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19.12.1893 Erstes Blatt
 
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"von zw-'' 9 nh vr. Lack« ' en und ur , i>! h naturgema» °

Eingesandt.

Gießen, 18. December 1893.

Dem Herrn Verfasser des am vorletzten jSonntag aufgeführten Änacters »Die Brüder" scheint die Kritik desGießener Anzeiger" über sein Opus furchtbar zu Hirne gestiegen zu fein, wenigstens läßt er in der Freitags-Nummer desGießener Tageblatt" eine wuth- schnaubende Philippika los gegen den Recensenten, der es gewagt hat, daS Kind seiner Muse in so freventlicher Weise anzugreisen. Obwohl die Vorwürfe, welche der Verfasser dem Recensenten machen zu müssen glaubt, für den, der das Stück objectio angesehen, überhaupt keiner Widerlegung bedürfen, so mag doch für diejenigen Leser dieses Blattes, welche nickt dasbenetdenswerthe Glück" hatten, Zeugen der Ausflüsse der poetischen Ader des Herrnklein -r* zu sein, « tne Prüfung seiner 20 Sätze auf ihre Richtigkeit und besonders aus ihre Wahrheit denn der Scharfsinn jenes Herrnklein -r" verläßt ihn manchmal nach dieser Richtung hin hterjsolgen, leider müssen wir dabei die total consuse Anordnung des Artikelschreibers im In­teresse der Vollständigkeit bestehen lassen :

Nun denn ad 1)Bruno also fei nicht der Mörder seiner Frau." Ja, im gewöhnlichen Leben nennt man einen Menschen, der einen anderen tobt schießt, Mörder, und wie dies Wort hier zu verstehen war, ergab sich aus der vorausgegangenen Wiedergabe des Inhaltes des Stücke» klipp und klar, wenigstens für andere Sterbliche. Der Herr Verfasser scheint indessen offenbar in seinen Musestunden juristischen Studien nbgelegen zu haben, deren Früchte er hier vorzusühren gedachte, indem er uns mehr ober minber eine Interpretation des $ 211 des St. G. B. abverlangte.

ad 2)Bruno wolle nicht für fein Opfer beten, sondern an Mathildens Lager einfach beten": Der Herr Verfasser würde dem Recensenten einen Gefallen erwiesen haben, wenn er ihm ver- rathen hätte, für wen Bruno an der Leiche seiner Gattin betet, aber es scheint jetzt, daß ihm selbst dies etwas schleierhaft geblieben ist.

ad 3) Wer sichkriegen soll", fragt der Herr Verfasser? Er geht also von der naiven Ansicht aus, die man übrigens sonst bei Backfischen häufig findet, daß nur die Stücke einen befriedigenden Schluß haben, indemsie sich kriegen".

ad 4) Da wir in unserem deutschen Wörterbuck eine Erklärung für den monströsen AusdruckTendenzverpfefferung" vergeblich ge­sucht haben, so bedauern wir, hier keine genügende Antwort geben zu können; würde indessen der Herr Verfasser mit feiner Phrase meinen, da« Stuck solle keine Tendenz haben, so schlägt er sich damit selbst ins Gesicht, denn er schrieb doch in einer Reclame für fein Machwerk: Der Autor trittenergisch" ein für jene gefallenen Mädchen ?c.

ad 5) Auch den AusdruckMucker" hat, wenn uns nicht alles täuscht, der Verfasser selbst in einem ähnlichen, allerdings nicht ge­druckten Aufsatz geschrieben, vielleicht fällt es ihm wieder ein, wenn er daran erinnert wird.

ad 6) Die Frage, ob es auchangenehme, nicht heuchlerische Mucker" gäbe, ist ein recht armseliger Witz, den wir dem Verfasser eines so wuchtigen Schauspiels nicht zugetraut hätten.

ad 7) Die Stelle, an der sichder vor Jahren gewissen­lose Lebemann Bruno" alsgefesteter Eharacter" deutlich entpuppt, haben wir im Stücke vergeblich gesucht.

ad 8 und 9) Wenn dem Herrn Verfasser die Darstellung der ^.Mathilde" gefallen hat, so ist eben sein Geschmack von dem des Recensenten verschieden, eine Eigenschaft, worüber ihm letzterer nicht gram ist. Glaubt er aber weiter eigentlich selbst, eine Person sei dadurch scharf characteristrt, daß man beachte die Stilblüthe ihre Schwermuth von Kirchhof und Allerseelen phanta-

firt?! oder etwa dadurch, daß sie ihrem Gatten ein Geständniß machen will, von dessen Fornfder Beschauer absolut kein Ahnung hat?

ad 10 und 11) Der Recensent wird sich bet der Wahl seiner Worte doch wohl nicht erst die hochwohllöbliche Genehmigung des Herrn klein -r* einholen müssen. Wenn indessen der Herr Verfasser selbst an feinerpoetischen Erfindung?- und Gestaltungsgabe" zweifeln fottte, so rathen wir ihm, seine schriftstellerische Laufbahn in aller Stille abzuschließen.

ad 12) Wenn der Herrklein -r" in den Ausdrücken:es fehlt ihm zum wirksamen Bühnenschriststeller noch manches," und Das Stück krankt an mehreren schweren liebeln" einen inneren Widerspruch findet, fo zeigt er damit, daß ihm ein gütiges Geschick eine Spürnase verliehen hat, um die ihn manch anderes Geschöpf sehr beneiden könnte.

ad 13. Daß der Dichter uns darüber belehren soll, daß es Dirnen ,c. gtebt, hat fein Mensch, am wenigsten der Recensent, verlangt.

ad 14. Ebenso hat der Recensent niemals behauptet, Jakob wäre wegen seines unsympathischen Eharakters weniger scharf gezeichnet, sondern das gerade Gegenthetl hiervon. Indessen zeugt eben dieser Satz, sowie das folgendedrastische Beispiel" von dem schon er­wähnten Scharfsinn des Verfassers, denn die Wortekeine Charaktere" kommen in der angeführten Besprechung von Ibsens Gespenster" überhaupt nickt vor. Der ganze dort ausgesprochene Gedanke scheint Herrnr absolut unverständlich geblieben zu sein.

ad 15. Der Recensent erkühnt sich, abweichend von dem Herrn Verfasser, die Ansicht zu haben, daß eine unnatürlich charakteri- firte Figur eben schlecht charakterisirt ist. Vielleicht sind andere derselben Meinung.

ad 16. Daß der Verfasser Sudermann erreichenwill", hat der Recensent wiederum mit keiner Silbe gesagt! Das genügt!

ad 17. Den Zweck einer Recension hat der Herr Verfasser ziemlich unglücklich, nämlich nur halb erkannt. Vielleicht gestattet er, daß der Recensent desGießener Anzeiger" manchmal sich die Frei­heit nimmt, neben dembegründen" auch die Leistungen der Schauspieler zu kritisiren, und dabei werden Ausdrücke, wieallzu montrtrt",recht tüchtig",läßt zu wünschen übrig" rc. schon erklär­lich fein, für andere natürlich. Indessen muß die Schule, die der Herr Verfasser besuchte, etwas eigner Natur gewesen sein, wenn er solchealtfränkischen Magisternoten" erhielt, auch der deutschen Grammatik scheint er dort keine besondere Beachtung geschenkt zu haben, sonst würde er doch wohl nicht Wendungen, wienicht » etwa" rc. für Prädikate von Leistungen ansehen. Ja, ja, das kleine r war eben arg wüthend auf das große Z.

ad 18. Herrr glaubt in der bösen Kritik auch eine Stil­blüthe gefunden zu haben und ist darüber, wie er sagt,entzückt". Allerdings ist diese wichtige Entdeckung nur für ihn von Werth. Die übrigen Leser desGießener Anzeiger" haben keinen Theil daran. Wir lassen den betr. Satz hier nochmals wörtlich folge», das wird genügen. Er heißt:Was er (der Autor) gewollt, läßt sich höchstens ahnen, nämlich (für Herrnr setzen wir hinzu: so. er wollte) ein» treten für jene gefallenen Mädchen; u. s. w."

ad 19. Der Diel umstrittenedreimalige Hervorruf der Schau- ' spteler" ging größtentheils von dem Publikum der linken Gallerte aus, das meist aus halbwüchsigen Jungen bestand; wenn dem Autor mit i deren Beifall gedient ist, bann hätte er gut daran gethan, sich auch 1 seinen Recensenten dort zu suchen, vielleicht würde er mit dem mehr ; Glück gehabt haben.

ad 20. Der Einwand, welchen der Artikelschreiber gegen das Wortaußerdem" macht, ist zu schülerhaft, als daß man ihn ernst nehmen könnte, und daß im Interesse bet Kürze bes Ausbrucks bie

Posse5201 «X 25 mit dem anderen aufgeführten Lustspielcherr Die Frau Kafieewinhin" ebenfalls als solches bezeichnet wurde, ist unseres Erachtens nicht der größte Fehler, den die Welt gesehen Der einigermaßen Ltteraturkundige erkannte aus der Deminuttvsorm, was von den Stückchen zu halten fei. Die artigen Complimentc, mit welchen der tiesgekränklc Verfasser den Schluß seines Artikelchens würzt, bedauert der Recensent desGießener Anzeiger" aus Anstand nicht erwidern zu können. Er wünscht Herrn r viel Glück zu seiner ferneren literarischen Thätigkett und schließt seinerseits die Discussion über diesen Gegenstand, der ihm wirklich nicht mehr Worte werth zu sein scheint. Sollten dem Verfasser des Stückchens indessen noch weitere Auslassungen belieben, fo wirb bet Recensent seinen Trost barüber in ben Versen Lessings finden, bie er einst auf einen Dichter über besten Werke schrieb:

Er macht damit---

Unnachzuahmend lächerlich.

Und wen denn? Welche Frage? Sich. Z.

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Beide Abheilungen des Umlagekatasters der land- und forstwirth- schastlichen Berufsgenostenschast, fortgeführt für 1893, liegen zwei Wochen lang, nämlich vom 19. December 1893 bis zum 2. Januar 1894, auf der Bürgermeisterei zur Einsicht der Betheiligten offen. Etwaige Ein« spräche gegen den Inhalt dieser Kataster sind innerhalb einer Frist von vier Wochen nach Offenlegung bei dem Vorstände der land- und forst- wirthschaftlichen Berufsgenossenschaft in Darmstadt bei Meidung späterer Nichtberücksichtigung vorzubringen.

Gießen, 18. December 1893. 10139

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