 32 Gen- | trum, 84 Socialdemokraten, 14 Freisinnige V.remigung, 37 Freisinnige Volkspartei, 11 Polen, 16 Antisemiten, 9 Welfen, kein Däne, 1 Elsäffer, 10 Süddeutsche Volkspartet, 1 Wilder.
Potsdam, 19. Juni. Heute Nacht entstand im neuen Proviantamt der hiesigen Garnison Feuer, welches dasselbe niederlegte- circa 600 Gentner Brod verbrannten, ebenso ein großer Posten Heu. Der Schaden ist ziemlich bedeutend. I Die Feuerwehr war thätig bis Morgens 5 Uhr, daraus rückte zur Hilfeleistung eine Compagnie Gardejäger auf die Brandstelle. w „
Prag, 19. Juni. Infolge Verbots eines Arbeitermeetings I fanden wiederholte Zusammenrottungen statt, welche die Polizei jedesmal zerstreute. Die Polizei wurde überall mit Stein- I würfen empfangen. 18 Polizisten und 2 Socialisten wurden verwundet. Der socialdemoktratische Redacteur Lorenz und der socialistische Agitator Spurniy wurden verhaftet.
Brünn, 19. Juni. Anläßlich des Verbotes einer Volksversammlung sand ein Zusammenstoß zwischen der Menge und der Polizei statt. Letztere gebrauchte bte Waffe, mehrere Wachleute wurden verletzt- die Cavallerie, mit Stemwürsen und Schüssen empfangen, zersprengte die Menge mit Waffengewalt. Zahlreiche Verletzungen und 55 Verhaftungen fanden statt, darunter vier von Arbeiterinnen.
Gießen, den 19. Juni 1893.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien und Wahlvorsteher des Kreifes.
Die beiden vorstehenden Bekanntmachungen wollen Sie Angefichts Dieses, jedenfalls aber spätestens Mittwoch den 21. Juni d. I in Ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen lasten.
Zu Ihrem Bemessen verweisen wir Sie auf § 28 ff. des Wahlreglements vom 28. Mai 1870 (Bundesgesetzblatt S 280 ff.) und beauftragen Sie, strengstens hiernach zu ver» fahren und, soweit Sie nicht selbst als Wahlvorsteher fungiren, die Wahlvorsteher dementsprechend zu instrmren.
Die erforderlichen Protocollformulare und Wählerlisten gehen Ihnen mit nächster Post zu.
Die Wahlacten wollen Sie unfehlbar fpätestens am 26. Juni d. I. zugleich mit Ihrer beachtlichen Anzeige, daß und wann die Publieatron der beiden vorstehenden Bekanntmachungen in Ihren Gemeinden erfolgt ist, an den Unterzeichneten mit dem Vermerk „Reichsdienstfache" zur Post geben. . .
Den Wahlacten hat die besondere Bescheinigung der Grofih. Bürgermeisterei darüber beizulegen, daß und wann die ortsübliche Bekanntmachung des Wahltermms erfolgt ist. (§ 31 Abs. 4 des Wahlreglements.)
Die Wahlvorsteher machen wir noch besonders auf die Beobachtung des §18 des Wahlreglements aufmerksam, weil dagegen bei der ersten Wahl wieder vielfach gefehlt worden ist.
Auf Seite 4 des Protocolls sind bei den Namen der Candidaten die einzelnen auf sie gefallenen Stimmen durch
Striche oder fortlaufende Zahlen anzumcrken. Ist dieses wegen der großen Zahl der einem Candidaten zufallenden Stimmen unthunlich, so ist in obiger Weife eine besondere Zählliste anzulegen und dem Protocoll als Beilage beizufügen.
Die von einem Beisitzer zu führende Gegenliste ist nicht, wie viele von Ihnen annehmen, eine Liste der Abstimmenden, sondern ein besonders geführtes Exemplar der Zählliste.
Dem Protocoll hat daher beizuliegen:
1) Die von der Wahlcommission zu unterschreibende Wählerliste (nicht das Original, sondern nur das Duplicat);
2) Die Zählliste, wenn eine solche besonders geführt worden ist;
3) die Gegenliste -
4) Bescheinigung der Bürgermeisterei wegen Bekanntmachung des Wahltermms u. f. w.;
5) etwaige ungültige. Stimmzettel, v. Gagern.
Gießen, den 24. Juni 1893.
Betr.. Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Falle einer Mobilmachung.
Die
Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
an die Schulvorstände des Kreifes.
Sie wollen die Lehrer oder Schulverwalter einklassiger Schulen, welche militärpflichtig sind, darauf aufmerksam machen, daß Gesuche um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung innerhalb 8 Tagen bei uns einzureichen sind. Später einlaufende Gesuche können nicht berücksichtigt werden.
In den Gesuchen ist anzugeben:
1) Civilstellung,
2) Vor- und Zunamen,
3) Militärcharge und Truppengattung,
4) Genaue Angabe des Truppentheils, Regiment, Compagnie rc., bei welchem der Eintritt erfolgt ist, und Datum des letzteren,
5) Bezirk des Landwehrbataillons. .
Bei Lehrern oder Schulverwaltern, welche bereits früher I bei uns reclamirt haben, bedarf es keiner Meldung.
Abwesende Lehrer ober Schulverwalter, bie als allem- stehenbe Lehrer zur Reclamation berechtigt sind, wollen Sie sofort benachrichtigen.
v. Gagern.


