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19.10.1893 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 19. October

1893

Nr. 246 Erstes Blatt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

(temipcttbn 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

KratisKeilage: Gießener Kamilienblätter.

Alle Annoncen.Burcaux bei In- und Lußlandel nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu bei Nachmittags für ben folgenden Tag erfcheinenben Nummer bis Börm. 10 Uhr.

Webaction, (trt>ebitie* unb Druckerei:

Biertrkflhnger Zkonnementspreis, 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch bie Post bezogt» 2 Mark 50 Pf,

Die Gießener yemtrUeirtUer »erben dem Anzeiger »ichenttich dreimal deigelegt.

Der

SM ex er Anzeiger «fcheint täglich, mit Ausnahme bei Montag«.

Amtlicher Theil.

Gießen, 17. October 1893.

Betr.: Vertilgung der Blutlaus.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

4W U* Grstzh. Vürsermeiftcreier» M ftwtW.

Soweit Sie unserer Verfügung vom 2. September l. I. (Äreisblatt Nr. 209) nicht nachgekommen sind, erinnern wir Eie an umgehende Erledigung.

__________________v. Gagern.___________________

^Bekanntmachung,

betr. Unfallversicherung; hier die Ernennung von Vertrauens­männern.

Es wird hiermit zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß der Vorstand der Tiefbau-Berufsgenossenschaft zu Berlin dm Herrn Kreis« und Provinzialingemeur Stahl zu Gießen zuin Vertrauensmann bezw. Beauftragten für die Provinz t^'erheffen und als dessen Stellvertreter Herrn KreiSlechniker Eichler zu Bensheim ernannt hat.

Gießen, den 17. October 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

________v. Gagern.__

Gießen, 17. October 1893. »etr.: Wie oben.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

am das Grosth. Polizeiamt Gießen und die Großh.

Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung weisen w.r Sie hierdurch an, die Benachrichtigung über die Ein­leitung einer Untersuchung über die bei Mitgliedern der Tief« b«.u-Berufsgenoffenschaft eingetretenen Unfälle an obengenannten S^rtrauensmann in Gemäßheit des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 zu richten.

__________v. Gagern.___________________ Gießen, den 18. October 1893.

Sctr.: Den Wiesengang.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

am die Grszh- Bürgermeistereien des «reifes.

Nach Art. 7 der Wiesenpolizeiordnung ist in diesem Monat der Wiesengang von den Wiesenvorständen unter Zu- zirhung der Feldschützen und Wiesenwärter vorzunehmen.

Wir beauftragen Sie deshalb, dieselben hierzu baldigst aufzufordern und uns die über den Wiesengang aufzunehmen­den Protokolle bis längstens 10. November d. I. vorzulegen.

In diesen Protokollen haben die Wiesenvorstände, was Hie denselben noch besonders eröffnen wollen, hauptsächlich ; soigende Punkte aufzunehmen:

1) ob die Anordnungen, welche sie bei dem letzten Wiesen­gang getroffen haben, befolgt worden sind und welche nichts

2) welche Anordnungen von den Wiesenvorständen zur Be- seitigling der bei dem diesmaligen Wiesengang vorge­fundenen Mängel von ihnen getroffen worden sind oder vorgeschlagen werden- hierbei wird den Wiesenvorständen besonders empfohlen, ihr Augenmerk namentlich auch auf die Reinigung der Wiesen von Gestrüpp, Gesträuch, Moos 2C., auf die Entfernung der Herbstzeitlosen, des Erdauswurfs aus den Be- und Entwässerungsgräben, auf die Verebenung der Maulwurfshügel und dergleichen und aus die Unterhaltung der Be- und Entwässerungs­gräben zu richten und hierbei nach den bestehenden Bestimmungen zu verfahren-

3) Verbefferungsvorschläge in Bezug auf größere Wiesen­fluren, namentlich solche, zu deren Ausführung die Bil­dung von Wassergenossenschaften nach dem Gesetze vom 30. Juli 1887 über die Bäche und nicht ständig fließen­den Gewässer (Regierungs-Blatt S. 159) erforderlich ist.

Zu Nr. 2 erläutern wir, daß Sie in der Regel, insofern fein besonderer Anstand vorliegt, jedem der betreffenden Vnesenbesitzer speciell eröffnen wollen, welche Mängel der Düesenvorstand vorgefunden hat und daß diese Mängel binnen bex vom Wiesenvorstand zu bestimmenden Frist so gewiß zu beseitigen wären, als sonst die nöthigen Herstellungen auf Sorten der Säumigen angeordnet würden. Nach fruchtlosem Älolauf der gesetzten Frist wollen Sie nach Anhörung des Wiiesenvorstandes weitere Anträge stellen. Jedenfalls sind die von Ihnen getroffenen Anordnungen in den von Ihnen cimzusendenden Protokollen einstweilen zu erwähnen.

Das Protokoll über den Rundgang ist von allen Theil- nehmern zu unterzeichnen. War ein Mitglied des Wiesen­vorstandes verhindert, am Rundgange Theil zu nehmen, so ist dieses am Schluffe des Protokolles zu bemerken.

> Sollte der Wiesenvorstand, der außer dem Großherzog- lichen Bürgermeister oder Beigeordneten, mindestens noch aus zwei Ortseinwohnern, welche Wiesen besitzen oder solche zu benutzen oder zu verwalten haben, bestehen soll, nicht mehr vollständig sein, so wollen Sie den Gemeinderath wegen Er- aänzung des Wiesenvorstandes vernehmen und uns die Anträge des Gemeinderathes in besonderer Verhandlung vorlegen.

v. Gagern.

Deutsches Heid?.

Darmstadt, 17. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 17. October dem Director der Realschule und des Progymnasiums zu Friedberg Dr. Georg Windhaus das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

Berlin, 17. October. Der Reichskanzler Graf Caprivi ist nach Beendigung seines mehrwöchigen Kur­aufenthaltes in Karlsbad am Montag wieder hierher zurück­gekehrt. Der Kanzler erfreut sich des besten Wohlbefindens, die Karlsbader Kur ist ihm ausgezeichnet bekommen, sodaß der leitende Staatsmann des Reiches neugekräfrigt seinen schwierigen Posten wieder selbst übernehmen kann. Wie ver­sichert wird, hat Graf Caprivi sich indeffen auch während seines Karlsbader Aufenthaltes täglich einige Stunden seinen Amtsgeschäften gewidmet, wie ihm denn auch in seiner Urlaubszeit mancherlei Verdrießlichkeiten nicht erspart worden sind. Zu den letzteren zählt es auch, daß sich der Reichs­kanzler genöthigt gesehen hat, noch von Karlsbad aus Straf­antrag gegen den Herausgeber der WochenschriftDie Zukunft", Maximilian Harden, zu stellen. In genannter Wochenschrift waren u. A. zwei Artikel:Das Caprividenkmal" und Die Bilance des neuen Curses" veröffentlicht worden, durch welche sich der Kanzler beleidigt fühlt.

Vom Großherzog Friedrich von Baden liegt wieder einmal eine bemerkenswerthe öffentliche Kund­gebung vor, welche erneut Zeugniß von der so oft erprobten reichstreuen und echt patriotischen Gesinnung des badischen Herrschers Zeugniß ablegt. Der Großherzog wohnte am Sonntag der Einweihung des Kriegerdenkmals in dem Städtchen Neckarau bei und hielt er hierbei vor den zur Ein­weihungsfeier versammelten zahlreichen Kriegervereinen eine längere Rede. In derselben betonte .der Monarch die Pflicht, den Heranwachsenden Generationen Dankbarkeit gegen die Helden des Jahres 1870 einzupflanzen. Er wies darauf hin, daß die erlangte Macht und Größe des Reiches nicht mehr genügend auf ihren wahren Werth geschätzt würden, es sei aber nothwendig, die Kraft der Nation ungeschwächt zu erhalten und die Befähigung hierzu verleihe die Schule des Heeres. Weiter erinnerte der erlauchte Redner daran, wie er im Laufe des gegenwärtigen Jahres Veranlassung genommen habe, den Militärvereinen seines Landes zu empfehlen, mit Wort und That für die,Ehre und Macht des Reiches einzustehen, welche Mahnung erfreulicher Weise auch befolgt worden sei. Im Anschluß hieran sprach der Großherzog die Mahnung aus, diese Thatkraft auch fernerhin zu bekunden, da es gelte, vaterländische Gesinnung für Reich und Heimath zu offenbaren; die Rede schloß mit einem Hoch auf das deutsche Heer.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau.

Berlin, 17. October. DiePost" schreibt: Die An­nahme, daß die ©onntag Sbeftimmungen für die g efammte Industrie schon nächstes Frühjahr in Kraft treten könnten, beruht auf einer Verkennung der zu über­windenden Schwierigkeiten- mit ganzenJndustriegruppen sind noch Conferenzen nöthig. Immerhin hofft die Reichsregierung, im nächsten Frühjahr die Entwürfe für die sämmtlichen Jndustriegruppen dem Bundesrathe zuzustellen. Wann der Bundesrath das Material erledigen dürfte, ist noch nicht abzusehen, weil dann noch die Einzelregierungen Stellung nehmen müffen. Schließlich müßte auch der Industrie Zeit gelaßen werden, sich auf die vielfach tief einschneidenden Be­stimmungen einzurichten.

Berlin, 17. October. Das kaiserliche Gesundheitsamt macht folgende Cholerafälle bekannt: In Stettin wurde bei vier am 13. und 14. October erkrankten Personen (davon eine gestorben) Cholera nachgewiesen - von den früher ge­meldeten Fällen sind drei tödtlich verlaufen. In Poelitz

(Kreis Randow) wurde eine Neuerkrankung von Stettin ein­geschleppt - in Grabow a. O. kamen zwei Krankheitsfälle mit tödtlichem Ausgange vor.

Rom, 17. October. DaS Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß des Ministeriums, wonach in Si zilien zur Aufrecht­erhaltung der öffentlichen Sicherheit und zur Unterdrückung des Räuberwesens Militärbezirke und Unterbezirke er­richtet werden.

Pari», 17. October. Die Anarchisten und revolutionären Socialisten vertheilen seit gestern in ihren Versammlungen Pamphlete gegen die franco-russische Ver­brüderung, worin die Schmähartikel abgedruckt sind, welche der Präsident des Pariser Gemeinderathes vor mehreren Jahren imJntransigeant" gegen den Czaren publicirte.

Paris, 17. October. Marschall Mac Mahon ist heute Morgen im Alter von 85 Jahren auf seinem Schlöffe gestorben.

Paris, 17. October. Das Beileidstelegramm Carnots an Mac Mahons Wittwe lautete: Ich höre mit tiefem Bedauern, daß Frankreich soeben einen seiner ruhmvollsten Söhne in einem Augenblicke verloren hat, der seinem patriotischen Herzen theuer gewesen wäre. Erlauben Sie mir, meine Theilnahme zu Ihrem großen Schmerze Ihnen aussprechen zu dürfen.

Paris, 17. October. Die Blätter widmen MacMahon Nachrufe: die öffentliche Meinung bewahrte ihm ihre Hoch­achtung bis zum letzten Augenblicke, sie ehrte in Mac Mahon stets den ritterlichen Soldaten und maß ihm weder Schuld an den Niederlagen von 1870 noch an der Politik bei, der er später präsidirte. Sein Tod bedeute eine herbe Trübung der Festtage.

Tarent, 17. October. Seymour empfing heute, nach­dem er den Besuch des Bürgermeisters und des Unterprä- fecten erwidert hatte, Deputationen der Arbeitervereine, die ein reich ausgestattetes Album mit Ansichten Tarents über­reichten. Der Director der Tarenter Zeitung überreichte eine Adresse Namens der Preffe. Daraus besichtigte Sey­mour unter der Führung Turis das Arsenal. Dem Bürger­meister sprach Seymour seinen Dank für den herzlichen enthu­siastischen Empfang aus. Die englischen Offiziere wurden überall mit Sympathiebezeugungen empfangen. Abends findet auf derItalia" ein Diner statt, imKleinen Meere" Sere­nade bei Fackelbeleuchtung.

Tarent, 17. October. Die Erwiderung des Besuches der Admiräle Corfi und Turi seitens des Admirals Seymour an Bord derItalia" trug einen herzlichen Character. Seymour, von sämmtlichen englischen Com- manbanten begleitet, verblieb länger als eine Stunde auf derItalia", wo Seymour und Corfi freundschaftliche Unterhaltung führten, während die englischen und italienischen Schiffscommandanten in kameradschaftlicher Weise verkehrten. Der englische AvisoSurprise" lief heute inskleine Meer" ein. Seymour empfing Vormittags den Syndikus, den Maire, ben Unterpräfecten und Repräsentanten der Presse Die Stadt ist fortwährend in freudiger Bewegung. Die gelammte italienische Preffe begrüßt die Anwesenheit des englischen Geschwaders sympathisch.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 17. October. Die erste Lesung des Zoll­tarifs zwischen Deutschland und Rußland ist durch die Unterhändler jetzt beendet. Es liegt kein Definitivum vor, sondern es sind nur die gegenseitigen vorläufigen Forde­rungen und Anerbietungen formulirt worden. Die zweite entscheidende Lesung beginnt in den letzten Tagen.

Berlin, 17. October. Die Verhandlungen des gestern zusammengetretenen Zollbeiraths werden geheim gehalten. Angesichts der großen Menge des vorliegenden Materials, welches sich nicht nur auf Tariffragen, sondern auch auf eine große Anzahl von Wünschen, betr. Erleichterung des Grenz­verkehrs und Formalitäten der Verzollung erstreckt, dürften die Verhandlungen mehrere Wochen dauern.

Posen, 17. October. Erzbischof Stablewski hat eine Verordnung erlassen, wonach in den Correspondenzen mit allen Behörden die Amtssprache ausschließlich die deutsche sei.

Nürnberg, 17. October. Für das Jahr 1896 ist eine Allgemeine bayerische Landes - Ausstellung in Aussicht genommen. Dieselbe soll in Nürnberg stattfinden.

Toulon, 17. October. Bei der Abfahrt des Ad­mirals Avellan und seiner 50 Offiziere nach Paris wurden denselben Ovattonen bereitet, welche großartig waren. Es hatte sich eine Volksmenge in den Straßen angesammelt, durch welche sich der Zug der Abreisenden nur mit großer Anstrengung bewegen konnte. Am Bahnhof wurden dieselben