Ausgabe 
19.11.1893 Erstes Blatt
 
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1898

Sonntag den 19. November

Mr. 273

Erstes Blatt

Kenerat-Mnzeiger

Ferrffprccher 6L

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gietzen.

chratiskeikage: Gießener Zamitienblätter

Amtlicher Theil

i. Rübwmen

Alle Ännoiucn-Bureaur M In- und lultaiM nehm» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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a|wt wen Anzeigen zu der KachmiNag» für den fwlgmd«, Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

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Dir Gießener

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?Sch«tlich dreimal

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Gefunden: 1 Federwaage, 1 Geldbeutel mit Inhalt, 1 Metermaß, 1 Stiefel, 1 Lesebuch, 2 Pferdedecken, 1 Päck­chen mit Inhalt und Theile von einem Zuggeschirr.

Zugelaufen: 1 Wachtelhund.

Gießen, den 18. November 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

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>*|rtett trf*ehrt tiglich, ett Ausnahme bd Montag«.

Nachdem sich noch die Abgg. Dr. Hammacher (natl.) und Richter (freit Dolksp.) für Donnerstag erklärt haben und Frhr. v. Manteuffel (conf.) milgetbeilt hat, daß feine Freunde Ueber- wetfung der Verträge an eine Commission beantragen werden, wird die nächste Sitzung auf Donnerstag 1 Uhr mit der oben erwähnten Tagesordnung angefetzt.

Grasen Hartenau weilten der Hausarzt Dr. Hoffer, General v. Bach und Gutsbesitzer Ritter v. Polzer. Alle Anwesenden waren vollauf beschäftigt, die verzweifelte Gattin zu beruhigen, daher die Verspätung der Todesnachricht. Bald darauf er­schien Rechtsanwalt Dr. Link, welcher das Testament des Grasen Hartenau besitzt; der Inhalt wird auf Wunsch deS Verstorbenen vorläufig geheim gehalten. Schon am Nach­mittag fanden zahlreiche Trauerkundgebungen statt. Für den Kaiser condolirte telegraphisch Generaladjutant Graf Paar- ferner condolirten die Erzherzöge Albrecht und Wilhelm, der Großherzog und der Prinz Heinrich von Hessen, Prinz Fer- dinand von Bulgarien, die Schwägerin des Verstorbenen, Prinzessin Beatrice aus Balmoral, dann Handeisminister Graf Wurmbrand rc. Prinz Heinrich von Battenberg, der Bruder des Verstorbenen, zeigte seine sofortige Ankunft in Graz an. Die Leiche wird vorläufig nächsten Montag in Graz bestattet- die spätere Beisetzung bleibt Vorbehalten.)

Wien, 17. November. Der aus Graz von der Behand­lung des Grafen Hartenau zurückgekehrte Profeffor Oser erklärt, daß die Lage des Patienten schon Donnerstag früh sehr ernst war. Infolge Blinddarmentzündung hatte sich all­gemeine Bauchfellentzündung mit zunehmender Herzschwäche herausgebildet. Trotz starker Schmerzen war der Graf bei vollem Bewußtsein und hatte keine Ahnung von dem Ernste der Situation. Die Gräfin weilte ununterbrochen am Kranken­bette. Heute früh trat Agonie ein.

Paris, 17. November. Die Ausstellungscommission für die Weltausstellung im Jahre 1900 hat den Ingenieur Cottereau angenommen. Die Errichtung des Moskauer Kreml-Gebäudes soll den Russen für die Ausstellung über­lassen werden.

Neueste 2tad>ridticii»

Wolffs telegraphisches Correspondenz - Bureau.

Berlin, 17. November. Der,,Reichsanzeiger" veröffent­licht eine Mittheilung des Kriegsministers, worin die Nach­richten verschiedener Blätter anläßlich der Ausgabe neuer Gewehre, Modell 88, an einzelneJnfanterie-Truppentheile richtiggestellt werden. Eine Neuanfertigung der Gewehre finde dauernd statt, da die durch den regelmäßigen Gebrauch abgenutzten Gewehre ersetzt werden müßten. Was die Aende- rung an den Verschlüssen anlangt, so sei eine neue Vorrichtung getroffen, daß, falls einmal die Metallhülse der Patronen beim Abschießen platzen sollte, eine Verletzung des Auges ver­hindert werde. Die Einrichtung sei mit Leichtigkeit an den Verschlüssen anzubringen. Gewehre, die mit der Vorrichtung versehen sind, werden an die Truppen auSgegeben. An den 1890 ausgegebenen Gewehrläufen seien nicht mehr, sondern weniger Reparaturen vorgekommen, als bei früheren Modellen unmittelbar nach deren Neueinführung. Die vorgekommenen Fälle von Beschädigungen seien meist durch im Laufe befind­liche Fremdkörper verursacht, was bei vorsichtiger Behandlung des Gewehrs nicht der Fall sein dürfe. Aus der neuerdings angewendeten vervollkommneten Herstellung der Läufe sei in keiner Weise zu folgern, daß die früher hergestellten Läufe minderwerthig oder gar kriegsunbrauchbar wären.

Madrid, 17. November. Vor dem Hause des Maires von Torente in der Provinz Valenzia explodirte heute eine Dynamitbombe, durch die ein Materialschaden ver­ursacht wurde. Menschen wurden nicht verletzt.

Deutsche- Reich.

Berlin, 18. November. Der Bund dar Landwirthe zählt jetzt 163 256 Mitglieder - hiervon entfallen laut einer Tabelle des Bundesorqans auf die Provinzen Ostpreußen 5600, Westpreußen 6210, Pommern 10690, Posen 6200, Schlesien 23 500, Brandenburg 16720, Sachsen 18210, Hannover 5760, die Rheinprovinz 320, Hessen Naffau 5160, Schleswig-Hol­stein 6000, auf Baiern 1300, Sachsen 28 900, Württem­berg 290, Baden 1800, Mecklenburg 7600, Großherzogthum Hessen 4800, Thüringen 6540, Braunschweig 2460, Olden­burg 1, Waldeck 760, Lippe 1360, Lübeck 1040, Hamburg 2, Elsaß-Lothringen 3.

In der preußischen Garde Cavallerie befindet sich seit einigen Jahren kein bürgerlicherOfsizier mehr- aber auch der einfache Adel ist, nach einer Zusammenstellung derVoss. Ztg.", in der Minderzahl gegenüber den Fürsten, Prinzen, Grasen und Freiherren. Unter 253 Offizieren, die bei der Garde-Cavallerie in der Rangliste aufg^führt sind, befinden sich 32 ober 21,6 pCt. Fürsten und Prinzen, 73 (28,9 pCt.) Grafen, 36 (14,2 pCt.) Freiherren und 112 (44,3 pCt.) nur die Bezeichnungvon" führende Adelige. In einzelnen Regimentern treten die einfach Adeligen sehr zurück, so besonders im Regiment der Gardes du Corps, das in seinem Offiziercorps 2 Prinzen, 19 Grafen, 4 Freiherren und 7 adelige Offiziere zählt. Auch das 1. Garde-Dragoner- Regiment hat nur 10 Offiziere, die den einfachen Adel führen.

die Hoffnung aus, daß das Bestreben des Dreibundes, den Frieden zu erhalten, von Erfolg begleitet sein möge.

Graz. 17. November. Graf Hartenau, der Exfürst von Bulgarien, ist heute Mittag gestorben. (DerFranks. Ztg-" gingen über das Ableben des Grafen Hartenau folgende Nachrichten zu: Allgemein ist die Theilnahme über das Hin­scheiden des beliebten Grafen Hartenau. Die Gräfin, die erst vom Wochenbett aufgestanden war, ist faffungsios, es kam zu einer erschütternden Scene. Der Kaiser von Oester­reich , der Kriegsminister und der Fürst von Bulgarien

Cocales utiö provinzielles.

Gießen, 18. November 1893.

** Ernennung. Der Steuerasseffor Heinrich Kriegk aus Darmstadt wurde zum Obergüterinspector bei den Ober­hessischen Eisenbahnen ernannt.

** In der Proceßsache Briel contra Fernie, die immer noch in der von Gießen aus verbreiteten, den Thatsachen widersprechenden Form in den Blättern spukt, hat jetzt Herr Rechtsanwalt Grünewald folgende Erklärung in einer Anzahl Blätter veröffentlicht: Die den Proceß Briel gegen Fernie betreffende Mittheilung berichtige ich im Auftrage des Herrn Charles Witherington Bruce Fernie dahin, daß diese Mittheilung vom Anfang bis zum Ende unwahr ist. Es ist eine Entscheidung deS Reichsgerichts nicht ergangen, geschweige denn eine solche zum Nachtheile des Beklagten Fernie. Der Proceß schwebt am hiesigen Landgericht in erster Instanz und harrt noch der Schlußverhandlung. Daß das Object 3l/2 bezw. 4 Millionen betrage, ist ebenso wie die Gebühren­berechnung in das Gebiet der Phantasie zu verweisen.

Z Neues Theater.Die Sorglosen", Lustspiel in drei Acten von A. L'Arronge. Derjenige, welcher angelockt durch die BezeichnungLustspiel" am gestrigen Abend das Theater besuchte, um sich nur zu amüsiren, und es giebt derer leider genug, die dies thun, der dürfte, wenn er nicht nur ganz geringe Ansprüche hat, kaum befriedigt worden sein. Die Kraft dieses Stückes nämlich liegt durchaus nicht in der Betonung der komischen Partieen, soll auch gar nicht darin liegen- der Dichter will vielmehr durch einen geschickten Griff in unser modernes High-life zeigen, wie es da aussieht, welche Gesinnungen da die Menschen leiten und welches die Principien sind, auf denen sie ihr Leben basieren. Und so läßt er in einer überaus bunten Reihe die verschiedenen Existenzen der sogenannten guten Gesellschaftsklasse an dem Auge des Beschauers vorbeidefilieren, kein Glied fehlt und alle sind so scharf und frisch gezeichnet, daß sie unser Interesse sofort wachrufen müssen und unS die weniger große dramatische Wirkung des Ganzen leicht verschmerzen laffen. Da ist der arbeitsame, nüchterne, stets mit seinen Verhältnissen rechnende Rechtsanwalt Hoffmann, ihm zur Seite steht eine vergnügungs- und genußsüchtige Frau, die toll von einer Gesellschaft in die andere jagt und es auf diese Weise fertig gebracht hat, aus ihrer Tochter Paula schon im frühesten Alter ein ver­zogenes, blasirtes Geschöpf zu machen. Ferner ist vertreten der protzige Parvenü, der Strumpfwaarenfabrikant Sturzbacher, der noch im Alter anfängt, über die Stränge zu schlagen und seine Frau, eine sorgsame, sittenstrenge Matrone, zu hinter­gehen, um sich mit seinem leichtsinnigen Schwiegersöhne zu amüsiren, anstatt diesem Vorwürfe darüber zu machen, daß er seine Gattin, das Abbild eines treuen, liebenden Weibes, vernachlässigt. Es folgt weiter als würdiger Repräsentant der ersten Kreise, der geistig bedeutende, rührig vorwärts- strebende, streng moralische junge Gelehrte, hier Dr. von.

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Gießen, am 16. November 1893.

Petr.: Die Aufstellung der Voranschläge für die Land­gemeinden des Kreises Gießen pro 1894/95.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Groffh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Indem wir darauf Hinweisen, daß der Termin zur Ein­sendung rubr. Voranschläge gestern verstrichen ist, sehen wir nunmehr der Vorlage derselben innerhalb 8 Tagen entgegen.

v. Gagern.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 17. November. Nach demReichsanzeiger" sind vom 1. April bis 30. October 1893 von Einnahmen an Zöllen und gemeinschaftlich en Verbrauchs st euern zur Anschreibung gelangt: Zölle 203,415,902 Mk., gegen das Vorjahr weniger 22,197,746 Mk., Tabaksteuer 5,524,993 Mk., weniger 45,334 Mk., Zuckersteuer 39,966,155 Mk., mehr 5,117,258 Mk., Brausteuer 15,968,833 Mk., mehr 626,472 Mk.

Berlin, 17. November. In der gestrigen Versamm­lung der Tabakinteressenten, die bis nach Mitter­nacht währte, wurde eine außerordentlich scharf motivirte Petition gegen die Tabaksabrikatsteuer angenommen. Die Petition soll in allen Cigarrenläden Berlins zur Unterschrift ausgelegt und s. Z. beim Reichstage eingereicht werden.

Berlin, 17. November. Die Conservativen brachten im Reichstage den Antrag ein, den Israeliten, welche nicht Reichsangehörige sind, die Einwanderung zu unter­sagen, ferner einen Antrag auf Revision des Alters­und Jnvaliditätsgesetzes.

Friedrichsruh, 17. November. Mehrere westpreußische Herren, welche den Fürsten Bismarck besuchen wollten, wegen seiner Erkrankung ihn aber nicht sprechen konnten, richteten ein Schreiben an ihn, worauf der Fürst antwortete, daß seine Genesung langsam, aber doch stetig vorwärts schreite, so daß er hoffe, im Laufe des Winters seine frühere Gesund­heit wieder zu erlangen. Nach seiner Genesung sei er gerne bereit, den Besuch seiner Freunde zu empfangen.

Hannover, 17. November. Der Staatsanwalt beantragte heute in dem hier gegenwärtig zur Verhandlung stehenden Wucherprozeß gegen Hollmann 2*/2 Jahre Gefängniß, 6000 Mk. Geldstrafe, 5 Jahre Ehrverlust, gegen Hirsch 3 Jahre Gefängniß, 6000 Mk. Geldstrafe, 5 Jahre Ehr- Verlust, gegen die Angeklagten Schwietzer, Guhl und Krain Freisprechung.

Wien, 17. November. Die heutigen Morgenblätter be­sprechen die Thronrede Kaiser Wilhelms und drücken

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wurden telegraphisch verständigt. Mit Rücksicht auf entfernt wohnende Verwandte und die bulgarischen Deputationen findet I die Leichenfeier erst Montag statt. Am Sterbebette des

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Hi. Haubach

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Deutscher Reichstag.

2. Sitzung. Freitag den 17. November 1893.

Etngegangen: Verordnung, betreffend den Zollzuschlag gegen Rußland.

Auf der Tagesordnung steht zunächst Wahl der Präsidenten und Schriftführer.

Abg, Graf Hompesch.(Ctr.) beantragt Wiederwahl des Prä­sidenten v. Levetzow und der Viceprästdenten Frhrn. v. Buol- Berenberg und Dr. Bürkltn durch Zuruf.

Die Genannten werden einstimmig wiedergewählt.

Präsident v. Levetzow nimmt die Wahl mit Dank für daS thm schon so oft entgegengebrachle Vertrauen an. Es werde fein unaus­gesetztes ehrliches Bestreben fein, die Geschäfte des Reichstags gewissenhaft zu fördern und er werde sich darin durch nichts beirren laffen. An dieser Stelle werde er nichts anderes vor Augen haben als das Wohl deS Vaterlandes und die Würde der Volksvertretung. (Beifall.)

Abgg. Frhr. v. Buol-Berenberg und Dr. Bürklin nahmen gleichfalls die auf sie gefallenen Wahlen mit Dank an.

Auf Antrag des Abg. Grafen Hompefch werden sodann auch die Schriftführer der vorigen Session wiedergewählt.

DaS Haus ehrt sodann auf Aufforderung des Präsidenten das Andenken des verstorbenen Abg. Frhrn. v. Hornstein durch Erheben von den Plätzen.

Die schleunigen Anträge der Abgg. Frhr. v. Manteuffel, Lotze und Dr. Förster auf Einstellung der gegen die Abgeordneten Frhrn. v. Hammerstein, Dr. Förster und Ahlwardt schwebenden Strafverfahren werden debatteloS angenommen.

Inzwischen sind weitere schleunige Anträge auf Einstellung der gegen die Abgg. Herbert und Bueb schwebenden Strafverfahren eingegangen.

Präsident v. Levetzow schlägt vor, die nächste Sitzung am Montag abzuhalten mit der Tagesordnung: Schleunige Anträge auf Einstellung schwebender Strafverfahren und erste event. zweite Be- rathung der Handelsverträge mit Serbien, Rumänien und Spanien.

Abg. Dr. Bachem (Ctr.) wünscht, daß die Berathung der Handelsverträge erst am Donnerstag ftattfinde, da es bis Montag nicht möglich fei, das Material ausreichend zu studiren, um bestimmte Stellung etnnehmen zu können.

Abg. Rickert (dfr.) ist Freund der Verträge, wünscht aber »lleS vermieden zu sehen, was den Eindruck der Uebethastung machen Ginnte und stimmt deshalb für Donnerstag.

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