Aus den Verhandlungen der hessischen Ttändekammern.
Erste Stäudekammer.
nn. Darmstadt, 14. December.
Unter dem Vorsitz des Präsidenten, Fürst zu Asenburg und Büdingen, trat heute die erste Ständekammer um * .11 Uhr zu einer letzten Sitzung im ablausenden Iabre zusammen. Lor Eintritt in die Tagesordnung verkündigte der Präsident eine Reihe neuer Etn- läufe und erfolflten nunmehr die Wahlen der einzelnen Ausschüsse. Es wurden gewählt in den Finan, ausschuß: Graf zu Solms- Raubach, Prinz Hermann zu Solms-Braunt'elS, Freiherr v. Riedesel zu Eisenbach, v. Harnier, Commerzienrath Michel und Eommerzien- rath Buderus; in den GesehgebungsauSschuß: Fürst L'enburg-Birstein, Gras Görtz, QberlandesaerichtS-PrSsident Gor;, Staatsminister a. D. o. Starck, Präsident Goldmann, Oberlandesgerichts-Präsident Knorr und Geheimer Regierungsrath Küchler; in den Ausschuß fürKirche und Schule: Prinz Wilhelm von Hessen, Gras Erbach-Fürstenau, Prälat Habicht, Oberlandes. gerichls-Präsident Knorr und (Commerzienrath Lauteren' in den Petitionsausschuß: Fürst Solms zu Hohensolms-Lich, Gras SolmS-Rödelheim, Gras Schlitz gen. Görtz, Geheimer Hosrath Dr. Streng und Staatsminister a. D. Freiherr v. Starck.
^Ferner beschloß die Kammer einstimmig, als Erwiderung auf die aon Sr. Kgl. Hoheit gestern gehaltenen Thronrede eine Ergebenheits- »brtffe an den Landesherrn zu richten. Mit dec Ueberreitfcung wird das Büreau der Kammer beauftragt. Der Poranschlag für die Be- dürfnisie der ersten Kammer für die neue Budgetpertode 1894/97 wird mit 27,000 Mk., wie seither, festgesetzt. Damit ist die Tagesordnung erledigt und vertagt sich die Kammer bis nach Neujahr, wo alsdann die Berathung des FinanzbudgetS 1891/97 statt- sinden wird.
Zweite Ständckammer.
Die Sitzung wird um 9'/, Uhr eröffnet. Zunächst findet die Lereidtgunq der Abgg. Orbig und Kramer (®oc.) statt und fli&t der Präsident fodann eine Reihe von neuen Anträgen zur Kenntnis des HauieS, zunächst denjenigen der Eentrumsfcaction, dahin laut-nd: In Erwägung der dem Lande Hessen in Folge der geplanten Reichsweinsteuer und der Tabakfabrikatsteuer drohenden, in keinem i ^cm erreichten finanziellen Erträgniß siebenden oolks-
wirthschaftlichen Schädigungen beantragen die Unterzeichneten: die Kammer wolle die Großheszogüche Regierung ersuchen, Alles in ihren Kräften stehende aufjubieten, um die genannten Steuern fernzuhalten, bezw. zu Fall zu bringen. Ebenso hat die genannte Fraction einen Antrag auf Einführung des directen Wahlrechts bet dm Landtagswahlen, sowie einen Antrag auf Wiederzulassung religiöser Orden eingebracht. Abg. Metz- Gießen beantragt die Wiederher- stellung eines ständigen Justizministeriums. Ferner wird eine Jnter- ^Ualion der nationalliberalen Fraction bezüglich der Stellung der Legierung zur Tabakfabrikatsteuer und Rerchsweinsteuer u. s. w. in i ßefte^t; ebenso eine solche des Abg. Lautz über den land- wirthschastltchen Nothstand. Abg. Weber interpellirt wegen der (.analisirung des Mains zwischen Frankfurt und Offenbach. Finanz- mtnister Weber legt nunmehr dem Hause den Hauptooranschlag und das Finanzgesetz für 1894/97 vor und bemerkt dazu, daß die Regierung infolge weiser Sparsamkeit vorerst von der Erhöhung ,recten Steuern im Lande absehen könne, obwohl sich das Ber- haltniß Hessens in finanzieller Hinsicht durch die Verschiebungen der Reichs-Einnahmen mehr und mehr geänbett habe.
D»e Matricularbeiträge Hessens für das Reich berechneten sich für das Jahr 1892/93 auf 1,928,000 Mk. WünschenSwerth erscheine, wenn der jetzige Stand bestehen bleibe. Nach dem Relchsetat sei vorgesehen, daß Hessen nur noch 800,000 Mk. von dem Reich beziehe, was eine Verschlechterung gegen frühere Jahre um viele Millionen bedeute. Aus diesem Grunde habe die Regierung die Wein st euer mit 300,000 Mk. wieder in das Budget eingestellt. Der Voranschlag balancirt an ordentlichen Einnahmen mit 27,174,000, an ordentlichen Ausgaben mit 27,080,000 Mk. jährlich. Die Staatsschuld beträgt 7,800,000 und wird in der nächsten Ftnanzperiode auf 58,586,000 Mk. steigen. Sollten sich jedoch die finanziellen Verhältnisse im Reiche nicht besser gestalten, dann sei es der Regierung nicht mehr möglich, ohne eine Erhöhung der directen Steuern auszukommen. Die Regierung behalte sich deshalb vor, dem Hause eventuell ein RachtragSbubget voizulegen.
Der Bericht des Ftiianzministers wirb im Hause nicht besonders sympathisch ausgenommen.
Hieraus erfolgen die Wahlen zu den einzelnen Ausschüssen. Es werden gewählt in den Finanzausschuß die Adgg. Wolsskehl (Vorsitz), Bergsträßer, HaaS, Jöckel, Möllinger und Schröder; in den Gesetz gebungvausschuß: Metz-Darmstadt (Vorsitz), Haas, Hirsch, Metz- Gießen, Reinhard, Dr. Schmidt und Schönfeld. Abg. Dr. Schmidt und Metz-Gießen lehnen es ab, in diesem Ausschuß thätig zu sein, weil die nationaUiberale Partei sich geweigert habe, die von der MtnoritätSpartei gemachten Vorschläge bezüglich der im Hause vertretenen Fracttonen entsprechend zu berücksichtigen.
Das Hans beschließt jedoch auf Grund des Artikels 25 der Geschäftsordnung mit aUen gegen 13 Stimmen, diese Ablehnung zurückzuwetfen.
In den PetitionSauSschuß werden gewählt die Abgeordneten: Friedrich (Vorsitz), Heidenreich, Muth, Lichtenstein, Erk, Dael von Köth und Weith; in den BerichtSautzschuß die Abgg.: Hechler (Vorsitz), Lautz, Euttr, Westernacher, Wernher und Zinßer. Dael von Kolb lehnt aus gleichem Grund wie oben ab. Die Kammer beharrt jedoch auch hier auf ihrem vorigen Beschluß.
Hiermit ist die Tagesordnung erschöpft und vertagt sich die Kammer auf etwa acht Tage, um dann über die Stellungnahme des Hauses und der Regierung zu den geplanten Retchssteuern zu berathen.
Neueste Nachrichten.
Wolfis telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 14. December. Der Bundesrath überwies den Reichstagsbeschluß, betr. die Eisenbahnfreikarten, an bte Ausschüsse. Der Vertrag, betreffend die Unterdrückung deö BranntwemhandelS in der Nordsee, wurde zur Ratification und Vollziehung überwiesen. DaS Abkommen mit der britischen Regierung über die Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphären im Hinterland von Kamerun wurde zur Kenntniß genommen. Dem Antrag der Ausschüsse, betr. die Anwendung der Sätze deS allgemeinen Zolltarifs auf aus Rußland kommende Wvaren, wurde zugestimmt, desgleichen dem Entwürfe b.r Vereinbarungen über erleichternde Vorschriften zwischen den Eisenbabnen Deutschlands, der Niederlande, Oesterretch-UngarnS und der Schweiz.
Berlin, 14. December. Der „Reichsanzeiger" meldet: Die ständige Commission für die Bearbeitung deS deutschen Arzneibuches legte dem Bundesrath den Entwurf eines Nachtrag- zum Arzneibuch vor, enthaltend Berichtigungen und Ergänzungen. Die Commission beantragt, daß der Bundesrath dem Etitwutf zusttmme, den Zeitpunki deS Inkrafttretens der neuen Vorschriften festsetze und den Reichskanzler zur Veranstaltung deS Neudruckes deS berichtigten Arzneibuches ermächtige.
Hamburg, 14. December. Adolf Gobeffroy, Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender deS AufsichtSrathS
der Hamburgs Amerikanischen Packetfahn Gesellschaft, ist heute nach kurzer Krankheit tm 80. Lebensjahre gestorben.
Paris, 14. December. Der Papst gab der französischen Regierung durch Vermittelung des NunttuS wegen deS am Samstag stattgehabten Attentats feinem Abscheu über dasselbe und seinem tiefen Mitgefühl Ausdruck.
Paris, 14. December. Die Polizeipräfectur demen- tirt durchaus die Nachricht von der Entdeckung eineß großen anarchistischen Complottes, ebenso wie diejenige von der Verhaftung eines gewiffen Carl Stubb und der Auffindung einer geladenen Bombe bei demselben.
Rom, 14. December. Dem Vernehmen nach ist daß Ministerium folgendermaßen zusammengesetzt: Crißpi Vorsitz und Jnnereß, interimistisch Auswärtiges- Senator Calenda Justiz- Saracco Schatz - Sonnino Finanzen- General Mocenni Krieg - Admiral Morin Marine - Baccellt Unterricht- Boselli Ackerbau, Perazzi öffentliche Arbeiten- Ferraris Post und Telegraphie.
Buenos Ayres, 14. December. Auß Brasilien wird gemeldet, daß das den Ausständischen gehörige Panzerschiff „Aquidaban" Rio de Janeiro blokirt. Der Seeverkehr ist gehemmt.
Depeschen des Bureau „Herold-.
Berli», 14. December. lieber daß vorgestrige Diner beim Reichskanzler wird noch berichtet: Reben den Handelsverträgen bildete die Steuerreform Gegenstand der Unterhaltung. Der Reichskanzler kennzeichnete seine Stellung zur conferoatioen Partei und betonte, daß gerade diese Partei verpflichtet sei, ihn zu unterstützen. Der Kanzler erklärte, er verfolge nicht seine, sondern die Politik seines kaiserlichen Herrn. Bezüglich der neuesten Anarchisten- Attentate wurde die Ansicht vertreten, daß die Lage jetzt außerordentliche Maßregeln nicht fordere. Der Reichskanzler meinte dagegen, daß die jetzige Gesetzgebung zur Bekämpfung des Anarchismus nicht ausreiche.
Berlin, 14. December. Im Reichstage ist ein Gesetzentwurf, betreffend die Abzahlungsgeschäfte, ein-- gegangen.
Berlin, 14. December. Das Begräbniß des früheren Bürgermeisters Dunker findet am Samstag, Vormittags 10 Uhr, statt.
Berlin, 14. December. Gegenüber der Meldung des „Figaro" von der Anwesenheit des Criminalcommissars Teiß in Paris wird von hiesigen Blättern hervorgehoben, daß Herr Teiß, der angeblich wegen der bekannten Berliner Höllenmaschine in Paris vom Minister des Aeußeren empfangen sein soll, niemals in Paris gewesen ist.
Hamburg, 14. December. Der Monftreprozeß gegen 28 Eisenbahnschaffnerder Köln Mindener Bahn, welche wegen Unterschlagung und Betrugs mit Fahrkarten angeklagt sind, begann heute vor der Strafkammer beß Landgerichts.
Leipzig, 14. December. Bet dem heute vor dem Reichs- gericht zur Verhandlung gekommenen Spionageprozeß sagte der Angeklagte Degony aus, er sei Schiffslieutenant erster Klasse und der französischen Marineabtheilung beß Generalstabes ber Marine beigegeben, welche sich mit der fremben Marine unb ber Vcrtheidigung ber fremben Küsten beschäftigt. Der Angeklagte Delgnay ist Schiffslieutenant zweiter Klaffe und gleichfalls dem Marinegeneralstab zu- getheilt. Der erste Angeklagte sagte aus, infolge ber großen Entwicklung der deutschen Marine wurde er beauftragt, die hierüber an die französische Regierung gelangten Mittheilungen auf ihren Werth zu prüfen. Er sei mit dem anderen Angeklagten am 11. August von Paris abgereist, auf einer ge- mietheten Dacht den deutschen Küsten entlang gefahren unb habe babei die ihm zur Last gelegten Beobachtungen gemacht. Seine Anwesenheit 1890 in Deutschlanb bezweckte eine Vergnügungsreise. Seine Hoffnung, in Deutschlanb die See- manöver bei Düppel beobachten zu können, habe sich nicht erfüllt. Der zweite Angeklagte schloß sich ben Aussagen beS Mitangeklagten an. Die burch die Zeugenaussagen bestätigten Beschuldigungen ber Anklageschrift werden im Wesentlichen von den Angeklagten zugegeben. Während der Vernehmung der Sachverständigen war die Oeffentlichkeit ausgeschloffen. Nachmittags 4 Uhr wurde die Vernehmung der Sachverständigen beendet. Die Verhandlung wurde bis Morgen Vormittags 9 Uhr vertagt. Morgen Mittag werden die Plaidoyers öffentlich vorgenommen. Der Oberreichsanwalt erklärte auf eine Frage deS Vertheidigers, ob bte Verhandlung öffentlich geführt werbe, er habe keinen Einwanb gegen die Oeffentlichkeit, soweit nicht geheime Schriftstücke unb militärische Gutachten in Frage kämen.
Stuttgart, 14. December. Der „Beobachter", das hiesige Organ der Cenlrumspartei, meldet: Es sei baß Abkommen getroffen worben, daß der König von Württemberg an Stelle v. Blumenthals General-Jnspector der 4. Armee-Jnspection werden soll- als Chef des Stabes soll ihm Generallieutenant v. Falk en stein beigegeben werden.
Wien, 14. December. Wie die „Budapester Corresp." meldet, steht der Abschluß der Verhandlungen beß österreichisch-rumänischen MeistbegünsttgungSvertrages bevor; derselbe wirb in den nächsten Tagen unterfertigt werden.
Rom, 14. December. Die Morgenblätter drücken ihre Befriedigung über die gestrige Conferenz CrißpiS mit den zukünftigen Ministern auß, da in dieser Unterredung der Beschluß gefaßt worden sein soll, künftig 20 Millionen am Militäretat zu ersparen.
PariS, 14. December. Ein Außlief erungSbeschluß wurde heute gegen den österreichischen Arbeiter Leopold Kabk erlaffen, bei dem die Polizei umfangreiche anarchistische Broschüren unb ihn bloßstcllende Correspondenzen gefunden hatte.
Brüstel, 14. December. Der Kriegßminister hat an alle Cotpkcommanbeure Instruction geschickt, worin dieselben aufgefordert werden, auf daß Strengste zu überwachen, daß
keine reooluiwuären Schriften in die Kasernen Eingang finden und keine politische Propaganda in der Armee gemacht würde. — Der hiesige anarchistische Club theilte der Polizei mit, daß er binnen kurzem ein anarchistisches Wochen- blatt gründen werde.
Brüssel, 14. December. Wie es heißt, soll ber französische Gesandte Bouree heute mit dem belgischen Minister des Aeußern bezüglich Ergreifung internationaler Maßregeln gegen die Anarchisten conferirt haben.
London, 14. December. Unter den Anarchisten unb in deren Clubs ruft die Ankündigung internationaler Maß- uahmen gegen die Anarchisten größere Besorgniß hervor. Der bekannte Führer Samuels erklärte in einer Versammlung, man müsse sich nothwendig ber Gewalt fügen. Infolgedessen siud alle aufrührerischen Pläne, wie sie mehrere Anarchisten wegen beß Verbots ber Versammlung auf Trafalgar Square gefaßt hatten, fallen gelassen worden. Samuels verurtheilte auf s schärfste die Demonstrationen in anderen Staaten, nichtsdestoweniger verlangt die öffentliche Meinung ein strenges Vorgehen gegen die Anarchisten.
Berlin, 15. December. Reichstag. Bei der dritten Lesung ber HanbelSverträge erklärte Graf BiSmarck, daß HauS stehe unter dem Eindruck, daß der Reichskanzler Frei- Händler geworben fei. Die Landwirthschaft sei von ber Industrie im Stich gelassen, beide müßten aber Hand in Hand geben. Gerade die kleineren Landwinhe leiden am meisten. Der Hauptschaben sei die Bodenentwerthung. Nur die Noth habe den Bund der Landwirthe geboren.
Cocalcs nnö provinzielle-.
Hießen, den 15. December 1898.
** Von ber Universität. Nach dem soeben erschienenen Personal-Berzeichniß der Großh. Ludewigs Universität beträgt die Zahl ber im Wintersemester 1893/94 immatnculirten Hörer 517, ber nicht immatriculirten 34, sodaß sich die Gesammtzahl ber Hörer auf 551 stellt gegen 603 im Sommer- . semester. Bon ben Studirenden widmen sich: der Theologie 71, der Rechtswissenschaft 105, der Medicin 96, der Thier Heilkunde 26, der Zahnheilkunde 4, der Kameralwiffenschaft 41, der Forstwissenschaft 6, der Mathematik 19, der Philologie: der klassischen 28, der neueren 36, dec Philosophie, ben Naturwissenschaften 17, der Geschichte 6, der Poarmacie 26, der. Chemie 36. Davon besitzen das Reifezeugniß eines Gymnasiums 368, das Reifezeugniß eineß Realgymnasiums 93, das Reifezeugniß für das betr. Fach 44, nach dem Ermessen des Rectors wurden immatriculirt 12. — Nach der Staatsangehörigkeit vertheilen sich die Studirenden auf folgende Länder: Hessen 386 (Gießen 80), Preußen 91, Bayern 14, Sachsen 5, Württemberg 2, Baden 2, Oldenburg 1, Sachsen-Weimar 3, Sachsen-Gotha 1, Sachsen-Meinlngen 1, Braunschweig 2, Schwarzburg-Sondershausen 1, Elsaß-Loth- ringen 1, Oesterreich 1, Rußland 1, England 2, Schweiz 1, Holland 1, Nord-Amerika 1.
Han8 Gießen. Aus Wiesbaden wird den „N. H. V." geschrieben: Es wird vielen hiesigen unb auswärtigen Besuchern unseres Hoftheaters nicht unlieb fein zu erfahren, daß ber bereits in weitesten Kreisen bekannte und beliebt gewordene lyrische Tenor, ber Großh. Sächsische Kammersänger Hans Gießen (Karl Buff) für unsere Oper gewonnen worben ist. Nachbem Herr Gießen am letzten Samstag bei seinem erstmaligen Gastspiel die Parthie beß „George Brown" in ber „Weißen Dame" bei außoerfauftem Hauß mit so glänzendem Erfolg gelungen, bot die Direction dem jugendlichen Sänger ein überaus vortheilhafteß Engagement an, in welches letzterer einwilligte. Herr Gießen tritt mit dem 1. September 1894 in den Verband unserer Hofbühne.
*♦ Zur glatten Abwickelung des PostschalterverkehrS während ber Weihnachtszeit kann baß Publikum selbst wesentlich beitragen. Die Einlieferung ber Weihnachtßpackereien sollte nicht lediglich ober vorwiegenb biß zu den Abendstunden verschoben, namentlich müßten Familiensenbungen thunlichst an ben Vormittagen aufgegeben werden. Selbstfrankirung ber einzuliefernden Weihnachtßpackete durch Postwerthzeichen sollte die Regel bilden. Mit seinem Bedarf an Postwerthzeichen sollte sich ein jeder schon vor dem 19. December versehen. Ebenso dürsten Zeitungßbestellungen nicht in den Tagen vorn 19. biß 24. December bei den Postanstalten angebracht werden. Für die am Postswalter zu leistenden Zahlungen sollle der Auflieferer daß Geld abgezählt bereithalten. Die Befolgung dieser Rathschläge würde der Post und dem Publikum gleichmäßig zum Nutzen gereichen.
Zurücknahme unb Umtausch geloster Fahrkarten. Abgesehen von den Fällen, m welchen nach der Verkehrßordnung der Umtausch gelöster Fahrkarten und die Rückforderung des gezahlten Fahrgeldes gestattet ist, hat die Verkaufsstelle Fahrkarten, welche noch nicht durchlocht find und über deren Nicht- benutzung keine Zweifel bestehen, biß zum Abgang deß Zuges, zu welchem sie gütig sind, gegen Erstattung des Preises zurückzunehmen. In gleicher Weise können auch un- benutzte und noch nicht durchlochte Fahrkarten unmittelbar nach Abgang eineß Zuges, zu welchem sie Giltigkeit hatten, zurückgenommen werden. Ist bereits Gepäck auf die betr. Fahrkarten abgefertigt, fo muß vor Zurücknahme derselben die Regelung der Gepäckfracht ftattfiuden.
»* Kirchliche TieustNachnchteu. Am 23. November wurde dem Caplan Wetzel zu St. Ignaz in Mainz bte kath. Pfarr- stelle zu Asthetm, Dec. Darmstadt, mit Wirkung vom 14. Dec. an, übertragen.
* Cchulbieustuachrichteu. Am 23. November wurden den Schulamtßaspiranten Franz Joseph Bender auß Gernsheim, Gottfried Cloos auS Ober-Erlenbach, Philipp Dirigo aus Ober-FlörSheim, Andreas Jann auS Lörzweiler, Philipp ! Sans auS Nackenheim, Adam Schrod auS Alsheim und Franz Senz auS Weiher, Lehrerstellen an ber Volksschule zu Mainz übertragen; am 28. November wurde der provisorische


