Ausgabe 
15.8.1893 Erstes Blatt
 
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1883

Dienstag den 15. August

Erstes Blatt

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Ubr.

LEIPZIG 1879

Der Gießener Anzeiger «scheint täglich, LnSnaLme deS iQoniftqS.

T <r Gießener -omtktenvkaller »erden dem Anzeiger »bchentiich dreimal beigelegt.

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Etwa 700 Lehger der bayerischen Lehrer- Versammlung brachten dem Fürsten Bismarck in Kissingen am 11. August eine Ovation dar. Der Fürst hielt eine längere Rede über die Schule und deren Bedeutung in Gegenwart und Zukunft, über den französischen National- character und den Chauvinismus der Franzosen, über den Particularismus und über die Berechtigung der Dynastien als eine Stütze des bundesstaatlichen Reichsgedankens. Die Rede des Fürsten wurde mit großer Begeisterung auf-

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche zu Hungen und Langd.

Nachdem in einem Gehöfte zu Hungen und zu Langd die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, haben wir die Sperre der betr. Gehöfte und weiter verfügt, daß Rindvieh, Schafe, Ziegen und Schweine aus den genannten Gemarkun- gen bis auf Weiteres nur zur sofortigen Abschlachtung und nur auf Grund thierärztlicher Gesundheilsscheine ausgeführt werden dürfen.

Gießen, den 12. August 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

BtkrteljLhngkr AbonnkmkatsprelS» 2 Mark 20 Psg. mit Brmgkrlohn. Durch dir Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

«rdaction. Srpeditio» und Druckerei:

Achukftr.ß.Ar.^

Fernsprecher 51.

genommen.

Der Zollkrieg zwischen Rußland Deutschland hat in der letzten Woche eine weitere dehnung erfahren, denn die angekündigte Erhöhung der finn­ländischen Eingangszölle für deutsche Maaren ist nun auch erfolgt. Man wird wohl erwarten dürfen, daß die deutsche Regierung nicht zögern wird, die in der Verfügung-vom 29. Juli Finnland eingeräumte Ausnahmestellung zu be­seitigen und gegen die Einfuhr von dorther dieselbe Zoll- erhvhung anzuwenden wie gegen die Maaren aus dem übrigen

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Alle Annnncen-Burcaux de» Zn. und AuSlande» nchmm Anzeigen iür denGießener Anzeiger" entgegen.

Siebener Anzeiger

Kenerat-Mzeiger.

8. preußische Armeeeorps sind, wie dem BrüffelerPatrtote geschrieben wird, zum Abschluß gekommen. Der erworbene Grund und Boden befindet sich in dem Gebiete der Gemeinden Kalterherberg und Büttgenbach und umfaßt etwas über 600 Hretar. Die Einrichtung des Lager- soll im Lause deS Herbstes erfolgen. Die preußische Militärverwaltung ist mit dieser Maßnahme dem Borgehen der Franzosen gefolgt. Die französische Militärverwaltung hat bei Maubeuge an der nord- französisch belgischen Grenze längst ein Heerlager errichtet.

DerReichsanzeiger" meldet in seinem amtlichen Theil: Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädigst ge­ruht, dem StaatSseeretär des Reichs-SchatzamtS, Wirklichen Geheimen Rath Freiherrn von Maltzahn die nachgesuchte Dienstentlassung zum 1. September d. I. zu erthetlen und demselben zugleich den Kronenorden erster Klaffe zu verleihen und den Landeshauptmann der Provinz Posen, Dr. Grafen von PosadowSky- Wehner, zum StaatSseeretar des Reichs-SchatzamtS unter Beilegung deS Characters als Wirk­licher Geheimer Rath mit dem Prädikate Excellenz zu ernennen.

Ausland.

Lemberg, 12. August. Den polnischen Blättern wird aus Warschau gemeldet, daß der Generalgouverneur Gurko den Sanitätsbehörden den Auftrag ertheilt hatte, binnen 48 Stunden die erforderliche Anzahl von Civilärzten für den Landsturm im Bedarfsfälle anzuwerben. Die An- Meldungen seien in der angegebenen Zeit prompt erfolgt und vorgemerkt worden. _ _

Zürich, 12. August. Socialisten-Congreß. In der heutigen Vormittags-Sitzung wurde der Antrag der Com­mission angenommen, daß die Partei sich in der bisherigen Form an allen parlamentarischen Arbeiten und Wahlkampfen betheiligen solle zur Erlangung der politischen Macht. Die Entscheidung über Compromisse und über die Taktik tm Speziellen soll den einzelnen Ländern überlassen bleiben. Ferner wurde ein Zusatzantrag des Delegirten Ellbogen an­genommen, wonach auf die Einführung des allgemeinen Wah^ rechts in allen Ländern hingewirkt werden soll. Namentlich sollen die Sozialisten Oesterreichs von dem Proletariat der ganzen Welt moralisch unterstützt werden. Schließlich wurde beschlossen, die Agrarfrage in erster Stelle auf bte Tages- ordnung des nächsten Congreffes zu setzen.

Zürich, 12. August. Der Socialisten-Congreß beschloß mit 16 gegen 12 Stimmen bei der Abstimmung nach

stützung zu versagen?"

Wenn es sich nur darum handelt nein, antwortete sie mit einem schelmischen Lächeln, welches bewies, das sie seine Kriegslist durchschaute.

Fndeß sie blieb, und das war ja die Hauptsache.

Wehr war als gelernter Jäger ein gebildeter, weltge-

ifemtteton.

km luftig» Iügerstückleiu.

Erzählt von Hans Richter.

9tad)brud verboten.

Es war ein Unglückstag heute. Nichts klappte und der Herr Major, der sich sonst damit begnügte, jede Hebung einmal durchzumachen,"schliff" sein Bataillon nach allen Regeln der Kriegskunst, sodaß die hübschen grünen Jägerrocke ganz rrüdselig grau vor Staub erschienen. Endlich, als die brennende Moisonne fast schon im Zenith stand, kam das heiß im wahresten Sinne des Wortes heiß ersehnte Commando:

Bataillon haltSetzt die Gewehre zusammen!"

' »Der letzte ^Skkfluck der Feldflasche flog in die ausge­dorrten Kehlen da plötzlich ging eine Bewegung durch die aufgelösten Gli^r, und die kecken frischen Gesichter der lunqen Vaterlands - Bertheidiger wurden unheimlich lang der Major hatte aus der Satteltasche die wohlbekannte General­stabskarte gezogen.

Ich bitte: die Herren Offizire

Es gab zum Dessert, wie der Oberjager Wehr der ersten Compagnie sagte noch eine kleine Gefechtsübung.

Eine Viertelstunde später setzte sich das Bataillon gegen den angenommenen Feind in Marsch, die erste Compagnie an der Töte, und Wehr erhielt mit seiner Section den Be­fehl, ein rechtsseitwäris der Chaussee belegenes ziemlich großes Gehölz zu untersuchen und die Verbindung mit den natürlich ebenfalls nur angenommenen befreundeten Truppen aufrecht zu erhalten.

Selbstverständlich wurde kein feindlicher Pserdeschwanz ge­spürt, obwohl die wackeren Jäger mit einem einer erfolgreicheren Sache wüidigen Eifer durch die Büsche krochen . . - und ebenso selbstverständlich war es, daß als sie den Waldrand erreicht und ihre Aufgabe somit gelöst hatten, der Gefreite seinem Vorgesetzten den Vorschlag machte, die abgehatzten, schweiß-

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kellere in Giessen.}

Deutsches Reich.

Berlin, 12. August. Um Jnspizirungen vorzunehmen und den Hebungen der Manöverflotte beizuwohnen, weilt der Kaiser bis Montag Abend in Kiel und kehrt erst am Dienstag nach Berlin zurück, an welchem Tage die Parade des Garbecorps stattfinbet.

ES wird jetzt von allen Seiten bestätigt, daß die in der verfloffenen Woche in Frankfurt a. M. stattgefundene Conserenz der Fi n a n z m i n i st er sich dahin verständigt hat, daß die Reform und daS Gleichgewicht in den Reichs- silianzen durch Einführung einer Börsensteuer, Tabakfabrikat, fte er und Weinsteuer iHp der Hauptsache zu erreichen sei, daneben ist aber auch Bte Einführung einer Quittungssteuer und Jnseratensteuer in Betracht gezogen worden. An Einzel­heiten wird au8 der Finanzminister-Conferenz noch gemeldet, öc ß die bei der Tabakfabrikatsteuer einzuführende Stempelung an der Verpackung vorgenommen werden soll. Der geplante Zuschlag zur Reichsstempelsteuer bestehe einerseits in einer weiteren Ausbildung der Börsensteuer, andererseits der Ein- ilihrung der Quittungssteuer- die letztere sei als progressiv wirkende Steuer nicht gedacht. Die Abstempelung der Quittungen dürste durch Aufkleben von Stempelmarken seitens dc.- Publikums erfolgen. Die Meinsteuer solle lediglich die Qualitätsweine in Betracht ziehen, darunter die Schaum­weine. Dem Reichstage werde eine Denkschrift vorgelegt werden. Die Commission für die weitere Berathung der Steuerprojecte dürfte im September in Berlin zusammen- treten.

Rußland.

Berlin, 12. August. DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Der Entwurf der Ausnahmebestimm­ungen vom Verbot der Sonntagsarbeit in Gruppe 3 der Gewerbestatistik soll demnächst einer mündlichen Berathung mit Arbeitgebern und Arbeitern unterzogen werden. Die Aus­wahl der Vertreter der Arbeitgeber in Preußen soll hervor- ragenden industriellen Vereinen überlassen bleiben. Was die Arbeiter anbelangt, so sind in Preußen zunächst die Gewerbe- Aufsichtsbeamten beauftragt, durch Intelligenz und Sachkunde sich auszeichnende Arbeiter zur Besprechung der Ausnahme­vorschriften einzuladen und deren Gutachten entgegenzunehmen. Ein Theil dieser Arbeiter soll sodann zu den im nächsten Monat in Berlin stattfindenden Verhandlungen zugezogen werden.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht den Bundesraths­beschluß vom 20. Juli, betreffend die Bedingungen, unter welchen die einzelnen Brennereien die contlngentirte Jahres­menge Branntwein im Betriebsjahre 1893/94 zum nied­rigeren Abgabesatz Herstellen dürfen.

DiePost" theilt mit, daß man in amtlichen Streifen mit den Ergebnissen der Frankfurter Minister- confer enz außerordentlich zufrieden sei.

Berlin, 12. August. Die Unterhandlungen der preußi­schen Militärverwaltung über die Gebietankäufe an der belgischen Grenze zur Anlegung eines ausgedehnten Manöverfeldes und eines Barackenlagers für das

wandter Mann und wußte bald eine anziehende Unterhaltung in Gang zu bringen. Er erfuhr, daß Minna die Nichte und Mündel des Waldhaus-Wirthes sei und hier zu bleiben ge­denke, was sein bereits in Flammen stehendes Herz mit freudigen Hoffnungen erfüllte. Unter Plaudern und Scherzen verging die Zeit pfeilgeschwind, und die in der kühlen Gas^ stube beim kühlen Bier sitzenden Jäger dachten natürlich auch nicht daran, ihren Vorgesetzten zum Aufbruch zu mahnen.

Auch die Aufmerksamkeit für die Umgebung schlief nach und nach ein, und erst als dicht vor dem Hause Hufschläge erschallten, fuhr Wehr mit einem SchreckenSruse empor . . . der Major und sein Adjutant hielten vor der Thür, ebenfalls vom Durst getrieben und im Begriff abzusteigen.

Beim Hubertus wenn sie in das Haus kommen, bin ich geliefert!" fluchte Wehr, seinen T'chacko auistülpend.

Arrest?" fragte Minna mit schelmischem Lächeln.

Er nickte seufzend.

Ich helfe Ihnen!" flüsterte sie und eilte hinaus, um die Offiziere zu empfangen. Dicht vor denselben that sie je» doch o Wkiberlist! scheinbar einen Fehltritt und stürzte zu Boden, was die beiden galanten Herren, welche sich soeben aus dem Sattel geschwungen hatten, veranlaßte, ihr beim Aufstehen dehülflich zu sein und sich angelegentlich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Inzwischen hatte der Oberjager natürlich die Gelegenheit wahrgenommen, unbemerkt ins Haus zu schlüpfen, seine Leute zu alarmircn und mit ihnen durch die Hinterthür den schützenden Wald zu erreichen.

Ungefährdet langten sie bei der Kompagnie an. Der Hauptmann, welcher Wehr als tüchtigen, zuverlässigen Unter­offizier schätzte, nahm die vorgeschriebene Meldung entgegen, ohne nach dem Grund des langen Ausbleibens zu forschen wahrscheinlich dachte er sich etwas der Wahrheit nahe kommendes und wollte es vermeiden, strafen zu müssen.

Da die Hebung endlich ihren Abschluß gefunden, trat das Bataillon den Rückmarsch an. .

Natürlich stellte sich Wehr Abends :m Waldhause ein, um seiner klugen, liebenswürdigen Retterin zu danken, und

bedeckten Glieder Turd) einen Schluck Bier roietyr in seid- | dienstfähigen Zustand zu versetzen.

Obwohl Wehr bereits im achten Jahre biente war er doch noch zu jung, um nicht an einem kecken Stücklein Ver­gnügen zu finden. Er nickte bejahend und ohne Aufenthalt stürmte die kleine Schaar dem kaum zwei Minuten entfernten Wirthshause zu, einem vereinzelt am Waldrande gelegenen Restaurant, welches als ein beliebter Ausflugsort Allen be­kannt war. Während die Jäger im Innern verschwanden, postirte sich Wehr in der großen Gartenlaube, um Ausguck zu halten. Er hatte befohlen, ihm ein Glas Bier heraus- zuschicken, vernahm auch alsbald tippelnde Schritte hinter sich. Sich umwendend, entfuhr feinem Munde ein Ah der Be­wunderung. Ein reizendes Mädchen, das er hier noch nie gesehen, brachte das schäumende Glas.

Eine mittelgroße, schlanke und doch volle Gestalt, lange Zöpfe von goldigem Blond, Augen tief und blau wie der lachende Sommerhimmel, purpurne Lippen so deutlich stand die aufrichtige Bewunderung auf dem hübschen, frischen Gesicht des jungen Mannes geschrieben, daß sich die reizenden Mädchenzüge plötzlich in Helle Gluth tauchten.

Sie setzte das Glas nieder und wollte eben wieder schlüpfen, als Wehr Muth faßte und bittend sagte:

Mein Fräulein, ich bin unglücklich, wenn Sie nicht einen Augenblick Gesellschaft leisten . . .

Aber Herr Oberjäger!"

Ja, feben Sie, Fräulein!" log er tapfer,ich

aufzupassen, daß man uns nicht überrascht, da das Emkehren bei Strafe verboten ist. Nun bin ich aber etwas kurzsichtig, was bei Ihren schönen Augen sicherlich nicht der Fall ist. Wollen Sie in der That so grausam sein, mir Ihre Unter-