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Mittwoch de« 15 März
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IXtnis* und Anzeigeblutt für den Äreis Gieren.
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»«nähme Bon Anzeigen zu der Nachmitiag» für den folgenden Zag erscheinenden Nummer bi« Lorin. 10 Uhr.
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Kteßoer Anzeiger nchchrint täglich, Mit Ausnahme be« Montag«.
Die Gießener
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Kreisen großes Aussehen erregt und vielfach herrscht die Anschauung, die Demission des Justizministers werde nicht vereinzelt bleiben, sondern wahrscheinlich den Rücktritt des ganzen Cabinets R'bot nach sich ziehen. Bourgeois selbst spielt vor- läufig den tief Gekränkten, er verlangt, als Zeuge im Panama- Prozeß vernommen zu werden, und will er ferner auch in der Kammer Erklärungen zu seiner Rechtfertignng abgeben. Am Sonntag hielt das Ministerium Ribot infolge der durch den Rücktritt Bourgeois geschaffenen Lage zwei Sitzungen ab, doch ist über die gefaßten Beschlüsse noch nichts Bestimmtes bekannt. Die interimistische Leitung des Justizministeriums hat der Minister des Auswärtigen, Develle, übernommen.
und Gewandtheit, sie hatten die großen Vortheile erkannt, die sie durch Unterwerfung unter den Willen selbstgewählter Führer erwarben, sie hatten eine bestimmte Schlachtordnung, in der sie auf den Feind anstürmten, verstanden aber auch ein Lager zu befestigen und namentlich Nachts sich zu verschanzen. Auf ihren Kriegsmärschen waren sie wohlbewaffnet, aber auch der nöthige Vorrarh an Nahrung wurde zweckmäßig vertheilt mitgeführt.
Sollte das Volk zu einem Kriegszug zusammen gerufen werden, so loderten vom mächtigen Ringwall der Glauburg bei Stockheim riesige Feuerzeichen auf, die sich auf den Höhen zur Seite der beiden Thäler der niederen Wasser, der Nidda und Nidder, weiter und weiter trugen bis zum Bockzal und den letzten umliegenden Ansiedelungen. Hier versammelte sich das' Volk und hörte hier Zeit und Ort, wann und wo sich die waffenfähigen Männer sammeln sollten- da wurde auch der Tag des Auszuges ausgemacht. Die Kriegsvorbereitungen wurden aufs Sorgfältigste ausgeführt- zu etwa noch fehlenden Kriegern wurden Boten mit dem Heerpfeil gesendet- Alle mußten diesem folgen, Freie und Knechte. So wanderte rasch durch flinke Boten getragen der Heerpfeil von einem Hof zum anderen. Es war ein Holzpfeil, der die Gestalt eines ehernen hatte, aber angebrannt und schwarz war. Jeder kannte seine Bedeutung und folgte seinem Ruf. Kein Pfeil, aber ein ähnlicher Stab rief zu den Volksversammlungen.
Der größte Versammlungsplatz zunächst dem römischen Grenzwall wck die Glauburg. Auf den kleineren ringsum liegenden Versammlungsplätzen war die Losung ausgegeben worden, dorthin zu ziehen und von da aus nach sorgfältiger Vorbereitung den Kriegszug gegen die fremden Eindringlinge zu unternehmen.
Nie aber zogen die deutschen Völker in den Kampf ohne ihren mächtigen und hochverehrten Kriegsgott Zio oder Tius. Er waltete über den Streit der Speere und Schwerter, wie über den Streit ums Recht, unter seinen Gesetzen stand der
in der Militärfrage verharrt und nicht zu erkennen gibt, in welchen Punkten sie eigentlich zu einem Entgegenkommen gegenüber dem Reichstage bereit ist, so lange werden auch alle auf eine Verständigung zielenden Wünsche in den Wind gesprochen sein. v r
— In den höheren Commando stellen der preußischen Armee stehen mehrfache Veränderungen bevor. Als die bemerkenswertheste derselben bezeichnet man den Rücktritt des Generals v. d. Goltz Pascha aus türkischen Diensten in die preußische Armee, woselbst, wie versichert wird, der genannte hochbesähigte Offizier zunächst die durch das Ausscheiden des Generallieutenants Schreiber vacant werdende Stelle als Chef der Landesaufnahme im Generalstabe erhalten soll, um später in eine der Oberquartiermeisterstellen aufzurücken. Ferner werden die Gouverneure von Ulm und von Köln, die Generäle Graf Alten und v. Schkopp, sowie der commandirende General des 7. (westfälischen) Armeecorps, v. Albedyll, aus ihren Stellungen scheiden. Als Nachfolger des letzteren nennt ein Gerücht bereits den Prinzen Friedrich von Hohenzollern.
Berlin, 13. März. Der ehemalige Cabinetsrath des Kaisers Wilhelm I., G e h e i m r a t h v. W i l m o w s k i, ist gestern gestorben. Er war auch Mitglied des Herrenhauses.
Bringerlohn.
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Ausland.
— Der seit dem 8. März vor dem Pariser Schwur- gerichtshof spielende Panama-Bestechung» Prozeß har jetzt die schon vor Beginn des Prozesses erwartete hochpolitische Wen- düng genommen. Justizminister Bourgeois hat seine Entlassung eingereicht, weil er durch die Aussagen der Frau Cottu, der Gattin des im ersten Panamaprozeß verurtheilten Mitgliedes des Verwaltungsrathe« der Panama Gesellschaft, bedenklich bloßgestellt erscheint. Der Kernpunkt der Enthüllungen von Madame Cottu besteht darin, daß ihr der inzwischen seines Postens enthobene Director der allgemeinen Sicherheit, Soinoury, die Freilassung ihres Gatten versprochen haben soll, wenn sie irgendeinem conservativen Deputirten compromittirende Schriftstücke ausliefere- Soinoury soll hierbei im Auftrage seines Chefs, des Justizministers Bourgeois, gehandelt haben. Sofort nach den Aussagen der Frau Cottu am Samstag ließ der Präsident des Gerichtshofs Soinoury zur Stelle schaffen. Soinoury bestritt zuerst, der Frau Cottu das 'hm zur Last gelegte Anerbieten gemacht zu haben, als sie aber bei ihren Aussagen verblieb, gab er halb und halb zu, gegen Frau Cottu sich in der gedachten Weise geäußert zu haben. Der Zwischenfall hat in den Pariser politischen
Art waren an den ehernen Mauern der römischen Legionssoldaten zerschellt, viele tapfere germanische Krieger fanden dabei den Heldentod, Manchen aber gelang es auch, mit römischer Beute beladen wieder in die Heimath zurückzukehren. Wie begierig wurde ihren Erzählungen gelauscht, wie begierig immer weiter und weiter getragen. Glücklich wurde der geschätzt, der ein römisches Waffenstück oder einen Schmuckgegenstand aus Metall oder gar ein kostbares Gefäß aus rothem glattem Thon mit den wunderbarsten, nie gesehenen Verzierungen heimbrachte. Die Begierde, ebenfalls solche Kostbarkeiten zu erbeuten, verbreitete sich immer weiter und aus immer ferneren Gegenden sammelten sich muthrge germanische Männer, um den Römern von ihren Schätzen einige abzunehmen. Aber Viele kehrten nicht wieder heim, sie wurden im Kampfe erschlagen, oder sie fielen in Gefangenschaft und wurden den fremden Göttern geopfert, oder sie mußten in schimpflicher Gefangenschaft sich Arbeiten unterziehen, die für tapfere Krieger unwürdig waren.
Brachten aber die aus solchen Grenzkämpfen Zurückkehrenden unter der Beute einen gefangenen Römer mit, so wurde derselbe wie ein fremdes wildes Thier angestaunt und von weither kamen, wenn sich diese Kunde verbreitete, Männer und Weiber, um den zum Zeichen seiner Sklaverei Kurzgeschorenen anzustaunen und zu verhöhnen und sich dann der Qualen zu erfreuen, wenn er den einheimischen Göttern geopfert wurde.
Die germanischen Einfälle in römisches Gebiet wurden anfangs nur von kleinen Streithaufen ausgeführt. Doch überzeugten sich diese bald, daß bei der starken Befestigung des Grenzwalles mit seinen starken Thürmen und dem sorgsam eingerichteten Wachtdienst der römischen Truppen derartige kleinere Unternehmungen wenig Erfolg haben konnten. Es mußten größere Streithausen anstürmen, wenn sie den Römern mit einiger Hoffnung auf Sieg entgegentreten wollten.
Gerade die chattischen Stämme, die ja auch in unserer Gegend heimisch waren, unterschieden sich von anderen germanischen Völkerschaften sehr vortheilhaft durch ihre Klugheit
Gießener Anzeiger"
Keneral-Unzeiger.
Feuilleton.
Geschichtsbilder sus dem Vogelsberg.
Von Dr. C. L. Otto.
(2. Fortsetzung.) n.
Germanen und Römer.
Die vorher geschilderten Verhältnisse und Zustände des Landes und Volkes mögen viele, viele Jahrhunderte ohne wesentliche Aenderungen angedauert haben. Nichts störte den Frieden der Bevölkerung, wenn er nicht von dem Nachbar gestört wurde, aber die Wellenbewegungen eines solchen Ereignisses konnten sich nur in die nächste Umgebung verbreiten.
Anders war cs in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung. .
Da verbreitete sich langsam von Mund zu Mund m den Ansiedelungen im Thale des niederen Wassers aufwärts die Kunde, daß in dem Lande, wo oie Sonne untergeht, ein mächtiges, aus zahllosen Kriegern bestehendes Heer einge« brachen sei, die einheimische Bevölkerung unterjocht habe und sie in schimpflicher Sklaverei halte. Dann hörte man auch, daß die Fremden Römer genannt würden, daß sie feste Plätze in dem eroberten Gebiete anlegten und daß die unterjochten germanischen Stammgenossen von strengen Aufsehern zum Bau eines mächtigen befestigten Walles benutzt würden, der sich ohne Ende an der Grenze ihres Gebietes hinziehe.
Aufregung und wilder Zorn verbreitete sich in immer weitere Kreise der dünn gesäeten Bevölkerung, Dörfer gab es ja damals bei uns noch nicht, viel weniger Städte. Lange dauerte es, bis eine Nachricht thalaufwärts in die Wälder zu den einzelnen Familien gedrungen war. Dann aber hörte man davon erzählen, daß Näherwohnende sich gesammelt und versucht hätten, über den mächtigen und stark befestigten Wall in römisches Gebiet einzudringen. Viele Unternehmungen der
Deutscher Reichstag.
65. Sitzung. Montag, 13. Mär, 1893.
Eingegangen ist der Entwurf eines Handels- und Schtffsahrts- vertrages mit Columbien. . o - ., ,k.x
8ur Postdampfernovelle liegt etn Antraa des Abg. Barth (dfr.) vor, die Regierung möge mit dem Norddeutschen Lloyd unterhandeln behufs Wegfalles der Zwetglinte von Australien nach Samoa unter Reduktion der Subvention mit Berücksichtigung der in Betracht kommenden finanziellen Gesichtspunkte.
Abg. Barth (dfr.) begründet seinen Antrag
SlaatSsecretär v. Stephan bekämpft denselben und weift darauf hin, daß der Lloyd ein solches Abkommen nicht accrpttre.
Abg. Hahn (cons.) stimmt für die Annahme des 8 2 und gegen die 9t^°l“ti^n01rt6 (bfr ) Hz" ein friedliches Abkommen mit dem Lloyd trotz der Mitthetlungen des StaatsfecretärS für möglich.
StaatSsecretär Stephan hält solches für aussichtslos.
Abg. Sperltch (Ctr.) bezeichnet eine regelmäßige Dampfer- verbtndung mit Neu-Guinea für dringend nothwendtg.
8 2. wird angenommen. Die Resolution Barth abgelehnl.
Es folgt hierauf die zweite Lesung des Etats der Retchs- e^e^Abg^Schrader (dfr.) weist darauf hin, daß neuerdings dem Privatcapital wieder mehr Spielraum beim Eisenbahnbau gelosten werde, womit die Frage des Pfandrechts und der Zwangsvollstreckung gegen die Eisenbahnen wieder in Fluß komme und empfiehlt eine retchsgesetzliche Regelung. , , . . _
Präsident des Reichseisenbahnamts Schulz erkennt das Be- dürfniß einer solchen Regelung an.
Abg. Hammacher (natltb.) empfiehlt die Schaffung eines Specialgesetzes und unterstützt die Anregung Schraders.
Der Etat wird genehmigt.
Beim Etat für die Verwaltung der ReichSeifenbahnen theilt Minister Thielen mit, die Betriebsergebntsse des laufenden JahreS gestalteten sich günstig und ergeben ca. 3 Millionen Plus.
Abg. Lingens (Ctr.) wünscht eine wettere Ausdehnung brr Ruhetage für die Estenbahnbeamten.
Abg. Bebel (Soc.) rügt, d»ß in den Arbeitsordnungen der König!. Werkstätten Bestimmungen ausgenommen worden sind, welche das außerdienstliche Verhalten der Arbeiter regeln; auch dteientgen der Reichseisenbahnwerkstätten enthalten solche Bestimmungen.
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Militärdienst-vergüte Provision gesucht. * an die Erp, b. BI, erb, Kliniken, ti Wärter ans so-
Bekanntmachung,
betreffend die Maul- und Klauenseuche zu Klein-Linden.
Nachdem in einem Gehöft zu Klein-Linden die Maul- und Klauenseuche feftgrstellt worden ist, haben wir die Sperre des betreffenden Gehöftes und weiter verfügt, daß Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine aus der genannten Gemarkung bis auf Weiteres nur zur sofortigen Abschlachtung und nur auf Grund thierärztlicher Gesundheitsscheine ausgeführt werden dürfen.
Gießen, den 13. März 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Deutsches Reich.
Berlin, 13.März, lieber die diesjährigen Sommer- reifepläne des Kaisers sind eine ganze Reihe von Meldungen im Umlauf, die aber zum guten Theile einstweilen als bloße Combinationen betrachtet werden müssen. Nur diejenigen Meldungen, welche wissen wollen, der Kaiser werde auch in diesem Jahre wiederum England besuchen und einen abermaligen längeren Aufenthalt in Norwegen nehmen, dürften zutreffend sein. Was dagegen die Nachrichten über Reisen des Kaisers nach Schloß Fredensborg, nach Bukarest u. s. w. anbelangt, so handelt es sich hierbei um vorerst ganz haltlose Gerüchte.
— Das völlig negative Ergebniß der ersten Lesung der Militärvorlage in der Commission wird in der TageSpresse lebhaft erörtert. Ueber die weiteren Folgen der ablehnenden Commissionsbeschlüsse gehen die Anschauungen erheblich auseinander. Die Einen halten eine schließliche Verständigung im Plenum für wahrscheinlich, die Andern sehen die Auflösung des Reichstages und die Vornahme von Neuwahlen als nunmehr unvermeidlich an, die Dritten sprechen gar von einem unvermeidlich gewordenen Rücktritte des Reichskanzlers u. s. w. Jedenfalls ist die ganze durch die Militärfrage entstandene Lage infolge der vorläufigen Ablehnung der Militärvorlage in der Commission noch kritischer und unklarer geworden, als sie dies schon bis jetzt war. Im Lande ist allerdings eine mächtige Strömung zu Gunsten einer Verständigung zwischen Regierung und Reichstag vorhanden, wie die fortgesetzten Kundgebungen von Volksversammlungen in dieser Richtung entschieden beweisen. So lange aber vor Allem die Reichsregierung auf ihrer jetzigen Verhaltungslinie
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