1893
Samstag Den 15. Juli
Juli
Amts- und Anzeigsblatt für den Kreis Gießen
6162
Gratisbeilage: Hießener Iamikienökätter
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VevBnrs<hter.
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Der Gießener Anzeiger erfcheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
Die Gießener P««rrieuvt»ller werden dem Anzeiger tvi.cheniDch dreimal bf.qatgL
wahren.
Infolge der Anlage der Fuß g an g erv er b in d un g von den Bahnhöfen nach der Frankfurter Straße (vor dem Hotel Lenz) ist nach Schenkungsvertrag die bisher der Matn- Weserbahn gehörige Endstrecke der Bahnhofstraße bis zum Oberhesstschen Personenbahnhof in das Etgenthum und die Unterhaltung der Stadt übergegangen. Daraus ist der Stadt die Nothwendigkeit erwachsen, an Stelle des bisher zwischen der Ebel'schen Wafferbude und der Oberhesstschen Bahn bestehenden Grabens einen Rohrcanal zur Ableitung des Wassers anzulegen. Die Anlage wird genehmigt und die für die 78 Meter lange Canalstrecke entstehenden Kosten im Voranschläge von 600 Mk. bewilligt. Die Anfrage des Herrnvr. Schäfer, bis wann die Fußgängerverbmdung fertig gestellt sein könne, beantwortet Herr Oberbürgermeister Gnauth dahin, daß dies noch 6 bis 8 Wochen dauern werde.
Das Gesuch des Herrn Möbelfabrikanten Th. Bruck um Erlaubniß zur Anbringung eines Firmenschildes am Hause der Frau Wittwe Noll in der Sonnenstraße wtrd beanstandet. Baudeputation wie Stadtverordneten-Versamm-
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Nr. 164. Zweites Blatt
Marmor ausgestatteten Baderaum mit jederzeit heißem und kaltem Wasser, Brause und Wassercloset, ebenso im Waschtisch des Schlafzimmers Tag und Nacht heißes und kaltes Wasser — Annehmlichkeiten, die Jeder zu schätzen weiß, der in europäischen Gasthöfen viele Schererei mit dem Dienstpersonal hat, um einmal heißes Wasser auf sein Zimmer oder ein Bad hergerichtet zu bekommen. Hier ist der Gast von der Bedienung ganz unabhängig.
• Guten Appetit! Mehrere Herren kamen auf einer Tour in ein Dorf deS oberen Thüringer Waldes. Hungrig und durstig kehrten sie in das erste beste Wirthshaus ein. Auf ihre Frage, was es zu essen gäbe, wurde ihnen Salat, Schinken, Wurst rc. genannt. Die Herren bestellten Eier mit Salat, und die Wirthin eilte hinaus, um das Verlangte fertig zu stellen. Die Zeit wurde den hungrigen Herren indeß ein wenig zu lang, und der eine begab sich zwecks Nachfrage in die Küche. Auf seine hier angebrachte Erkundigung erhielt er jedoch keine Antwort. Er sah nur, daß die Frau Wirthin herumhantirte und ab und zu einen zischenden Laut hören ließ. Erstaunt fragte der Gast: „Aber Frau Wirthin, waS machen Sie da?" und erhielt endlich die Antwort: „Ja, wir machen den Salat mit Butter, da schmeckt er viel bester. Die gute Frau hatte zu diesem Zweck ein Stück Butter in dem Munde zergehen lassen, und während sie den Salat mengte, gab sie ab und zu mit einer Geschicklichkeit, die die Virtuosin errathen ließ, eine — „Mund-Butter-Brause" auf den Salat. So thatsächlich geschehen zu Ende des 19. Jahr-
Hunderts. .
* London, 10. Juli. Die Zeit der Bootfahrten hat begonnen und auch schon ihre Opfer an Menschenleben gefordert. Nicht weniger als 29 Personen verloren am Samstag auf einer Vergnügungsfahrt auf der See ihr Leben. Das Unglück ereignete sich in der Nähe des beliebten Seebades Skegness, an der Küste von Lincolnshire, wohin sich am Samstag früh eine Anzahl Arbeiter der Nord London- Eisenbahn aufgemacht hatte, um. wie es alljährlich unter ihnen die Gewohnheit gewesen war, hier zusammen in der Freunde Kreise einen angenehmen Tag zu verbringen. Während btc Mehrzahl die Stadt durchwanderte oder auf dem MeereS- strande weilte, bestiegen etwa 32 ein großes Segelboot und fuhren in die See hinaus, die zur Zeit glatt wie ein Spiegel lag. Alles ging gut, bis man die Rückkehr antrat. Gerade als der Steuermann das Fahrzeug umdrehte, erfaßte ein plötzlicher Windstoß, der Vorgänger eines heftigen Gewitters, das Segel und das Boot kippte um, ehe noch die Der- gnüaungsparthie sich ihrer Gefahr bewußt war. Alle, bis auf drei, fielen in die See und ertranken. Das Gewitter hatte unterdessen die Bewohner des Ortes unter Dach gescheucht, sodaß das Unglück nicht sofort vom Strande aus bemerkt wurde. So verging geraume Zeit, ehe man die Rettungsboote bemannte. Glücklicher Weise befand sich em Fischer in der Nähe der Unglücksstelle, der die drei Ueber- lebenden aus dem Wasser zog. Von den übrigen Personen war aber keine Spur mehr zu sehen und bis jetzt har man noch nicht einmal ihre Leichname vorgefunden.
♦ Kapuziner als Telephoubeamte. Nunmehr sind dte Rigi-Hotels mit Luzern telephoni sch verbunden. Der Hauptdraht geht bis Klösterli- den Umschalterdienst be- sorgen die Kapuziner im Klösterli. „Gewiß eine Verrichtung, von der sich der Stifter dieses Ordens nichts hat träumen lasten," meint die „Schweizerische Allgemeine Zeitung".
lung erachten eine Nothwendigkeit zur Anbringung eines 1,25 Meter vorkragenden Firmenschildes nicht vorliegend, um danach eine Ausnahme von den in § 5 der Local'Polizei- verordnung enthaltenen Bestimmungen eintreten zu lasten.
Das Gesuch des Herrn Karl Schleenbecher umErlaubniß zur Errichtung eines Arbeitshäuschens am Krof- dorfer Weg wird auf Widerruf genehmigt.
Herr Georg Wagner beabsichtigt am östlichen Ende der verlängerten Weserstraße ein Wohnhaus zu errichten. Da nach den bestehenden Bestimmungen in noch nicht eröffneten Straßen Wohnhäuser nicht an den Straßenenden, sondern | nur im Anschluß an bereits bestehende Häuser errichtet werden dürfen, auch in dem bezeichneten Theile der Weserstraße I zur Zeit noch Mißstände bezüglich der Entwästerung bestehen, wird das Gesuch auf Grund des § 7 des Ortsbaustatuts und des § 16 des Orts - Baupolizei - Reglements bean-
Der bereits in einer früheren Sitzung behandelte Antrag der Baudeputation um Erhöhung der Anerkennun gs- a e b ü h r e n für Privatanlagen auf städttschem Grund und Boden war behufs nochmaliger Berathung an die juristische Commission verwiesen worden. Dieselbe hat sich mit den von der Baudeputation beantragten Sätzen einverstanden erklärt. Danach sind für Kellerlichtöffnungen in den städtischen Trottoirs, für I welche seit dem Jahre 1880 20 Pfg. jährliche Anerkennungsgebühr enttichtet wurden, folgende Sätze beantragt worden: für ein Kellerlicht von 15 Quadrat-Decimeter Fläche jährlich 50 Pfg., für ein Kellerlicht bis zu 25 Quadrat-Decimerer Fläche 1 Mk. und für ein solches über 25 Quadrat-Decimeter Fläche 3 Mk. — Als Anerkennungsgebühr für Entwässerungs- anlaaen auf städtischem Grund und Boden sollen jährlich 20 Pfg. entrichtet werden. Die Stadtverordneten-Versamm-
I lung erklärte sich mit diesen Sätzen einverstanden.
I Nach seit einigen Jahren geübtem Brauche soll auch in I diesem Jahre die Stadtverordneten-Versammlung Ferien l halten. Es wird beschlosten, dafür die Zeit zwischen dem I 15. August und 15. September festzusetzen.
Literatur und Aunft.
— Katechismus der Staturtehre oder Erklärung der wichtigsten physikalischen, meteorologischen und chemi chen Erscheinungen des täglichen Lebens Von vr. E. G. Brewer Vierte, umgearbeitete Auflage. Mit 53 in den Text gedruckten Abbildungen. In Origwal- Letnenband 3 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig.^ Brewers Katechismus der Naturlehre ist kein kurzgefaßtes systemattschesLch^ buch, sondern eine Sammlung von Fragen und Antworten über Geaenstände und Vorgänge aus dem Gebiete der Naturlehre, am welche dte Erfahrung des alltäglichen
klar und deutlich, und dabet richtig und in leicht verständlicher Sprache zu beantworten, das tst seine Aufgabe. Die vorliegende Neubearbetttmg ist von ihren Vorgängern sehr wesentlich
dte Anordnung eine neue und eine solche, daß die Fragen, die tyre Inhalte nach zusammengehören, auch wirklich zusammenstehen , auch der abgehandelte Stoff hat eine wesentliche Änderung und Vermehrung „fahren Die Brauchbarkeit des kleinen Buches ist dadurch wen größer"gewmden,m!v eS ist im Stande, den Zweck der Verbr^ung der einfachsten naturwissenschaftlichen Kenntnisse in erhöhtem Maße zu erfüllen. __—
* Amerikanische Hotels. Einen amerikanischenGast- hos der Neuzeit schildert ein Correspondent der „K. Vz.": Denken Sie sich zunächst eine riesige, Abends glänzend electrisch beleuchtete säulengetragene Eintrittshalle, deren Wände nut gelbem, bunt geädertem mexikanischem Onyx bekleidet sind. Deren Mitte und Hintergrund nimmt eine „Marmor-Theke" ein, die Office des Hotels. Zur Linken ein Telegrophenamt, dessen Beamter, eine Dame, eine Schreibmaschine zur Hand hat, um den Briefwechsel der Gäste nach Antrag erledigen zu können. Man setzt sich neben diese Jüngerin der Kurzschrift und dic-iert ihr Briese, die sie stenographisch aufmmmr. Der Gast besorgt inzwischen seine Geschäfte in der Stadt, und wenn er zurückkommt, findet er seine Briefe, sauber auf der Schreibmaschine übertragen, fertig zum Unterzeichnen vor. Uebrigens ist überall in der Union diese Vorhalle des Gast- Hofes ein Ort, der Jedem offen steht, wenn er auch nicht un Hotel wohnt. Eine Anzahl Sessel stehen umher, man schließt Geschäfte ab, liest Zeitungen, plaudert, ruht aus, faulenzt und schläft, jeder nach seinem Belieben. Im Palmer House in Chicago fand ichs am lebhaftesten- wie in einem Bienenschwarm saß, ging, wanderte, lief und stürzte da alles durcheinander, rauchte, schrieb oder schlief mit großer Gemüths- ruhe in diesem Wirrwar, ließ sich die Schuhe wichsen oder das Haupt und das Angesicht im anstoßenden Barbierladen verschönern. Dieses Bild echt amerikanischen Treibens war mir stets von großem Interesse. Wandern Sie m Chicago in der Michigan Avenue außen am Auditorium-Hotel vorbei, dann fallen Ihnen eine Reihe Schuhsohlen in die Augen, zwischen deren zwei im Hintergründe je eine Nasenspitze - - Da haben Sie die Lieblingsstellung der
Amerikaner in den Vorhallen des Hotels: tm Rohrsessel ausgestreckt, den Hut im Nacken, die Beine aufs Fensterbrett gelegt, nach rechts und links ausspuckend, und zwar mit unfehlbarer Sicherheit in die Mitte der großen, blanken Metall-Spucknäpfe. Zwei bis vier hydraulisch betriebene Elevatoren sausen unaufhörlich die 9 bis 20 Stockwerke herauf und herunter- die Treppen zu benutzen fällt keinem Amerikaner ein. Freilich hatten wir insofern Pech, als in Pfisters Hotel die Maschinen-Anlage zufällig ausgebeffert wurde, weßhalb die Lifts nicht gingen. Mit welch brummigen Gesichtern wir verwöhnten Europäer die acht Treppen zum Banket>aa1 mühsam zu Fuß erklommen, kann der geneigte Leser sich leicht ausmalen. In den erstklassigen Gasthöfen findet man neben jedem besseren Zimmer einen eleganten m weißem
IOTEL.
:ken der Dampfschiffe. lational-Denkmal - mit - Hei r liehe kuesiehl - eingerichtete Zimmer.
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Felsenkellera m Giessen.)
Gießener Anzeiger
Seneral-Anzeiger.
Sitzung tot Stadtverordneten
am 13. Juli 1893.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Bei- I -geordneter Georgi, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Emmelius, Flett, Habenicht, Helfrich, Hehligen- staedt, Heß, Hornberger, Jughardt, Keller, Löber, Orbtg, I Petri, vr. Ploch, vr. Schäfer, Simon, Scheel, Schiele, I vr. Thaer und Wallenfels.
Herr Karl Rühl in Wieseck beabsichtigt die im Hause j Neustadt 78 befindliche Wirthschaft zu übernehmen. Das I Gesuch um Ertheilung der Concession wird nicht beanstandet, I da es sich um Uebergang einer bestehenden Wirthschaft in I andere Hand handelt. . |
In den zufolge Ministerial-Ausschreibens vom 29. Ium I .d. I. (S. Nr. 155, 3. Bl. des „Anzeigers"), betr. Linderung der Futter- und Streunoth, speciell zur Uebernahme I von Anträgen aus den Kreisen der um Hülfe nachsuchenden I Landwirthe einzusetzenden Ortsausschuß wurden die Mitglieder I der landwirthfchaftlichen Commission (die Herren vr. Thaer I als Vorsitzender, Flett, Helfrich, Simon und Vogt) I gewählt.
Nachdem durch Gesetz die Abgabe von Waldstreu aus der Hand an die Stelle der Versteigerung getreten ist, I har Großh. Regierung verfügt, daß als Preis für Waldstreu I auö den Domanialwaldungen die Hälfte des seitherigen Tarifs I sestzusetzen sei. Danach berechnet sich der Haufen L 5 Cbmtr. I auf Mk. 1.12 nebst 1 Mk. Erntelohn. In Betreff der Ab- I gäbe von Streu aus dem Gießener Stadtwalde lagen der I landw. Commission zwei Fragen zur Antragstellung vor, I nämlich 1) ob freihändige unentgeltliche Abgabe erfolgen soll I (die Versteigerung kann stattfinden, wenn nur Gemeindeange- I hörige zugelassen werden und dieselben sich verpflichten, die I Streu nicht wieder zu verkaufen), 2) ob die Streu zu ge- I ringeren Preisen als zu den für die Domanialwaldungen 1 vorgeschriebenen abgegeben werden soll. Dte Commission hat I darauf hin beantragt, die Waldstreu freihändig abzugeben I und zwar an die Gießener Viehbesitzer unentgeltlich, an die I Viehbesitzer der Nachbargemeinden zu den für die Domanial- I Waldungen festgesetzten Preisen. Es wurde diesen Anträgen I gemäß beschlossen. Man hielt eS sowohl in der Commission wie im Plenum nicht sür rathsam, Adrigere Preise als die für die Domanialwaldungen vorgeschnebenen festzusetzen, damit ein Ablenken der Käufer von den letzteren auf den Gießener Stadtwald vermieden werde.
Zufolge eines an die hiesige Bürgermeisterei von Setten ( eines Hülfsausschusses ergangenen Aufrufs zur Unterstützung der in Schneidemühl durch Bodensenkungen geschädigten Personen hat die Vorschlags-Commission beantragt, 100 Mark aus städtischen Mitteln betzusteuern und zwar in Anbetracht der Gemeinsamkeit der Interessen der deutschen Städte zu einander, von der im Aufrufe angeregten localen Sammlung aber abzusehen. Die Versammlung erhob den Antrag der Vorschlags-Commission zum Beschluß. ,
Herrn Gustav Rühl ist infolge geplanter anderweitiger Verwendung des städtischen Lagerplatzes am Oswalds Garten das Pachtverhältniß bezüglich des Platzes zur Aufbewahrung von Marktzelten gekündigt worden. Herr Mhl hat deshalb um Ueberlassung eines Platzes in der Nähe der Burk scheu Mühle nachgesucht. Die Commission wie die Stadtverordneten- Versammlung haben sich gegen Ueberlaffung des vom Gesuch- steller bezeichneten Platzes ausgesprochen, es soll demselben indeß gestattet werden, die Marktzelte in einem hinter dem Schlachthause von ihm zu errichtenden Schuppen aufzube-
__ , Kais. Kgl. Hofl. Baden- Niederlagen
TUrr MüCCMpK Laden, Frankfurt a. M. durch Placaet altrenommirte Firma, feUNtlich.
empfiehlt vorzügl. Theemischungen L M. 2.80 tuM. 3.60 pr.Pf*\fOQQl packele 80 PC u. M. 1.- fco. (Doppelbrief) sehr beliebt u. verbreitet. [403 j
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