1893
Mittwoch den 18. Oktober
Erstes Blatt
Nr. 245
vikNkltährlgcr
Dir Gießener
Kenerak-Fknzeiger
und Anzeigeblatt für den Aveir Gieren
Kratisbeikage: Hießener Jamikienblätter
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Ausland
Aus Toulon wird berichtet:
Paris, 16. October.
Inna^me von Anzeigen zu der Nachmittag» für dm folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.
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gab ein Dejeuner wohnte demselben Reise nach Paris, hat anläßlich der erlassen, der alle
95.-
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»erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal p «gelegt.
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Der Kiener Anzeiger «scheint täglich, ett Ausnahme deS Montag«.
Sachsen und im Großherzogthum neuerungswahlen zum Landtage statt.
Alle Annonccn-Bureaux bei In- und Au«lande» nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" mtgegen.
Gießener Anzeiger
nicht bei wegen der Vorbereitungen zur — Der Militärgouverneur von Paris Ankunft der Russen einen Tagesbefehl Militärstrafen aufhebt. — Carnot empfängt unter Assistenz der Minister des Auswärtigen und der Marine morgen Nach-
Deutsches Reich.
Berlin, 16. October, lieber den Stand der neuen / deutsch-russischen Handelsvertragsunterhand- lumgen wird jetzt mancherlei berichtet. So besagt eine Mrldung, die bisherigen Verhandlungen hätten Material ergeben, welches den deutscherseits eingesetzten wirthschaftlichen Beurath für die nächste Zeit in ergiebiger Weise beschäftigen IlJirrbe; in Anschluß hieran wird die Einberufung des Zoll- bkirathes schon in laufender Woche in Aussicht gestellt. Man könnte aus dieser Nachricht vielleicht auf einen günstigen Llitergang der deutsch-russischen Zollconferenzen in Berlin schließen, wenigstens würde wohl die angekündigte Einbe- ruiung de« Zollllcirathes in dieser Richtung zu beuten sein. Anderseits werden aber auch Mittheilungen laut, welche sich ' hinsichtlich des Ausganges der Unterhandlungen ziemlich ikeptisch äußern, ja, es heißt sogar, die russische Regierung plene für den Fall eines etwaigen Scheiterns der jetzigen Behandlungen mit Deutschland bereits eine Reihe weiterer zvlllpolitischer Maßnahmen gegen Deutschland, wozu in erster Linie die Ablenkung eines Theiles des bisherigen russischen d«rchgangsverkehres durch Deutschland gehören würde. — Ao-lläufig fehlt es indessen noch an jedem Anhaltspunkte zur Beurtheilung der wirklichen Aussichten der deutsch-russischen Zollconferenzen, ihr weiterer Verlauf muß daher noch immer ruhzig abgewartet werden.
— Der Kaiser und die Kaiserin kehren, sofern nicht noch in letzter Stunde anders verfügt wird, morgen Abend ctwa um 10y2 Uhr von Jagdschloß Hubertusstock in der
acht zwischen dem 8. und 13. October Erkrankten (davon drei gestorben) Cholera nachgewiesen. Von den früher gemeldeten Fällen sind zwei tödtlich verlaufen. In Stepenitz, Kreis Kammin, Bollinken und Bredow, Kreis Randow, je eine Erkrankung mit tödtlichem Ausgang. In Pölitz, Kreis Randow, eine Erkrankung. In Küftrin wurde ein Krankheitsfall von Stettin eingeschleppt. Der sür Neuenfelde gemeldete Kranke ist gestorben. In Hamburg ist von den früher Erkrankten einer gestorben.
— Zur Sonntagsruhe meldet die „Nordd. Allg. Ztg.": Zur Unterstützung der im Reichsamt des Innern unablässig geforderten Arbeiten über die Ausführung der Bestimmungen, betreffend die Sonntagsruhe für die Industrie, werden, wie wir hören, noch einige technische HülfSkräfte herangezogen werden.
— Die Entwürfe der neuen Tabak- uud Weinsteuer sollen dem Bundesrath in allernächster Zeit zugehen. Es heißt, die Vorberathung der beiden Steuerentwürfe in genannter Körperschaft würden mit möglichster Beschleunigung erfolgen, damit dieselben dem Reichstage alsbald nach seiner Eröffnung, die vermuthlich am 20. oder 21. November stattfindet, vorgelegt werden können- gleichzeitig soll dem Hause alsdann auch der Reichshaushaltsetat unterbreitet werden. Ob die von der „Nordd. Allg. Ztg." angekündigte Veröffentlichung des vollständigen Inhaltes der beiden neuen Steuerentwürfe demnächst vor sich geht, muß allerdings noch dahin gestellt bleiben, jedenfalls würde man hieraus an wesentlichen Neuem nur noch die Höhe der Steuersätze kennen lernen. Hinsichtlich der Tabakfabrikatsteuer sind indessen von der „Südd. Tabaksztg." bekanntlich bereits Zahlenangaben gemacht worden, und da letztere, wie die erwähnte Zeitung versichert, auf Grund von ihr zugegangenen Informationen seitens einer bundesstaatlichen Regierung beruhen, so seien die betreffenden Zahlen hier nochmals angegeben: Steuer auf Cigarren und Cigaretten 33*/, pCt., auf Rauchtabak 662/3 pCt., auf Kau- und Schnupftabak 50 pCt.- der Zoll ^^Labaksfabrikate wird für Cigarren von 270 auf 400 Mk., für andere Fabrikate von 180 auf 250 Mk. erhöht. Merkwürdig ist es übrigens, daß noch immer nichts von der geplanten Börsensteuer verlautet, obwohl man doch von ihr mit Fug behaupten kann, daß sie das einzige wirklich populäre unter den vielen neuen Steuerprojecten ist, dessen Annahme auch im Reichstage gesichert wäre. Vielleicht werden aber nur noch die letzten Federstriche an dem Entwürfe des neuen Börsensteuergesetzes gethan, so daß in den kommenden Wochen wohl auch die Grundzüge des letzteren zur Veröffentlichung gelangen.
— Die Zahl der Eingaben gegen die Tabaksund Weinsteuer, welche täglich aus den Interessentenkreisen an die Regierung gelangen, ist noch immer im Wachsen begriffen. Man ist aber ziemlich unempfindlich dagegen, wenn man auch über den Umfang der Eingaben überrascht ist. In Regierungskreisen hofft man bestimmt auf Annahme der Entwürfe durch den Reichstag und rechnet auf die Wirkung der bezüglichen mündlichen Darlegungen des Staatssecretärs im Reichsschatzamt und des preußischeu Finanzministers, sowie der Denkschriften, welche dem Reichstag zugehen werden. Alle Meldungen über angebliche Pläne der Regierung bei event. Ablehnung der Steuervorlagen, kann die „B. B.-Ztg." auf Grund guter Informationen als unzutreffend bezeichnen, ebenso die Angabe, daß hinsichtlich der Weinsteuer kein Ein- verständniß zwischen den Regierungen erzielt worden sei.
P. floht, 15. October. Heute fand hierselbst eine Versammlung der Tabak- und Cigarrenfabrikanten der Rheinprovinz statt, welche sehr stark aus allen Districten des genannten Bezirkes besucht war. Den Vorsitz führte das Ausschußmitglied des Deutschen Tabakvereins Herr H. Minderop
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Der Commandant der Reserve - Escadre an Bord des „Richelieu". Avellau
Bringerlohn.
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Schorfheide nach Berlin zurück. Der Kaiser gedenkt dann auf dem Stettiner Bahnhofe zu verbleiben und schon um 121/, Uhr nach Bremen abzureisen, um dort der DenkmalS- kufhüllung sür Kaiser Wilhelm I. beizuwohnen. Die Kaiserin fahrt dagegen nach dem Neuen Palais weiter.
— Am Donnerstag finden gleichzeitig im Königreich
Bekanntmachung, betreffend die Faselschau zu Gießen im Herbst 1893.
Bei der am 11 l. MtS. zu Gießen abgehaltenen Faselschau wurden die nachstehend verzeichneten Zuchtstiere für tauglich befunden als Gemeindezuchtstiere verwendet zu werden. ________________________
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Gießen, den 14. October 1893.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
letzterem Lande bekanntlich inbirect, indem daselbst zunächst tic Wahlmänner gewählt werden, wie dies auch in Preußen unb noch anderen Bundesstaaten geschieht, in Sachsen dagegen roeibcn die Landtagsabgeordneten birect gewählt. Bei den badischen Landtagswahlen handelt es sich in der Hauptsache um einen Kampf zwischen den Nationalliberalen einerseits, Zentrum, Demokratie, Freisinn und Socialdemokratte ander- kits. Siegen hierbei die Nationalliberalen, so werden sie mindestens ihre bisherige knappe absolute Mehrheit in der Zweiten Kammer behaupten, im andern Falle aber wird in letzterer an die Stelle der bisherigen gemäßigt - liberalen Majorität eine aus den andern Parteigruppen bunt genug gemischte Zufallsmehrheit treten; ob die Bildung einer der- ertigen Mehrheit förderlich auf die parlamentarischen Ge- ihvste in der badischen Volksvertretung einwirken würde, tiß möchte allerdings noch abzuwarten sein. Das Jntereffe an den sächsischen Landtagswahlen dagegen lenkt nach einer oberen Richtung hin, hier muß es sich vor Allem zeigen, ob die Socialdemokratie in Sachsen noch weiterhin erstarkt ii, dergestalt, daß sie zu den elf Mandaten, die sie in der Zweiten Kammer bereits besitzt, nun noch fernere Kammer- ranbate hinzuerobert, eine Möglichkeit, die bet der vielfach ju bemerkenden Lauheit in den Reihen der bürgerlichen Parteien keineswegs ausgeschlossen erscheint. Im Uebrigen Herden jedoch die Conservativen in der sächsischen Volksvertretung ihre bisherige entschiedene Mehrheit auch fernerhin behaupten, dies steht schon jetzt fest, mögen auch die Wahlen tuSfallen, wie sie wollen.
— Cholerastand. Das Kaiserliche Gesundheitsamt wacht folgende Cholerafälle bekannt: In Stettin wurde bei
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in Firma Franz Foveaux in Köln, welcher zunächst kurz über die Sachlage referirte und dann Herrn Syndikus Schloßmacher-Frankfurt a. M. das Wort zu einem eingehen- den Referate über die seitherige Thätigkeit des Deutschen Tabakoereins in dieser Frage und zu einer Besprechung der durch die Norddeutsche Allgemeine Zeitung bekannt gegebenen Grundzüge für eine Facturenwerthsteuer ertheilt. Referent erörterte in längerem Vortrag diese Grundzüge und die muth- maßlichen Folgen des Gesetzentwurfs, wobei er von der Annahme ausging, daß ein Steuersatz von SSVs % für (Zigarren und 66% % für Rauchtabak ins Auge gefaßt sei. Redner " wies auf Grund der nach dcr Steuererhöhung von 1879 gemachten Erfahrungen unter Belegung seiner Ausführungen mit zuverlässigem Zahlenmaterial eingehend nach, daß die vom Deutschen Tabakverein in Aussicht gestellten Consum- rückgänge die unausbleiblichen Folgen der Durchführung der geplanten Steuermaßnahmen sein würden und daß in Folge dessen auch die vorausgesagten Einschränkungen der Fabrikation und Arbeitermassenentlassungen sowohl in den Tabak- und Cigarrenfabriken, wie auch in den Hülfsgewerben unvermeidlich sein würden. Die sich an dieses Referat anknüpfenden, zum Theil recht lebhaften Verhandlungen, wurden schließlich in folgender, durch Erheben von den Sitzen einstimmig angenommenen Resolution zusammengefaßt:
„In Erwägung, daß die geplante Facturenwerthsteuer auf „Tabakfabrikate eine starke Mehrbelastung des ConsumS „und damit erfahrungsgemäß großen Minderverbrauch „an Tabakfabrikaten zur Folge haben und dieser im „Verein mit sonstigen, durch die Neuerung unaus- „bleiblich veranlaßten Störungen der Fabrikation eine „starke Einschränkung derselben und zwar in allen „Brauchen der Tabakindustrie herbeiführen würde-
„in fernerer Erwägung, daß dies unvermeidlich verknüpft „sein würde mit dem Ruin zahlreicher kleinerer und „weniger kapitalkräftiger Unternehmer, mit Arbeiter- „Maffenentlassungen, nicht nur in den Tabak- und „Cigarrenfabriken, sondern auch in den vielen Hülfs- „geroerben der Tabakindustrie, und dadurch bedingter „Brodlosigkeit vieler Tausende von Familien
„erklären die am 15. October 1893 in Köln versammelten „Tabak- und Cigarrenfabrikanten der Rheinprovinz und „benachbarter Bezirke die beabsichtigte Facturen werthsteuer „auf Tabak und jede andere Mehrbelastung desselben für „undurchführbar ohne schwere Schädigung der Tabakindustrie „und zwar aller Zweige derselben, namentlich auch der „Rauchtabakiabrikation.
„Die Versammlung spricht die Erwartung aus, daß „die hohe Königl. preußische Regierung im Bundesrath „ihren Einfluß dahin geltend macht, daß von der geplanten „Tabak-Facturenwerthsteuer wie von jeder Mehrbelastung „des Tabaks Abstand genommen und diesem Industriezweig „sowohl aus volkswirthschaftlichen wie auch aus social- „politischen Gründen endlich diejenige Ruhe gegönnt wird, „welche zu einer gedeihlichen Entwickelung unentbehrlich ist.
In der Versammlung wurde von einer Seite, unter allseitigem lebhaftestem Beifall, das Verhalten der Kölnischen Zeitung der Tabakindustrie gegenüber einer scharfen Kritik unterzogen, während von anderer Seite die Bundesgenossenschaft des größten Theils der deutschen Presse in diesem schweren Kampfe für die berechtigten Interessen der Tabakindustrie gebührend gewürdigt wurden.
Es wurden des Weiteren noch Verabredungen über die Fortführung der Agitation in der Rheinprovinz getroffen und dabei die Mittheilung gemacht, daß der Deutsche Tabakverem in allen Gebieten Deutschlands auf dem Platze und entschlossen sei, den Kampf für die gerechte Sache unentwegt und mit allem Nachdruck zu Ende zu führen.
Mannheim, 15. October. Bei einem in Neckarau veranstalteten Kriegersest hielt der Großherzog von Baden eine Rede, worin er die Nothwendigkeit der Erhaltung der 1870 errungenen Güter nachdrücklich betonte und seine Freude ausdrückte, daß der seinerzeit von ihm ausgesprochenen Mahnung, für die Ehre des Vaterlandes mit Wort und That einzutreten, entsprochen worden sei.
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