Schiffe nur unter Erfüllung einer Reihe von Bedingungen zur Landung zugelaffen werden sollen.
totales und provinzielles.
Gießen, 14. Januar 1893.
— Der Getreidemarkt. Die im deutschen Getreidehandel mit dem Beginn des neuen Jahres bemerklich gewordene leise Besserung scheint wenigstens in Bezug auf das Roggengeschäft anhalten zu wollen. Denn auch in der laufenden Berichtswoche war der Verkehr in Roggen im Allgemeinen ein ziemlich lebhafter bei etwas anziehenden Preisen, da vielfach der Begehr nach effectiver Waare nicht • durch genügendes Angebot gedeckt wurde. Weizen war im Vergleich zu Roggen stiller, behauptete aber durchschnittlich die Preise aus der Vorwoche. Hafer erzielte an den meisten Plätzen eine nicht unerhebliche Preisbesserung, doch waren die Umsätze hierin überwiegend gering. Es notirtcn an der Berliner Getreidebörse: Weizen von 143—156 Mk. pro 1OOO Kilogramm, Roggen von 129—136 Mk., Hafer von 134-154 Mk., Gerste von 115-165 Mk.
— Der hessische Hauptverein der Gustav »Adolf Stiftung begeht in diesem Jahre sein fünfzigjähriges Jubiläum, und zwar gleichzeitig mit der in Friedberg slattfindenden Jahresversammlung.
— Küßt die Kinder nicht auf den Mund. Diese Mahnung sei in unserer Zeit, wo Halskrankheiten sich überall bemerkbar machen, der Allgemeinheit von Neuem ans Herz gelegt. Es ist wahr, daß oft nichts mehr zum Kliffen reizt, als ein rosiges Kindermäulchen, aber man bedenke, daß man durch Küssen auf den Mund zum Mörder bezw. Mörderin an dem frischen, jungen Leben werden kann, und daß die lachenden Kinderaugen, die so freundlich und vertrauensvoll Euch anschauen, in Folge Eures Kuffes schon in kurzer Zeit für immer geschlossen sein können. Der ärgste Würgengel der Kinder, die Diphtherit is, wird nur zu oft auf die Kleinen übertragen. Aerztlicherseits ist es erwiesen, daß bei den Erwachsenen die Diphtheritis meist in geringem Grade auftritt, daß die Betreffenden selbst es gar nicht wissen, sondern die Heiserkeit, den entzündeten Hals, die angeschwollenen Mandeln für eine einfache Erkältung halten. Ein Kuß aber eines mit derartiger Heiserkeit befallenen Menschen kann den Kleinen das Leben kosten.
— Die Zahl der Taubstummen stellt sich im Derhältniß zur Einwohnerzahl in den einzelnen Staaten folgendermaßen: Auf 100000 lebende Einwohner kommen Taubstumme in Holland 33,3, in Belgien 43,9, in Spanien 45,9, in Italien 53,7, in Dänemark 62,0, in Frankreich 62,6, in Griechenland 64,6, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 67,5, in Portugal 74,7, in Norwegen 86,3, in Deutschland ohne Preußen 93,1, in Finland 101,8, in Preußen 101,9, in Schweden 102,3, in Ungarn 126,3, in Oesterreich 130,7 und in der Schweiz 245,2. Die Zahl der Taubstummen scheint demnach im allgemeinen mit der Meereshöhe zu wachsen.
Dormifc^tes.
* ein schreckliches Drama auf dem Meere. Eine furchtbare That ist vor einigen Tagen ans Licht gekommen. Es handelt sich um das infame Benehmen der Offiziere des argentinifcheu Panzerschiffes „Rosales", zur Zeit, als das Schiff auf der Fahrt nach Spanien, wo es sich anläßlich der Columbus feste an der Flottendemonstration in Huelva betheiligen sollte, Schiffbruch litt. Em furchtbares Unwetter war hereingebrochen. Der SchiffScapitän Funes rief die Offiziere und den Steuermann zu sich und befahl ihnen, die ganze, 50 Mann starke Schiffsmannschaft betrunken zu machen, damit sie nicht im Stande sei, die Schaluppen zu besteigen, mittels welcher sich das Offiziercorps in Sicherheit bringen wollte, mit anderen Worten: die ganze Bemannung sollte dem sicheren Tode preisgegeben werden. Der Befehl wurde pünkilich ausgeführt - aber als die unglücklichen Matrosen trotz ihrer Trunkenheit merkten, daß man sie auf dem dem Untergänge geweihten Wrack, das schon nach kurzer Zeit von den Wellen verschlungen werden mußte, zurücklassen wollte, richteten sie herzzerreißende Bitten, Klagen und Proteste an den Commandanten FuneS. Vergebens; der Kapitän und alle Offiziere traten den berauschten und entwaffneten Matrosen mit dem Revolver in der Hand entgegen und zwangen sie, auf Deck zu bleiben; zwei Matrosen, die sich widersetzten, wurden niedergeschossen, alle Anderen wurden zu einem grausamen Todeskampfe verdammt. Nachdem sie in eine Zwischendeckskajüte eingepfercht worden waren, wurde über ihnen die SchiffSlukc verschlossen und zugenagelt. Die RettungSkähne mit ben „heldenmiithigcn" Offizieren entfernten sich und die „Rosales" mit ihrer Menschenfracht wurde von dem Orkan sortgeriffen und zerschellte an einer Klippe. Ein Italiener, Namens Battaglio, der auf der „Rosales" Heizerdienste verrichtete, konnte sich retten, weil er nicht betrunken war und sich überdies des Schutzes eines der Offiziere erfreute. Er war eS, der jetzt über die schreckliche Sccne berichtet. Alle Offiziere der „Rosales" werden gegenwärtig auf einem argentinischen Kriegsschiff gefangen gehalten. Mit Ungeduld erwartet daS Land, daß Licht über die traurige Getchichte verbreitet werde und daß die Offiziere das TodeSurtheil treffe, wenn eS wahr ist, daß sie sich des unerhörten Verbrechens schuldig gemacht haben. Die „RosaleS" ist trotz der von der argentinischen und uruguayischen Negierung angestellten Nachforschungen nicht wieder gefunden worden, und feiner von den 50 Matrosen, die ihre Bemannung bildeten, blieb am Leben.
* Wien, 10. Januar. Ein 17jährigeS, hübsches Mädchen, die Magd Franziska Towarck, wurde in einem Weingarten auf dem Nußbcrg zu Wien unter der Schneedecke erfroren aufgefunden. DaS Mädchen schien zu schlafen, es lag auf dem Rücken, ben Kops in die linke Hand gestützt. DaS Gesicht war blaß, aber unverändert, an den Augenwimpern der Tobten hingen zu EiS erstarrte Thräuen .... An der Leiche des
Mädchens wurden keine Spuren einer erlittenen Gewaltthatigkeit bemerkt, nichtSdestowentger wurde Obduction verfügt. Es ist allerdings noch ganz unaufgeklärt, wie daS Mädchen, das als anständig und brav geschildert wird und mit Niemand außer dem Hause verkehrte, in den Weingarten kam, in dem eS seinen Tod durch Erfrieren fand.
♦ Wegen Bettelei, Arbeitsscheu, Uebertretung der fittenpolizeilichen Verordnungen u. dergl. sind vom Amtsgericht I. in Berlin tm Jahre 1892 rund 20 000 Personen be» straft worden. Diese Zahl ist bisher doch noch nicht erreicht worden.
♦ Auch ein Vermiichtniß. Am Sonntag ist in Ala der adelige Gutsbesitzer Giambettista Pezzina, 92 Jahre alt, gestorben. Wie das „Wiener Fremdenblatt" berichtet, hat er seine Loge im Theater von Ala den dortigen Kapuzinern vermacht, damit sie jeden Tag ins Theater gehen sollen, um sich davon zu überzeugen, ob kein srivolcs Stück aufgeführt wird.
* Hohes Aller. Die .„Newyorker Staatszeitung" vom 28. Decemder schreibt: Im statistischen Bureau deS Gesundheitsamtes traf gestern Nachmittag ein Todtenschein ein, auf welchem das Alter der in demselben verzeichneten Tobten auf 124 Jahre und 6 Monate angegeben war. Die Verstorbene war, wie der Berichterstatter dieses Blattes ermittelte, eine russische Israelitin Namens Lirl Lesczynski. Sie starb, umgeben von ihrer 73 Jahre alten Tochter, 4 Enkelinnen und 7 Urenkeln, Montag Morgen um 6 Uhr, nachdem sie noch bis vor fünf Wochen ganz munter im Hause und auf der Straße herumgelaufen war.
* „Fürst Bismarck"»Orieutreife. Wie die Direction der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschafr uns mitthcilt, sind die Anmeldungen von Theilnehmern zur großen Orientreife des Schnelldampfers „Fürst Bismarck" so zahlreich eingelaufen, daß schon jetzt die vorgesehene Mindestzahl von Paffagieren vorgemerkt und das Zustandekommen der interessanten Fahrt damit gesichert ist.
* Ein heiterer Beschwerdegrund beschäftigte kürzlich das Münchener General Auditoriat. Der Gemeine Blum vom 2. Ulanen-Reg. war wegen „selbstverschuldeter militärischer Trunkenheit" und anderer Vergehen zu 4 Monaten Ge- fängniß verurtheilt worden. Gegen dieses Unheil legte er die Nichtigkeitsbeschwerde ein, weil seine Trunkenheit keine militärische und keine selbstverschuldete gewesen sei, da er sich nicht selbst das Bier bezahlte und es sich auch nicht von Militärperionen bezahlen ließ, sondern — von Civilisten. Die Erfindung einer „civilistischen" Trunkenheit trug Blum neben Verwerfung feiner Beschwerde zwei Tage Haft ein.
* Wortspiel Pfarrer A.: „Ihre kleine Kirche soll für die große Gemeinde nicht recht hinreichen, wie ich hörte." — Pfarrer B.: „£) ja; freilich, wenn die Leute in die Kirche gingen, gingen sie nicht hinein, aber so gehen sie nicht in die Kirche, und da gehen sie hinein."
* Sonderbarer Krautbeschwerer. In einem Dorfe bei Moosburg in Bayern benutzte eine Frau feit langen Jahren ein ihr unbekanntes gewichtiges Ding zum Kraut- beschweren. Eine Nachbarin sah es zufällig einmal und äußerte Bedenken über ben eigenthümlichen Gegenstand, worauf die Frau denselben in den Hof hinauswarf. Dort hoben ihn Andere auf, und endlich erkannte man erst die Gefährlichkeit des Fundes, es war nämlich eine alte Granate. Dieser Tage kam nun nach erfolgter Anzeige der Gendarmerie ein Feuerwerker aus München, welcher das Geschoß auf freiem Felde zur Entladung brachte.
$anöwirtl)fd)aftlid)e Winke und Kathschlüge.
A Klus Oderhessen im Januar.
GtnigeS über Wtnterbeschästigungen deS LanvwtrtheS.
Wir Haven im letzten Äuimtze darauf hingewiesen, daß der Landwtrth sein Vieh nicht durch den Winter hungern, sondern die Anzahl der Stücke lieber vermindern soll. Heute wollen wir die Aufmerksamkeit der freundlichen Leier noch auf einen anderen Punkt hinlenken, nämlich auf die Gesundheit der Thtere überhaupt.
Es ist bekannt, baß alle Thtere im Herbste ihr Winterkleid zurecht machen und anlegen. Die Herrichtung des Winterkleides geht nicht so leicht vor sich, als Viele meinen. Die Thiere sind während dieser Zeit viel empfindlicher als zu anderen Zeilen. Das Geflügel, besonders die Hühner, sind in der Mauserzeil halb krank; sie ziehen sich trübselig in die Ecken zurück und stellen das Eierlegen ein. Auch Pferde, Kühe und Rinder empfinden den Wechsel sehr lebhaft; der Landwlrth, wenn er sein Vied liebt, wird darum in dieser Zeit doppelt aufmerksam sein. Die scharfen, kalten Herbstwinde thun dem Zugvieh weh: man mutz darum stets für ordentliche Decken sorgen, wenn die Thiere beim Säen oder Kartoffelausmachen längere Zeit ruhig stehen sollen. Geschieht dies nicht, so sind Erkältungskrankheiten die Folge. Die schönsten Stücke sind ia'urd) schon oft zu Grunde gegangen, oder es wurde der Grund zu langem Siechthum gelegt. Der Landwtrth muh seine Thiere wie freunde behandeln, denn sie sind eS ihm auch, weil sie ihm nicht blos die schwersten Arbeiten schaff, n, sondern ihm Nahrung und Kleidung liefern.
Sine sorgfältige, kräftige Ernährung während der Herbftzeit ist für alle Hauethiere die erste Forderung. Ist diese voroanden, dann darf angenommen werden, daß diese Thiere auch gut durch den Winter kommen. Das Futter darf aber nicht blöder Masse nach, sonders muh besonders dem Gehalte nach entsprechend sein. Auf diese Eigenschaften muß gerade während der Uebergavgszeit sehr sorgfältig geachtet werden. Falsche Ernährung, und Erkältungen während der Herbstarbeiten haben schon manchem Stucke das Leben gekostet, also seinem Besitzer empfindlichen Verlust zugefügt.
Da wir vorhin von dem Geftügel, besonders den Hühnern, gesprochen haben, mögen einige Bemerkungen über diese folgen. Im Herbste, wenn die Brüte- und Legezeit vorüber ist, soll man die alten Hähne abschaffen. Es ist unglaublich, wie viele alte, steife Gickel, die gar nichts mehr taugen, auf bunderten von Bauernhöfen herumstolpern und ganz zwecklos das Futter vertilgen. Aebnliche Fehler werden bei den Hennen gemacht. Die Leute lassen alljährlich mehrere Glucken brüten; aber anstatt für tüchtigen, jungen Nachwuchs zu sorgen, behalten sie die alten Hinkel und Gick.l und verkaufen die Jungen. Ein altes fünf- bis sechsjähriges Huhn legt e'wa noch bald soviel Eier, als ein zwei- bis dreijähriges, friht aber gerade soviel als ein jüngeres. Darum fort mit den alten Hinkeln und Gickeln und junges Volk nachgezogen. Unter Letzterem muß man sich die stärksten und wohl- ged,ldetften aussuch.n, damit deren Nachzucht ebenfalls wieder groß und stark wird. ES ist hier genau dieselbe Sache, wie wir sie im vorigen Aufsatze von Bereitstellung der F-ühjahrssaaten schilderten. Für bte Saaten soll man die schönsten, stärksten Körner aussuchen, damit schöne starke Pflanzen wachsen und gesunde, große, kräftige Früchte tragen. Bei den Thieren <oll man — wir wiederholen da» immer und immer ro eber — die schönsten, gesünbrsten unb kräftigsten
Stücke zur Zucht wählen, damit nicht Krüppel unb Lahme, sondern starke, woUgeblldete Junge zur 23.11 kommen. Eigentlich sollte so etwas auch bei den Menschen als Regel dienen; bte Sache läßt sich aber nicht machen, weil e4 in die persönliche Frei he st eingreifen würde. Daß es aber von der allergrößten Wichtigkeit ist, bet Eingehung einer $?rbinbuna auf gute Gesundbeit, schöne Rörpaformen unb sonstige gute phosische unb geistige Eigenschaften zu sehen, weiß Jedermann. Vielleicht lächelt einer ober der andere von bm freundlichen Lesern über diese kleine Sb'chweifnng, mnerlich benfr eS aber Jeder: eS wäre richtig, was hier angebeutet wurde.)
„Wir kehren zu den Beschäftigungen deS LandwirtheS zurück und emp’fhlen d-r Heranwachsenden Ju end, sich mit dcr Handstavnng von einigen Werkzeugen wie: Metsel, Veil, Lchnitzmeffer, Bohrer, Höbet and Läge vertraut zu machen. Dies ist bctonberS bei Landwirthen, welche in kleinen, rodtabliegenben Dörfern wohnen, wo nur weniae Handwerker ihren Sitz haben, sehr von BoNheil. Nach einiger Hebung ist es schon möglich, eine Wagenrunge, eine Steigleiter, einen Hacken- oder Gabelstiel selbst anzufertigen. Diese selbstgearbeiteten Geräthschaften machen einem mehr Freude, als die gekauften. Während des Winters findet sich manche Stunde, welche in nütz'icher Wei'e an der Schnitzdank verbracht werden kann. Die erlangte Geschicklichkeit hat aber auch noch einen anderen Nutzen. Man denke sich, der Bauer fährt über Land und es pafftet ihm etwas an der Deichsel, der Runge oder der Leiter; ein Wagn-r ober Schmied ist nicht in der Nähe, überhaupt Niemand, der ihm helfen kann, er ist also auf sich allein angewiesen. Führt bet Mann ein Beil mit sich, was der Bauer meistens hinter der Deichsel an den Armen des Vorder- wagens anzubängen vermag, dann weiß er sich schon zu helfen, falls er Hebung im Gebrauche von Werkzeugen, die wir eben bezeichneten, erlangt hat. Versteht er eS nicht, dann ist er freilich Übel daran. Wer aber mit einem Beile zu hantiren vermag, der weiß sich rasch zu helfen und kommt nicht «eicht in Verlegenheit. Zum Lernen wird man nie zu alt. Peter der Gioße hrnte noch in feinen späteren Jahren allerlei Handwerke, sogar daS Schiffzimln-rmannshandwerk, zu welchem Behufe et sich monatelang unerkannt in Zaancam in Holland aufhielt.
Die Reparatur von Schiff und Geschirr ist ebenfalls eine Wlntetbeschüftigung für bte Lanbwirthr. Das Leder werk an den Pferdegeschirren, sowie an ben Jochen be« Hornviehes wird, ba eS im Sommer daraul regnet, von ber heißen Sonne belchtenen, auch oft beschmutzt wirb, sehr hart, spröbe unb bahir brüchig. Sämmtliche Geschirre müssen auseinander genommen unb tüchtig eingefettet werben, damit das Ledet wieder biegsam wird. Wo sich schadhafte Stillen zeigen, muß Reparatur eintreten. Wer diese versäumt, schadet sich selber Oft kann man eine vernachlässigte kleine Reparatur, bte vi.lleicht einen Groschen gekostet haben würde, mit einem THaler nicht mehr gut machen.
Das Herrichten von Seilstrotz tum Bindert der Garden in ber Ernte, sowie baS Knüpfen der Strohseile selbst ist ebenfalls eine bekannte Winterbeschäftigung beS kleinen LandwirtheS. Wie eS gt macht wird, ist bekannt und bedarf daher keiner Beschreibung. In neuester Zeit verliert sich die Beschäftigung, weil die Dreschmaschinen s. g. Selbstbinder führen. Zu diesen muß man besondere Bindkordel haben. Auch werden Seile aus anderen Stoffen billig geliefert und sie können mehreremale benutzt, das theuere Kornstroh dagegen verkauft werden. Jeder Bauet muß selbst berechnen können, wie er am vortheilhaftesten fährt. — In früheren Jahren halten die Landleute keine Brennereien, in welchen sie ihre selbsterzeugten Kartoffeln seht günstig verwertben konnten, was gewöhnlich in den Wintermonaten geschah. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Wit können darum unsere Betrachtungen über obige« Thema abschließen.
Literatur und KnnfL
— Da- Weidwerk in Deutschland veredelt sich durch da« hohe Interesse, welche» der oberste Jagdherr, der Kaiser, ihm entgegenbringt, immer mehr, das so oft verlachte Sonntagsjägerthum macht sich nur noch in den Witzblättern breit. Hnb daß da» Ver- stäudniß für die Jagd, für Heae und Pflege des Wilde« in immer weitere Volksschichten bringt, Dafür zeugt ba« Emporblühen bet weibmännischen Fachjournale, von benen eine« sich zu einem nabte» Prachtwerk herauSgebilbet hat. Wir meinen die in Döthen (Anhalt) erscheinende Zeitschrift für Jagd, Fischerei tc. „St. Hubertus", deren neueste 26 Seiten starke Stummer nicht weniger als 21 Illustrationen, viele davon sogar in vielfarbigem Buntdruck aufweift, eine Ausstattung, wie sie unsere feinsten Salonblätter kaum zeigen. Der Text ist ungemein reichhaltig, streng fachwrstenschastiich und doch feuilletonistisch im Stil, denn die ersten Kapazitäten der weid rnännischen litterarifcben Welt arbeiten an dem Werke mit. Außerdem ist für die Unterhaltung btr Familie des Weidmanns in bestem Maße durch Novellen, Rathschläge, Preisräthsel, bei welchen hohe Preise gewonnen werden, gesorgt. Die vorliegende Nummer enthält wiederum ein solches Räthselausschreiben, mit einer Centralfeuer doppelflinte, einem photographischen Amateur-Apparat, einem Feld» stecher, einem Jagdalbum rc. rc., als Preisen. Unb bei allem Gebotenen beträgt ber Preis für bas wöchentlich erscheinende wirklich großartige Blatt nur 1 Mk. 25 Psg. pro Vierteljahr. Niemand sollte versäumen, sich vom Verlag eine Probenummer, die kostenlos versandt wird, zu erbitten.
— Chicago. Ein Reiseführer nach und durch Chicago ist soeben erschienen und wird als ein wrUkommener Raihgeder von allen begrüßt werden, welche beabsichtigen, die Eolumbische Weitaus- ausstellung zu besuchen. Der Führer enthält jede Information sowohl für denjenigen, welcher sich über die Reise die bellen Verbindungswege, die Kosten rc. rc. odorieren will, wie auch für den Reisenden selbst. Das hübsch illuftrierte, practifche Büchlein. in A.Bruckmann S Verlag in München erschienen, kostet nur Mk. 1.— und ist durch jede Buchhandlung zu beziehen.
- einen langgehegten Wunsch aller Inserenten erfüllt diesmal die Annoncen-Expecition Ruto f Moste, intern sie in ihrem prompt zum Jahreswechsel erschienenen Insertions-Kalender pro 1893 unter bet Bezeichnung „Rudolf Moste« Normal-Zeilenmesser' eine werthvolle Neuerung in das Jnseratenwefen einführt. 'Jiebei dem Namen jeder Zeitung im Catalog ist außer den Angaben über ZeilenpreiS urb Zerlenbreite für Annoncen unb R-clamen, über Lr- lcheinungSort rc. unter btr neuen Rubrik „Zeilenmesser" eine Ziffer zu finben, welche bezeichnet, nach welchem Maße ber Annoncen Raum in btm betreffenden Blatte zu berechnen ist. Die 27 verschiedenen Maßstäbe, welche durch sorgsame Messung normirt sind, liegen dem Eatalog, auf einem Eartonbogen vereint, al« Separat-Beilage bei. Heber die praktische Nutzanwendung dieses Meßsystem« beißt e« im Eatalog, der Norrnal-Zeilenmesser soll dazu dienen: 1. den Inserenten i.i den Stand zu setzen, vor Aufgabe einer Anzeige schnell unb sicher die erforderliche Zeilenzahl und hierdurch ben Preis eine« In» serats zu ermitteln; 2. dem Inserenten ein Mittel in die Hand zu geben, nach der Insertion die Annoncen - Rechnungen auf die Zeilenzahl hin selbst genau prüfen zu können. ES soll also durch die Einführung de? Norrual-ZeilenmesfirS jede Hnficherheii in der Zeilenberechnung vermieden werden. Diese Neuerung wird daher zweifellos vom Publikum freudig begrüßt werden. Der Eatalog hat auch sonst in Bezug auf Inhalt und Ausstattung manche Verbesserung erfahren. Insbesondere sind unter den übrigen« sehr lesentzwerthen „Praktischen Winken für Inserenten" in eener Anzahl von charakteristischen Illustrationen unb Einfassungen dem Publikum Anregungen und Ideen für die wirkungsvolle Auestattung von Annoncen gegeben. Ein besonders geschmackvoller brauner Einband, der in leberartiaer Reliejpressung ausgeführt ist, schmücke daS Buch, besten typographische Ausführung gleichzeitig ein schöne« Zeugniß für die Leistung-fähigkeii der Buchdruckerei Rudolf Moste ab^tebt.


