Ausgabe 
19.7.1893 Erstes Blatt
 
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1893

Mittwoch dm 19. Juli

M 167

Der

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v. Maltzahn aus dem Staatsdienste ausscheide und durch den gegenwärtig in den Reichslanden als Unterstaatssecretär der Finanzen fungirenden Herrn v. Schraut ersetzt werde.

Berlin, 17.Juli. DerPost" zufolge hat der Kaiser den Frhn. v. Stumm nicht im Reichstagsgebäude, sondern bei seiner Abreise am Potsdamer Bahnhof längere Zeit ge- sprachen. Die Ordensverleihung an Frhr. v. Stumm ist schon am 14. Juli in einem huldvollen Telegramm erfolgt. Die Blättermeldung, Stumm sei zum Major befördert worden, ist unrichtig, dies ist bereits gelegentlich des Ständefestes in Düsseldorf im Jahre 1891 geschehen.

Berlin, 17. Juli. Der Reichskanzler hat sich grundsätz­lich dahin ausgesprochen, daß Offizier stellen bei den deutschen Schutztruppen in Afrika künftig nur noch mit Offizieren des stehenden Heeres, welche sich freiwillig melden, besetzt werden. Die Dauer der Versetzung zur Schutztruppe ist zunächst auf drei Jahre berechnet. Die Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika soll neuerdings um 100 Mann verstärkt werden. .

Trier, 17. Juli. Vom Ausschuß der Rheinprovinz wurden zwei Millionen als Darlehen wegen der herrschenden Futternoth bewilligt. r or ,

Leipzig, 17. Juli. Es erregt hier großes Aufsehen, daß Prinz Max von Sachsen, ein Neffe des sächsischen Königs, welcher plötzlich den Militärdienst aufgab und wissen- schaftlicher Studien halber nach Eichstätt in Bayern reisen wollte, von seiner Garnison Oschatz ohne jede Begleitung nach Eichstätt gereist und in ein Kloster ein getreten ist. In unterrichteten Kreisen wird der Entschluß des Prinzen auf den mächtigen Einfluß des Bischofs Wahl in Dresden zuruck- 9e^,[)ßonbou, 17. Juli. DerDaily Telegraph" sagt zu der Bewilligung der Militärvorlage, Frankreich werde ferne Armee in derselben Weise verstärken rote Deutschland. , ,

London, 17. Juli. In hiesigen Hofkreisen sind vielfach die Aufmerksamkeiten des Czarewitsch gegen seine Cousine, die Prinzessin Victoria von Wales, nicht unbemerkt geblieben. Es heißt, daß die der eventuellen Verlobung im Wege stehenden religiösen Bedenken leicht mit der Einwilligung der Königin beseitigt werden könnten.

Rom, 18. Juli. Bei dem Abbrennen eines Feuer­werks, welches gelegentlich eines religiösen Festes stattfand, wurden vier Personen getödtet und sieben schwer ver­wundet.

Ausland.

Wien, 15. Juli. DemFremdenblatt" zufolge ist zwischen der österreichischen und der ungarischen Regierung wegen Erlasses eines Futter-Ausfuhrverbots noch keine Einigung erzielt worden. Die Veröffentlichung des Verbotes, welche für morgen in Aussicht genommen war, mußte deßhalb für einige Tage verschoben werden.

Kaisers in und bei Metz bei den diesjährigen großen Manö- vern sind nun nähere Dispositionen getroffen. Der Kaiser trifft am 3. September ein, nimmt mit kleinem Gefolge in dem wenig geräumigen Schlosse Urville Wohnung und bleibt bis zum 9., an welchem Tage die Abfahrt nach Straßburg erfolgt. Der Kronprinz von Italien nimmt im Bezirks- Präsidium Wohnung, wo auch Prinz Albrecht wohnen soll. Der König von Sachsen wohnt im Gouvernement, für den Prinzen Georg von Sachsen ist Wohnung beim Oberbürger, meister, für den voraussichtlich auch eintreffenden Prinzen Carl von Schweden beim Oberpostdirector in Aussicht ge­nommen. Prinz Leopold von Bayern soll bei dem Com- mandeur der 10. bayerischen Brigade wohnen. Während der Anwesenheit des Kaisers finden im allgemeinen Militärcasino zwei große Mittagstafeln statt. Der Marstall des Kaisers bleibt in Metz. Der Großherzog von Baden hat im Hotel de l'Europe Wohnung bestellt, wo auch ein größerer Theil der auswärtigen Missionen wohnen wird.

Der Reichstag ist zwölf Tage versammelt gewesen und hat acht Plenarsitzungen abgehalten. In dieser Zeit haben 28 Sitzungen der Abtheilungen stattgesunden und sechs Commissionssitzungen. Von den verbündeten Regierungen sind drei Vorlagen eingebracht worden, welche unverändert die Genehmigung des Reichstags gefunden haben. Ein Bericht der Reichsschuldencommission ist unerledigt geblieben. Die Commissionen haben zwei mündliche Berichte erstattet. Aus dem Reichstage sind 18 Anträge von Mitgliedern des Reichs­tages, worunter sieben Gesetzentwürfe, eingebracht. Davon haben fünf schleunige Anträge die Annahme des Reichstages gefunden. Die übrigen 13 Anträge bleiben unerledigt. Zwei Interpellationen sind beantwortet und besprochen worden. In der kurzen Zett, wo der Reichstag getagt hat, sind nicht weniger als 5236 Petitionen aus dem Reiche eingegangen, wovon fünf Petitionen, welche die Militärvorlage, resp. den Nachtragsetat betroffen haben, ihre Erledigung durch dte Beschlüffe des Reichstages gefunden haben. 5231 Petittonen bleiben unerledigt und werden den Petenten mit einer ent­sprechenden Mittheilung des Directors zurückgegeben werden.

roeoto und provinzielles.

Gießen, 18. Juli 1893.

* * Meyder Concert. Das gestrige inSreins Saalbau" stattgehabte Concert dieser berühmten Capelle brachte wieder ein sehr gewähltes Programm zu Gehör und recht­fertigte durch das Gebotene den altbewährten Ruf, den diese vorzügliche Capelle von jeher besessen.

* * Auf das heute Abend stattfindende zweite Abonnements- Concert des Kruse'schen Streichquartetts imConcerthauS Lahnstein" sei an dieser Stelle nochmals aufmerksam gemacht.

* * Rudersport. Neue großartige Siege errang unsere Ruder-Gesellschaft auf der K ö l n e r Regatta am 16. Juli. DerMeister vom Rhein", Herr Albert Rübsamen, bewies imErsten Einser" seine Meisterschaft in hervorragender Weise, indem er seinen Gegner, Herrn Dr. med. Brockhoff vom Bonner Ruder-Verein, nach scharfem Kampfe, durch einen Aufsehen erregenden Tribunenspurt, einfach davonzog und den prächtigen Pokal, Ehrenpreis des Herrn Dr. Patton in Köln, für seine Gesellschaft errang. Im Vierer-Rennen, dessen Ausgang mit großer Spannung entgegengesehen wurde und für welches die Senior-Mannschaft der Amsterdamer Roet- en Zeilvereenigingde Amstel fast allgemein als Favorit galt, siegte die aus den Herren A. Rübsamen, A. Wittich, A. Oßmann, W. Lyncker und E. Silbereisen (Steuer), be­stehende Gießener Mannschaft nach schärfstem Kampfe mit einigen Bootslängen. Der schöne, ruhige Durchzug der wackeren Gießener Mannschaft an der Spitze des Rennens fand allseitige Anerkennung und bot den Zuschauern zusammen mit den scharf um den zweiten Platz kämpfenden Amster­damer und Wormser Mannschaften eines der schönsten und interessantesten Rennen des Tages. Hoffentlich bieten diese neuen Siege unseren Ruderern auch einen neuen Ansporn zu ruhigem, zielbewußtem Weiterstreben in bet Ausübung des edlen Rudersportes, dann können dieselben dem Ausgang der in diesem Jahre besonders stark von ersten auswärtigen Mannschaften bestrittenen Wettkämpfe auf der demnächstigen Gießener Regatta entgegensehen.

neucfte Nachrichten.

Wolffs telegraphische« Correspondenz-Bureau.

Berlin, 17. Juli. Gegenüber der Behauptung der Oppo­sition, die Regierung habe nur einen kleinen Sieg in der Militärvorlage errungen, führt dieNordd. Allg. Ztg." aus, daß der Steg im Gegentheil ein großer gewesen fei; mit der Annahme der Verstärkung der Wehrkraft sei das Bestreben der Regierung gekrönt, die Sicherheit und Selbst­ständigkeit Deutschlands zu verbürgen. Es sei zu bedenken, daß über die Frage, von welcher die Existenz Deutschlands abhänge, Welfen, Elsässer und Socialdemokraten mit ent­schieden, die ausgesprochenermaßen das Reick negirten. Der Reichstag habe ein Recht auf den Dank der Ration; die Regierung nehme für sich nur das befriedigende Bewußtsein in Anspruch, Kaiser und Reich gut gedient zu haben.

Hamburg, 17. Juli. Der Moorbrand des Lent- föhrdener Moores ist glücklich gedämpft. Die ganze Brand­stätte wurde durch breite, tiefe Gräben von der bedrohten Umgebung abgegrenzt. Die von Altona dorthin gesandten beiden Bataillone Infanterie kehrten Samstag Abend zurück. Großartige Seeschießübungen zweier Compagnien der vierten Matrosendivision bei Fort Grimmerhörn und Kugelbaake finden in der Zeit vom 24. Juli bis Mitte August statt. In Cuxhaven sind umfassendste Absperrungen angeordnet.

Paris, 17. Juli. Die Akademie der Wistenschaften wählte den Physiologen Professor Ludwig in Leipzig zum cor- respondtrenden Mitgliede.

Malta, 17. Juli. Das Kriegsgericht, welches über den Capitän Bourke und die anderen überlebenden Offiziere des KriegsschiffesVictoria" abzuurtheilen hat, ist heute Vor­mittag an Bord des KriegsschiffesHibernia" unter dem Vorsitz des Admiral Culme-Seymour zusammengetreten.

Depeschen de- Sune« .Herold'

Berlin, 17. Juli. Von zuverlässiger Seite wird ge­meldet, daß der Staatssecretär des Reichsschatzamts Frhr.

Theil.

Bekanntmachung, betreffend die Maul- und Klauenseuche. Zu Heuchelheim, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche festaestellt worden.

Gießen, den 15. Juli 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend Schonzeit des Dachses.

Nachdem mehrfach Klagen über den durch Dachse ver­ursachten Wüdschaden laut geworden sind, heben wir die Schonzeit des Dachses im Kreise Gießen für die Monate Juli, August und September hiermit auf.

Gießen, den 17. Juli 1893.

GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen, v. G a g e r n.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 18. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog sind, von England kommend, gestern Nach­mittag 6 Uhr 10 Min. in Langen eingetroffen und von dort sogleich nach Jagdschloß Wolfsgarten weitergefahren.

Berlin, 17. Juli. Mit der definitiven Annahme der Militärvorlage durch 205 gegen 185 Stimmen hat der neue Reichstag am vergangenen Samstag seine erstmalige, nur kurze, aber um so bedeutungsvollere Thätigkeit beschlossen. Angesichts der vollendeten Thatsache der Genehmigung der von den verbündeten Regierungen erstrebten Heeresreform seitens der jetzigen Volksvertretung kann man die Frage, ob dieses Ergebniß vielleicht nicht schon im vorigen Reichstage bei einer geschickteren Taktik der Reichsregierung zu erreichen gewesen wäre, wohl auf sich beruhen lassen, solche Erörte­rungen hätten mindestens keinen Zweck mehr. Jedenfalls ist durch das Votum des neuen Reichstags in der Militärfrage die so lange schwebende innere politische Krisis beendigt und hiermit die weitgreifende Unsicherheit beseitigt, welche in Deutschland nicht nur in politischer Beziehung, sondern auch in geschäftlicher Hinsicht, im gesammten Handel und Wandel durch das bislang schwankend gewesene Schicksal der Militär­vorlage hervorgerufen worden war. Zetzt zieht wieder Be­ruhigung in die Gemüther ein und erst die nächste Winter­session des Reichstages, in der es sich um die wichtige Entscheidung über die geeignetste Deckung der durch das jetzt beschlossene Heeresgesetz erwachsenden Kosten handeln wird, dürste eine neue Periode voll lebhafter politischer Erregungen tin0 Noch am Tage des Reichstagsschlusses hat Kaiser Wilhelm Berlin verlassen, um seine projectirte Erholungs­fahrt in die Ostsee anzutretcn, welche diesmal dem erlauchten Monarchen zum Ersatz für die heuer definitiv aufgegebene norwegische Reise dienen soll. Am Montag gedachte der Kaiser, begleitet von seiner hohen Gemahlin, an Bord der YachtHohenzollern" von Kiel aus in See zu gehen. Die Rückkehr der Majestäten von diesen Ostseesahrten, deren äußerstes Ziel die Stadt Gothenburg in Schweden ist, nach Kiel findet am 25. Juli statt, alsdann begibt sich das Katser- paar noch auf eine Woche nach England.

Der Reichskanzler Graf Caprivi wird zur Zeit wieder von seiner Venenentzündung geplagt, weßhalb ihm ärztlicherseits die größte Enthaltsamkeit im Gehen anempfohlen worden. Sobald das Leiden etwas nachgelassen haben wird, beabsichtigt Graf Caprivi einen mehrwöchigen Urlaub an- jutreun.^e voriger Woche im Wahlkreise Hofgeismar- Rinteln stattgefundene Nachwahl zum Reichstage hat eine Stichwahl zwischen dem Candidaten der Conservativen und des Bundes drr Landwnthe, v. Buttlar, auf welchen 4854 Stimmen fielen, und dem Anttsemiten Dr. König, welcher 4232 Stimmen erhielt, nöthig gemacht. Auf den nationalliberalen Candidaten Dr. Endemann entfielen 2211, auf den Socialdemokraten Marcus 1745 Stimmen. Der AuSgang dieser Stichwahl erscheint noch sehr ungewiß.

Berlin, 17. ^uli. Von den Matrikularbeiträgen zur Deckung der Militärvorlage entfallen auf Preußen 14,074,000, Bayern 2,628,000, Sachsen 1,645,000, Württemberg 956,000, Baden 778,000, Hessen 466,000, Mecklenburg - Schwerin 271,000, Braunschweig 189,000, Altenburg 166.000, Elsaß-Lothringen 753,000 Mk.

Berlin, 17. Juli. Zu den Kaisermanövern in Elsaß - Lothringen. Bezüglich des Aufenthaltes des