Ausgabe 
20.5.1893 Erstes Blatt
 
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Rr. 117 Erstes Blatt

Samstag den 20. Mai

1893

Der Htrßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Tie Gießener Iramikienblälter werden dem Anzeiger wvchrnilich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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und anderen rheinischen Städten

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinendeu Nummer biß Bonn. 10 Uhr.

in Düsseldorf und Frank-

Durch einen plötzlich herein- ein hier vor Anker liegendes und unter andere Schiffe ge-

Alle Aunoncrn-Bureaur deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

griff der Militärverwaltung gefaßt.

Die Pariser Polizei muß sich wieder einmal mit anarchistischen Dynamitbolden abgeben. Es ist von ihr ein ganzes Nest solcher unheimlichen Gesellen in der Um­gebung von Pari- aufgehoben worden, wobei zugleich fertige Sprengbomben, Sprengstoffe und Materialien zur Herstellung von Höllenmaschinen aufgefunden wurden. Zweifellos waren von den Verhafteten neue Dynamitattentate beabsichtigt.

Vom 10. Mai 1893.

Gießen, den 18. Mai 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

schaffen, ferner Reservoire furt a. M. errichten will.

Antwerpen, 19. Mai. gebrochenen Sturm wurde Schiff entmastet, fortgerissen

Ausland.

Die Angelegenheit der Errichtung eines deutschen Kreisgerichts in Trautenau, welche schon am Montag jo wüste, durch die Jungczechen veranlaßte Lärmscenen im Lohmischen Landtage hervorrief, hat in der Mittwochssitzung Desselben zu einer neuen, vergröberten Auflage des jung-

. czechischen Scandals geführt. Als sich der Oberstlandmarschall * (Präsident) Fürst Lobkowitz weigerte, dem Verlangen der j Jungczechen nach Absetzung der Vorlage, betr. die Errichtung eines Kreisgerichts in Trautenau, von der Tagesordnung nach- zukommen, geriethen die jungczechischen Opponenten in Wuth. Sie bemächtigten sich der Acten, warfen die Wahlacten und Tintenfäffer nach den Stenographen und wollten den Refe­renten Funke mißhandeln, der von den deutschen Abgeordneten geschützt werden mußte. Als sich der ungeheure Lärm etwas gelegt hatte, sprach der Präsident die einstweilige Vertagung des Hauses aus. Noch im Laufe des Mittwoch erhielt dann der Statthalter Graf Thun aus Wien die telegraphische Mit­theilung, daß der Landtag auf Grund allerhöchster Verfügung geschloffen sei. In den Kreisen der österreichischen Studentenschaft hat die Verfügung der obersten Militär- behörde, wonach Reserveoffiziere und Einjährig-Freiwillige nicht mehr studentischen Verbindungen angehören dürfen, große Erregung hervorgerusen- speziell die Innsbrucker Studenten haben sich zu Vorkämpfern der Bewegung gegen den Erlaß gemacht. Von den Landtagen zu Linz und Innsbruck wurden bereits Beschlüsse gegen einen derartigen unzweifelhaften lieber«

Neueste 2Tad>rtd>teit»

WolffS telegraphisches Correfpondm,-Bureau.

Görlitz, 18. Mai. Der Kaiser traf um 127a Uhr ein und begab sich sofort auf den Festplatz, wo die Enthüllung des Denkmals programmmäßig vor sich ging. Sodann er­folgte der Vorbeimarsch der Truppen und Kriegervereine. Darauf begab sich der Kaiser mit Begleitung zu dem Fest­mahle.

Newyork, 18. Mai. Nach Meldungen aus Ohio herrscht dort seit Sonntag ein heftiges Unwetter. Ein Transport­schiff und zwei Schuner sind auf dem Erie-See untergegangen und man befürchtet, daß noch andere Fahrzeuge Schiffbruch gelitten haben. Soweit bekannt, sind zwölf Personen getödtet worden. Verschiedene Viaducte sind in Folge der Ueber- schwemmungen unpassirbar, mehrere Gebäude und Schuppen in Cleveland zerstört worden. Die Mahonina und andere Flüsse sind ausgetreten, der Erie-See steht außergewöhnlich hoch. Die Feuerwehr ist mit Rettungsarbeiten beschäftigt, die Eisenbahnverbindungen sind unterbrochen. Aus verschie­denen Orten Pennsylvaniens werden ebenfalls Heber- schwemmungen gemeldet.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 18. Mai. Die Börsenenquetcommission beendete mit der gestrigen 91. Sitzung ihre Aufgabe und wird ihren Bericht fertigstellen.

Berlin, 18. Mai. Die Meldung, das Staatsministerium habe in seiner letzten Sitzung über die Militärvorlage berathen, wird von gut unterrichteter Seite dementirt.

Berlin, 18. Mai. Oberbürgermeister Baumbach er­klärt entgegen dem von französischer Seite erfolgten Dement: über seine Unterredung mit dem Botschafter Herbette, im Laufe des verfloffeneu Winters habe Letzterer bei einer zu­fälligen Begegnung auf seine Anregung erklärt, er glaube nicht, daß von einer Allianz zwischen Frankreich und Rußland die Rede sein könne.

Köln, 18. Mai. DerKölnischen Ztg." zufolge wird spätestens morgen die Veröffentlichung über jene Umstände erfolgen, die den Oberbürgermeister Baumbach bewogen haben, sich auf die Besprechung mit Herbette zu berufen, während dieser ihn nicht zu kennen behauptet. Die Erklärung soll ziemlich eigenartig sein.

Paris, 18. Mai. Manjean und Dumay bringen nach sorgfältiger Untersuchung der Vorgänge am 1. Ma: aufs Neue die Frage vor die Kammer. Es herrscht große Erregung unter den Abgeordneten. Man glaubt an einen

Deutsches Reich.

Tarmstadt, 19. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog werden am nächsten Samstag weder Audienzen ertheilen, noch Meldungen und Vorträge entgegennehmen.

Berlin, 18. Mai. In Görlitz hat am Donnerstag die Enthüllung des Reiter den kmals Kaiser Wil­helms I. statrgefunden, welcher feierlicher Act auch durch die Gegenwart Kaiser Wilhelms II. ausgezeichnet wurde. Die Görlitzer Denkmalsfeier besitzt nun aber in Folge der Veröffentlichung eines Briefes des Prinzregenten Albrecht von Braunschweig insofern eine etwas eigenartige Vor­geschichte, als die Anregung bestand, den Fürsten Bismarck zu der Feier einzuladen und hierdurch eine Begegnung des Altreichskanzlers mit dem Kaiser herbeizuführen. Der Brief des Prinzregenteu hat aber auch erkennen lassen, daß in einflußreichen Kreisen, die dem Altreichskanzler wohlgeneigt sind, ein derartiger Schritt gegenwärtig als nicht räthlich be- irachter wurde, in Folge dessen die Einladung an den Fürsten Bismarck zur Theilnahme an der Enthüllung des Kaiser- Wilhelm - Denkmales in Görlitz unterblieb. Die Schluß­folgerungen aus dem ganzen Zwischenfall, den die indiscrete Veröffentlichung des Schreibens des Prinzregenten darstellt, ergeben sich von selbst.

Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche zu Lang-Göns. Wegen des Bestehens der Maul- und Klauenseuche zu Lang-Göns wird die Abhaltung des auf 30. Mai I. I. dort­hin anberaumten Viehmarktes untersagt.

Gießen, den 17. Mai 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Cabinetssturz.

Amsterdam, 18. Mai. ES hat sich hier eine Gesellschaft gebildet, welche besonders russisches Petrole^m^ in Cisternendampfern nach Köln *" 1«....rx...

Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche zu Ober-Bessingen.

Nachdem die zu Ober-Bessingen ausgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, haben wir die ange- ordnete Gehöft- und Gemarkungssperre wieder aufgehoben. Zur Ausführung von Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen aus der Gemarkung ist indeß, sofern dieselben nicht fofort abgeschlachtet werden sollen, bis auf Weiteres noch der Besitz thierärztlicher Gesundheitszeugnisse erforderlich, einerlei ob die Ausführung durch Händler oder andere Personen erfolgt.

Bei Wegbringung von Vieh zur sofortigen Abschlachtung bedarf es eines Zeugnisses der Bürgermeisterei.

Gießen, den 18. Mai 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern. _________

Bekanntmachung,

betr. Maul- und Klauenseuche zu Grünberg und Weitershain.

Nachdem in mehreren Gehöften zu Weitershain und Grünberg die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, haben wir Sperre der betreffenden Gehöfte und weiter ver­fugt, daß Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine aus den ge­nannten Gemarkungen bis auf Weiteres nur zur sofortigen Abschlachtung und nur auf Grund von Gesundheitsscheinen der betreffenden Bürgermeistereien ausgeführt werden dürfen.

Gießen, den 18. Mai 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Localer und provinzielles.

Sieben, 19. Mai 1893.

♦♦ Das am 17. d. ausgegebene Großh. Regierungsblatt (Beilage Nr. 15) enthält:

I. Bekanntmachung, die Bestellung der Wahlcommissäre für die Wahlen der Abgeordneten zum deutschen Reichstage betreffend.

Zur Leitung der am 15. Juni l. I. stattfindenden Wahlen der Abgeordneten zum deutschen Reichstage sind auf Grund der Vorschrift in § 24 des Reglements vom 28. Mat 1870 Bundesgesetzblatt Nr. 17 folgende Wahlcommis­säre bestellt worden:

1) für den ersten Wahlkreis: der Großh. Provinzial­director Frhr. v. Gagern in Gießen,

2) für den zweiten Wahlkreis: der Großh. Kreisrath Dr. Braden in Friedberg,

3) für den dritten Wahlkreis: der Großh. Kreisralh v. Grolmann in Alsfeld,

4) für den vierten Wahlkreis: der Großh. Provinzial- birector Geheimerath v. Marquard in Darmstadt,

Nr. 17 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 15. d. M'- I enthält:

(Nr. 2099.) Gesetz, betreffend die Feststellung eines ; zweiten Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1892/93. Vom 10. Mai 1893.

(Nr. 2100.) Gesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für das Eiaisjahr 1893/94.

schleudert, wobei mehrere Matrosen erheblich verwundet wurden und erheblicher Schaden angerichtet wurde.__________

Sitzung der Stadtverordneten

am 18. Mai 1893.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadt­verordneten die Herren Brück, Faber, Flett, Habe- nicht, Helfrich, Heyligenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Orbig, Dr. Schäfer, Schmall, Scheel, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Herr H. Winn hat am Krofdorfer Weg ein Backstein­häuschen errichtet, ohne die polizeiliche Genehmigung dazu er­halten zu haben. Das auf nachträgliche Genehmigung der beanstandeten Baulichkeit gerichtete Gesuch wird unter der Bedingung des Widerrufs befürwortet, indem Baudeputation wie Stadtvorstand es als in der Natur der Sache liegend betrachten, daß an genehmigten gewerblichen Anlagen für Unterkunft der Arbeiter gesorgt werden müsse.

Für die VerbindungW i n g o l f" soll an der Wilhelm- straße ein Verbindungshaus errichtet werden, wozu der Be­sitzer des dafür In Aussicht genommenen Grundstücks, Herr Dr. Georg Klemm, um die Genehmigung nachsucht. Es wird auf Vorschlag deS Stadtbauamts beschlossen, das Gesuch aus­nahmsweise zu befürworten. Als Bedingungen werden indeß festgesetzt: Sicherstellung der Kosten im Betrag von 450Mk. von Seiten des Gesuchstellers für den künftigen Ausbau des hierin Betracht kommenden Theiles der verlängerten Wilhelm- straße, und Erklärung der Bereitwilligkeit, das in die Straßenflucht fallende Gelände der verlängerten Wilhelm- straße der Stadt zu dem üblichen Preife von Mk. 1.12 pro OMeter zu überlassen. Für Herstellung eines Zuganges zu dem geplanten Bauwesen von der Liebigstraße aus hat der Gesuchsteller selbst zu sorgen.

Von einer Anzahl Interessenten ist der Antrag aus Umpflasterung der Sonnen ft raße gestellt worden. Die Gesuchsteller weisen auf die Hebung des Verkehrs durch die genannte Straße hin, wodurch die Straße mehr ihres Charakters als Nebenstraße entkleidet werde. Es sei nöthig, daß die Sonnenstraße in gleiche Höhe mit dem zu planirenden Kreuzplatz gelegt werde, wodurch die Mauer am Zimmer'schen Hause nebst der schwer passirbaren Treppe überflüssig würde. Das Stadtbauamt befürwortet das Gesuch, soweit sich die Gleichlegung eines Theils der Sonnenstraße und des Kreuz­platzes ohne mißständige Gesällsverhältnisse beiderseits her- stellen läßt. Eine Beseitigung von Mauer und Treppe läßt sich nach Bericht des Stadtbauamts nicht aussühren, wohl aber nach Wegfall einer Stufe eine gefälligere, leichter zu passirende Treppe. Es wird beschlossen, nach den Anträgen des Stadtbauamts den Umbau des Straßenkörpers mit einem Aufwand bis zu 500 Mk. vorzunehmen unter der Voraus­setzung, daß Seitens der Anlieger keine Ansprüche an die Stadt erhoben werden.

Die infolge Anregung des Oberhessischen Geschichtsver- eins beschlossene photographische Aufnahme alter in der Umwandlung begriffener Gebäude und Straßenbilder ist soweit ausgeführt worden, daß bis jetzt 21 Aufnahmen er­folgten. Der ursprünglich auf 18 Mk. festgesetzte Preis für jede Ausnahme einschließlich zweier Abzüge (van denen einer für den Oberhessischen Geschichtsverein und einer für das städtische Archiv bestimmt ist) hat sich auf 15 Mk. ermäßigt. Die Kosten im Betrage von 315 Mk. für die 21 Ausnahmen werden bewilligt.