Kammermusikabend fällen mußten. Wir muffen annehmen, Aufregung oder eine sonstige Indisposition ihn an jenem ersten Abend verhinderte, daS zu zeigen, was er wirklich leisten kann. Besonders gut gelang ihm am vorgestrigen Abend die Nocturne von Chopin, während der Vortrag der Raff'schen Etüde etwas von dem ihr innewohnenden Zauber vermissen ließ. Eine Etüde im eigentlichen Sinn ist dieses Stück nur äußerlich, innerlich ist es ein prächtiges Salonstückchen, welches mit großer Freiheit vorgetragen werden kann und muß. — DaS Publikum ehrte Herrn Polster durch starke Beifalls- äußerungen. Beethovens op. 1 Nr. 1 (Trio in es) beschloß ö;n Abend. Auch hier zeigten sich deutlich die Fortschritte, welche die Künstler seit ihrem letzten Auftreten im Zusammenspiel gemacht haben. Die Durchführung gelang, von einer kleinen Schwankung im ersten Satze abgesehen, aufs beste, die Nüancirung hätte wohl im einzelnen genauer durch- geführt werden und namentlich die Clavierpartie zu wirksamerer Geltung gelangen können. Sehr gut gefiel uns sowohl im Streichquartett, als auch im Trio Herr Schulze (Violoncello). Vielleicht läßt er sich in einem der nächsten Concerte als Solist hören? — Der Besuch des Concertes hätte bester sein können. Derartige Unternehmen zu unter* stützen, sollte die Pflicht jedes Musikliebhabers sein.
*• Christbescheerung. Gestern Nachmittag 5 Uhr fand in dem Schulhause an der Westanlage die von Herrn Lehrer Curschmann arrangirte Christbescheerung für arme Schulkinder statt. Es ist das 44. Mal, daß Herr Curschmann sich als Wohlthäter der mittellosen Schulkinder erweist, und ist es wohl selbstverständlich, daß mit jedem Jahre die Zahl der zu Beschenkenden mit dem Wachsen der Einwohnerschaft Gießens zunimmt. 248 Kindern (in der Mehrzahl Mädchen) wurden Kleider (jedem Kinde vorher angemessen und solid gearbeitet), Msse, Aepfel, Confect und Bretzeln überreicht. Nach einem von Herrn Lehrer Spitz dirigirten Chorgesang mrd dem Vortrage eines Gedichts von Seiten einer größeren Schülerin hielt Herr Curschmann an die Kinder wie an die zahlreich erschienenen Erwachsenen eine Ansprache, in welcher er zunächst dem Dank gegen Gott Ausdruck gab, daß es ihm vergönnt sei, nun zum 44. Male die Christbescheerung zu leiten. Er dankte ferner Allen, die ihm die diesjährige Feier durch Rath und That, durch Geschenke und Stiftungen, ermöglicht, hob den großen Wohlthätigkeitssinn der Einwohnerschaft Gießens hervor und richtete schließlich an die Kinder die Aufforderung, sich der ihnen zu Theil gewordenen Gaben durch Fleiß, Ordnungsliebe und gutes Betragen ihren Eltern und Lehrer gegenüber würdig zu zeigen, dann hoffe er, so Gott wolle, ihnen im nächsten Jahre wieder eine Weihnachtsfeier zu bereiten. Die unter strahlendem Christbaume von Statten gegangene Feier schloß mit einem von den Schülerinnen schön vorgetragenen Weihnachtsliede.
** Am gestrigen Sonntage hielt der Verein Jugendfreund (Cigarrenabschnittsammelverein) zum 14. Male seine Christ- bescheerfeter in dem wiederum in dankenswerther Weise zur Verfügung gestellten Turnsaale der höheren Mädschenschule ab, bei der 7 Knaben und 5 Mädchen vollständig gekleidet wurden. Verschönert wurde die Feier durch die GesangS- abtheilung der Bürgergesellschaft, die auch Heuer zwei Weihnachtslieder zum Vortrag brachte, zwischen denen das Vorstandsmitglied Heuser eine kurze Ansprache hielt, in der er die Kinder namentlich zum Gehorsam gegen die Eltern und Lehrer, und zu anhaltendem treuen Fleiß in Haus und Schule aufforderte. Gegen %5 Uhr wär die schlichte Feier beendet. Möge das Wohlwollen, das dem Verein stets bewiesen worden ist, ihm auch in Zukunft erhalten bleiben und die Zahl seiner zahlenden Mitglieder eine noch größere werden, damit er in Zukunft im Stande sei, eine wieder größere Zahl Kinder zu kleiden.
** Die gestrige Christbescheerung in der von Frau Clara Rothe hier geleiteten Kleinkinder-Schule gestaltete sich zu einer Eltern wie Kinder gleich erfreulichen Feier. Sie sand diesmal im „Einhorn" statt. Alles, was die Kleinen, die noch nicht schulpflichtig sind, bei „Tante Rothe" an Hand- wie an Sprachfertigkeit gelernt haben, setzte die Anwesenden in Entzücken und zeigte, daß die Kleinkinder- Schule eine gute Vorstufe für den späteren Schulbesuch ist.
B-l. Christbescheerung. Der Gießener Zither-Club (WohlthätigkeitSverein), der sich schon seit einer Reihe von Jahren zur Aufgabe gemacht hat, armen nothdürftigen Kindern eine WeihnachtSsreude zu bereiten, feierte gestern Abend seine diesjährige (neunte) Christbescheerung in „SteinS Garten". Nachdem sich die zahlreichen Gäste, sowie die unterstützungsbedürftigen Kinder versammelt hatten, hielt Herr Spengler- meister Rüdiger die Begrüßungsrede. Nach dem Liede „Stille Nacht, heilige Nacht" ergriff Herr Bran d das Wort, um den Mitgliedern sowie den Gästen, die sich zur Verschönerung der Feier alle Mühe gegeben hätten, seinen Dank auszusprechen. Hierauf wurden die Geschenke unter die 14 armen Kinder (8 Knaben und 6 Mädchen) verthcilt. Die Kinder erhielten vollständige Kleidung, welche sich auf den Gesammtbetrag von 400 Mark belief. Freudestrahlend nahmen sie ihre Geschenke an. Hieran schloß sich das Zither-Concert, welchem die Gäste die größte Aufmerksamkeit schenkten, und welches dem Dirigenten deö Vereins alle Ehre machte. Unter den Mitgliedern fand später eine Verloosung der gegenseitig gestifteten Geschenke statt, welche in manchen Fällen die größte Heiterkeit erregte. Zu Gunsten der Vereinökaffe wurden noch einige Gegenstände, eine prachtvolle Lampe, Photographie- Album usw. versteigert, welche der Kaffe ein ganz nettes Sümmchen eintrugen. Gemüthliche Unterhaltung hielt die Theilnehmer noch lange zusammen.
Z. Reue« Theater, lieber dem gestrigen Theaterabend leuchtete ein glücklicher Stern. Nicht als ob die beiden auf- gesührten Stücke klassische Kunsterzeugniffe gewesen wären, nein, im Gegentheil, dazu waren sie viel zu barmloS, das eine ein überaus lustiger dreiactiger Schwank von G. von Moser: „Ein glücklicher Familienvater", das andere em einactigeS Lustspiel von Eduard Schacht: „Eingeschneit".
Jndeß die frische und lebendige Art der Wiedergabe beider Stücke erfreute alle Besucher sehr und ließ sie über manche Schwächen der Werke selbst nachsichtig hinwegsehen. DaS zuerst aufgeführte Stückchen zeigt unS einen jungen liebenswürdigen leichtsinnigen Maler, der seinen alten Onkel fort- während anpumpt, indem er vorschützt, er sei verheirathet, und müsse für Weib und Sind sorgen. Der gute Onkel hilft immer, hat jedoch eines Tages die Marotte, sich den Haushalt seines Neffen einmal selbst anzuseaen und sagt seinen Besuch bei demselben an. Darob natürlich große Verlegenheit, indeffen Rosenberg, ein Freund des MalerS, hilft, er pumpt alles: Haushalt, Ktnd und Frau, d. h. nicht seine eigne, sondern deren Schwester Clara, die sich dazu hergiebt, nur um dem Maler, der sie immer foppt, einen Streich zu spielen. Statt daß sie, wie verabredet, die böse Sieben marktrt, ist sie daß liebenswürdigste Frauchen der Welt. Und so kommt der ganze Schwindel an s Licht, der Maler ist jedoch selbst von der Tüchtigkeit seiner gepumpten Frau so sehr überzeugt, daß er sie als ständiges Eigenthum erwirbt. Die Hauptrolle des Stückes, eben die der Clara, wurde von Frau Reiners sehr hübsch gegeben. Besonders das Doppelspiel, dem Onkel gegenüber das Schmeichelkätzchen, dem Maler gegenüber der Hausdrache, gelang der Künstlerin, der überhaupt der Löwenantheil an dem Erfolg des Abends gehört, vortrefflich. Der Maler war in Herrn Reiff ebenfallrecht gut vertreten. Der „alte Onkel", Herr Gohr, war für sein Alter noch etwas sehr beweglich. Das Ehepaar „Rosenberg" spielten Herr Raschig und Fräulein Schumann recht schlicht und natürlich. — Das zweite Stück „Eingeschneit" behandelt ein etwas unwahrscheinliches Sujet, ist indeffen recht anmuthig durchgeführt: Der ledige Schriftsteller Wolfram hat eine Pflegetochter Nina, die sich in ihren Vater verliebt dieser schwärmt schon für eine andere Dame, wird jedoch durch eine List seiner Tochter „eingeschneit", er erkennt da erst die Vorzüge Ninas, und verlobt sich mit ihr. Besonders die Rolle der Nina verlangt, um auch nur einigermaßen den Schein der Möglichkeit zu erwecken, eine überaus routinierte Darstellung. Frau Reiners gelang es überraschend, obwohl sie im vorher- gehenden Stück eine von dieser ganz verschiedene Figur dargestellt, sich ganz in den Character dieser Rolle zu finden. Gerade die Darstellung des Unterschiedes zwischen der Liebe des Kindes zum Vater und der des Weibes zum Mann verdient lobend erwähnt zu werden. Die ziemlich undankbare Rolle Wolframs führte Herr Reiff sehr zufriedenstellend durch.
** Am gestrigen Sonntage war der Verkehr auf den Straßen und in den Verkaufsgeschäften ein reger. Es hatten sich viele Bewohner der Umgebung eingefunden. Die Schaufenster, deren geschmackvolle Anordnung man durchgehend loben muß, waren stets dicht umlagert von Schau- und Kauflustigen. Hoffentlich entsprechen die Einkäufe den Erwartungen der Geschäftsinhaber, wenn auch nicht zu verkennen ist, daß sich die Kauflust vorzugsweise auf billige Artikel richtete.
** Der kürzeste Tag des Jahres, deffen Dauer nur 7 Stunden 47 Minuten beträgt, rückt immer näher. Es ist dies bekanntlich der 21. December, der nach dem Kalender zugleich den Anfang des Winters bezeichnet. Von da an nehmen die Tage, wenn auch vorerst kaum bemerkbar, wieder zu.
** Verhaftet wurden ein junger Mann von hier wegen Unterschlagung von 60 Mark, ein lüderliches Frauenzimmer und ein Bettler.
** Von der Königlichen Eisenbahndirection zu Hannover wird uns mitgetheilt, daß in Rücksicht auf die diesjährige Lage der WeihnachtSseiertage, sowie darauf, daß der Neujahrs- tag 1894 auf einen Montag fällt, die am 23. und 30. d. M. gelösten Rückfahrkarten von mindestens dreitägiger Giltigkeitsdauer zur Rückfahrt noch am 27. dsS. Mts., bezw. 2. Januar k. I. zugelassen werden.
** In Amerika verstorbene tzeffen. Newyork City. John H. Haar, 45 Jahre alt, aus Butzbach. Cincinnati, O. Johann Auber, 83 Jahre alt, auS Kaffel. Louisville, Ky. Joh. Puß, 64 Jahre alt, aus MenSfelde, Georg Phil. Resch, 75 Jahre alt, aus Darmstadt. Newton Getute, Mass. Clara, Ehefrau von John I. H a f f e r m e h l, 23 Jahre alt, auS Goddelau.
** Mit dem 15. December ist die Winterschonzeit für Fische in allen fließenden Gewässern des Großherzogthums beendet. — Mit dem gleichen Tage beginnt auch die Heegzeit für weibliches Rehwild und dauert bis zum 15. October des nächsten JahreS.
-y. Lang-Göns, 17. December. Die hiesige freiwillige Feuerwehr feierte gestern ihr 13. Stiftungsfest. Abends 8*/, Uhr wurden die Gießener Gäste, Mitglieder der beiden freiwilligen Feuerwehren, vom Bahnhof mit Musik abgeholt und nach dem Festlocal geleitet. Nachdem Herr Brückel, erster Hauptmann der Lang Gönser Feuerwehr, dem zweiten Hauptmann Herrn C. Wenzel daS Wort ertheilt, begrüßte dieser die erschienenen Gäste mit einer kurzen Ansprache. Hierauf beleuchtete Redner mit einigen Worten den Zweck und daS Wesen der Lang-Gönser Feuerwehr^ und kam namentlich auf die Gründung derselben zu sprechen. ES sei im Jahre 1880 gewesen, wo die Bewohner von Lang-GönS in immerwährender Angst und Schrecken lebten, indem von bekannter bübischer Hand zahlreiche Brände angelegt wurden. Dieser Umstand hatte die Bewohner bestimmt, eine eigene Feuerwehr zu errichten, um dem verheerenden Elemente künftighin Trotz bieten zu können und zähle daS Corps heute bereits 70 Mitglieder, welche mit freubiger Hingebung sich der guten Sache widmen. Herr Gail, Vertreter der Gießener freiwilligen Feuerwehr, dankte im Namen fämmtlidjer anwesenden Gießener Kameraden für die freundliche Einladung und Ausnahme und überreichte dem ersten Hauptmann der Lang-Gönser Feuerwehr im Auftrage seines Corps eine Anzahl Lieder. Für musikaltsche Unterhaltung sorgte ein Theil der Mitglieder deS Gesangvereins Frohsinn, welcher zu den Mit
Schiff» nach richten»
Der Poftdampser „Pcnn'vlvania" der .Heb Star Vine* in Antwerpen ist laut Telegramm ent 14. December wohlbcbaUen in Philadelphia angenommen. — o. , . e ,
Der Potidampfer „öaeflümb' der .Red Llar Line' in Antwerpen ist Laut Telegramm am 15. December wohlbehalten in Aew» Dorf angekommen.
gliedern der Feuerwehr zählt. Nachdem man sich in kameradschaftlichem Beisammensein genügend unterhalten hatte, trennten sich sämmtliche Festtheilnehmer in später Mitternachts- stunde.
Lich, 16. December. Unter Bezugnahme auf die Noti; im „Gießener Anzeiger", daß Herr Gastwirth Hofmann in Bersrod ein Schwein von 488 Pfd. schlachtete, fei hier erwähnt, daß Herr Landwirth Conrad Diehl in Birklar dieser Tage ein solches von 527 Pfund Schlachtgewicht schlachtete.
Lanzenhain (bet Herbstein), 15. December. Gestern Abend gegen 12 Uhr wurde in dem durch unseren Ort fließenden Bache, mitten im Orte an einer Brücke, die Leiche der Ehesrau deö Heinrich Ganß von hier vorgefunden. Durch dcn anhaltenden Regen seither war daS Wasser btl an die User getreten. Die unglückliche Frau, die noch gestern Abend einen Besuch machen wollte, war jedensallS in der herrschenden Dunkelheit nicht vorsichtig genug und ist so in ihr Verderben gegangen, indem sie die Brücke verfehlte und von der direct an den Bach anstoßenden Straße inS Wasier fiel. Dieses Ereigniß dürste doch Grund genug sein, auf den OrtSstraßen, die unmittelbar an den Bach grenzen, ein Geländer anzubringen, so daß ähnliche Fälle vermieden werden.
Herbstein, 15. December. Der ungebetene Gast, die Influenza, ist seit etwa 14 Tagen bei unS sowohl all auch in der ganzen Umgegend eingekehrt und richtet überall an jeder Thür anpochend Unheil an. Ganze Familien liegen an der tückischen Krankqeit darnieder. Hier in Herbstein sind ca. 300 Personen erkrankt.
K. Nidda, 16. December. Der seit dem Ortenberger „Kalten Markt" fehlende Meyer Daub von hier ist vorgestern bei Heldenbergen aus der Nidder gezogen worden. Eine Beraubung beffelben scheint nicht stattgefunden zu haben, da derselbe noch im Besitze seiner Werthsachen war.
△ Mainz, 17. December. Nach zweitägiger Verhandlung ist gestern in später Abendstunde vor dem hiesigen Schwurgericht der mehrerwähnte MeineidSproceß gegen den als mehrfachen Millionär geltenden Weinhändler M. H. Arens von hier zu Ende gegangen. Die große Wohlhaben heit des Angeklagten hat, in Verbindung mit verschiedenen Mittheilungen über die Motive, die denselben zu dem Vergehen bewogen, dem Proceffe ein außergewöhnliches Interesse verliehen, weshalb der Andrang zu den zweitägigen Verband- lungen ein ganz coloffaler war. Die thatsächlichen Verhält niffe der Anklage sind kurz folgende: Der im 60. Lebensjahre stehende Arens hat längere Zeit baß Vermögen einer berroitttoeten Schwester verwaltet und ausbewahrt. Nach dem im vorigen Frühjahr erfolgten Ableben der letzteren wurde Arens zum Vormund der Kinder seiner Schwester bestellt, wobei er alsbald vor dem Amtsgericht, wie auch vor einem die Jnventarisirung betreibenden Notar einen Manifestation-eid über die Höhe des Vermögens der Kinder leisten mußte. An beiden Stellen beschwor Aren-, daß da<- Vermögen sich auf 30,000 Mark beziffere. Infolge einer Denunciation eine! Verwandten wurde aber ermittelt, daß das Vermögen der Mündel nicht 30,000 sondern 50,000 Mark beträgt. Nunmehr wurde ArenS in Untersuchung genommen und zwar wegen Ableistung zweier falscher Eide und Hinterziehung von DormundschaftSgeldern. Letztere Anklage wurde indeß alsbald wieder fallen gelaffen, da ArenS seinen Mündeln anderweitig 30,000 Mark verschrieben hatte. Anfänglich jegliche Schuld leugnend, legte Arens nach einiger Zeit ein Geständniß ab, daß die beschworene Dermögensangabe eine falsche sei, er indeß nicht auS Eigennutz gehandelt habe, sondern lediglich nur, um eine Steuerhinterziehung zu verdecken, der sich seine verstorbene Schwester dadurch schuldig gemacht, daß sie Jahre lang ihr steuerpflichtiges Vermögen statt mit 50,000 Mark nur mit 30,000 Mark beclarirte. Im Lause ber Vor Untersuchung zog ArenS bas Gestänbniß theilweise wieder zurück und traten überhaupt Momente ein, bie den Verthei- biger bes Beschulbigten veranlaßten, eine Untersuchung bei GeisteszustanbeS seines Clienten zu beantragen. Neben ben komischsten Geschäftsmanipulationen würben mSbesonbere eine große Anzahl Briefe von ArenS vorgefunben, bie er an ten Großherzog unb alle möglichen Behörben mit ben unsinnigsten Denunciationen unb ben ungereimtesten Anschulbigungen richtete. Noch ein besonderes Steckenpferd von Aren- trat hervor, nämlich, daß er sich überall von Freimaurern verfolgt sah. ArenS wurde hierauf von vier Aerzten auf seinen Geisteszustand untersucht, zu welchem Behuse er aus einige Zeit in die LandeSirrenanstalt nach Heppenheim verbracht wurde. Zwei ber Aerzte, Dr. Schöffer von hier unb Dr. Kratz - Heppenheim, erklärten ben Geisteszustand von ArenS „minberwerthig", inbeß nicht für unzurechnungsfähig, während» bie zwei anberen Aerzte, Prof. Dr. Pellmann in Bern unb Dr. Eichhorn von hier bie Ansicht vertraten, baß bei ArenS erbliche Geisteskrankheit vorhanben, welche bie freie Willensbestimmung beeinflusse. Die ganze, von zwei Anwälten, ben Rechtsanwälten Dr. Lichten unb Dr. Lucius gt' führte Vertheibigung concenrrirte sich naturgemäß auf die ärztlichen Gutachten, wobei inßbefonbere Dr. Licht» mit großem Geschick bie Anschauung beß Prof. Dr. Pellmann für feinen Clienten zur Geltung brachte. Daß Verbiet ber Geschworenen ging schließlich bahin, daß sie Aren- nicht bei wissentlichen, wohl aber beß fahrlässigen Meineibl für schuldig erklärten, woraus ber Gerichtshof eine Gefängnißstraie von sieben Monaten erkannte, die durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt und ArenS in Freiheit gesetzt wurde.
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