so übertraf en dessen Schöpfungen doch unsere kühnsten Erwartungen. Fünf Gedichte bot unö Herr Hermann und mit ihnen eine Mannigfaltigkeit dichterischer Auffassung, eigenartiger, echt lyrischer Stimmungen, die bei der Jugend G. Edwards geradezu stauuenSwerth ist. Die an erster Stelle Dorgetragene „Hymne", eine Dichtung, deren mächtige Gedankenlyrik in gewaltiger, oft psalmengleicher Sprache das Werden des Alls schildert, hielt durch ihre überwältigende Größe die Hörer gebannt. ES folgten zwei reine Stimmung-- gedichte, ein Abschiedslied in innigstem BolkSton gehalten und durch die Wahrheit seines Empfindens rührend, und bann die ' „ungesprochenen Worte", ein herrliches Stück voll träumerischer Wehmuth gleich einer Chopin'schen Nocturne, in dem Zarten, Gehauchten seiner Lyrik an die französischen Symbolisten mahnend. Mit diesem Gedicht hat G. Edward gezeigt, daß er zu den Berufenen gehört: Wem Solches glückt, von dem darf man das Höchste erwarten. Die zwei Gedichte, mit deren Mediation der Kreis Tdward'scher Poesien sich schloß, find mehr epischer Natur. „Daß letzte Gebet" schildert in gewaltiger, wirksamster Steigerung die Qualen eines jungen, von ihrem Verführer verlassenen Weibes, dessen Kind den Hungertod stirbt- mit ihrem grausigen Refrain: „Herr, gib uns unser täglich Brod!" errang sich diese Dichtung erschüiterndste Geltung. Hier war eS, wo Herrn Hermanns meisterliche Kunst ihren schönsten Triumph feierte. AlS herrlich vor- getrageneS rhetorisches Glanzstück beschloß „Der Jude" würdig die „Gruppe Edward", wenn auch der literarische Werth dieser Ballade weit hinter dem der übrigen Gedichte zurückbleibt. Es waren immerhin nur zerstreute Probey, auS denen wir G. Edwards dichterische Eigenart kennen lernten: und ein abschließendes Urtheil über den Umfang feines Könnens ist nicht möglich — aber daß er über ein ungewöhnlich starkes Talent verfügt, daß feinem echten Künstlersinn „alles Leben so neu als heilig" tft, die- zu erkennen genügte vollauf das Gebotene. — Zwei reizende Stücke von Ganghof er, deren letztes, eine rührende Kindergeschichte, besonders ansprach, beschlossen den genußreichen Abend, aus dessen begeistertem Erfolg Herr Hermann hoffentlich die Anregung entnimmt, uns recht bald wieder zu erfreuen.
* * Der Schöpfer unseres Liebigdenkmals, Professor Schaper in Berlin, erhielt auf das Preisausschreiben für ein Kaiserin-Augusta-Denkmal den ersten Preis.
* * Zm Panorama gelangt heute die neu angekündigte Serie: „W ien mit der Musik- und Theater- a u S st e l l u n g" zur Ansicht. Diese Serie, bei welcher die Herstellung der prächtigen Farbengebung auf den unscheinbaren GlaSstereogrammen mit großer Arbeit und Mühe verbunden ist, ist ganz besonders bemerkenswerth. Aus der reichen Fülle des Gebotenen seien nur erwähnt: die Kaiserliche Hofburg, das Hofburgtheater, sowie die herrlichen Ansichten von Schönbrunn, die Ausstellung des Kaiserlichen Hoseö, Alt-Wien auf der Ausstellung mit den historischen Straßen, sowie die beliebten Wiener Schrammeln (Dolks- sänger). Herr Schmidt ist in sehr anzuerkennender Weise bestrebt, den Besuchern baß Schönste und Neueste vorzuführen.
♦ * Eine Erste Frankfurter Varietv-Gesellschaft wird morgen, Sonntag, im C a f 6 C e i b Vorstellungen geben. Die im Inserat angeführten Künstler- und KünstlerinnenSpecialitäten bringen ein hochinteressantes und, wie versichert wird, streng decentes Programm zur Ausführung somit sei ein Besuch bestens empfohlen.
* * Beamten Verein. Im Anschluß an die von uns kürzlich gebrachte Notiz, die Gründung einer Beamten- Vereinigung zum Zwecke der Pflege und Förderung des geselligen Lebens und Verkehrs betreffend, sind wir heute in der Lage, mittheilen zu können, daß der Verein definitiv gegründet und demselben bereits 150 Herren aus allen Kreisen der hiesigen Beamten als Mitglieder beigetreten sind. In der gestern Abend abgehaltenen Sitzung fand die Ver- theilung der Vorstandsamler statt und wurde Herr Stationsvorsteher Heydt zum ersten Vorsitzenden, Herr Lehrer Hartmann als dessen Stellvertreter gewählt und dem Verein der Name „Beamten-Verein Gießen" zugelegt. ES ist hiermit einem in den Beamtenkreisen lang gehegten Wunsch und Bcdürsniß Rechnung getragen worden. Hoffen und wünschen wir, daß der Verein blüht und gedeiht und daß eS den Männern, welche sich der Mühe unterzogen haben, das Unternehmen ins Leben zu rufen, gelingt, daö zu erreichen, was sie beabsichtigten, nämlich die Gründung einer Pflegestätte der Geselligkeit, eines Heims für die hiesigen Beamten und deren Familien.
* * Diebstahl. In der letzten Zeit wurden wiederholt die HäuSchen in den an der Hardt gelegenen Steinbrüchen erbrochen und daraus verschiedene Gegenstände entwendet, darunter auch eine größere Quantität Sprengpulver und Zündschnur. Da Anhaltspunkte, die zur Ergreifung des ThätcrS führen konnten, nicht vorhanden waren, so blieben die cingcleitcten Nachforschungen resultatloS. Gestern ist es nun den eifrigen Bemühungen deS Polizci-SecrctärS Bischoff und deS Eriminal Schutzmanns Weiß gelungen, den Thäter in der Person eines Burschen von Heuchelheim zu ermitteln und sammt seiner Mutter und einem Bruder, die der Hehlerei dringend verdächtig sind, in Haft zu bringen. Bei der vor- genommenen Haussuchung wurden nicht allein die erst kürz- lich gestohlenen Gegenstände gefunden, sondern noch eine ganze Wagenladung anderer, vor längerer Zeit gestohlener, wie Wäsche, HauShaltimgSgegenstände, landwirthschaftl. Geräthe, Gartenthüren rc.
Zimmerbrand. Gestern Abend gegen Va9 Uhr brach in einem Hause der Alicestraße ein Zimmerbrand auS. DaS Feuer war durch Heruntersallen einer Petroleumlampe entstanden und hatte sich derartig rasch auögebreitet, daß daS Zimmer fast vollständig ausgebrannt ist.
* * Gestern fand in Frankfurt a. M. eine zahlreich be- suchte Serfammlnng von beifenfabnkanten auS Süd und Mitteldeutschland und Hessen-Nassau statt, die einstimmig beschloß, die Preise deS Fabrikats vorerst um
einige Mark pr. Zentner zu erhöhen, sowie demnächst einen weiteren Aufschlag eintreten zu lassen, um die Seifenpreise mit dem Stande der Rohmaterialen in Einklang zu bringen.
♦ ♦ Schalter Dienßstuudeu der Postaustalteu. Die Kaiserl. Ober-Postdirection Eaffel gibt bekannt, daß höheren Orte» eine Verfügung darüber, ob die Schalter-Dienststunden der Postanstalten für den Verkehr mit dem Publikum künftig von den Nachmittagen der Sonn- und Feiertage in die MittagSzeit (11 bis 1 Uhr) zu verlegen sein werden, noch nicht getroffen worden ist.
Zm Cberpo|birectioel6eiirf Darmstadt wurde für die Zeit vom 1. April 1892 biß zum Schluß des MonatS Januar 1893 an Wechsel stempelfteuer eingenommen: im Monat Januar 1893 12307.60 Mk., in den Vormonaten 110348 Mk., zusammen 122 655.60 Mk., in demselben Zeitraum deS Vorjahres 129 170.40 Mk., mithin weniger 6514.80 Mk. — Im ReichSpostgebiet, mit Ausschluß von Bayern und Württemberg, betrug die Einnahme im Januar 620110.30 Mk., in den Vormonaten 5 202 670.10 Mk., in Summa 5 822 780.40 Mk., in demselben Zeiträume deS Vorjahres 6023 780.60 Mk., onach weniger 201000.20 Mk.
AIS günstig für die Verhältnisse der Eiseubahuarbeiter wird eß bezeichnet, daß dieselben in ihrer Mehrzahl eine langjährige Beschäftigungszeit zurückgelegt haben. Nach einer im Jahre 1891 angestellten Ermittelung waren 14 204 oder 35pCt. aller Werkstätteardeiter, 27 027 ober 30 pCt. aller Betriebsarbeiter und 13021 oder 21 pCt. aller Bahnunterhaltungsarbeiter länger als zehn Jahre ununterbrochen bei der Eisenbahn beschäftigt. Im Jahre 1892 haben bei der preußischen Staatsbahnverwaltung 1147 Arbeiter nach Vollendung einer fünsundzwanzigjährigen und 314 Arbeiter nach Vollendung einer fünfunddreißigjährigen tadelfreien Dienstzeit sie üblichen Geldgeschenke erhalten. Die Zahlen der lang- beschäftigten Arbeiter würden noch großer sein, wenn nicht alljährlich mehrere Tausend im Dienste erprobte Arbeiter in Unterbeamtenstellen übernommen würden und damit aus dem Arbeiterverhältniß ausschieden.
♦ * Einige Neuerungen in der Ausrüstung der Infanterie, wenn auch unwesentlicher Art, sollen beabsichtigt fein. Mit Rücksicht auf das rauchfreie Pulver sollen u. A. die Helme überzogen werden, um das Leuchten zu vermeiden und die Kochgeschirre dunkel gestrichen werden. Zur Herabminderung der Belastung der Infanterie sind umfassende Versuche im Gange. Für die Landwehr sind bie bequemen LitewkaS statt ber Waffenröcke bereits eingeführt. Betreffs ber Verwenbung von Aluminium erklärte General v. Funk in ber Budget- eommission, baß bie angestellten Versuche die gegen dasselbe geäußerten Bedenken als unbegründet erwiesen haben.
♦ * Wegen Erhöhung des Maximalgewichts einfacher Briefe von 15 aus 20 Gramm hat der Verein für Handel und Gewerbe zu Halberstadt sich an das Reichspostamt und an die Handelskammer zu Halberstadt mit einem Gesuche gewandt und bie Herbeiführung bieser schon längst allseitig gewünschten Portobestimmung insbesondere damit begründet, daß die Beilegung der neuen vorgeschriebenen Normal-Frachtbriefe, die aus stärkerem Papier hergestellt sind als die früheren, zu einem Ausschreiben nicht mehr möglich ist, daß aber durch dieses nothwendig werdende doppelte Porto eine ganz bedeutende Mehrbelastung erwächst. Dieses Gesuch hat der Verein auch an etwa 50 andere Vereine mit dem Ersuchen gerichtet, in gleichem Sinne durch die Handelskammer u. s. w. bei der Reichspostbehörde vorstellig zu werden.
— Der Gelreibemarkt. Die seit ein paar Wochen auf dem deutschen Getreidemarkte im Allgemeinen vorherrschende flauere Stimmung will noch keiner anderen, belebteren Stimmung Platz machen. Hierauf deutet auch der Eharacter der abgelaufenen Derichtswocke hin, denn unter dem Einflüsse matter Notirungen von den ausländischen Getreideplätzen, wie der eingetreten milderen Witterung wollte sich weder im Roggen noch im Weizen ein nachhaltigeres Geschäft entwickeln. Um nur einigermaßen Umsätze zu erzielen, mußten die Verkäufer von Roggen und namentlich von Weizen an den meisten Plätzen nicht unerheblich in den Preisen nachlassen. Dagegen besserte sich Hafer im Vergleiche zur Vorwoche einigermaßen, da besonders die für Termine sich zeigende Kauflust eine Wertherhöbung dieses Artikels nach sich zog. An der Berliner Getreidebörse notirten: Weizen 146—160 Mk. pro 1000 Kilo, Koggen 129 — 137 Mk., Hafer 135—156 Mk. und Gerste 115-175 Mk.
r. Großen Bnseck. 17. Februar. Heute Mittag wurden zwischen 2 und 3 Uhr unsere Einwohner durch plötzlich ertönende Feuersignale in Aufregung versetzt. In der neuerbauten, noch unbewohnten Hofraithe beß LanbwirthS Sch. war Feuer auSgebrochen. Rascher, energischer Hilfe gelang eS, in kurzer Zeit beß Feuers Herr zu werben, so daß ein erheblicher Schaden nicht entstand.
§ Nupperteurob, 17. Februar. Nachbem die Diphtherie in unserer Gemeinde ihren Höhepunkt erreicht, trat ein gelinderes Austreten der Krankheit in die Erscheinung. In den letzten Tagen aber tritt die Krankheit wieder heftiger auf. Wieder vier Kinder sind derselben zum Opfer gefallen, im Ganzen jetzt cif Kinder. Unter den letzten Opfern befanden sich die zwei einzigen Kinder einer Familie. Auch in ber Nachbargemcinbe Unter-Seibertenrob, in welcher im vorigen Jahre bie Diphtherie so grausam geherrscht, tritt bie Krankheit wieber auf und ist ihr bereits ein Kinb erlegen. In Ober-Ohmen dagegen scheint die Krankheit erloschen, aber eß herrschen dort andere Krankheitserscheinungen, wie namentlich die Lungenentzündung unter den Kindern.
nn. Darmstadt. 16. Februar. Zweite Kammer ber Stänbe. Bei ber Fortsetzung der Bcrathungen bcr zweiten Kammer gelangte ein Antrag bcs Abg. Psannstiel, bie lieber nähme bcr Salarirung ber Bezirk St Hierärzte auf die Staatskasse, zur Vorlage. Der Ausschuß beantragt, bem Gesuch keine Folge zu geben. Abgg. Pfann-
stiel, Erk, Breimcr unb Vogt befürworten ben Antrag- uibem sie bie hohen Kosten hervorheben, welche für den Land- wirth bei der Inanspruchnahme ber Aerzte entstehen. Nach erfolgter Abstimmung wird der Antrag mit allen gegen neun Stimmen abgelehnt. — Hieraus kommt zur Berathung ber Antrag des Abg. Lantz und Genosteo auf Einführung gleichmäßigen Verfahrens hinsichtlich der Bestreitung bet Sau kosten ans Staatsmitteln für noch zu errichtende Realschulgebäude. Geh. Staattrath Knorr v. Rosen r o t h erklärt, baß bie Regierung sich mit ber Frage dejchäf- tigt und dieselbe in Erwägung gezogen habe, daß sich diese aber für eine Uebemahme der Baukosten für Realschulen auf den Staat nicht aussprechen könne. Damit solle jedoch nicht ausgesprochen fein, daß Gemeinden, welche Mittel für Schulhausbauten bedürften, diese hierdurch vorenthalten würden. Hier werde die Regierung jederzeit zur Hülfe bereit sein. Der Antrag deS Ausschusses, die Regierung zu ersuchen, die Frage in Erwägung zu ziehen und bei Äuffteflung beß nächsten Bud gets zu berücksichtigen, wirb angenommen. — Es folgt bic Berathung ber Vorlage der Großherzoglichen Regierung, die Beschaffung weiterer Mittel für die LandeS- crebitfaffe im Betrage von 2 Mill. Mk. betr. Hierbei beantwortet Staatsminister Finger eine Interpellation bes Abg. Michel, baß GefchäftSgebahren ber LanbeScrebitanstalt betreffenb, dahingehend, baß die ^Regierung das Vorhandensein der bestehenden Anstände anerkenne und thunlich Abhilfe zu- sichere. Die Kammer ertheilt hiernach dem Antrag des Ausschusses gemäß die verfassungsmäßige Zustimmung dazu, daß eine Staatsanleihe im Ncnnwerthe von 2000000 Mark zu 4°/0 verzinslich in geeigneten Abschnitten aufgenommen werde. — Einen Antrag des Abg? Psannstiel auf Einrichtung ber Haltestelle Nieder-Ohmenin eine Station mit Vollverkehr lehnt bie Regierung mit bcr Mobifieation ab, baß sie ein dringendes Bedürjmß hierfür nicht anzuerkeiuten vu möge. Abg. Pfannftiel vcrtheldigt seinen Antrag in eingehender Weise. Minister Weber antwortet, bie an ber Oberhessischen Bahn gelegenen Orte sollten dock etwa» mehr Anerkennung für die Regierung haben, als der Abg. Psannst iel, ber es so hingestellt habe, als seien diese Orte von Gott unb ber Regierung verlassen. Die Regierung werde jederzeit für den Verkehr der Bevölkerung alles thun, was sie thun könne. Der Ausschuß beantragt, dem Antrag keine Folge zu geben unb beschließt baß HanS bemgemäg. — Eine Eingabe einer Anzahl Gemeinden bei Gießen und ber Bürgermeisterei Gießen um Umänderung beß Nebenbahn- projectß Londorf — Lollar in ein solches Londorf— Allendors—Trais—Alten-Buseck—Dieseck- Gießen wird, nach- dem sich auch die Abgg. Metz- Gießen und S ch ö n f e l b für den Ausschuß-Antrag ausgesprochen, nach dem Antrag derselben abgelehnt. — Für die Nebenbahn Flonheim—Wendelsheim sollen Ausnahmebestimmungen für die Hessische Ludwigs-Bahn festgestellt werden, dahingehend, daß von ber Bil bung eines befonberen ReservesonbS abgesehen unb im Falle ber Verstaatlichung ber LubwigSbahn auch biese Linie gegen Erstattung der Anlagekosten vom Staat übernommen werben soll. Ohne Debatte wirb bem zugestimmt. — Hierauf tritt baß Haus in bie Berathung resp. General-Debatte über bie
' polizeiliche Beaufsichtigung bcr Miethwohn ungen unb Schlafstellen. Abg. Reinhardt begrüßt die Vorlage ber Regierung, weil hierdurch endlich einmal unhaltbare Zustände auf gesetzlichem Wege beseitigt werden sollen. Abg. Ullrich bedauert, daß Seitens ber Stabt Offenbach über die Wohnungsverhältnisse daselbst so ungenaue Angaben gemacht worben seien. Auß eigener Erfahrung könne er mittheilen, baß bort bie Wohnungszustände geradezu entsetzliche seien. In den Nachbarorten von Offenback sei dasselbe der Fall. Er glaubt, daß die Gemeinden keine große Luft haben, die Einrichtungen, wie sic von der Regierung borge schlagen, durchzuführen, trotzdem sie wissen, daß die Zustande, wie er sie geschildert, beständen. Er hätte geivünscht, daß bic Regierung nicht bei Gemcinben mit 5000 Einwohnern begonnen, sondern alle Wohnungen beß Landes in baß Gesetz hereingezogen hätte. Erst müffe aber für Ersatzwohnungen gesorgt werden, ehe man mit der Ausführung beß Gesetzes beginne. In gleicher Weise äußert sich Abg. Z ö ft. StaatSminister Finger erwiderte, die Wohnungsverhältnisse in ganz Deutschland lägen so, daß man von einer Schädigung ber Menschheit durch schlechte und ungesunde Wohnungen reden könne, wodurch die Gesundheit unb die guten Sitten, nament bcr Familie in bcbauerlidjer Weise gcfährbet seien. Daraus erkläre eß sich, baß bie Regierung dem Antrag Reinhardt seiner Zeit Folge gegeben habe. Dte Regierung habe sich gesagt, nachdem sie die Gesetzgebung und die Erfolge anderer Länder geprüft habe, daß nichts unversucht bleiben dürfe, solchen Zuständen auf gesetzlichem Wege entgegenzutreten. Die Tendenz der ganzen Gesches > Vorlage sei dahingehend, alL mälig bessere Zustände in bieser Sache herbeizuführen. Abg. Osann hält den Zeitpunkt bcr Einführung beß Gesetze- für verfrüht unb will langsam, vielleicht in zwei Jahren damit vorgegangen sehen. Die Derhanblungen werben um x/iV2 Uhr abgebrochen. — Morgen Fortsetzung.
Vermischter.
♦ Köln, 17. Februar. Heute Vormittag hatten sich elf Arbeiter, welche am Bau beß neuen EentraldahnhosS beschäftigt sind, zum Frühstück auf daß Wellblech-Dach niebergefetzt, als ein Balken bradi, worauf stimmliche Arbeiter 8 Meter tief htnabstürzten. Die meisten erlitten schwere innere Verletzungen, von beiten einige tödtlich sind.
• Wer Luft hat, zur Abwechselung einmal auf bie Elephanleujagd zu gehen, den verweiien wir auf eine soeben im „Deutschen öolonialblalt" erschienene Bekanntmachung. Der Gouverneur von Kamerun veröffentlicht, daß die AuS- Übung ber Jagb auf Elephanten unb Flußpferde in dem ihm unterstellten Distrikt nur gegen Erlös eines ErlaubnißicketnS gestattet ist- bic Gebühr beträgt 2000—5000 Mk. für gewerbsmäßigen Betrieb, für Personen, die sich im Schutz-


