Ausgabe 
20.5.1893 Erstes Blatt
 
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5) für den fünften Wahlkreis: der Großh. Kreisrath Haas in Offenbach,

6) für den sechsten Wahlkreis: der Großh. Kreisrath v. Bechtold in Bensheim,

7) für den siebenten Wahlkreis: der Großh. KreiSrath Gros in Worms,

8) für den achten Wahlkreis: der Großh. Kreisrath Spamer in Bingen,

9) für den neunten Wahlkreis: der Großh. Provinzial­director Geheimerath Rothe in Mainz.

** Dienstnachrichten. Am 28. April wurde dem Forst- affessor Friedrich Kull mann aus Lauterbach das Patent als Geometer erster Klaffe für den Kreis Lauterbach am 10. Mai wurde dem Geometergehülfen Balthasar Stein auS Großen-Buseck das Patent als Geometer zweiter Klasse für den Kreis Gießen enheilt.

** Verein hessischer Lehrerinnen zur Gründung eines Heims. Da es für die ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder des Vereins hessischer Lehrerinnen zur Gründung eines HeimS jedenfalls von Interesse ist. Näheres über das Wirken des­selben zu erfahren, lassen wir einen ausführlichen Bericht der diesjährigen Generalversammlung folgen. Die General­versammlung, welche Mittwoch den 5. April, im Sitzung-- saale des RathhauseS zu Darmstadt in Anwesenheit der hohen Protectorin des Vereins, der Frau Prinzessin von Battenberg, tagte, wurde von Herrn StadtpfarrerPfnor durch Begrüßungsworte eröffnet. Daraus ergriff die Vor­sitzende, Frau Lilli Wolfs kehl, daS Wort. Sie dankte der hohen Protectorin für ihr Erscheinen und die stete, un­verminderte Theilnahme an der Entwickelung des Vereins, der an Mitgliederzahl und Mitteln bedeutend gewachsen ist. Die Vorsitzende sühne ferner aus, daß der Verein außer der Erstrebung seines Hauptziels es auch als seine Aufgabe' erkannt habe, den Lehrerinnen behilflich zu sein, solange sie sich noch in ihrem Beruf befinden. Das Ferienheim in Schönberg wird auch in diesem Jahr wieder für die Frühjahrs-, Sommer­und Herbstmonate von Ihrer Durchlaucht der Gräfin Schönberg gütigst zur Verfügung gestellt. Rechtzeitige Anmeldungen hierfür, sowie auch Ansprüche, welche an Unterstützung für Bade- und Erholungsaufenthalt gestellt werden, erbittet die Vorsitzende an ihre Adresse, Kasinoftr. 22 in Darmstadt. Frau WolsSkehl schloß ihre Ansprache mit der Mittheilung, daß Seine Königl. Hoheit der Großherzog dem Verein den gleichen Jahresbeitrag zufließen lasse, wie sein Herr Vater. Hierauf wurde der Rechenschaftsbericht verlesen, der ein sehr erfreuliches Zahlenbild ergab. Daran schloß sich der Jahres­bericht der Schriftführerin, Frl. M. Müller. Dem Wachsen und Gedeihen des Vereins, der nahezu 900 Mitglieder zählt, sind vor Allem zu gute gekommen die Beiträge, welche aus den hochinteressanten Vorträgen der Herren Berg st räße r- Darmstadt und K a h l Wimpfen flössen, sowie die bedeutende Wormser Gabe, welche der von Freifrau von Hehl veran­staltete Bazar einbrachte. Das Vereinscapital beläuft sich jetzt auf 46000 Mk. Zehn hilfsbedürftigen Lehrerinnen konnte Unterstützung gewährt werden. Zum Schluß sprach Fräulein Müller noch den Wunsch aus, daß das Stellen- vermittelungSbureau, das der Verein im Anschluß an den Allgemeinen deutschen Lehrerinnenverein gegründet, und dessen Geschäfte von Fräulein Sophie Wider in uneigennützigster Weise besorgt werden, mehr als seither in Anspruch genommen werden möchte. Leider zögen es die jungen Lehrerinnen noch immer vor, sich an Agenten zu wenden, welche gar keine Garantie für die offerirten Stellen bieten. Herr Director Eisenhuth (Victoriaschule) ist deshalb von dem Verein gebeten worden, die Lehrerinnen, welche aus seinem Seminar hervor­gehen, auf die Stellenvermittelung aufmerksam zu machen. Frl. Müller schloß ihren Bericht wit der Mittheilung, daß zu der diesjährigen allgemeinen Lehrerinnenversammlung zu Blankenburg im Harz ein Mitglied des Offenbacher Zweig­vereins entsendet werden soll. Der Hauptgegenstand der Tagesordnung bestand in der Neuwahl von vier Vorstands­mitgliedern, die sich durch Acclamation vollzog, lieber einen Antrag von Frau Justizrath Weber-Offenbach bezüglich der Beschlußfähigkeit der Generalversammlung wurde Discussion eröffnet, an der sich besonders lebhaft Frl. Mitzenius und Minister Freiherr von Starck, Excellenz, beteiligten; der Antrag selbst, der eine Statutenveränderung mit sich führen würde, wurde auf die nächste Generalversammlung verschoben. In klarer, fließender Form führte Frl. Mitzenius die Gründe auS, welche den Vorstand bestimmten, den Bau des HeimS vorerst noch nicht in Angriff zu nehmen. Ehe die Versammlung auöeinanderging, entrichtete sie dem Vorstand durch ein DereinSmitglied ihren herzlichen Dank für feine Arbeit und Mühewaltung.

** Neues Theater. Der gestrige Abend brachte uns H. v. Kleist s RitterschauspielKäthchen von Heilbronn" in der Buhnenbcarbeitung von Holbein. DaS Stück an sich, sein Inhalt, seine Schönheiten besonders in sprachlicher Be­ziehung sind überall bekannt und haben eS zu einer beliebten Cectüre gemacht. Daß jedoch die Bühnenbearbeitung besonders gelungen ist, wird kaum Jemand behaupten wollen. Der fortwährende Wechsel der Scene stört den Zuschauer ungemein und zerreißt den Faden der Entwickelung in dem Maße, daß eine ruhige Auffüffung der Handlung eigentlich ausgeschlossen ist. Dazu waltete über der gestrigen Aufführung noch ein unseliger Stern. Gleich zu Anfang der Vorstellung ereigneten sich einige kleine Unregelmäßigkeiten, die einen Theil dcS Publikums in eine sehr animirte Srimmung brachte, die mit der Zeit auch einige Darsteller ergriff und sie den richtigen Ton nicht mehr treffen ließ. An Stelle der plötzlich erkrankten Frau Director Baars hatte Frl. Hofmann die Rolle des Käthchen" noch in letzter Stunde übernommen und führte sic auch recht zufriedenstellend durch. Jedoch wir wollen darauf verzichten, einzelne Leistungen hervorzuheben, obwohl einige ganz tüchtige besten würdig wären, der Gesammt- eindruck war indessen ein so mittelmäßiger, daß selbst das

vorhandene Gute nicht zur Geltung kam. Jedenfalls waren noch ein paar Proben da von eminentem Nutzen gewesen.

Der kürzlich gemeldete Eisenbahnfrevel, den zwei hiesige Studenten verübten, indem sie einen Baum auf die Schienen der Oberhessischen Eisenbahn walzten, ruft, wie denN. H. V." von hier geschrieben wird, die Erinnerung an ein ähnliches Ereigniß wach, das sich Ende der 60er Jahre dahier zutrug. Damals warfen zwei Studenten in ange­trunkenem Zustand kurz vor dem Passiren eines Zuges einen von ihnen auSgeristenen Wegweiser auf die Schienen der Main-Weser-Bahn und zwar au einer sehr gefährlichen Stelle auf dem hohen Eisenbahndamm in der Nähe der Lahnbrücke. Nur wie durch ein Wunder wurde ein furchtbares Unglück verhütet. Die Urheber dieser ruchlosen That kamen recht glimpflich durch, der Eine derselben bekleidet heute ein Staats­amt und hat gewiß schon oft genug die in der Trunkenheit begangene That schwer bereut. Von den beiden Studenten, welche vor einigen Tagen den oben gemeldeten Frevel ver­übten, hat der Eine durch Oeffnen der Pulsadern einen Selbstmordversuch verübt und war dem Verbluten nahe, er befindet sich jetzt auf dem Wege der Besterung in der Klinik, aber die That einer unglücklichen Stunde wird jedenfalls einen Schatten aus sein ganzes künftiges Leben werfen.

♦♦ In der am Mittwoch unter dem Vorsitze des Landtags- abgeordneten vr. Gut fleisch in Darmstadt stattgehabten Sitzung des Lanbesausschusses der beutfchfreifntnigen Partei, welcher Vertreter sämmtlicher hessischer Wahlkreise anwohnten, kam folgende Resolution zur einstimmigen Annahme:Der heute in Darmstadt versammelte Landesausschuß der frei­sinnigen Partei für das Großherzogthum Hessen erklärt ein­stimmig, daß er bezüglich der Miliiärvorlage nach wie vor auf dem Standpunkte seiner Resolution vom 10. Februar 1893 steht. Er billigt demgemäß die ablehnende Ab- fttmmung der Mehrheit der Volksvertretung bezüglich dieser Vorlage und spricht die Erwartung aus, daß die freisinnigen Wähler des Landes bei den bevorstehenden Reichstagswahlen aus politischen, wirthschaftlichen und finanziellen Gründen an diesem Standpunkte festhaltcn".

** Da gegen das Verbot des Rauchens im Walde noch sehr viel bewußt ober unbewußt gesündigt wird, so sei das den Wald besuchende Publikum wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß für die bevorstehenden Pfingstfeiertage das Aufsichtspersonal zu doppelt strenger Ueberwachung ange wiesen ist. Es wird daher jeder Waldbesucher gut thun, um sich vor Strafe und ev. Verantwortung zu schützen, das Rauchen im Walde ganz zu unterlassen.

** Für Pfingstreisende. Die am Samstag vor Pfingsten gelösten Eisenbahn-Rückfahrkarten haben Gültigkeit bis zum dritten Pfingstfeiertage Nachts 12 Uhr, d. h. zu dieser Stunde muß die Rückreise angetreten fein.

* Bei der am 17. d. Mts. stattgehabten Verloosung der Darmstädter Pferdemarktlollerie fielen folgende Loosnummern der Reihe nach auf die ersten 19 (lebende- Gewinne: Nr. 7320, 2349, 17713, 4525, 15565, 12885, 7630, 988, 11199, 10808, 9825, 17881, 517, 3394, 14318, 17426, 12711, 10686, 5355.

** Zn Amerika verstorbene Hessen. New-York: Felix Simon, 42 Jahre alt, aus Pfeddersheim. Dalton: Leon­hard Canold, 67 Jahre alt, aus Wald-Michelbach. Louis- villc: Eva Gütig, geb. Eigelbach, 57 Jahre alt, aus Rhein- Dürkheim; Maria Henriette Weiß, 65 Jahre alt, aus Darm­stadt. Philadelphia: Margaretha Leupold, geb. Jung, 73 Jahre alt, aus Rodheim.

IL Lollar, 18. Mai. Die Vorarbeiten zur Turn fahrt des Ga'ues Hessen, welche auf den 28. Mai nach hier ftattfindet, sind in vollem Gange. Von Seiten des OrtS- vorstandeS ist dem hiesigen Turnverein ein prachtvoll gelegener Festplatz, unmittelbar an der Staatsstraße Gießen gelegen, in anerkennenswerther Weise zur Verfügung gestellt worden und flieht dies beredtes Zengniß von den guten Sympathien, welche der Ortsvorstaud der Turnsachc entgegenbringt. Daß die hiesige Einwohnerschaft am Festtage selbst durch Schmückung der Häuser, Blumenspenden rc. ebenfalls ihr Wohlwollen äußerlich den Turnern unseres Gaues gegenüber zum Aus­druck bringt, bezweifelt man hier keinesfalls. Nur möchte der schon so lang ersehnte Regen früher eintreten und bann am Festtage selbst herrliches Wetter sein.

Grüningen, 18. Mai. Am vorigen Freitag fanb bahier bie Bürgermeisterwahl statt unb würbe der seitherige Bürgermeister Herr Gilbert auf bie Dauer von neun Jahren wiebergewählt. Gegencanbibat war Herr Engel.

Bad-Nauheim, 17. Mai. Die zwanglosen Zusammen fünfte ber in Bab-Nauheim unb in ber Umgebung ansässigen unb ber zu Curzwecken hier wcilenben Angehörigen bes Kösener 8. 6.-Verbände- finben auch biesen Sommer wieder während der Dauer ber Babesaison jeben Samstag Abenb 8 Uhr unb zwar im Hotel zum Kaiserhofe statt. ES wirb hierzu ergebenft eingelaben.

W. Aus bet mittleren Wetteran, 18. Mai. In ber verflossenen Nacht hatten wir, nachdem sich von zehn Uhr an lebhaftes Wetterleuchten im Südosten gezeigt hatte, von ein bis zwei Uhr einen feinen erfrischenden Regen, aber bei Weitem nicht genug, um nur den fünfzigsten Theil unseres Bedürfniffes zu decken. Nur so viel ist, daß wenigstens GraS, Getreide, Sträucher unb Bäume etwas erquickt wurden, in den Erd­boden drang nichts ein. Die Straßenbaubehörde geht in der Obstbaumpflege hinsichtlich ber frischgesetzten jungen Stämmchen manchem Privaten mit gutem Beispiele voran, inbem sie bie Bäumchen begießen läßt. Ohne biese Vorsicht gingen viele zu Grunbe. Die Rinbe ber jungen Bäumchen schrumpft an trocknen Plätzen zusammen wie die runzelige Haut bei alten Personen.

N. Nidda, 18. Mai. Die Vertrauensmänner des Bundes ber Lanbwirthe" sowie diejenigen des landwirthschaftlichen Elubs in ber Wetterau"

hielten gestern Nachmittag imGambrinussaale" bahier eine Versammlung ab, um über dtc Eandidatur Meinert- KonradSdorf zu beratben. Den Vorsitz sühne Herr Pachter Müller in Martenborn. Herr Meinen selbst war nicht anwesend, weil er telegraphisch nach Gießen berufen worden war. Die Versammlung beschloß Hand in Hand mit der national, liberalen Partei für bie Mtlitärvorlage einzutreten und die Eandidatur Meinen-, der cm tüchtiger Landwind ist ur.b bie Verhältnisse unb Interessen seiner BerusSgenoffen genau kennt, in kräftiger Weise zu unterstützen. Wie wir erfahren, beabsichtigen auch die Eonservatioen einen besonderen Eandidaten auszustellen; wir werden daher 5 Bewerber: einen National- liberalen, einen Freisinnigen, einen Antisemiten, einen Eonser. vativen unb einen.Socialdemokraten erhalten. Wenn sich die Nationalliberalen und Freisinnigen nicht noch in letzter Stunde einigen, scheint der Antisemit die meisten Stimmen aus sich zu vereinigen.

Darmstadt, 18. Mai. Ein heute früh nach Heidelberg abgelegener Güterzug ist bei der Station Bickenbach ent­gleist. Der Schaben an Maschinen ist sehr bebeutenb. Zahlreiche Arbeiter sind an ber Unfallstelle beschäftigt. Ver­lust an Menschenleben ist nicht zu beklagen.

Mainz, 18. Mai. Die Zahl ber Reichstag-» Wähler hat sich ausweislich ber neuen Wählerliste feit der letzten Wahl hier um über 800 vermehrt und beträgt un­gerechnet der etwa nachträglich erfolgenden Eintragungen in runder Ziffer 14 000 gegen 13 297 :m Jahre 1890. Von bieien 13297 Wählern stimmten bei der Stichwahl am 1. März 1890 für den Qentrumficanbibaten R.cola Rackä 3514 unb für ben Socialiften Jöst 6093. Bei 28056 Wahl- berechtigten wurden im Jahre 1890 im ganzen Wahlkreis Mainz-Oppenheim für Rockö 9196 unb für Jöst 9569 Stimmen abgegeben, sodaß ber letztere damals mit einer Majorität von 373 Stimmen gewählt wurde. Der langersehnte Regen hat sich endlich üerfloffene Nacht auch hier eingestellt. Derselbe ging einige Stunden mit ziemlicher Heftigkeit nieder, war aber noch lange nicht ausreichend, um ben Pflanzen einen nennenswerthen Nutzen zu bringen. Der Regen brachte eine merkliche Abkühlung der Temperatur mit sich. Infolge des niederen Wasser st an de S des Rhein« werden die Salonboote der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft nach einer Be- kannimachung der Direction biß auf Weitere- nur zwischen Köln und St. Goar in der Weise fahren, daß von Mainz biß St. Goar und in umgekehrter Richtung ber Anschluß nach unb von benselben durch ein anderes schnellfahrende- Extra- Boot vermittelt wird, welches fahrplanmäßig zu Thal nur in Biebrich unb zu Berg außerdem auch in Bingen anbäh. Diese Nothwendigkeit des Umsteigen- ber Passagiere durfte die Frequenz ber Schnellschiffe stark beeinflussen.

R. Au8 Rheinhessen, 18. Mai. Al- Ergänzung zu meinem Berichte vom 16. Mail. J-. über den gegenwärtigen Zustand unserer Weinberge kann ich Ihnen die Mit- theilung machen, daß am 15. d. Mtß. in ber ganzen Provinz blühenbe Trauben gefunden worben sind. Wie bedeutend der Vorsprung gegen frühere Jahre ist, erhellt au* folgenden kleinen Täfelchen. Die Traubenblüthe trat ein in 1893 am 15. Mai, 1892 am 1. Juni, 1891 am 11. Juni, 1990 am 21. Juni. Da die Witterung warm unb trocken zu bleiben scheint, hofft man auf einengroßen Treffer.* Auch von ber Bergstraße wirb berichtet, daß die Trauben­blüthe in ben meisten Lagen begonnen hat.

Vermischtes.

tt Kassel, 18. Mai. Eine Schlacht auf dem Lanbe. Ein eigenartiges Bilb gewährte heute der Sitzungs­saal der hiesigen Strafkammer; war nämlich, was wohl selten verkommt, ein größereß Publikum vor als hinter den Schranken. handelte sich um einen Monstreproceß, ber eineSchlacht auf dem Lande" zum Gegenstände hatte. Auf der Anklagebank faßen fünfstämmige" Bauern aus Rohrbach (Kreiß Herßfeld) unb ferner waren 24 Zeugen ge­loben, sodaß alle Zeugenbänke besetzt waren. Dagegen hinter den Schranken waren nur 10 Personen anwesend, da bie HerrenÖriminalftubcntcn" bei dem schönen Wetter vor­gezogen hatten, zu promeniren. Die Angeklagten sind der schweren, lebensgefährlichen Körperverletzung beschuldigt, sie haben neulich Nacht bei einem Blande in Tann, al- viele Feuerwehren zusammenkamen und nicht nur mit Wasser, sondern auch mit SchnapS gelöscht wurde, dne förmliche Schlacht infeenirt. Wie die Zeugen bekunden, sind die Bursche, ehemalige Soldaten, m't Messern, Latten, Baum« pfählen bewaffnet, wie diebrüllenden Löwen" herumgesprungen und haben dazwischen geschlagen, alß ob gegen die Franzosen ginge. Namentlich zwei der Angeklagten, die Gebrüder Hilde­brand, haben die Feuerwehr |öon Friedlos, einige zwanzig Mann, allein in Schach gehalten, Jeder von Ihnen hat fünf biß sechs Personen schwer verletzt. Die zehnfache Ucbcrmadt mußte flüchten gehen. Die fünf Angeklagten haben denn auch saft sämmtliche Gegner zu Boden gehauen und verletzt. In den engen Gassen wogte die Schlägerei stundenlang hin und her, war eine förmliche Schlacht, bald tobte hier, bald dort der Kampf. Zwei Friedloser wurden für tobt vom Platze getragen, sie hatten Stiche an Brust, Kopf, HalS & Sie sind heute noch nicht ganz wieder hergestellt. Abgesehen von ben leichteren Eontusionen, bie gar nicht zur Anzeige gelangt sind, wurden zehn Bauern schwer verletzt. Fünf Thäter unb zehn Gefallene von 20 Mann Gegnern, diese Zahlen sprechen deutlich für die Hitze beß Gefecht-. Die Gebrüder Hildebrandt, die Anführer, erhielten 2,/4 und 2 Jahre Gefängniß, bie andern drei Angeklagten, weil angetrunken, gereizt und auch verhauen, nur 3, 4 und 6 Monate Gefängniß zuerkannt.

' Koblenz. 18. Mai. Der Zugführer Kunzendorf au- Koblenz wurde heute Mittag auf der Station Bullay a. d. M. durch einen Perfonenzug über fahren unb sofort gelobtet.

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