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Nr 113 Dienstag den 16. Mai

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Bekanntmachung, betreffend Maul> und Klauenseuche zu Erda, Kreis Wetzlar. Zu Erda im Kreis Wetzlar ist die Maul» und Klauen­seuche amtlich festgestellt worden.

Gießen, den 13. Mai 1893.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 9. Mai 1893.

Betr.: Die Reichstagswahlen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

mt die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Nachdem die Wahlen zum Reichstag zufolge Kaiserlicher Verordnung am 15. Juni l. I. vorzunehmen sind, ist das zur Vorbereitung des Wahlgeschäfts Erforderliche unver­züglich ins Werk zu setzen.

Wir übersenden Ihnen daher mit nächster Post die hierzu erforderlichen Formularien (Wahlprotocoll und Wähler­liste) unter dem Auftrag, die Wählerliste sofort in doppelter Ausfertigung aufzustellen, jedoch vorerst nicht abzuschließen. Einlagebogen zur Wählerliste sind nach Bedarf mit der Feder herzustellen.

Zu Ihrer Instruction verweisen wir Sie auf §§ 13 und 7 des Gesetzes vom 31. Mai 1869 (Bundesgesetzblatt 1869 Seite 145) und §§ 1 und 7 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870 (Bundesgesetzblatt 1870 Seite 275J und bemerken hierzu noch, daß die Stimmberechtigten nach Vor- und Zuname, Alter, Stand oder b eerbe und Wohnort in alphabetischer Ordnung in die Wählerliste einzutragen sind.

Die Offenlegung der Wählerliste (§ 2 des Wahlreglements) hat unfehlbar Donnerstag den 18. d. Mts. zu beginnen.

Wir weisen Sie daher an, Montag den 15. und Dienstag den 16. l. Mts. ortsüblich bekannt machen zu lasten, daß die Liste der Wähler von Donnerstag den 18. Mai bis Donnerstag den 25 Mai l. Js., beide Tage einschließlich, auf dem Gemeindehause bezw. dem etwa sonst von Ihnen hierfür bestimmten Locale Vormittags von 912 Uhr und Nachmittags von 25 Uhr zu Jedermanns Einsicht ausgelegt seien, und daß Einsprachen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Liste innerhalb

acht Tagen nach Beginn der Auslegung bei Meidung des Ausschlußes bei Ihnen vorzubringen seien.Z 8

Weitere Anweisung wegen des Wahlgeschäfts wird noch erfolgen.

v. Gagern.

Gießen, den 15. Mai 1893. Betr.: Die Reichstagswahlen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

e* die «rotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Im Verfolg unseres Ausschreibens vom 9. d. Mts. benachrichtigen wir Sie, daß die Offenlegung der Wähler­listen auch an Sonn- und Feiertagen, daher auch an den in die Offenlegungsfrist fallenden beiden Pfingstfeiertagen, zu den angegebenen Bureaustunden stattzufinden hat.

v. Gagern.

Erledigungen.

Unser Ausschreiben vom 7. und 22. April d. I. bezüg­lich des Klein, Ulrich, Weiß, Kaiser und Steller ist erledigt.

Gießen, den 6. Mai 1893.

Großherzogliche Staatsanwaltschaft.

Schilling-Tr.

Deutscher Reich.

Berlin, 13. Mai. Die Auflösung des Reichs­tages hat dem Vernehmen nach in den sommerlichen Reise- planen des Kaisers eine Veränderung zur Folge gehabt. Der hohe Herr gedachte Ende Juni seine übliche Nordlauds- fahrt anzutreten, aber inzwischen sind nun die bekannten parlamentarischen Ereignisse etngetreten, welche die Neuwahl des Reichstages nöthig machen. Der Kaiser soll nun Werth darauf legen, das neue Parlament persönlich zu eröffnen, und da dasselbe frühestens Ausgang Juni zusammentrcten kann, so wurde ein Aufschub der Kaiserreise nach Norwegen allerdings wohl schwerlich zu vermeiden sein. Endgiltige Bestimmungen über diese Reise sollen indessen noch nicht ge­troffen sein. Dagegen verlautet bestimmt, daß die bereits feststehenden Dispositionen für die diesjährigen Kaisermanöver und für die Reise des Kaisers nach Elsaß-Lothringen keinerlei Veränderungen erfahren würden.

Großherzog Er n st Ludwig von Hessen traf am Freitag in der neunten Abendstunde in Dresden

zu einem Besuche der sächsischen Königssamilie ein. König Albert und sämmtliche Prinzen deö Königshauses empfingen den erlauchten Gast auf dem Böhmischen Bahnhofe, der König und der Großherzog begrüßten sich gegenseitig in überaus herzlicher Weise. Nach Erledigung der üblichen Empfangsceremonien fuhren die beiden Monarchen unter einer Ehrencscorte von Gardereitern nach dem Rcfidenzschlosse, auf dem ganzen Wege vom Publikum enthusiastisch begrüßt. Im Schlosse fand später Familien- und Marschalltafel statt. Am Sonnabend Vormittag besuchte der Großherzog, begleitet von König Albert, die berühmten königlichen Sammlungen, Nachmittags 5 Uhr fand im Residenzschlosse Galatafel statt, Abends 8 Uhr war zu Ehren des Hohen Gastes Gala-Vor­stellung im Hoftheater. Am Sonntag gegen Mittag be­sichtigten der König und der Großherzog die Militäretablisse­ments in der Neustadt, am Nachmittag wohnten die Herrscher dem Rennen bei Seidnitz bei. Abends erfolgte dann die Wiedcrabreise des Großherzogs.

Kaum ist Fürst Adolf Georg von Schaumburg-Lippe dahingeschieden, so hat der Tod schon wieder einen deutschen Bundesfürsten abberufen, den dürften Georg Victor von Waldeck und Pyrmont. Fürst Georg Victor, verschieden am Freitag früh zu Marienbad, war am 14. Januar 1-831 zu Arolsen geboren und folgte seinem Vater Heinrich Friedrich am 15. Mai 1845 in der Regierung unter der Vormundschaft seiner Mutter, der Fürstin Emma. Am 17. August 1852 übernahm der junge Fürst selbst die Re­gierung. 1866 erklärte er sich bei Ausbruch des deutschen Krieges sofort und entschieden für Preußen. Aus finanziellen Gründen wurde am 18. Juli 1867 vom Fürsten Georg Victor der sogenannte Accessionsvertrag mit Preußen abgeschlossen, durch welchen letzterer Staat thatsächlich die Verwaltung des Fürstenthums Waldeck erhielt. Georg Victor war in erster Ehe vermählt mit Prinzessin Helene von Nassau, weicher Verbindung fünf Töchter und ein Sohn, der nunmehrige Fürst Friedrich Hermann, geb. 20. Januar 1865, entsprossen sind. Nach dem Ableben der Fürstin Helene vermählte sich der Heimgegangene Monarch zum zweiten Male mit Prinzessin Luise von Schleswig-Holstein-Sonderburg Glücksburg, am 29. April 1891.

Die Wahlbewegung im Reiche nimmt eine immer lebhaftere Gestaltung ein, wobei es aber noch tüchtig drüber und drunter geht. Von Wahlbündnissen ist bis jetzt herzlich wenig zu spüren, sieht man von localen Vorgängen solcher Art ab, vielmehr scheinen sämmtliche Parteien gesonnen zu sein, ihr Glück bei der Wählerschaft auf eigene Faust zu versuchen, daher denn die Zahl der Candidaturen immer

Feuilleton.

Zwerge.

Don R. Mortelli.

(Nachdruck verboten.)

Schaubude reiht sich an Schaubude,- mit Trommelschlag und lautem Rusen suchen die Inhaber die Aufmerksamkeit der vorbeifluthendcn Menge zu erregen. Hier sind Krokodile und Seehunde zu sehen, dort werden dem gläubigen Besucher die Geheimnisse der Geisterwelt enthüllt, hier producirt sich ein Menschenfresser im Verschlingen von Kaninchen, einer beson­deren Anziehungskraft aber erfreuen sich stets die Buden, auf deren Aushängeschild vielverlockend das Bild eines Riesen oder einer Riesin prangt- meistens ist es das weibliche Ge­schlecht, welches das Uebermaß körperlicher Entwickelung uns in solchen Buden zeigt, nicht selten jedoch findet sich auch ein männlicher Riese, der uns dann zugleich durch seine Kraft- productionen in Erstaunen versetzt. Vielleicht hat aus gleichem Jahrmarkt aber auch eine Bude ihren Platz aufgeschlagen, in welcher wir das andere Extrem menschlicher Größe, das Zwergenthum, studiren können- an Stelle der Kraftproben führen sie uns niedliche Kunststücke vor, ja, es hat wohl auch eine ganze Truppe sich zusammengefunden und vor unseren Augen nehmen alte Märchen Fleisch und Blut an: die sieben Zwerge empfangen schützend Schneewittchen und sie umstehen trauernd den Sarg der Königstochter.Ich denk als Kind mich zurücke!" und fast vergessen wir, während die kleinen Gestalten vor unseren leiblichen Augen sich bewegen, die Frage, die uns hergeführt hat: Was sagt die anthropo­logische Wissenschaft zu diesen Abweichungen' von der mensch­lichen Normalgröße, die wir als Zwergenwuchs bezeichnen?

Daß dieselbe schon vielfach Object genaueren Studiums gewesen, ist selbstverständlich, und wenn wir es versuchen wollen, dem freundlichen Leser eine kleine Plauderei über Zwerge zu bieten, so können wir natürlich nur auf die zahl­reichen in Fachschriften niedergelegten Publikationen und

besonders auf Rankes treffliches WerkDer Mensch" zurück­greifen.

Was ist ein Zwerg? Wir sind meist sehr rasch bei der Hand mit dieser Bezeichnung- wie oft entschlüpft uns, wenn uns ein kleiner Mensch begegnet, die Bemerkung, das ist ja der reinste Zwerg! Die Wissenschaft, gewöhnt an präcisere Fassungen, beschränkt diesen Begriff auf Individuen, die erwachsen die Höhe von 1 Meter nicht oder nur unbedeutend überschreiten. Allzu häufig sind derartige Individuen wohl nicht, aber wohl Jeder von uns hat schon Gelegenheit ge» habt, einer Zwergerscheinung zu begegnen, und von Zwergen in früheren Zeiten berichten uns vielfache Aufzeichnungen - zu den mancherlei Absonderlichkeiten, in denen die Fürsten früherer Jahrhunderte die Betätigung ihrer erhabenen Stellung fanden, gehörte ja allermeist auch der Besitz eines Hofzwerges. Kaum fehlte im 18. Jahrhundert an deutschen Höfen einKammerzwerg", und bekannt ist die Zwergen­hochzelt Peter des Großen, zu welcher derselbe die Zwerge seines Reiches an seinem Hofe versammelte. Meist fiel diesen Spielzeugen selbstherrlicher Laune auch noch die Rolle eines Hofnarren zu, aber des Oefteren war der Hof der genarrte Theil und mehr als ein Zwerg verbarg unter der Narrenkappe hervorragenden Verstand, Witz und Schärfe des Urtheils und der Schellenstab in feiner Hand verwandelte sich in das Scepter, mit dem oft er allein die Launen seines Herrn zu leiten wußte. Perkeo, durch Scheffels Lied un­sterblich geworden, ist nur eines der vielen Beispiele.

An den Höfen der Großen suchen wir heute die Zwerge vergeblich - wir finden sie in den Vergnügungslocalen der Großstädte, die durch stets neueSpecialitäten" die Gunst des Publikums sich zu erwerben und erhalten suchen. Unter den Zwergen neuerer Zeit sind wohl die bekanntesten die unter dem NamenMiß Millie",General Mite" und Prinzeß Pauline" reisenden Persönlichkeiten geworden. General Mite" besaß im Alter von 16 Jahren eine Größe von 82,4 Zentimeter bei einem Gewicht von 6,57 Kilogr., Miß Millie" war mit zwölf Jahren 72 Zentimeter hoch

und wog 6,6 Kilogramm.Prinzeß Pauline" hatte, als sie neun Jahre zählte, eine Größe von nur 53,8 Zentimeter und wog nur wenig mehr als ein neugeborenes Kind, näm­lich ,4 Kilogramm- auch im späteren Alter blieben alle zwerg- haft. Wenn gerade die drei genannten Zwerge, denen sich in Amerika würdig Francis Flym mit 80,7 Zentimeter Höhe bei einem Alter von 19 Jahren anschließt, sich der besonderen Gunst des Publikums zu erfreuen hatten, so hat dies wohl noch seinen besonderen Grund in der äußeren Erscheinung derselben. Wie kleine Modelle normaler Menschen erschienen die zierlichen Wesen, fein Mißton störte das Gesammtbild, ein nicht häufig auftretender Fall.

Selbst wenn wir absehen von der häßlichsten Erscheinung, in welcher uns das Zwergenthum so häufig entgegentritt, dem Kretinismus, so finden wir doch fast stets die HarNwnie der Körperproportionen gestört- nur zu häufig sitzt auf dem schwäch­lichen Leib ein übermäßig großer Kopf und greisenhaft erscheint uns das Gesicht auf dem jugendlichen Körper - auch selbst wenn es dem Laien nicht äußerlich auffällt, weist uns in den meisten Fällen der Anthropologe mit Maßstab und Zirkel nach, daß die Verhältnißzahlen des Zwergwesens nicht zu denen des normalen Wachsthums reiferen Alters passen und auf den kindlichen" Eharacter des Zwergwuchses Hinweisen - ähnliche Verhältnisse, wie sie bei erwachsenen Zwergen häufig oder beinahe, kann man sagen, normal sich finden, kommen unter gewöhnlichen Verhältnissen dem frühen Kindesalter zu.

Auch im Benehmen und Gebühren ist ein gewisser kind­licher Zug den Zwergen eigen- freilich sagt man ihnen auch oft recht schlimme Eigenschaften nach. Bosheit, Zorn und Eifersucht sollen hervorragende Eharactermerkmale der Zwerge sein - aber wenn dem so ist, trägt nicht oft die Umgebung den größten Theil der Schuld? Mit Kummer sehen die Eltern, wie ihr Kind im Wachsthum zurückbleibt, in mancher unwilligen Bemerkung macht sich vielleicht ihre Sorge Luft - für die Geschwister ist das kleine Wesen die stete Zielscheibe ihrer Neckereien und so harmlos diese auch gemeint sind, bald setzt sich eine gewisse Bitterkeit fest - mit Neid sieht der Zwerg