Ausgabe 
15.3.1893 Erstes Blatt
 
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Minister Thielen: Die betreffen dm Bestimmungen seien einer Revision unterzogen und von den ArbetlerauSschüffm gebilligt worden. Im Staatsbetriebe würden keine Socialdemokraten beschäftigt, den­selben würde gegebenenfalls gekündigt.

Abg. Bebel (Soc.): Von der Antwort des Ministers fd er unbefriedigt.

Minister Thielen: Der Staat al» Arbeitgeber dulde keine Elemente, welche auf den Umsturz der bestehenden Verhältnisse auSgeben.

Nach wdteren Bemerkungen Bebel» wird der Etfeobahnetat genehmigt, desgleichen die erste Rate von 250 000 Mark für den Bau einer vollspurtgen Bahn von Wtngen über Meisenthal nach Münzthal.

Dienstag: Etat de» Reichsschatzamts.

Neueste Nachrichten.

Wolff» telegraphische« Lorrefpondenz-Bureau.

Berlin, 13. März. DiePost" ist in der jLage, die Nachricht, daß die süddeutschen Regierungen einer Auflösung deS Reichstags abgeneigt seien, als irrig zu bezeichnen.

Depeschen de» Bureau .Herold".

Berlin, 13. März. DerReichsanzeiger" schreibt, die Oberpräsidenten der östlichen Provinzen werden Seitens der zuständigen Minister benachrichtigt, daß der gegenwärtige Stand der Choleragefahr kein Hinderniß sei, die Be­schäftigung russisch-polnischer Arbeiter in jenen Provinzen wiederum zu gestatten.

Berlin, 14. März. DerVoss. Ztg." zufolge hat sich die Hoffnung, die Handelsverträge zwischen Deutschland und Spanien und Deutschland und Rumänien noch vor Ostern zum Abschluß bringen zu können, als unerreichbar bewiesen - daher wurden provisorische Abmachungen mit Spanien und Rumänien getroffen, welche am 31. März ablaufen, indessen mit den betreffenden Regierungen bis zum 31. Juli verlängert werden. Der Reichstag dürfte sich über eine solche Vorlage daher noch vor Beginn der Osterferien schlüssig zu machen haben. Inzwischen verlautet, der Stand der Verhandlungen mit Spanien und Rumänien sei günstig.

Coeale* uttb provinzielles.

Gießen, 14. März 1893.

** Zum Andenken an Grobherzog Ludwig IV. Am gestrigen 13. März war ein Jahr verfloffen, seit der von seinem Volke geliebte und verehrte, von den deutschen Fürsten hochgeachtete GroßherzogLudwiglV. seinem Lande durch den unerbittlichen Tod entrissen wurde. Dem Empfinden seiner treuen Hessen über diesen Verlust wurde seit dieser Zeit in der mannigfaltigsten, aber immer gleich erhebenden Weise Ausdruck verliehen. Groß ist die Zahl der eigens dem Ausdrucke des Schmerzes gewidmeten Trauerversamm­lungen in allen Theilen des Landes gewesen- Behörden, Staats- und Gemeindeanstalten, wie Vereine u. s. w. wetteiferten förmlich in dem Bestreben, den geliebten Tobten zu ehren. Die Zeit seit dem Hinscheiden Großherzog Ludwigs IV. ist zll kurz, als daß nur zu einem Theile das vergessen werden könnte, was er während seiner Regierung zum Segen seines Landes gethan. Der feste Wille, seinen ihm so jäh ent­rissenen Landesfürsten nicht zu vergessen, äußert sich in allen Schichten deö Volles neben den anläßlich des Todestages zu Tage getretenen Kundgebungen durch die reichlich und gern gespendeten Gaben für ein Landes-Denkmal. Und so wird sich in nicht zu ferner Zeit in Stein und Erz verkörpern daö, was im Herzen jedes guten Hessen eine dauernde Heim­stätte gefunden: Daö Andenken an den hochsellgen Großherzog Ludwig IV.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag den 16. März 1893, Nachmittag« 4 Uhr: 1. Vertilgung der Blutlaus- hier Wahl der Sachverständigen.

Friede wie der Strlcg. Auch im Lager durfte er nicht fehlen. Zum sichtbaren Zeichen seiner Gegenwart standen die Bilder und Abzeichen, welche im Frieden an den heiligen Bäumen der geweihten Waldplätze Uber den Opfersesten der Gau- und Volksgemeinden schwebten, bei den einzelnen Abtheilungen des Heeres. Aber nur die Priester dursten diese Zeichen und Bilder unter besonderen heiligen Gebräuchen und Gebeten von den Bäumen nehmen, auch waren nur die Priester die Träger dieser heiligen Feldzeichen. Eine Verletzung der Kriegszucht war zugleich ein religiöses Verbrechen, weil da­durch zugleich der heilige Frieden gebrochen war.

Ehe aber das versammelte Volk aufbrach, um in den männermoidenden Kampf zu ziehen, wurden der Gottheit Opfer gebracht, um sie zu versöhnen und etwa noch bet ihr glimmenden alten Grimm gegen daS Volk zu erlöschen. Nur mit Menschenblut konnte der göttliche Zorn besänftigt werden. Günstige oder ungünstige Anzeichen bei solchen Opfern wurden wohl beachtet. Sie wurden abgelefen auS der Beobachtung der Eingeweide, aus dem rinnenden Blute der Opfer. Aber auch daS Wiehern der Tempelroffe wurde gedeutet, der Flug der Vögel, oder der aufsteigende Rauch, oder der AuSgang des Zweikampfes zwischen einem gefangenen Römer und einem auserlesenen Manne des eigenen Stammes, Jeder mit seinen volkSthümlichcn Waffen. Nie aber wurde dem Zeichen ent­gegen gehandelt, das von dem göttlichen Willen Kunde gab, nie wurde ein Unternehmen an einem UnglückStage begonnen. Unweigerlich wurde auf einen Plan verzichtet, dem die Götter ihren Segen versagten.

So war Alles geschehen, um mit Sicherheit auf den Sieg hoffen zu dürfen, und das versammelte Volk brach auf, um in einzelnen wohlgeordneten Hecrhausen in der Richtung auf den römischen Grcnzwatt vorzurückcn. Mit rauhem, wildem Gesang zogen die Germanen in den Kamps- ihre KricgSlieder priesen die Hcldenthaten deS Donnergottes und spornicn die Kampfbereiten zu mächtigem Wetteifer an. Kundschaitcr barten eine geeignete Stelle zum Angriffe erspäht, da sollte er auch ausgeführt werden. (Fortsetzung folgt.)

2. Unterhaltung der städtischen Wiesen- hier die Anschaffung von künstlichem Dünger. 3. Die Vertilgung der Mäuse. 4. Gesuch deS W. Gail um Erlaubniß zur Herstellung eines gepflasterten UebergangS am Lahnstein. 5. Eröffnung der Schottstraße - hier Chausfirung vor den Häusern von I. G. Unverzagt und Johann Becker. 6. Baugesuch deS Philipp Wagner in der Neustadt. 7. Gesuch deS Mänuerbadeveretv- um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen. 8. Bau­gesuch deß August Ackermann für die Frankfurterstraße. 9. Desgleichen des KaSpar Heinzerling am Schiffenbergerweg. 10. Ausbau der Gartenstraße.

L. G. 3« fünften Kontert des hiesigen KoncertoereinB wurden den Musikfreunden von der Kammermusik-Vereinigung der Herren Fleischhauer,Funk, AbbaF und L e i ch s e n - ring unter Mitwirkung deS Kammervirtuosen Herrn Müh l- feldt auS der allerintimsten und ernstesten Kunstgattung drei Werke geboten: als Novität daS Quintett (H-moll) von BrahmS, Op. 115, daS Quartett, Op. 18 Nr. 2 von Beethoven und das Quintett (B-dur), Op. 34, von Weber. Den tiefsten und nachhaltigsten Eindruck machte das Brahms sche Quintett. Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll bei diesem Werke: die Größe seiner Form, seines musikali­schen Ausbaues oder die Tiefe feines Inhalts. Unwillkürlich erinnert man sich auch wieder bet diesem, wie bei so manchen anderen Kammermufikwerken BrahmS'scher Muse an den letzten Beethoven"- hier wie dort: Reichhaltigkeit und Frische der Erfindung, wunderbarer Klangcolorit, geniale Polyphonie. Den ersten Allegro - ©a$, der am meisten BrahmS'sche Eigenart erkennen läßt, durchweht trotz setneS vorherrschenden ernsten moll-Characters ein lebendiger Zug. In einer Märchenwelt mit all ihren Wundern aber wähnt man sich, wenn man den ergreifenden, überwältigenden Weisen des Adagio lauscht. Die Clarinette, die in diesem Satze größtentheils Führerin ist, vereinigt sich mit den con sordino gespielten Streichinstrumenten zu einem Klang­zauber, der nicht beschrieben werden kann, zu einer Macht der Stimmung, vor der selbst die abgesagtesten Feinde Brahms'schenTongewinsels" sich in gebührender, demüthiger Bewunderung beugen müssen. An ein wirkungsvolles Presto non assai reiht sich daß Finale, ein Variationensatz, dessen Einzeltheile dieselbe Idee bei abwechslungsreicher, thematischer Gestaltung bald ergänzen, bald steigern, bald contrastiren und dos in einer Weise, wie sie eben außer bei Beethoven (und allenfalls noch bei Schumann) nur noch bei Brahms zu finden ist. Die Ausführung des Werkes be­friedigte, was Klangschönheit und Vollendung des Zusammen­spiels anbelangte, die höchsten Ansprüche, wie denn über­haupt leicht herauszusühlen war, daß die Herren sich geistig wie technisch in das Quintett eingelebt hatten. Lang an­haltender Beifall und Hervorruf lohnte die Künstler für i re sttl- und lebensvolle Wiedergabe. Weniger gut gelang ihnen dagegen die Ausführung des Beethoven'schen Werkes. Wenn wir auch der Gesammtleistung unsere Anerkennung nicht versagen und als besonders gelungen das prickelnde Scherzo und den Schlußsatz erwähnen wollen, so wurde doch im ersten und zweiten Satz der Genuß gestört durch Vor­tragsfreiheiten, die sich die Herren einem Beethoven'schen Werke gegenüber nicht gestatten sollten. Warum z. B. am Schluffe des 1. und 2. Theils im ersten Satze ritardiren, wenn es der Meister nicht vorschreibt? Warum im Adagio im 1. und 4. Takt das g und f deö vorhergehenden Auf­taktes nocb einmal als Vorschlag benutzen? Warum die Declamation des 13. Taktes (Adagio) in säst komischer Weise unterbrechen durch eine Werthverkürzung des f/ie e und eine Werthverlängerung der Pause? Es ist gerade eine Eigenart der Beethoven'schen Quartette, daß die geringste subjective Zuthat als einZuviel" empfunden wird. Die dritte Nummer des Programms, das Wcber'sche Quintett, stand zwar nach Tiefe des musikalischen Gehaltes den beiden anderen Werken nach, bot dafür aber Herrn Mühlseldt Ge­legenheit, die Hörer mit seinem virtuosen Können bekannt zu machen. AlS vorzüglicher Künstler, der sich mit der größten Feinfühligkeit den Intentionen des Componisten an- zupaffen versteht, zeigte er sich in dem BrahmS'schen Werke- in dem Weber'schen Quintett, das so recht eigentlich ein Concertstück für Clarinette ist, konnte man seine eminente Virtuosität bewundern. DaS schöne Zusammenspiel der fünf Herren erweckte auch bei diesem Stücke daS vollberechtigte Jntereffe des Publikums, daS denn auch nach dieser lobens- werthen Leistung außerordentlichen Beifall spendete.

** Eisenbahn-Statistisches. Nach der im Reichs Eisen­bahnamt ausgestellten Nachweisung der auf deutschen Eisen- bahnen ausschließlich Bayerns im Monat Januar d. I. beim Eisenbahnbetriebe (mit Ausschluß der Werkstätten) vor- gekommenen Unfälle waren im Ganzen zu verzeichnen: 35 Entgleisungen und 4 Zusammenstöße aus freier Bahn, 34 Entgleisungen und 36 Zusammenstöße in Stationen und 293 sonstige Unfälle (Ueberfahren von Fuhrwerken, Feuer im Zuge, Kesselexplosionen und andere Ereigniffc beim Eisenbahn­betriebe, sofern bei letzteren Personen getödtet oder verletzt worden sind). Bei diesen Unfällen sind im Ganzen, und zwar größtentheils durch eigenes Verschulden, 339 Personen verunglückt, sowie 111 Eisenbahnfahrzeuge erheblich und 270 unerheblich beschädigt. Von den beförderten Reisenden wurden 2 getödtet und 10 verletzt. Don Bahnbeamten und Arbeitern im Dienst wurden beim eigentlichen Eisenbahnbetriebe 36 ge­tödtet und 262 verletzt. Außerdem wurden bei Neben­beschäftigungen 38 Beamte verletzt. Don den sämmtlichen Unfällen beim Eisenbahnbetriebe entfallen: A. Staatsbahnen und unter Staatsverwaltung stehende Bahnen (bei zusammen 34 388,97 Km. Betriebslänge und 882 986 446 geförderten Achskilometern) 377 Fälle, davon sind verhältnißmäßig, d. h. unter Berücksichtigung der geförderten Achskilometer und der im Betriebe gewesenen Längen, bei der Main-Neckar Eisen­bahn und in den Verwaltungsbezirken der Königlichen Eisen- bahn-Directionen zu Erfurt und zu Köln (rechtsrheinisch) die meisten Unfälle vorgekommen. B. Privatbahnen (bei zu­

sammen 2529,44 Km. Betrieb-länge und 26 228,628 geför* berten Achskilometern) 25 Fälle, davon find verhältnißmäßig auf der Hessischen LudwigS-Eifenbahn, auf der Altdamm-Kol- berger und auf der Werra-Eisenbahn die meisten Unfälle vor­gekommen.

Mitteleirspäische Zeit. DerReichsanzeiger" macht darauf aufmerksam, daß mit dem 1. April in allen Bundes­staaten die gleichzeitige und gleichmäßige Annahme der neuen Zeitbestimmung erfolgen wird. Der Reichskanzler habe die Bundesregierungen angewiesen, dahin zu wirken, daß alle öffentlichen Uhren am 1. April Morgens die neue Zeit zeigen. Die von den einzelnen Directionen herauflgegebenen neuen Eisenbahn-Fahrpläne enthalten die neue Zeitrechnung und treten mit dem 1. April in Kraft. Der für den Bezirk der Großh. Oberhessischen Eisenbahnen gültige Fahrplan liegt der heutigen Nr. dS. Blattes bei. Die darauf angegebenen Fahrzeiten weichen, sofern nicht bei einzelnen Zügen besondere Änderungen getroffen wurden, gegenüber dem früheren Fahrplan um durchschnittlich 25 Mi­nuten ab, entsprechend der Zeit, um welche die mitteleuropäische Ze t der Ortszeit in unserer Gegend voran- ist.

In Amerika verstorbene Hessen. Baltimore: Ernst Friedrich, 62 Jahre alt, au« Darmstadt, John Schneider, auS Flonheim- Christian Diehlmann, 60 Jahr alt, au« Nidda. Cincinnati: Jakob Deprez, 75 Jahr alt, aus Ingelheim. Pittsburgh: Peter Lauster, 62 Jahre alt, aus Echzell- Adam Geib, 62 Jahre alt, au» Gensingen- Karl Weck, 48 Jahre alt, auS Hungen; August Berbert, 63 Jahre alt, au« Biebelsheim. Holyoke. Christoph Spamer, aus Schotten.

Aus Steinberg (bei Gießen), 12. März, wird demDarmst. I Tägl. Anz." geschrieben: Unser Ort leidet an Wasser ! mangel. Der durchfließende Bach trocknet oft au», und

die Anlage eines Brunnens ist unmöglich. Das Trrnkwaffer muß aus einem etwa 10 Minuten vom Dorfe entfernten

Brunnen geholt werden. Während der starken Kälte im

Januar d. I. war der Dach eingefroren und die Leute mußten daS so nöthige Wasser in Fässern aus Schlitten auS der Nidder holen. Auch im Sommer ist oft im Orte kein Tropfen Waffer zu finden. Wie schlimm bei einem etwaigen Brande! Um diesem drückenden Ucbelstande endlich abzu­helfen, beabsichtigt man eine Leitung anzulegen, welche einen Theil deö Nidderwasser« dem Dorfe zuführen soll. Da die Anlage bcdemeyde Kosten verursachen wird, hofft man, da die öommunalfteuern bei unS außerordentlich hoch sind und die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde schwach ist, auf thatkräftige Unterstützung deS Staates. Bei anderen Gemeinden unseres Landes geschah unter ähnlichen Verhält­nissen ein gleiches.

** ©tunberg, 13. März. Mit dem am 23. März stattfindenden Vieh- und Krämermarkt wird wieder cm Schaf- markt verbunden. Die Schafmärkte haben sich durch zahl­reiche GeschäftSabschlüffe sowohl für Verkäufer, al« auch für Käufer bewährt, weßhalb auch diesmal auf zahlreichen Besuch gerechnet wird.

§ Aus dem Kreise Alsfeld, 13. März. Der Ges und hei tS- zu st and der Bevölkerung im Streife Alsfeld war im Jahr 1892, wie der Bericht des KreiögesundheitSarnte« mittheilt, fast durchweg ungünstig. Die Masern verbreiteten sich im ganzen südöstlichen Theil deS Kreise«. Der Keuchhusten trat epidemisch in und um Alsfeld auf. Die Erkrankungen an Diphtherie nahmen im Herbste einen außerordentlichen Umfang an. Ebenso war da« Vorkommen von Unterleib« Typhu« ein häufiges. Sehr verhängnißvoll wurde für den Kreis die Wiederkehr der Influenza-Epidemie. Am frühesten und sehr schwer wurde ArnShain heimgesucht, wohin die Krankheit bereits im Januar auS Frankfurt eingeschleppt worden war. Im März erreichte die Epidemie im Kreise ihren Höhepunkt - am stärksten waren betroffen Kirtorf und Umgegend, hier hatte die Seuche eine Verbreitung gewonnen, rote nur irgend wo im Januar 1890; daS Gleiche war in den bei Homberg gelegenen Orten Haarhausen und Schadenbach der Fall. Der Verlauf der diesmaligen Influenza-Epidemie steht in auffälligem Gegensatz zu demjenigen dec 1890er Epidemie: damals wurde innerhalb kurzer Zeit der ganze Kreis Über- fluthet, durch die gleichzeitige Erkrankung eine« großen TheilS der Bevölkerung entstanden empfindliche Störungen, diesmal dauerte die Epidemie beinahe ebenso viel Monate wie damals Wochen, und auch in den einzelnen betroffenen Orten war bte Ausbreitung eine viel langsamere. Ent­sprechend diesem ungünstigen Gesundheitszustand war die Sterblichkeit im Kreise ungemein hoch: 872 Todesfälle sind noch in keinem Jahre verzeichnet worden, seitdem von dem Kreisgesundhettsamte Nachweisungen geführt werden (feit 1876). Im Vergleich zum Vorjahre sind 186 Menschen mehr gestorben, und gegen die durchschnittliche Sterblichkeit der letzten zehn Jahre weist bad Jahr 1892 130 Todesfälle mehr auf. Die seither ungünstigsten Jahre waren 1881 mit 843 und 1888 mit 805 Sterbefällen. Bon je 1000 Em wohnern deS Streife« starben 23 bis 24 (SterblichkettSziffer 23,79%). im Vorjahre 18 bi« 19; die Sterblichkeitsziffer au« dem 10jährigen Durchschnitt 188291 berechnet sich auf 20,2%. Don den einzelnen Orten hatten besonder- hohe Sterblichkeit zu behagen: Arn-Hain, Kirtorf, Romrod, Burg-Gemünden, Ober Ohmen und Storndorf. Unter den Krankheitsgruppen ist die Zahl der an Diphtherie und Croup Gestorbenen erschreckend hoch, die höchste bisher crretdbte Ziffer (68 In 1887) ist diesmal noch um 11 übertroffen worden. Die 79 Todesfälle vertheilen sich auf 25 Orte. In dem am schwersten heimgesuchten Burg Gemünden (mit 550 Einwohnern) sind innerhalb de« letzten Quartal» 12 Kinder von der heimtückischen Krankheit fynweggerafft worden.

Darmstadt, 13. März. Für die von der Großh. Burger- meifterei zur Verpachtung ausgeschriebene Restauration im neuen Schlacht- und Viehhof haben zehn bte'ige Brauereien Angebote eingereicht. Da» gcrmgfte Angebot