Ausgabe 
17.8.1893 Erstes Blatt
 
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Im Magen wird das in dem Aalblut enthaltene Gift zerstört, ebenso auch durch Kochen. Demnach sind die giftigen Stoffe wahrscheinlich Eiweißkörper, sogenannte thierische Enzyme. Das Aalblut besitzt bekanntlich auch einen besonders scharfen Geschmack, den man bei anderen Fischen nicht findet.

Ueber die hohe« Obstpreise in Berlin sind Leute, die aus einer Entfernung von über zwölf Meilen nach Berlin kommen, sehr verwundert. In der Provinz ist die Obsternte reichlich und die Preise sind mäßig- in Berlin sind für ein- zelne Obstsorten die Preise dreimal so hoch als in der Pro­vinz. Kirschen kosteten hier im Kleinhandel beständig 30 Pfg. das Pfund- in Küstrin wie in Brandenburg zahlte man nur 10 Pfg. Ebenso liegen die Preisverhältnisse bei dem Kern­obst. Tischbirnen sind in den letzten Tagen in Berlin von 50 auf 60 Pfg. das Pfund gestiegen- in den Provinzstädten werden sie für weniger als die Hälfte gekauft. Die aus­wärtigen Händler sind durch unangenehme Erfahrungen, die sie mit der Versteigerung in den Markthallen ge­macht haben, davon abgekommen, ihr Obst nach Berlin zu schicken.

Restauratiousverpachtuug. Die Restauration und der Gastwirrhschaftsbetrieb auf dem allbekannten Nero ber g bei Wiesbaden soll vom 1. Januar 1894 auf weitere sechs Jahre neu verpachtet werden, doch ist in den Bedingungen der Passus enthalten, daß die Stadt Wiesbaden bei zusagenden Verhältniffen die Dauer der Pachtzeit auf drei weitere Jahre verlängern kann. Die seitherigen Pächter zahlten den im Jahre 1891 vereinbarten Pacht von 4000 Mk. jährlich, hatten aber neuerdings auch die Verzinsung des Anlagecapitals neu errichteter Aussichtspunkte rc. zu tragen, sodaß sich der ganze Jahrespacht auf 4231 Mk. belief. Nach den neuesten Äusschreiben sind 13 Angebote eingelaufen, die zwischen 5000 bis 18,000 Mk. schwanken. Am 30. Juli wurde durch die Stadtverordneten der Zuschlag den meistbietenden Gebrüdern Paul und Willy Krell zu Berlin (geborene Wiesbadener) sür 18,000 Mk. per Jahr ertheilt.

* Vom Bierverbrauch. Nach einer interessanten Auf­stellung gibt es gegenwärtig rund 51,000 Bierbrauereien in der Welt. Davon entfallen 36,240, also mehr als zwei Drittel, mit einer jährlichen Hervorbringung von 47 y, Millionen Hectoliter Bier auf das deutsche Reich. Den geringsten Bierverbrauch hat Rußland mit 5 Liter auf den Kopf der Bevölkerungszahl, den höchsten Bayern mit 221 Liter jährlich.

* Zu Fuß von Berlin nach Rom. Kürzlich sind in Lienz (Tirol) Herr Dr. Adolf Greef, Arzt in Berlin, mit feinem Begleiter Gand. med. Bruno Abtroggen angekommen. Die beiden Herren befinden sich auf der Fußreise von Berlin nach Rom und haben die Strecke Berlin-Lienz in 22 Tagen zurückgelegt, jedenfalls eine anerkennenswerthe Leistung. Von Lienz ging die Reise über das Tilliacher Joch nach Italien. Der Rückmarsch wird ebenfalls zu Fuß über Wien gemacht.

£anö- rrnd Volk-rvirthschafi.

S Hungen, 13. August. Der diesjährigeAugust-Markt" war recht zahlreich besucht. Auf dem Schwetnemarkt war bet zahl­reichem Angebot von Ferkeln und Läufern recht lebhafter Handel, wozu wohl die jetzt günstigeren Wttterungsverbältnisse mitgeholfen haben, denn sicherlich hat Mancher, der bei den schlechten Aussichten in den vergangenen Wochen zurückgehalten, seinen Bedarf anEin­legern" nun gedeckt. Die Preise waren normale, freilich doppelt so hohe als vor einigen Wochen. Bezahlt wurde das Paar Ferkel mit

25 bis 45 Mark. Läufer kamen dementsprechend höher. Der Krämer­markt war wegen der jetzigen Erntezeit schlecht besucht.

Citeratur rrnd Arrrrft.

.Neueste Erfindungen und «rfahrrrngen* auf den Gebieten der practtschen Technik, Electrolechntk, der Gewerbe, In­dustrie, Chemie, der Land- und HauSwtrthschaft rc. (A. Hartlebens Verlag in Wien). Pränumerationsprets ganzjährig für 13 Hefte franco 7.50 Mark. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. Diese gewerblich-technische Zeitschrift, welche bereits im zwanzigsten Jahrgange erscheint, verfolgt nur rein practische Zwecke. Die Mit­arbeiter sind nur Männer der Praxis, welche am besten die wirklichen Bedürfnisse der Techniker und Industriellen zu ermesien verstehen. Die Zeitschrift, reich an Originalbeiträgen und constructivm Ab­bildungen, bietet einen vollständigen Ueberblick über alle Fortschritte im gewerblichen Leben.

Mit dem soeben erschienenen erften Hefte der tllustrtrten Octav-Heste von »Ueber Land und Titte* (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) beginnt ein neuer Jahrgang dieser auherordentlich beliebten und weitverbreiteten illustrtrten Famtlienzeitschrtft. Trotz der großen Menge ähnlicher Unternehmungen hat es diese prächtig auSgestattete OctavauSgabe seit ihrem Erscheinen verstanden, sich die Gunst des LesepublikumS in allen Kreisen zu gewinnen durch die große Reichhaltigkeit und vornehme Gediegenheit des darin Gebotenen. Das vorliegende Heft enthält zunächst die interesianten Anfänge zweier vielversprechenden größeren Erzählungen:Der blonde Adjutant" von Osterloh undDie Teufelin von Joesti" von Marco Broctner. Von den anderen mannigfaltigen Artikeln seien noch erwähnt:Sulden und das Payerdenkmal",FranzenSbad",Neustrelitz und Umgebung", Aus dem Verbrecheralbum der Berliner Polizei",Eine Wanderung nach den Ostfeebädern" u. a. m. Viele treffliche Illustrationen bieten eine hochwillkommene Erläuterung zu den verschiedenen Artikeln und vollendet ausgeführte Kunstbetlagen gereichen dem stattlichen Hefte, das um den billigen Preis von 1 Mk. in jeder Buchhandlung zu haben ist, zum ganz besonderen Schmucke.

Wöchentliche Neberstcht der Todessalle in Gießen.

32. Woche. Vom 6. August bis 12. August 1893. Einwohnerzahl: angenommen zu 21100 (incl. 1600 Mann Militär). SterbltchkeitSziffer: 27,10°/« bezw. 17,25 nach Ausschl. der Ortsfremden.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

A n m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

1. Lebensjahr:

2.-15.Jahr:

Diphtheritis 1 (1)

1 (1)

Lungentuberculose 3 (1)

Entzündliche Erkrank­ungen der Alh-

2 (1)

1

mungs-Organe 2

Darmcatarrh und

2

Brechdurchfall 2

2

Neubildungen 2 (2)

Sonstige benannte

2 (2)

Krankheiten 1

1

Summa: 11 (4)

4 (3)

5

2 (1)

Eingesandt.

AuS Oberheffen, 15. August 1893.

Nach Ihren Artikel0 in Nr. 190 sind Bestellungen bei der Nothstands-Commisston vor etwa 6 Wochen gemacht, aber bis jetzt nichts etngetroffen.

Dies ist jedoch nicht überall der Fall. Für hiesige Gemeinde sind die Bestellungen prompt auSgeführt worden, in 5 bis 7 Tagen waren die Sämereien in unseren Händen.

Dagegen ist jener Artikel bezüglich der Arbeiten der Landleute vollständig richtig. Umsomehr muß man sich wundern, daß jetzt trotz des Mißjahres, die Soldaten während der Herbstübungen ohne Verpflegung etnquartirt werden sollen, denn:

Nicht« ist bei dem Volk verhaßter und für die Soldaten ver­werflicher als eine Maga»tnsverpflegung."

Man hatte im Lande allgemein gehofft, eS würde von einer Einquartierung in diesem Jahre überhaupt abgesehen, so dt«§ nun nicht der Fall ist, sollte man wenigstens die Truppen m<| Ver­pflegung etnquartircn, denn durch eine Magazinsverpflegung kommen die Ouartiergeber aus dem Regen unter die Traufe.

Es besteht der grellste Widerspruch, wenn man auf bet einen Seite eine Nothstands-Commisston bildet und auf der anderen Seite den Landleuten eine Einquartierung mit MagazinSvnpflegung zumuthet.

Diese Handlungsweise läßt sich so zusammen fassen, daß, wenn die Ctvilbehörde dem Landwirtb wegen besten Rothlage 10 Pfg. gibt, zufällig die Militärbehörde kommt und belastet ihn mit 1 Mk.

Bei einer Einquartierung mit Verpflegung sindct der von der Hebung ins Quartier kommende Soldat doch eine Mahlzeit vor und der Ouartierwtrth wird hierfür immerhin einigermaßen bezahlt, denn ein kleines Opfer bringt er gerne. Bet einer Magazinsverpflegung dagegen bat der Ouartiergeber denselben Zeitverlust, denselben Um­stand und meistens dieselbe Verköstigung zu liefern und für Alle« zusammen bekommt er dann pro Tag und Mann 6 Pfg. Servis.

Der Ouartiergeber soll den Soldaten Koch- und Eßgeschtrr geben, aber wo kocht in aller Welt im Frieden ein Soldat sein Essen / wenn er todtmüde ins Quartier kommt, legt er sich viel lieber schlasen.

Die Folgen davon sind häufig, daß der Soldat hungert, oder der Quartiertrager gibt ihm das Essen freiwillig, weil er den Soldaten bedauert.

Wie häufig haben wir es erlebt, daß bei einer Magaztns- verpflegung die Truppen eher im Quartier waren, als die Vtctualten im Ort. Stundenlang dauert es bann, bis alles ausaethetlt ist und wenn der Soldat jetzt noch selbst kochen soll, bann wirb eS beinahe Nacht, bis er, ber seit Morgens früh auf ben Beinen ist, etwas essen kann.

Wie kann man einer reinlichen, ordmingSliebenden Hausfrau im Frieben nur zurnuthen, daß sie ihre Küche und Kochgeschirr den Soldaten überläßt, damit diese ihr Fleisch, das oft riechend geworden und unappetitlich auSfieht, zubereiten.

Magazine werben nur für mehrere Orte gebilbet, so baß ber Weg dorthin oft einige Stunben beträgt. Nachdem das Vieh ge­schlachtet, wird das Fleisch durch Beamte des Proviantamts den Truppen überwiesen. Bis das Fleisch nun an die Regimenter, Bataillone, Compagnien, Corporalschaftcn und schließlich an die einzelnen Belegschaften vertheilt ist, sind Stunden vergangen und stundenlang ist oft das Fleisch der Sonnenhitze ausgesetzt gewesen, von einer Hand in die andere gegangen, vom Wagen auf die Erde geworfen und oft wird es hierdurch übelriechend.

Diese Einrichtung gehört in den Krieg und in die Garnison, nicht aber in friedliche Manöver, da der Zweck vollständig ver­fehlt wird.

Wie gehts erst mit ben vorausgehenden Quartiermachern, auf Wache ziehenden und abcommanbtrten Soldaten; diesen muß meistens der Quartiergeber die Verköstigung umsonst liefern, denn sie können ja in der Regel nichts aus dem Magazin beziehen.

Um biete neue brückenbe Last noch möglichst abzuwälzen, wäre es zweckdienlich, wenn alle Ortsvorstände der einzelnen Gemeinden sich sofort an Grobherzogliches Staats-Ministerium zu Darmstadt wenden würden mit ber Bitte, veranlassen zu wollen, daß die Mund- verpflegung ber Truppen gegen Bezahlung burch bie Ouartiergeber geschehe. ,

Witterungsaussichten

Wetterhäuschen, ©Übanlage.

15. August, Mm. 12 Uhr"sl6. August, Morg. 8 Uhr

Barometer:

Thermometer:

Hygrometerstanb:

m in.763 mm, max. 753 mm + 15° R. + 20° R Neigung f. trock. Wett.

min. 752 mm, max. 753 mm + 9°R.+14»/t°R. Neigung f. trock. Wett.

Mittlerer Barometerstand bei 0° R. = 744,7 mm.

Temperatur der Lahn und Luft nachReaumur gemeffenam 16.August, Mittags »wischen 11 und 12Uhr: Wasser 18, Luft 22 Grad.

Rübsarne'n'sche Badeanstalt.

Verdingungen.

Die zur Herstellung asphaltirter Bürgersteige im Seltersweg, vom SelterSthor bis zur Löwengasse, er­forderlichen nachbenannten Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege des öffentlichen Angebots

Donnerstag den 24. August,

Borm. 11 Uhr, vergeben werden, nämlich: veranschlagt zu rd.

1) Maurerarbeit 526 JL

2) Steinhauerarbeit (Lung-

steine) 3182

3) Pflastererarbeit (Basalt­schichipfiaster) 1359 ,,

4) Lieferung von zwei

Straßen-Sinkkasten 90 desgleichen für die Schulstraste

Borm. 11 Va Uhr:

veranschlagt zu rd.

1) Maurerarbeit 751

2) Steinhauerarbeit (Lung- steine) 2035

3) Pflasterarbeit (Basalt­schichtpflaster) 762

4) Mosaikpflaster 1915

5) Lieferung von sechs

Straßen-Sinkkasten 270

desgleichen für die Sonnen­

straste Borm. 12 Uhr: veranschlagt zu rd.

1) Maurerarbeit 114

" 2) Steinhauerarbeit (Lung-

steine) 510

3) Pflasterarbeit (Basalt­schichtpflaster) 280

Pläne, Arbeitsbeschreibung und

Bedingungen liegen von heute ab auf dem Stadtbauamte offen, wo­selbst Angebote bis zum genannten Termin, Vorm. 11 Uhr, auf vor­geschriebenem Formular und für jede Straße getrennt, verschlossen mit ent­

sprechender Aufschrift versehen, ein­zureichen sind.

Gießen, den 15. August 1893.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 7044

Asphaltirungen.

Die Herstellung von GußaSphalt auf Betonunterlage für Bürgersteige und Thorfahrten soll

Samstag, 26. August d. I., Borm. 11 Uhr,

im Wege des öffentlichen Angebots auf unserem Stadtbauamte vergeben werben!

Loos I:

1) Seltersweg, vorn SelterSthor bis zur Löwengasse rd. 1130 gm

Loos II:

2) Fußgängerbrücke über dem Bahnhof der oberhess. Eisenbahnen rd. 85 qm

3) Schulstraste 448 4) Sonnenstraste

(einseitig) .. 134

5) Brücke, Sencken-

bergftraste 40 zusammen rd. 707 qm

Arbeitsbeschreibung u. Bedingungen liegen auf unserem Stadtbau­amte offen, woselbst die Angebote auf eines ober beide Loose auf den vorgeschriebenen Formularen ver­schlossen bis zur genannten Stunde einzureichen sind. Auch können die Verdingungsunterlagen nebst Angebot­formularen von unserem Stadtbau­amte gegen Einsendung von 1 JL, frei gegen frei, bezogen werden. Zuschlagsfrift 10 Tage.

Gießen, den 15. August 1893., Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 7045

Versteigerung einer Wiese in der Gemarkung Wieseck

Freitag den 18. August 1893, Nachmittags 5 Uhr, wird auf dem Rath­haus ?u Wieseck die den Christian Iug» Hard 1. Erben zustehende Wiese:

Flur XXIII Nr. la, lb, 5 und 5a 21675 l^ Meter Wiese auf der Urfulum

in Parzellen je V» Morgen versteigert werden.

Wieseck, am 9 August 1893.

Großh. Ortsgericht Wieseck.

Sornrnerlad. 6942

Versteigerung

Mittwoch den 23. d. Mt»., Nach, mittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfand, local gegen Baarzahlung:

1 Landauer, 6 Wirthstische, 50 Rohr­stühle und 2 vollständige Betten.

Gießen, den 16. August 1893.

7043__________Mulch, Pfandmeister.

Versteigerung.

Die zum Nachlasse des Jacob Deibel dahier gehörigen Gegenstände, u. a. Tische, Stühle, Schränkchen, 1 Leiter rc. rc., sowie eine angeb­lich sehr wcrthvolle Geige werden bestimmt

Donnerstag, 24. August 1893,

Nachmittags 2 Uhr, im Hofe Westanlage Nr. 9 versteigert.

Gießen, den 15. August 1893.

Der Nachlabverwalter.

Jeilgeöotenes.

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per Stück 6 Pfg. empfiehlt .

7050 L. Kalkhof.

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