1893
Sonntag den 16. April
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Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gietzen.
Hratisbeitage: Hießmer Kamitienökätter.
Anrttichev Theil
Der Congreß der Deutschen
Berlin, 14. April.
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Neueste Nuchrlchten»
WolffS telegraphische« Correspondmz-Bureau.
Berlin, 14. April. Unter dem Vorsitz der Kaiserin wurde heute in der Singakademie die Generalversammlung des VaterländischenFrauenvereins abgehalten. Minister
fit. 89. Erstes Blatt
Hofmann leitete die Sitzung. Der Geh. Ober^Regierungsrath Roux erstattete den Jahresbericht. Consistorialrath Ehlers (Frankfurt a. M.) sprach über die Bedeutung der Arbeit unter dem Rothen Kreuz für die Lösung der socialen Aufgaben der Gegenwart. Gesang eröffnete und schloß die Versammlung.
Deutscher Neichstag.
76. Sitzung. Freitag, 14. April 1898.
Zweite Brrathung des Wuchergesetzes.
Abg. v. Bar (bfr): Der Entwurf enthalte einen Eingriff in die VertragSfreihett und erschwere den Verkehr; er schaffe eine Rechts- unftcherhetl, indem er dehnbare Begriffe in der Rechtspiechung etnführe.
Abg. Fromme (Soc.) will auch die in dem ArbettSvertrag enthaltene Ausbeutung der Nothlage unter dm Begriff des Wuchers gmommen haben.
Abg. Stadthagen (©oc.) hegt dm gleichen Wunsch.
Staatssecretar Hanauer weist diese Anschauung al« falsch zurück.
Bei S 302c, betreffend Sachwucher, verwirft Abg. Bar (bfr.) die Bestimmung des Artikels und bezeichnet den Begriff „gewerbsmäßig" als schwankend und unsicher.
Abg. Buol (Etr.) hält den Sachwucher und Creditwucher für gleich verwerflich und gleich strafbar.
Nach kurzen Bemerkungen Krauses (bfr.) erkennt Staats- fecretär Hanauer das Vorhandenfein verschiedener Bedenken an und bemerkt, die Regierung fahre fort, dm Credtt- und Sachwucher verschieden zu behandeln.
Bet der Abstimmung stellt sich die Beschlußunfähigkeit deS Hauses heraus.
Der Antrag Stadthagen (Soc), die Ausnutzung der Nothlage in dem Arbeitsoertrag al4 Wucher in das Gesetz auszunehmen, wird zur Dtscuision gestellt. üäS k-M
Abg. Buol (Etr.) erklärt sich gegen die Aufnahme dieser Bestimmung.
Nach einer wetteren Bemerkung des Abg. Krause wird die Discusston geschlossen und S 302a, 302d und 302s angenommen. Der Antrag Stadthagen wurde abgelehnt.!
Abg. Liebermann v. Sonnenberg bittet den Präfidentm, Ahlwardt den Weg zu weisen behufs Vorlage der Actenstücke. Der Präsident erklärt, er habe Ahlwardt nabegelegt, den geschäftsordnungs- mäßigen Weg zu gehen. Ahlwardt habe aber die Ntederlegung der Actm verweigert, wenn nicht eine besondere Commission zur Untersuchung eingesetzt werde Ahlwardt erklärt dies für ein Mitzver- ständniß. Der PiLsident hält die Sache für erledigt.
Nächste Sitzung Montag. Tagesordnung: Wuchergefetz und Verrath mililärtfcher Geheimnisse.
Birrteltährtg«
2 Mark 20 Psg. Bringerloha.
Durch die Post bepgee
2 Mark 50 Bfc.
Rebaction, »rptbHUe und Druckerei:
Bekanntmachung, betr. die Besetzung der Stelle eines Kreisveterinärarztes des Kreisveterinäramtes Grünberg.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß der praktische Veterinärarzt Eduard Neun Höffer zum Kreisoeterinär- arzt des Kreisveterinäramts Grünberg ernannt worden ist und daß derselbe feinen Dienst angetreten hat.
Gießen, den 10. April 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gesellschaft für Chirurgie wählte Geheimerath Professor Esmarch für das nächste Geschäftsjahr zum Vorsitzenden.
Berlin, 14. April. Die Strafkammer des Landgerichts verurteilte den Redacteur Saling vom „Kleinen Journal" wegen Beleidigung des Mainzer Offiziercorps, begangen in einem Artikel über die Mainzer Säbelaffatre, zu einer Zusatz- strafe von einem Monat Gefängniß. Saling hat noch vier Monate Gefängniß wegen Beleidigung zn verbüßen.
Potsdam, 14. April. Der Kaiser ist heute Nachmittag l* * 3/4 Uhr nach Swinemünde abgereist.
Brussel, 14. April. Ein Erlaß des Bürgermeisters verbietet bei strenger Strafe Umzüge und Ansamm- lungen. Der Socialiftenführer Volkers ist angeklagt, weil er eine Bande, die Ruhestörungen veranlaßte, angeführt hat. Der Gerichtshof machte Volders für die Tumulte und Aufreizungen der Menge in den letzten Tagen verantwortlich.
Mou8, 14. April. Im Borinage striken 16,000 Arbeiter. Man erwartet die Ankunft von Truppen. Bisher ist keine Ruhestörung vorgekommen. In Brüssel und den Vorstädten ist die Lage des Strikes dieselbe wie gestern- der Strike nimmt nicht zu- einige Banden Strikender durchziehen die Straßen und bei dem Einschreiten der Polizeiagenten wurde ein Knabe verwundet.
Belgrad, 14. April. Die Proclamatio n des Königs Alexander lautet: „Serben! So oft es die Lebensinteressen des serbischen Volkes erheischten, haben meine Ahnen Obrenowic sich stets in den Dienst der serbischen Staatsidee gestellt. In deren Traditionen auferzogen, treu dem Geiste der Nation und gewohnt, vor Allem der serbischen Staatsidee zu dienen, habe ich heute die Pflicht, dem Bei- spiele meiner Ahnen zu folgen. In gegenwärtiger Zeit sollte das Volksleben sich ruhig unter dem Schutze der Verfaffung entwickeln, die mein erlauchter Vater im Einverständniffe mit allen Parteien und mit dem Volke selbst dem Lande verliehen hat. Leider war die Verfassung in jüngster Zeit so gefährdet, die staatsbürgerlichen Rechte meiner theuren Serben waren
Meßmer Anzeiger
Keneral-Wnzeiger.
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dermaßen in Frage gestellt, die verfassungsmäßige Stellung der Volksvertretung war derart erniedrigt, daß ich nicht säumen darf, diesem unglücklichen Zustande ein Ende zu machen. Serben! Von heute an nehme ich die königliche Gewalt in meine Hände. Von heute an tritt die Verfassung ganz in Kraft und erhält ihren vollen Werth. Im Vertrauen auf den glücklichen Stern der Obrenowic werde ich, gestützt auf die Verfassung und die Gesetze, mein Land regieren, und so fordere ich Euch Alle auf, mir treu und ergeben zu dienen. Mein theures Volk, indem ich Gott anflehe, daß er jeden meiner Schritte beschütze, schließe ich mit dem Rufe: ES lebe daS Volk!
Gez. Alexander. Belgrad, 13. April 1893.
Belgrad, 14. April. Die Stadt ist beflaggt. Die radicalen und fortschrittlichen Blätter veröffentlichen die Proclamation des Königs und begrüßen dieselbe sympathisch. Das „Videlo" sagt, von Serbien sei ein Alp» druck gewichen und es habe sich wieder gezeigt, daß die Dynastie Obrenovic mächtiger sei als die eingebildete Größe der Regenten. Die radicalen Blätter begrüßen den König als Retter und schwören ihm Treue. Der König erschien gestern Nachts tu Begleitung des neuernannten Militär- Gouverneurs von Belgrad, des Obersten Toka Milanovic, in den Kasernen und hielt eine Anrede an die Truppen, worauf die Eidesleistung erfolgte. Das Offizier- corps begrüßte den König mit begeisterten Zurufen. Die zum Diner geladenen Regenten und Minister erfuhren nach Tische, daß sie Gefangene des Truppen- commandanten seien. Nur zögernd unterschrieben die Regenten Ristic und Belimarkovic das ihnen vorgelegte Schriftstück, worauf sie in dem neuen Palais in Hast gebracht wurden. Die Regenten und Minister blieben bis heute 10 Uhr Vormittags gefangen, worauf sie freigelassen wurden. Die Eidesleistung der Beamten und Truppen vollzog sich im ganzen Lande ohne Zwischenfälle. Die Stimmung in Belgrad ist eine gehobene und eö wird eine Illumination vorbereitet. Die Häuser der Radicalen und Fortschrittler sind decorirt. Das entschlossene und umsichtige Auftreten des Königs findet all- seitige Anerkennung. __
Depeschen deS Bureau „$erolb'.
Berlin, 15. April. Heber die Gestaltung der architecto- nischen Umgebung des Nationaldenkmals Kaiser Wilhelms I. wurde gestern die Entscheidung getroffen. Der Kaiser bestimmte, daß der Entwurf von Begas zur Ausführung komme.
Berlin, 15. April. Die Uebersiedelung des kaiserlichen Hofhaltes nach Potsdam erfolgt am 18. April. Der Tag der Abreise des Kaiserpaares wurde verschoben.
Berlin, 15. April. Das Schwurgericht verurtheilte gestern den Rechtsanwalt Dr. Moll wegen wissentlichen Meineids zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust.
Berlin, 14. April. Die „Kreuzztg." schreibt, es^gewinne den Anschein, die Erstattung des Berichts der Militär- cornrnission werde absichtlich verzögert. Als Grund werde angeführt, v. Huene verhandle noch über ein Comprorniß mit dem Reichskanzler.
Berlin, 15. April. Ahlwardt formulirte einen Antrag, worin er Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungscommission zur Prüfung der Actenstücke verlangter unterbreitete denselben Bebel, der Namens seiner Fraction die Form des Antrages beanstandete, aber sich bereit erklärte, denselben umzugestalten, und mit der Fraction wegen Unterstützung zu verhandeln. Ahlwardt weigerte sich, den Seniorenconvent als Richter über sich anzuerkennen,' weil er in ihm eine Partei erblickt.
Berlin, 14. April. Ahlwardt hatte vor dem Beginn der Reichstagssitzung vom Präsidenten das Wort erbeten und unterhielt sich lange mit dem Präsidenten, welcher anscheinend sehr erregt war. Als der Präsident Ahlwardt das Wort verweigerte, lehnte dieser es ab, die Actenstücke auf den Tisch des Hauses niederzulegen. Das Haus trat alsdann ohne Zwischenfall, aber unter großer Heiterkeit in die Tagesordnung ein.
Budapest, 14. April. Die Stadt Veszprirn brennt. 1000 Personen sind obdachlos. Mehrere Menschen sind verbrannt. Der Schaden ist colossal.
Kopenhagen, 14. April. Vorn 2. bis 8. April kamen hier 110 Fälle von Influenza vor.
Kopenhagen, 14. April. Die Ankunft der Czaren- familie wird erst für Monat August erwartet.
Sruffel', 14. April. Die Ruhe ist allgemein I wieder her gestellt. Einzelne Socialisten durchziehen I mit rothen Fahnen die Arbeiterviertel. Für heute Nachmittag
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Nr. 13 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 13. d. MtS., enthält:
(Nr. 2091.) Verordnung, betreffend das Aufgebot von Landanfprüchen im füdwestafrikanifchen Schutzgebiet. Vom 2. April 1893.
Gießen, den 15. April 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 15. April 1893. Betr. den Wiefengang.
DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen
em die »rstzh. BftrgttmdfUtett* des «rette-.
Soweit Sie unserem Ausschreiben vom 4. v. Mts. — Anzeiger Nr. 56 —, noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an sofortige Erledigung.
v. Gagern.
Gießen, den 14. April 1893.
Betr.: Ausführung der Landesfeuerlöschordnung.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Wir haben angeordnet, daß im laufenden Frühjahr durch die Kreisfeuerwehrinspectorm in den Landgemeinden des Kreises Hebungen sowohl der Pflicht- wie der freiwilligen Feuerwehren abgehalten werden, und beauftragen Sie, hiervon den Feuerwehrcornrnandanten alsbald Nachricht zu geben, sowie, wenn Ihnen die Mittheilung über Tag und Stunde der Hebung zugeht, die sofortige Ladung der Feuerwehrmitglieder zu veranlassen. Auch weisen wir Sie an, den Hebungen selbst anzuwohnen.
Gelegentlich der Anwesenheit in Ihren Orten werden die Kreisfeuerwehrinspectoren sich auch vom Stand der Löscheinrichtungen überzeugen.
v. Gagern.
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Bekanntmachung.
Gestohlen wurde dahier am 28. v. Mts. eine Herren- Rernontoir-Ankeruhr mit glattem, vernickeltem Rückendeckel, bläulichem Zifferblatt, Zeigern von gelbem Metall, mit Secundenanzeiger und römischen Zahlen.
Wir ersuchen Jedermann, der über deren Verbleib Auskunft geben kann, uns oder dem nächsten Beamten des Polizei- und Sicherheitsdienstes unverzüglich Mittheilung zu machen.
Gießen, den 14. April 1893.
Großherzogliche Staatsanwaltschaft. Schilling-Tr.
Steckbrief.
Gegen den Koch, Karl, geboren am 4. Juli 1874 in Gießen, Sohn des Schreiners Fr. Koch, welcher flüchtig ist, ist die Hnterfuchungshaft wegen Körperverletzung verhängt.
Es wird um Fahndung, Verhaftung und Nachricht vor Zuführung ersucht.
Gießen, den 10. April 1893.
Großherzogliche Staatsanwaltschaft. Schilling-Tr.
Gefunden: 1 Hhrkette, 2 Taschenmesser, 1 Rasir-
messer, 1 Kindersonnenschirm, 1 Contobuch, 1 Taschentuch,
3 Paar gelbe Handschuhe, 2 Portemonnaies, 1 Hundehalsband, Geld, 1 Stock mit Bleiknopf und 1 Brieföffner mit Messer.
Gießen, den 15. April 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.


