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Sonntag den 19. November
srr. 273 Zweites Blatt
1893
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Die Siebener
Kenerat-Wnzeiger
und Anzeigeblatt für den Aireis «Kietzen
Gratisbeilage: Gießener Jamikienblätter
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i>cu llicheS, anschauliches Bild von der Lage unserer Lands-
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(ente in dem vom Czechenthum bedrohten Theile Oesterreichs
uib nicht vergebens richtete der Redner die herzliche Auf-
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gepriesenen Residenz zu verbannen.
jcwonneneS Mitglied unserer Hofbühne, hatte freundlichst ijre Mitwirkung zugesagt und sprach einen schwungvollen, 6cn Herrn Gymnasiallehrer Dr. Eduard Otto verfaßten
Annahme von Anzeigen zu brr Nachmittag» fflt den tzlgmdm Tag erscheinendrn Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
Alle AnnoncM'Bureaux de» In- und Äu-lande» nehm« Anzeigen für den „Siebener Anzeiger" entgegen.
Verden dem Anzeiger tatcherUlich dreimal hotßelegt.
jcrietung an die Anwesenden, die Sache deS Schulvereins )i; fördern und zu unterstützen. Nach Erledigung des osfi-
Der
ßtatzener Anzeiger erscheint täglich,
Ausnahme deS Montag».
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anstaltet. Herr Professor Dr. Münch sprach dabei über das interessante Problem der electrischen Kraftübertragung. Seine populär gehaltenen Erläuterungen wurden durch sehr schöne Experimente veranschaulicht, die das größte Interesse erregten. Endlich sei noch der beiden Demonstrationen eines Herrn Rsnau gedacht, der — wie im vorigen Jahre Herr Albin Krause, der ja auch in Gießen so vielen Beifall fand — hypnotische Experimente vorführte.
Jüngst hat auch die „Narhalla" wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben und ihren Freunden mitgetheilt, daß man mit der Ausarbeitung des närrischen Programms für die lustige Faschingszeit eifrig beschäftigt sei. Demnächst werde ich Ihnen wohl auch von dem Ergebniß der Preisconcurrenz um die beste Fastnachtsposse im Darmstädter Dialect berichten können. Im Vereinsleben hat sich übrigens jüngst noch ein sehr bemerkenswertheS Ereigniß vollzogen, indem sich eine Art Ortsgruppe des „Pensionsvereins deutscher Journalisten und Schriftsteller" gebildet hat, die unter der Leitung von Redacteuren zweier angesehener Zeitungen steht.
Der Bericht über die künstlerischen Veranstaltungen dieser Woche hat zunächst des Gastspieles der gefeierten Diva Sig- norina Prevosti am Hoftheater zu gedenken. Die berühmte Künstlerin, die erst im Frühjahre hier mit Beifall überschüttet wurde, hat als „Traviata" von Neuem wahre Triumphe gefeiert, ihr Gastspiel wird sich wohl noch bis Anfang nächster Woche erstrecken. Sonst brachte uns der Sonntag ein großes, prachtvoll ausgestattetes Ballettetdivertissement mit dem für Darmstadt neuen Serpentintanz und Leoncavallos noch immer außerordentlich zugkräftigem „Bajazzo". Am Dienstag fand das wundervolle altindische Schauspiel „Vasantasena" wieder wohlverdienten Beifall aller Kunstverständigen. Einen ganz prächtigen Verlauf nahm auch das letzte große Symphonie- Concert unserer Hofmusik am vergangenen Montag. Die großen Räume des Hoftheaters waren wiederum fast ausverkauft und das Publikum spendete den Leistungen der Künstler großen Beifall. Vor Allem wurde der berühmte Violinspieler Cesar Thomson aus Brüssel ganz enthusiastisch
llt Clavierbegleitong; auisches
Icirllen Theiles hielt eh e gesellige Vereinigung die Theil- »ehmer noch lange beisammen. Am Vorabend von dieser ivohlgelungenen Veranstaltung hatte der rührige „Volksbtl- I dumgSverein" seinerseits einen sehr lehrreichen Vortrag ver- •
Hebet Futterwerth und Futterersatz.
Nicht nur in Zeiten des Futtermangels, sondern auch bei der Viehfütlerung überhaupt kommt die Frage des FutterwertheS und Futterersatzes außerordentlich in Betracht, denn soll der Landwtrth heutzutage noch eine Rente aus der Viehzucht gewinnen, so muß er nicht theuereS und gutes, sondern billiges und gutes Futter kaufen. Diese wichtige Angelegenheit hat zu mancherlei Streitigkeiten geführt und wurde zumal von vielen Setten in irreführender Weise Kritik an dem Böttcher'schen Aufsätze in der „SSchs. landw. Zeitschrift" über Versütterung von Getreide und an den Maßnahmen der König!- Staatsregterung zur Linderung der Futternolh geübt.
Nach der „Sächs. landw. Zeitschrift" kommt bei der Frage des Futterersatzes, um Geld resp. Getreide zu sparen, aber barpisächltch folgende Berechnung in Betracht. Ein Thetl des Heues soll durch Stroh als Rauhfutter erseht und diesem diejenige Menge von Kraftfutterstoffen beigegeben werden, welche erforderlich ist, um den Thteren
die Grenzbegünstigung, welche es seither Oesterreich-Ungarn gewährt hatte, im Interesse Deutschlands aufgehoben. — Der neue Etat zeigt eine verhältnißmäßig ganz günstige Gestaltung. Es ist zwar ein Mehrbetrag an Matrikular- beiträgen von 39*/a Millionen Mark eingestellt, aber von diesen entfallen ungefähr 23^/z Millionen auf den durch die neue Militärvorlage geschaffenen Bedarf für die neue Heeres- Organisation, sodaß die Steigerung der Matrikularbeiträge aus anderen Ursachen sich nur auf 16 Millionen beläuft. Diesem Anwachsen der Beiträge der Einzelstaaten steht indessen eine Erhöhung der aus der Reichskasse an die Einzelstaaten gelangenden Einnahmen ans Zöllen und bergt im Werthe von 6 Millionen. Für die Einzelstaaten ergiebt sich somit die mäßige Mehrbelastung von 10 Millionen Mark.
In Oesterreich ist es dem Fürsten Windischgrätz, wie unsere Leser bereits wissen, nach langen Versuchen gelungen, ein sogenanntes Coalitionsministerium zu bilden. Das neue Cabinet besteht mithin aus Mitgliedern aller großen Parteien. Es ist nicht anzunehmen, daß ein so verschiedenartig zusammengesetztes Collegium im Stande sein wird, eine einheitliche Politik zu verfolgen. Einiges Aufsehen erregt der Besuch des österreichischen Ministers des Aeußern Kalnoky bei dem Könige von Serbien und seine Conferenzen mit dem italienischen Minister des Auswärtigen. Wenn auch offiziös in Abrede gestellt wird, daß es sich um politische Angelegenheiten handele, so ist dies bei der ganzen Sachlage gleichwohl in hohem Grade wahrscheinlich. — In Südafrika dauert der Kampf Spaniens mit den wilden Kabhlen bei Melilla noch an, ohne daß bisher eine Entscheidung nach der einen ober ber anberen Seite gefallen wäre.
Gießener Anzeiger'
| gefeiert, stürmische Hervorrufe würben ihm zu Theil, so baß । er sich zu einer größeren Zugabe entschließen mußte. Eine getheilte Aufnahme hat bagegen beim Publikum unb bei ber fachmännischen Kritik Richarb Strauß' Orchesterstück „Tod unb Verklärung" gefunden. Dagegen wurde die A-moll- Sinfonie von Saint-Saens und Mozarts herrliche G-moll- Sinfonie vollauf gewürdigt und bejubelt. Für die allernächste Zeit plant der „Musikverein" ein zweites großes Concert, der „Tabeaverein" hat gleichfalls ein solches in Aussicht gestellt unb am morgigen Samstag wirb ber Gesangverein „Huma- nitas" mit einer großen Abenbunterhaltung hervortreten. An künstlerischen Darbietungen ist augenblicklich bemnach mehr als genug geboten.
Der hohe fürstliche Besuch, der seither am Großherzog- lichen Hofe verweilte, ist nun wieber abgereift, bach schon für nächsten Dienstag steht bas Eintreffen eines neuen fürstlichen Gastes in Aussicht. Prinzregent Luitpolb von Baiern wird einen JagbauSflug in ben Spessart dazu benutzen, um an unserem Hofe einen kurzen Freunbfchaftsbesuch abzustatten. Verschiedene Hoffestlichkeiten sollen hierfür geplant sein, im Hoftheater findet eine Aufführung von „Vasantasena" als Galavorstellung statt. — Ein schönes Fest wird die Residenz in den nächsten Wochen zu begehen haben: den Geburtstag Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs. Verschiedene größere öffentliche und private Veranstaltungen sollen zur Feier dieses Tages abgehalten werden, seinerzeit werben wir bariiber an biefer Stelle genau berichten.
Nicht verschwiegen fei Ihren Lesern, baß DarmstabtS Mauern gegenwärtig einen schlimmen, gefürchteten Gast beherbergen: bie Influenza. Ist biefe so plötzlich auftretenbe Krankheit auch eigentlich nicht gefährlich, so sucht man sich boch ängstlich vor ihr zu schützen. Bei uns ist nun bie Zahl der Erkrankungen beträchtlich groß, das macht sich in der Oeffentlichkeit verschiedentlich bemerkbar. Hoffentlich gelingt es, den unwillkommenen Gast baldigst wieder aus unserer, sonst mit Recht als eine der gesündesten deutschen Städte
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’leihing: Herr k fatal aus Frankfurt il(
Wochenbriese «ns der Residenz.
(Origincklbericht für den „Gießener Anzeiger".)
Darmstadt, 17. November 1893.
AuS de» BereiuSlebeu. — Vortrage und Coucerte. — Fürstlicher Besuch. — Allerlei.
In den geselligen und künstlerischen Veranstaltungen ■Ikntnben Vereinen herrscht gegenwärtig reges Leben. Mehrere größere Gesellschaften haben schon den Reigen ihrer Winter- ttcgnügungen eröffnet, die Ballsaison hat bereits begonnen mnb desgleichen ist an musikalischen Abendunterhaltungen, bei tuen natürlich daS Tanzkränzchen auch nicht fehlen darf, Durchaus kein Mangel. Recht interessant und belehrend ist -om Donnerstag der von der hiesigen Ortsgruppe des „All- ftueinen deutschen Schulvereins" veranstaltete sog. „Deutsche Ibenb" verlaufen. Frl. Ravenau- Cretius, ein erst kürzlich
Coeole* unb provinzielles.
Hießen, den 18. November 1893.
** Der Getreidemarkt. Die verstauende Tendenz, durch welche sich der Getrei de markt in letzter Zeit erneut unvorrheilhaft auszeichnet, trat namentlich in der jüngsten Berichtswoche scharf hervor. Der Verkehr war in Roggen wie in Weizen außerordentlich still, wobei in beiben Artikeln die Preise noch weiter wichen. Bei dem Preisrückgang in Weizen wirkten neben ungünstigen Meldungen aus Amerika billige Angebote mit ein, während bei der gleichen Erscheinung im Roggengeschäft anscheinend die erneut aufgetauchteu Gerüchte über den angeblich günstigen Verlauf der deutsch russischen Hanbelsvertragsunterhandlungen einen gewissen Einfluß äußerten. Für Hafer bagegen bestaub vorwiegenb
politische Wochenschau.
Gießen, 18. November 1893.
Am vergangenen D/mnerstag hat ber Reichstag feine Arbeiten wieber ausgenommen. Abgesehen von bem Etat unb ben neuen Steuergesetzentwürfen, in benen bekanntlich neue Reichssteuern auf Tabak, Wein, Werthpapiere, Kauf- unb Anschaffungsgeschäfte, Loose, Quittungen üver mehr als 20 Mk., Checks unb Frachtbriefe vorgefchlagen werben, beanspruchen nur bie vorgelegten Hanbelsvertragsentwürfe eine höhere politische Bebeutnng. Von kleineren Vorlagen -fmb nur bie schon früher eingebrachten unb jetzt in teilweise beränberter Gestalt neu vorgelegten Entwürfe betreffs beS Unterstützungswohnsitzes, ber Abzahlungsgeschäfte, des Schutzes ber Waarenzeichen, ber Menschenseuchen unb ber Verstärkung ber Betriebsfonbs ber Reichskaffe aus Mitteln des Jnvalibensonds, zu erwähnen. Das Trunksuchtsgesetz unb scheinbar auch bas Unzuchtsgesetz (lex Heinze) sollen vorläufig ben Reichstag nicht wieber beschäftigen. Die Neugestaltung der Gewerbegesetzgebung nach Maßgabe der früher veröffentlichten Pläne des HanbelsministerS Berlepsch unb eine Gesetzgebung bezüglich bes Hausirergewerbes waren von vornherein für eine spätere Session in Aussicht genommen. WaS bie neuen Hanbelsverträge mit Spanien, Rumänien unb Serbien betrifft, fo werben biese zweifellos von bem Reichstage angenommen werben. Jnbeffen wirb ber „Bund ber Landwirthe" bie Gelegenheit wahrnehmen, um sich energisch gegen ben Hanbelsvertrag mit Rußlanb auSzusprechen, über ben gegenwärtig bie Unterhanblungen noch schivrben. In ber amtlichen Denkschrift zu den drei Vertragsentwürfen wird darauf hingewiesen, daß durch die Verträge bem deutschen Gewerbefleiß ein Absatz im Werthe von mehr als 100 Millionen Mark erhalten werden soll. Deutschland ist In seinen Zugeständnissen nur wenig über das Maß der an Oesterreich-Ungarn, Italien, Belgien unb bie Schweiz gemachten Vergünstigungen hinausgegangen. Für Spanien bildet namentlich bie Ermäßigung ber beutschen Zölle auf SBeiit unb Südfrüchte unb für Serbien unb Rumänien bie ßtniebrigung der Getreidezölle bie Grunbbebingung für bie Annahme beS Vertrages. Andererseits hat Spanien mit Rücksicht auf eine mittlerweil sehr aufgeblühte Spritindustrie in eine Herabsetzung ber spanischen Spritzölle nicht willigen Linnen, bafür aber eine Reihe anderweitiger Zollminderungen jugeftanben. Rumänien hat in seinem Vertrage Deutschlanb bk volle Meistbegünstigung gewährt unb verschiedenen Industriezweigen Erleichterung gewährt. Serbien endlich hat
Deckungsfrage, fo daß sich die Preise für diesen Artikel im Allgemeinen etwas steigerten. Notirungen an ber Berliner Probuctenbörse: Weizen von 135 bis 146 Mark pro 1000 Kilogramm, Roggen von 121 bis 127 Mark, Hafer von 151 bis 189 Mark, Gerste von 120 biß 185 Mark.
U. Nieder-Mockstadt, 16. November. In unserer Gegend wachsen bekanntlich bie besten Zwiebeln in ber ganzen Provinz Oberhessen- dazu kommt, baß neben biesen vorzüglichen Eigenschaften eine große Masse erzeugt wirb, was beweist, baß ber ©oben unb bas Klima bas ihrige bazu beitragen, quantitativ unb qualitativ gute Resultate zu erzielen. Man findet solche Erscheinungen oft in Gegenden, wo Handelsgewächse gebaut werben z. B. im Rieb, wo der Tabak gedeiht; bei Büttelborn unb Groß-Gerau, wo bas beste Sauerkraut wächst- in Biblis, wo bie Gurken ausgezeichnet gebeihen und bei uns, wo bie Zwiebeln floriren. Man soll barum nicht eigensinnig am Körnerbau hängen, welcher in ben letzten Jahren sehr geringe Erträge lieferte. Bei uns ist ber Weizen auf 14 Mark gesunken. Zu biesem Preise beckt er bie Erzeugungskosten nicht mehr. Unsere Bauern füttern ben Weizen mit ben Pferben und verkaufen den Hafer, welcher mit 16 bis 17 Mark bezahlt wird. — Man hat hie unb ba schon Beispiele vorgeführt, was burch Erzeugung von Hanbels- gewächsen erworben werben kann. Ihre Zeitung brachte vor einigen Wochen bie Nachricht, baß ein Mann in Glauberg für 2200 Mark Zwiebeln verkaufte. Hätte er Weizen auf jenen Felbern gehabt, Wäre ihm vielleicht noch nicht ber vierte Theil übrig geblieben. Noch merfwürbiget ist, daß ein hiesiger Mann auf einem Viertel Morgen Ackerfelb 45 Gentner Zwiebeln erntete, bie er zu 5 Mk. pro Gentner, zusammen 225 Mk. verkaufte.
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frolog. Ebenso hatte ber Männerchor „Humanitas", ber tc fehlt, wenn es gilt, ein ebleS Unternehmen zu förbern, kn Vortrag einiger paffenber Chöre übernommen unb ent- Itligte sich biefer Aufgabe unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Musikbirector Reifer, mit großem Geschick. Den
(oxtrag beS AbenbS hielt Herr Alois Funke aus Komotau ir Deutsch-Böhmen, ein um bie Förberung bes DeutschthumS ir Oesterreich sehr oerbienter Mann. Sein Thema lautete: ^Schattenbilber aus Deutsch-Oesterreich", eS entrollte ein


