Ausgabe 
15.10.1893 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

"* besonders ir$t(ni^r sind Menu ?e

*

txye5 Entree Nil

ctober:

EDitkly^ ilbaiii

JSSTEll

iricht.

lnnte ^gen ein Eintntz.

--^IlLorsta^

nterricht.

.L^' beginnt ein * ft"*** ötuiet

Von w. 8.- ii ine LehmM nonot^i D_'"°lira»hc«ch^ Mv880V ifolger) .84

Itnres

ster tek **EIP6

/8'A

iisen, bei Moment#

3410 Leipzig 1811

sioot wieder

October.

her in meiner Wohr

Roese,

Tanz- und Fechtlr

ininnt wieder MoilaS

i erbitte mW * DM ;il Nw

h MöM

-lobcr 18*®' ,,M

rricht.

ktt A«sbildmz ®>)

ZZR fection- u®***

Nr. 243 Drittes Blatt. > Sonntag dm 15. Oktober

1893

D«r eH«nt täglich, «tt lulnobtnc des Vivalags.

Die flhefrntr »eetrieelCKfer frfctn dem Anzeiger «schemltch dreimal d «gelegt.

Gießener Anzeiger

Heneral-Unzeiger.

viert etlttzrig er Ag,e«e»t»i»rei»I 2 Msrl 20 Psg. u* vrmgerloha.

Durch 6u PvN bezagc» 2 Mark 50 Psg.

Redaction, Expediti»» und Druckerei:

r^>lßr«h< Ar.7.

Fernsprecher 51.

Amts« und An;«igeb!att für den Areis Gienen.

Gratisbeilage: Gießener Kamilienvlatter. |

Rnnad m r von Anzeigen zu der Nachmittag» für den '^Graden Lag erscheinrndca Nummer bis Bonn. 10 übt.

beider Parteikundgebungen über die neue Landgemeindeordnung. Gerade diejenigen Anordnungen des neuen Gesetzes, welche den Liberalen als bedeutende Fortschritte erscheinen, bezeichnet der conservative Aufruf als Fehler, so die Einführung einer geordneten Gemeindevertretung und Anderes mehr. Unter diesen Umständen kann es nicht Wunder nehmen, daß in mehreren Wahlkreisen, wie in Graudenz-Rosenberg, Frank­furt a. O. und Grünberg-Freystadt, die Narionalliberalen sich mit der freisinnigen BolkSpartei gegen die Conservativen ver» Kunden haben. Ein besonderes Interesse hat der preußische Wahlkampf durch die Auseinandersetzungen zwischen der freisinnigen VolkSpartet und der freisinnigen Bereinigung erhalten. Wir behalten uns vor, auf den po­litisch bedeutsamen Streit der früher vereinigten Gruppen das nächste Mal zurückzukommen.

In Oesterreich hat der Minister Taaffe die Parteien und die Presse mit einem Wahlreformgesetzentwurf voll­kommen überrascht. Nach diesem sollen die vier bisher be­stehenden Interessengruppen beibehalten werden und ebenso die Wahl in der Gruppe der Landgemeinden indirect bleiben. Die einzige Neuerung von grundstürtzender Bedeutung ist die Vermehrung der Wähler um drei Millionen. Es scheint, alS ob es Taaffe bei seiner Vorlage aus einen taktischen Schach­zug gegen die Liberalen abgesehen habe.

In Brasilien dauert der Aufstand des Admirals Mello noch an, ohne daß ein Ende abzusehen wäre.

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika dagegen wird der Währungökampf voraussichtlich bald ein Ende finden.

«llc Annoacen-Vurcaus des In. und Auslandes nehmen Anzeigen für denSiebener Anzeiger" entgegen.

polititch« wochenscha».

Gießen. 14. October 1893.

Im Reiche hat sich in der abgelaufenen Woche kein Er- kijgniß von bemerkenSwerther Wichtigkeit zugetragen. Die Mittheilungen halbamtlicher Blätter über die geplante Wein- iinb Tabaksteuer liegen schon weiter zurück und sind von unseren Blättern bereits ausreichend gewürdigt worden. Auch heben diese Veröffentlichungen nur wenig enthalten, was Den­jenigen, welche die officiösen Andeutungen sogleich vom ersten -buftauchen der Projekte genau verfolgt haben, neu gewesen wäre, den wichtigsten Punkt aber, die Höhe der geplanten Steuern haben auch die neuen halbamtlichen Kundgebungen unaufgeklärt gelaffen. In Folge deffen haben diese letzteren and) keine besonders lebhafte DiScussion in der Preffe ge­sunden. Diese wartet noch auf die Bekanntgebung des Steuer- satzes, um sodann je nach der Parteistellung für oder gegen dos Project einzutreten. So herrscht im Augenblicke in der Reichspolitik mehr als vorher eine gewiffe Ferienstille.

Um so mehr Leben gewinnt die preußische Wahl- bss'vegung. Die Aufrufe der meisten Parteien sind bereits ktfichienen. Sie haben, wenn auch nicht gerade in scharfer Betonung, der Thatsache Ausdruck gegeben, die wir an dieser Stelle schon vor einigen Wochen erörtert haben, daß das Berhältniß der Parteien im preußischen Landtag ein wesentlich anderes ist, als im Reichstage und daß namentlich zwischen Conservativen und Nationalliberalen in Bezug aus die An- gr legenheit des Landtags Gegensätze bestehen, w.e sie in Fragen der Reichepolitik seit Langem nicht mehr hervorgetretcn find. Während beispielsweise der conservative Aufruf eine volksschulgesetzgedung auf confessioneller Grundlage fordert, erklärt die nationalliberale Proclamation eine solche geradezu Hit eine Gefahr für den Staat. Da bei den gegenwärtigen Porteiverhältnissen ein Bolksschulgesetz, welches zugleich die innere und äußere Ordnung des Volksschulwesens ins Auge soißt, zur Zeit aussichtslos erscheint, so wünscht der national- liberale Aufruf wenigstens ein Schuldotationsgesetz, in dem d« einer Reform schon lange dringend bedürftigen Besoldungs- vrrhältniffe der Lehrer und der staatlichen Beiträge für das Schulwesen etnheitllch geregelt werden. Die Conservativen da- gegen widerstreben diesem Gedanken auf das Aeußerste, weil sie fürckten, daß nach einer getrennten Behandlung und i kv dgiltigen Regelung der GehaltSverhälmiffe der Lehrer und der Staaiszuschüssc an die Gemeinden die Frage einer con- iesisionel'en Ausgestaltung des inneren BolksschulwesenS für lange Zeit von der Tagesordnung verschwinden werde. Aehn- Itdhc Gegensätze finden sich dann auch in den Anschauungen

Gesundheitspflege.

Sobald der Sommer vorüber und mit dem Herbst eine kühlere Jahreszeit eingetreten ist, in welcher da« Wetter öfters wechselt, ge­hören die Erkältungen wieder zur Tagesordnung des täglichen Lebens. Ein Arzt gibt darüber folgende Winke:

Wenn «in schroffer Temperaturwechsel oder eine längere feucht­kalte Luft die äußere Haut plötzlich oder doch bis zu dem Grade abkühlt (wobei auch eine Störung der Hautelectricilät stattfindet), daß die Funktion unterbrochen wird, bann entsteht auf inneren Or- ganflächen eine entzündlich« Reaction, durch die der Organismus sich wieder auszugleichen sucht. Findet das mit serösen Häuten, auf den Muskelhüüen, Gelenkmembranen fiatL so nennt man es im Volke Rheumatismus, findet es auf den Schleimhäuten statt, so ist es Katarrh. Derselbe kann auf den Schleimhäuten des Darms, der Augen, der Harn- und Geschlechtswege, der Athemorgane vorkommen; in der gewöhnlichen Sprachweise nennt man aber Katarrh vornehm­lich die, nach Erkältung eintretende Affection der Schleimhaut der Lustwege, der Nase, Mundhöhle, des Kehlkopfs und der Laftröhren- äst« (Bronchien), und bezeichnet letzteren namentlich als Brustkatarrh. Menschen, welche ihre äußere Haut verweichlicht oder ihre Luftwege gegen kalte Lust empfindlich gemacht haben, ei kälten sich bei schroffem

Temperaturwechsel sehr leicht, und die Schleimhäute, welche ost irri- tirt werden, erhalten dadurch «ine Neigung, in den entzündlichen Katarrbzustand überzugehm oder sogar chronisch darin zu verharren. Di« Schleimhaut der Nasen- und Stirnhöhlen oetanlafet bann in diesem Zustande die bekam.ten Erscheinungen deS Sümpfen», die der Mundhöhle, namentlich am weichen Gaumen, die Erscheinungen der katarrhalischen Angina, die des Kehlkopfs die Erscheinungen der Heiserkeit, deS Husten«, der Trockenheit und des späterm zahm Schleimauswurfs, die der Bronchim die Symptome de« Brust­katarrhs. Man darf aber nicht glauben, daß chronische Gaumen-, Kehl- und Brustkatarrbe jedeSmal EikältungSkalarrhe seien; oft ent­stehen katarrbähnliche Reizungen in diesen Schleimhäuten aus anbe- ren organischen Störungen, es gibt Hämorrhoidalhefterkett um AuS- wurf, gastrische Schleimbautaffektionm des weichen GaumenS. Wir haben hier nur die ErkältungSkatarrhe vor Augen. Die Erschein­ungen des gewöhnlich einfachen SchnupsinS sind bekannt.

Das diätetische Verhalten ist hier wichttaer, als -in medika­mentöses Verfahrm. Es ist die Aufgabe, die Hautthätigkeit wieder herzustellen und die Schleimhautkrise ohne Störung zu Ende zu führen. Wird sie gestört, vernachlässigt man sich, io wird der Katarrh chronisch oder es tritt die Disposttwn zu häufigen Rück­fällen ein. Bereits bestehende Lungenleiden, Kehlkopfs- oder andere chronische Krankhetten erfordern natürlich bei Katarrhen eine ärzt­liche Ueberwachung. Di« Hauptsache bleibt immer eine strenge Diät und Wärme. Ist Fieber zugegen, so muß der Mensch in» Bett und so wenig al« möglich stst« Spei en zu sich nehmen, viel Waffer, zeitweise eine Taffe Flieder- oder Ltndenblüthenthee trinken, gegen den lästigen Husten schleimige Tifanm und Suppen genießen und sich durch die Abgeschlagenheit und scheinbar« Schwäche nicht verleiten lassen, nahrhafte, namentlich Attisch- und Bouillonspeisen zu verzehren. Die Hautausdünstung befördert man am Besten durch Bettwärrne, Thee- und Wasseririnken. Ist der Katarrh fieber os, so soll man bei gutem, warmen Wetter nicht versäumen, sich mit war- menber Kleidung in freier Lust zu bewegen; überhaupt ist auch für dm im Bette Liegenden eine nicht zu warme, frische Luft des Zimmers nicht zu vernachlässigen. Heiße Osenluft ist immer nachiheMg und Dcrmebrt die Beschwerde. Nimmt da« Fieber zu, steigert sich die (Songeftton nach der Brust, tritt ein Gefühl von Wundsein in der Brust und Aibembeklemmung ein, bann nimmt ber Katarrh einen entzündlichen Charakter an und darf nicht länger ohne ärztliche Be­handlung bleiben. , t .

Der Stockschnupfen, welcher zuweilen nach dem Nasenschnupfen zurückbleibt, roenn dieser in seiner Krise gestört wurde und in einer bleibenden Anschwellung ber Stirnhöhlen- und Nasenhöhlenschleim­haut mit unterdrückter Absonderung begründet ist, wird, werm keine anderen Complicationen, wie organisch« Veränderung der Schleim­haut, unterdrückte Fußschweiße ic. vorhanden sind, durch eint Prise Schnuptabak ober flfte, e8 Kampher ober erwärmten Thee gehoben. Währmbeines gewöhnlichen Katarrhs soll man nicht Fußbäder nehmen ober unvorsichtig haben. Nur im Anfang tarnt ein frühzeitiaeS Dampfbad ober römisches Bab den Katarrh sofort outbeben. Tissot that irgendwo den Ausspruch, daß mehr Menschen am Schnupfen, als an der Pest stürben, und ist damit der Umstand be­zeichnet, daß Diele Menschen durch Vernachlässigung ihres Katarrhs und durch die Leichtfertigkeit, wom.t sie sich der öfteren Wiederkehr und den Folgen verschleppter CikältunLen auLletzetu thtL Gesundheit untergraben. Frauen und Geschäftsmänner, dre den Tag über in einer heißen ober ieuchtkalten Stube sitzen, mäßta leben und nun p'ötzlich in taulje Lu't, in nicht gewohnte starke Muskel' hätigkeit ge-

Feuilleton.

Schiss, mrin Kindchen, schlaf!

Skizze aus dem Italienischen von Ida Baccini.

(Nachdruck verboten.)

Auf den Fußspitzen stehend, beugte sich das kleine Mädchen über daS Betlchen, in dem auf weichen Kiffen die kleine Luci ruht, eine schöne elegante Puppe, welche es von der Mutter all Weihnachtsgeschenk erhalten.

Schlaf', mein Kindchen, schlaf'!" Ich hab Dir die Kiffen auf gerüttelt, die Matratze gewendet, das Leintuch'glaw qe strichen. Die Kleider, die Du morgen anziehen wirst, liegen bereit. Nichts fehlt. Das Flanelljäckchen, das weiße, spitzen­besetzte Hemdchen und daß schöne lichtblaue Kleid mit dem Goldbesatz. Warum schläfst Du nicht? Warum sind Deine großen, schwermüthigen Augen weit geöffnet? Ah, ich ver­stehe! Du denkst an den Papa und möchtest, auch er solle hier sein bei Deinem Betlchen an der Seite ber Mama. Du Aermste! Du mußt Geduld haben, weißt Du? Papa hat viel Geschäfte und kann nicht kommen. Schlaf', mein lkindchen, schlaf'!"

Sag' doch, Mathilde?! Wann wirst Du denn endlich tinmal dieses unglückliche Kind eingeschläfert haben?" ließ sich eine sanfte, schwermüthige Stimme auS dem anstoßenden Zimmer vernebmen.

Einen Augenblick, Mama, und ich gehe gleichfalls zu Lette. Habe nur ein klein wenig Geduld, mit diesen schreck­lichen Kindern wird man niemals fertig," erwiderte die Kleine jnb flüsterte bann der Puppe ins Ohr:Schlaf', mein Herz! Papa wird ja zurückkommen, .... auf alle Fälle bin aber Kfs da, weißt Du? Und wenn die Mama da ist, so ist das HU ... . vjel, sehr viel .... Gute Nacht! Schlaf', mein Kindchen, schlaf'!"

Endlich ist sie cingeschlafen!" rief die kleine Mathilde, m dem sie die Kniee ihrer Mutter erkletterte, einer hübschen jogen Frau, mit schönem, aber traurigem Gesichte.

Und jetzt möchtest auch Du zu Bette gehen, nicht wahr?"

Gerne, obwohl . . .

Obwohl?"

Ich Dir lieber Gesellschaft geleistet hätte, bis Papa nach Hause kommt."

Papa kommt bald, in einer halben Stunde ist er hier."

Das ist nicht wahr!"

Oho, was bedeutet eine solche Sprache, wenn ich fragen darf?"

Ach, Mama, zanke nicht mit mir, bitte! Höre, Mama! Gar oft, nachdem ich lange, recht lange geschlafen, bin ich erwacht und habe Dich hier im Zimmer gesehen, immer allein und immer an derselben Stelle."

Und warum hast Du mir nichts gesagt?"

Ich habe mich schlafend gestellt, um Dich nicht zu be« trüben oder gar zu ärgern. Ich sah Dich aber und habe jede Deiner Bewegungen beobachtet."

Das ist häßlich, abscheulich von Dir, Mathilde."

Die Stimme der armen Frau bebte und klang unsicher.

Ich sah, wie Du weintest und immer sehnsüchtig nach der Uhr blicktest."

Ach!"

Einmal, Nachts, nahmst Du von der Kommode Papas Bild, das Du mit Küssen und Thränen bedecktest."

Mathilde, ich bitte Dich . . . ."

Nun gut, Mama, ich will nichts mehr sagen, entkleide mich, liebe Mama, und singe mir ein Schlummerlied. Wenn Du singst, träume ich dann immer von so hübschen Dingen."

Wirklich!" sagte die junge Frau, unter Thränen lächelnd, indem sie die Kleine zu entkleiden begann.Und was träumst Du denn Schönes?"

Allerhand! Ich träume zum Beispiele, daß auf Befehl des Königs alle Kaffeehäuser und Theater geschloffen wurden und es keine Billards mehr gibt."

Ach, Mathilde! Sprich Dein Abendgebet: Vater unser, der Du bist im Himmel . . . ."

Geheiliget werde Dein Name Dann träume ich, daß alle Papas immer bei den Mamas sind und mit ihren Kindern spielen."

Zu uns komme Dein Reich"

Und Dein Wille geschehe Und daß sie immer heiter und guter Laune sind"

Wie im Himmel also auch auf Erden. Schlaf' jetzt, mein theures Herz! WaS murmelst Du denn zwischen den Zähnen?"

Ein kurzes Gebet an den lieben JesuS. Was ich bete, darf aber für jetzt Niemand wissen, nicht einmal Du!"

Ich ehre Dein Geheftnniß, mein süßer Engel, und will nicht weiter forschen. Jetzt schlafe mein Kind!"

Und waS wirft Du thun?"

Ich werde meinem Mathildchen eine hübsche Schürze nähen."

Auch ich will Giulietta, ber Tochter unserer Haus­hälterin, eine solche nähen, sie m so arm daß

Mit dem Gedanken, ein Werk der Barmherzigkeit zu üben, entschlummerte bie Kleine.

Kaum eine Stunde mochte sie geschlafen haben, als im Vorzimmer das Geräusch von Schritten die junge Mutter aufschreckte.

Ist es möglich! Er? Zu dieser Stande? Kaum zehn Uhr! Vielleicht ist er unwohl, vielleicht . .

Sie schnellte von ihrem Sitze empor, während ihr Gatte und Mathildens Vater ins Zimmer trat. Sein Gesicht schien verstört, seine Stimme bebte und in seinem Wesen gab sich eine gewiffe Erregung kund.

Was ist Dir, Adolf?" fragte seine Gattin.Fühlst Du Dich unwohl?"

Beruhige Dich, meine Liebe! Enrico Levis, mein Amts, college, wurde von einem großen Unglücke betroffen."

Mein Gott, was ist geschehen?!"