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Drittes Blatt. Sonntag den 17. December
1893
Gießener Anzeiger
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kann nun aber nach dem Vorhergesagten die zusammenrommenoe Wassermenge von (5 und 17 —) 22 G:amm, also 11 (Stamm pro Kubikmeter nicht ausnehmen, sondern nur 9 Gramm pro Kubikmeter, also zusammen 18 Gramm. Der Rest von 4 Gramm (pro Kubikmeter 2 Gramm) muß sich ausscheiden und thut dies, als Wolke, als sichtbares Wasser. Durch bzw. in einem Lustwtrbel, wie ibn die Bewegung der am Aequator in die Höhe steigenden, dann in der Richtung nach den Erdpolen abziehenden und in den gemäßigten Bönen sich ntederlegenden warmen Lust regelmäßig veranlaßt, wird aber infolge der durch die Cmtrtfugalkrafl der Erdrotation erzeugten Luftverdünnung eine starke Temperatur-Erniedrigung hervorgerusen, die dann eine noch ergiebigere Wolken- resp. Regenbildung im Gefolge hat. Diese kältere Lust vermag eben die in der wärmeren Luftschicht vorhandenen größeren — unsichtbaren — Wassermengen nicht zu fassen und muß sie ausscheiden. Bei uns hält also die Regenmenge gleichen Schritt mit der Häufigkeit und Intensität der erscheinenden Luftwirbel, der Minima oder Depressionen des Luftdrucks.
Die ausschlaggebende Rolle, welche hiernach der Wasserdampfgehalt der Luft auf daS Wetter ausübt, zeigt uns nun gerade den Weg, auf welchem die Frage nach dem kommenden Wetter beantwortet werden kann.
Die Ursachen des I _
Futternoth im Sommer 18— — --- Schutz vor den Folgen abnormer Witterungs- Erscheinungen.
diejenigen des Barometers, welches nur den Ganz ebenso empsehlend^ äußerte sich die in Wien ^scheinende Deutsche Rtituna" unter der Spitzmarke „Falb oder Polymeter , nachdem sie die „kritischen Tage" Falb« specteUer besprochen:
„Deshalb ist es von großer Bedeutung, neben der all - gemeinen Wetterprognose (der staatlichen meteorologischen Institute und Stationen) noch die Möglichkeit der Kontrolle für den einzelnen Platz und für jeden Zeitpunkt innerhalb der 24 Stunden zu Haden, für welche die allgemeine Prognose aufgestellt ist. Diesem Zweck dient ganz au^erordentltch practtsch ein von der bekannten Fabrik meteorologischer Instrumente Wtlh. Lambrecht in Göttingen erfundener und he'- gestellter Apparat mit dem Namen Polymetcr, eine sinnreiche Kombination von Wärme- und Feuchtigkeitsmesser mit verschiedenen Scalen, die aus leichte und sichere Weise sowohl den augenblicklichen, wie den in kurzer Zett bevorstehenden Cbaracier des Wetters erkennen lassen."
Und H. Timm, der Verfasser des viel begehrten Werkes „W e gestaltet sich das Wetter" sagt in einem Artikel „Wie man Nachtfröste vorher bestimmt", in welchem er den «roßen Werth hervorgehoben, den die rechtzeitige Kenntntß des Eintritts eines bevorstehenden Nachtfrostes für den Landmann, den Baumschulen-, Obft- plantagen- und Weinberg Besitzer, für den Gärtner und Gartenfreund hat und naturgemäß haben muß:
„Es ist deshalb mit Freude zu begrüßen, daß eS der Firma Wilh. Lambrecht in Göttingen gelungen rst, ein Instrument zu construiren, welches ein leichtes^Ablesen deS ThaupunktS und zahlreiche sonstige zuverlässige Beobachtungen ermöglicht. Es ist dies das sogen. Polymeter. Das Instrument besteht aus einem Quecksilberthermometer aus Jenaer Hartglas, welches die Scala der gewöhnlichen Temperatur- grade nach C. und eine Scala der Dunstdruckmaxima In Millimetern enthält, rind einem Haarhygrometer, dessen Scalen die relative Feuchtigkeit in Procentm und die Anzahl der Grade angtbt, um welche der Thaupunkt niedriger steht, als die Temperatur (Gradzahl). Zieht man die letztere Zahl von der Iahl der Temperaturgrade ab, so ergibt sich der Grab des Tbaupunktes und liegt dieser Nachmittags bei oder unter Null, so ist Nachlfrost zu erwarten Z. B. Temperaturgrade in K. 15, Gradzahl 16, ergibt Thaupunkt: minus 1° C., also unter dem Gefrierpunkt und Nachtfrost verkündend."
In gleich bequemer Weise lassen sich Gewitter, Hagelschauer rc mit Zuverlässigkeit vorher erkennen und zwischen dieser Erkenntniß und dem Eintritt des Frostes oder Unwetters liegt genügend Zeit, den Folgen der letzteren möglichst vorzubeugen.
Wie H. Timm, so empfiehlt auch Artillerie-Oberst Th. Kirsch in (einem Werke „Die Vorherbestimmungen des Wetters" und Dr. Fleischer in seiner Broschüre „Gesunde Lust" dringend die Anschaffung eines Polymeters, dessen große Vorzüge und beachienswerthe Eigenschaften außer Dr. Fleischer, Oberst Kirsch und H. Timm auch von zahlreichen anderen Autoritäten und in tausendfachen Anerkenn-
ihn sichtbar werden zu lassen Null Grad
Herr Dr. W. A. Nippoldt in Frankfurt a. M., bekannter Physiker und Meteorologe, hielt am 14. Juli 1893 in der Gartenbau- Jesellschaft zu Frankfurt a. M. einen Vortrag über die Ursachen des iegenmangels im Frühjahr und Sommer 1893, welcher die so erhebliche Futternoth tm Gefolge hatte.
Borausschickend, daß „das Klima" eines OrteS der durchschnittliche Witierungs-Characier beffelbcn ist, betonte Redner, daß das thaisächlich eintretenbe Wetter alljährlich eine Zeit lang mehr ober weniger Schwankungen ausgesetzt fei. Je größer diese Schwankungen, desto außergewöhnlicher die Abweichungen vorn Durchschnittsklima, die sich auch im Jahre 1892 zeigten, namentlich im Monat August, welcher durch außergewöhnlich hohe Lufttemperatur sich hervorthat. Für Gartenbau und Landwirthschaft sind solche wesentlichen Abweichungen vom Durchschnittsklima, nach welchem erstere sich ein- »erichtet haben, sehr unerfreuliche Zustände. Begießen der (Sorten l ein sehr unvollkommener Nothbehelf für Gärtnereien, und Berieselung Seitens der Landwirthe ist in derartigen Fallen deS regel: mäßig damit zusammentreffenden niederen Wasserstandes der Bäche *nb Flüsse wegen nicht ausführbar. Da Erscheinungen der hier fraglichen Art so wenig, wie andere Erscheinungen in Bezug Uauf Abweichungen vom Durchschnittswetter wir nicht zu ändern vermögen, so könnte es fast 'Leinen, als wäre die Frage nach der Ursache der Wetterabnormitäten ohne allen poetischen Werth. Solcher Aufiassung trat nun aber Herr Dr. Nippoldt ganz entschieden entgegen, könne man auch das Wetter selbst nicht corrigiren, so könne man sich aber vor den schädlichen Wirkungen abnormer Witterungs- Verhältnisse schützen — wenn man den Eintritt abnormer Witterungs- veihältniffe rechtzeitig vorher wisse. . o m .
Daß eine solche Wetteroorhersage möglich, bewies Redner durch längere Ausführungen über die Erkennung der Wechselwirkung der horizontalen und verticalen Luitrichiung, sowie deren Ursachen, und kam zu dem Schluffe: das Hauptmmerial für einen Wechsel des Wetters ist durch den in der Luft vorhandenen Wasserdamps gegeben. DaS Quantum des WasierdampfS, welches die Lust zu lösen vermag, ohne daß dieser Wasserdampf sichtbar wird, hängt von der Lust- Temperatur ab und steigt mit letzterer rapid. Ein Kubikmeter Luft vermag an Wasserdampf zu lösen, d. h. in sich aufzunrhmen, ohne
Ein Mittel, mit dem wir entscheiden können, in welchem Maße die Luft mit Wasferdamps angefüllt ist und wie dieser Wasserdampfgehalt der Luft schwankt, gibt uns die Möglichkeit, unter Berücksichtigung der Temperatur und des Luftdrucks Wetterregeln aufzustellen, nach denen Jedermann, |bet im Besitze jenes Mittels ist, sich richten kann und mag.
Hat man nun ein solches Mittel? Ja, das vorn Fabrikanten meteorologischer Instrumente und Apparate Wilb. Lambrecht in Göttingen fabricirie P o l y m e t e r , d. i. Dielmesser, genannte Instrument ist nicht nur zur Wettervorhersage völlig geeignet, sondern zu Tausenden bereits in Benutzung. An demselben lieft man die Menge und die Schwankungen des in der Luft befindlichen Wasserdampfes, die Temperatur und die Stärke des Dunstdrucks, sowie den Thaupunkt brquem ab. Passend« Wetterregeln sind längst durch Er- sahrung gewonnen und werden von dem Verfertiger des Instruments seinem „Polymeter" beigegeben, welches er selbst „eine Wetterwarte im Kleinen" nennt.
Tie „Neue Preußische (Kreuz-)Zettung" empfahl unlängst namentlich den Landwirthen das — auch einer Reihe hygienischer und vielen technischen Zwecken dienende — Instrument, indem sie schrieb :
„Das Polymeter ertheilt weit besser als das Barometer Aufschluß übet daS kommende Wetter. Es besteht aus einer Verbindung des Thermometers mit dem Hygrometer und ermöglicht es, bequem abzulesen, ob Dte Luit mit Dünsten bereits derartig gesättigt ist, daß dieser Dunst sich verdichten wird, oder ob das nicht der Fall ist. Wir haben das Polymeter feit einiger Zeit im Gebrauch und fanden dessen Angaben zuverlässiger als
„ 40° „ ii — u
und so steigend weiter. Treten nun Luftmischungen ein, müssen sich i L. zwei Kubikmeter Luft von verschiedener Temperatur Infolge irgend welcher atmosphärischer Erscheinungen vermengen und cs hatte
Temperatur 5 Gramm,
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Feuilleton.
Wochenbricse aus der Residenz.
(Orlglnalbericht für den „Gießener Anzeiger".)
Z. Darmstadt, 15. December 1893.
Vor Weihnachten — Eissport — Ein Stiftungsfest — Verschiedenes.
Ein ganz außergewöhnlich lebhaftes Getriebe herrscht -gegenwärtig in den Hauptgeschäftsstraßen unserer Stadt. Vor den Schaufenstern der Kaufläden drängt sich Jung und Alt, um die ausgelegten Herrlichkeiten zu bewundern. Es verlohnt sich aber wahrlich der Mühe, in diesem Jahre vor dem Einkäufe der Weihnachtsgeschenke die in den Läden und Magazinen aufgehäuften Schätze zu mustern. Dte Geschäftsleute Darmstadts haben ganz prachtvolle Weihnachtsausstellungen zu Stande gebracht, die in der That auch den größten und weitgehendsten Ansprüchen genügen können. Man durchwandere nur einmal am Abend, wenn überall die electrischen Lampen ausflammcn und ihr magisches Licht aus- breiten, die von zahllosen Passanten belebten Straßen und mache vor den strahlend hellerleuchteteu Schaufenstern Halt, dann wird man erkennen, daß die Presse mit voller Berechtigung ihren Lesern zurufen darf: „Kaufet am Platze." Niemand hat mehr nötbig, wie vielleicht vor Jahren, nach größeren Handels- und Jnduftrieplätzen zu fahren, um dort feine Weihnachtseinkäufe zu besorgen, am Platze kauft man sich's jetzt weit bester und meist auch billiger.
Im geselligen Leben macht sich natürlich das Herannahen tzes Weihnachtsfestes deutlich bemerkbar. In den Concert- fälen, in denen uns während der verstrichenen Hälfte der „Saison" schon eine fast überreiche Fülle künstlerischer Darbietungen gewährt wurden, ist es nun recht still g'worden, auch von sonstigen größeren geselligen Veranstalltingen allge- meiner Art ist nicht viel zu böten Nur dem Vergnügen des Eissportes hat unsere Jugend in der letzten Zeit, allerdings nur für feür kurze Frist, huldigen dürfen. Es wird Ihre Leser intercjftrfn, zu erfahren, daß dem Anfangs befürchteten Eintritt eines Mangels an günstig gelegenen Eisbahnen nun gründlich abgeholfen ist. Der Schlittschuh
club, dessen am Emilsplatze gelegene alte Bahn freilich verbaut worden ist, hat an der Eschollbrückerstraße ein großes Gelände zur Anlage eines neuen Sportsplatzes erworben, und ebenso wird der Eislausverein außer einer schon seither benutzten Eisbahn hinter dem großen Woog noch eine zweite an der Klappacherstraße gelegene unterhalten. Endlich hat der Darmstädter Bicycleclub seinen Rennplatz am Carlshof zu einer großen Schlittschuhbahn Herrichten lassen und so hätten wir denn mit dem freilich nur bei starkem Frost zu benutzenden großen Woog die bisher noch nicht erreichte Zahl von fünf Eisbahnen für den Winter zu verzeichnen. Eine längere Benützung ist allerdings bisher noch nicht möglich gewesen, Jup'.ier Pluvms hat sich den hiesigen Freunden des schönen Sportes nach kurzer Gunst wiederum recht ungnädig gezeigt, hoffentlich hält diese unerfreuliche Gesinnung aber nicht sehr lange vor. An einem Mißstände leiden alle unsere Eisbahnen freilich, sie liegen nämlich alle an der Peripherie unserer sehr ausgedehnt gebauten Stadt und sind daher alle vom Mittelpunkt aus erst nach längerer Wanderung zu erreichen. Wenn wir erst einmal die vielberufene elektrische Trambahn haben, über die in der Preffe und im Publikum immer noch lebhaft discutirt wird, dann wird sich dieser Mißstand, der nun einmal nicht abzustellen ist, leichter tragen lassen.
Von einem schönen Vereinsfeste, das allerdings einen mehr internen Character trug, hat unser heutiger Brief noch zu berichten. Die rührige Section „Starkenburg" des deutsch-österreichischen Alpenvereins beging am letzten Samstag ihr neuntes Stiftungsfest in gelungener Weise. Die Section hat sich vor acht Jahren neben der größeren am Ort bestehenden Section „Darmstadt" des gleichen Gesammtvereines constiluirt und ihre Leistungen auf touristischem Gebiet sind, wie die in den Vereinsversammlungen gehaltenen Vorträge schon oft bewiesen haben, stets recht bedeutende gewesen, manch erfahrener und kühner Alpinist gehört der Section „Starkenburg" an. Das Stiftungsfest fand in der Restauration Haust statt. Im festlich geschmückten Saale hielt der Vorsitzende, Herr Oberamtsrichter Seibert, em bewährter Bergsteiger, die Festrede, die in einem jubelnd aufgenommenen Hoch auf die Bestrebungen des großen Gesammtvereins auö- klang. Noch viele ernste und humorvolle Toaste folgten,
mehrere künstlerische Kräfte unseres Hostheaters halten dem Verein ihre geschätzte Mitwirkung zugesichert und ernteten für ihre ausgezeichneten, mannigfaltigen Vorträge den wohlverdienten Beifall der zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder. Am Sonntag reihte sich dann der übliche Katerbummel an, der zahlreiche Betheiligung fand und die Mitglieder, nach Angabe eines vorliegenden Berichtes nach Nieder - Roden führte. Im künftigen Jahre wird auch die Section „Darmstadt" des Alpenvereins ihr Stiftungsfest — es ist bei ihr das fünfnndzwanzigste — festlich begehen und zwar, der Bedeutung der Feier entsprechend, in größerem Umfange als gewöhnlich.
Sonst bleibt von Vorträgen und dergleichen für heute nicht mehr viel zu erwähnen. Der evangelische Männer und Jünglingsverein hielt im engeren Kreise seiner Mitglieder und Freunde am vergangenen Sonntag sein würdig verlaufenes fünftes Jahresfest ab. Am nämlichen Tage sand Abends im Saalbau ein sogen. „Familienabend" des evangelischen Bundes statt, wobei Herr Oberconsistorialrath Dr. Köstlin einen Vortrag über „Die Einigungsversuche in der Kirche" hielt. Die Veranstaltung war sehr zahlreich besucht und brachte nach der Erörterung des obigen Themas auch noch mehrere musikalische Vorträge. Im Hoftheater beschloß Herr William Büller sein Gastspiel in der Posse „Der Registrator auf Reisen". Der Gast sand für alle seine Leistungen stets freundliche Anerkennung. Ein ganz eigenartiges Gastspiel im Hoftheater steht uns nun für nächste Woche bevor. Daß sogen. „Schlierseer Bauerntheater" wird für mehrere Tage nach Darmstadt kommen, um uns mit seinen Leistungen, von denen in auswärtigen Blättern mit ganz außerordentlichem Lobe gesprochen wird, bekannt zu machen. Die Darsteller sollen durchweg Dilettanten aus dem bayerischen Gebirgsdorf Schliersee fein, die schon im Laufe des Sommers vor einem zahlreichen und anspruchsvollen Fremdenpublikum in ihrer Heimath Proben einer großen Darstellungskunst abgelegt haben. Man sieht dem jedenfalls intereffanten Gastspiel deS Bauerntheaters mit großer Erwartung entgegen und ich werde Ihren Lesern über den Verlauf und das Ergebniß desselben getreulich Bericht erstatten. Vorläufig sind folgende Stücke zur Aufführung bestimmt: „Der Hergottsschnitzer von Oberammergau", „Jägerblut" und der „Protzenbauer".


