Ausgabe 
15.10.1893 Erstes Blatt
 
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Tie Gießener

Hrtrn betn Anzeiger breieal kriegt

Erstes Blatt. Sonntag den 15 October ES

Gießener Anzeiger

Keneral-Wnzeiger.

DierreliLbrioei |lnir«»rr(bl 2 UParf 20 Pig.

Vrmqerlobn Burdi bu l<ofl vezsHE 2 SRarf 50 Wg-

Rebaction. ipfMmt und Druckerei:

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2lnrts- unb Anzeigeblutt für den Ürets Gieren.

Hrattsöeitage: Gießener KamikienSkätter

Amtlicher Theil

Fr. Ztg.

der Ruffen ab.

Annahme »an Anzeigen zu der ??a*mittagi fir den faigeoben tag erscheinenden Nummer btl Botin. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Vuceaux des In- und Auslanbes nebww Anzeige» für den ^Gießener Anzeiger- entgegen.

dienstjubiläum des Königs von Sachsen bei. Auch einige Bundesfürsten werden auS diesem Anlaß nach Dresden kommen.

Der ehemalige preußische Kriegsminister v. Ka mecke ist gestorben. Der Verewigte war am 14. Juni 1817 in Pasewalk geboren und trat 1834 in die damalige zweite Pionierabtheilung ein. 1861 erhielt der Verstorbene das Commando des 11. Infanterie - Regiments, 1865 wurde er zum Generalstabschef des 2. Armeecorps er« normt, alS welcher er den Krieg von 1866 mitmachte. Im deutsch französischen Kriege führte v. Kamecke zunächst die 14. Jnfanrerie-Division, die er bei Spicheren mit Auszeichnung befehligte, später kämpfte er bei Colombeh » Nouilly und Gravelotte, vor Diedenhofen, Montmedy und Moziöres mit und leitete sodann die Belagerungsarbeiten vor Paris. Nach dem französischen Feldzuge wurde v. Kamecke zum Chef des JngenieurcorpS und Generalinspecteur der Festungen ernannt; 1873 folgte er Roon im Kriegsministerium nach. Am 3. März 1883 schied er nach erfolgreicher organisatorischer Thätigkeit aus dem Amte und lebte er seitdem meist auf seinem Gute Hohenfelde bei Colberg.

Die hie und da gehegte Erwartung, es würden die Ausführungsbestimmungen über die Sonntags­ruhe in den gewerblichen Betrieben vielleicht schon am kommenden Neujahr in Kraft treten können, erweist sich nach neueren Berliner Meldungen in dieser Frage als hin­fällig. Die Einzelverhandlungen mit den Vertretern der verschiedenen gewerblichen Zweige nehmen einen derartigen ausgedehnten Umfang an, daß an ein Inkrafttreten der ge­werblichen Sonntagsruhe zu Neujahr 1894 nicht zu denken ist. Wenn die betreffenden Bestimmungen frühestens im Laufe des nächsten Frühjahres in Straft treten, so wäre schon viel erreicht, indessen ist es mehr als wahrscheinlich, daß sich die Einführung der Sonntagsruhe bei den gewerblichen Betrieben erst zu einem späteren Zeitpunkte ermöglichen lassen wird.

Gefunden: 1 gold. Medaillon, 1 Taschenuhr, 1 Porle- mannaie mit Inhalt, 1 Münze, 1 Cravattenhalter, 1 Peitsche, 1 Schiebkarren, 1 Herrnhut, 1 Paar Strümpfe, 1 Kinder- tagen, 1 Pferdedecke, 1 Stück Band, 2 Laib Brod und 1 Paar gold. Ohrringe (bei Gr. Rentamt liegen geblieben).

Gießen, den 14. October 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Deutscher Reich.

Berlin, 13. October. In der alten Hansastadt Bremen fiitbet am 18. October die Enthüllung des Denkmal es flaifer Wilhelms I. in Gegenwart einer illustren Feft- ttrlammlung statt. Es werden bei der Feier zugegen sein hr Kaiser, der Reichskanzler, fast alle Minister und Staats- i'cretäre, die Generalität und zahlreiche sonstige Persönlich- hl en von Rang und Auszeichnung. Auch Graf Wilhelm PiSmarck, der zweite Sohn des Altreichskanzlers, zur Zeit ikkanntlich Regierungspräsident in Hannover, wird sich mit unter den Bremer Festgästen befinden. Es verdient dies in h ublick auf den Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser Wilhelm tnb dem Fürsten Bismarck, speciell aber wegen des Umstandes dirtoorgehoben zu werden, daß sich Graf Wilhelm, der sich jur Zeit des Eintreffens der kaiserlichen Depesche in Kissingen hi seinem Vater befand, von dort aus nach Homburg v. d. H. zu einem Besuche bei der Kaiserin begeben hatte, welcher kavgang doch wohl mit der Telegrammaffaire in Verbindung ftanb. Vielleicht darf man erwarten, daß die in Bremen virmuthlich erfolgende persönliche Berührung zwischen dem Sanier und dem Sohne des ehemaligen Kanzlers die einge- htietc Wiederannäherung zwischen dem Monarchen und dem Zltzloßherrn von Friedrichsruh noch weiter fördern wird.

Kaiser Wilhelm wohnt, wie nunmehr feststeht, likb'st dem deutschen Kronprinzen dem 50jähr i gen Militär-

Av ellan Namens der französischen Regierung,- der Admiral werde bald sehen, daß das ganze französische Volk sich den Willkommenwünschen anschließe. Admiral Avellan dankte wärmstens. Die russischen Schiffe defilirten dann vor den französischen Schiffen, die hierauf auf beiden Seiten die russischen Schiffe escortirten. Bei der Einfahrt in den Hafen grüßten die Landbatterien mit Kanonendonner. Unter den Jubelrufen der Menge auf den Quais warfen die russischen Schiffe Anker, von zahlreichen Barken umschwärmt.

Paris, 13. October. Bei der Einfahrt in den Hafen von Toulon stand Admiral Avellan aus der Commando- brücke des AdmiralschiffeS, umgeben von seinem Generalstab und schwenkte sein Taschentuch in der Richtung nach den franzö­sischen Schiffen. Um 1 Uhr führte ein Boot den Admiral nach dem Arsenal durch den Triumphbogen, durch die Spalier bildenden und präsenttrenden Truppen und die hochrufende Menge. Admiral Avellan, gefolgt von zwei französischen Admiralen, begab sich nach der Marinepräsectur, wo der Marineminister, Admiral Rieunter, eine Begrüßungsrede hielt, in der er bemerkte, Kronstadt und Toulon feien denkwürdige Daten, welche die Sympathien der beiden Nationen bezeugen. Avellan antwortete, nicht allein die Flotte, sondern ganz Rußland werde für die Aufnahme Rührung und Dankbarkeit empfinden. Nach der Entrevue zeigte sich Avellan auf dem Balkon der Präfectur und wurde begeistert von den acclatnirenben Zu­schauern begrüßt. Um 2 Uhr begab sich der Marinemitiister an Bord des russischen Admiralschiffs und wurde dort mit einem Kanonensalut empfangen.

AuS Toulon wird weiter berichtet: Nachmittags landete Admiral Avellan zum zweiten Male und wurde am Quai von der Munizipalität unter Führung de- Präfecten empfangen. Der Maire von Toulon hielt die Begrüßungs­rede. Avellan bittet ihn, den Einwohnern für den ethusiasti- fchen Empfang zu danken, der ihm gezeigt habe, wie groß die Sympathie Frankreichs für Rußland fei. Der Präsident des Pariser Gemeinderaths ladet Avellan zu den Pariser Festen ein. Der Dichter Aicard declamirt eine Ode. Avellan bezieht sich in den Salon der Mairie, wo ihm Madame Adam NamenS der französischen Frauen das Geschenk für die Frauen der russischen Offiziere überreicht und einen Gruß an die russischen Schwestern zu übermitteln bittet. Avellan tritt auf den Balkon der Mairie und ruft au8: Lieben Freunde, es lebe Frankreich! Die Menge antwortet mit enthusiastischen Zurufen. Auf dem Hin- unb Rückwege würbe Avellan stürmisch begrüßt unb von ber Menge umbrängt, ble bas Polizeispalier durchbrach. Am Abenb fanb ein vom Marinemini st er gegebenes Diner statt, bei dem Avellan zur Rechten des Ministers saß. Der Minister toaftirte auf den Czaren, dessen Namen Loyalität und Macht bedeute und den Augen ber Welt als Friedens- symbol erscheine. Im selben Gefühle tiefen Refpects schließt der Minister eine Huldigung für die russische Kaiserfamilie an. Avellan antwortet dankend. Er habe eine herrliche Aufnahme erwartet, aber nicht gehofft, bei der trefflichen Bevölkerung einen so warmen Elan zu finden. Er trinkt Namens der russischen Marine auf die französische Marine, Frankreich und sein treff­liches Volk. Der Admiral Vignes trinkt auf die russische Marine und Armee und deren glorreichen Erinnerungen, die auf jeder Seite ihrer Geschichte seingeschrieben seien. Die Waffenbrüderschaft sei begründet auf ber gegenseitigen Achtung unb Sympathie, bie beibe Nationen stets einigen wirb. Abends war die Stadt illuminirt. Die Straßen waren von einer ethusiastischen Menge angefüllt, so daß eine Cir- culation fast unmöglich war. Vor der Präfectur wurden den Ruffen stürmische Ovationen dargebracht. Zwei brasi­lianische Panzerschiffe sandten Offiziere zur Begrüßung

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau.

Petersburg, 13. October. DasJournal de St. Petersbourg" schreibt über die Ankunft des russischen Geschwaders in Toulon:Das Geschwader ist beauf­tragt, NamenS unserer Marine den Besuch zu erwidern, welchen das französische Geschwader im Jahre 1891 in Kron­stadt abstattete. Zwei der gegenwärtig unter Admiral Avellan vereinigten Schiffe kehren aus Amerika zurück, wo sie an den Jubiläums-Feierlichkeiten theilgenommen haben. Man weiß, welch warmer Empfang ihnen bei dieser Gelegenheit bereitet wurde. Unsere Leser kennen bie Art unb Weise, wie unsere Seeleute soeben in Cadix gefeiert werden. Wir nehmen mit Vergnügen diese Sympathiebeweise für unsere Flagge ent­gegen, welche überall, wo sie erscheint, Gedanken ber Sicher­heit unb bes Friebens erregt. Darin liegt bie hohe Be- beutung dieser Kundgebungen, sowie derjenigen, welche jetzt

Ausland.

Die jüngsten Meldungen über das Befinden Mac Mahons lauten etwas günstiger, es soll Hoffnung vorhanden sein, daS Leben des greisen Marschalls erhalten zu können. Biel besprochen wird in ber Pariser Presse bie so herzlich klingenbe theilnehmenbe Depesche, bie König Humbert von Italien bem Marschall Mac Mahon hat zugehen lassen. Die meisten Blätter finben biesen plötzlichen Freundschaftsbeweis des italienischen Monarchen für Frankreich sehr sonderbar. Ja, manche Preßorgane geben sogar ber Meinung Ausbruck, bie Depesche Humberts an Mac Mahon sei bestimmt, eine Wiederannäherung Italiens an Frankreich in Hinblick auf die steigende Geldcalamität Italiens einzuleiten. Daß König Humbert durch seine erwähnte Kundgebung eine Pflicht der Dankbarkeit gegenüber dem französischen Heerführer ausübte, der durch seine Siege bei Magenta und Solserino die ita­lienische Einheit nicht unwesentlich mit vorbereiten half, dies kommt den chauvinistischen Fanatikern an der Seine natürlich nicht in den Sinn.

Pari», 13. October. Aus Toulon wird gemeldet: Um acht Uhr ist die Flottille zur Begrüßung der Ruffen abgedampft, voran das PanzerschiffDavoust" mit den Ver­tretern ber französischen Marine sowie ber französischen unb russischen Diplomatie. Vor ber Abfahrt mürbe bie französische Flagge auf ben Schiffen gehißt. Die Zuschauermenge grüßte die Fahne mit Hutabnehmen. Der aus drei Torpedo-Avisos und sechs Torpedo-Booten bestehenden Flotille schloffen sich bie großen Schlachtenschiffe der Escabre an, zahllose Privat­schiffe folgten, sowie die Postdampfer aus Marseille und Nizza. Es war ein vortreffliches Wetter. Gegen halb zehn Uhr wurde die russische Flotte sichtbar. Dieselbe fuhr in einer Linie, voran das Admiralschiff, hinterher fünf Panzerkreuzer. DerDavoust" hißte die russische Flagge und gab dreizehn Kanonenschüffe ab. Das AdmiralschiffKaiser N-colas" be­antwortete Schuß für Schuß unb hißte bie französische Flagge. Die französischen Matrosen erkletterten das Takelwerk, vom Davoust" erklang zwanzigmal der Ruf Vive la Russie! Die Masten ber russischen Schiffe waren mit Matrosen bebetft, bie Hurrah riefen unb ihre Mütze schwenkten. Bei jebem Schiffe, bas vorbeifuhr, erneuten sich die stürmischen Zurufe. Von den russischen Schiffen erklang bieMarseilaise". Es herrscht große Erregung. Aus dem PaffagierbampferBrest", ber vollgefüllt mit Zuschauern ben Russen entgegenfuhr, erschoß sich ein SchiffScommiffär im Augenblick der Ankunft der russischen Flotte. Das Motiv der That ist unbekannt. Der Vertreter des Marineministers begab sich an Bord deS russischen Admiralsschiffs und bewillkommnete den Admiral

Gießen, 13. October 1893.

-ckr.: Die Erlaubnißscheine zum Tanz- unb Musikhalten an öffentlichen Orten.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grohh. Bürgermeistereien und

Polizeibehörden des Kreises.

Wir benachrichtigen Sie zu Ihrem Bemeffen und zur Hnßiruirung der Ihnen unterstehenden Polizei-Bediensteten, das. nach neuerer Ministerial-Entschließung auch bei bezahlter Iknstk in denjenigen Fällen von Erhebung einer Tanzstempel- abpabe abgesehen werben soll, in welchen es sich nicht um eigemtliche Tanzmusik, d. h. um eigens zur Abhaltung von Tämzen veranstaltete Belustigungen, fonbern nur um einzelne Tämze hanbelt, bie gelegentlich anberroeiter Veranstaltungen V N. gesanglicher, musikalischer ober theatralischer Aufführungen in Waldungen oder überhaupt im dreien außerhalb der zu WirthschaftS- und ähnlichen Localen gehörigen Gärten und ohne Ditflängige Herrichtung eines Tanzbodens an Nachmittagen nicht über bie Dauer von zwei ©tunben vorgenommen werben. ___v. Gagern.___________________

Gießen, 13. October 1893.

Bel r.: Gemeinbekrankenversicherung.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen eu die Groffh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Zwecks Aufstellung einer vergleichenben tabellarischen Ueber- W über bie Wirksamkeit ber Gemeinbekrankenversicherungen der einzelnen Gemeinben, beauftragen wir Sie, uns alsbalb -folgende Fragen zu beantworten:

1) mit welchen Aerzten haben Sie Verträge wegen Be- hanblung ber Kaffenmitglieder abgeschloffen?

2) desgleichen, bezüglich der Apotheker?

3) welches ist der wesentliche Inhalt des Vertrags?

4) welche Erfahrungen haben sich hierbei ergeben ?

Die Antworten haben sich auf bie Jahre 1891 unb 1892 zu beziehen. Falls in der letzten Nachweisung betr. Hie Krankenversicherung der Arbeiter etwa noch nicht sämmt-

Ausgaben für Arzt unb Apotheker für bas Jahr 1892 enthalten sinb was bei einzelnen Gemeinben offenbar ber FM ist so wollen Sie in Ihrem Bericht ausbrücklich hierauf oufmerffam machen.

v. Gagern.