hätte. — Dagegen lägt der Wahlaufruf des Lent rums noch immer auf sich warten, dessen Redigirung sich offenbar ganz besonders schwierig gestaltet. Wohl als provisorischen Ersatz für die noch 'fehlende ossizielle Wahlkundgebung der Gesammtpartei.hat daS Centralcomitv der badischen CentrumS- Partei an die' badischen CentrumSwähler eine „vorläufige Orientirung" ergehen laffen.
— Großherzog Friedrich von Baden ist kürzltch mit einer bedeutungsvollen rednerischen Kundgebung vor die Oeffentlichkeü getreten. Er hielt bei dem Jubiläum deS Heidelberger Militärvereins eine Ansprache, in welcher der Monarch die ernste innere Lage berührte und betonte, Großes und Dauerndes (affe sich nur durch Selbstlosigkeit, Hingebung und Treue erreichen. Man müffe trachten, zu erhallen, was vor zwanzig Jahren geschaffen worden sei. Setze man Selbstlosigkeit an Stelle des Egoismus, so könne man getrost der Zukunft entgegensehen. Schließlich erklärte der Großherzog, er ziehe eS vor, über die Vorgänge der letzten Zeit zu schweigen und schaue lieber auf die schönen Zeiten vor zwanzig Jahren zurück.
— Aus Deutsch-Südwestafrika kommt die Nachricht von einem Waffenerfolge der deutschen Schutztruppe. Dieselbe erstürmte unter Führung des Hauptmanns Francois die Hauptposition des längst gegen die Deutschen aufsässigen Häuptlings Witboy, Hornkranz. Witboy hatte bei_ der Affaire 80 Tobte und 100 Verwundete- deutscherseits fiel der Gefreite Sokolowski, die Soldaten Bartsch und Hermann Dietrich wurden verwundet.
Au-land.
Wien, 16. Mai. Der Kais er verlieh dem Groß- Herzog von Hessen daSInfanterieregiment Nr. 14, besten Inhaber der Vater und der Großoheim des Großherzogs gewesen sind. Zu dem Galadiner bei Hofe, welches zu Ehren des Großherzogs veranstaltet wird, hat auch der deutsche Botschafter Prinz Reuß eine Einladung erhalten.
Neueste
WolffS telegraphische« Correspondenz-Bureau.
Berlin, 16. Mai. Die Abreise des Kaisers nach Görlitz erfolgt am 18. Mai früh 88/< Uhr vom Bahnhofe Friedrichstraße.
Berlin, 16. Mai. Der Geh. Regierungsrath Profestor Dr. Schottmüller, Leiter deö archäologischen Instituts in Rom, ist heute Vormittag in Berlin an den Folgen der Malaria gestorben.
Görlitz, 16. Mai. Der geschäftSsührende Ausschuß der RuhmeShallen- Lotterie beschloß, wegen der am 18. d. M. zu erwartenden Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers die Ziehung am 17. und 19. Mai in Görlitz statt-- finden zu lassen.
Lübeck, 16. Mai. DaS vom Lllbeckischen Staate erbaute monumentale Museumsgebäude ist heute Mittag in feierlicher Weise durch den Bürgermeister Dr. Kulenkamp eröffnet und an den Vorstand der gemeinnützigen Gesellschaft, die das Museum verwalten wird, übergeben worden. Der Senat, die Bürgerschaft und viele auswärtige Ehrengäste wohnten der Eröffnungsfeier bei.
Wien, 16. Mai. Der Großherzog von Hessen fuhr heute Vormittag im Ministerium des Auswärtigen vor und ließ für den Grafen Kalnoky, welcher zum Vortrag beim Kaiser berufen war, seine Karte zurück.
Wien, 16. Mai. Der Großherzog von Hessen empfing heute den Commandeur des ihm verliehenen 14. Jn- santerieregiments, gab im Palais des Erzherzogs Albrecht seine Karte ab und nahm sodann an der kaiserlichen Tafel in Schönbrunn theil.
Paris, 16. Mai. Heute Vormittag wurden in Lev allo is- Perret und in Courbevoi bei Paris fünf Anarchisten verhaftet wegen Anfertigung von Explosionskörpern. Die Polizei sand bei den Verhafteten drei geladene Bomben.
Chicago, 16. Mai. Der Frauen-Congreß, der in Verbindung mit der Weltausstellung hierher berufen worden ist, wurde gestern in Anwesenheit von etwa 5000 Theil- nehmerinnen im ColumbuSsaale des neuen Kunstinstituts eröffnet.
Depeschen de« Bureau .Herold".
Berlin, 16. Mai. Wie die „Nationalzeitung" meldet, ist der Zusammentritt deS neuen Reichstages für den 28. Juni in Aussicht genommen.
Berlin, 16. Mai. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die etatsmäßige Vermehrung der preuß. Klassen> loose in der nächsten Lotterie wird derart ausgesührt, daß 10,665 Loose für die bereits bestehenden und 19,335 für 109 neue Collecten verwendet werden. Frankfurt erhielt drei neue Collecten.
Berlin, 17. Mai. Das „Berl. Tagbl." meldet auS Graubenz, der Kaiser habe dem Graudenz benachbarten Orte Burg-Balchau zum Kirchenbau 25000 Mk. überwiesen. Der Kaiser besuchte im September die Gegend und besichtigte die Graudenzer FoNS.
Berlin, 17. Mai. Die „Voss.Ztg." meldet auS Hamburg: Der Bürgerschaft ging ein vom Senat entworfenes Wohnungsgesetz behufs Sanirung Hamburgs zu. Es regelt daS Aftermiethcrwesen und theilt die Stadt und die städtischen bebauten Vororte in 36 Pflegebezirke ein, welche die Wohnungspfleger zu besuchen haben.
Frankfurt a. M., 16. Mai. Seitens der nationalliberalen Partei wird nicht Dr. Fester, sondern Dr. OSwalt aufgestellt.
Hamburg, 17. Mal. Die bacleriologische Untersuchung der Leiche dcS in Schiffbeck verstorbenen Arbeiters ergab asiatische Cholera. Sechs unter verdächtigen Symptomen erkrankte Matrosen eines aus Calcutta eingetroffenen Dampfers wurden dem Krankenhaus übergeben.
Buba-eS, 16. Mai. Die Verhandlungen über die Vorlage, betreffend die Reception der Juden, wurden bis zum Herbst verschoben.
Graz, 16. Mai. In der Spitaler'schen Restauration wurde eine Dynamitbombe mit brennender Lunde in den Keller geworfen, welche dort explodine. Ein Kellner wurd? erheblich verwundet, der materielle schaden in bedeutend.
Loudon, 16. Mai. Bei den unterirdischen Arbeiten unter dem Aermelcanal wurden durch eindringenden Dampf zwei Arbeiter getödtet.
Paris, 17. Mai. DaS „Journal" sagt betreffs von Baumbach wiederholter Aeußerung HerbetteS, eS bestehe kein Bündniß zwischen Frankreich und Rußland, diese Aeußerung vermindere daS Ansehen Frankreichs im AuSlande, Herberte muffe daher vom Minister deS Aeußern abberufen werden. »
Madrid, 16. Mai. In Dalenzia explodine vor der Töchterschule deS Loretto CollegS eine Dynamitbombe, welche daS EiugangSthor dcmolirte. ES wurde- Niemand verletzt. Unter den Pensionärinnen, die den ersten Familien Spaniens angehören, herrscht eine unbeschreibliche Parnk.
Chicago, 17. Mai. Am 14. August wird der internationale FriedenScongreß eröffnet. Derselbe hält wöchentlich 10 Sitzungen ab.
Pari«, 17. Mai. Die „Officiöse Agentur" veröffentlicht das Dementi über die von ausländischen Blättern gebrachte Meldung über Aeußerungen Herbettes, betreffend daS russisch-französische Bündniß. Herbette that die Aeußerungen weder Baumbach, der ihm unbekannt, noch anderen Persönlichkeiten gegenüber.
Tie (Generalversammlung der landwirthschastl. Genossenschaftsbank in Darmstadt.
D. Darmstadt, 15. Mai 1893.
Alles waS sich der Mensch selbst schafft, erarbeitet, erwirbt, hat dautrnden Werth und erfreut ihn. Geschenke, ererbte oder'gcwonnene Tinge verursachen bet Weitem nicht die Befriedigung, wie selbstgeschaffene. Vielleicht lassen sich diese Sätze mutatis mutandis auf die landwtrthschaftliche Genossenschaftsbank anwenden, welche heute im Gartensaale zum „Darmstädter Hof" dahier ihre neunte ordentliche Generalversammlung, von Landwirthen aus allm drei Provinzen zahlreich besucht, abhtelt. Vor neun Jahren wurde das Institut gegründet. ES war ein dringendes Bedürfntß geworden, eine Sammel- und Geldausgleichstelle für die Kreditgenossenschaften, Molkereien und Consumveretne zu haben, besonders aber ein Organ zu schaffen, welches dem Landwirthe billiges Geld bieten konnte zu jeder Zeit. Es waren kleine Anfänge gewesen, aus denen das Institut hervorging. £>tutc steht es kräftig auf den eigenen Füßen, ein Kind der Selbsthülse — und das ist unser Stolz. Ich will versuchen, Ihnen Einiges aus dem neunten Lebensjahre des Instituts mttzuthetlen.
In vielen Geschäftszweigen brachte das vergangene Jahr 1892 keine erfreulichen Resultate. Die Genossenschaftsbank blickt dagegen mit Befriedigung auf das Jahr zurück. Der Grund liegt in der Anordnung einiger Maßregeln, welche erst in jüngster Zett getroffen werden konnten. So wurden die Provisionssätze für die Darlehnö- kassen und Productivzenoffenfchasten in lausender Rechnung bet unveränderten Zinssätzen angemessen erhöht; eine Vergütung für Porto und ähnliche Kosten wurde angeordnet und die landwirthschastlichen Consumveretne den Spar- und DarlehnSkassen gleichgestellt.
Man kann jetzt mit Sicherheit annehmen, daß die Bank den für sie felbst nöthigen Kredit durch eigenes Geld befriedigen, daß sie die Reserve schneller vergrößern, die wachsenden Bedürfnisse hinstcht- lich der Kapitalien von Seiten der Genossenschaften, sowie auch den billigen Ansprüchen der Capltalten mehr und mehr gerecht werden könne.
Die Genossenschaften, vorzugsweise die DarlehnSkassen batten vom Frühjahre bis Herbst 1892 mehr als in den Vorjahren wachsende« G-ldbedürsniß. Durch den Verkauf der eigenen Effecten, sowie durch den von Großbanken gewährten Credit konnte die« Bedürfntß in einer Weise befriedigt werden, die für die Bank selbst vorthetlbaft war. Gegen Jahresschluß ergab sich größerer Geldrücktluß. Die Landwirthe verkaufen im Herbste ihre Producte (Getreide, Tabak, Zuckerrüben, Fettvieh rc) und werden dadurch in die Lage versetzt, die im Frühjahre aufgcnommenen BetriebScapttalten wieder abzu
WaS die Bewegung im Actienbesitze (sammlliche »dien sind im Acttengrundbuche auf Namen eingetragen) anbelangt, so gingen 35 Actien erster und 119 Actien zweiter Serie in anderen Besitz über. Sahungsgemäß müssen diese Uebergänge von der Generalversammlung genehmigt werden. Nachdem dies geschehen, ergibt sich folgende Vertheilung der Actien (wir fetzen die Resultate deS Vorjahres daneben, wodurch sich ein befferer Ueberblick und Vergleichung?-
maßstab ergibt):
Es entfielen Actien: 1892
1. Aus die Verbände 10
2. „ „ Centralgenossenschast der hessischen
landwirthschastl. Eonsumoereine 20
3. „ „12 Molkerei- und Absuhranstalten 46
4. „ „ 85 landwtrthschaftliche Consumveretne selbst 125
5. „ „ 207 Spar- und DarlehnSkassen 1305
6. „ „ 405 Privatpersonen 994
1891
8
15
53
131
1286
1007
Summe aller Actien 2500 2500
1891
1892
740
11022
131
661
1181
8397
184
524
893
Im bindung,
2396
173
33
1759
427
909
1847
1. Gehalte, Stellvertretung, Echreibhülse(dte Pfennige sind wegaelassm)
2. AufsichtSrath«- und Revisionskosten
3. Steuern
4. Miethe, Heizung, Beleuchtung
5. Bücher, Drucktasten, Schreibmaterial,Sour«- blatt, DerloosungSltste, Zeitungen
6. Inserate
7. GertchtSkosten, Stempel zum Handelsregister
8. Porti, Transportversicherung, Stempel
9. Umzug«- und CinrtchtungSkoftm für die neuen Banklocale
Jahre 1892 stand die Bank mit 207 Vereinen in Vermährend es deren im Vorjahre nur 164 waren. Diesen Vereinen war im Jahre 1892 ein Credit von 3 260 000 X etn- geräumt worden. Eigene Effecten hat die Bank im Jahre 1892 nach und nach abgestoßen. Sie besaß an 3'/,*/» und 3% RerchSanlethe, 31/, Preuß. ConsolS, 3% Jtal. garantirte Etsenbahnprtoritäten. Die vorjährige Generalversammlung beschloß, die Bank selbst solle keine Papiere anschaffen, sondern sich aus Bankgelchätte als solche beschränken. Darnach sind alle SpeculattonSoperaltonm beseittat^Die vorhandenen Papiere wurden mit einem Gewinne von rund 2900 X
lieber die Verwaltungskosten vermögen wir aus Grund des Geschäftsberichtes folgende Anhaltspunkte zu geben, wobei wir wieder die Resultate de« Jahre« 1891 daneben stellen:
ES mußten wettere Kaffaschränke, Schreibpulte. tonsttg« Schränke, I Actengestelle angescham werden, daher der Mehraufwand für MobUtar.
Htnsichtlich der Gewinn- und Verlustrechnung geben wir >ür die beiden Jahre 1892 und 1891 mit Weglaffung der Pfennige folgende Anhaltspunkte:
1892 1691
X ZlnSeinnahmen 71 443 59491
ZrnSvergütunzen 44 462 39 814
ZinSüber schuß 26 931 l1-1
An Provisionen wurden erzielt 17 122
, , , vergütet 1 156 1 043
Uederschuß 13 966 7 767
Wir ersehen au« diesen Zahlen, daß die Zin«einnahme gcge» da« Vorjahr um ca. 40°die Provisionen sich aber um mehr alt hundert Procent geln fiert hat. — Ter Au'fichtSrath hat der General. o.°rsammlung nun folgende Vorschläge gemacht:
1. Ter Bankvorstand, die Verwaltungsorgane find ,u enhartau 1892 1891
2. Der verfügbare Uederschuß beträgt 27 790 11 20$
Er soll wie folgt Perwenduna finden:
a. Rach ^36 der Satzungen sind dem Reserve- .
fonds 20% von 27 436 X zu überweisen 5 48« -33
Außerdem, damit er die Höhe von
15 000 X erreicht 56 —
b. 5% (In 1891 2«, °,) Dividende auf bezugsberechtigte« Grundcapttal von 336 760 X 16838 8 415
c. Zur Bildung einer BetriebSrücklage 3000 —
d. Auf neue Rechnung pro 1893 vor zutragen 2608 5-34
3. Die erfolgten Uebergänge von Actien zwetler Serie sollen gr nehmigt werden.
4. Der Werth der Anwesenheil«a aiken für die Mitglieder fall neu festgesetzt werden.
5. Au« dem AufsichtSrathe haben satzungigemäß auSzuichetden die Herren Haa« Offenbach, Hahn h3enln8«, Heuerltng- Wimvfen. Für Herrn G. Füiberth-Erfenbach, welcher die am 20. Mal 1892 aus ihn gefallene -Wahl in den Au'sichtS- ratb ablehnte, ist Ersatzwahl auf zwei Jahre erforderlich.
Hinsichttich der zu vertheilendm Dividende wurde tn der vorigen Generalversammlung betont: Man muß die Dividende so niedrig wie möglich halten, Hauptsache ist, daß die Geno'cii'chai:«n-.itgl»eder möglichst billiges (Selb erhallen, bad irt ja der erste Zweck der Bank, Dividenden sind Nebensache. Daran liegt manche« Richtige, <o darf aber nicht vergessen werden, daß nicht weniger al« 405 Privat ertönen mit 994 Actien a 200 X = 198 800 X, also mit rund 2IX)000 X an der Bank betheiligt sind. Diese brauchen weder Futtnstone, noch künstlichen Dünger, noch landwirthschaftliche Maschinen, sie haben der Bank aber doch das Geld gegeben, daß sie blühen und gedeihen möge. Daß man diesen Freunden der Bark nun noch zum Dank die Zinsen beschneiden will (etwa« Andere« bekommen sie ia nicht tn der Tioidende), da« wäre doch ein btSchen wenig und darum ist ec» selbstverständlich, daß 5°/o Dividende gewährt werden. Mehr gibt es aber auch nicht, denn da« schreiben die Satzunaen so vor.
Möchten da« zehnte und alle weiteren Geschäftsjahre tn der- selben Werse progressiv weiter sich entwickeln, wie da« neunte ge» schloffen bat — das ist der beste Wunsch, den men dem gemeinnützigen Institute für das neue Jahr mit aus d,n Weg geben kann.
Cotafci und provinzielle».
Gießen, 17. Mai 1893.
Die neuen Glocken der Iohanneskirche. Dte 4 neun, Glocken, gegossen von Herrn F. W. Rincker zu Sinn, hängen fest und sicher im Thurm der neuen Kirche, öin schmiedeeiserner Glocken st uhl trägt dieselben. Herr Commerzienrath Heyligenstaedt hatte aus Wunsch de. Kirchenvorstandes die Güte, diesen Glockenstuhl von technnchem Standpunkt aus einer Prüfung zu unterziehen, er erklärte ihn für solide und tüchtig hergestellt- einzelne Vorschläge jitr noch größeren Sicherheit wurden alsbald zur Ausführung gebracht. Nachdem die Glocken aufgehängt worden waren, wurde am 28. April d. I. die Prüfung des Tone» und Klanges derselben vorgcnommen durch eine musikalische PrüfungScommtssion, gebildet von den Herren: Akustiker Appuen auS Hanau, Musikdireclvr Felchner und K r a u ß e, Lehrer Geller, Musikalienhändler Rudolph dahier. DaS Gutachten dieser Commission fei nachfolgend zur Kenntniß gebracht- eS lautet wortgetreu: „Diese Prüfung hat ergeben, daß die 4 Glocken, welche von Heern F. W. Rincker auS Sinn gegossen und geliefert worden sind, den harmonischen .Dur accor d G H : D : G. in hoher Stimmung (L*— 448 Schwingungen) daestellen. Die AuS führung dieser Glocken: Construction, Guß und Intonation, kann nur als musterhaft bezeichnet werden. Der Klang jeber einzelnen Glocke ist rein, volltönig und von unharmonischen Obertönen ziemlich frei. Vollständig lassen sich solche Ober- töne bei Glocken überhaupt nicht beseitigen. Ganz besonder» lobend hervorzuheben ist die gute Stimmung, deren geringe Intervall > Differenzen gegen absolute Reinheit nur bei der größten Aufmerksamkeit und mit sehr geübtem Cbr beobachtet werden können. Die 4 neuen Glocken, in Verbindung mit den 4 Glocken der alten Kirche, welche letztere den harmonischen MollaccordA:i_ C A. (a1 — 448 Schwingungen) darstellen, bilden gemeinschaftlich ein sogenanntes melodische« Geläute, dessen Gesammt» Wirkung einen erhabenen Eindruck und eine feierliche religiöse Stimmung in dem Empfinden des Beobachters erregt, weil die Intervalle der 8 Glocken (einige Unregelmäßigkeiten deB alten Geläute- abgerechnet) in mathematisch reinen Ton- verhältnisscn zu einander stehen und durch die stete wogende Bewegung, welche die 4 tiefsten Töne G : A: H:C vcram lassen, dem ganzen Geläute die Monotonie, welche man bei einem harmonischen Geläute beobachtet, entzogen wird. Wenn man der Gemeinde einerseits zu diesem gelungenen Resultat aufrichtig gratultren kann, so kann man anderseits Herrn Rincker die Anerkennung nicht versagen, daß derselbe mit diesem Werk dasjenige auSgeführt hat, wa» bi« je$t auf diesem Gebiete an Vollkommenheit geleistet werden kann." Nach diesem Unheil der Sachverständigen, dem jefi ’*on Biele freudig zustimmen, dürfen wir hier in Gießen daS Bewußtsein haben, daß wir in unseren Kirchen zwei sehr schöne, prachtvolle Geläute besitzen, und daß wir im Zusammenkliogen der acht Glocken ein Geläute beschaffen, da» den allerschönsten in ganz Deutschland sich an die Seite stellen kann. Das Gewicht der vier neuen Glocken ist nun- mehr endgiltig wie folgt festgestellt: Die erste und größte Glocke wiegt 3931 Kilo, die zweite wiegt 1988 Kilo die


