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1893
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Meßmer Anzeiger
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HraLislieikage: chießener KamilienStätter.
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Unnohm, een Anzeigen zu der Nachw'Uatz» für ben Mgenben tag erlcheinenben Nummer dis Form. 10 Ubx.
a) b)
Willigkeit, den Freiwilligen während einer ein« jährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen;
ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Ober.Realschulen, Progymnasien, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und sonstigen militärberechtigten Anstalten) durch
gestellt.
In Frankreich hat der Ministerpräsident Ribot seine Collegen Freycinet und Loubet, welche mehr oder weniger in den Panamascandal verwickelt sind, aber nicht abtreten wollten, mit einem geschickten Schachzug aus dem Ministerium hinau^manövrirt und ein neues Cabinet gebildet.
In Amerika ist vom Senat ein Quarantänegesehen twurf angenommen worden, nach welchem ankommende
den Director der Anstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei«Obrigkeit ooer ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;
d) das Schulzeugniß-
Sodann wird noch besonders bemerkt:
Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß- .m ,
Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, iämmtlich nach Schema 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 — Reg.-Bl. Nr. 5 von 1889 —
ausgestellt sein müssen. . QQ
Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der 88,
politische Wochenschau.
Gießen, 14. Januar 1893.
Die Sitzungen des Deutschen Reichstages haben am 10. December wiederum begonnen. Das Berathungsmaterial,
Amtlichen Theil.
Bekanntmachung, die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen betreffend. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die Nachfolgen, den, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.
1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufent- Haltsort hat.
2) Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr
vollendet wird.
Der Nachweis der Berechtigung zum em« jährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen (Wenn z B. mit Rücksicht auf das Lebens« alter die Einreichung des Gesuchs nicht weiter hinaus- geschoben, das vorschriftsmäßige Schulzeugniß aber erst am Schlüsse des Schuljahres ausgestellt werden kann.) In solchen Fällen ist in dem Gesuch anzugeben, daß das Schulzeugniß bis 1. April nachfolgen werde.
3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbstgeschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch ist die nähere Adresse anzugeben.
4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
Geburtszeugniß;
EinwilligungS - Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereit«
Alle Imtoncen-Bureaur brt In- «b InfUnbrt netz«» Mäßigen für btn .Gießener Anzeiger" entgegen, ii in i
liberalen. Die Freiconfervativen und Deulschconservativen sind geneigt, die neue Steuer zu bewilligen, die letzteren allerdings nur unter der Voraussetzung, daß der Erweis erbracht wird, daß ausschließlich die Consumenten die Steuer zu tragen haben werden, während die Freiconfervativen eine Steuer auf Quittungen, Champagner und Inserate für noch zweck- mäßiger als die Steuer auf Bier erachten. Die Bedenken der Linken und des Centrums liegen in zwei Richtungen. Einmal fürchtet man, daß die neue Besteuerung den Ruin der volkswirthschaftlich besonders wichtigen kleinen und mittleren Brauereien bewirken werde, und dann ist man überzeugt, daß eine Vertheuerung des Bieres eine weitere Ausbreitung der Branntweinpest nach sich ziehen werde. Uebrigens war die ganze Reichstagsverhandlung insofern ohne practische Bedeutung, als ja das Schicksal der Steuervorlagen hauptsäch- Jm Uebrigen wird auf Die ioejiimmungen uti 88 oo> lich von dem noch sehr zweifelhaften der Militärvorlage ab« 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen. [ hängt. — Ein besonderes Interesse beanspruchte der S t r 11 e Großh. Prüfung« - Commission i der Bergarbeiter im Saar« und Ruhrgebiet. Begonnen
für Einjährig - Freiwillige zu Darmstadt. hat die Arbeitseinstellung bekanntlich in den staatlichen Berg«
Der Vorsitzende' ; werken an der Saar, die demnach auch nicht, wie man früher
Dr Bellet ' vielfach glaubte, gegen solche Arbeiterbewegungen gefeit sind.
' °--Neber die Gründe zum Strike sind ganz widersprechende Les
arten in die Oeffentlichkeit gedrungen. Nach den Angaben, welche der Handelsminister v. Berlepsch am 12. Januar im Reichstage gelegentlich einer Debatte über den allgemeinen Nothstand machte, betrug der Durchschnittslohn der sämmt- lichen Arbeiter im November 1892 3,82 Mk., derjenigen der Häuer allein in dem gleichen Monat 4,42 Mk., so baß die Höhe der Durchschnittslöhne keinen Grund zu dem Ausstand gebildet haben kann. Allerdings sollen im Einzelnen große Unterschiede in der Löhnung bestanden haben und in dieser Beziehung könnten dann auch die Lohnverhältnisse Anlaß zu , Verstimmungen gegeben haben. Vor Allem aber scheint die Arbeitsordnung die Schuld an der herrschenden Unzufriedenheit zu tragen. Es heißt, daß namentlich die militärische Zucht beim Antreten zur Arbeit und bergt den Bergarbeitern sehr wenig sympathisch sei. Daß die Leute im Uebrigen schlecht behandelt worden wären, hat der Handelsminister auf das Entschiedenste in Abrede gestellt. In den Ruhrbezirken haben die Arbeiter im Wesentlichen nur zur Unterstützung ihrer Kameraden im Saargebiete theilweise die Arbeit eins
welches in dieser Session programmmäßig noch erledigt werden müßte, ist so umfassend, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Außer dem Reichshaushaltsetat, den Militärvorlagen und \ den drei Steuergesetzen, welche die Mittel zur Bestreitung : der in der neuen Militärvorlage in d-r Höhe von 64 Millionen j Mark vorgesehenen jährlichen Mehrkosten liefern sollen, sind dem Reichstage von der Regierung noch weitere zehn Gesetze vorgelegt worden, welche mit Ausnahme von zweien ebenfalls sehr umstrittene Bestimmungen enthalten. Dazu kommen nicht weniger als neunzehn aus der Initiative des Reichstages hervorgegangene Anträge, welche gleichermaßen noch der Erledigung harren. Soll die Session nicht bis in den Herbst dieses Jahres hinein ausgedehnt werden, so ist es dem Reichstage kaum möglich, sein Programm völlig auszusühren. — In dieser Woche hat man zunächst die neue Brau- steuer-Vorlage berathen, durch welche im Wesentlichen die Steuer für den Centner des zur Bierbereitung verwandten Malz- und Getreideschrotes von 2 Mk. auf 4 Mk. erhöht werden soll. Die Vorlage fand bei der ersten Lesung fast ausschließlich Gegner im Reichstage. Geschlossen erklärten sich die ganze Linke und die Centrumspartei gegen das Pro- ject der Regierung, außerdem auch ein Theil der Nationckb-
Ferrilleton.
Wochenbriese aus der Residenz.
(Orlginalbericht für den „Gießener Anzeiger".)
Darmstadt 13. Januar 1893.
Vorbemerkungen. — Vom Darmstädter Karneval. — Theater- Nachrichten. — Verschiedenes.
„Briefe aus der Residenz" will der „Gießener Anzeiger" in Zukunft seinen Lesern allwöchentlich bringen. Das sollen aber keine Reporternachrichten sein, nicht die jüngsten Tages- rreignisse der hessischen Metropole sollen hier wiedergegeben und besprochen werden, nein in gefälliger Form und in leichtem Feuilletonstil soll über alles, was sich im gesellschaftlichen, künstlerischen und geistigen Leben der Residenz ereignet hat, harmlos und gemüthlich geplaudert werden. Wir wagen uns nicht in das Gebiet der hohen Politik und gehen andererseits dem Tagesklatsche nicht nach, nur die vielen freundlichen Beziehungen, die Darmstadt mit der lustigen Musenstadt an der Lahn verbinden, sollen unsere Residenzbriese fördern und befestigen; das wird ihr einziger Zweck sein und wenn sic daneben die schönen Leserinnen — Gießen hat ja deren nicht wenige — und die freundlichen Leser unterhalten, so erfüllen sie eine doppelte Ausgabe. Dies zum Geleit des ersten Brieses.
Seit vergangenem Freitag steht unsere mächtig auf- blühende Residenzstadt unter dem Zeichen des närrischen Prinzen Carneval- die Darmstädter „Narrhalla" hat an diesem Tage im weißen Saale der „Stadt Pfungstadt" ihre erste „urfidele" Sitzung gehalten, der bereits am Sonntag im „Saalbau" ein großes „pudelnärrisches" Concert gefolgt ist. Es ist wunderbar, wie rasch „Seine närrische Hoheit" Prinz Carneval bei uns heimisch geworden ist. Noch vor wenig Jahren gings in der Faschingßze t ganz still und ehr
bar zu- am Fastnachtsdienstag sah man höchstens ein paar maSkirte Kinder auf der Straße; in den Wirthshäusern wurde ein wenig Mehr getrunken als gewöhnlich — wären nicht in jeder Familie auf dem Kaffeetische die „Kreppel" erschienen, man hätte sckier vergessen können, daß es Fastnacht sei. Seit dem ersten großen Carnevalzuge ist das anders geworben. Neben der Darmstädter „Carnevalgesellschaft" hat sich inzwischen die „Narrhalla" gebildet, oder der „Zugverein", wie der weniger schöne Titel lautet, und diese beiden Corpo- rationen haben das närrische Leben in unserer Residenz mächtig gehoben. Ihre Veranstaltungen, vor allem das alljährliche Preisausschreiben für die beste Localposse in Darmstädter Mundart, finden jetzt immer große Betheiligung und daß es auch am Fastnachtsdienstage aus den Straßen sehr lustig zugeht, ist nicht zuletzt gleichfalls ihr Verdienst. Besonders in diesem Jahre, das uns nur einen so kurzen Fasching bescheert, scheint'- recht toll werden zu sollen. Nun wir stehen ja erst im Anfang der lustigen Zeit, also harren wir der Ueberraschungen, die da kommen werden, es soll über alles getreulich berichtet werden.
Auch von unserem Hoftheater lgßt sich aus der vergangenen Woche manches erzählen. Die interessanste ^Vorstellung bot bis jetzt der Sonntag, wo eine Oper unseres einheimischen Kammermusikus Bruno Oelsner. ,Vard- hamana" zur ersten Aufführung gelangte. Das Werk hat vor kurzer Zeit schon in Kassel seine Feuerprobe bestanden und dort wie hier einen recht schönen Erfolg errungen. Der Componist besitzt nach dem allgemeinen Unheil der Kritik ein weit über das gewöhnliche Maß hinausgehendes Talent, schade ist es nur, daß ihn diesmal der Textdichter nur schwach unterstützt hat. Die Aufführung selbst war vorzüglich. Herr Weber sang die Titelrolle, ihm zur Seite standen Herr Kammersänger Baer und Frl. Jungk. Eröffnet wurde der Abend durch Brülls neue Oper „Gringoire", in der unser jugendlicher Bariton Herr Stury eine prächtige Leistung
bot. — lieber die Freitagsvorstellung, ebenfalls eine Novität: „Wehe dem Besiegten" von Voß, berichten wir im nächsten Briefe. Das Hauptereigniß im künstlerischen Leben der nächsten Woche wird das Gastspiel Theodor Reichmanns bilden, der unter anderem den „Hans Sachs" in den „Meistersingern" fingen wird.
Von sonstigen Veranstaltungen bleibt noch das großartige Eisfest zu erwähnen, das der Ausschuß der Studirenden unserer technischen Hochschule am Mittwoch abgehalten hat. Ein wirklich prächtiger Verlauf lohnte die Veranstalter für ihre Mühe. Der Ausschuß entfaltet überhaupt eine rege und erfolgreiche Thätigkeit, ein Beweis, wie sehr dem studentischen Leben die Einigkeit unter den einzelnen Korporationen zu Gute kommt. Es soll in dieser Beziehung nicht überall so gut bestellt sein, wie h.er. Dem Eissport wird im allgemeinen natürlich eifrigst gehuldigt, nicht weniger als drei große vorzügliche Bahnen in den verschiedenen Stadttheilen bieten dazu Gelegenheit. Sonst bleibt für heute wenig zu berichten. In den Concertsälen war's in dieser Woche recht still; nach der Sturmfluth von Concerten, die wir bereits hinter uns haben, that das recht noth, zumal noch der Besuch einer ganzen Reihe von Virtuosen bevorsteht. An Veranstaltungen anderer Art ist ebenfalls kein Mangel. Am Mittwoch begann Herr Albin Krause, der vor wenig Wochen auch in Gießen weilte, seine Vorträge über Hypnotismus und am Samstag beginnt Prof. Meunier aus Frankfurt mit seinen „magisch spiritistischen Sitzungen", wie die Ankündigung besagt. An Unterhaltungen ist gegenwärtig also kein Mangel. Darmstadt hat sich eben auch hierin in den letzten zehn Jahren gegen früher sehr gebessert. So, da ist alles, was wir für heute auf dem Herzen haben, in der kommenden Woche wollen wir für unseren nächsten Plauderbrief gewissenhaft und aufmerksam Material sammeln.


