Wir erhielten folgende Privatdepesche: „Der Tod Ferry's Machte einen ähnlich erschütternden Eindruck, wie der Tod Gambeitas. Zahlreiche Politiker begaben sich Abends nach dem Sterbehaus und unterzeichneten die Condolenzliste. Im Auftrage CarnorS erschien General Boriß. Ferner waren anwesend Llemenceau, Floquet und viele Freunde Ferry's. Der riefbewegte Vicepräsident des Senats, Bardeux, wurde ohnmächtig."
Leichrtag.
69. Sitzung. Freitag, 17. Mar; 1893.
Eingeganaw ist der Entwurf betreffend Verlängerung des pro vlsorischen Handelsabkommens mit Spanien und Rumänien.
Die Berathung über die Novelle -um Unterstützung-wohnfitz- gesetz wird fortgesetzt.
Abg. Bau mb ach (dfr.) stimmt im .Großen und Ganzen der Novelle zu, vermißt aber die ausgesprochene definitive Stellung zu dem festen Princtp bet der zukünftigen Regelung der Armen-Gesetz- gebung.
Staatssecretär v. Bötticher thellt ebenfalls den Wunsch nach einer einheitlichen Regelung deS Armenrechts und hofft, jemehr die <octalpolittsche Gesetzgebung leistet, was man von ihr erwartet, werde die Verständigung über die Armengesctzgebung leichter sein. Redner erklärt, das Anwachsen des Armenbudgels in den Gemeinden komme daher, daß die Bevölkerung gestiegen sei, auch in den städtischen Verwaltungen sei eine intensivere Armenpflege als früher. ES sei nicht empsehlenSwerth, die Festsetzung der Grenze deS Beginnes des Unterstützungswohnsitzes zu erhöhen.
Abg. Molkenbuhr (Soe.) verlangt die Centralffatton der Armenpflege und verwirft in der Novelle die Strafbestimmung des Artikel 2.
Abg. v. Pfetten (Etr.) vertheidigt daS in Bayern geltende HeimsthSprincip.
An der weiteren Debatte bethelltgten sich die Abgg. Baumbach (dfr.), Schalscha (Ett), Staatssecretär o. Bötticher, Stolle und Barnstorfs (wlld).
Nach einer weiteren unerheblichen Debatte wird die Novelle einer Commission von 21 Mitgliedern überwiesen.
Der Gesetzentwurf betreffend Abänderung der Maß- und Ge- wichtSordnung, wird in dritter Lesung angenommen, desgleichen die Resolution der Abgg. Brömel und Mirbach, betreffend Bezeichnung für 100 kg.
Der Gesetzentwurf, betreffend Begründung der Revision in bürgerlichen NechtSstreittgkritm wird in dritter Lesung gmehmigt.
Nächste Sitzung Samstag: MtlitärpensionSgesetznooelle, Provisorium mit Rumänien und Spanien, Petitionen.
Neueste Nachvichtei»»
Wolffs telegraphische« Correspondenz-Bureau.
Berlin, 17. März. Der „Socialist" hat an Stelle seiner confiscirten 18. März-Nummer heute Abend eine neue, wieder auf rothem Papier gedruckte erscheinen lassen mit der Ueberschrist: „ConfiScirt?"
Eoblenz, 17. März. Seit 2 Uhr Nachmittags herrscht starker Schn eesturm im Rheinthale. Infolge des Sturmes fiel hier ein Dachdecker vom Neubau des Landgerichts herab. In Niederlahnstein ist ein Locomotivführer von der Maschine gefallen und wurde überfahren.
Blankenburg, 17. März. Die gemeldete Dynamit- Explosion in der Eisensteingrube „Volkmarskelle" bei Hüttenrode war durch den Vorarbeiter Behme absichtlich veranlaßt worden. Acht Arbeiter, darunter Behme, wurden ge- tödtet, sechs davon waren ganz in Stücke zerrissen.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 18. März. Im Reichstag brachten die conser- vativen Abgeordneten Friesen, v. Hammer st ein und M e h n e r t, unterstützt von dreißig anderen Mttgliedern der Frac- tion, einen Initiativantrag ein, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach welchem nicht dem Reiche angehörigen Israeliten die Einwanderung über die Reichsgrenze untersagt wird.
Wien, 18. März. Der deutsche Botschafter Reuß und der serbische Gesandte Sieni tsch unterzeichneten ein Protocoll betr. Verlängerung des deutsch - serbischen Handelsvertrages bis zum 80. Juni.
Rom, 18. März. In dem Palais Matey, welches der Gesandte der Vereinigten Staaten bewohnt, explodtrte gestern Abend eine Bombe. Der Schaden ist sehr bedeutend.
Dortmund, 18. März. Auf der Zeche „Prinz von Preußen" wurden gestern durch schlagende Wetter zwei Mann getödtet.
Pari», 17. März. Der Corruptionsprozeß geht wahrscheinlich am Montag zu Ende.
Rom, 17. März. Es verlautet, der Papst beabsichtige auf Grund zahlreicher Petitionen aus der Schweiz, Oesterreich und Deutschland, eine internationale Conferenz einzuberufen, um die besten Mittel zur Abschaffung des Spiels in Monaco zu erwägen.
New-York, 17. März. Ungeheure Feuersbrün st e zerstören die Savannen in KansaS und richten unermeßlichen Schaden an. ____i______J_|___I. .1.1.III ' — ■ >-> ■ ■ -----■!■ '---- ■
Locales und provinzielles.
Gießen, 18. März 1893.
• • Bom Welter. Der in Ansehung der schönen Tage in der abgelaufenen Woche als überwunden betrachtete Winter scheint nochmals sein frostiges Gesicht zeigen zu wollen, ehe er sich anschickt, gänzlich zu verschwinden. Wie vorliegende Nachrichten aus dem Reiche besagen, traren in mehreren Gegenden heftige Schneeftürmc auf, und auch in uuserer Stadt und Umgebung entstand gestern Nachmittag ein heftiges, von gewitterartigen Erscheinungen begleitete» Schneegestöber. Gegen Abend und während der Nacht stellten sich Sturmwind und Frost ein, so daß heute Morgen die^ Gossen imb Wasserpfützcn mit einer Eiskruste überzogen waren. Während am vorigen Sonntag die Erholungsbedürftigen zu Tausenden in die sonnige Natur wandern und dabei die ersten Frühjahrstoiletten sich hervorwagen konnten, auch hier und da eine Eröffnung der GaNeowirthschast versucht wurde, wird UNS der morgige Sonntag daran erinnern, daß Ueberzieher | und Wintermäntel noch lange nicht die entbehrlichsten Kleidung-. 1 stücke sind. Hoffentlich dauert der Kälterückschlag nicht lange,
der Winter hat diesmal mehr wie seine Schuldigkeit gethan, er kann gehen, denn für übermorgen (Montag ) hat in Kalender der Frühling seine« Einzug angekündigt. Möge ihm günstigere Witterung einen „warmen" Empfang bereiten.
• * Kietze» als Schülerstadt. In einer Zeit, in welcher man die Bedeutung der Städte in Bezug auf Handel unb Wandel, das Besitzt hum und sonstige Eigenheiten mir Zahlen bemißt, ist es gewiß nicht uninteressant, einmal Betrachtungen über die Zahl Derjenigen anzustellen, die auf diese oder jene Wei'e ihrer Ausbildung im Wissen obzuliegen haben, nämlich über die Schüler. Obwohl derBegrtff „Schüler" ein recht weitgehender ist, sollen hier nur die Zahlen Derjenigen vorgeführt werden, die thatsachlich noch in die Schule gehen, und da ergiebt sich denn, daß in Gießen der Prozentsatz der Schülerzahl zur Einwohnerzahl ein recht großer ist. Fangen wir mit der Hochschule der Stadt, der Universität, an, so belief sich im abgeloufenen Wintersemester die Zahl der Hoch'chüler bezw. Studenten auf 541. — Die der Universität nächstfolgende Schule, das Gymnasium, hatte während dcS abgelaufenen Schuljahres einen Schülerbeftand von 392. — Das Realgymnasium und die Realschule hatten einen Höchstbestand .von 729 Schülern aufzuweisen. — Die höhere und erweiterte Mädchenschule besuchten 572 Schülerinnen. — Dem Schülerbestande der städtischen Volksschulen vom Winter 1891/92 nach zu schließen, dürfte dieselbe zur Zeit von 800 Knaben und 900 Mädchen besucht werden. — Die obligatorische Fortbildungsschule wird seit dem zuletzt veröffentlichten Schülerbestand 350 Schüler, die mit dem Localgewerbeverein verbundene Handwerkerschule 450 Schüler aufweisen. — Der Alicescdule für Frauenbildung und Erwerb werden 120 Schülc rinnen anzurechncn sein. — Der Feierabend für Lehrlinge mit 270 Teilnehmern dürfte in dieser Aufstellung außer Betracht kommen, da diese Lehrlinge wohl durchgehend auch Handwerker oder Fortbildungsschüler sind. Zieht man alle die hier angeführten Unterrichtsanstalten zusammen, so berechnet sich die Zahl der diese Besuchenden auf 4884; eö ist sonach Alles in Allem gerechnet, der vierte Theil der Einwohnerschaft Gießens „schulpflichtig". Man könnte füglich die Zahl der Schulpflichtigen noch weiter ausdehnen, wollte man noch aus die durchschnittlich von 200 Kindern besuchte Kleinkinderschule und—die Schule Moltkes, das hiesige Regiment, zurückgreifen, welcher allein über 1500 „Schüler" behufs Ausbildung für ihren Beruf, das Vaterland zu schützen, anvertraut sind.
* * Turnschau der höheren und erweiterten Mädchenschule. Am vergangenen Donnerstag und Freitag, Nachmittags 3 Uhr, wurde die Turnschau für beide Anstalten abgehalten. Der Turnsaal war kaum im Stande, die Eltern der Mädchen, die Freunde und namentlich die Freundinnen des Mädchenturnens zu fassen, was uns als Beweis gilt, daß die Wichtigkeit des Turnens sich auch bei den Damen Bahn gebrochen hat. Alle Anwesenden, besonders aber die Damen, folgten mit großer Aufmerksamkeit und sichtlicher Freude den Hebungen von der ersten bis zur letzten Abtheilung und bewunderten die schönen, netten und präcisen Ausführungen derselben. Zuerst wurden in der verschiedensten Weise Gang- und Hüpfarten unternommen, und alle diese vielfachen Abtheilungen wurden nach allen Richtungen und in äußerst netten Gruppirungen von den Mädchen aufs schönste ausgeführt. Die größeren Mädchen entwickelten dabei eine wirklich bewundernSwerthe und manigfaltige Fertigkeit. Wir halten gerade diese Uebungen für sehr wichtig, und alle Anwesenden haben gewiß mit uns die Ueberzeuguug gewonnen, daß sie nur vortheilhaft auf die körperliche Ausbildung einwirken können. Dann wurden an Geräthen (Srreckschaukel, wagrechten Leitern, Gangschaukel, Rundlauf) verschiedene Uebungen, wobei fast alle Muskeln und Gelenke des Körpers in Thätigkeit gesetzt wurden, von den Mädchen mit großer Gewandtheit und Sicherheit auSgeführt, und es werden zweifellos durch solche Uebungen nicht allein körperliche Stärke und Gewandtheit, sondern auch Unerschrockenheit, Besonnenheit, Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Selbstständigkeit im Handeln bei jeder Gefahr in einem hohen Maße gefördert. Alle Klassen führten zuletzt mit freudestrahlendem Antlitz acht verschiedene Reigen sehr präcis und gewandt aus. Die Anwesenden lauschten dabei mit sichlicher Freude den Tönen des Klaviers und ergötzten sich an den wahrhaft graciösen Bewegungen der freudigen Mädchenschaaren. Herr Lehrer Lehr ertheilt den Turnunterricht an beiden Anstalten, und es hat uns angenehm berührt, daß der Herr Director es für richtig gehalten hat, diesen wichtigen Unterrichtszweig in so bewährte Hände zu legen, denn Herr Lehr hat, obschon nach unserer Meinung die Zeit etwas knapp bemessen war, doch mit großer Sach- kenntniß und mit großem Äser, vom ganzen Mädchenturnen, von der untersten bis zu der obersten Stufe ein geradezu meisterhafte- Bild entworfen, was sicherlich von allen Zuschauern anerkannt wurde. Alle Anwesenden sind gewiß höchst befriedigt aus dem Turnsaal geschieden, und wir glauben im Sinne derselben zu handeln, wenn wir dem Herrn Lehr hiermit für eine so mustergiltige und riesige Arbeit, die er gehabt haben muß, öffentlich unsere volle Anerkennung zollen.
*♦ Knabenhandarbeit. Wir wollen nicht unterlassen, unsere Leser auch an dieser Stelle noch besonder- hinzuweisen auf die Ausstellung der Schülerarbeiten, welche Sonntag von 11—4 Uhr in dem StadtknabcnschulhauS auf der Nordanlage (im Eonfercnzzimmer) stattfindet. Der eifrige Besuch dieses Unterrichtes in erziehlicher Knabenhandarbeit ebenso durch Schüler der Volksschule wie durch solche de- Gymnasium- hat gezeigt, daß Schul- und Stadtvorstand mit Einrichtung diese- Curse- einem wirklichen Bedürfniß ent- sprachen haben und mit Erfolg bemüht waren, einer drohenden Ueberschätzung der Kopfarbeit daS erwünschte Gegengewicht zu schaffen in dem Hinweis auf den Werth und in der Pflege der Handarbeit.
♦♦ Die gestern im Easö Leib stattgehabte Zanber-Eoir^« deS Herrn Dtrector Kobitzki befriedigte die zahlreich Erschienenen in jeder Weise. Der Slünftler verstand es, die
schwierigsten Piecen mt stlumenerregender Sicherheit und Eleganz auS^nführen und da- Publikum ;« lebhaften Bei- faüSäugerungen hinzureißen. Wie wir kören, beabsichtigt Herr Kobitzki noch eine Vorstellung zu geben.
*• Der „Bauers che Gesangverein giebt bekannt, daß daS am verflossenen Sonntag stattgehabte Wohlthitigkeit»- 6"«leert einen Reinertrag von 60 Mark ergeben bat, welche, ihrer Bestimmung gemäß, zu gleichen Theilen den beiden hiesigen Schwesternhäusern überwiesen wurden.
t Lollar, 17. März. Heute Abend gründete sich hier nach dem Vorbild verschiedener anderer One ein Jun g- gesellenverein. Die Mitgliederzahl ist zur Zeit nicht erhcbltch, doch hofft der Verein auf baldigen zahlreichen Zuwachs.
nn. Darmstadt, 17. März. Zweite Kammer der Stände. In der heutigen Sitzung steht die Beantwortung von zwei Interpellationen auf der Tagesordnung und zwar zunächst diejenige des Abg. Zinßer, die Erbauung eines Stationsgebäudes und GüterschuppenS auf der Haltestelle AngerSbach betr. Ministerialrarh Michel beantwortet diese dahin, daß die Regierung mir Vorarbeiten nach dieser Richttmg beschäftigt sei, so daß in Bälde dieser Gegenstand erledigt werde. — Die weitere Interpellation tefl Abg. Müller betrifft die Abbruchs- arbeiten am ehemaligen Zeughaus, hier die Beschäftigung von Arbeitslosen bei demselben. Der Interpellaot weist darauf hin, daß bei diesen Arbeiten Strafgefangene deS Großh. Gefängnisse- verwendet worden seien, während Hunderte von Arbeitern im letzten harte« Wtuter arbeit-lo- dem Elend preisgegeben waren. Er wünsche, daß bei solchen Arbeiten, welche noch außerdem die Gefahren für Leben und Gesundheit in sich schlössen, Strafgefangene leine Verwendung mehr finden möchten und diesbezügliche Verfügungen erlassen würden. — Nunmehr erfolgt die Berathung über den Initiativantrag deS Abg. Bcrgsträßer und 30 anderen Abgeordneten auf Erlaß eine- Gesetzes behufs Einführung der „Feuerbestattung" im Großherzog thum Hessen. Berichterstatter ist der Abg. Metz- Darmstadt. Derselbe weist darauf hin, wie bereit- in der Schweiz, Italien und Dänemark in den letzten Jahren die Feuerbestattung durch Landesgesetze dort geregelt worden fei. Bom hygienischen und sanitären Standpunkt au- betrachte er dieselbe al- einen culturellen Fortschritt. Die im benachbarten Heidelberg befindliche Anstalt werde auch für Ber brennungen von Leichen aus dem Großherzogthum in hohem Maße benutzt. Um den Bewohnern Hessen- nun Gelegenheit zu geben, dies im Lande zu thun, sei dieser Antrag gestellt worden. Abg. Pfannstiel hält es nicht für angezeigt, daß man wegen dieses Gegenstandes lande-gesetzliche Bestimmungen macht oder daß gar ein Gesetz erlassen werden solle. Wer daS Bedürfniß in sich fühle, sich verbrennen zu lassen, der möge, wenn er gestorben sei, nach Heidelberg oder Gotha gehen und eS dort thun. (Allgemeine Heiterkeit.) Abg. Friedrich wundert sich, daß man der Sache eine so große Wichtigkeit von einer gewisse« Seite aus beilege. Der Widerstand, den man den Dingen entgegenstelle, mache die ganze Angelegenheit interessant. Warum solle man außerhalb Hessens etwas thun dürfen und im eigenen Lande nicht. Er hoffe und wünsche, daß die Großh. Regierung endlich ihren früheren Standpunkt aufgebe und da- Gesetz sanctionire. Staatsminister Finger erklärt, durch diesen Antrag des Abg. Bergsträßer und 30 Mitgliedern de- Hause- sei die Großh. Regierung gewissermaßen majorisirt worden. Er halte sich aber verpflichtet, heute nochmal- den Standpunkt zu präcisiren, den diese diesem Antrag gegenüber einnehme. Die Regierung stehe auch heute noch dem Gesetz-Entwurf gegenüber auf einem ablehnenden Standpunkt, weil sie die Erdbestattung al- die gesetzliche Beerdigungsweise ansehe. Diese Erdbestattung hänge mit dem christlichen Glauben zusammen, während die Feuerbestattung eine heidnische Einrichtung sei und bleibe. Da- Ehristcnthum werde durch die Einführung der Feuerbestattung ans da- Schwerste geschädigt. Die guten Sitten de- Volke- müßte« aufrecht erhalten bleiben und dürften nicht durch eine Mode zu Grunde gerichtet werden. Abg. Wolz spricht der gan^tn Angelegenheit jeden inneren Werth ab. Er hoffe und wünsche, daß im Volke noch so viel gesunder Sinn sei, daß e- sich von diesem Märchen ans alter Zeit nicht beeinflussen lasse. Er wird gegen da- Gesetz stimmen. Desgleichen spricht sich Abg. Frank an-. Abg. Ullrich glaubt, daß die Zeit kommen müsse, wo man der Frage der Feuerbestattung un Allgemeinen näher treten müsse. Er und seine Genossen stimmen für den Gesetz-Entwurf, weil er nicht- enthalte, wa- religiöse oder sonstige Bedenken erregen könne. Abg. Bergsträßer erblickt in dem Gesetz-Entwurf eine Er- leichterung unserer heutigen Bestattung-weise. Er fasse die ganze Sache von der rein praktischen Seite au6 auf. Abg. Metz- Darmstadt empfiehlt nochmals den vorliegenden Gesetz- Entwurf. Die Feuerbestattung solle damit nicht obligatorisch, sondern nur facultativ in Hessen eingeführt werden. Nach erfolgter Abstimmung gelangt der ganze Gesetz-Entwurf mit alle« gegen sechs Stimmen zur Annahme. — Zur Vorlage Großh. Regierung auf Bewilligung eines Betrag- von 8000 Mk. zur Förderung des TorfstreubezugS beantragt der Ausschuß, dem Wunsche keine Folge zu geben Oeconomie- rath Müller befürwortet die Vorlage im Hinblick auf den hohen Werth für die stroharmen Gegenden. Abg. Wolz schließt sich den Ausführungen an. Die Kammer beschließt dem Ausschußantrag gemäß, verwilligt jedoch, jährlich 4000 Mk. zur Verwendung der Regierung für diese« Zweck zu stellen. Damit ist die Tagesordnung um l1/* Uhr erledigt. Morgen früh 9 Uhr letzte Sitzung.
A »aiij, 17. März. Die demokratische wie auch die socialdemokratische Partei werden den kommenden MoniLg eine Märzseier veranstalten. Bei der Feier btt ~5^rial» demokraten wird der ReichStag-abgeordnete I ö Ü die Festrede halten. — Der landwirtschaftliche Verein ^hetn-


